Als Standort für die Bibliothek, die aufgrund seiner Stiftung „Bibliotheca Boineburgica“1 heißen sollte und dann den Namen „Bibliotheca Academiae Erffurtensis Boineburgica“2 führte, bestimmte Boineburg ausdrücklich seinen Regierungssitz, die Statthalterei.3 Gegen diesen Standort allerdings sprachen sich nach seinem Tod sowohl die Universität als auch die kurmainzische Regierung in Erfurt aus. Stattdessen ließ Kurfürst Lothar Franz die leer stehende[Seite 196↓] so genannte Juristenschule hinter dem Dom 1723 zur Universitätsbibliothek umbauen, ohne, wie von der kurmainzischen Regierung in Erfurt vorgeschlagen, die für den Bucherwerb bestimmten Zinsen des Boineburgischen Stiftungsfonds zu verwenden.4 Hätte man tatsächlich auf die – erst anzusparenden – Zinsen zurückgegriffen, wäre der Neubau frühestens nach 30 Jahren fertig gestellt gewesen.
Nach erfolgtem Umbau benötigten Bellmont und sein Vizebibliothekar Esaias Cromhard (gest. 1732) fünf Jahre, um die private Büchersammlung von Vater und Sohn Boineburg sowie die bereits vorhandenen Bände der Universitätsbibliothek im neuen Gebäude zusammenzuführen und zusammenhängend aufzustellen. Boineburg hatte die Büchersammlung seines Vaters zwar aus Mainz holen, aber offenbar nicht aufstellen lassen, so daß sie auch ein halbes Jahr nach seinem Tod 1716 “ohne eintzige Ordnung, drunter und drüber, in der größten Confusion allhier verobsigniret lieget”.5 Außerdem müssen sich sowohl gebundene und ungebundene Bücher als auch weitere zu stiftende Teilbestände noch außerhalb Erfurts befunden haben, nimmt doch Boineburg in seinem Fundationsinstrument vom 30. Dezember 1716 darauf ausdrücklich Bezug.6 Es ist deshalb nicht sicher, ob Boineburg gewissermaßen in Vorbereitung der von ihm geplanten Stiftung, den größten Teil der Bücher seines Vaters und seiner eigenen bereits vor seinem Tod mit seinem großen Exlibris versehen ließ oder ob erst Bellmont diese Aufgabe übernahm. Dieses Exlibris wurde nicht nur auf freie Stellen in den Büchern, sondern auch über die Besitzkennzeichen des Vaters und auf dessen handschriftliche Notizen sowie in diejenigen Werke geklebt, die Philipp Wilhelm bereits früher durch Einträge oder sein kleines Exlibris in Besitz genommen hatte. Das Exlibris scheint auch wesentlich später in der Universitätsbibliothek noch vorrätig gewesen zu sein, denn es ist auch in einem Druck von 1757 zu finden.7
Mit der Eröffnung der Universitätsbibliothek 1728 ging die Privatbibliothek der Boineburgs in ihr auf, sie blieb allerdings aufgrund ihrer Besitzmerkmale erkennbar.8 Den Entwurf eines Aufstellungssystems soll Leibniz, dem Bericht seines Sekretärs zufolge, noch kurz vor seinem Tod auf den Wunsch Boineburgs hin angefertigt haben.9 Er ist allerdings nicht überliefert und auch das Fundationsinstrument Boineburgs gibt dazu keine Auskunft. Vizebibliothekar Cromhard soll aber die Aufstellung nach “denen Gedanken, welche der be” [Seite 197↓] “rühmte Herr von Leibnitz von der Ordnung einer Bibliothecke aufgesetzet”, vorgenommen haben. Er gliederte ohne Beachtung der Formate “dem Innhalt nach ordentlich in besondere Classen nach denen Facultaeten und Disciplinen” und hätte somit der von Leibniz bekannten Auffassung entsprochen, die dem Äußeren einer Büchersammlung kaum Wert beimaß.10
