Aus der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt
Nephrologie und Intern. Intensivmedizin der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin

DISSERTATION

„Five Year Analysis of the Eurotransplant Senior Program“

Zur Erlangung des akademischen Grades
Doctor rerum medicarum (Dr. rer. medic.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin

von
Jana Nöldeke
aus Berlin

Dekan:

Gutachter:
1. Prof. Dr. med. U. Frei, Berlin
2. Prof. Dr. med. G. Wolf, Jena
3. PD Dr. med. S. Tullius, Boston

Datum der Promotion: 25. November 2005

Abstrakt (deutsch)

Der stete Anstieg des Durchschnittalters unsere Gesellschaft und der Mangel an Spenderorganen stellen eine bedeutende Herausforderung für die Organtransplantation dar. In Folge des immer höher werdenden Alters der Nierentransplantatspender und –Empfänger ist die Nierentransplantation schon lange nicht mehr auf junge Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz beschränkt. Obwohl Organe von älteren Spendern bekannterweise kürzere Überlebensraten aufweisen, nimmt die Zurückhaltung bei der Verwendung solcher Organen mit zunehmender Erfahrung und Nachfrage ab. Gleichzeitig mit der zunehmenden Zahl von älteren Patienten auf der Warteliste für eine Nierentransplantation steigt das Interesse an der Entwicklung von speziellen Allokations-Strategien für diese Patienten. Basierend auf dem Konzept der Abstimmung des metabolischen Bedarfs des älteren Empfängers und der Kapazität der älteren Spenderniere entwickelte Eurotransplant daher das Eurotransplant Senior Program (ESP), welches im Januar 1999 gestartet wurde. Im Rahmen dieses Programms werden Nieren von über 65 Jahre alten Spendern auf eine selektierte Gruppe über 65 Jahre alter Empfänger übertragen, die nicht- immunisiert sind und ihr erstes Transplantat erhalten. Das Ziel dieser 5-Jahres Analyse war es herauszufinden, ob das ESP erfolgreich seine Ziele erreicht hat, Organe von älteren Spendern optimal zu nutzen und die Zeit auf der Warteliste für ältere Empfänger zu verkürzen. Als Basis dienten Daten des Eurotransplant Information Systems (ENIS). Zusätzliche Informationen wurden erfolgreich für mehr als 80% der ESP Patienten sowie für zwei verschiedene Kontrollgruppen mit demselben Beobachtungszeitraum und entweder annähernd vergleichbarem Alter des Spenders (Kontrolle 1) oder des Empfängers (Kontrolle 2) erfasst. Insgesamt zeigt diese Auswertung, dass die Ziele des ESP erreicht wurden. Die Verfügbarkeit von älteren Spenderorganen wurde von 162 (10%) im Jahre 1998 auf 239 (fast 15%) im Jahre 2004 gesteigert. Die Wartezeit für ältere Empfänger verkürzte sich signifikant im Vergleich zu vor der Einführung des ESP und weiter im Verlauf der ersten 5 Jahre auf deutlich unter 4 Jahre. Im Gegensatz dazu verlängerte sich die Wartezeit für Patienten in den Kontrollen die über ETKAS transplantiert wurden um bis zu einem Jahr. Die kalte Ischämiezeit für ESP Patienten war signifikant kürzer mit etwa 12 Stunden im Vergleich zu ca. 17 Stunden für Patienten der Kontrollgruppen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kontrollgruppen sich hinsichtlich Spender und Empfängeralter teils deutlich von der ESP Gruppe unterschieden, sind die wesentlichen Ergebnisse, insbesondere das Patienten- und Transplantatüberleben der ESP Gruppe nicht negativ beeinflusst. ESP Patienten hatten jedoch deutlich mehr Abstoßungsreaktionen. Die Analyse der unabhängigen Risikofaktoren für akute Abstoßungsreaktionen weist darauf hin, dass ein verbessertes HLA matching unter Beibehaltung kurzer Ischämiezeiten möglicherweise von Vorteil wäre.

Eigene Schlagworte: Eurotransplant Senior Programm, Altersmatching, Nierentransplantation, erweiterte Spenderkriterien, old-for-old Allokation, Warteliste, kalte Ischämiezeit

Abstract (English)

The ever increasing proportion of elderly individuals in our society and the shortage of organs impose significant challenges to organ transplantation. As a result, organs previously considered marginal are now routinely used. Although increased donor age is associated with reduced graft survival rates, the changing trends in donor profiles have forced the transplant community to use organs from elderly donors. At the same time, an increase in the number of elderly patients on renal transplant waiting lists has heightened interest in the development of special allocation strategies for these patients. As a result, Eurotransplant started the Eurotransplant Senior Program (ESP) in January 1999, an allocation scheme based on the concept of matching the metabolic demand of the recipient and the excretory capacity of the donor. The program obtained kidneys from donors older than 65 years and allocated them to a selected group of patients in the same age group who were non-immunized and were receiving their first transplant. The main objective of this evaluation of the ESP 5 years after its initiation was to find out if the allocation scheme is effective in using kidneys from elderly donors and if it shortens the waiting time for elderly patients requiring kidney transplantation. The Eurotransplant database was used as a starting point, and data added to the database by collecting additional information on more than 80% of the ESP patients, and on two control groups. The controls were observed over the same time period as the ESP patients, and matched the ESP patients for donor age (Control 1) and the recipient age (Control 2). Overall, this 5-year analysis of the ESP shows that the objectives of the program have been met. The availability of elderly donors increased from 169 (10%) in 1998 to 239 (almost 15%) in 2004. The waiting time for elderly recipients transplanted within the ESP was successfully reduced compared to the waiting time before introduction of ESP and is now below 4 years, while waiting time in both control groups has increased by up to one year. The cold ischemia time for ESP patients was significantly shorter, with a mean of approximately 12 hours compared with over 17 hours in both control groups. After correcting for the differences in the control groups of either donor or recipient age compared to the ESP group it was demonstrated that the main clinical outcomes in recipients of organs from donors age 65 or older were not negatively impacted by the ESP allocation. However, ESP patients experienced significantly higher rates of acute rejection. Based on an analysis of independent risk factors the use of HLA matching instead of waiting time should be considered as an allocation criterion while maintaining a short cold ischemia time.

Keywords: Eurotransplant Senior Program, age matching, cadaveric renal transplantation, expanded criteria donor, old-for-old allocation, waiting list, cold ischemia time

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05.07.2006