[Seite 21↓]

6.  Methodik

6.1. Datenerfassung

In der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie wurden alle extramedullären Osteosyntheseverfahren am distalen Femur erfasst, deren Operationsdatum zwischen dem 1.1.1995 und dem 31.9.2000 lag. Damit sollte erreicht werden, dass ein Mindestnachuntersuchungszeitraum von 12 Monaten gewährleistet wurde. Einschlusskriterien waren alle Frakturen vom Typ 33 nach AO. Es wurden frische Frakturen, pathologische Frakturen und periprothetische Frakturen eingeschlossen. Umstellungsosteotomien fanden keine Berücksichtigung. Die Frakturen mussten entweder mit einer Plattenosteosynthese (Klingenplatte, Burriplatte, DCP, LC-DCP oder DCS) oder mit dem LISS versorgt worden sein. Die alleinige Versorgung der Fraktur durch entweder Fixateur externe oder Schraubenosteosynthese war kein Einschlusskriterium. Ausschlusskriterien waren eine primäre auswärtige Versorgung bei frischen Frakturen und Frakturen bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Epiphysenfugen. Da zu uns Patienten nach einer auswärtigen primären Stabilisierung verlegt wurden, war eine externe primäre Stabilisierung kein Ausschlusskriterium.

Wie von Smith und Watts [199] vorgeschlagen, wurden Telefonnummern und Adressen aus dem Computersystem des Krankenhauses erfasst, die Patienten angeschrieben und Internetsuchen durchgeführt, um aktuelle Daten zu gewinnen. Zusätzlich wurden Landeseinwohnerämter, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Verlegungskrankenhäuser und Angehörige kontaktiert, um fehlende Patienten zu rekrutieren. Die Daten wurden aus Krankenblättern und Röntgenbildern erfasst, weitere Daten wurden durch Fragebögen und durch die Nachuntersuchungen gewonnen.

Die Daten wurden statistisch ausgewertet und die Ergebnisse anhand objektiver Befunde und subjektiver Einschätzungen in verschiedenen Punktbewertungsschemata (Scores) verglichen.

6.2. Der Erhebungsbogen

6.2.1. Daten

Alle notwendigen Daten konnten in archivierten Krankenblättern gesichtet und durch Patientenangaben ergänzt werden. Sie wurden sofort in einer Datenbank erfasst, die mit dem Programm Microsoft® Access 2002 (Copyright Microsoft Corporation) erstellt wurde.

6.2.2. Anamnese

Bei der Dokumentation der Anamnese wurden Unfalltag, Aufnahmetag in der Klinik, Unfallursache und die Gründe für die Operation bei fehlender Unfallursache und eine mögliche initiale Stabilisierung der Fraktur (mit Datum und Verfahren) erfasst. Weiterhin wurden Vorerkrankungen und Voroperationen an der betroffenen Extremität erfasst. Zu Vorerkrankungen zählten Arthrose, Infektionen, Tumoren und andere (z.B. angeborene Muskelerkrankungen). Zu den Voroperationen zählten Frakturversorgungen jeder Art und die Implantation von alloplastischem Material im Femur wie Endoprothesen oder Osteosynthesematerial. Bei der Eigenanamnese wurden Krankheiten erfasst, die zu einer möglichen Beeinträchtigung der Durchblutung und des Heilungsprozesses führen würden.


[Seite 22↓]

6.2.3.  Status

Der wichtigste präoperative Befund war das Röntgenbild, welches obligat in 2 Ebenen gefertigt wurde und gegebenenfalls durch weitere Diagnostik wie konventionelle Tomographien, CT oder MRT ergänzt wurde. Weiterhin wurden das Verletzungsmuster, Begleitverletzungen, die Seite, die Frakturklassifikation nach AO, der Weichteilteilschaden nach Tscherne und Oestern [222] und eventuelle neurologische Verletzungen der betroffenen Extremität erfasst.

6.2.4. Therapie

Bei der operativen Versorgung wurden der Operationszeitpunkt, die Operationsdauer, das Implantat, zusätzliche Implantate, der Zugang und zusätzliche chirurgische Maßnahmen wie die lokale Applikation von Antibiotika oder das Verwenden von Spongiosa erfasst.

