6 Zusammenfassung

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Trotz der Fortschritte der Medizin in den letzten Jahren weisen die Sepsis und das konsekutive Multiorganversagen eine nahezu unverändert hohe Letalität sowie eine ansteigende Inzidenz auf. Auf operativen Intensivstationen stellt die Sepsis die häufigste Todesursache dar. Für die Entwicklung des MODS gelten Alterationen im Bereich der Mikrozirkulation als ursächlich. Man geht davon aus, dass aktivierte Leukozyten unter anderem Sauerstoffradikale freisetzen, die eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung der endothelialen Integrität einnehmen.

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Die Behandlung von Organdysfunktionen durch eine Antagonisierung schädigender Mediatoren
(wie z.B. reaktive Sauerstoffspezies) stellt ein Prinzip der adjunktiven Sepsis-Therapie dar. Die antioxidativ wirkenden Substanzen N-Acetylcystein und Tirilazad Mesylat, die durch unterschiedliche Wirkmechanismen der oxidativen Schädigung von Organen entgegenwirken, haben bereits in mehreren Studien positive Effekte auf die Mikrozirkulation gezeigt.

Die Beeinflussung der mesenterialen Mikrozirkulation, insbesondere der Plasmaextravasation und der Leukozyten-Endothel-Interaktion, standen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Ziel dieser tierexperimentellen Untersuchung war es, die beiden Antioxidantien NAC und TM hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei kombinierter Gabe zu untersuchen.

Die Untersuchung mikrozirkulatorischer Störungen ist unter klinischen Bedingungen nur beschränkt möglich, daher wählten wir ein Tiermodell an der Ratte. Mit Hilfe dieses Modelles wurde der Effekt der kombinierten Gabe von NAC und TM auf die mesenteriale Mikrozirkulation, auf die systemische Freisetzung von Mediatoren (TNF-α, IL-1β, IL-6, IL-10) und auf paraklinische Parameter, wie die Leukozytenzahl, unter einer Lipopolysaccharidbelastung von 10 mg/kg KG untersucht. Die Beurteilung der mesenterialen Mikrozirkulation erfolgte mittels Intravitalmikroskopie. Hierbei wurde das Ausmaß der Leukozytenadhärenz am Endothel der mesenterialen Venolen als Maß für die Leukozytenaktivierung und die Plasmaextravasation als Parameter für die Endotheldysfunktion bestimmt.

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In unseren intravitalmikroskopischen Untersuchungen stellten wir fest, dass während 2 Stunden Endotoxinämie die endotoxinbedingte Zunahme der Plasmaextravasation an mesenterialen Venolen von Ratten durch die kombinierte Gabe von NAC und TM nicht signifikant beeinflusst werden konnte.

Im Gegensatz dazu kam es zu einer signifikanten Reduktion der Anzahl der fest adhärenten Leukozyten in der NAC/TM-Gruppe im Vergleich zur LPS-Gruppe. Die tendenziell erhöhte Plasmaextravasation unterstützt die Hypothese, dass leukozytenunabhängige Mechanismen für diesen Vorgang existieren.

Durch die kombinierte Gabe von NAC und TM konnte die endotoxininduzierte Freisetzung von TNF-α, IL-1β, IL-6, IL-10 und die endotoxinbedingte Leukopenie nicht signifikant beeinflusst werden.


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24.01.2007