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1.  Einleitung

In den Bevölkerungen industrialisierter Länder sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die wesentlichste Ursache eines frühzeitigen Todes. Sie sind in der Bundesrepublik Deutschland die häufigsten stationären Behandlungsanlässe; jeder fünfte Mann und jede siebente Frau wird unter dieser Hauptdiagnose im Krankenhaus versorgt. Herz-Kreislauferkrankungen verursachten 1994, mit direkten Kosten von über 42,6 Milliarden DM, etwa 12,4% der direkten Gesamtausgaben für Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland. 1995 starben in der BRD insgesamt 183 736 Personen an ischämischen Herzkrankheiten, davon 87 739 Menschen am akuten Myokardinfarkt (MI). Damit war der Myokardinfarkt im Jahr 1995 die häufigste Einzeltodesursache überhaupt [1]. Die Gesamtzahl der akuten Herzinfarkte in der Bundesrepublik Deutschland beträgt ca. 240 000 / Jahr. Bei jedem 10. Patienten entwickelt sich nach überstandenem MI eine Herzinsuffizienz. Die chronische Herzinsuffizienz ist in Deutschland mit einer Prävalenz von ca. 2% der Bevölkerung eine häufige und ernst zu nehmende Erkrankung. Die 1-Jahres-Sterblichkeit beträgt bei Patienten mit geringer Symptomatik und adäquater Therapie ca. 20%. Bei schwerer Symptomatik steigt sie trotz Therapie auf mehr als 50% [2]. Somit ist der klinische Verlauf der Herzinsuffizienz schlechter als bei den meisten Malignomen. Hinsichtlich der ätiologischen Faktoren der Insuffizienzentwicklung konnte in den letzten Jahren eine deutliche Umverteilung gesichert werden. Während in der Framingham-Studie die arterielle Hypertonie mit etwa 75% eindeutig dominierte, zeigen die epidemiologischen Daten neuerer Studien, wie in Abbildung 1 dargestellt, eine Verschiebung hin zur koronaren Herzkrankheit (KHK). Sie steht heute mit 50-75% ursächlich eindeutig im Vordergrund. Dieser Rückgang wird als Folge der verbesserten und konsequenteren antihypertensiven Therapie begründet [3]. Dennoch stellt die Hypertonie in der Bevölkerung auch weiterhin einen nicht zu unterschätzenden Risikofaktor für die Entstehung anderer Herz-Kreislauferkrankungen dar. In der Bundesrepublik Deutschland haben nur ca. 55% der Bevölkerung normotensive Blutdruckwerte entsprechend der WHO-Definition (< 140/90 mmHg). Einen Borderline-Hypertonus haben 19,5% mit Werten zwischen 140/90 und 160/95 mmHg, und bei 19,8% liegt sogar einen Bluthochdruck mit Werten über 160/95 mmHg vor. Man geht davon aus, dass ein chronischer diastolischer Blutdruck > 105 mmHg das kardiovaskuläre Risiko verdoppelt und das Apoplexrisiko vervierfacht [4].


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Abbildung 1:Umverteilung der Herzinsuffizienz-Ätiologie

Trotz deutlicher Erfolge in der Therapie und Prävention ischämischer Herzerkrankungen in den letzten Jahren ist die weitere Erforschung der genauen pathophysiologischen Vorgänge, die schließlich zur Herzinsuffizienzentstehung durch chronische Hypertonie und durch Myokardinfarkt führen, von großem Interesse. Die vorliegende Arbeit soll zum Grundverständnis der hypertrophieassoziierten biochemischen und funktionellen Prozesse im hypertrophierten Myokard beitragen und so die Entwicklung neuer Therapiekonzepte bzw. die Verbesserung bestehender anregen.


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21.01.2005