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5  Sozialstrukturelle Verteilungen der Probandinnen
in den Ostberliner Bezirken

5.1 Altersstruktur

Zur Untersuchung regionaler Differenzen im generativen Verhalten unter Berücksichtigung des Alters der Frau wurden die 2.076 Probandinnen nach dem Alter zum Befragungszeitpunkt (in vollendeten Jahren) in folgende sieben Altersgruppen aggregiert:

Die Altersstruktur der in der vorliegenden Studie beteiligten Frauen entspricht im wesentlichen der Verteilung der Frauen im gebärfähigen Alter im Jahre 1990 im Ostteil Berlins (siehe Tab. 17, S. 57).

Entsprechend der Geburtenentwicklung in den 60er und 70er Jahren in der DDR ist die Altersgruppe der 25- bis 29jährigen Frauen überrepräsentiert, die der unter 20jährigen deutlich unterrepräsentiert (Tab. 17). Durch die gesellschaftlich angestrebte Zuwanderung nach Ostberlin unter dem Aspekt der Hauptstadtfunktion für die DDR haben sich in den 70er und 80er Jahren diese Disproportionen in der Altersstruktur im Ostteil der Stadt noch verstärkt, da insbesondere jüngere Frauen und Familien eine verstärkte berufliche und soziale Mobilität aufweisen.

Fast ein Viertel der befragten Frauen waren im Alter von 25 bis 29 Jahren (22,5 %), 17,2 % der Befragten waren 20 bis 24 Jahre alt und nur 11,1 % der in die Untersuchung einbezogenen Frauen waren zum Zeitpunkt der Erfassung jünger als 20 Jahre. Der geringer werdende Anteil der über 30jährigen Frauen an der Studie (30 - 34 Jahre: 19,5 %; 35 - 39 Jahre: 16,7 %; 40 - 44 Jahre: 13,1 %) ist vergleichbar mit der geringeren Anzahl von Frauen dieser Altersgruppen in Ostberlin zum Untersuchungszeitpunkt (Tab. 17).

Erwartungsgemäß bestehen zwischen den Ostberliner Bezirken gravierende Unterschiede hinsichtlich der Verteilung von 15- bis 44jährigen Frauen nach dem Alter (Tab.  I). Das wird besonders offensichtlich beim Vergleich zwischen „traditionell gewachsenen“ Wohnbezirken und in den 70er und 80er Jahren neu etablierten „Wohn- und Schlafstätten“. Die unter den Bedingungen der ehemaligen DDR praktizierte Wohnraumlenkung begünstigte vorrangig Familien mit Kindern (kinderreiche und Familien mit Kleinkindern) bei der Vergabe von neuerrichteten Wohnungen sowie (zumeist berufsbedingt) Zuziehende ohne Wohnraum. Je nach Zeitpunkt der Erschließung neuer Wohnregionen (Marzahn, Hohenschönhausen, Hellersdorf) und den Modalitäten bei der Vergabe von Wohnraum ist die Altersstruktur der dort lebenden Frauen unterschiedlich geprägt.

Während der Anteil Jugendlicher und junger Frauen in den Bezirken Köpenick (16,2 %), Treptow (14,8 %) und Pankow (14,1 %) deutlich über dem entsprechenden Durchschnittswert für Ostberlin (11,1 %) liegt, ist insbesondere in Bezirken mit einer hohen Bevölkerungsdichte infolge von mehrgeschossigem Wohnungsbau der Anteil der über 30jährigen Frauen hoch (Marzahn 61,2 %; Hohenschönhausen 51,4 %). Vergleichbare überdurchschnittliche Anteile (Durchschnittswert 49,3 %) sind nur noch in den Bezirken Lichtenberg (54,3 %) und Mitte (54,2 %) zu beobachten. Ein besonders [Seite 64↓]geringer Anteil von über 30jährigen an den Frauen im gebärfähigen Alter insgesamt ist für den Bezirk Friedrichshain (39,2 %) und die Bezirke Prenzlauer Berg (43,2 %), Weißensee (45,1 %) und Pankow (45,5 %) charakteristisch (Tab. I).

Die signifikanten regionalen Unterschiede hinsichtlich der Altersstruktur von Frauen im gebärfähigen Alter sind für die Analyse bestehender Abweichungen bei Einstellungen und Verhaltensweisen zu Familienplanung, Geburtenregelung und praktizierten Formen der Kontrazeption deshalb von besonderer Bedeutung, da nachgewiesen werden konnte (EXNER, 1996), dass insbesondere das Alter der Frau determinierend für ihr generatives Verhalten ist.

So kann beispielsweise für den Zeitraum der Erhebung davon ausgegangen werden, dass unter den sozialen Bedingungen der DDR die Frauen ihren Kinderwunsch bis zum Alter von 30 Jahren zumeist realisiert hatten bzw. weniger als 15 % der Kinder von Frauen geboren wurden, die älter als 30 Jahre waren (FRITSCHE; SPEIGNER, 1992). Ebenso zeigt die Anwendung kontrazeptiver Mittel und Methoden zur Geburtenregelung einen deutlichen Altersgang (POHL, 1995; EXNER, 1996; BEGENAU; HELFFERICH, 1997; JESKE, 1997).

