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7.  Ergebnisbeschreibung

7.1. Studienpatienten

7.1.1. Allgemein

Insgesamt erfüllten 51 Patienten die Einschlusskriterien, davon wurden 29 Patienten mit 32 LISS Implantaten und 22 Patienten mit 22 anderen Implantaten osteosynthetisch versorgt. Die linke Seite war 23 Mal und die rechte Seite 31 Mal betroffen.

Von den Patienten waren 30 Frauen und 21 Männer. Das mittlere Alter lag in der LISS-Gruppe (Gruppe 1) bei 50,2 (17,3-86,6) Jahren, in der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen (Gruppe 2) bei 62,8 Jahren (28,1-100,5). Die Altersverteilung sei für beide Gruppen dargestellt. Dieser Altersunterschied war statistisch signifikant (p=0,043).

Abb. 3: Altersverteilung beider Patientengruppen

7.1.2. Trauma

Bei den Ursachen, die zu den Frakturen führten, dominieren die Stürze mit insgesamt 70,4 % aller versorgten Frakturen. Bei den Verkehrsunfällen, die insgesamt mit 29,6% ursächlich waren, entfielen die Hälfte auf PKW-Insassenverletzungen. Die andere Hälfte wurde durch Zusammenstöße (als Fußgänger, Radfahrer oder Mopedfahrer) mit einem PKW verursacht.


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Tab. 1: Häufigkeit der Verletzungsursachen

 

LISS

Plattenosteosynthese

Verletzungsursachen

Anzahl

Prozent

Anzahl

Prozent

Autounfall

4

12,5

4

18,2

Kollision mit Auto

5

15,6

3

13,6

Sturz

23

71,9

15

68,2


Insgesamt überwogen die isolierten Femurfrakturen mit insgesamt 40,7%, polytraumatisiert waren 25,9% der Patienten.

Abb. 4: Darstellung der Verletzungsschwere anhand der Häufigkeit einzelner Begleitverletzungsmuster

Bei den Begleitverletzungen aller Studienpatienten führend waren insgesamt die Extremitätenverletzungen, die in 50% der Fälle auftraten und das Schädel-Hirn-Trauma, das in 31,5% aller Fälle auftrat. Die Anzahl der kontralateralen Femurfrakturen betrug 12, das entspricht 22,2%.

Tab. 2: Häufigkeit einzelner Begleitverletzungen

 

LISS

Plattenosteosynthese

Anzahl

Prozent

Anzahl

Prozent

Extremitätenverletzungen

19

59,4

8

36,4

kontralaterale Femurfrakturen

11

34,4

1

4,5

SHT

12

37,5

5

22,7

Thorax

6

18,8

4

18,2

Abdomen

0

0

1

4,5

Wirbelsäule

3

9,4

3

13,6

Becken

2

6,3

3

13,6



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Offene Frakturen wurden 7 Mal in der LISS-Gruppe gesehen, das entspricht einem Anteil von 21,9%. In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen betrug die Anzahl der offenen Frakturen 5, das entspricht 22,7%. Statistisch fand sich kein signifikanter Unterschied der beiden Gruppen in Bezug auf den Unfallmechanismus oder das Verhältnis der geschlossenen zu offenen Frakturen.

Es konnte aber gezeigt werden, dass das Vorhandensein einer geschlossenen Fraktur vom Alter der Patienten abhängt (Spearmanscher Rangkorrelationskoeffizient rs=0,397 bei p=0,003), so dass der Anteil der geschlossenen Frakturen mit zunehmendem Patientenalter anstieg. Das Vorhandensein einer geschlossenen Fraktur hing aber auch vom Verletzungsmuster ab (rs=-0,484 bei p=0,000). Das bedeutet, dass bei den Patienten mit isolierten Femurfrakturen häufig geschlossene Frakturen und bei den polytraumatisierten Patienten häufig offene Frakturen zu beobachten waren. Auch die Unfallursache (rs=0,591 bei p<0,001) korrelierte signifikant mit dem Alter der Patienten. Bei den jüngeren Patienten waren Hochenergietraumata, bei den älteren Patienten Niedrigenergietraumata als Unfallursache häufig.

