Zusammenfassung

↓167

In vorliegender Arbeit wurde der Einfluss der Fütterungsintensität auf das Wachstum und die Entwicklung von Ziegenlämmern der Rasse Bunte Deutsche Edelziege im Alter von 7 bis 165 Tagen untersucht.

↓168

Dazu wurde ein Fütterungsversuch mit 58 Ziegenlämmern und 3 Versuchsperioden durchgeführt.

Im Anschluss an die laktogene Aufzuchtphase (1. Versuchsperiode) wurde in einem zweiten Versuchsabschnitt eine zeitweise Nährstoffrestriktion um 40 % (Restriktionsphase, 2. Versuchsperiode) mit folgender hoher Futterverfügbarkeit (Realimentationsphase, 3. Versuchsperiode) und somit die Ausnutzung kompenstorischer Wachstumseffekte der Lämmer untersucht, wobei die Dauer der restriktiven Phase sowie der Realimentationsphase variiert wurden. Während des I. Versuchsdurchganges dauerte die Restriktionsperiode 4 Wochen und die Realimentationsperiode 4 Wochen. Im II. Versuchsdurchgang verlängerte sich die Restriktionsperiode auf 10 Wochen und die Realimentationsperiode auf 6 Wochen.

Die Tiere wurden im Alter von 1 Woche in Einzelkäfigen mit Stroheinstreu aufgestallt. Die Futterration während der laktogenen Aufzucht bestand aus Ziegenvollmilch ( Gruppe H = 1000 g resp. Gruppe N= 600 g je Tier und Tag), Mischfutter und Wasser, welches ad libitum zur Verfügung stand.

↓169

Im Anschluss an die laktogene Aufzucht (8 Wochen) wurde ein Teil der Tiere mit einem hohem Niveau H (2,4facher Erhaltungsbedarf) bzw. mit niedrigem Niveau N (1,4facher Erhaltungsbedarf) gefüttert. So entstand eine Gruppenbildung von jeweils 2 Kontrollgruppen welche durchgängig auf hohem (HHH) bzw. niedrigem (NNN) Ernährungsniveau gefüttert wurden und 2 Versuchsgruppen (HNH, NNH), deren Fütterungsniveau innerhalb der 3 Versuchsperioden wechselte.

Die Ergebnisse des Experimentes können wie folgt zusammengefasst werden:

Eine Milchreduktion um 40 % führte zu einer um 49 % höheren Mischfutteraufnahme.

↓170

Das Nährstoffdefizit konnte jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden. Dadurch waren die täglichen Zunahmen der Lämmer in Gruppe N um 19 % geringer als jene der Gruppe H, welche die volle Milchmenge erhielt. Aufgrund der geringeren täglichen Zunahme infolge der Milchrestriktion bestand eine Differenz der Lebendmasse der Lämmer am Ende der laktogenen Aufzucht von 1,36 kg bzw. 12 %. Das Wachstum der Lämmer erfolgte proportional zur Energieaufnahme, sodass während der 1. Versuchsperiode keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Trockenmasse-, Rohprotein- Energieaufwandes zwischen den Versuchsgruppen bestand.

In der nachfolgenden Versuchsperiode (Realimentation) erzielten sowohl bei den 4 Wochen als auch bei den 10 Wochen restriktiv gefütterten Gruppen (HNH, NNH) signifikant höhere tägliche Zunahmen gegenüber der Positivkontrollgruppe (HHH) wobei eine längere Restriktionsdauer (10 Wochen) zu höheren täglichen Zunahmen der realimentierten Tiere gegenüber der Positivkontrollgruppe führte.

Eine 4wöchige Realimentationsperiode war ausreichend, um das durch die 4wöchige Restriktion induzierte Gewichtsdefizit der Lämmer vollständig zu kompensieren.

↓171

Das Gewichtsdefizit einer 10wöchigen Futterrestriktion konnte trotz höhere täglicher Zunahmen der realimentierten Tiere innerhalb von 6 Wochen Realimentation nicht vollständig kompensiert werden. Es bestanden signifikante Unterschiede hinsichtlich der Lebendmasse am Ende des Versuches zwischen der Positivkontrollgruppe (HHH) und den Versuchsgruppen HNH und NNH von 16 % bzw. 30 % (p<0,05).

Die Dauer der Restriktion hatte in der nachfolgenden Realimentation einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der Futteraufnahme je kg Lebendmasse 0,75. Nach 4wöchiger Restriktion bestanden keine signifikanten Unterschiede (p<0,05) zwischen der Positivkontrollgruppe (HHH) und den realimentierten Ziegen der Gruppen HNH und NNH. Nach 10wöchiger Restriktion brauchten die Tiere der Gruppen HNH und NNH 7 Tage, um sich an das höhere Fütterungsniveau anzupassen. Danach nahmen die realimentierten Tiere (HNH, NNH) signifikant 9 % mehr Futter gemessen pro kg metabolischer Lebendmasse (LM0,75 ) auf, als die Lämmer der Positivkontrollgruppe (HHH) (p≤0,05).

Die höhere Wachstumsintensität der Lämmer der Gruppen HNH und NNH während der Realimentation führte in beiden Versuchsdurchgängen zu einer besseren Futterverwertung während der Realimentation. Über die gesamte Versuchsdauer bestand kein signifikanter Unterschied (p≤0,05) im Futteraufwand zwischen den Gruppen HHH, HNH und NNH.

↓172

Die Futterrestriktion hatte einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der inneren Organe, wobei die Leber und der Verdauungstrakt besonders betroffen waren (p≤0,05).

Die Lämmer des I. Versuchsdurchganges konnten die infolge der 4wöchigen Nährstoffrestriktion entstandene geringere Gewichtsentwicklung der Organe während der Realimentation vollständig kompensieren. Auch bestanden keine signifikanten Unterschiede (p≤0,05) hinsichtlich der relativen Organgewichte gemessen am Körpergewicht zwischen den Gruppen HHH, HNH und NNH (p≤0,05). Die Negativkontrollgruppe NNN wies dagegen gegenüber den anderen Versuchsgruppen signifikant geringere Organgewichte auf (p≤0,05).

Eine 10wöchige Restriktion mit anschließender sechswöchiger Realimentation führte bei den Gruppen HNH und NNH zu signifikant (p≤0,05) höheren relativen Leber-, Darm- und Vormagengewichten als bei den Lämmern der Positivkontrollgruppe (HHH).

↓173

Die Fütterungsintensität hatte einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Tierkörpers, wobei besonders die chemische Zusammensetzung der Organe betroffen war. Eine Nährstoffrestriktion führte in beiden Versuchsdurchgängen zu einem geringeren Trockensubstanz- und Rohfettgehalt und somit zu einem höheren Wasser- und Rohproteingehalt. Dieser Sachverhalt verstärkte sich je geringer die Lebendmasse der Lämmer zum Zeitpunkt der Schlachtung war. Sowohl im I. als auch im II. Versuchsdurchgang wies die Negativkontollgruppe NNN den signifikant niedrigsten Trockensubstanz- und Fettgehalt sowie den signifikant höchsten Rohproteingehalt im Tierkörper auf (p≤0,05). Ein geringerer Trockensubstanz- und Fettgehalt sowie ein höherer Rohproteingehalt der Versuchsgruppen HNH und NNH gegenüber der Positivkontrollgruppe HHH wurde im I. Versuchsdurchgang in der Tendenz sichtbar, im II. Versuchsdurchgang konnte dieser Unterschied signifikant gesichert werden (p≤0,05).


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
21.09.2006