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8  Schwangerschaftsverhütung

8.1 Kenntnis und Zeitpunkt der Information

Eine ausreichende Kenntnis über die verschiedenen Möglichkeiten einer Schwangerschaftsverhütung sowie frühzeitige Informationen darüber, sind Voraussetzungen für eine individuell abgestimmte Kontrazeption bzw. persönliche Geburtenregulierung.

Die Beantwortung der Frage „Fühlen Sie sich ausreichend über Möglichkeiten zur Schwangerschaftsverhütung informiert“ macht offensichtlich, dass mehr als vier Fünftel der Frauen (88,5 %) die Meinung vertritt, über genügend Kenntnisse zur Verhütung zu verfügen (Tab. XV).

Zwischen den Bezirken bestehen signifikante Unterschiede in der Selbsteinschätzung der Informationen zur Schwangerschaftsverhütung durch die Frau (Abb. 27) derart, dass in Köpenick nur 1,8 % der Befragten meinen, nicht ausreichend informiert zu sein, im Prenzlauer Berg hingegen 17,1 % und in Treptow 16,4 % der Probandinnen (Tab. XV). Zwar erhöht sich der Kenntnisstand mit zunehmendem Alter der Frau (EXNER, 1996), wodurch der geringere Kenntnisstand der Frauen in Treptow infolge eines überdurchschnittlichen hohen Anteils von Jugendlichen erklärbar würde, jedoch widerspricht dem die angegebene gute Information der Frauen in Köpenick, wo zum Zeitpunkt der Befragung 16,2 % der Probandinnen unter 20 Jahre alt waren (Durchschnitt: 11,1 %).

Abb. 27: Kenntnis und Zeitpunkt der Information über Schwangerschaftsverhütung nach dem Wohnsitz, Studie Frau ´90

Hinsichtlich des Zeitpunkts der Information sollte angestrebt werden, dass die Frauen und Paare vor dem ersten Intimkontakt ausreichend über Mittel und Methoden zur Schwangerschaftsverhütung informiert sind, um Schwangerschaften, die, in zumeist jugendlichem Alter, individuell unerwünscht sind, wirkungsvoll vorbeugen zu können.


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Aus den Ergebnissen in Beantwortung der Frage „Wann haben Sie das Notwendige über Methoden der Schwangerschaftsverhütung erfahren“ wird deutlich, dass nur rund drei Viertel der Frauen (76,9 %) vor dem ersten Intimverkehr informiert waren. 14,7 % der Befragten haben das Notwendige zur Verhütung erst nach den ersten sexuellen Beziehungen erfahren und, was besonders gravierend ist, 7,6 % erst nach Eintritt einer Schwangerschaft; 0,8 % der Probandinnen (zumeist junge Mädchen, n=17) geben an, noch nicht informiert zu sein (Tab. XV).

Hinsichtlich des Zeitpunktes der Information über Schwangerschaftsverhütung bestehen nach dem Wohnsitz der Probandinnen signifikante Unterschiede, die teilweise Parallelen zum Kenntnisstand erkennen lassen (Abb. 27). So ist der Anteil der Frauen, die erst nach dem ersten Intimverkehr das Notwendige über Verhütung erfahren haben, im Bezirk Prenzlauer Berg mit 28,3 % überdurchschnittlich hoch, gefolgt von Mitte mit 27,2 %. Hingegen scheint die Auffassung der Probandinnen in Köpenick, zum Zeitpunkt der Befragung ausreichend informiert gewesen zu sein, in verstärktem Maße erst nach ersten Intimkontakten bzw. nach Eintritt einer Schwangerschaft erworben worden zu sein (27,0 %). Die größte relative Häufigkeit der Erstinformation nach Eintritt einer Schwangerschaft ist in Mitte (11,9 %) zu beobachten, die der bisher nichtinformierten Frauen (2,3 %, n=3) in Treptow (Tab. XV).

Befragt nach den vorrangigen Informationsquellen über Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung (bei Mehrfachnennung) konnten die Frauen wählen zwischen

Von den insgesamt 2.076 Befragten wurden insgesamt 2.808 Informationsquellen genannt. An erster Stelle mit 25,7 % wird eine vorrangige Information über Methoden der Verhütung durch Bücher angegeben, gefolgt von der Aufklärung durch die Familie (Eltern und Verwandte: 23,9 %). An dritter Stelle steht mit 21,1 % die Beratung durch den Arzt. Die Sexualerziehung und Information über Schwangerschaftsverhütung durch die Schule nimmt mit 9,1 % nur den 5. Rangplatz ein (Tab. XV).