Bei den 54 distalen Femurfrakturen fanden sich 29 A-Frakturen, eine B-Fraktur und 24 C-Frakturen. Die einzelnen Frakturen teilen sich wie folgt auf:

Abb. 5: Anteil der einzelnen Frakturtypen

Bei dieser Aufstellung sind die Frakturen bei liegender Knieendoprothese enthalten. Der Anteil der in dieser Studie ausschließlich als 33A-Frakturen aufgetretenen periprothetischen Frakturen betrug in der LISS-Gruppe 3,1% und in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 9%. Mit der bivariaten Analyse konnte gezeigt werden, dass die Schwere der Fraktur (AO-Klassifikation) mit dem Alter der Patienten korrelierte (rs=-0,420 bei p=0,002). Das bedeutet, dass vor allem jüngere Patienten komplexere Frakturen erlitten.

7.1.3. Versorgung

Eine initiale Stabilisierung mit einem Fixateur externe und folgender sekundärer definitiver Osteosynthese erfolgte in der LISS-Gruppe bei 40,6%, bei der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen in 13,6% der Fälle, dieser Unterschied ist signifikant (p=0,001). Bei der Auswertung der Ergebnisse konnte aber mit der bivariaten Analyse gezeigt werden, dass dieser Unterschied in der initialen Stabilisierung keinen Einfluss hatte.


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Bei den Osteosynthesen mit dem LIS-System wurden die längeren Platten am häufigsten verwendet, die 5-Loch Platte kam nur 5 Mal zur Verwendung.

Tab. 3: verwendete Implantate

LISS

Plattenosteosynthese

Implantat

Anzahl

Prozent

Implantat

Anzahl

Prozent

5-Loch

5

15,6

Burriplatte

10

45,5

9-Loch

18

56,3

DCS

11

50

13-Loch

9

28,1

LC-DCP

1

4,5

Zusatzimplantate, meistens freie Zugschrauben, wurden in der LISS-Gruppe 16 Mal (50%) und in der anderen Gruppe 7 Mal (31,8%) verwendet, dieser Unterschied ist nicht signifikant (p=0,184). Bei 70% aller C-Frakturen und 17% aller A-Frakturen wurden Zusatzimplantate wie freie Zugschrauben verwendet.

Die durchschnittliche Zeit von der Verletzung bis zur Aufnahme betrug in der LISS-Gruppe 0,61 (0-6) Tage und in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 0,33 (0-5) Tage. Die Dauer für die beiden Gruppen von der Aufnahme bis zur definitiven Versorgung betrug 1,94 (0-10) Tage bzw. 1,05 (0-5) Tage. Die Dauer von der Verletzung bis zur definitiven Versorgung betrug 2,55 (0-11) Tage bzw. 1,38 (0-5) Tage und unterschied sich damit nicht signifikant (p=0,198).

Abb. 6: Zeitdauer von der Verletzung bis zur definitiven operativen Versorgung

Die Operationsdauer betrug in der LISS-Gruppe 143 (45-265) Minuten und in der anderen Gruppe 156 (90-300) Minuten. Primäre Spongiosaplastiken wurden in der LISS-Gruppe in keinem, in der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen in einem Fall durchgeführt.

7.1.4. Hämatome

In der Gruppe der LISS-Osteosynthese und in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthese kam es je zu einem revisionspflichtigen Hämatom, das entspricht 3,1% in der ersten beziehungsweise 4,5% in der zweiten Gruppe.


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7.1.5.  Infektion

Postoperativ kam es bei der Gruppe der LISS-Osteosynthesen zu keiner Infektion (0%), bei der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen kam es in 2 Fällen zu einer Infektion (11,1%). Die Infektionsraten unterschieden sich nicht signifikant (p=0,097). Infektionen bei geschlossenen Frakturen traten in beiden Gruppen nicht auf.

