II.  Cosmas und Damian und die Erfindung von der Heilung des Staates

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„Martyribus Medicis Populo Spes Certa Salutis Venit...“

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Aus der Inschrift des Apsismosaiks, SS. Cosma e Damiano, Rom

Cosimo di Giovanni de’ Medici wurde im Jahr 1389, nicht aber, wie Macchiavelli angibt, am 27. September, dem Tag der hll. Cosmas und Damian, geboren.29 Sein tatsächlicher Geburtstag ist der 10. April. Nach Susan McKillop wurde bei den Medici des 15. Jahrhunderts die Feier des Namenstages oder anderer liturgisch herausragender Feste in zeitlicher Nähe zum Geburtsdatum dem eigentlichen Geburtstagsfest vorgezogen.30 So wurde bereits zu Lebzeiten Cosimos der 27. September, sein Namenstag, festlich begangen.31 Cosimo sei, so McKillop, benannt nach einem Schutzheiligen der Familie.

Grundsätzlich empfahlen sich die hll. Cosmas und Damian den Medici durch ihre Tätigkeit als unentgeltlich heilende Ärzte, italienisch: medici.32 Als solche waren sie zunächst Patrone der Ärzte, was zu dem fruchtlosen Versuch geführt hat unter den Familienangehörigen der Medici im 13. Jahrhundert Angehörige der Ärzteschaft ausfindig zu machen und darüber hinaus die Palle des Familienwappens als Pillen zu deuten.33 Es lässt sich ebenfalls nicht mit Bestimmtheit sagen, seit wann die hll. Cosmas und Damian als Patrone im Umkreis der Medici auftauchen. Ihre früheste Erwähnung im Zusammenhang mit der Familie ist in einem Brief von 1417 überliefert.34 Theoretisch könnte die‚Entdeckung‘ der wortmagischen Kongruenz schon um 1200 mit den ersten Nennungen des Familiennamens stattgefunden haben. Es ist überraschend, dass Cosimo di Giovanni das erste Familienmitglied gewesen zu sein scheint, das nach dem hl. Cosmas benannt worden ist.

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Als Cosimo 1389 geboren wurde, hatte sich im westlichen Europa die Nachbenennung nach Heiligen bereits durchgesetzt. Gerade im Florenz des 15. Jahrhunderts waren in Form der Spitznamen, die den Taufnamen im alltäglichen Umgang ersetzten, aber auch noch ältere Nachbenennungstraditionen lebendig. Möglicherweise ist die Benennung Cosimos nach dem hl. Cosmas also der früheste greifbare Hinweis auf die Existenz der hll. Cosmas und Damian als Namenspatrone der Medici.

Demnach wäre Giovanni di Bicci, der seinen Sohn benannt haben muss, der Initiator dieses Familienkults.35 Wahrscheinlich hat Giovanni den Kult in Rom kennen gelernt.36

Im Jahr 1385 trat Giovanni di Bicci in die römische Bank seines Verwandten Vieri di Cambio de’ Medici ein. Rom war das westliche Zentrum des Kults der hll. Ärzte in Italien. Schon im 6. Jahrhundert wurde ihnen durch Papst Felix IV. eine Kirche errichtet, in der ihre Reliquien aufbewahrt werden. Jakobus de Voragine meint dieses Gotteshaus, wenn er in der Legende der Heiligen von „ihrer Kirche“ spricht. Sie gehört zu den ältesten Gotteshäusern der Stadt und wird jedem Römer schon deshalb bekannt gewesen sein, weil die Anrufung von Cosmas und Damian Krankheiten heilte oder vor diesen schützte.

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Die Apsis von SS. Cosma e Damiano schmückt ein Mosaik der Brüder und eine Inschrift, die verkündet: „Martyribus Medicis Populo Spes Certa Salutis Venit...“; „Von den Märtyrer Ärzten kommt dem Volk sichere Aussicht des Heils“ (Abb. 2).37 Für einen Medici muss dieser Teil der Inschrift höchst suggestiv geklungen haben.

Aus Syrien kommend hatte sich der Kult der Heiligen im östlichen Mittelmeerraum ausgebreitet, in Konstantinopel eine besondere Blüte erfahren und schon im späten 5. Jahrhundert in Rom Bedeutung gewonnen.38

1. Entstehung und Verbreitung des Kults

Der Kult der hll. Cosmas und Damian hat von ihrem Grab in Pherman bei Kyrrhos im nördlichen Syrien seinen Ausgang genommen.39 Um den wohl historischen Kern eines christlichen Bruderpaares, beide von Beruf Arzt, die gemeinsam das Martyrium erlitten, bildeten sich im Laufe der Jahrhunderte weiter ausgeschmückte Legenden und Wunderberichte.40

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Ein entscheidender Wesenszug ihres Kults stammt aus dem Geburtsort der Brüder, Aegae in Kilikien in der heutigen Türkei. Dort ging die Praxis des Heilschlafs von einem bis um 355 bestehenden Asklepioskult auf den ihren über.41 Bei dieser Inkubationspraxis verbrachten die Hilfe Suchenden eine oder mehrere Nächte in der, den christlichen Brüdern errichteten Kirche und empfingen von diesen im Schlaf die Weisungen, die zur Heilung führten.