Abb. 15: Verteilung der Frauen nach Altersgruppen – Berlin Ost insges., Treptow und Marzahn
Studie Frau ´90

Die graphische Darstellung der Altersstrukturen von Frauen im gebärfähigen Alter verdeutlicht – am Bei-spiel der Bezirke Marzahn und Treptow - die Unterschiede in den Häufigkeitsverteilungen zwischen den Ostberliner Bezirken (Abb. 15). Während in Treptow der Anteil der Frauen im Alter von unter 30 Jahren überwiegt (53,1 %), sind in Marzahn fast zwei Drittel der Probandinnen 30 Jahre und älter (61,2 %). Besonders stark besetzt sind dort die Altersgruppen 30 - 39 Jahre; der Anteil von Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren ist mit rund 16 % in beiden Bezirken gleich hoch (Tab. I).

Der Bezirk Friedrichshain ist charakterisiert durch einen geringen Anteil von Frauen im Alter von 30 und mehr Jahren (39,2 %) sowie Jugendlichen und jungen Frauen bis unter 20 Jahre (8,2 %); die Mehrzahl der Befragten ist im Alter von 20 - 29 Jahren (52,7 %).

In Hellersdorf sind infolge der Neuerschließung mehr als ein Drittel der Frauen (34,4 %) im Alter von 25 bis 29 Jahren, der Anteil der unter 20jährigen ist mit 6,4 % deutlich unterrepräsentiert, ebenso die 35jährigen und älteren Frauen (19,6 %).


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In Hohenschönhausen ist der überwiegende Teil der Frauen im Alter von 25 - 39 Jahren (63,3 %), der Anteil der unter 20jährigen (11,1 %) und der 40jährigen und älteren Frauen (11,1 %) entsprechen in etwa den Durchschnittswerten für Ostberlin.

Im Bezirk Lichtenberg wird eine Überrepräsentanz der über 40jährigen Probandinnen (17,2 %) und eine gewisse Überhöhung der unter 20jährigen Frauen (12,0 %) auffällig; dementsprechend sind die Anteile der Frauen in den mittleren Altersgruppen, insbesondere die der 25- bis 29jährigen (18,5 %), unterdurchschnittlich.

In Köpenick ist mit 16,2 % der Anteil der Jugendlichen und jungen Frauen unter 20 Jahre deutlich überhöht zu Lasten der 20- bis 29jährigen Probandinnen (31,8 %).

Der Bezirk Mitte ist charakterisiert durch einen großen Anteil von älteren Frauen. 38,1 % der Befragten waren 35 Jahre und älter (Durchschnitt: 29,8 %). Hier sind insbesondere die unter 20jährigen unterrepräsentiert (6,7 %).

In Pankow ist im Vergleich zu Mitte eine gegenläufige Altersstruktur zu beobachten. 38,5 % der Frauen sind unter 25 Jahre (Durchschnitt: 28,3 %), und der Anteil der über 35jährigen Frauen entspricht mit 31,4 % in etwa dem Durchschnittswert der Befragten.

Im Bezirk Prenzlauer Berg sind die Altersgruppen der über 35jährigen unterrepräsentiert (22,4 %) zugunsten der mittleren Altersgruppen, insbesondere der 20- bis 29jährigen Probandinnen (46,0 %).

Weißensee in seiner regionalen Struktur von 1990 war der Stadtbezirk mit der niedrigsten Bevölkerungszahl im Ostteil Berlins. Dementsprechend ist auch die aus der unter regionalen Aspekten repräsentativen Stichprobe resultierende Anzahl der Probandinnen mit n=71 gering. Hinsichtlich der Altersstruktur der an der Studie beteiligten Frauen ist auffällig, dass sowohl die unter 20jährigen (7,0 %) als auch die über 35jährigen (25,4 %) im Vergleich zum Durchschnitt unterbesetzt sind. Bei den mittleren Altersgruppen ist insbesondere die der 20- bis 24jährigen Frauen mit 23,9 % (Durchschnitt: 17,2 %) deutlich überrepräsentiert (Tab. I).

Die jeweiligen Altersstrukturen der befragten Frauen in den Ostberliner Bezirken dürften - neben den Einflüssen auf Kinderwunsch und Geburtenregelung - auch für Verteilungen der Frauen nach sozialstrukturellen Merkmalen in den jeweiligen Wohnregionen von Bedeutung sein. In Verbindung mit dem Familienstand und den Formen der Partnerschaft (Pkt. 5.2), dem Schul- und Berufsabschluss der Frau (Pkt. 5.3), der Erwerbstätigkeit der Frau (Pkt. 5.4), ihrer Einkommens- und Wohnsituation (Pkt. 5.5) sowie der Anzahl der bereits geborenen Kinder (Pkt. 6.1) wird darauf Bezug genommen.