6.2.5. Verlauf

Bei allen Operationen wurden 3 x 2,2 g Augmentan peri- und postoperativ intravenös appliziert. Die Dosierung der Thromboseprophylaxe entsprach der für ein hohes Risiko, das Medikament wurde in Abhängigkeit der aktuellen Entwicklung und Empfehlung und nach individuellen Gesichtspunkten (dauerantikoagulierte Patienten oder bekannte allergische Reaktionen auf Heparin) durchgeführt. Die postoperative konservative antiödematöse Therapie erfolgte in Abhängigkeit vorliegender Begleitverletzungen, die initiale Bewegungstherapie und die Belastung nach Einschätzung des Operateurs, im weiteren Verlauf wurde sie festgelegt nach dem klinischen und radiologischen Befund. Weiterhin wurde die Benutzung einer Orthese dokumentiert. Die Beurteilung der Wundheilung erfolgte bei den Verbandswechseln, bei Entlassung und poststationären Kontrolle. Dabei wurden die primäre Wundheilung (komplikationslose Wundheilung bis zur Entlassung oder abgeschlossene Wundheilung nach 14 Tagen), die verzögerte Wundheilung (kein Abschluss der Wundheilung nach 2 Wochen mit Auftreten von lokalen Komplikationen) und sekundäre Wundheilung (notwendige Intervention) unterschieden. Zusätzlich wurden bei der sekundären Wundheilung die Anzahl der notwendigen Operationen, das Datum des finalen Wundverschlusses und das Verfahren dokumentiert. Da es für die Traumatologie keine allgemein akzeptierte Definition der Infektion gibt, wurde eine Infektion dann angenommen, wenn mindestens ein klinisches Infektzeichen neu auftrat, eine positiver Keimnachweis vorlag und eine therapeutische Konsequenz resultierte [78]. Es wurde nicht zwischen tiefen und oberflächlichen Infektionen unterschieden, da durch die relative Nähe der verschiedenen Strukturen ein Übergreifen der Infektion nicht unwahrscheinlich ist [78]. Weiterhin wurden allgemeine Komplikationen (Herz- Kreislaufsystem, respiratorisches System, Urogenitalsystem und andere) erfasst.

6.3. Nachuntersuchungsbogen

Bei der Nachuntersuchung wurden die Zeit zwischen der Operation und der Nachuntersuchung (follow-up) festgestellt. An objektiven Befunden wurden der Zeitraum bis zur freigegebenen Vollbelastung und die Komplikationen (Infektion, Implantatlockerung, verzögerte Knochenheilung, Pseudarthrose und nachfolgende Operationen) erfasst. Das Bewegungsausmaß, die Stabilität des Kniegelenkes, die Beinlänge, Muskelatrophien, Fehlstellungen des Kniegelenkes in der Frontalebene und potentielle Rotationsfehlstellungen wurden klinisch im Vergleich zu der Gegenseite erhoben. Die Röntgenbilder wurden digitalisiert.


[Seite 23↓]

Es wurden die Konsolidierung der Fraktur, die Achsverhältnisse und die Lage des eventuell vorhandenen Osteosynthesematerials dokumentiert.

6.4. Fragebogen

Zur Ergänzung der klinischen und radiologischen Daten wurde ein Fragebogen entworfen und allen Patienten mit der Einladung zugesandt. In einigen Fällen wurden die Fragen auch telefonisch beantwortet. Die Fragen wurden anhand der zu erhebenden Daten für den Lysholm Score [212] und den Neer Score [149] formuliert. Zusätzlich wurden die Patienten gebeten, Angaben zur Anamnese und zum Verlauf zu ergänzen.

6.5. Statistische Auswertung

Die statistischen Berechnungen wurden mit SPSS für Windows Version 11.0.0 (Copyright SPSS Corporation) erstellt.

Zuerst wurden Einflussgrößen und Ergebnisse der beiden Gruppen auf signifikante Unterschiede getestet. Da es sich um nichtverbundene Stichproben handelt und nur eine geringe Fallzahl untersucht werden konnte, wurde bei nominal skalierten oder ordinal skalierten Variablen der Chi-Quadrat-Test eingesetzt. Bei den metrisch skalierten Variablen wurden wegen der Fallzahl nichtparametrische Tests gewählt. Zwei unabhängige Variablen wurden mit dem Man-Whitney-U-Test überprüft, bei mehreren Variablen wurde der Kruskal-Wallis-Test angewendet.

Bei der Berechnung von Korrelationen zwischen nominal skalierten oder ordinal skalierten Variablen wurde der Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman verwendet. Bei den intervallskalierten Variablen wurde ebenfalls der Koeffizient nach Spearman angewendet, da die Voraussetzungen für die Anwendung des Maßkorrelationskoeffizienten nach Pearson (normalverteilte Grundgesamtheit und lineare Abhängigkeit) nicht einwandfrei gegeben waren.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
25.11.2004