Zum wichtigsten Zentrum der Verehrung von Cosmas und Damian wurde bereits seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts Konstantinopel.42 Dass ihr Kult auch hier die Inkubationspraxis eines heidnischen Kultes verdrängte, bzw. übernahm, hatte Ludwig Deubner veranlasst, an ihrer historischen Existenz zu zweifeln und die Entstehung ihres Kults in Konstantinopel anzunehmen.43 Da es sich bei dem verdrängten Kult um jenen der Dioskuren, Kastor und Polydeukes handelte, glaubte Deubner, Cosmas und Damian seien als christliche Nachfolger der Zeussöhne erfunden worden.44 Die Verehrung von Cosmas und Damian ist für Syrien jedoch schon vor der Existenz des Kults in Konstantinopel belegt.45

Durch den Kult der Dioskuren scheint, neben der Bekräftigung der Inkubationspraxis, ein weiterer Aspekt auf Cosmas und Damian übertragen worden zu sein. Wie zuvor Kastor und Polydeukes galten die christlichen Brüder als Schutzheilige der Seefahrt und als Retter aus Seenot.46

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Förderlich für den Kult von Cosmas und Damian in Konstantinopel wurde neben der Nachfolge heidnischer Bräuche die besondere Begünstigung durch Justinian I. (527-565). Der Kaiser schrieb den Heiligen seine Genesung von schwerer Krankheit zu und ließ die von ihm aufgesuchte Kirche in der Nähe des Blachernen-Palastes ausbauen und ausstatten.47

Die Verehrung von Cosmas und Damian ist für Rom durch ihre Aufnahme in den dortigen Messkanon bereits im 4. Jahrhundert anzunehmen.

Papst Symmachus (498-514) ließ ihnen in der Nachbarschaft von Santa Maria Maggiore ein Oratorium errichten, das demnach älter ist als die kaiserliche Förderung des Kults in Konstantinopel.48 Da Symmachus ein Gegner des byzantinischen Einflusses in Italien war, ist es wohl auszuschließen, dass er sich hierbei am Vorbild Konstantinopels orientiert haben könnte.49

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Nach 526 errichtete Papst Felix IV. (526-530) den Brüdern unter Einbeziehung der Ruinen zweier kaiserzeitlicher Tempel auf dem Forum Romanum eine repräsentative Kultstätte. Der ältere dieser beiden Komplexe, der templum sacrae urbis, stammte ursprünglich aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und gehörte als aula zum templum pacis des Kaisers Vespasian.50 Der jüngere Teil wurde im frühen 4. Jahrhundert dem Romulus, Sohn des Kaisers Maxentius, geweiht.51

Die Kirche von Cosmas und Damian ist das früheste Beispiel eines christlichen Heiligtums auf dem Gelände des Forum Romanum und scheint auch hier eingerichtet worden zu sein, um einen Kult der Dioskuren zu ersetzen. In nur hundert Metern Entfernung erheben sich noch heute auf der anderen Seite der via sacra drei der Säulen des Tempels der Dioskuren.52

Felix IV. hatte 519 als Diakon einer Delegation des Papstes Hormisdas (514-523) angehört, die unter Führung des Diakons Dioskur (!) nach Konstantinopel gesandt worden war.53 Dort könnte er die erfolgreiche Verdrängung des Kults der Dioskuren durch Cosmas und Damian erlebt haben.

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Mit dem Bau von SS. Cosma e Damiano und der wenig später begonnenen Kirche Santa Maria Antiqua leitete der Papst eine neue städtebauliche Phase ein. Nach der Gründung der bedeutendsten frühchristlichen Kultstätten des 4. und 5. Jahrhunderts, wie San Paolo fuori le mura, San Lorenzo fuori le mura, der Lateransbasilika und anderen, außerhalb der antiken Stadtmauern gelegenen Kirchen, wurden nun auch im alten Stadtzentrum christliche Sakralbauten errichtet.

Dass die Wahl hierbei auf ein Marienheiligtum, des Ersten in Rom, und den Kult der christlichen Ärzte fällt, spricht dafür, dass der Papst in beiden die Anziehungskraft gesehen hat, die erforderlich war, um das antike Zentrum christlich neu zu beleben. Cosmas und Damian wurden außer in ihrer eigenen Kirche auch in einer Kapelle der Marienkirche verehrt. In allen wichtigen Kirchen der Stadt waren sie abgebildet und es wurden ihnen zahlreiche weitere Kultstätten errichtet.54

Ihrer Hauptkultstätte auf dem Forum Romanum, der einzigen, die als Titulatur noch heute besteht, muss durch die Inkubationspraxis fortwährende Aufmerksamkeit zugekommen sein. Es ist anzunehmen, dass jeder Bewohner Roms und jeder Pilger, der Rom besuchte, ihr Heiligtum kennen lernte.