5.2 Familienstand und Partnerschaftsformen

Das generative Verhalten wird maßgeblich durch den Familienstand beeinflusst. Insbesondere die Verwirklichung eines Kinderwunsches und die Anzahl der geborenen Kinder zeigen enge Beziehungen zur standesamtlich bestätigten Partnerschaft. Bei jüngeren Paaren erfolgt eine Eheschließung zumeist mit dem Wunsch, ein oder mehrere Kinder zu bekommen, und in rund 50 % dieser geschlossenen Ehen werden in den folgenden drei Ehejahren Kinder geboren (POHL, 1990). NEBENFÜHR (1995) nennt den Familienstand als Haupteinflussfaktor (neben dem Alter) für eine Entscheidung der Frau zum zweiten Kind.

In den alten Bundesländern ist, historisch gewachsen, die Ehe praktisch eine „Vorbedingung“, ein Kind zu bekommen. Bis Anfang der 90er Jahre wurden rund 90 % der Kinder von Müttern geboren, die verheiratet waren; in der DDR in den 80er Jahren hingegen nur rund zwei Drittel. Während die Kinderzahl bei verheirateten Paaren in Ost und West annähernd gleich ist, leben in nichtehelichen Lebensgemeinschaften des früheren Bundesgebietes deutlich weniger Kinder als im Osten Deutschlands (NIEMEYER, 1994). [Seite 66↓]Entgegen den Erwartungen hat sich die individuelle Entscheidung, erwünscht oder unerwünscht eingetretene Schwangerschaften auch ohne „Ehering“ mit der Geburt zu beenden, nach der „Wende“ in Ostdeutschland nicht vermindert, sondern relativ erhöht. 1997 wurden in den neuen Bundesländern 44,1 % der Kinder nichtehelich geboren, in den alten Bundesländern betrug dieser Anteil hingegen nur 14,3 % (WIRTSCHAFT UND STATISTIK 1/1999).

In der vorliegenden Studie wurden den Befragten neun Möglichkeiten von Partnerschaftsformen, orientiert an einer gemeinsamen Lebensführung, vorgegeben:

Der überwiegende Teil unserer Probandinnen war zum Zeitpunkt der Befragung verheiratet (55,9 %), 32,2 % der Frauen waren ledig, 11,3 % geschieden und 0,5 % verwitwet. Alleinlebende verheiratete Frauen (0,5 %) oder verheiratete Frauen, die mit einem anderen Partner zusammenlebten (0,3 %), waren eine Randgruppe.

Die Verteilung der von uns befragten Frauen nach dem Familienstand korrespondiert zumeist mit der Altersstruktur in den jeweiligen Bezirken. Während der Anteil lediger Frauen (Durchschnitt: 32,2 %) in Bezirken mit einem hohen Prozentsatz von unter 20jährigen Frauen erwartungsgemäß groß (Treptow: 40,6 %; Köpenick: 37,7 %) und in Bezirken mit hohen Anteil von Frauen im Alter von 30 und mehr Jahren niedrig (Marzahn: 25,3 %; Hohenschönhausen: 25,1 %) ist, wird insbesondere in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg ein überhöhter Anteil lediger Frauen offensichtlich (Tab. II), der nicht durch die Altersstruktur der Frauen erklärbar ist.

Abb. 16: Anteil verheirateter Frauen in Prozent nach dem Wohnsitz – Studie Frauen´90


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Der Anteil verheirateter Frauen ist erwartungsgemäß infolge der Wohnraumlenkung in der DDR in solchen Bezirken, die einen großen Anteil von neuerbauten hochgeschossigen Plattenbauten haben, besonders groß (Abb. 16). Rund zwei Drittel dieser Frauen sind verheiratet (Hellersdorf: 61,7 %, Marzahn: 63,1 %; Hohenschönhausen: 61,7 %). In den Bezirken Prenzlauer Berg (46,6 %), Mitte (48,3 %) und Pankow (48,7 %) sind es hingegen weniger als die Hälfte der Befragten. Während es in Pankow durch die Altersstruktur der Befragten teilweise erklärbar ist, spricht der geringe Anteil verheirateter Frauen in den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg für Unterschiede in den Einstellungen und Verhaltensweisen zur Eheschließung bzw. Lösung der ehelichen Gemeinschaft.

Deutlich über dem Durchschnittswert von 11,8 % geschiedener (und verwitweter) Frauen liegen die Anteile der Befragten in den Bezirken Prenzlauer Berg (15,9 %), Mitte (15,3 %) und Pankow (14,1 %), was nicht mit altersstrukturellen Verteilungen der Frauen begründbar ist. Die niedrigen relativen Häufigkeiten geschiedener Frauen in den Bezirken Köpenick (7,8 %) und Treptow (9,4 %) sind durch den hohen Anteil von unter 20jährigen Frauen erklärbar.