Im ersten Fall erlitt eine 29-jährige Patientin eine zweitgradig offene Fraktur. Initial erfolgte eine Osteosynthese mit einer DCS ohne primäre Spongiosaplastik. Im weiteren postoperativen Verlauf kam es bei fehlender medialer Abstützung und Belastung zu einer zunehmenden Varusfehlstellung. Nach 9 Wochen wurden eine Reosteosynthese mit einer DCS und eine autologe Spongiosaplastik durchgeführt. Im Anschluss an die Reosteosynthese wurde bei einem positiven mikrobiellen Befund eine offene Wundbehandlung durchgeführt. Nach Konditionierung und Spalthauttransplantation kam es zur komplikationslosen Heilung.

Im zweiten Fall erlitt ein 49-jähriger Patient eine drittgradig offene 33C3 Fraktur. Diese wurde initial temporär stabilisiert und nach 11 Tagen definitiv mit einer Kondylenabstützplatte versorgt. Postoperativ kam es zu einem knochenfragmentbedingten arteriellen Verschluss. Trotz operativer Intervention konnte eine suffiziente Vaskularisation nicht mehr erreicht werden, so dass eine Woche postoperativ eine Ablatio femoris und eine mehrwöchige offene Wundbehandlung erfolgen mussten.

7.1.6.  Verzögerte Knochenbruchheilung

In der Gruppe der LISS-Osteosynthesen kam es bei 24 Frakturen in 2 Fällen zu einer verzögerten Frakturheilung (8,3%).

Bei der ersten Patientin handelt es sich um eine 24-jährige Patientin, die bei einem Autounfall verletzt wurde. Die polytraumatisierte Patientin erlitt neben bilateralen distalen Femurfrakturen einen hinteren Kreuzbandriss auf der linken Seite und eine Unterschenkelfraktur links, die mit einem Kompartmentsyndrom einherging. Die distale Oberschenkelfraktur war eine drittgradig offene AO 33C3 Fraktur, die Fraktur rechts, die komplikationslos heilte, eine erstgradig offene AO 33C2 Fraktur. Am Aufnahmetag wurden beide Frakturen debridiert und gesäubert und mit einem externen Fixateur stabilisiert. Am zweiten Tag nach Aufnahme wurde die linke Seite mit einem 9-Loch LISS und 8 Zugschrauben stabilisiert, die rechte Seite wurde am zehnten Tag mit einem 5-Loch LISS und 3 Zugschrauben definitiv osteosynthetisch versorgt. Die Patientin konnte nach 3 Monaten mit dem linken Bein voll belasten, wurde aber danach für weitere Kontrollen verloren. Bei der letzten Untersuchung, die 54 Monate postoperativ stattfand, berichtete die Patientin über eine in einer anderen Klinik stattgefundene sekundäre Spongiosaplastik 6 Monate postoperativ. Bei der klinischen Untersuchung bestand weder eine Achsfehlstellung in der Frontalebene noch eine Rotationsdeformität, das Bewegungsausmaß war in Extension/Flexion 10/0/150. Der Neer Score betrug 57 Punkte (nicht zufrieden stellend) und der Lysholm Score 32 Punkte. Diese schlechten Ergebnisse waren hauptsächlich auf eine Insuffizienz des hinteren Kreuzbandes zurückzuführen, eine Kreuzbandersatzplastik ist aber vorgesehen.


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Abb. 7: Bild (a) zeigt die Unfallbilder, (b) die postoperativen Bilder. Die Röntgenaufnahmen (c) sind 6 Monate postoperativ angefertigt worden, bevor die Patientin mit einer sekundären Spongiosaplastik therapiert wurde. Bild (d) wurde nach 22 Monaten aufgenommen.