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Im Einzelnen kann hier die Entwicklung ihres Kults in Rom nicht weiter verfolgt werden, doch war er noch im 17. Jahrhundert lebendig und bedeutend, als Papst Urban VIII. (1623 – 1644) die Kirche renovieren ließ. Bei der Entscheidung des Papstes, auf die Kirche Mittel zu verwenden, mag eine Rolle gespielt haben, dass er aus Florenz stammte, wo der Kult seit dem 15. Jahrhundert eine starke lokale und politische Prägung erfahren hatte. Denkbar ist dagegen auch, dass Urban die Revitalisierung von SS. Cosma e Damiano als westliches Zentrum des Kults wünschte, weil ihm in Rom auswärtige Konkurrenz erwachsen war: Am 4. 1. 1519 hatte Papst Leo X. die Bauerlaubnis für eine neue Kirche der Florentiner in Rom erteilt. Die Kirche sollte dem Stadtpatron von Florenz, Johannes dem Täufer, geweiht werden – und den hll. Cosmas und Damian als Konpatronen.55

Das ambitionierte Projekt eines Zentralbaus stellte als solches eine Provokation für alle dar, die an dem mühevollen Bauprozess der Peterskirche auf dem anderen Ufer des Tiber beteiligt waren.56 Die Repatriierung eines altrömischen Kults, der florentinisch geworden war und darüber hinaus spezifisch dynastische Implikationen transportierte, erhöhte die Herausforderung vielleicht noch.

Urban VIII. ließ jedenfalls bei der Renovierung von SS. Cosma e Damiano dort das Wappen der Barberini anbringen und einen Altar errichten, der die Sicht auf die suggestive Inschrift des 6. Jahrhunderts fast vollkommen verdeckt.57

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Die Rezeption des Kults von Cosmas und Damian hatte in Florenz eine grundsätzliche Änderung oder doch Erweiterung erfahren.

2. Die Magie des Namens

Eine Federzeichnung des Baccio del Bianco in den Uffizien, wohl kurz vor 1630 entstanden, stellt eine jener humorvollen Karikaturen dar, die im 17. Jahrhundert besonders durch Jacques Callot am Florentiner Hof in Mode gebracht wurden (Abb. 3).58

Das Blatt zeigt ein Bett, auf dem ein ausgemergelter Kranker ruht. Ein Raum wird dabei lediglich angedeutet. Auf dem Kopfende des Bettes und auch darunter stehen Flaschen und Behältnisse sowie zwei gigantische Pantoffeln.

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Vier Gestalten umsorgen den Patienten. Denn es handelt sich wohl nicht um die Dienerschaft, wie von Mina Gregori angenommen, sondern um einen Arztbesuch oder, dem Charakter des Blattes entsprechend, um Quacksalber bei der Arbeit.59 Die kleinen Gestalten tragen lange Kutten und kegelförmige Kappen. Nur der ganz rechte Besucher ist in eine Art Hose gekleidet damit wir besser sehen können, dass sein linkes Bein auf einer hölzernen Krücke ruht. Mit übergroßen Nasen sind die Gesichter der Vier grotesk, fast zoomorph angelegt. Auch die von ihnen mitgeführten Gegenstände sind übertrieben groß dargestellt. Es sind diese Gegenstände, die an die Profession der Besucher denken lassen. Am linken Bildrand wird ein Gefäß herbeigetragen, aus dem Dampf aufsteigt, von dem der Träger angewidert das Gesicht abwendet. Die drei übrigen Quacksalber nähern sich von rechts. Der vorderste trägt einen Bund von Blumen oder Heilkräutern, während er mit seiner anderen Hand die des Kranken hält. Der Nächste streckt ein ein Harnglas vor. Über der Schulter hält er ein Gerät, vermutlich eine Bettpfanne. An seinem Gürtel hängen zwei riesige Schlüssel und ein Gefäß, das wie ein Kürbis aussieht. Das Männchen mit der Krücke schleppt einen Gegenstand, der durch seine Größe an ein Kanonenrohr erinnert, aber ein Klistier vorstellt. An seinen Hüften ist ein Beutel befestigt, der in obszöner Anspielung zwischen seinen Beinen baumelt. Gleichzeitig hat der Beutel die Form einer Arzttasche und ist gemeinsam mit dem Harnglas Attribut der Ärzteschaft.

Die Qualen, die der Patient von den Quacksalbern zu erleiden hat, sind durch die grobe Überzeichnung der ärztlichen Utensilien zugleich an die Schmerzgrenze getrieben und ins Komische verkehrt. Die dem Kranken überbrachten Blumen oder Heilkräuter, hier ein Symbol geheuchelter Sorge, erinnern an die Christenpflicht des Krankenbesuchs und enthalten vielleicht eine Anspielung auf den Namen Florenz.60

Soweit handelt es sich bei dem Blatt des Baccio um eine bizarre Humoreske. Überraschend ist jedoch, dass die vier kleinen Ärzte mit ihren Gewändern und Kappen, ja sogar mit ihren großnasigen Gesichtern frappant an Darstellungen Cosimo de’ Medicis erinnern. Ein Blick auf das posthume Porträt Cosimos von Pontormo und diesem folgende spätere Darstellungen Cosimos, zeigt dies (Abb. 4).61 Besonders die Figur mit Harnglas und Bettpfanne besitzt eine sehr große Ähnlichkeit.

