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9.  Zusammenfassung

Bei der internen, extramedullären Osteosynthese des distalen Femurs, auf die sich diese Arbeit fokussiert, haben sich in den letzten Jahren interessante Entwicklungen vollzogen.

Ausgehend von unzufriedenstellenden Komplikationsraten wurden neue Wege in der Versorgung dieser schwierigen Frakturen gesucht. Osteosynthesematerialien, Repositionstechniken, die Technik der Implantatplatzierung und die Implantate selbst, bei denen die Entwicklung zu winkelstabilen Systemen gegangen ist, haben sich grundlegend geändert.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen eines dieser winkelstabilen Implantate, dem LISS, das seit 1996 in unserer Klinik Verwendung findet. Diese Ergebnisse wurden mit konventionellen Plattenosteosynthesen am distalen Femur, die ebenfalls an unserer Klinik durchgeführt wurden, in einer retrospektiven Studie verglichen.

Die Rate der Pseudarthrosen betrug in beiden Gruppen 0%. Die beobachteten verzögerten Frakturheilungen beim LISS, die aber durch die hohe Primärstabilität des LISS keine Komplikation per se darstellen, wurden ausschließlich bei schwierigen Fällen beobachtet. Eine verzögerte Knochenbruchheilung trat auf bei einer drittgradig offenen Fraktur mit Knochendefekt, die ohne primäre Spongiosaplastik versorgt wurde. Bei dem zweiten Patienten bestand eine präoperativ eine symptomatische Durchblutungsstörung, die im Heilungsverlauf chirurgisch saniert werden musste.

Auch die sekundären Spongiosaplastiken, die beim LISS im Vergleich zur Plattenosteosynthese weniger häufig durchgeführt wurden, kamen nur bei drittgradig offenen Frakturen mit einem Knochendefekt zur Anwendung. Der Unterschied – beim LISS 8% und bei der Plattenosteosynthese 11,1% - war nicht signifikant.

Bei der Infektion konnte eine geringe Infektionsrate beim LISS (0%, Plattenosteosynthese 11,1%) gezeigt werden. Diese geringere Infektionsrate ist aufgrund der geringen Fallzahl nur als Tendenz zu werden, dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.

Die Rate des Materialversagens unterschied sich nicht signifikant. Beim LISS, das seit Beginn der klinischen Anwendung bei uns Verwendung fand, war für das Materialversagen nicht das Implantat ursächlich, sondern die damit genutzte minimal invasive Technik. Zwei der insgesamt 3 Materialversagen von 32 Fällen sind vermutlich auf eine Fehlplatzierung des Systems durch die minimal invasive Technik zurückzuführen. Zusätzlich wird eine Fehlplatzierung durch die fehlende Erfahrung mit den veränderten Drehmomenten und damit dem veränderten Gefühl bei der Schraubenplatzierung erleichtert. Da diese beiden Fehlplatzierungen im ersten und zweiten Jahr der klinischen Anwendung des LISS auftraten, ist eine Reduzierung der Fehlplatzierungsraten wahrscheinlich.

Bei der Verwendung des LISS mit der indirekten Reposition der extraartikulären Frakturen und dem minimal invasiven Einbringen des Implantates konnte bestätigt werden, dass sich die Rate der postoperativen Fehlstellungen mit 29,2% nicht gegenüber der konventionellen Plattenosteosynthese mit 44,4% verschlechtert hatte. Auch die mittlere Operationszeit erhöhte sich bei der Anwendung des LISS mit 143 Minuten gegenüber 156 Minuten bei der Plattenosteosynthese nicht.

Zur besseren Vergleichbarkeit von Studien sollten einheitliche Definitionen für die Infektion und für Fehlstellungen benutzt werden, Fehlstellungen sollten als Rohdaten oder in mathematisch korrekten Kategorien angegeben werden. Der Art und der Ursache von sekundären Eingriffen sollte gegenüber der Rate von verzögerten Frakturheilungen und Pseudarthrosen der Verzug gegeben werden.


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25.11.2004