I. Einleitung

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“Nimm du, Vater, das heilige Gut, der Väter Penaten ...“

Vergil, Aeneis, 2, 717

1. Die Penaten der Väter

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In der Renaissanceforschung findet sich immer wieder die Äußerung, dass die hll. Cosmas und Damian die Familien- oder Schutzheiligen der Medici gewesen seien.1 Zur Begründung dient einerseits der Verweis auf die begriffliche Übereinstimmung dieser beiden heiligen „Ärzte“ mit dem ‚sprechenden‘ Familiennamen, andererseits sind deren in beachtlicher Zahl noch erhaltene Darstellungen Anhaltspunkte für eine solche Verbindung. Eine Untersuchung der Darstellungen von Cosmas und Damian, besonders vor dem Hintergrund der Nachbenennungstraditionen der Familie und im Vergleich mit Abbildungen anderer mediceischer Namenspatrone und Schutzheiligen steht dagegen noch aus.2

Wenn Cosmas und Damian tatsächlich Schutzheilige der ganzen Familie wären, müsste ihr Kult für alle Mitglieder der weit verzweigten Sippe eine vergleichbare Funktion gehabt haben: die eines kollektiven Signums. Wie sich zeigen wird war dies jedoch nicht der Fall. Welche Rolle diese und andere Heiligenkulte, darunter besonders jener der hll. Drei Könige im Umfeld der Medici gespielt haben, ist Gegenstand der vorliegenden Beobachtungen.

Religiöses Leben und Alltag waren im 15. Jahrhundert nicht in dem Maße voneinander getrennt, wie es aus heutiger, säkularer Sicht erscheinen mag. Grundsätzlich hatten Heilige, deren Verehrung und Anrufung ihren spirituellen, in Form von Darstellungen aber auch ganz konkret manifestierten, Platz im häuslichen Bereich. Sie gehörten in gewisser Weise zur Familie.

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Die Renaissance als Zeitalter genialischer Individualität ist ein Mythos. Jacob Burckhardt etwa sprach davon, dass „...sich mit voller Macht das Subjektive...“ erhebe, dass der Mensch „... geistiges Individuum...“ werde und sich als solches erkenne.3 Im Gegensatz zu dieser Hervorhebung des Einzelnen steht jedoch auch in der Frühen Neuzeit die Bedeutung der Gemeinschaft. Das Netzwerk aus Verwandten und Freunden, Geschäftspartnern, Gleichgesinnten und Abhängigen, die familia, bildet die Grundlage für die erfolgreiche Existenz des Individuums. Die Leistungen dieses Netzwerks bestehen aus dem Einholen und Erteilen von Ratschlägen, Empfehlungen und Förderungen, Diensten und Gunsterweisungen. Die schwächeren Mitglieder sind dabei auf den Schutz des stärkeren Mitglieds angewiesen. Umgekehrt braucht das stärkere Mitglied die Unterstützung der nur in ihrer Vielzahl bedeutenden Schwächeren. Volker Reinhardt hat dieses System nicht zu unrecht mit mafiösen Strukturen verglichen. Das Ausüben von Druck, die rigorose Verwendung von Gewalt und der bedenkenlose Einsatz von Geld gehörten selbstverständlich dazu.4

Bei all dem musste es das Bestreben sein, möglichst jeden Einzelnen innerhalb des Netzwerks zufrieden zu stellen und dabei die eigene Zielsetzung nicht aus den Augen zu verlieren.5

Der außerordentliche wirtschaftliche und politische Erfolg der Medici seit der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jahrhundert ist dem Umstand zu verdanken, dass sie es verstanden, einen stets wachsenden Kreis von Gefolgsleuten um sich zu scharren und ihn zu lenken. Auch sie haben dabei ihre familia um überirdische Mitglieder erweitert, Schutzheilige, die zugleich als Vorbilder und Symbole, als Identifikationsfiguren und als Repräsentanten dienten. Diese Namenspatrone und Familienheiligen konnten in Bereiche vordringen, die ihren sterblichen Schützlingen weitgehend verschlossen blieben: Hochburgen anderer Familien, Orte die der Repräsentation der Kommune oder eben dem Sakralen vorbehalten waren. Es wäre dabei falsch anzunehmen, die Medici hätten die Frömmigkeit ihrer Mitmenschen für politische Zwecke ausgenutzt. Vielmehr sollte man diesen Mechanismus als den Einsatz der eigenen Frömmigkeit verstehen. Diese Unterscheidung ist wichtig, um nicht den Fehler zu begehen den religiösen Gegenstand seiner Spiritualität zu berauben und ganz als Zweck weltlicher Interessen anzusehen.

