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Die im Durchschnitt geborene Kinderzahl je Mutter sowie die Verteilung der Frauen nach der Kinderzahl sind in den ost- und westeuropäischen Ländern unterschiedlich. Verallgemeinernd kann festgestellt werden, dass in den osteuropäischen Ländern die durchschnittliche Kinderzahl am höchsten ist, gefolgt von den skandinavischen Ländern (STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR DAS AUSLAND 1998). Ursächlich hierfür dürften sowohl traditionelle Einstellungen und Verhaltensweisen zu Mutterschaft und Familiengröße wie auch soziokulturelle Besonderheiten und Spezifika bei den Möglichkeiten der Familienplanung und Methoden der individuellen Geburtenregelung sein (HETTLAGE, 1998). Auch innerhalb eines Landes sind Unterschiede hinsichtlich des Kinderwunsches und dessen Realisierung zu beobachten. So ist beispielsweise die Anzahl der geborenen Kinder je Frau in ländlichen Regionen zumeist höher als in den Städten (FRITSCHE; WOLK, 1990; BERTRAM, 1992; FRITSCHE; SPEIGNER, 1992; HOLZER; MÜNZ, 1996).
In der vorliegenden Studie soll der Fragestellung nachgegangen werden, ob und in welchem Ausmaß auch innerhalb einer großstädtischen Bevölkerung regionale Differenzen hinsichtlich der gewünschten und realisierten Kinderzahl sowie den praktizierten Methoden der Frauen und Paare zur Familienplanung bestehen.
Anhand von Ergebnissen einer sozialanamnestischen Erhebung bei einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe von Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren in Berlin-Ost werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten im generativen Verhalten zwischen den Bezirken im Ostteil Berlins ermittelt und auf mögliche Ursachen zurückgeführt.
Als generatives Verhalten im engeren Sinne werden bewusste Handlungen für oder gegen die Geburt eines (weiteren) Kindes sowie Aktivitäten und Entscheidungen der Frauen und Paare zur Bestimmung von Kinderzahl und Geburtsterminen entsprechend ihren individuellen Vorstellungen angesehen (FRITSCHE, 1983).
Generatives Verhalten im weiteren Sinne, wie auch hier als Arbeitsdefinition verwendet, soll neben den vorgenannten Inhalten die Einstellung der Frauen zur gewünschten und als ideal erachteten Kinderzahl, ihr Sexualverhalten, ihre Auffassungen zum Schwangerschaftsabbruch sowie Begründungen für fehlenden Kinderwunsch und die Nichtanwendung von Kontrazeptionsmitteln beinhalten.
Die Arbeit geht von der GRUNDHYPOTHESE aus, dass Einstellungen und Verhaltensweisen der Frauen zu Familienplanung und Geburtenregelung auch zwischen den Wohnbezirken einer Stadt unterschiedlich sind und infolge dessen eine regionale Differenzierung bei der medizinischen Betreuung und der sozialen Beratung und Unterstützung erforderlich ist.
Zur Untersuchung dieser Fragestellung werden folgende inhaltliche Bereiche, differenziert nach dem Wohnbezirk der Frau, analysiert:
Verschiedene Studien über Wechselbeziehungen zwischen der sozialen Situation der Frau und ihrem generativen Verhalten (u. a. MEYER; SPEIGNER, 1982; WEIDACHER, 1991; LÖHR, 1991; HENNING, G. und HENNING, M., 1992; FRITSCHE; SPEIGNER, 1992; RICHTER, 1996; HOLZER; MÜNZ, 1996; [Seite 56↓]BEGENAU; HELFERICH, 1997; KUNZE, 2001; WESSEL, 2001) legen die Vermutung nahe, dass regionale Unterschiede bei Kinderzahl, Kinderwunsch und Kontrazeption durch soziokulturelle und sozialstrukturelle Merkmale der jeweiligen Wohnbevölkerung mitbedingt sind und begründen die ARBEITSHYPOTHESE, wonach für die regionale Differenzierung des generativen Verhaltens vorrangig die Sozialstruktur der Frauen und Familien ausschlaggebend ist.
Zur Charakterisierung der sozialen Situation der Frau werden folgende Indikatoren genutzt:
Dabei wird von folgenden Annahmen ausgegangen:
Als Folgerung aus der Prüfung der Teilhypothesen wird untersucht, ob und anhand welcher sozialstruktureller Parameter regionaler Wohnstrukturen Inhalte und Prioritäten für Familienplanung und Geburtenregelung ableitbar sind, die es den Frauen, Paaren und Familien erleichtern, eigenverantwortlich die von ihnen gewünschte Kinderzahl und Geburtstermine unter Berücksichtigung von gesundheitlichen, sozialen und ethischen Aspekten zu verwirklichen.
Dabei wird von der ARBEITSHYPOTHESE ausgegangen, dass (neben der Nationalität der Frau, die jedoch nicht Gegenstand dieser Untersuchung ist und der Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter) die Altersstruktur der Frauen, die Anzahl der von ihnen bereits geborenen Kinder und die Formen ihrer Partnerschaft ausreichend für die Ermittlung des in der Region zu erwartenden Bedarfs und die inhaltlichen Schwerpunkte bei der medizinischen und sozialen Betreuung auf dem Gebiet der Familienplanung sind.
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