6 ZUSAMMENFASSUNG

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Bei der Chronischen myeloischen Leukämie (CML) handelt es sich um eine Stammzellerkrankung, die molekularbiologisch durch die Translokation t(9;22)(q34;q11) und das daraus resultierende chimäre Ph-Chromosom charakterisiert ist.

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Während die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (SZT) bis dato die einzig kurative Therapieoption darstellt, führten bisherige medikamentöse Therapien lediglich zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens.

In den letzten Jahren wurde der bcr-abl spezifische Tyrosinkinaseinhibitor Imatinib in die Therapie der CML eingeführt, der verglichen mit bisherigen zytostatischen Therapien ein primär deutlich besseres Therapieansprechen erzielt mit einem gleichzeitig günstigerem Nebenwirkungsprofil.

Bislang ist unklar, wie lange die mit Imatinib erzielten Remissionen anhalten bzw. welche Patienten von einer derartigen Therapie profitieren. Mittlerweile wurden verschiedene Mutationen im Bereich der Imatinibbindungsstelle des chimären BCR-ABL Proteins identifiziert, welche offensichtlich zu einer Therapieresistenz führen. Darüber hinaus wird spekuliert, dass eine Überexpression des MDR1 Gens eine Rolle bei der Resistenzentwicklung spielen könnte. Als extrinsischer Resistenzfaktor konnte das AGP Protein identifiziert werden, welches möglicherweise Imatinib in vitro und in vivo bindet.

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Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde bei CML-Patienten, welche Imatinib während einer klinischen Prüfung erhielten, das molekulare Therapieansprechen vermittels quantitativer Echtzeitfluoreszenz-PCR für die chimäre bcr-abl mRNS- und Wilms Tumor mRNS-Transkripte durchgeführt. Ferner wurde ein neues hochsensitives Verfahren zum Mutationsnachweis etabliert, welches auf dem Prinzip des PNA-Clamping basiert.

Von den 69 untersuchten Patienten konnten bei 21 Patienten durch die quantitative Echtzeitfluoreszenz-PCR-Technik ein molekulares Rezidiv frühzeitig detektiert werden.

Bei 4 der rezidivierten Patienten wurde mit dem PNA-Clamping Assay eine Mutation im Bereich der Imatinib-Bindungsstelle festgestellt. Durch dieses Verfahren konnten exemplarisch drei verschiedene Mutationen gezeigt werden. Bei zwei Patientinnen konnte die Thr315Ile-Mutation einmal acht bzw. eine halbe Woche vor dem klinischen Auftreten einer hämatologischen Resistenz detektiert werden. Ein dritter Patient wies schon vor Beginn der Imatinib-Therapie eine Mutation auf. Diese Präexistenz resultierte in einem fehlenden Therapieansprechen. Bei einer Patientin verschwand die anfangs (Woche 0) detektierbare Tyr253His-Mutation nach Therapiebeginn mit Imatinib, trat dann aber in der sechsten Woche wieder auf.

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Ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Expressionsspiegel der MDR1 mRNS bzw. AGP mRNS bzw. dem AGP Serumspiegel und dem Auftreten eines Rezidives konnte hingegen nicht festgestellt werden. Zusammenfassend eignet sich in der Behandlung der CML die quantitative Echtzeitfluoreszenz-PCR für bcr-abl mRNS und WT1 mRNS zur molekularen Verlaufskontrolle, wobei sich für die akzelerierte Phase der CML ein Vorteil für die WT1 mRNS im Verlauf zeigt.

Der entwickelte Clamping-Assay ist in der Lage, therapierelevante Mutationen bei Imatinib behandelter CML-Patienten frühzeitig zu detektieren.

Der hypothetische Zusammenhang zwischen der Expression der MDR1 mRNS bzw. AGP mRNS und einer Resistenz gegenüber Imatinib liess sich in dieser Untersuchung nicht nachweisen.


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07.06.2005