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6  Zusammenfassung

Im Rahmen dieser retrospektiven Arbeit wurden die Daten von 84 Patientinnen analysiert, die in den Jahren 1992 bis 1998 an einem Ovarialkarzinom erkrankten und im Krankenhaus im Friedrichshain in Berlin behandelt wurden. Das Ziel dieser Studie war die Analyse des Einflusses verschiedener Faktoren auf das Gesamtüberleben und das rezidivfreie Überleben, die Beurteilung des Therapieerfolges und die Untersuchung verschiedener klinischer Prognosefaktoren.

Der Schwerpunkt der Analyse lag auf der Bewertung des Einflusses folgender Faktoren auf das Gesamtüberleben: FIGO-Stadium, postoperativer Tumorrest, Alter, Aszites, Allgemein­zustand, Darmbefall, histologischer Tumortyp, Grading, Steroidhormonrezeptorstatus und präoperativer Wert des Tumormarkers CA-125.

Das mediane Alter der Patientinnen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose betrug 61 Jahre, die jüngste Patientin war 28, die älteste 85 Jahre alt. Die kumulierte Fünfjahresüberlebensrate betrug 53 %. Seitens der Histologie handelte es sich überwiegend um serös-papilläre Karzi­nome. Am häufigsten waren mittelgradig oder schlecht differenzierte Tumore. Die FIGO-Stadien­verteilung setzte sich wie folgt zusammen: FIGO I: 39,3 %, FIGO II: 8,3 %, FIGO III: 36,9 % und FIGO IV: 15,5 %. Die kumulierten Fünfjahresüberlebensraten lagen für die Stadien FIGO I, II, III bzw. IV bei 93 %, 83 %, 20 % bzw. 11 %. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 49,8 Monaten. Am Ende des Nach­beobachtungszeitraumes im Juli 2002 lebten 44,0 % der Patientinnen, 44,0 % waren am Ovarialkarzinom und 8,3 % aus anderen Gründen verstorben, bei 3,6 % war der Status ungeklärt. Insgesamt waren die Daten dieses Patientinnen­kollektives vergleichbar mit denen anderer Veröffentlichungen.

Häufig fand keine radikale operative Primärtherapie statt. 45 % der Patientinnen mit bekann­ten Angaben zum Tumorrest wurden tumorfrei operiert. Bei 31 % des Gesamtkollektives wurde eine Hysterektomie, Adnektomie, Omentektomie, pelvine Lymphonodektomie und ggf. eine Appendektomie durchgeführt. Bei Stadien FIGO I und II wurde häufiger eine Radikal­operation durchgeführt als bei Stadien FIGO III und IV. Nach Möglichkeit wurde eine komplette Tumorresektion angestrebt. Die postoperative Mortalität (bis 31 Tage nach dem Eingriff) betrug 4,8 %. Zu den Frühkomplikationen zählte am häufigsten Ileus mit 7,1 %, zu den Spätkomplikationen Lymphozele mit 11,9 %.

Im Anschluss an den Primäreingriff wurde bei 84,5 % der Patientinnen eine Chemotherapie durchgeführt. Überwiegend wurden standardgemäß Platin-Kombinationstherapien appliziert. Hierbei kamen häufiger Cisplatin/Cyclophosphamid- oder Carboplatin/Cyclophosphamid-Therapien und seltener Carboplatin/Paclitaxel-Therapien zum Einsatz. Die Ansprechrate bezüglich einer Komplettremission bei platinhaltigen Chemotherapien lag bei 71,4 %. Nicht platinhaltige Chemotherapien wurden in 21,1 % der Fälle angewandt und zeigten eine [Seite 109↓]Ansprechrate bezüglich Komplettremission von 46,7 %. Eine Komplettremission war bei 66,2 % des Gesamtkollektives zu verzeichnen. Bei 39,3 % des Gesamtkollektives wurde nach Abschluss der adjuvanten Chemotherapie eine Second-look-Operation zur Verifizierung des Therapieerfolges durchgeführt.

Die Rezidivrate lag mit 35,9 % aller Patientinnen, die keinen Progress erlitten haben und nicht perioperativ verstorben sind, etwas niedriger als in der Literatur mit 40 bis 60 %. Der Median bis zum Auftreten eines Rezidives betrug 11,5 Monate. Am häufigsten kam es innerhalb der Rezidivpatientinnen zu einem Spätrezidiv (> 12 Monate) mit 47,8 %. Nach Rezidivmanifesta­tion betrug die Fünfjahresüberlebensrate 19,2 %, im Median lebten die Frauen 28 Monate.

Die Ergebnisse dieser Studie lassen folgende Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die klinische Praxis zu:

Die Grundlage der Therapie des Ovarialkarzinoms wird auch in der Zukunft die Operation gefolgt von einer Chemotherapie bilden. Um das therapeutische Vorgehen weiter zu optimie­ren sind zusätzliche prospektive Studien zu neuen Zytostatika bzw. anderen Applikations­formen bekannter Chemotherapeutika erforderlich. Im Rahmen dieser klinischen Studien sollten die Addition einer dritten Substanz bei Zytostatikatherapien, Dosiseskalationen und auf Zytostatika sowie auf Immuntherapeutika basierende Erhaltungstherapien untersucht werden. Ferner muss der Einfluss der pelvinen und paraaortalen Lymphonodektomie sowie der Stellenwert der Second-look-Operation auf das Gesamtüberleben weiter abgesichert werden. Auch tumorbiologische Prognosefaktoren und andere Einflussfaktoren wie z.B. Lebensqualität sollten intensiver erforscht werden.


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20.05.2005