Von besonderem Interesse ist die regionale Verteilung der Frauen nach den Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens. 26,1 % der Befragten lebten allein, 73,9 % in einer festen Partnerschaft, davon 55,2 % mit ihrem Ehemann (Tab. II). Überraschend hoch ist der Anteil der Ledigen, die in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben, was den hohen Stellenwert der vorehelichen Partnerschaft in der ehemaligen DDR unterstreicht. Dem entgegen leben geschiedene Frauen (zumeist trotz festem Partner) überwiegend allein. Während entsprechend der Altersstruktur in den Bezirken Köpenick und Pankow der Anteil der ledig Alleinlebenden erwartungsgemäß hoch ist (31,1 % bzw. 30,1 % der Befragten), ist auffällig, dass trotz einer geringen prozentualen Häufigkeit von Frauen unter 20 Jahren im Bezirk Weißensee der höchste Anteil an Ledigen, die nicht in einer festen Partnerschaft leben (32,4 %), zu beobachten ist. Die Wohnstruktur der Frauen in den Bezirken Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen ist durch eine besonders niedrige Häufigkeit von ledigen Frauen, die nicht mit ihrem Partner zusammenleben, charakterisiert (19,6 %; 23,1 %; 24,2 %). Der Anteil lediger Frauen, die in fester Partnerschaft leben, ist mit 22,3 % im Bezirk Friedrichshain am höchsten, gefolgt von Treptow (19,5 %), Mitte (18,6 %) und Prenzlauer Berg (18,3 %). Hierfür dürften besondere regionale Wohnstrukturen, insbesondere in den zentrumsnahen Bezirken, die ein Zusammenleben ohne „Trauschein“ leichter ermöglichen, ursächlich sein (Tab. II).

Abb. 17: Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens bei ledigen Frauen nach dem Wohnsitz
Studie Frau ´90

Bei der Untersuchung der Verteilung der Ledigen in den jeweiligen Bezirken nach den Formen des [Seite 68↓]partnerschaftlichen Zusammenlebens wird offensichtlich, dass es gravierende regionale Unterschiede gibt. Von den 669 Frauen, die zum Zeitpunkt der Befragung ledig waren, lebten 41,9 % mit ihrem Partner in einer Lebensgemeinschaft, 58,1 % mit oder ohne Partner allein. Während im Bezirk Friedrichshain bei den Ledigen der Anteil der Frauen, die in einer festen Partnerschaft leben, überwiegt (56,9 %), und im Prenzlauer Berg, Mitte und Treptow rund die Hälfte der Ledigen in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben (48,9 %; 51,2 %; 48,1 %), sind es in den Bezirken Köpenick (31,7 %) und Weißensee (29,2 %) weniger als ein Drittel (Abb. 17).

Eine gegensätzliche regionale Verteilung hinsichtlich des Anteils von Frauen, die in fester Partnerschaft leben, ergibt sich bei den geschiedenen Frauen. 236 Probandinnen waren zum Zeitpunkt der Befragung geschieden, davon lebten 58,5 % allein, 41,5 % gemeinsam mit ihrem Lebenspartner. Während im Bezirk Friedrichshain der Anteil der geschiedenen Frauen, die in Lebensgemeinschaft leben, mit 16,7 % (n=3) sehr niedrig ist, beträgt dieser in Bezirken mit einer großen Zahl neuerbauter Wohnungen fast die Hälfte (Marzahn: 45,7 %; Hohenschönhausen: 43,8 %; Hellersdorf: 44,0 %). Es ist zu vermuten, dass in diesen Regionen geschiedene Frauen (mit Kindern im Haushalt) verstärkt die eheliche Wohnung nach der Scheidung übernommen haben und diese gemeinsam mit einem neuen Partner bewohnen. Bei der regionalen Analyse wird auffällig, dass, unter dem Vorbehalt der kleinen Zahlen, im Bezirk Prenzlauer Berg weniger als ein Drittel und in Weißensee nur 25,0 % (n=2) der geschiedenen Frauen mit einem neuen Lebenspartner zusammenleben, dieser Anteil jedoch in Treptow (58,3 %) und Pankow (52,4 %) deutlich überrepräsentiert ist.

5.3 Schul- und Berufsabschluss der Frau

Der Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad der Frau und ihren generativen Einstellungen und Verhaltensweisen ist in verschiedenen Untersuchungen belegt worden (JONEN; KROSCHEL, 1981; FRITSCHE, 1981; HOFFMANN, 1984; GABRIEL, 1990; BEGENAU; HELFFERICH, 1997).

Infolgedessen könnten regionale Unterschiede im Kinderwunsch und der realisierten Kinderzahl sowie im kontrazeptiven Wissen und Verhalten der Frauen mitbedingt durch ihren erreichten Bildungsabschluss sein.

In der vorliegenden Studie wurde der jeweils höchste erreichte Abschluss der schulischen und beruflichen Bildung erfasst.