a

b

c

d

Der zweite Patient ist ein 55-jähriger Patient, der aus größerer Höhe stürzte und sich im Rahmen eines Polytraumas neben einer linksseitigen distalen geschlossenen Femurfraktur Typ 33C2 bilaterale proximale Femurfrakturen Typ 31B2 zuzog. An relevanten Vorerkrankungen ist ein Nikotin- und Alkoholabusus mit einer symptomatischen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zu nennen. Die distale Femurfraktur wurde am Aufnahmetag mit einem 9-Loch LISS und einer Zugschraube versorgt, die Schenkelhalsfrakturen mit einer dynamischen Hüftschraube beidseits, rechts zusätzlich mit einer Antirotationsschraube. Nach 6 Monaten dann erfolgte eine Lockerung der rechten Antirotationsschraube, die durchgeführte radiologische Diagnostik ergab eine fehlende Durchbauung im rechten proximalen Femur und einen einsehbaren Frakturspalt im linken distalen Femur. Eine nach 9 Monaten durchgeführte Tomographie des linken distalen Femur ergab einen weiterhin einsehbarer Frakturspalt und eine beginnende Kallusmineralisation.

Bei der nach 19,6 Monaten postoperativ stattgefundenen Nachuntersuchung gab der Patienten an, aufgrund der symptomatischen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit 18 Monate postoperativ in einer auswärtigen Klinik bilaterale iliakale Bypässe erhalten zu haben. Klinisch war die Fraktur konsolidiert, erneute Röntgenaufnahmen wurden vom Patienten zum Untersuchungszeitpunkt abgelehnt.


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Abb. 8: Bild (a) zeigt die Unfallbilder, (b) die postoperativen Bilder. Die Röntgenaufnahmen (c) sind 9 Monate postoperativ angefertigt worden, deutlich einsehbarer Frakturspalt im seitlichen Strahlengang. Gut sichtbar sind die Gefäßverkalkungen im Bild (a) und (c).

a

b

c

Klinisch imponierte eine Achsfehlstellung in Frontalebene (5 Grad Valgus), eine Beinverkürzung von 2 cm, aber keine Rotationsdeformität. Der Neer Score des Patienten betrug 66 Punkte und der Lysholm Score 59 Punkte.

In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen wurden keine verzögerten Knochenbruchheilungen oder Pseudarthrosen dokumentiert. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (p=0,372).

7.1.7. Implantatversagen

Zu einem Implantatversagen kam es insgesamt 4 Mal, in der Gruppe der LISS-Osteosynthesen von 25 Fällen bei 3 Patienten (12%), in der zweiten Gruppe zu 1 Fall von 9 nachuntersuchten Patienten (11,1%).

In der LISS-Gruppe kam es im ersten Fall bei einer 54-jährigen Patientin 8 Tage postoperativ ohne erkennbaren Grund zu einer proximalen Implantatlockerung beziehungsweise Schraubenausriss, in diesem Fall war eine 5-Loch Platte verwendet worden. Bei der Patientin wurde eine Reosteosynthese mit bikortikalen, partiell winkelstabilen Schrauben durchgeführt, zusätzlich wurde das Knie temporär transfixiert. Im weiteren Verlauf kam es zu einer komplikationslosen Heilung.

Im zweiten Fall kam es bei einer 77-jährigen Patientin 12 Tage postoperativ ebenfalls zu einer proximalen Implantatlockerung mit insuffizienter Verankerung der proximalen Schrauben bei einer 9-Loch Platte, auch hier erfolgte die Reosteosynthese mit dem LISS und bikortikalen, partiell winkelstabilen Schrauben. Die weitere Frakturheilung war komplikationslos.

Im dritten Fall kam es bei einem 51-jährigen Patienten, bei dem ein 9-Loch LISS verwendet worden war, 2 Tage nach Entlassung des Patienten 9 Wochen postoperativ zu einem Materialversagen. Es wurde eine Reosteosynthese mit einem retrograden Nagel durchgeführt.

In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen erlitt eine 29-jährige Patientin eine zweitgradig offene Fraktur, es wurde eine Osteosynthese mit einer DCS ohne primäre Spongiosaplastik durchgeführt. Im weiteren postoperativen Verlauf kam es bei fehlender medialer Abstützung [Seite 31↓]und Belastung zu einer zunehmenden Varusfehlstellung bei Lockerung und Verbiegen des Implantates. Die 9 Wochen postoperativ durchgeführte Reosteosynthese mit einer DCS mit autologer Spongiosaplastik führte zur problemlosen Ausheilung.