Nach Boineburgs Tod konnte auf keinen Katalog der Sammlung zurückgegriffen werden.11 Zwischen 1720 und 1722 legte Cromhard für die gesamten Bestände einen systematischen Katalog, einen alphabetischen Sach- und einen Autorenindex an, die heute nicht mehr auffindbar sind. Lediglich die aus 25 Gruppen bestehende Systematik ist überliefert, die zwar in gewisser Weise dem Fakultätsschema folgt, besonders aber den philosophischen Fachgebieten breiten Raum gibt und hier gleichberechtigt Gruppen von inhaltlich verwandten Werken bildet, die nicht unbedingt einer selbständigen Wissenschaftsdisziplin zuzurechnen, aber offenbar aufgrund ihres Umfangs gesondert ausgewiesen sind.12
Die von Cromhard begonnene sachliche Ordnung wurde nur wenige Jahre später, 1735, zugunsten einer stärker auf Repräsentation ausgerichteten Aufstellung aufgegeben, wovon der erste überlieferte Nominalkatalog von 1741 zeugt.13 Die Bücher standen in 49 Schränken mit jeweils fünf Fächern. Die Regale waren blau und weiß gestrichen, vergoldet und mit Gittern und Schlössern versehen.14 Erst 1782 wurde der erste Gesamtkatalog der Boineburgischen Universitätsbibliothek abgeschlossen, der alle bis dahin in den Bestand eingegangenen Bände sowohl sachlich als auch alphabetisch nachweist.15 Zwischen 1886 und 1912 wurden ein weiterer Standortkatalog in 15 Bänden und ein alphabetischer Katalog des Gesamtbestandes angelegt. Nach 1912 wurde der Gesamtbestand nach dem so genannten Hartwigschen System der Universitätsbibliothek Halle neu systematisiert und der alphabetische Katalog nach den Preußischen Instruktionen überarbeitet. Sowohl die Systematisierung von 1886 bis 1912 als auch die 1912 begonnene wurden nicht zu Ende geführt, so daß im [Seite 198↓]Bestand der Bibliotheca Boineburgica heute drei gültige Systematiken vorkommen, von 1782, 1886 und die 1912 begonnene. Die Rückenbeschriftungen der Bücher spiegeln die verschiedenen – auch die nicht mehr gültigen – Aufstellungssysteme wider.16
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Philipp Wilhelm von Boineburg wollte seine Bibliothek von allen Gelehrten und Studierenden kostenfrei genutzt sehen,17 was in die Instruktion für den Bibliothekar, die mit der Eröffnung der Bibliothek 1728 in Kraft trat, Eingang fand.18 Die Instruktion regelte Benutzung, Erschließung, Erwerbung, das Personal der Bibliothek und die Pflichten des Bibliothekars. Die dort festgelegten Öffnungszeiten, im Sommer wöchentlich zehn, im Winter wöchentlich neun Stunden, wurden im Laufe der Jahre geringfügig erweitert, um 1755 allerdings wieder eingeschränkt.19 Neben der Präsenzbenutzung war auch die Entleihung von Büchern für die Dauer von 14 Tagen möglich.20 Auch wenn die Instruktion erst nach 1723 geschrieben wurde, so ist hier wahrscheinlich der Rat von Leibniz eingeflossen, berichtete Boineburg doch 1716 an den Kurfürsten, für die Instruktion das Gutachten Leibniz‘ einho-len zu wollen.21