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Das 15. Jahrhundert war für die Entwicklung des Geschlechts der Medici ein entscheidender Zeitraum. Zu dessen Beginn hatten einzelne Zweige des Familien-Clans nach einem gut zweihundert Jahre währenden Prozess den Aufstieg in das politisch maßgebliche Patriziat von Florenz erreicht. Im Verlauf des Jahrhunderts gelang es ihren wichtigsten Vertretern, eine herausragende Führungsrolle im Staatswesen einzunehmen und zu konsolidieren. Aus der staatlichen und familiären Krise des Jahrhundertendes ging die Familie in den ersten Jahrzehnten des folgenden 16. Jahrhunderts siegreich hervor.

Unter ihrer Herrschaft vollzog sich die Umwandlung der von oligarchischen Interessen bestimmten Republik in einen souveränen Prinzipat. Die eigentliche historische Leistung war hierbei möglicherweise nicht der Erwerb der Fürstenwürde, sondern die Wahrung der florentinischen Eigenstaatlichkeit im spanisch dominierten Italien.6

Grundlage dieses Aufstiegs war der Reichtum, den einige Zweige und Persönlichkeiten der Familie in der zweiten Hälfte des 14. und der ersten des 15. Jahrhunderts erwirtschafteten.7 Als entscheidendes Mittel erwies sich das Geschick, mit dem die Familienoberhäupter in dieser Zeit die Regierungsorgane der Republik, besonders deren Wahlverfahren, zu manipulieren und zu unterwandern vermochten.8

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Dauerhafter als solche Machtpolitik sowie langlebiger als die Herrschaft und selbst die Existenz des betreffenden Familienzweiges, erwiesen sich die Objekte der Repräsentation, derer sich die Medici bedienten, um Präsenz und Dominanz im feinmaschigen Netz gesellschaftlicher städtischer Strukturen zu entwickeln und zu behaupten. Als die Kunstmäzene schlechthin sind die Medici noch heute in einem kollektiven Bewusstsein präsent.

Die kunstwissenschaftliche Renaissanceforschung, beschäftigt sich gerade im Falle von Florenz immer wieder mit der Entschlüsselung von Funktion und damit ursprünglichem Wesen dieser Gegenstände. Eine Unterscheidung von zwei Gruppen, weltlichen Gegenständen und solchen religiöser Natur scheint dabei immer wieder als wesentlich für die Epoche angesehen worden zu sein. Andererseits ist das Aufspüren „weltlicher“ Botschaften im religiösen Kontext zum wichtigsten Thema der Kunstwissenschaft für das 15. und 16. Jahrhundert geworden. Die Frage, ob und wie sich Mitglieder der Familie Medici Gegenständen mit religiöser Funktion bedienten, um Aussagen zu treffen, die über diesen Kontext hinausgehen, ist kein neues Forschungsvorhaben. Es lohnt sich, nach einer Gesetzmäßigkeit solcher verschlüsselten Botschaften zu suchen, die möglicherweise nicht allein über ikonographische Aspekte verfügen, sondern eben über eine ikonologische Einbindung.

Wir gehen davon aus, dass die beiden Gruppen, mit denen wir uns beschäftigen wollen, die Namenspatrone und Familienheiligen sowohl die Sippe als Interessengemeinschaft reflektieren, als auch die Position individueller Persönlichkeiten im familiären und staatlichen Netzwerk definieren. Schon die genaue Differenzierung dieser beiden Gruppen ermöglicht es, strategische Elemente zu entdecken.

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Der jeweilige Namenspatron ist durch die so genannte Nachbenennung leicht erkennbar, der Grund für das Patronat dagegen nicht. Nachbenennungen hängen von familiären und regionalen Traditionen oder vom Geburtsdatum ab. Sie sind in der frühen Neuzeit, wie auch heute noch Modeerscheinungen unterworfen.

Familienheilige sind dagegen überwiegend im Namen der ganzen Familie gefördert worden oder über Generationen immer wieder in Erscheinung getreten.

