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1.  Einleitung

„Frakturen im distalen Drittel des Femurs verblüffen immer noch den Chirurgen. Seien sie transversal oder schräg oder Trümmerfrakturen, suprakondylär oder intrakondylär in einer T, Y oder V Form, ihre Behandlung ruft wegen der beständig schlechten Resultate immer noch viel Streit hervor.“ [205]

Auch 36 Jahre nach dieser Aussage Stewarts wird nach den optimalen Versorgungskonzepten gesucht. Die Schwierigkeiten bei der Versorgung der distalen Femurfrakturen lassen sich schon aufgrund ihrer Ätiopathogenese und ihrer Inzidenz vermuten. Die distalen Femurfrakturen entstehen hauptsächlich entweder durch Hochenergietraumata, häufig im Rahmen von Mehrfachverletzungen, diese dann selbst eine optimale Versorgung und Nachbehandlung der Femurfraktur limitieren. Sie können aber auch durch Niedrigenergietraumata entstehen, von denen osteoporotische Frakturen und periprothetische Frakturen hervorzuheben sind. Geht man von bekannten multinationalen Inzidenzen [10, 18] aus, würde das für Berlin mit circa 3,5 Millionen Einwohnern und 76 Krankenhäusern [201] bedeuten, dass bei einer gleichmäßigen Verteilung pro Klinik jeden zweiten Monat eine distale Femurfraktur zu therapieren wäre.

Die Therapiekonzepte sind mit konservativer und operativer Therapie, wie extra- und intramedulläre Verfahren und primärem alloarthroplastischer Ersatz vielgestaltig [113, 176, 200]. Die Ergebnisse bei der Versorgung von distalen Femurfrakturen waren mit einer nicht geringen Zahl von Infektionen, Pseudarthrosen und Fehlstellungen belastet [150, 194, 239]. Wegen dieser Komplikationen wurde bis in die siebziger Jahre von einer routinemäßigen operativen Versorgung dieser Frakturen abgeraten [149, 194, 205]. So bevorzugten zum Beispiel 1972 über 60% der amerikanischen Chirurgen die konservative Therapie einer transversalen suprakondylären Fraktur [173]. Erst als geeignete Implantate zur Verfügung standen und gute Ergebnisse publiziert wurden, wandelte sich die Behandlung zur operativen Therapie [73, 181, 220, 221].

Bei der extramedullären Osteosynthese, auf die sich diese Arbeit fokussiert, haben sich in den letzten Jahren interessante Entwicklungen vollzogen. Osteosynthesematerialien, die Repositionstechnik, die Technik der Implantatplatzierung und die Implantate selbst, bei denen die Entwicklung zu winkelstabilen Systemen gegangen ist, haben sich grundlegend geändert. Die klinischen Ergebnisse der winkelstabilen Implantate sind vielfältig publiziert worden [29, 54, 58, 111, 123, 179, 192].

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen eines dieser winkelstabilen Implantate, dem LISS (Less Invasive Stabilization System, Synthes), das seit 1996 in unserer Klinik Verwendung findet. Die Ergebnisse des LISS bei der Osteosynthese distaler Femurfrakturen wurden mit Ergebnissen konventioneller Plattenosteosynthesen am distalen Femur, die ebenfalls an unserer Klinik durchgeführt wurden, in einer retrospektiven Studie verglichen. Mit diesem klinikinternen Vergleich sollten die Probleme, die beim Vergleichen verschiedener Studien auftreten (wie nicht einheitliche Definitionen bei Infektion [78], Pseudarthrose oder Fehlstellung [170], untersucherabhängige Bewertungsschemata, verschiedene klinikinterne Therapiestandards) minimiert werden.


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25.11.2004