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Nach ihrer Eröffnung wurde die Boineburgische Universitätsbibliothek auch von Bibliotheksreisenden auf ihren Reisen durch Thüringen besucht.22 Noch vor ihrer Einweihung wurde 1727 über Bibliotheksgebäude und Stiftung berichtet.23 Der Polyhistor Johann Georg Keyßler (gest. 1743) interessierte sich auf seiner Reise zwischen 1729 und 1731 für die einunddreißigzeilige Inschrift über dem Portal der Boineburgischen Universitätsbibliothek und erwähnt einige der dort aufbewahrten Handschriften.24 Der Professor der Rechte Johann Karl Konrad Oelrich (gest. 1799) äußerte seinen Unmut über den Bibliothekar, den er [Seite 199↓]bei seiner Reise 1750 nicht angetroffen hatte.25 Johann Friedrich Jugler (gest. 1791) würdigt in seiner Literargeschichte die Boineburgische Universitätsbibliothek als bedeutendste zeitgenössische Erfurter Sammlung.26 Als der Bibliothekschronist Adalbert Blumenschein (gest. 1781) die Boineburgische Universitätsbibliothek anhand der zuvor bereits publizierten Beschreibungen vorstellte,27 war das an der Gera gelegene Bibliotheksgebäude 1768, nur 40 Jahre nach seiner Eröffnung, wegen Feuchtigkeit wieder geräumt worden.28 Die Universitätsbibliothek wurde in den zweiten Stock des kurmainzischen Packhofes, eines unter Boineburgs Statthalterschaft errichteten Gebäudes, umgelagert. Im 1786 erschienenen Bibliothekshandbuch des Erlanger Philosophieprofessors und Bibliotheksreisenden Friedrich Karl Gottlob Hirsching (gest. 1800) wurde sie, wie auch die anderen Erfurter Bibliotheken, nicht erwähnt.29
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Boineburg hatte, wie bereits erwähnt, die Zinsen aus 2.000 Reichstalern dafür vorgesehen, dass die “Bibliothec in guter richtiger Ordn- und Verfaßung beständig erhalten, von Jahren zu Jahren vergrößert und mit neuheraußkommend und anderen stattlichen allen vier Fakulteten nützlichen Büchern vermehret werden könne”.30 So bauten Bellmont und die nachfolgenden Bibliothekare31 mit diesem Geld hauptsächlich den Bestand an Nachschlagewerken aus.32 Daneben versuchte Bellmont zur Vergrößerung des Bestandes, andere Erfurter Sammlungen wie die spätmittelalterliche Bibliotheca Amploniana, in die Universitätsbibliothek zu integrieren und Pflichtexemplare von in Erfurt entstandenen Druckerzeugnissen sowie der an der Erfurter Universität entstandenen Promotionsschriften einzuwerben.33
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1801 gingen Kapital und dazugehörige Zinsen für Bibliothek und Professur jedoch verloren. Das Kapital war nach der Stiftung zunächst in Sachsen-Eisenachischen Obligationen, seit 1718 bei der Fürstlich Schwarzburg-Sondershäuser Kammer in Arnstadt angelegt worden, zunächst mit 6% Verzinsung, seit 1766 nur noch mit 4%. Für 4% Zinsen wurde das Kapital 1789 dem Mainzer Kurfürsten Friedrich Carl Joseph für die Abtragung einer im Siebenjährigen Krieg entstandenen Schuld überlassen, wofür das Mainzer Domkapitel Einkünfte und Renten des Rentamtes Loneck verpfändete. Als das linksrheinische Gebiet durch den Vertrag von Lunéville 1801 an Frankreich fiel, blieben die Zinszahlungen aus.
Auch der preußischen Regierung,34 die 1816 die Erfurter Universität aufgelöst und die Universitätsbibliothek in die „Königlich Preußische Bibliothek Erfurt“ überführt hatte, gelang es sowohl 1818 als auch 1819 nicht, Kapital und Zinsen des Boineburgischen Stiftungsfonds zu erlangen.35
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Auch wenn der Stiftungsfonds damit nach weniger als 100 Jahren erloschen war, bleibt es das Verdienst Philipp Wilhelm von Boineburgs, die Büchersammlung seines Vaters an eine öffentliche Einrichtung überwiesen und damit letztendlich ihr Fortbestehen gesichert zu haben.