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Baccio del Bianco (Florenz 1604 – 1656 ebd.) trat 1620 in den Dienst Ferdinando

de’ Medicis, der im Jahr darauf seinem Vater Cosimo II. (gest. 28.2.1621) noch minderjährig als Großherzog nachfolgte und ab 1628 die Regierung übernahm. Etwa zu dieser Zeit arbeitete Baccio an Kartons für eine Folge von Bildteppichen, die der Hof in Auftrag gegeben hatte.62 Der Aufenthalt Jacques Callots in Florenz von 1612-1617 lag zwar schon mehr als zehn Jahre zurück, doch Baccio wird jetzt erst das Alter und die künstlerische Reife erreicht haben, den Einfluss Callots fruchtbar zu nutzen. Die Karikatur Baccios dürfte um 1630 entstanden sein.

Von Interesse sind besonders zwei Aspekte: dass die Stilisierung der Medici als Heiler von Florenz im 17. Jahrhundert noch lebendig ist, wenn sie auch der sprichwörtlichen Spottlust der Florentiner zum Opfer fällt, und dass in Cosimo, pater patriae, nach wie vor die Symbolfigur dieses Gedankens erkannt wird.

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Im Jahrhundert zuvor ist dieser nun der Lächerlichkeit preisgegebene Gedanke Stütze und Staatsdoktrin des jungen herzoglichen Regimes der Medici. Ausdruck findet er in den um die Mitte des 16. Jahrhunderts eingerichteten Repräsentationsräumen im ersten Stockwerk des Palazzo Ducale, des vormaligen Palazzo della Signoria.63

Im Zentrum der Raumflucht, nach ihrem größten Saal „Quartiere di Leone X.“ genannt, liegt eine kleine Kapelle, die den hll. Cosmas und Damian geweiht ist. Den Altarschmuck bilden zwei Darstellungen der Heiligen von Vasari, die eine 1514 entstandene Tafel Raffaels mit hl. Anna Selbdritt, hl. Katharina von Alexandria und Johannes dem Täufer, die so genannte Madonna dell’Impannata flankieren (Abb. 5).64 Von den beiden Ärzte-Heiligen trägt der linke die Züge des Herzogs Cosimo, während der rechte jene des Cosimo, pater patriae, besitzt.

Die Darstellung des linken Heiligen geht bis in das Detail des angewinkelten rechten Arms mit der auf die Heilige Familie deutenden Hand auf das von Bronzino gemalte Porträt des Herzogs zurück. Der von diesem Künstler und seiner Werkstatt häufig wiederholte Typus zeigt den Fürsten im Harnisch mit angewinkeltem rechten Arm und auf einem Helm ruhender Hand (Abb. 6).65

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Mit dem rechten Heiligen folgt Vasari dem posthumen Porträt Cosimos des Alten von Pontormo.66 Es herrscht keine Übereinstimmung darüber welcher Heilige Cosmas und welcher Damian darstellen soll.67 Allein aus der Leserichtung sowohl des Namenspaares, wie des Altarpasticcios müsste man annehmen, dass der Heilige links mit den Zügen des Herzogs Cosmas darstellt, während mit dem rechten Damian gemeint sei. Allerdings wird der hl. Cosmas meist als der ältere Bruder dargestellt; demnach stellt der rechte Heilige Cosmas dar. Für die Platzierung von Cosmas und Damian gegen die Leserichtung gibt es Beispiele im 15. Jahrhundert.68 Vermutlich gehört jedoch die Austauschbarkeit der beiden Heiligen in diesem Fall zum Programm. Nicht nur unterstreicht dies die Nachfolge des ‚neuen‘ Cosimo, sondern führt auch auf sublime Art eine Darstellungstradition der beiden Heiligen im Familienkreis der Medici fort, die den hl. Damian kaum merklich in den Hintergrund treten lässt. Die quasi Verdoppelung des hl. Cosmas in den Tafeln Vasaris eliminiert Damian vollständig.

Unmittelbarer Vorläufer dieser Tendenz ist die Darstellung des hl. Cosmas von Bronzino in der Kapelle von Eleonora de Toledo. Die Kapelle der Herzogin im zweiten Stockwerk des Palazzo Vecchio wurde noch vor jener in den Staatsgemächern des ersten Stocks, bald nach 1540, begonnen.69 Die Altartafel mit der Beweinung Christi schuf Bronzino 1543 – 1545; sie wurde von Johannes dem Täufer (lks.) und Cosmas (r.) flankiert.70 Diese Flügeltafeln sind um 1553 durch einen Engel der Verkündigung zur Linken und eine Jungfrau zur Rechten der Haupttafel ersetzt worden.71