Das Arbeitsmaterial ist aus Darstellungen ausgewählt, die Aufschluss über bestimmte Protagonisten der Familie zu geben versprechen. Diese Familienmitglieder kommen einer Art Kanon der wissenschaftlichen und auch der populärwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Familie Medici gleich. Die Grundlagen zu einer solchen Fokussierung sind besonders durch die Repräsentationsstrategien der Medici im 16. Jahrhundert, also von der Familie selbst gelegt, bzw. angeregt worden.9 Im Mittelpunkt stehen demnach Cosimo di Giovanni de’ Medici (1389-1464) seine Söhne Piero und Giovanni, sowie seine Enkel Lorenzo und Giuliano, bzw. deren Namenspatrone. Aber auch das Verhältnis der beiden von Cosimo und seinem jüngeren Bruder Lorenzo ausgehenden Familienzweige zueinander, wird eine Rolle spielen.

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Die Darstellungen von Heiligen, unabhängig von Form oder Medium, gehören ursprünglich in einen räumlichen Kontext, wie auch in einen kultischen Zusammenhang. Aufstellungsort und Kult müssen dementsprechend berücksichtigt werden. Allerdings kann gerade der jeweilige Heiligenkult hier nicht erschöpfend diskutiert werden. Eine Ausnahme bildet der Kult der hll. Cosmas und Damian, der etwas ausführlicher zur Sprache kommen wird.

Eine wichtige Rolle wird im Folgenden der genauen Beschreibung der jeweils ausgewählten Werke zukommen.

Voraussetzung für die These, dass sich in der Darstellung bestimmter Heiliger im Familienkreis der Mediceer des 15. Jahrhunderts strategische Elemente benennen lassen, ist ein ‚lineares‘ Bewusstsein der Auftraggeber für die Entwicklung der Sippe. Mit anderen Worten: dynastisches Selbstverständnis. Der Begriff der ‚Dynastie‘ ist für das 15. Jahrhundert in Florenz problematisch, aber, wie sich zeigen wird, im Falle der Medici nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

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Eine Schlüsselposition als politischer Stratege der Familie, und zweifelsohne auch in der Entwicklung einer Politik des Kults, nimmt die Person Cosimo de’ Medicis ein.10 Gleichzeitig ist er für die nachfolgenden Generationen wichtigster Orientierungspunkt einer retrospektiven dynastischen Legendenbildung. Entsprechend lässt z. B. Papst Leo X. zwischen 1514 und 1517 seinen Urgroßvater von Raffael und dessen Gehilfen in der Stanza dell’ Incendio darstellen (Abb.1). In der Gestalt eines Greises wird er von einem kraftvollen jüngeren Mann getragen und aus den Ruinen des brennenden Borgo gerettet. Ein Knabe begleitet beide und blickt zu dem alten Mann empor. In der Gruppe ist die Flucht des Aeneas gesehen worden, der seinen greisen Vater Anchises auf den Schultern und den Sohn Ascanius an der Seite aus dem brennenden Troja fortführt. Traeger hat dies als Demonstration einer behaupteten altrömischen Herkunft der Medici gedeutet.11 Auf jeden Fall zeigt die Gruppe Cosimo als Ahnherren. Als solcher und in der Rolle des Anchises ist er der Hüter der Penaten, der Hausgötter der Familie, die in dem Fresko nicht dargestellt sind, deren römische Herkunft jedoch eindeutiger nachzuweisen ist, als die der Familie selbst.12

2. Vorfahren, Heilige und Heroen

Im Italien des Mittelalters und der frühen Neuzeit betont die Namengebung in besonderer Weise familiäre Bindung und regionale Herkunft. Nicht nur bei Individuen ohne Gentilnamen wurde der Taufname des Vaters, gelegentlich ergänzt um den des Großvaters, dem eigenen Vornamen durch die Abkunftsbezeichnung ‚di‘ angefügt. Entsprechend konnte der Eigenname um den des Heimatortes als Herkunftsbezeichnung oder mit ‚da‘ verbunden ergänzt werden. Auch Ruf- oder Spitznamen und Beinamen scheinen sehr beliebt gewesen zu sein. Häufig hatten sie beschreibenden oder spottenden Charakter. Der Maler Benozzo di Lese (1421-1497) z. B. ist besser unter seinem Beinamen ‚Gozzoli‘, der ‚Kröpfige‘ bekannt. Allerdings ist nicht sicher, ob Benozzo zu seinen Lebzeiten tatsächlich ‚Gozzoli‘ genannt wurde. Er selbst signierte „Benozzo de Florentia“, so muss etwa die Signatur seines Selbstporträts in den Fresken der Kapelle des Medici-Palastes ergänzt werden.13 Der Rufname ist erstmals in der zweiten Ausgabe der Künstlerviten Vasaris überliefert, der auch für viele andere Künstler Rufnamen nennt und gelegentlich erklärt.14 Möglich ist, dass zwischen dem privaten Charakter des Rufnamens und dem offiziellen des Taufnamens unterschieden wurde.