7.1.8. Sekundäroperationen

Als Sekundäroperationen sind Arthrolyse, Exostenabtragung oder Entfernung von heterotopen Ossifikationen und die sekundäre Spongiosaplastik zu nennen, die Aufteilung ist in Tab. 4 dargestellt. Weitere sekundäre Eingriffe, wie zur Therapie einer Infektion oder eine Reosteosynthese bei Implantatversagen, wurden weiter oben beschrieben.

Tab. 4: Häufigkeit ausgewählter sekundärer Eingriffe

 

LISS

Plattenosteosynthese

Anzahl

Prozent

Anzahl

Prozent

sekundäre Spongiosaplastik

2

8

1

11,1

Entfernung von Exostosen oder

heterotopen Ossifikationen

3

12

0

0

Arthrolyse

1

4

2

22,2

Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bezüglich der sekundären Spongiosaplastik (p=0,805), der Entfernung heterotoper Ossifikationen oder Exostosen (p=0,266) und der Arthrolyse (p=0,108) waren nicht signifikant.

In der Gruppe der LISS-Osteosynthesen wurde eine Spongiosaplastik bei der Patientin mit der verzögerten Frakturheilung durchgeführt, deren Fall im entsprechenden Kapitel beschrieben wurde.

Die zweite Spongiosaplastik wurde bei einer 25-jährigen Patientin durchgeführt, die sich bei einem Autounfall eine drittgradig offene Fraktur vom Typ 33C3 nach AO zuzog. Diese Fraktur wurde am Aufnahmetag provisorisch stabilisiert und am 4. Tag definitiv osteosynthetisch versorgt. Neben einem 9‑Loch LISS kamen 3 Zugschrauben und Polypins zur Anwendung, eine primäre Spongiosaplastik erfolgte trotz eines circa 3 cm lange Knochenverlustes nicht. Dieser Defekt wurde während der Frakturheilung nicht überbrückt, so dass 12 Monate postoperativ eine sekundäre Spongiosaplastik mit einem corticospongiösen Span erfolgte. Nach diesem Zweiteingriff erfolgte die ereignislose Konsolidierung der Defektzone.

Die Spongiosaplastik in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen wurde im Rahmen einer Reosteosynthese durchgeführt. Dieser Fall wurde weiter oben im Abschnitt 7.1.6 beschrieben.


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Abb. 9: Bild (a) zeigt die drittgradig offene 33C3 Fraktur nach provisorischer Fixateurstabilisierung. Postoperative Aufnahmen (b), 1 Monat postoperativ (c), der mediale Knochendefekt ist gut zu erkennen. Bild (d) ist 16 Monate nach der Erstoperation und 4 Monate nach der Spongiosaplastik aufgenommen, zu erkennen sind hier die Schrau-ben zu Fixierung des corticospongiösen Spans.

a

b

c

d

7.1.9. Sonstige Komplikationen

Bei 1 Patientin (3,1%) in der LISS-Gruppe kam es bei Narkoseende zu einer Lungenarterienembolie, die die Implantation eines Cavaschirmes und folgende Antikoagulation notwendig machte. In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen wurde 1 Mal (4,5%) eine tiefe Beinvenenthrombose diagnostiziert, die ebenfalls eine Antikoagulation notwendig machte.

7.2. Ergebnisse der Nachuntersuchung

Aus der Gruppe der 29 LISS-Patienten konnten insgesamt 21 Patienten mit 23 Frakturen nachuntersucht werden. In diese Gruppe wurde auch die eine, oben erwähnte Patientin mit der Fraktur bei liegender Knieendoprothese eingeschlossen. Von den verbleibenden 8 Patienten waren 4 (12,9%) verstorben, bei 2 Patienten wurde im Laufe der Behandlung der Oberschenkel amputiert (einmal auf Grund kritischer Weichteilverhältnisse bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und einmal wegen eines frakturfernen chronischen Infektes bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit) und 2 Patienten waren nicht auffindbar. Die Nachuntersuchungsrate lag bei 72,4% aller Patienten. Schließt man die oberschenkelamputierten und verstorbenen Patienten aus, liegt die Untersuchungsrate bei 93,1%.