Leider ist die Darstellung des hl. Cosmas nicht erhalten. Doch schon die urkundlich überlieferte Kombination des Florentiner Stadtpatrons Johannes des Täufers mit dem ohne den Bruder dargestellten Namenspatron Herzog Cosimos, verdeutlicht die singuläre, aus der Familie, und damit erst recht von allen Untertanen, entrückte Position des Fürsten. Seine Position als alleiniger Herrscher des Florentinischen Staates wird so besonders betont. Dies ist im politischen Kontext der Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien nicht ungewöhnlich. Möglicherweise spiegelt sich hier darüber hinaus die konkrete Machtposition Cosimos I., der 1543 den Abzug der spanischen Garnisonen aus seinem Herrschaftsgebiet erreicht hatte und erst damit seine vollständige Souveränität gewinnen konnte.72 Unabhängig vom sonstigen ikonologischen Zusammenhang der Kapellenausstattung, bezieht eine solche Machtdemonstration auch die Benutzerin der Kapelle mit ein. Die in dem kleinen Raum anwesende Herzogin, immerhin die Tochter des spanischen Vizekönigs von Neapel, sieht sich mit zwei Heiligen konfrontiert, deren einer die Stadt symbolisiert, über die sie herrscht, während der zweite den Ehemann repräsentiert, von dem sie beherrscht wird.73

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Kehren wir nun zur Kapelle der Staatsgemächer zurück, so können wir ganz ähnliche Mechanismen feststellen.

Die flankierenden Heiligen von der Hand Vasaris sind auf die vier Jahrzehnte früher entstandene Heilige Familie Raffaels bezogen. Gestik und Mimik der beiden richten sich auf das Geschehen in der Mitte. Der rechte, ältere Heilige, im Profil nach links gegeben, scheint die Szene zu betrachten. Der linke, jüngere Mann, deutet mit seiner rechten Hand auf sie. Er variiert die Handhaltung des Johannesknaben, den traditionellen Verweis auf Christus als Lamm Gottes. Dadurch ist er nicht nur Zeuge der heiligen Szene, sondern auch direkt auf Johannes den Täufer bezogen, eine diagonale Linie verbindet beide. Gemein ist ihnen auch der vom Geschehen abgewandte Blick. Im Fall des Johannesknaben ist dies verständlich, er fängt den Blick des Betrachters auf und vermittelt ihn dem kunstvollen Aufbau der Madonnengruppe. Gleichzeitig lenkt er die Aufmerksamkeit auf den linken Heiligen. Dieser nun blickt, wie gesagt, weder zu der Heiligen Familie, noch tritt er in Kontakt zum Betrachter. Vielmehr scheint seine Aufmerksamkeit in die entgegengesetzte Richtung gewandt; wie der Grundriss der Gemächer zeigt durch einen der drei Zugänge der Kapelle in einen benachbarten Raum. Die Malereien dieses Raums verherrlichen die Taten Cosimos I.; den Gewinn und die Konsolidierung der Herrschaft über Florenz und Toskana sowie die Fortführung der Dynastie durch Darstellungen seiner Söhne. Es ist das dritte Gemach in einer Enfilade von vier Räumen, von denen die ersten beiden Cosimo ‚il vecchio‘ und Lorenzo ‚il magnifico‘ mit Szenen aus deren Leben gewidmet sind. Erst der vierte Raum, jenem Cosimos I. nachgeordnet, ist dessen Vater Giovanni ‚delle bande nere‘ geweiht. Der eigentlichen Herkunft des Herzogs wird so die Konstruktion einer machtpolitischen Abstammung vorgezogen.

Diese wird durch die Verdrängung zweier Generationen pointiert. Die Söhne des älteren Cosimo und jene des ‚magnifico Lorenzo‘, mit Ausnahme Leos X., bleiben auf solche Positionen beschränkt, die man im Vergleich zu der Dedikation eines ganzen Raums als zweitrangig bezeichnen darf. Trotz des Wunsches in der Raumabfolge zugleich dynastische und machtpolitische Kontinuität zu demonstrieren, kann doch der Bruch nicht ganz verleugnet werden. Allerdings wird er verschleiert durch die Präsentation gewachsener dynastischer Bedeutung des herzoglichen Zweiges gegenüber den berühmten, gleichwohl nur patrizischen Vorläufern. Die stuckierten Wappenkartuschen in den Räumen Cosimos des Alten und seines Enkels Lorenzo zeigen die ‚palle‘ der Medici ohne Hinweise auf die verschwägerten Häuser. Auch in den Malereien dieser Räume fehlen solche Motive. Dagegen sind die Kartuschen in den Räumen Cosimos I. und seines Vaters sowohl größer und strategisch günstiger angebracht, als auch mit Allianzwappen gefüllt. Das Wappen des Herzogs ist mit jenem der Herzogin kombiniert, die aus der Familie Alvarez de Toledo stammte, spanischen Granden, Herzögen von Alba und damit zum engsten Kreis um Kaiser Karl V. gehörig. Dieser Bedeutung der Herzogin wird in der malerischen Dekoration Rechnung getragen, in die sie aufgenommen wurde.

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Die Wappen im Raum Giovannis ‚delle bande nere‘, zeigen neben den ‚palle‘ das Wappen von dessen Mutter, Caterina Sforza und jenes seiner Ehefrau, Maria Salviati.

Letztere ist nicht nur die Mutter Cosimos I., sondern stellt als Enkelin Lorenzos des Prächtigen die Verbindung zur älteren Linie der Familie her.