Je nach Wohnsitz der Frau ist die Rangfolge hinsichtlich der Bedeutsamkeit der Informationsquellen zwar unterschiedlich, jedoch in der Tendenz vergleichbar.

So stehen Bücher bei den Probandinnen in allen Bezirken, mit Ausnahme vom Prenzlauer Berg (3. Rangplatz) an erster oder zweiter Stelle, gefolgt von Elternund Verwandten, die ebenfalls von den Frauen fast aller Bezirke am häufigsten oder zweithäufigsten genannt werden. Auffällig hierbei ist, dass die Information durch die Familie von den Befragten in Köpenick erst an dritter Stelle genannt wird und bei den Frauen in Hohenschönhausen erst den 5. Rangplatz einnimmt. In diesen Bezirken ist der Anteil des Arztesfür eine vorrangige Information über Schwangerschaftsverhütung überdurchschnittlich hoch. In Hohenschönhausen belegt der Arzt mit 30,0 % der Antworten und im Prenzlauer Berg mit 23,6 % den 1. Rangplatz, in Köpenick wird die Information durch den Arzt mit 31,1 % an zweiter Stelle genannt.

Die Schule hat als Informationsquelle in den einzelnen Bezirken einen unterschiedlichen Stellenwert hinsichtlich einer vorrangigen Information über Methoden zur Schwangerschaftsverhütung (Rangplatz 3 bis [Seite 92↓]6). Besonders häufig wird sie von Frauen in Treptow (3. Platz bei 16,2 % der Antworten) und Friedrichshain (4. Platz bei 13,8 % der Antworten) genannt, besonders selten in Mitte (6. Platz bei 5,8 % der Antworten und in Prenzlauer Berg (6. Platz bei 6,7 % der Antworten).

Rundfunk und Presse haben nur einen geringen Anteil an der vorrangigen Informationsgewinnung (Durchschnitt: 5,6 %) und belegen innerhalb der Bezirke den 5. bis 6. Rangplatz.

Noch niedriger ist der Stellenwert des Kenntnisgewinns hinsichtlich Methoden zu Schwangerschaftsverhütung durch den Partner. Mit 2,9 % aller Antworten liegt dieser für die Probandinnen insgesamt auf Rang sieben und belegt bei Frauen aller Bezirke den 7. Platz. Hierin kann sich reflektieren, dass die Befragten bereits vor der Aufnahme von Partnerschaftskontakten ausreichend über Verhütungsmethoden informiert waren oder aber ein kenntnisfördernder Austausch zu Verhütungspraktiken zwischen den Partnern nur ungenügend erfolgt. Die Ergebnisse der Arbeit ermöglichen dazu keine Differenzierung.

Deutlich größer ist der Einfluss von Freunden und Bekannten auf den Informationsgrad zur Vermeidung unerwünschter Schwangerschaften anzusehen. Nach dem Arzt nehmen Informationen aus dem Freundeskreis den 4. Rangplatz (11,4 % der Antworten) bei den Befragten insgesamt ein und stehen innerhalb der Bezirke an vierter oder fünfter Stelle der vorrangigen Informationsquellen.

8.2 Meinung zur Anwendung von Verhütung

Die Einstellung der Frauen zur Schwangerschaftsverhütung wurde mit der Frage untersucht, ob die Probandinnen der Meinung seien, dass jede Frau, die Intimverkehr hat und nicht schwanger werden möchte, Schwangerschaftsverhütung betreiben sollte.

Der überwiegende Teil der Frauen (91,8 %) ist von der Notwendigkeit einer Kontrazeption bei fehlendem aktuellen Kinderwunsch überzeugt, 5,5 % der Befragten haben dazu „keine Meinung“ und nur 2,8 % der Frauen geben an, keine Veranlassung zur Vorbeugung einer (aktuell) unerwünschten Schwangerschaft zu sehen (Tab. XVI). Die Anzahl der Frauen ohne Beantwortung der Frage beschränkt sich auf Einzelfälle (n=7).