Schulabschluss:

Berufsabschluss:

Erwartungsgemäß hatte der überwiegende Teil der Befragten mit Angabe zu ihrer schulischen Bildung die mittlere Reife erreicht (66,0 %), 24,3 % hatten eine Hochschulreife und 9,7 % (bisher) nur einen Abschluss [Seite 69↓]der 8. Klasse bzw. waren ohne jeglichen Schulabschluss.

Hinsichtlich der Struktur der Frauen nach ihrem Schulabschluss bestehen statistisch gesicherte Unterschiede zwischen den Bezirken. Besonders wird auffällig, dass der schulische Bildungsabschluss der Frauen im Bezirk Friedrichshain deutlich niedriger ist als beispielsweise in den Bezirken Prenzlauer Berg und Mitte (Tab. III). Diese Bildungsstruktur in Friedrichshain ist nicht erklärbar mit der Altersstruktur der dort lebenden Frauen. Die höchsten Anteile von Frauen mit Hochschulreife sind in den Bezirken Mitte (33,1 %), Weißensee (29,6 %) und Prenzlauer Berg (27,3 %) zu beobachten; Frauen mit einem Abschluss unter der 10. Klasse sind insbesondere überrepräsentiert in den Bezirken Köpenick (15,4 %), Treptow (13,3 %) und Friedrichshain (11,6 %), wobei in Treptow und Köpenick der größere Anteil von Frauen unter 20 Jahren ursächlich sein könnte.

Wie von FRITSCHE (1983) festgestellt werden konnte, ist der berufliche Bildungsabschluss der Frau enger verknüpft mit generativen Verhaltensweisen als ihr Schulabschluss. In unserer Untersuchung wird dieser Sachverhalt bestätigt, worauf an späterer Stelle näher eingegangen wird.

5,3 % der befragten Frauen hatten keinen Berufsabschluss (un-, angelernt, Teilfacharbeiter), 39,9 % hatten einen Facharbeiterabschluss (unabhängig davon, ob sie in diesem Facharbeiterberuf tätig waren), 27,4 % einen Meister- oder Fachschulabschluß und 16,4 % hatten ein abgeschlossenes Hochschulstudium, 11,0 % der Frauen befanden sich noch in beruflicher (oder schulischer) Ausbildung (Tab. III).

Abb. 18: Anteil der Frauen mit Fach- / Hochschulabschluß nach dem Wohnsitz – Studie Frau ´90

Zwischen der Struktur der Frauen nach ihrer beruflichen Bildung und ihrem Wohnsitz bestehen hochsignifikante Zusammenhänge (Tab. III; Abb. 18). Dabei zeigt sich wiederum, dass im Bezirk Friedrichshain der Bildungsgrad der dort lebenden Frauen niedriger als in anderen Bezirken ist, was nicht auf einen höheren Anteil von Frauen in Ausbildung zurückgeführt werden kann. In Mitte ist mit 21,2 % die prozentuale Häufigkeit von Frauen mit Hochschulabschluss besonders hoch, was unter anderem mit der Altersstruktur der Frauen in diesem Bezirk begründbar ist. Frauen ohne Berufsabschluss (und ohne in Ausbildung befindlich) sind in den Bezirken mit verstärktem Baugeschehen deutlich unterrepräsentiert (Marzahn: 4,3 %; Hohenschönhausen: 4,1 %; Hellersdorf: 2,4 %).


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5.4  Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit

Während in den alten Bundesländern eine deutliche Differenzierung generativer Einstellungen und Verhaltensweisen in Abhängigkeit von der Erwerbstätigkeit der Frau und Mutter zu beobachten ist (DANNENBECK, 1992; NIEMEYER, 1994), war in der ehemaligen DDR seit den 70er und verstärkt in den 80er Jahren Mutterschaft und Berufstätigkeit der Frau die Regel. Der überwiegende Teil der Frauen (unabhängig vom Familienstand) war vor dem Schwangerenurlaub erwerbstätig (oder in Ausbildung). Selbst bei der Geburt dritter und weiterer Kinder betrug dieser Anteil (1989) noch über 90 % (FRITSCHE; SPEIGNER, 1992).

Die meisten der Frauen nahmen mit Beendigung der staatlich bezahlten und geförderten Freistellungszeiten nach der Geburt von Kindern und innerhalb der rechtlichen Sicherung des Arbeitsplatzes ihre berufliche Tätigkeit, zumeist in Vollbeschäftigung, wieder auf (FRITSCHE, 1990; DORBRITZ; FLEISCHHACKER, 1995). Diese Vorstellungen ostdeutscher Frauen und Paare zu ihrer Lebensgestaltung in der Einheit von beruflicher Tätigkeit, Mutterschaft und Familie wird auch bei einer repräsentativen Befragung von Wöchnerinnen in den neuen Bundesländern, die 1990/91 von Infratest Gesundheitsforschung durchgeführt wurde, offensichtlich, allerdings mit der Einschränkung eines verstärkten Wunsches der Frauen nach Teilzeitarbeit (INFRATEST EPIDEMIOLOGIE UND GESUNDHEITSFORSCHUNG, 1994).

