5. Zusammenfassung

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Einleitung: Seit der ersten Äthernarkose 1846 sind Forscher bemüht, einen Parameter zu finden, mit dem man die Narkosetiefe messen kann. Bisher standen vor allem aus dem EEG abgeleitete Parameter im Mittelpunkt der Forschung. Diese sind sehr gut geeignet, die hypnotische Komponente der Anästhesie abzubilden. Eine Vorhersage auf motorische Reaktionen lassen sie jedoch nicht zu. Eine vorausgehende Studie hat gezeigt, dass unter Sevofluran der spinale H-Reflex mit der chirurgischen Immobilität korreliert. Die vorliegende Studie untersucht, ob motorische Reaktionen während Propofolmononarkosen mittels H-Reflex besser vorausgesagt werden können als mit den EEG-Parametern BIS, SEF 95%, SE und RE. Außerdem wurde der Einfluss von Propofol auf die Erholungskurve des H-Reflexes unter Doppelstimulation untersucht.

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Methodik: Nach Zustimmung der Ethikkommission und schriftlicher Einwilligung wurden 17 Patienten in die Studie eingeschlossen und ausgewertet. Die Untersuchungen fanden präoperativ statt. Nach der „up-and-down“-Methode von Dixon wurde die Konzentration von Propofol auf einen Wert eingestellt, bei dem die Hälfte der Patienten auf einen am Unterarm ausgelösten elektrischen Tetanus-Reiz (60 mA, 50 Hz, 5 s) mit einer gezielten motorischen Reaktion reagierten (C50-Tetanus). Nach einer Kontrollmessung wurde die Konzentration von Propofol 15 min konstant gehalten. Danach wurde von einem „steady state“ ausgegangen und der Tetanusreiz wurde ausgelöst. Die Vorhersagefähigkeit der möglichen Narkosetiefeparameter auf eine Bewegung wurde mit der „Prediction Probability“ (PK-Wert) ermittelt. Im zweiten Teil wurde der H-Reflex anhand der Doppelstimulation mit größer werdenden Interstimulusintervallen (50-
8000 ms) untersucht.

Ergebnisse: 17 Patienten konnten in die Studie eingeschlossen und ausgewertet werden. Die Wachwerte für die H-Reflexamplitude liegen bei 5,9 ± 3,8 mV. Der von uns berechnete C50-Tetanus-Wert beträgt 4,5 ± 0,45 mg/l. Die PK-Werte 0,47 für den H-Reflex und 0,45 für die Herzfrequenz lassen nur zufällige Aussagen auf motorische Reaktionen zu. Die EEG-Parameter zeigen höhere PK-Werte: BIS (0,74), SE (0,73), RE (0,71). In diesem Bereich liegt auch der PK-Wert der Propofolzielkonzentration (0,76). Der Schmerzreiz beeinflusste weder die H-Reflexamplitude noch die EEG-Parameter. Bei der Doppelstimulation zeigte sich eine verzögerte Erholung des H-Reflexes unter Doppelstimulation. Am stärksten ist diese Unterdrückung unter den Interstimulusabständen von 150 und 200 ms im Bereich der interkurrenten Fazilitation.

Schlussfolgerung: Für die Vorhersage motorischer Reaktionen während einer Propofol-mononarkose sind EEG-Parameter wie BIS, SE und RE etwas besser geeignet als der spinale H-Reflex. Dies steht im Gegensatz zu einer Untersuchung mit Sevofluran und wird auf die unterschiedlichen Wirkmechanismen von volatilen und intravenösen Anästhetika zurückgeführt.Die Unterdrückung der Erholungskurve des H-Reflexes unter Doppelstimulation, die vor allem im Bereich der interkurrenten Fazilitation stattfindet, ist möglicherweise durch eine Reduktion supraspinaler exitatorischer Einflüsse zu erklären.


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10.04.2006