Dieses positive Bild hinsichtlich der Einstellung der Frauen zur Verhütung von (zeitlich) unerwünschten Schwangerschaften stellt sich jedoch im regionalen Vergleich sehr unterschiedlich dar. Bei einem Signifikanzniveau von 0,01 % statistisch gesichert ist die Häufigkeit der Frauen, die eine Vorbeugung als unbedingt erforderlich ansehen, mit 96,9 % bei Frauen im Bezirk Hellersdorf am höchsten, gefolgt von Mitte (94,9 %), Treptow (94,5 %) und 94,2 % der Befragten in Pankow. Hingegen sehen nur 88,0 % der Frauen im Prenzlauer Berg und sogar nur 81,3 % in Köpenick eine Verhütung dann für erforderlich an, wenn zwar Sexualverkehr, jedoch aktuell kein Kinderwunsch besteht (Tab. XVI; Abb. 28).

Auffällig ist der überdurchschnittlich hohe Anteil von Frauen, die zu dieser Fragestellung „keine Meinung“ haben, in den Bezirken Köpenick (17,5 %), Prenzlauer Berg (7,6 %), Friedrichshain (6,8 %) und Hohenschönhausen (6,6 %). Sozialstrukturelle Merkmale der Befragten geben hierfür keine Interpretationsansätze. Die Notwendigkeit einer Schwangerschaftsverhütung bei nicht bestehendem aktuellen Kinderwunsch wird am häufigsten von den Befragten in Weißensee (7,1 %) negiert, allerdings ist die Anzahl der Frauen (n=5) nur gering (Tab. XVI).


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Abb. 28: Meinung zur und Anwendung von Verhütung in Berlin-Ost und ausgewählten Bezirken, Studie Frau ´90

Beim Vergleich zwischen der Einstellung zur Schwangerschaftsverhütung und einer regelmäßigen Anwendung von Verhütungsmitteln und Methoden zur Vermeidung von zeitlich oder permanent unerwünschten Schwangerschaften wird offensichtlich, dass eine Diskrepanz von rund 20 % zwischen den Angaben der Frauen, Kontrazeption für unbedingt notwendig zu erachten, und der eigenen Nutzung besteht. Fast drei Viertel der Frauen (70,4 %) wenden regelmäßig Mittel oder Methoden zur Verhütung von unerwünschten Schwangerschaften an. Die zwischen den Bezirken bestehenden Unterschiede können zufällig sein, eine statistische Sicherung bei einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit ist nicht möglich.

Auffällig ist jedoch, dass Frauen aus den Bezirken, die häufiger „keine Meinung“ zur Kontrazeption haben bzw. diese ablehnen, seltener eine regelmäßige Verhütung betreiben (Tab. XVI; Abb. 28). Die Begründung dafür, keine regelmäßige Kontrazeption zu betreiben, sind vielfältig. In der vorliegenden Studie wurden sowohl medizinische als auch ethische und soziale Gründe erfragt (siehe Fragebogen Frau ´90 im Anhang). Bei der Beantwortung der Fragestellung war die Angabe von mehreren Gründen möglich.

Bei den 29,6 % der Nichtanwenderinnen stehen der fehlende Intimverkehr sowie das Fehlen eines festen Partners im Vordergrund und nehmen mit jeweils 10,0 % aller Befragten die beiden ersten Rangplätze bei der Begründung, keine Kontrazeption zu betreiben, ein. Die Furcht vor gesundheitlichen Schäden (6,4 % aller Befragten) steht an dritter Stelle, gefolgt von dem Wunsch, schwanger zu werden (3,5 % der Probandinnen). Eine ungenügende Zugänglichkeit sowie Glaubensgründe für eine Nichtanwendung von Verhütungsmitteln und Methoden ist nur für jeweils 0,1 % der Befragten eine Begründung, keine regelmäßige Verhütung durchzuführen (Tab. XVII).

Die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Gründe für keinerlei oder eine unregelmäßige Verhütung sind vorrangig durch die unterschiedlichen Altersstrukturen der Frauen bedingt. Mit Ausnahme der Frauen aus Prenzlauer Berg sind jedoch in allen Bezirken ein (noch) nicht bestehender Intimverkehr sowie das Fehlen eines festen Partners die am häufigsten genannten Begründungen der Frauen für die fehlende Anwendung von schwangerschaftsverhütenden Mitteln oder Methoden. Die Furcht vor gesundheitlichen Schäden wird lediglich von Frauen aus dem Prenzlauer Berg an zweiter Stelle der Begründungen genannt und nimmt im [Seite 94↓]allgemeinen den dritten Rangplatz ein (Tab. XVII).