Aus der Gruppe der 22 konventionellen Plattenosteosynthesen konnten 9 Patienten nachuntersucht werden. Von den verbleibenden 13 Patienten waren 8 Patienten (36,4%) verstorben, 1 Patient war oberschenkelamputiert, 2 Patienten waren nicht auffindbar und 3 Patienten verweigerten eine Nachuntersuchung. Die Nachuntersuchungsrate lag bei 40,9% aller Patienten. Schließt man die oberschenkelamputierten und verstorbenen Patienten aus, liegt die Untersuchungsrate bei 69,2%. Damit ist ein großes Problem der mittelfristigen bis langfristigen Studien angesprochen. Trotz intensiver Anstrengungen gelingt es nicht, wie im Fall der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen 30,8% zu einer Nachuntersuchung einzuladen.

Der mittlere Nachuntersuchungszeitraum in der LISS-Gruppe betrug 31,2 (13 bis 54,7) Monate, der der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 72,7 (41,7 bis 97,7) Monate.

7.2.1. Fehlstellungen

Die Definition einer Fehlstellung wurde nach einem Vorschlag von Ricci et al. übernommen [170]. Eine Winkeldeformität größer als 5 Grad, mehr als 1 cm Längenänderung und eine Rotationsdeformität [Seite 33↓]größer gleich 10 Grad wurden für die Definition Fehlstellung benutzt. Die Achsen wurden radiologisch und klinisch kontrolliert, davon die Rotation in liegender Position bei 90 Grad Hüftflexion.

Eine Winkeldeformität in der Frontalebene größer als 5 Grad konnte in 2 (8,7%) Fällen in der LISS-Gruppe diagnostiziert werden, in der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen wurde eine Winkeldeformität größer als 5 Grad in 1 (11,1%) Fall festgestellt.

Eine Längenänderung von mehr als 1 cm wurde in der Gruppe der LISS-Osteosynthesen 4 (17,4%) Mal beobachtet, in der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen 2 (22,2%) Mal. Bei den häufig mehrfachverletzten Patienten geht aber aus diesen Daten nicht hervor, ob die distale Femurfraktur ursächlich für Längendifferenz ist. Werden die Patienten nicht berücksichtigt, bei denen kontralaterale Femurfrakturen, ipsilaterale Mehretagenbrüche oder Kettenverletzungen vorlagen, sind es in der Gruppe der LISS 7,1% Fehlstellungen bezüglich der Länge und der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 25%.

Eine Rotationsfehlstellung von größer gleich 10 Grad wurde in der LISS-Gruppe 1 (4,3%) Mal und in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 2 (22,2%) Mal gesehen.

Bei den Nachuntersuchungspatienten unterschieden sich die Achsfehlstellungen (p=0,863), Verkürzungsfehlstellungen (p=0,891), Rotationsfehlstellungen (p=0,144) nicht signifikant. Diese Aussage bleibt auch gültig, wenn die Patienten mit Mehretagenverletzungen, kontralateralen Femurfrakturen oder periprothetischen Frakturen nicht berücksichtigt werden.

Insgesamt lag die Anzahl der Fehlstellungen nach den oben genannten Kriterien in der LISS-Gruppe bei 6 (26,1%) Fällen und in der Gruppe der konventionellen Osteosynthesen bei 4 (44,4%) Fällen.

