von Münster, Thomas: Der Einfluss der Körperposition auf die zerebrale venöse Drainage. Eine duplexsonographische Untersuchung der Vena jugularis interna und Vena vertebralis

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Die V. jugularis interna gilt als das dominierende Gefäß der zerebralen Drainage. Verschiedene klinische Beobachtungen und experimentelle Untersuchungen stellen diese Hypothese jedoch in Frage. Die vorliegende Studie untersucht die Lageabhängigkeit der zerebralen venösen Drainage über die V. jugularis interna und die V. vertebralis. In die Studie einbezogen wurden 23 gesunde Probanden. Mit einem Duplex-Ultraschallgerät der Firma Toshiba (Sonolayer SSA 350) wurden Gefäßquerschnittsfläche, Blutflussgeschwindigkeit und Blutfluss der Vv. jugulares internae, der Vv. vertebrales und der hirnversorgenden Arterien in unterschiedlichen Körperpositionen bestimmt. Dazu wurden die Probanden auf einem Kipptisch gelagert. Messungen wurden in Kopftieflage, (-15°) horizontaler Lagerung (0°), den Positionen +15° , 30°, 45° und im Stehen (90°) durchgeführt.

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen eine deutliche Lageabhängigkeit der zerebralvenösen Drainage. Die Ursache für die aufgezeigten Veränderungen liegt am ehesten in einer Abnahme des Druckes in den betroffenen Gefäßen beim Aufrichten des Körpers. Ursache für die Druckabnahme ist die Abnahme der hydrostatischen Druckkomponente. Der Kollaps der Vv. jugulares internae belegt ein Absinken des transmuralen Druckes bis auf negative Werte. Dies scheint zu einer Eröffnung alternativer Drainagewege zu führen, wie es der Anstieg des Blutflusses in den Vv. vertebrales belegt. Der Anteil am zerebralen Blutfluss, der in der Vertikalen weder in den Vv. jugulares internae, noch in den Vv. vertebrales duplexsonographisch zu erfassen war, drainiert vermutlich über weitere Kollateralen. Anatomische und angiographische Arbeiten anderer Untersucher deuten darauf hin, dass weitere Anteile des vertebralen Venenplexus, insbesondere der epidurale Venenplexus, an der Drainage beteiligt sind. Klinische Bedeutung gewinnen diese Beobachtungen bei der präoperativen Risikoeinschätzung der bilateralen radikalen Neck Dissection. Möglicherweise lassen sich auch Prädiktoren bezüglich des postoperativen Auftretens von Hirndruck entwickeln. Auch in der Diskussion um die optimale Lagerung bei erhöhtem Hirndruck sind diese Ergebnisse von Bedeutung. Die Untersuchung konnte zeigen, dass die venöse Drainage über die Vv. jugulares internae in 30°-Oberkörperhochlage durch einen Kollaps dieser Gefäße eingeschränkt sein kann. Kollateralgefäße, wie etwa das vertebrale Venensystem scheinen jedoch bereits unter physiologischen Bedingungen einen Hauptteil der Hirndrainage zu übernehmen. Dies betont die Bedeutung einer individuellen Hirndrucktherapie, die mit einer Hirndrucksonde kontrolliert werden sollte. Ein weiterer Aspekt ergibt sich für die Durchführung der Bulbusoximetrie. Nur in horizontaler oder allenfalls geringer Oberkörperhochlagerung sind plausible Messungen zu erwarten, da die Vv. jugulares internae bei erhöhtem Oberkörper oft kollabiert sind.


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Fri Jan 24 17:06:57 2003