8.3 Praktizierte Verhütungsmethoden

Praktizierte Verhütung heißt gleichzeitig praktizierte Familienplanung. Bei der Vielzahl schwangerschaftsverhütender Mittel und Methoden unterscheidet man zwischen reversiblen und irreversiblen Kontrazeptionsmöglichkeiten. In dieser Studie spielen die irreversiblen Verhütungsmöglichkeiten, zu denen die Sterilisation der Frau – heutzutage in Form der laparaskopischen Salpingoelektrokoagulation ausgeführt – gehört, eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sind die reversiblen Methoden von Interesse, von denen folgende erfasst wurden:

Nach der Häufigkeit der ständigen Anwendung steht die hormonale Kontrazeption mit deutlichem Abstand an erster Stelle der praktizierten Methoden zur Familienplanung. 45,5 % der befragten Frauen wenden die „Pille“ regelmäßig an. 10,4 % der Probandinnen verhüten mittels der Spirale. Eine ständige Verhütung mittels Kondom und/oder Kalendermethode wird nur von rund 5 % der Befragten angegeben. Mit 2,0 % ist der Anteil der Frauen, die regelmäßig den Coitus interruptus als Methode zur Vermeidung individuell unerwünschter Schwangerschaften praktizieren, noch geringer (Tab. XVIII; Abb. 29). Chemische Mittel bzw. das Diaphragma spielen bei der praktizierten Kontrazeption keinerlei Rolle.

Die Nutzung von Kondomen bzw. dem Coitus interruptus bei gleichzeitiger Anwendung der Regelmethode und Temperaturmessung setzt eine ständige, jedoch eine häufige Anwendung voraus. Der Anteil der Frauen, die oft diese Methoden zur Schwangerschaftsverhütung nutzen, vergrößert sich damit auf schätzungsweise 10 %.

Unter Berücksichtigung der Angaben der Probandinnen, ständig mittels der „Pille“ oder dem IUD als Methode mit einem hohen Sicherheitsgrad, und den – je nach Anwendungserfahrung – unsicheren Methoden der Regelmethode, der Kondomnutzung und dem Coitus interruptus zu verhüten, haben rund drei Viertel der Befragten versucht, zeitlich oder permanent unerwünschten Schwangerschaften vorzubeugen. Diese Aussage steht in Übereinstimmung mit den Angaben der Frauen, keine Verhütungsmittel anzuwenden (siehe Pkt. 8.2).

Von besonderem Interesse bei der Verteilung der Probandinnen ist der Anteil der Frauen, die noch nie jeweilige Methoden zur Schwangerschaftsverhütung angewandt haben. An erster Stelle sind hierbei zu nennen die Nichtnutzung von chemischen Mitteln (98,3 %) sowie von Portiokappe bzw. das Diaphragma (98,6 %). Überraschend hoch ist auch der Anteil der Frauen, deren Partner noch nie mittels Coitus interruptus verhütet haben (74,4 %), die noch nie die Kalendermethode bzw. Temperaturmessung zur Verhütung genutzt haben (78,8 %) und noch nie mittels Kondom verhütet haben (61,9 %), letzteres insbesondere wegen der gleichzeitigen Vorbeugung infektiöser Erkrankungen. Nur 84,3 % der Frauen hatten noch keine „Pillenerfahrung“, 34,4 % der Befragten haben diese Form der Verhütung individuell unerwünschter Schwangerschaften jedoch nur zeitweilig praktiziert (Tab. XVIII; Abb. 29).


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Abb. 29: Häufigkeit der Anwendung kontrazeptiver Mittel und Methoden – Studie Frau ´90

Betrachtet man die praktizierten Verhütungsmethoden unter regionalem Aspekt, werden deutliche Unterschiede offensichtlich:

So ist der Anteil der ständigen Nutzung der „Pille“ zur Schwangerschaftsverhütung mit 52,4 % bei Frauen im Bezirk Friedrichshain am häufigsten, gefolgt von Hellersdorf (51,6 %) und Treptow (51,6 %). Die niedrigste Häufigkeit einer regelmäßigen Anwendung hormonaler Kontrazeption ist in Köpenick (36,1 %) und Weißensee (38,6 %) zu beobachten. Auffällig ist hierbei, dass der Anteil der Frauen in Bezirken mit einer überdurchschnittlichen ständigen Anwendungshäufigkeit zumeist parallel geht mit einem geringeren Anteil von Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – eine bereits praktizierte Verhütung mittels hormoneller Kontrazeptiva nicht mehr betreiben. Beispielhaft hierfür sollen die Bezirke Mitte (41,5 % Frauen mit Absetzen der „Pille“) und Weißensee (41,4 %) hervorgehoben werden. Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass der Anteil der Frauen im Bezirk Köpenick, die noch nie hormonelle Kontrazeptiva zur Vermeidung einer unerwünschten Schwangerschaft genutzt haben, mit 32,5 % doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt (15,7 %) bei Ostberliner Frauen. Der Anteil der jungen Frauen in Köpenick, die (noch) keinen regelmäßigen Geschlechtsverkehr haben, gibt dafür nur eine unzureichende Erklärung. Die Unterschiede hinsichtlich der Anwendung der „Pille“ zwischen den Bezirken sind bei einem Signifikanzniveau von 0,01 % statistisch gesichert (Tab. XVIII).

Das Intrauterinpessar wird von etwa jeder 10. Frau als Verhütungsmethode genutzt. Auch hierbei bestehen deutliche regionale Unterschiede in der Anwendungshäufigkeit, die bei einem Signifikanzniveau von 1 % statistisch gesichert werden können. Am häufigsten wird von den Frauen in Pankow (17,3 %), Mitte (14,4 %) und Marzahn (13,5 %) diese Methode der Kontrazeption angewendet. Begründend hierfür ist
– mit Ausnahme von Pankow – das durchschnittlich höhere Alter der Befragten dieser Bezirke, da das IUD als reversible Methode zur Verhütung unerwünschter Schwangerschaften in verstärktem Maße bei älteren Frauen zur Anwendung kommt. Der Anteil der Frauen, die das IUD nur zeitweilig genutzt und danach eine andere Form der reversiblen oder irreversiblen Vermeidung einer unerwünschten Schwangerschaft gewählt haben, ist mit rund 5 % gering (Tab. XVIII). Rund 85 % der Frauen haben noch keine Erfahrung mit dem Intrauterinpessar als Kontrazeptivum. Der Anteil der Frauen, die noch nie ein IUD zur [Seite 96↓]Schwangerschaftsverhütung angewendet haben, ist am höchsten in Hellersdorf (87,9 %) und am niedrigsten in Pankow mit 75,6 % (Tab. XVIII). Eine eindeutige Beziehung zur Altersstruktur der jeweilig befragten Frauen der Bezirke lässt sich nicht herstellen.

Das Kondom, unter dem Aspekt der Schwangerschaftsverhütung als relativ unsicheres Mittel (in Abhängigkeit von der richtigen Anwendung) einzuordnende Verhütungsmethode, wird von rund 16 % der Paare ständig oder oft als Kontrazeptivum genutzt. Regionale Unterschiede sind statistisch nicht zu sichern. Auffällig ist lediglich, dass in Lichtenberg (16,4 %) und Friedrichshain (16,1 %) überdurchschnittlich häufig die Paare ständig oder oft mittels Kondom verhüten, hingegen bei Partnern diese Form der praktizierten Verhütung mit 8,4 % in Hohenschönhausen bzw. 8,8 % in Weißensee deutlich niedriger ist. Der Anteil der Frauen, die in ihren Partnerschaftsbeziehungen noch nicht Kondome zur Verhütung unerwünschter Schwangerschaften genutzt haben, ist am höchsten im Bezirk Hellersdorf (67,4 %), am geringsten im Bezirk Köpenick mit 56,0 % (Tab. XVIII).

Von besonderem Interesse ist die regionale Differenzierung der Anwendung der Kalendermethode/Temperaturmessung zur Verhütung unerwünschter Schwangerschaften. Bei einer durchschnittlichen Häufigkeit einer ständigen Nutzung von 5,1 % und einer oftmaligen Anwendung von 4,9 % der Befragten, bestehen regionale Unterschiede, die bei einem Signifikanzniveau von 1 % statistisch gesichert werden können. Die als unsicher einzuordnende Methode wird am häufigsten von den Befragten in den Bezirken Prenzlauer Berg (14,3 %) und Friedrichshain (13,0 %) angegeben, am seltensten in Treptow (0,7 %). Entgegen den Erwartungen ist der Anteil der Frauen, die die Kalendermethode noch nie zur Schwangerschaftsverhütung nutzten, im Friedrichshain mit 89,2 % und Prenzlauer Berg mit 81,9 % überdurchschnittlich hoch (Durchschnitt: 78,8 %). Frauen, die noch nie mit der Kalendermethode/Temperaturmessung verhütet haben, sind mit 92,1 % am häufigsten in Köpenick zu beobachten, am seltensten mit 74,1 % in Lichtenberg (Tab. XVIII), was die Vermutung zulässt, dass hier in stärkerem Maße soziale Differenzierungen für unterschiedliche Verhaltensweisen hinsichtlich der praktizierten Kontrazeption ursächlich sind als in anderen Bezirken Ost-Berlins.