In dieser Studie sind Ostberliner Frauen nach der „Wende“ zu ihrer beruflichen Situation und ihren Vorstellungen zu einem gewünschten Arbeitsverhältnis befragt worden, um wechselseitige Beziehungen zwischen Erwerbstätigkeit und generativen Verhaltensweisen zu untersuchen. Die Frauen (und ihre Lebenspartner) wurden nach der Art ihrer Tätigkeit gruppiert in:

Zum Zeitpunkt der Erfassung waren 67,6 % der Frauen vollzeitbeschäftigt tätig, 10,7 % arbeiteten verkürzt und nur 1,8 % waren als Hausfrauen tätig; 7,0 % hatten bereits ihren Arbeitsplatz verloren und 12,8 % der Befragten befanden sich in einer beruflichen (oder schulischen) Ausbildung (Tab. IV).

Während sich zwischen dem Wohnsitz der Frau und der Erwerbstätigkeit ihres Ehe- oder Lebenspartners statistisch kein Zusammenhang sichern läßt, besteht eine hochsignifikante Beziehung zwischen der eigenen Erwerbstätigkeit und der Wohnregion, in der die Frau lebt. Der überdurchschnittlich hohe Anteil von Frauen in Ausbildung in den Bezirken Pankow und Hohenschönhausen (jeweils 14,8 %), Weißensee (14,1 %) und Lichtenberg und Köpenick (jeweils 13,8 %) ist für die Bezirke Pankow und Köpenick erklärbar mit der durchschnittlich jüngeren Altersstruktur der Befragten. Die relative Häufigkeit von Frauen, die ausschließlich als Hausfrauen tätig sind, beschränkt sich in allen Bezirken, mit Ausnahme von Weißensee, (8,5 %, n=6) und Treptow (4,7 %, n=6) auf 2 % oder weniger. Während im Bezirk Prenzlauer Berg die Struktur der Frauen nach ihrem Beschäftigungsverhältnis zum Zeitpunkt der Befragung in etwa den Durchschnittswerten in Ostberlin entspricht, ist auffällig, dass in den Bezirken Marzahn und Hellersdorf, nicht jedoch in Hohenschönhausen, der Anteil der vollbeschäftigt tätigen Frauen überdurchschnittlich hoch (73,1 % und 71,9 % bzw. 64,6 %) ist (Tab. IV). Von Arbeitslosigkeit sind insbesondere Frauen in Treptow (10,9 %), Lichtenberg (10,8 %) und Mitte (10,2 %) betroffen.

Befragt nach den gewünschten Vorstellungen für ein Beschäftigungsverhältnis wurde von etwa der Hälfte der Frauen (50,2 %) der Wunsch nach Teilzeitarbeit angegeben, 42,9 % sprachen sich für Vollbeschäftigung aus, 5,1 % für Heimarbeit oder freie Mitarbeit und nur 1,7 % wünschten sich eine ausschließliche Tätigkeit [Seite 71↓]als Hausfrau.

Differenziert nach dem Wohnsitz der Frau bestehen regionale Unterschiede im Stellenwert der Berufstätigkeit für die persönliche Lebensgestaltung derart, dass in den Bezirken Köpenick, Pankow und Treptow der Anteil der Frauen, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen wollen (52,8 %; 49,0 %; 48,8 %), besonders hoch ist, in den Bezirken Hellersdorf (36,8 %), Marzahn (37,3 %) und Hohenschönhausen (41,1 %) deutlich niedriger liegt. Die statistisch auf dem 5%-Niveau gesicherten Unterschiede hinsichtlich der Einstellungen und Erwartungshaltungen der Frauen an ihre zukünftige berufliche Tätigkeit in Abhängigkeit von ihrem Wohnsitz, lassen sich mit der jeweiligen regionalen Altersstruktur der Frauen erklären. Ausschlaggebend hierfür dürfte darüber hinaus auch die bereits vorhandene Kinderzahl sein, worauf unter Punkt 6.1 näher eingegangen wird. Offensichtlich wird jedoch bei den „Wunschvorstellungen“ hinsichtlich einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dass, unabhängig vom Wohnsitz der Frau, eine Tätigkeit als „Nur-Hausfrau“ seitens der Ostberliner Frauen keine Akzeptanz erfährt (0,0 % bis 3,9 %).