Der 1363 gestorbene Großvater Cosimo de’ Medicis, der auf den Namen des legendären Stammvaters der Familie, ‚Averardo‘ getauft war, führte den Beinamen, ‚Bicci‘. Dessen Sohn Giovanni ergänzte seinen eigenen Namen um diesen heute nicht mehr herzuleitenden Spitznamen und nannte sich Giovanni di Bicci.15

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Die häufigste Form der Nachbenennung männlicher Kinder blieb vom frühen Mittelalter bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die nach dem Großvater, Vater oder männlichen Verwandten.16 Eine vergleichbare Rolle spielte die Nachbenennung nach Heiligen. Naturgemäß vermischten sich diese beiden Formen, wenn ein Kind nach einem Ahnen benannt wurde, der einen Heiligennamen trug.17 Das Gleiche konnte geschehen, wenn ein Kind mehr als einen Namen erhielt. Ein Beispiel für beide Formen der Vermischung ist der Florentiner Historiker Francesco Tommaso Guicciardini (1483-1540). Den ersten Vornamen erhielt er nach einem Urgroßvater mütterlicherseits, den zweiten nach dem Heiligen, an dessen Festtag er geboren wurde, Thomas von Aquin. Guicciardini selbst bezeichnete sowohl Thomas von Aquin als auch den hl. Franziskus, also den Namenspatron seines Ahnen, als seine „besonderen Fürsprecher und Patrone“.18

Auch im Stammbaum der Medici spiegeln sich diese Formen der Nachbenennung.19 Von 84 männlichen Mitgliedern der Familie, welche diese vom frühen 13. Jahrhundert bis zu Herzog Cosimo I. im 16. Jahrhundert repräsentieren, tragen mit 48 mehr als die Hälfte die Namen von Heiligen. Von diesen erhielten 28 einen Namen, der nicht vom Vater, Großvater oder Urgroßvater stammt.20 Ein Drittel aller männlichen Mitglieder der Familie sind also direkt nach einem Heiligen benannt. 17 Medici wurden nach ihrem Großvater benannt. Das ist mit gut einem Fünftel die zweitgrößte Gruppe. Sieben tragen den Namen ihres Vaters, drei den des Urgroßvaters, zwei den des Ururgroßvaters. Fasste man die Nachbenennung nach Ahnen zusammen, so stellte sie mit 32 Mitgliedern die größte Gruppe. Zu den bereits genannten gehören in diesem Fall drei Medici, die dem Anschein nach den Namen eines nahen Verwandten erhielten. So ließ der ‚magnifico‘ Lorenzo 1479 seinen Sohn Giuliano vermutlich nach dem eigenen, im Jahr zuvor bei der Verschwörung der Pazzi ermordeten Bruder taufen.21

Das Verhältnis der Namengebung nach Heiligen und Ahnen zueinander zeigt auch, dass zwei weitere Medici zwar in der Taufe den Namen eines Heiligen erhielten, jedoch nach ihrem Vater, bzw. Urgroßvater gerufen wurden.

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Die Praxis der Nachbenennung in der Familie Medici, besonders das Überspringen jeweils einer Generation, zeigt sich besonders bei den Nachfahren Lorenzo di Giovanni di Biccis, also dem so genannten jüngeren Zweig. Lorenzos Sohn Pierfrancesco und seine Ehefrau Laudomia di Angelo Acciaiuoli benannten ihren ältesten Sohn wieder nach dem Großvater väterlicherseits, also Lorenzo. Der jüngere Sohn, Giovanni, erhielt den Namen des Urgroßvaters.22