Mindestens seit 1904 versuchte der Magistrat der Stadt Erfurt das Gebäude des ehemaligen kurmainzischen Packhofes, in dem sich neben der Bibliothek auch das Steueramt befand, vom Preußischen Staat zu erwerben. 1908 kaufte die Stadt Erfurt dann sowohl Gebäude als auch die darin befindliche Bibliothek dem preußischen Staat ab und benannte sie in „Stadtbücherei Erfurt“ um.36 Bestandteil des Kaufvertrages war die Herauslösung von 203 Handschriften, 645 Inkunabeln sowie 5070 Drucken des 16. Jahrhunderts aus dem Bestand der Erfurter Bibliothek im „Austausch“ gegen „aktuelle“ Literatur und ihre Überführung in die Königlich Preußische Bibliothek zu Berlin,37 wodurch auch Teile der Boineburg-Bibliothek nach Berlin gelangten. Dieser Kauf-Tausch-Vorgang ist zumindest in der Thüringer Bibliotheksgeschichte einmalig.38 Im Zuge der Auslagerungen während des Zweiten [Seite 201↓]Weltkrieges in Berlin ging dann ein Teil des Bestandes verloren.39
In den 1930er Jahren beanspruchte das Angermuseum die Räume der Bibliothek im ehemaligen kurmainzischen Packhof. Nach Protesten von “Bibliotheksleitung und Bibliotheksfreunden”40 ließ der Magistrat der Stadt das ehemalige Collegium maius der Alten Erfurter Universität sowie einen zwischen 1844 und 1847 errichteten Anbau ausbauen und überführte 1936 die Bibliothek dorthin. “Zur Sicherstellung vor Fliegerschäden” wurde die Bibliotheca Boineburgica zusammen mit den anderen Handschriften und Drucken 1942 und 1943 in umliegende Ortschaften von Erfurt ausgelagert.41 Nach 1945 führte man die Bestände sofort wieder zusammen. Dabei musste man auf das im Februar 1945 zerstörte Gebäude des Collegium maius verzichten und sich auf den dahinter gelegenen Komplex beschränken.42 Dort waren auch die bisher im Collegium maius untergebrachten Benutzungs- und Verwaltungsbereiche der Stadtbücherei unterzubringen, so daß die weniger genutzten Bestände der Bibliothek ausgelagert wurden, unter anderem auf den Boden des Erfurter Domstiftes, 1960 von dort in zum Teil noch weniger geeignete Räume innerhalb der Stadt.43
1983 wurde die Privatbibliothek von Johann Christian und Philipp Wilhelm von Boineburg aufgrund der Besitzeinträge und der Exlibris gesondert als „Provenienz 3“ neben anderen Provenienzen des historischen Handschriften- und Buchbestandes bis zum Druckjahr 1800 im Hintergebäude des Collegium maius aufgestellt. Grund für die separate Aufstellung war das – nicht verwirklichte – Konzept eines „Literaturmuseums“. In diesem „Literaturmuseum“ sollte neben den historischen Handschriften- und Buchbeständen auch der Erfurter Buchdruck bis in die Gegenwart präsentiert und genutzt werden können.44 Die bis dato letzte Umlagerung erfuhr die Bibliotheca Boineburgica zusammen mit den historischen Handschriften- und Buchbeständen der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt im September 2002. Im Zuge der Übergabe dieser Bestände als Depositum der Stadt Erfurt an die 1993 neugegründete Universität Erfurt im Dezember 200145 wurde die Bibliotheca Boineburgica [Seite 202↓]im Neubau der Universitätsbibliothek auf dem Universitätscampus aufgestellt und steht hier der Benutzung zur Verfügung.
1 Vgl. Fundationsinstrument Boineburgs (LAM Rep. U 14 Tit. XLV A, Nr. 88, f. 1r-7v, hier: f. 5r).
2 Diese Bezeichnung steht im Exlibris der Universitätsbibliothek, das analog zum Exlibris Boineburgs den mit Kronen verzierten doppelköpfigen Adler über dem Grundwappen Boineburgs zeigt.
3 Die Bestätigung der Statthalterei als Bibliotheksstandort durch den Kurfürsten vom 22.5.1716 hält Boineburg im Fundationsinstrument fest (LAM Rep. U 14 Tit. XLV A, Nr. 88, f. 1r-7v, hier: f. 5r).
4 Die Universität hätte durch die Stiftung Boineburgs so viele Bücher erhalten, dass die Anschaffung weiterer Bände aus den Zinsen des gestifteten Kapitals vorerst nicht nötig sei, so Johann Philipp Franz von Schönborn an Lothar Franz von Schönborn, Erfurt, 22.4.1717 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II, f. 255r). Wenn nicht anders angegeben, vgl. zum Folgenden Stange, Die königliche Bibliothek.
5 Johann Philipp Franz von Schönborn an Lothar Franz von Schönborn, Erfurt 17.4.1717 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II, f. 251r).