Caterina Sforza, die Großmutter Cosimos I. entstammte, wenn auch illegitim, dem Mailänder Herzogshaus. Vor allem genoss sie, wie auch ihr Sohn einen fast legendären Ruf als Kriegerin, der sich auf den Enkel übertragen ließ.74

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Die beiden größten Gemächer des Apartements, parallel zu den kleineren Räumen liegend, sind mit Szenen aus dem Leben der beiden Medici-Päpste Leo X. und Clemens VII. geschmückt. Sie demonstrieren schon durch ihre Dimensionen im Vergleich zu den übrigen Räumlichkeiten, welche entscheidende Bedeutung beiden Päpsten für den Erhalt der Medici-Herrschaft in Florenz beizumessen ist. Dies spiegelt sich besonders im Saal Leos X. durch den Aufwand, der mit Dekoration und Ausstattung betrieben wurde. Beide Päpste sind in diesem Hauptsaal der Gemächer neben der malerischen Darstellung auch durch ihre Büsten vertreten. In ganzfigurigen Porträts erscheinen Cosimo I. und sein Vorgänger Herzog Alessandro in römischen Rüstungen. In den Medaillons der Dekoration und den Massenszenen an den Wänden sind weitere Vertreter der Familie wiedergegeben.

Das Programm der Verherrlichung der Medici im ‚Quartiere di Leone X.‘ stammt von Cosimo Bartoli, der nach eigener Aussage die irdischen Herrscher den himmlischen gegenüberstellen wollte.75 Im ‚Quartiere degli Elimenti‘, das, bei gleichem Schnitt, im Stockwerk über dem ‚Quartiere di Leone X.‘ liegt, sind olympische Gottheiten Thema der Ausstattung. So liegt etwa über dem Raum Giovannis ‚delle bande nere‘ in Entsprechung zu dessen heroischer Natur ein den Taten des Herkules geweihtes Gemach. Auf die komplexen Bezüge kann hier nicht weiter eingegangen werden. Deutlich wird aber, dass das Motiv der Verknüpfung irdischer Herrschaft mit himmlischer Macht in der Kapelle seinen Dreh- und Angelpunkt besitzt. Die hll. Cosmas und Damian verkörpern die himmlische Macht und indem sie als Porträts der beiden Cosimos gestaltet sind, die Kontinuität irdischer Herrschaft. Die Blickrichtung des linken Heiligen verklammert den älteren Zweig des Hauses mit dem jüngeren, sein Zeigegestus verweist aus dem irdischen Kontext auf das Heilige.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass als Altargemälde eine Darstellung gewählt wurde, die eine Vermählung zeigt und dass die heiligen Protagonisten die Namenspatrone der engsten Familienmitglieder des Herzogs sind: Maria, Johannes und Katharina.

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Die rechts und links im Vordergrund der Madonna dell’ Impannata gezeigten Heiligen,

Johannes der Täufer und Anna spielen im politisch-religiösen Leben von Florenz eine besondere Rolle. Der Täufer als wichtigster Schutzheiliger der Stadt, die hl. Anna, weil an ihrem Festtag, dem 26. Juli, die Fremdherrschaft des Gaulthier de Brienne, des Herzogs von Athen beendet werden konnte. Dies geschah im Jahr 1343, genau zweihundert Jahre bevor Cosimo I. den Abzug der Spanier aus Florenz erreichte.76

Dass die Tafel Raffaels darüber hinaus eine weitere Kontinuität demonstriert, nämlich die der Kunstkennerschaft, vollendet die Illusion von der bruchlosen Fortsetzung eines ‚goldenen Zeitalters‘. Vielleicht verdankt die noch heute gültige Vision von der Frührenaissance als eines Aeon der Künste, ihrer Manifestation im 16. Jahrhundert ebenso viel, wie den verstreuten Zeugen des 15. Jahrhunderts.77


Fußnoten und Endnoten

29  Vgl. N. Macchiavelli, „Istorie fiorentine“, (dt.) A. von Reumont, L. Goldscheider, Zürich 1993. Der Hinweis auf Cosimos Geburtstag steht 7. Buch, S. 429.

30  Vgl. S. McKillop, „Dante and Lumen Christi“,S. 245ff. in: F. Ames-Lewis, (Hg.), Cosimo ‚il Vecchio‘ de‘ Medici, 1389-1464, Essays in Commemoration of the 600th Anniversary of Cosimo de‘ Medici’s Birth, Oxford 1992.

31  Vgl. McKillop, S.246.

32  Die im 14. und 15. Jahrhundert verbreitetste Version ihrer Vita ist in der „Legenda aurea“ von Jacobus de Voragine, (dt.) R. Benz, (13. Auflage) Gütersloh 1999. ‚Anargyroi‘, die griechische Bezeichnung der beiden Heiligen heißt: „die unentgeltlich heilenden Ärzte“, vgl. A. Wittmann, „Kosmas und Damian. Kultausbreitung und Volksdevotion, Berlin 1967, S. 23.

33  Zur Etymologie des Familiennamens, wie auch zu den fabelhaften, familieneigenen Deutungen von Namen und Wappen vgl: R. Brogan, „A Signature of Power and Patronage. The Medici Coat of Arms, 1299 – 1492“, New York 1993.

