Dissertation

Die Episiotomie in der akademischen Diskussion- eine Analyse deutschsprachiger Doktorarbeiten 1885 -1996

Zur Erlangung des akademischen Grades Doctor medicinae (Dr. med.)

Aus der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Constance Nahlik
geb. Arendt aus Dessau

Dekan:

Dekan: Prof. Dr. med. Martin Paul

Gutachter:
1. Priv. Doz. Dr. med. M. David
2. Prof. Dr. Th. Schnalke
3. Prof. Dr. med. K. Vetter

eingereicht: Mai 2006

Datum der Promotion: 14. Juli 2006

Abstract deutsch

Einleitung: Ein Eingriff, der in der heutigen Zeit sehr häufig angewandt wird, gleichzeitig aber Thema einer kontroversen wissenschaftlichen Debatte ist, ist die Episiotomie.

Methode: Dieser Untersuchung liegt eine qualitative Analyse von 39 Dissertationen im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe zu Grunde, die im Zeitraum zwischen 1885 und 1996 an deutschen Hochschulen und Universitäten zum Thema Episiotomie veröffentlicht wurden. Die Doktorarbeiten wurden anhand eines Fragerasters untersucht und die Ergebnisse in Tabellenformaten zusammengefasst.

Ergebnisse: Es ist festzustellen, dass eine Entwicklung weg von den Indikationen „Missverhältnis“ und „Prophylaxe des Dammrisses“ hin zu sehr zahlreichen und verschiedenartigen Indikationen stattgefunden hat. Details der Schnittführung werden ab 1927 so intensiv und breit diskutiert, dass dieser Punkt bis in die heutige Zeit als der Diskussionspunkt um die Episiotomie überhaupt gelten kann.

Diskussion: Die Diskussion und Interpretation der Ergebnisse erfolgte nach den von Fleck postulierten Annahmen von Denkstilen, Denkkollektiven und systemimmanenten Fragestellungen der Forschenden. Ausgehend davon wurde der Untersuchungszeitraum in drei Abschnitte unterschiedlicher wissenschaftlicher Prägung unterteilt.

Schlussfolgerung: Die Forschungsgegenstände, Forschungsergebnisse und auch die Interpretationen sind zeitabhängig. Eine jede Arbeit muss im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte betrachtet werden. Somit ist jeder Forschende in zweierlei Hinsicht ein Abhängiger: Er produziert die Wissenslandschaft seiner Zeit, aber er reproduziert sie auch.

Eigene Schlagworte: Episiotomie, Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsgeschichte, Geburtshilfe, Ludwik Fleck

Abstract englisch

Introduction: The episiotomy is an operation applied frequently, at present, and at the same time it is a topic of a scientific controversy.

Methods: This treatise is based on a qualitative analysis of 39 doctoral thesisses of obstetrics and gynocology published in the period between 1885 and 1996 at German universities und medical academies concerning the topic of episiotomy.

The thesisses are analyzed by means of a pattern of questions. The results are summarized in tables.

Results: The described indications change from „disproportion“ and “prophylaxis of the rupture” to various indications.

Details of the direction of the cut are discussed intensivly and widly, since 1927. Nowadays this is the most important point of discussion in the community.

Discussion: The discussion and interpretation of the results is based on Ludwik Fleck´s postulates of thought styles, thought communities and system inherent questions of the scientists. Proceeding from this theory the mentioned period is divorsed in three phases of different scientific characters.

Conclusion: The objects, results and interpretation of research depend on the scientific period. Every treatise has to be considered in the context of its genesis. Every scientist creates and reproduces the knowlegde and the ideas of his time.

Keywords: Episiotomy, Theory of Science, History of Science, Obstetrics, Ludwik Fleck

„Denn wie wir es mit dem Möglichen halten - denkend, sprechend, schreibend und handelnd- ist schließlich keine geringe Frage.“

Birgit Griesecke: Networking. Mögliche Verknüpfungen im episthemischen Raum; Bemerkungen zu Workshop, Werkstatt und Ausstellung. In: Birgit Griesecke (Hrsg.) ...was überhaupt möglich ist - Zugänge zum Leben und Denken Ludwik Flecks im Labor der Moderne. Materialien zu einer Ausstellung. Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, 2002

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19.10.2006