Die Beantwortung der Frage nach dem Stellenwert von Beruf und Familie unterlegt dieses Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Befragten sind der Auffassung, dass Beruf und Familie gleichermaßen wichtig für ihre Lebensgestaltung seien und nur ein Viertel der Frauen sprechen sich für eine Vorrangigkeit der Familie aus (26,2 %). Mit 3,2 % ist der Anteil der Frauen, für die eine berufliche Entwicklung (und Karriere) bedeutsamer als die Familie ist, verschwindend gering. Zwischen den Bezirken bestehen Unterschiede in den Auffassungen der Frauen zur Wertigkeit von Beruf und Familie, die auf dem 5%-Niveau statistisch gesichert werden konnten (Tab. IV), die Bezüge zu altersstrukturellen Besonderheiten erkennen lassen: Überraschenderweise ist, bei einer jüngeren Altersstruktur, in den Bezirken Köpenick mit 34,1 % und Pankow mit 30,8 % der Anteil der Frauen, die einem harmonischen Familienleben den Vorrang vor einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie geben, besonders hoch; in Bezirken mit einer größeren relativen Häufigkeit von älteren Frauen dominiert hingegen verstärkt die Meinung, dass Beruf und Familie eine gleichwertige Bedeutung haben (Lichtenberg: 75,4 %; Weißensee: 74,6 %; Marzahn: 74,0 %). Inhaltlichen Fragen, inwiefern sich hierbei Erfahrungen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinsichtlich persönlicher Erwartungshaltungen widerspiegeln können, wird in der Ergebnisdiskussion nachgegangen.

5.5 Einkommens- und Wohnsituation

Hinsichtlich des Stellenwertes von Einkommens- und Wohnverhältnissen für generative Einstellungen und Verhaltensweisen liegen aus verschiedenen Studien Ergebnisse vor, die zum Teil konträre Resultate zeigen. Zum einen hemmen schlechte individuelle Bedingungen die Entscheidung zur Geburt eines (weiteren) Kindes (KURSCHUS, 1988; POHL, 1990; HENNING, Marion et. al., 1991; FRITSCHE et al., 1992; HOLZER; MÜNZ, 1996) und verstärken bei ungeplant eingetretenen Schwangerschaften den Entschluss zum Abbruch (HENNING, 1984; PUSCH, 1985; PETRI, 1988; HENNING, Gert et al., 1991), zum anderen haben Frauen und Paare, die unter eingeschränkten materiellen Bedingungen leben, häufiger eine im Durchschnitt größere Kinderzahl (WEIDACHER, 1992 a und b; INFRATEST EPIDEMIOLOGIE UND GESUNDHEITSFORSCHUNG, 1994). Es darf vermutet werden, dass nicht nur die realen Bedingungen, sondern insbesondere die individuelle Reflektion der bestehenden und voraussehbaren Lebenssituationen von Einfluss auf das generative Verhalten ist. Darüber hinaus zeigen Studien, dass sich in Ostdeutschland die Bedeutsamkeit von Einkommens- und Wohnverhältnissen für die Entscheidung zur Geburt nach der „Wende“ in der Form gewandelt haben, dass deren Absicherung eine höhere Wertigkeit für das generative Verhalten bekommt (HENNING, Gert et al., 1991; INFRATEST EPIDEMIOLOGIE UND GESUNDHEITSFORSCHUNG, 1994).

In dieser Studie sind die Frauen nach der Zufriedenheit mit ihren Wohnbedingungen, ihrer finanziellen Situation und ihrem Lebensstandard befragt worden. Rund 99 % der Probandinnen haben zu diesen Inhalten [Seite 72↓]Angaben gemacht.

Auf die Frage: „Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Wohnbedingungen?“ gaben 20,5 % der Befragten an, „sehr zufrieden“ zu sein, 58,9 % waren „ziemlich zufrieden“, 15,0 % „ziemlich unzufrieden“ und 5,6 % „sehr unzufrieden“. Die Signifikanzberechnung erfolgte unter Zusammenfassung der Häufigkeiten von Frauen, die unzufrieden waren.

Hinsichtlich der Einschätzung der individuellen Wohnbedingungen bestehen hochsignifikante Unterschiede zwischen den Bezirken. Mit einem Anteil von 33,5 % sind Frauen in Köpenick am häufigsten unzufrieden, gefolgt von den Befragten in Treptow (31,2 %) und in Prenzlauer Berg (29,6 %). Die Zufriedenheit mit den Wohnverhältnissen ist – entgegen unseren Erwartungen – in den Bezirken, die über einen großen Anteil von neuerbauten Wohnungen verfügen, nicht am größten. So gaben in Marzahn und Hellersdorf nur rund 20 % der Frauen (21,3 %, 18,9 %) an, mit ihren Wohnbedingungen „sehr zufrieden“ zu sein. Lediglich im Bezirk Hohenschönhausen lag dieser Anteil mit 25,2 % über dem ostberliner Durchschnitt. Am häufigsten wurde eine uneingeschränkte Zufriedenheit in Weißensee (28,2 %) und in Köpenick (26,5 %) genannt (Tab. V).

Bei der Bewertung der materiellen Lage war den Frauen auf die Frage „Wie würden Sie Ihre finanzielle Situation einschätzen“ zur Beantwortung eine vierstufige Skalierung vorgegeben. 23,0 % der Befragten beurteilten diese als „gut“ und 46,9 % mit „eher gut als schlecht“. Rund ein Drittel der Frauen schätzte ihre finanzielle Lage als schlecht ein, davon 23,6 % mit „eher schlecht als gut“ und 6,4 % mit „schlecht“. Bei der Siginifikanzberechnung wurden die beiden letztgenannten Zuordnungen wegen der geringen Häufigkeiten zusammengefasst.