6 Vgl. Fundationsinstrument (LAM Rep. U 14 Tit. XLV A, Nr. 88, f. 4v).
7 Martin Lipenius, Bibliotheca realis iuridice post [...]. Friderici Gottlieb Struvii et Gottlob Auguti Jenichenii. Lipsiae 1757 (UBE 4° R 4).
8 Nur in einem Werk wurde auf den Besitzvermerk von Johann Christian von Boineburg das Exlibris der Universitätsbibliothek geklebt (UBE Ps 44). Eine Schrift aus Philipp Wilhelms Besitz wurde nachweislich mit einer Schrift aus der Universitätsbibliothek zusammengebunden (UBE Jus H 117).
9 So Guhrauer, Bibliothekarisches, S.27.
10 Seebach, Historie, S.135. Vgl. zu Leibniz Auffassung Lackmann, Leibniz‘ bibliothekarische Tätigkeit.
11 Lothar Franz erbat aus Erfurt eine Kopie des Kataloges der Boineburgica, „weillen darinnen vermuthlich noch einige schöne Bücher werden enthalten seyn, so ebenmäßig zu meiner Bibliothec nötig [...]“. Lothar Franz an Johann Philipp Franz von Schönborn, Mainz, 12.4.1717 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II, f. 228v). Er erhielt eine abschlägige Antwort: „Übrigens will niemand das geringste von einem Katalogo der Boinebourgschen Bibliothek [...] wissen noch gesehen haben.“ Johann Philipp Franz an Lothar Franz, Erfurt, 17.4.1717 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II, f. 251r).
12 Vgl. Seebach, Historie, S.260: „(1) Theologici. (2) Juridici. (3) Historico-politici. (4) Genealogici et architectonici. (5) Politici. (6) Historici et chronologici. (7) Geographici. (8) Philosophici. (9) Epistolar. (10) M.T. Ciceronis. (11) Rhetorici. (12) Logici. (13) Ethici. (14) Metaphysici. (15) Physici. (16) Medici. (17) Mathematici. (18) Philologici. (19) Poetici. (20) Comici et tragici (21) Romains. (22) Fabulae.(23) Apologetici. (24) Bibliothecarum notitiam contin. (25) Miscellanei.“
13 Vgl. Catalogi nominalis Bibliothecae Academiae Erfordiensis Boineburgicae. Volumen 1 und 2. [Erfurt], 1741. (UBE Bereich Sondersammlung). Der Bibliothekar hatte „einem jeden Fach durch alle Schräncke einen eigenen Buchstaben zugeeignet und denselben durch die gantze Bibliotheck durchgeführet“, innerhalb jedes Buchstabens (A-O) wurde fortlaufend gezählt.Großformatige Werke und repräsentative Einbände bildeten den Blickfang, „unansehnliche“ und weniger genutzte wurden „in die Höhe und in die Ecken“ gestellt. Vgl. Seebach, Historie, S.136-140, 263-267.
14 Vgl. Seebach, Historie, S.287.
15 Zu diesem und den folgenden Katalogen vgl. die Angaben in: Müller, Erfurt 1. Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt, S.194-195.
16 Z.B. Jean Launois, Inquisitio in privilegia Praemonstratensis ordinis. Parisiis 1658 (UBE Jus M 97): Auf dem Buchrücken folgen von oben nach unten in brauner Tinte aufgetragen der Titel und die Signatur „7.Dd.12“ des von Cromhardt angewandten Systems, die Signatur „C 464“ auf hellem Pappschild nach dem System von 1741, die Signatur „M 97“ auf graublauem Schild nach der Systematik von 1782. Vor die letzgenannte Signatur wurde im Zuge der Umarbeitung 1909 ein „Jus“ gestempelt, da die Signaturengruppe „Recht“ nur zum Teil umgearbeitet wurde und die Signaturengebung von 1782 für die Sachgruppe „Recht“ deshalb zum Teil noch heute gültig ist. Bei Bänden anderer Fächer wurde die Signatur von 1782 mit dem gültigen Signaturschild überklebt.
17 „[...] ohne den geringsten Entgeld zu laßen [...]“. Fundationsinstrument, 19.12.1716 (LAM Rep. U 14 Tit. XLV A, Nr. 88, f. 1r-7v, hier: f. 5r).