In dieser Generation führt Lorenzo di Pierfrancesco die Tradition fort, und zwar auch für die Töchter. Seinem ältesten Sohn gibt er den großväterlichen Namen Pierfrancesco. Der Zweitgeborene, Averardo, erhält einen Namen, den in direkter männlicher Linie zuletzt sein 1363 gestorbener Urururgroßvater getragen hatte.23 Eine so weit hergeholte Nachbenennung scheint nicht häufig gewesen zu sein. Hier erklärt sie sich vermutlich aus zwei Gründen: Averardo war der Name des legendären ritterlichen Stammvaters der Medici. Zuletzt hatte ihn ein 1434 gestorbener Vetter getragen, dessen Linie 1443 erloschen war. Mit einer solchen Benennung wurde nicht nur der Name des Stammvaters erhalten, sondern auch die direkte Abkunft aus der Hauptlinie betont. Vater und Großvater des hier benannten Kindes waren seit dem Tod Cosimos, pater patriae, zunehmend in Gegensatz zu dessen direkten Nachkommen, den Vettern der Hauptlinie, geraten.24

Der dritte Sohn von Lorenzo di Pierfrancesco wurde auf den Namen des in der Nebenlinie besonders verehrten hl. Vinzenz Ferrer getauft.25 Seine beiden Töchter, Ginevra und Laudomia, erhielten die Namen ihrer Urgroßmutter bzw. Großmutter.26 Insbesondere der

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zweite Fall ist interessant, weil man in der Hauptlinie der Medici offenbar Laudomia di Angelo Acciauoli und ihren Angehörigen eine Mitschuld an einer gewissen Entfremdung der beiden Familienzweige zuschob.27

Dieser kleine Ausschnitt verdeutlicht, wie die Praxis der Nachbenennung als Mittel eingesetzt werden konnte, den Zusammenhang des Clans nach außen, aber auch im Inneren sichtbar zu machen.

Der hohe Anteil von Heiligennamen im Stammbaum der Medici reflektiert das Phänomen des so genannten Namenschwundes im Mittelalter. „Die Nachbenennung nach Heiligen hat in Europa zu einer Konzentration auf eine immer geringer werdende Zahl von Namen geführt“.28

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Mit zehn Benennungen ist ‚Giovanni‘ der häufigste Heiligenname in der Genealogie der Medici. Da Johannes der Täufer der wichtigste Stadtpatron von Florenz war, dürfte das der Popularität des Namens in der Stadt entsprechen. Sechs Männer der Familie hießen ‚Antonio‘, je fünf ‚Francesco‘ und ‚Giuliano‘. Alle anderen Namen wurden drei mal oder weniger vergeben. Der früheste nachgewiesene Medici, der den Namen eines Heiligen trug, Filippo di Chiarissimo, lebte um 1250. Erst im frühen 14. Jahrhundert begann sich die Nachbenennung nach Heiligen in der Familie zu häufen. Kein greifbarer Vertreter des Geschlechts war jedoch nach den hll. Cosmas oder Damian benannt.


Fußnoten und Endnoten

1  Vgl. R. Trexler, „Public Life in Renaissance Florence“, Ithaca/London 1996, S. 505.

2  Crispin Robinson hat in seiner Untersuchung einen anderen Schwerpunkt gesetzt. Vgl. C. Robinson, „Cosimo de’ Medici’s Patronage of the Observantist Movement“, Courtauld Institute of Art, University of London, 1984.

3  J. Burckhardt, „Die Kultur der Renaissance in Italien“, 2. Auflage Leipzig 1869, II., 1. Kap.

4  V. Reinhardt, „Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance“, München 1998, S.9.

5  Ebd. S. 34 ff.

6 

Zur Geschichte der Medici siehe G. A. Brucker, „The Medici in the Fourteenth Century“, in: Speculum, Vol. XXXII, Jan. 1957, 1 ff.

Vgl. M. Tarassi, „ Il committente: la famiglia Medici dalle origini al Quattrocento“, in: G. Cherubini/G. Fanelli (Hg.), Il Palazzo Medici Riccardi di Firenze, Florenz 1990.

Für das 15. Jh. maßgeblich N. Rubinstein, „The Government of Florence under the Medici. 1434 to 1494“, Oxford 1997; D. Kent, „The Rise of the Medici. Faction in Florence. 1426-1434“, Oxford 1978.

Für das 16.Jh. J. N. Stephens, „The Fall of the Florentine Republic. 1512-1530“, Oxford 1983.