In der Beurteilung der finanziellen Situation bestehen zwischen den Bezirken Unterschiede, die bei einem Signifikanzniveau von 1 % statistisch gesichert sind. Am schlechtesten wird ihre materielle Lage von Frauen in den Bezirken Weißensee (40,9 % der Angaben mit „mehr schlecht als gut“ und „schlecht“), Prenzlauer Berg (37,6 %) und Friedrichshain (34,7 %) eingeschätzt. Die Beurteilung ihrer finanziellen Situation mit „gut“ treffen am häufigsten Frauen in Treptow (28,9 %) und Mitte (28,0 %), gefolgt von Pankow (26,5 %) und 26,0 % in Hohenschönhausen (Tab. V).

Ergänzend zur finanziellen Situation wurde die Bewertung des individuellen Lebensstandards erfasst. Auch hierbei war eine vierstufige Skalierung vorgegeben. Auf die Frage: „Wie würden Sie Ihren Lebensstandard einschätzen“ antworteten 38,4 % mit „gut“, 47,8 % mit „eher gut als schlecht“, 13,8 % der Befragten beurteilten ihren Lebensstandard als „schlecht“, davon 12,4 % mit „eher schlecht als gut“ und 1,4 % mit „schlecht“ (Tab. V). Auch hier wurden bei der Signifikanzberechnung diese beiden Positionen zusammengefasst.

Die Einschätzung des Lebensstandards seitens der Befragten verdeutlicht Unterschiede zwischen den Bezirken, die bei einem Signifikanzniveau von 0,01 % statistisch gesichert sind. Zwar wird der Lebensstandard in allen Bezirken deutlich besser beurteilt als die bestehenden finanziellen Bedingungen, jedoch bestehen in der Rangfolge der Bezirke, in denen Frauen ihren Lebensstandard mit „eher schlecht als gut“ bzw. mit „schlecht“ bewerten, Unterschiede zur Beurteilung der finanziellen Situation. Mit Abstand am häufigsten geben Frauen in Prenzlauer Berg einen ungenügenden Lebensstandard an (25,6 % der Angaben mit „eher schlecht als gut“ und „schlecht“), gefolgt von Friedrichshain (16,2 %), Weißensee (15,5 %) und Mitte (15,2 %). Am günstigsten wird ihr bestehender Lebensstandard von Frauen in Pankow (50,0 % mit „gut“), Hohenschönhausen (44,6 %) und Treptow (44,5 %) bewertet (Tab. V).

Die Zufriedenheit mit den Wohn- und Einkommensverhältnissen ist in Bezirken mit einem höheren Anteil von Frauen im Alter von 30 bis unter 45 Jahren zumeist höher als in Bezirken mit einem größeren Anteil jüngerer Frauen. Deutliche Beziehungen bestehen zwischen dem Familienstand und der Zufriedenheit mit den materiellen Bedingungen. In Bezirken mit einem hohen Anteil von verheirateten Frauen geben die [Seite 73↓]Befragten häufiger an, mit ihren Wohnbedingungen zufrieden zu sein, über gute Einkommensverhältnisse zu verfügen und bewerten ihren Lebensstandard mit „gut“ als in Bezirken mit einem höheren Anteil von nichtverheirateten Frauen, insbesondere dann, wenn diese Frauen mit einem festen Partner zusammenleben. Zwischen dem Bildungsgrad der Frau, gemessen an ihrem höchsten Berufsabschluss, und der subjektiven Zufriedenheit mit ihrer materiellen Situation lassen sich beim Bezirksvergleich keine eindeutigen Beziehungen feststellen. Anders jedoch bei der Erwerbstätigkeit der Frau: Hier ist zumeist der Anteil der Frauen, die mit ihren Wohnbedingungen und Einkommensverhältnissen sowie dem Lebensstandard unzufrieden sind, in den Bezirken höher, wo seltener eine Vollbeschäftigung der Frau besteht und/oder der Anteil der arbeitslosen Frauen hoch ist.

Abbildung 19 veranschaulicht die gravierenden Unterschiede hinsichtlich der Wohnzufriedenheit und der Wertung von Einkommensverhältnissen sowie Lebensstandard der Befragten in ausgewählten Bezirken. Am günstigsten werden die bestehenden materiellen Bedingungen von den Frauen in Hohenschönhausen eingeschätzt, gefolgt von den Befragten in Marzahn; deutlich ungünstiger werden diese von den Frauen der Bezirke Prenzlauer Berg und Friedrichshain angegeben.

Abb. 19: Anteil von mit den Wohn- und Einkommensverhältnissen unzufriedenen Frauen in Berlin-Ost nach ausgewählten Bezirken – Studie Frau ´90


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13.08.2004