18 Instructio pro Bibliothecario Bibliothecae Boineburgicae. Erfurt, nach 1723. Abgedruckt in: Stange, Die königliche Bibliothek, S.10-15.
19 Um 1755 war die Bibliothek nur noch vormittags geöffnet. Vgl. Seebach, Historie, S.302.
20 Vgl. Seebach, Historie, S.301.
21 Boineburg an Lothar Franz, Erfurt, 4.8.1716 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II, f. 65v).
22 Uffenbach bereiste Erfurt bereits 1709 und besuchte auch die Universitätsbibliothek. Vgl. Hermann, Leben Herrn Zacharias Conrad von Uffenbach, S.CVII. Vgl. auch die Zusammenstellung bei Peter Jörg Becker, Bibliotheksreisen in Deutschland im 18. Jahrhundert. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 21 (1980), Sp. 1361-1534.
23 Johann Kanold, Von einigen heut zu Tage noch berühmten Bibliothequen und deren Memorabilibus. In: Kaspar Friedrich Neickelius, Museographia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum oder Raritäten-Kammern. Leipzig 1727, S.389-394.
24 Johann Georg Keyßler, Neueste Reisen durch Deutschland, Böhmen, Ungarn, die Schweiz, Italien und Lothringen. 2. Aufl., Hannover 1751, S.1350.
25 Der Bibliothekar wäre „katholisch und besitzet wenig Höflichkeit“ und „noch weniger Gelehrsamkeit“. In: Johann Karl Konrad Oelrich, Tagebuch einer gelehrten Reise 1750, durch einen Theil von Ober- und Nieder-Sachsen. Aus der Handschrift. In: Johann Bernoullis Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntniß dienender Nachrichten. Bd. 5. Berlin 1782, S.1-152, hier: S.100-101.
26 Bibliotheca historiae litterariae selecta. Jenae 1754, S.436-437.
27 Beschreibung verschiedner Bibliotheken in Europa. Handschrift. o. O. u. J. [1776-1781] (ÖNB Cod. Ser. n. 2808, S.409-443, hier: S.414-419).
28 1899 wurde es durch einen Brand zerstört und abgerissen. Die anlässlich der Bibliothekseröffnung über dem Eingang angebrachte Sandsteinplatte mit einer Eloge auf die Kurfürsten Johann Philipp und Lothar Franz und deren „Dienerpaar“ Johann Christian und Philipp Wilhelm von Boineburg ziert heute den Eingang des Magazingebäudes der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt hinter dem wiedererrichteten Collegium maius. Zur Juristenschule und zum Text der Eloge vgl. Alfred Kortüm, Mittheilungen über die Bibliotheca Boineburgica zu Erfurt. In: Mittheilungen des Vereins für die Geschichte und Alterthumskunde von Erfurt (1901), H. 22, S.45-52.
29 Versuch einer Beschreibung sehenswürdiger Bibliotheken Teutschlands. Erlangen 1786.
30 Fundationsinstrument, 19.12.1716 (LAM Rep. U 14 Tit. XLV A, Nr. 88, f. 1r-7v, hier: f. 5v).
31 Lehrstuhlinhaber und leitende Bibliothekare nach Philipp Franz von Bellmont waren 1740 bis 1761 Johann Arnold von Bellmont, 1761 bis 1777 Adam Ignatz Turin, 1777 bis 1805 Karl Friedrich Dieterich. Anschließend wurde Jakob Dominikus (gest. 1819) für die Professur vorgeschlagen, die Professur aber wegen des verloren gegangenen Siftungskapitals nicht mehr besetzt. Vgl. Rolf-Dieter Dominicus, Jakob Dominikus. Sein Leben und sein Werk. Rudolstadt 2001, S.50.
32 Einer Analyse des in der Universitätsbibliothek erworbenen Bestandes anhand der überlieferten Bände und Akten der Erfurter Universitätsbibliothek werde ich mich in einer anschließenden Studie widmen.