H. C. Butters, „Governors and Government in Early Sixteenth-Century Florence. 1502-1519“, Oxford 1985.

R. Cantagalli, „Cosimo I. de’ Medici, Granduca di Toscana“, Mailand 1985.

7  Grundlegend R. de Roover, „The Rise and Decline of the Medici Bank. 1397-1494.“, Cambridge, Mass., 1963.

8  Hierzu besonders Rubinstein 1997, S. 30 ff.

9  Der Mythos von Aufstieg, Glanz und Untergang der Medici hat dazu geführt, das die Existenz zahlreicher Familienzweige, von denen einige den ‚Untergang‘ überdauerten, oft übersehen wurde. Vgl. H. Grote, „Stammtafeln“, Leipzig 1877.

10  Im Folgenden wird dieser heute gebräuchliche Genitiv verwendet.

11 

Vgl. J. Traeger, „Die Begegnung Leos d. Großen mit Attila“ in: Raffaello a Roma, Rom 1986, S. 97 ff.

Zu Raffael und Leo X. vgl. auch R. Jones, N. Penny, „Raffael“, (dt.) München 1983, S. 133ff.

12  Vgl. den Abschnitt über die Herkunft des Kults der hll. Cosmas und Damian unten.

13  Dort steht: „ Opus Benotii d..“, wohl für ‚Opus Benotii de Florentia‘.

14  Vgl. Vasari, „Le Vite de piu eccelenti Architetti, Pittori et Scultori Italiani“, (dt.) Ludwig Schorn, Ernst Förster, Stuttgart 1839, Reprint Worms 1988, II. Bd, 2. Abt., S. 65 ff.

15  Siehe Stammtafel I.

16 

In den meisten Stammtafeln, so auch in denen der Medici, tauchen Töchter und selbst Ehefrauen nur vereinzelt auf. Hier konnten daher fast ausschließlich die Söhne berücksichtigen können.

Zur Namengebung in Europa siehe M. Mitterauer, „Ahnen und Heilige“, München 1993.

Für Italien und Florenz vgl. Ch. Klapisch-Zuber, „La maison et le nom. Stratégies et rituels dans l’Italie de la Renaissance.“, Paris 1990, besonders Kap. IV. „Le nom ‚refait‘, S. 83 ff.

17  Vgl. Mitterauer, S. 330 ff.

18  Vgl. Francesco Guicciardini, „Scritti autobiografici e rari“, in: R. Palmarocchi (Hg.), Scrittori d’Italia, Vol. 9, S. 53, Bari 1936. Hier zitiert nach Alison Brown (Hg.), „Guicciardini. Dialogue on the Government of Florence“, S. VII., Cambridge 1994.

19  Zugrunde gelegt sind hier die vereinfachten Stammtafeln bei de Roover, 1963, S. 383 ff. Vgl. auch die von mir ergänzten aber ebenfalls auszughaften Stammtafeln (I. bis III.) im Anhang.

20  Da keine mütterlichen Ahnen berücksichtigt sind, geben diese Aussagen nur eine Tendenz wieder.

21 

Siehe Stammtafel II. Die Benennung Giuliano di Lorenzos könnte auch auf eine geplante und dann nicht mehr durchführbare Patenschaft des ermordeten Onkels zurückgehen.

Zur Rolle des Paten in Florenz vgl. Klapisch-Zuber 1990, S. 125 ff.

22  Den gleichen Namen trug der Vater seiner Großmutter, Ginevra di Giovanni Cavalcanti.

23  Dieser Ahne, Averardo di Salvestro de‘ Medici wurde allerdings bei seinem Spitznamen „Bicci“ gerufen und hat die eigentümliche Bezeichnung als Beinamen an seine beiden Söhne vererbt. Siehe Stammtafel I.

24  Vgl. unten: Subordination und Emanzipation: Die Pala für die Villa il Trebbio

25  Das diesem Heiligen geweihte Kloster, San Vincenzo d‘ Annalena, gehörte zu den bevorzugten Rückzugsorten der Damen aus der Nebenlinie.

26  Siehe Stammtafel III.

27  Vgl. A. Brown, „Pierfrancesco de‘ Medici, 1430-1476: a radical alternative to elder medicean supremacy?",“in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 42, 1979, S. 95ff.

28  Vgl. Mitterauer, S. 241.



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10.04.2006