34  Vgl. C. Robinson , „Cosimo de’ Medici and the Franciscan Observants at Bosco ai Frati“, in: Ames-Lewis 1992, S. 183.

35  Nach Pompeo Litta, „Famigli celebri italiani: Medici, Tafel VIII.“, hatten Giovanni di Bicci und Piccarda Bueri neben Cosimo und Lorenzo zwei weitere, jung verstorbene Söhne: Damiano, † 1390 und Antonio, † 1398. Beide sind laut Ames-Lewis, “Art in the Service of the Family“, in: A. Beyer, B. Boucher (Hg.), Piero de‘ Medici ‚il Gottoso‘, (1416-1469), Berlin 1993, S.220, Anm. 31 im Archivio di Stato von Florenz nicht nachweisbar. Ebd., S. 216 hält Ames-Lewis die Existenz dieser beiden Söhne jedoch für möglich. Dem schließt sich der Verfasser hier an. Ames-Lewis hält Damiano für einen Zwillingsbruder Cosimos und die Zwillingsgeburt für den Grund der Nachbenennung nach den hll. Cosmas und Damian. Meines Erachtens ist die Zwillingsgeburt allein als Grund der Nachbenennung nicht ausreichend. Siehe hierzu weiter unten.

36 

Vgl. Wittmann, S. 54ff.

Der römische Firmen- und Wohnsitz der Medici lag im 15. Jh., weit entfernt von der Kirche SS. Cosma e Damiano, am Tiber-Ufer gegenüber der Engelsburg, wo im 16. Jh. die Nationalkirche der Florentiner, San Giovanni dei Fiorentini entstand. Die Kirche von Cosmas und Damian wurde u.a. bei Krankheit zu gelegentlich längeren Aufenthalten aufgesucht, um dort Heilung zu erfahren. Vgl. hierzu Wittmann, S. 22 u. 54ff.

Zum Wohnsitz der Medici vgl. de Roover, S. 205.

37 

Die ganze Inschrift lautet: „Aula Die Claris Radiat Speciosa Metallis In Qua Plus Fidei Lux Preciosa Micat Martyribus Medicis Populo Spes Certa Salutis Venit Et Ex Sacro Crevit Honore Locus Obtulit Hoc Domino Felix Antistite Dignum Munus Ut Aetheria Vivat In Arce Poli“, nach Wittmann, S. 266, 9.

Spes sollte hier mit der nachklassischen Bedeutung ‚Aussicht‘ statt dem häufig übersetzten ‚Hoffnung‘ übertragen werden.

38  Vgl. Wittmann, S.22.

39  Vgl. Wittmann, S.20f.

40 

Zur Existenz dreier verschiedener Bruderpaare gleichen Namens und gleicher Profession in der griechischen Kirche siehe L. Deubner, „Kosmas und Damian“, Leipzig, Berlin 1907 und Wittmann.

Die im Einflußbereich der westlichen Kirche bedeutsamste und für Darstellungen maßgebliche Vita fand in der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine weite Verbreitung.

41  Vgl. Wittmann, S.22.

42  Vgl. Wittmann, S.23.

43  Vgl. Deubner, S.38ff. u. besonders S.52f. Wittmann, S.18.

44  Tatsächlich zitiert Deubner einen Wunderbericht, in dem ein Kranker das Heiligtum von Cosmas und Damian in dem Irrtum aufsucht sie seien die Dioskuren. Vgl. Deubner, S.52f. u. S.113ff. sowie auch S.58f.

45  Vgl. Wittmann, S.21.

46  Vgl. Wittmann, S.28.

47  Vgl. Wittmann, S.23.

48  Vgl. Wittmann, S 54. Der Kult muss jedoch schon vor der kaiserlichen Förderung von einiger Bedeutung gewesen sein, Wittmann, S.23.

49  Vgl. J. N. D. Kelly, „The Oxford Dictionary of Popes“, (dt.) H.-Ch. Oeser, Stuttgart 1988, S.64f.

50  Vgl. Wittmann, S. 54f. M. Bussagli (Hg.), „Rom. Kunst u. Architektur“, (dt.) Köln 1999, S.88f. Erwähnt auch bei Sueton, „Cäsarenleben“, (dt) Max Heinemann, Stuttgart 1986, S. 447.

51  Vgl. Wittmann, S. 55. Deubner, S. 71ff.

52  Vgl. Wittmann, S.266, Anm. 8. S. Sande, J. Zahle, „Der Tempel der Dioskuren auf dem Forum Romanum“, in: Kat. Berlin 1988, Augustus und die verlorene Republik, S.213ff. Für die Bedeutung des Kults spricht, dass es sich bei seinem Tempel um den größten auf dem forum romanum handelte. Ab dem 4. Jh. begann er zu verfallen.

53  Vgl. Kelly, S.66f. u. S. 69.

54  Vgl. Wittmann, S.55.

55  Vgl. M. Kersting, „San Giovanni dei Fiorentini in Rom und die Zentralbauideen des Cinquecento“, Worms 1994, S. 28

56  Wenn auch die Protagonisten teilweise die selben waren.

57  Vgl. Urbans Maßnahmen in Sankt Peter in: H. Bredekamp, „Sankt Peter in Rom und das Prinzip der produktiven Zerstörung. Bau und Abbau von Bramante bis Bernini“, Berlin 2000, S. 113 f.