7.2.2. Zeit der knöchernen Konsolidierung

Die Zeit bis zur knöchernen Konsolidierung konnte aufgrund unvollständiger Datensätze nicht ausgewertet werden. Weder lagen zu allen Zeiträumen Röntgenaufnahmen in 2 zueinander orthograden Ebenen vor, noch wurden zu jedem Nachuntersuchungszeitpunkt die Schmerzhaftigkeit der Fraktur beim Laufen oder bei Palpation und das Ausmaß der Belastung dokumentiert. Zusätzlich wurden nicht alle Patienten zu ihren frühen postoperativen Nachuntersuchungsterminen vorstellig. Auch in einigen Fällen, in denen Patienten auswärtig postoperativ betreut wurden, ergaben sich Probleme wegen fehlender Röntgenbilder oder nicht vollständiger Dokumentation. Wegen der langen Nachuntersuchungszeiträume (bis 97,7 Monate) kam es bei der Patientenbefragung nach der Zeit bis zur Vollbelastung nicht immer zu verlässlichen Angaben.

7.2.3. Bewegungsausmaß

In der LISS-Gruppe kam es in insgesamt 5 (21,7%) Fällen zu einem Extensionsdefizit. In 1 Fall betrug das Defizit 35 Grad, in 3 Fällen 10 Grad und in einem Fall 5 Grad. In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen konnte in 1 (11,1%) Fall ein Extensionsdefizit von 5 Grad nachgewiesen werden.

Bei dem Patienten mit dem Extensionsdefizit von 35 Grad handelt es sich um einen 54-jährigen Patienten, bei dem prätraumatisch ein Extensionsdefizit von 10 Grad nach Unterschenkelamputation und konservativ therapierter Tibiakopffraktur bestand.

Die mittlere Flexion lag in der LISS-Gruppe bei 121 Grad (90-150), einmal war lediglich eine maximale Beugung von 90 Grad zu verzeichnen, die bereits prätraumatisch nach einer vor mehreren Jahren [Seite 34↓]stattgefundenen Patellektomie bestand.

In der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen lag die mittlere Flexion bei 123 Grad (90-140), einmal war eine maximale Flexion von 90 Grad zu verzeichnen. Die einzelnen Werte für die Flexion und Extension sind ab Tab. 15 auf Seite 51 aufgeführt.

Beim Vergleich der mittleren Werte der Flexion und der Extension beider Gruppen wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede gefunden, diese Aussage bleibt auch gültig, wenn die Patientin mit der periprothetischen Fraktur von der Analyse ausgeschlossen wird.

Bei der bivariaten Analyse konnte einzig ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Extension und Flexion (rs=0,408 bei p=0,02) bei allen nachuntersuchten Patienten aufgezeigt werden.

7.2.4. Neer Score

Der Neer Score [149] wurde bestimmt. Der mittlere Wert betrug in der LISS-Gruppe 77,2 (57-100) Punkte und in der Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 75 (48-100) Punkte. Damit gab es exzellente oder befriedigende Ergebnisse in 77,3% respektive 62,5% der Fälle. Der Neer Gesamtscore unterschied sich nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen (p=0,832).

Tab. 5: Ergebnisse nach Neer [149] beider Gruppen

 

LISS

Plattenosteosynthese

Neer Kategorie

Anzahl

Prozent

Anzahl

Prozent

exzellent

5

22,7

3

37,5

befriedigend

12

54,6

2

25

unbefriedigend

5

22,7

2

25

mangelhaft

0

0

1

12,5

Total

22

100

8

100

Bei der bivariaten Analyse konnte einzig eine Korrelation zwischen der Verletzungsschwere der Patienten und dem Neer Score (rs=-0,441 bei p=0,015) gezeigt werden. Mit den vorliegenden Daten konnte kein Zusammenhang zwischen der Schwere der distalen Femurfraktur und dem Neer Score nachgewiesen werden.

7.2.5. Lysholm Score

Es wurde der modifizierte Lysholm Score erhoben [212]. Der mittlere Wert betrug in der LISS-Gruppe 66,3 (24-97) Punkte und in Gruppe der konventionellen Plattenosteosynthesen 58,4 (12-93) Punkte (p=0,552).


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25.11.2004