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6  Zusammenfassung

Die Ergebnisse der von uns durchgeführten tierexperimentellen Studie bestätigen die Resultate von Bazin et al. [43] und Dion et al. [44], welche zeigten, daß die Verletzung großer intraabdomineller Gefäße während eines Kapnoperitoneums bei keinem der Versuchstiere zu einer klinisch relevanten Gasembolie führte. Auch nach Verwendung von Helium als Insufflationsgas, das nur schwer im Plasma löslich ist, traten keine kardiopulmonal meßbaren Gasembolien auf. Einer der Gründe ist der intravasal erhöhte Druck, der parallel zum intraabdominellen Druck ansteigt. Halverson et al. zeigten, daß nach Etablieren eines Pneumoperitoneums mit 15 mmHg der Druck in der Vena cava inferior von ca. 12 mmHg auf 23 mmHg ansteigt [49]. Unter diesen Bedingungen ist die Gefahr einer durch Unterdruck induzierten Ansammlung von Gas im Blutgefäß äußerst gering. In retrospektiven Studien wurden bei 15 von 113.253 [50] und bei 7 von 1194 [51] laparoskopischen Operationen der klinische Verdacht einer Gasembolie geäußert, was einer Inzidenz von 0,002- 0,6 % entspricht. Insgesamt finden sich in der Literatur 7 tödliche Verläufe bei 37 beschriebenen Fällen von Gasembolien, die während laparoskopischer Operationen auftraten. Die tatsächliche Inzidenz von klinisch relevanten Gasembolien scheint demnach sehr niedrig zu sein.

Insgesamt konnte nur ein geringer Einfluß der Insufflationsgase Kohlendioxid und Helium auf die kardiopulmonale Funktion beobachtet werden. Nach Inzision der Vena cava inferior fielen der mittlere arterielle Druck und das Herzminutenvolumen in beiden Gruppen leicht ab. Der Grund ist ein Blutverlust von ca. 160 ml. Eine vollständige Kompensation erfolgte noch vor dem laparoskopischen Nähen aufgrund der intravenösen Gabe von 150 ml HAES 6%. Während der Dauer des Pneumoperitoneums stiegen der pulmonalarterielle Druck und der Pulmonalkapillardruck (Wedge-Druck) in der CO2 Gruppe leicht an, während Helium diese Veränderungen nicht zeigte. Zusätzlich kam es zu einem signifikanten Anstieg von PaCO2 und ETCO2 sowie Abfall des pH- Wertes im Blut nach Insufflation mit CO2. In der Helium Gruppe kam es zu einem signifikanten Abfall des ETCO2, der durch die Verdrängung von CO2 als Ausgangsstoff im Kohlensäure-Bicarbonatsystem erklärt werden kann. Da alle weiteren, für eine Gasembolie typischen Parameter, unverändert blieben, kann diese als zweite in Frage kommende Möglichkeit für den beobachteten ETCO2 Abfall ausgeschlossen werden.

Die Insufflation mit Helium hat im Vergleich zu Kohlendioxid einen signifikant geringeren Einfluß auf den Gasaustausch und den Säure-Basen-Haushalt. Bei Patienten mit chronisch obstruktiven Ventilationsstörungen und respiratorischer Insuffizienz könnte Helium bei laparoskopischen Eingriffen ein alternatives Insufflationsgas darstellen. Die Gefahr, während der Laparoskopie eine schwere Gasembolie (Grad 3 oder 4) zu erleiden, ist gegenüber Kohlendioxid nicht signifikant erhöht.


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24.11.2004