58  Die Zeichnung ist in Florenz, Uffizien, Gabinetto Disegno e Stampe, Inv.3297 F

59  Vgl. M. Gregori, „ Nuovi accertamenti in Toscana sulla pittura ‚caricata‘ e giocosa“, in: Arte antica e moderna, 13-16, 1961, S. 408. Vgl. Hamburger Kunsthalle (Hg.), “Das Florentiner Seicento. Malerei und Graphik unter den Großherzögen Ferdinando I. bis Cosimo III. de’ Medici“, Kat. Nr. 94, Hamburg 1987

60 

Zu den Sieben Werken der Barmherzigkeit vgl. Mt. 25,36-40. Siehe auch M. D. Grmek (Hg.), „Die Geschichte des medizinischen Denkens. Antike und Mittelalter“, München 1996, S. 182 ff.

Darstellungen waren besonders im Zusammenhang mit Organisationen verbreitet, die sich der Krankenpflege widmeten. Z. B. der Terracottafries von Santi Buglioni an der Loggia des Ospedale del Ceppo in Pistoia aus dem ersten Viertel des 16. Jhs.

61  Das Bildnis von der Hand Pontormos, um 1520 enstanden, ist in den Uffizien, Inv.Nr. 3574. 1555-1562 diente es Vasari und seinen Gehilfen als Muster ihrer Darstellungen Cosimos bei der Ausmalung der Staatsgemächer im Palazzo Ducale (Vecchio).

62  Vgl. H. Bredekamp, „Florentiner Fußball: Die Renaissance der Spiele. Calcio als Fest der Medici“, Frankfurt 1993, S.47 u. 82f. Vgl. C. Acidini Luchinat, M. Scalini (Hg.), “Die Pracht der Medici. Florenz und Europa“, Kat. München 1998, 144ff.

63  Seit die Funktion als herzogliche Residenz auf den Palazzo Pitti überging, Palazzo Vecchio.

64  Das Original befindet sich heute im Palazzo Pitti, Inv. 1912 n.94. Die Bezeichnung der beiden linken Heiligen als Anna und Katharina ist umstritten, es könnte sich auch um Elisabeth und eine weitere Heilige handeln. Folgendes legt die Identifikation von Anna und Katharina nahe: zwei Diagonalen verbinden Anna, das Christuskind und Maria, sowie Johannes als Vorläufer Christi, das Kind und Katherina als „Braut“ Christi. Letztere ist als „Braut“ Christi in zwillingshafter physiognomischer Ähnlichkeit zu Maria, der eigentlichen „Braut“ ihres Sohnes gebildet. In situ eine Kopie des 16. Jht.

65  Z. B. Uffizien, Inv.Nr. Depositi 28. Siehe Abb. 6.

66  Uffizien, Inv.Nr. 3574.

67  Vgl. U. Muccini, A. Cecchi, „The Apartments of Cosimo in Palazzo Vecchio“, Florenz 1991, S. 158 bezeichnen Cosimo I. als hl. Damian.

68  In der Pala für die Novizen-Kapelle in Santa Croce von Filippo Lippi erscheint der hl. Damian auf der linken Seite. Allerdings sind die Heiligen in diesem Bild möglicherweise aus diesem Grund beschriftet, so dass eine Verwechslung ausgeschlossen wurde.

69  Vgl. J. Cox-Rearick, „Bronzino’s Chapel of Eleonora in the Palazzo Vecchio“, Berkeley/Los Angeles 1993, S.57ff.

70  ebd., S.79. Die originale Beweinung wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung als diplomatisches Geschenk nach Frankreich gesandt und befindet sich heute im Musée des Beaux Arts in Besancon. In situ fand 1553 eine eigenhändige Replik Bronzinos ihren Platz.

71  Wahrscheinlich als die Replik Aufstellung fand. Die Tafel mit Johannes dem Täufer befindet sich heute im Getty Museum, Los Angeles.

72  Vgl. Reinhardt 1998, S. 111f.

73  Das die Herzogin selbst sich wenigstens 1543 noch ihrer Position als Spanierin bewußt ist, zeigt eine Briefstelle aus einem Schreiben an Cosimo. Zitiert nach Cox-Rearick 1993, S.35: „Ich beklage mein Schicksal, denn ich sehe mich in Gefahr; zurückgelassen ohne Euch in einer feindlichen Stadt; von spanischem Namen und mit dieser Art der Regierung und ich sehe nicht, wie ich mich und die Kinder halten kann in so befremdlichen Umständen.“

74  Vgl. K. Schelle, „Die Sforza“, Essen o. J., S. 189ff. Ch. Hibbert, „The Rise and Fall of the House of Medici“, London 1974, S. 261f.

75  Vgl. Muccini, S.81.

76  Vgl. R. C. Trexler, „Public Life in Renaissance Florence“, Ithaca, N.Y. 1980, S.222f.; B. Beuys, „Florenz. Stadtwelt – Weltstadt. Urbanes Leben von 1200 bis 1500.“, Reinbek 1992, S.124ff.

77  Vgl. A. Chastel, „Art et humanisme à Florence au temps de Laurent le Magnifique: études sur la Renaissance et l’ humanisme platonicien“, Paris 1959



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10.04.2006