Der Coitus interruptus, regelmäßig praktizierte Verhütungsmethode bei 2,0 % der Paare und von 5,1 % oft sowie von 18,5 % selten zur Verhütung angewandt, gilt – insbesondere bei Unerfahrenen – als unsichere Methode zur Kontrazeption. Regionale Unterschiede hinsichtlich der Anwendung dieser Verhütungsmethode sind statistisch nicht zu sichern. Auffällig ist lediglich, dass Frauen, die im Bezirk Prenzlauer Berg wohnhaft sind, in ihren Partnerschaftsbeziehungen überdurchschnittlich häufig angeben, ständig oder oft einen Coitus interruptus (10,2 %) zur Verhütung anzuwenden, als der Durchschnitt der Ostberliner Frauen (7,1 %). Am geringsten ist die Anwendung des Coitus interruptus bei Frauen mit Wohnsitz in Weißensee, wo nur 3,5 % der Befragten ständig oder oft diese Verhütungsmethode nutzen. Rund drei Viertel der Befragten hat noch niemals mittels Coitus interruptus verhütet. Am geringsten ist die jemalige Nutzung dieser Verhütungsmethode bei Frauen aus dem Bezirk Weißensee (17,9 %), am höchsten mit 28,8 % in Köpenick (Tab. XVIII).

8.4 Gründe für das Absetzen der „Pille“

Von den 802 Frauen (38,7 % aller Befragten), die hormonelle Kontrazeptiva zeitweilig zur Verhütung genutzt und diese abgesetzt haben, konnten 750 Frauen (36,1 % aller Befragten) in die Untersuchung der Frage: „Aus welchem Grund haben Sie die Pille abgesetzt? Bitte kreuzen Sie den für Sie wichtigsten Grund an!“ einbezogen werden. Bei den vorrangigen Begründungen stehen gesundheitliche Motive im Vordergrund. Rund ein Viertel der Frauen (23,5 %) haben die „Pille“ wegen Unverträglichkeit abgesetzt, 19,7 % aus Furcht vor gesundheitlichen Schäden. Den dritten Rangplatz nimmt das Wechseln zu anderen Verhütungsmethoden ein (19,5 %), gefolgt von dem Wunsch nach Schwangerschaft (16,7 %). Nur 8,1 % der [Seite 97↓]Frauen, die die „Pille“ nicht mehr einnehmen, geben als vorrangiges Motiv das Fehlen eines festen Partners bzw. eine Ablehnung hormoneller Kontrazeptiva seitens des Partners an. An letzter Stelle der Begründungen (2,1 %) wird von den Frauen ein fehlender Intimverkehr genannt (Tab. XIX). 10,4 % der betreffenden Frauen geben „sonstige Gründe“ bezüglich des Absetzens der „Pille“ an, u. a. eine bestehende Schwangerschaft, einen vermuteten Schutz vor erneuter Schwangerschaft während der Stillperiode, eine vorangegangene Sterilisation bzw. eine aus sonstigen Gründen bestehende Unfruchtbarkeit.

Zwischen den Bezirken in Berlin-Ost lassen sich zwar Unterschiede hinsichtlich der Verteilung der Hauptgründe für das Absetzen der hormonellen Kontrazeptiva aufzeigen, die aber statistisch nicht gesichert werden konnten. Auffällig ist jedoch, dass in Pankow mit 31,0 % und in Mitte mit 29,2 % der Anteil der Frauen, die die „Pille“ wegen des Übergangs zu anderen Verhütungsmethoden nicht mehr einnehmen, überdurchschnittlich hoch ist und an erster Stelle der Begründungen steht. Überraschend sind weiterhin die Angaben der Frauen in Köpenick, wo die Argumentationen mit dem Wunsch nach Schwangerschaft (25,0 %), aber auch mit Partnerschaftsproblemen (17,5 %) deutlich überrepräsentiert sind (Tab. XIX).


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13.08.2004