33 Philipp Franz von Bellmont, Ohnmaßgebliche unterthänigste Vorstellung wie und welchergestalt die ad usum publicum destinirte Boineburgische Universitäts Bibliotheque zu Erffurth ohne Schmählerung des Cameral Interesses vermehret und in aufnahmb gebracht werden kan.Mainz, 20.7.1723 (LAMW Rep. A 37b I Abt. II Tit. XVI Nr. 39 vol. II 1717-1726, f. 297r-299v).
34 Erfurt war von 1802 bis 1945 Teil des preußischen Staates, unterbrochen von einer neunjährigen französischen Besetzung. Vgl. Benl, Königstreue.
35 Vgl. Activa und Passiva der ehemaligen Universität zu Erfurt. Vol. I 1817-1825 (ThStA Gotha, Regierung zu Erfurt 11390, f. 4r-6v und f. 18r-19r). Der Vorgang ist beschrieben bei Wiegand, Die Vermögenswerte, S.157.
36 Vgl. Vertrag zwischen dem Magistrat der Stadt Erfurt und der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Beglaubigte Abschrift (Kopie), Erfurt, 3.9.1908 (UBE CE 4° 96h).
37 Jahresbericht der Königlichen Bibliothek zu Berlin für das Jahr 1909/10. Berlin 1910, S.4. Herausgelöst wurden solche Werke, die in Berlin nicht vorhanden waren und angeblich für Erfurt keinen historischen Wert besaßen. Vgl. Akten des Magistrats zu Erfurt betreffend: Übernahme der Königlichen Bibliothek in Erfurt und des Grundstücks Anger Nr. 18. Kopie eines Auszugs, Erfurt, nach 1910 (UBE CE 4° 96k).
38 So Felicitas Marwinski, Thüringens Metropole und ihre Bibliotheken. Daten und Fakten aus der Geschichte des Erfurter Bibliothekswesens. In: Kathrin Paasch (Hg.), Miszellen zur Erfurter Buch- und Bibliotheksgeschichte. Bucha bei Jena 2002, S.99-124, hier: S.105.
39 Das wurde mir anlässlich einiger Stichproben in der Abteilung Historische Drucke der StBB PK bestätigt. Zu den Auslagerungen vgl. Werner Schochow, Die Auslagerungen der Preußischen Staatsbibliothek während des letzten Krieges. In: Mitteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz N. F. 9 (2000), 1, S.108-118. Auch von den bei Ernst Crous, Die Bücherzeichen (Exlibris) in den Wiegendrucken der Staatsbibliothek. In: Fünfzehn Jahre Königliche und Staatsbibliothek. Berlin 1921, S.240-239, hier: S.243, aufgeführten fünf Inkunabeln ist nur noch eine vorhanden (StBB PK Inc 2735.10; für den Hinweis auf Crous und die Recherchen in Berlin danke ich Ninon Suckow).
40 Vgl. Festliche Eröffnung des Collegium maius für die Stadtbücherei 1936 (StadtA Erfurt 1-2/055-710, o. Zählung).
41 Vgl. Verwaltungsbericht 1942 der Stadtbücherei Erfurt (UBE Bibliotheksakten 166) und Auslagerungslisten 1943/44 (StadtA Erfurt 1-2/315-4660).
42 Vgl. Bericht [der Stadtbücherei Erfurt]. Erfurt, 11.3.1946 (UBE Bibliotheksakten 166).
43 Noch 1977 befanden sich Teile der Boineburgica in Außenmagazinen, z.B. in der Altonaer Straße. Vgl. Schriftwechsel der Abt. Erwerbung / Erschließung der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek des Bezirkes Erfurt. Erfurt 1977 (StadtuRBE Facharchiv). Für Hinweise zu den, zum Teil recht abenteuerlichen, vom Erfindungsreichtum der Bibliothekare zeugenden Umzügen danke ich Günther Kreienbrink, Elfriede Trott und Eckehart Döbler. Zu den Namenswechseln der Stadtbücherei vgl. Barth, Die Chronik.
44 Vgl. Benutzungskonzeption für das Literaturmuseum der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek des Bezirkes Erfurt im Objekt Kröhenbacken. Typoskript, Erfurt 1980 (StadtuRBE Facharchiv).
45 Beschluß des Erfurter Stadtrates vom 26.9.2001. In: Amtsblatt der Stadtverwaltung Erfurt (12.10.2001).
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