Pfeiler, Ute: Ergebnisse von Untersuchungen zur Bodenbelastung bei der Freilandhaltung von Schweinen

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Kapitel 2. Wissensstand zur Freilandschweinehaltung

2.1. Gesetzliche Rahmenbedingungen

2.1.1. Tierschutz

Bei ganzjähriger Haltung der Schweine im Freien gelten die allgemeinen Vorschriften des Tierschutzgesetzes (1993).

Grundsätzlich erfüllt die Freilandhaltung problemlos alle Anforderungen des Tierschutzes, sowohl die Grundsätze des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (1976), als auch die Forderungen des deutschen Tierschutzgesetzes nach verhaltensgerechter Unterbringung, artgemäßen Bewegungsmöglich-

keiten, frühzeitiger Kastration und Kürzen des Schwanzes, wenn überhaupt, im Alter von maximal 4 Tagen.

Allerdings fällt in diesem System dem Betreuer eine besonders große Verantwortung zu, da er auch unter schwierigsten Witterungsbedingungen für ausreichend Futter und Wasser, eine trockene, zugfreie Unterkunft und regelmäßige Gesundheitskontrolle sorgen muß.

Die Verordnung zum Schutz von Schweinen bei Stallhaltung (Schweinehaltungsverordnung) (1988) gilt nach § 1 Abs. 1 "...für das Halten von Hausschweinen in Ställen", ist also für die Freilandhaltung nicht anwendbar. Entscheidend ist allerdings, die ab 1.1.1998 gültige Forderung nach ständigem Wasserzugang für jedes über zwei Wochen alte Schwein umzusetzen.

2.1.2. Seuchenschutz

Das Tierseuchengesetz (TierSG, 1995) regelt die Bekämpfung von Seuchen bei allen vom Menschen gehaltenen Tieren. Auf Grund dieses Gesetzes wurden für einzelne Tierarten und bestimmte Seuchen spezielle Rechtsvorschriften und Verordnungen erlassen, von welchen die folgenden für die Freilandschweinehaltung von hauptsächlichem Interesse sind.

Die Tierseuchen-Schweinehaltungsverordnung (1988) gilt für große Schweinebestände, d.h. ab 150 Sauen, wenn außer den Zuchtschweinen keine Schweine im Alter von mehr als 12 Wochen gehalten werden. Sie fordert u.a. ausreichend große Quarantäneeinheiten und wirksame Einrichtungen zur Desinfektion von Ställen und Gerätschaften. Ab einer Herdengröße von 300 Sauen, müssen zusätzlich u.a. nach § 8 alle Wege und Straßen auf dem Gelände des Betriebes sowie die zum Be- und Entladen von Fahrzeugen benötigten Plätze befestigt und desinfizierbar sein. Die wortgetreue Befolgung dieser Bestimmungen könnte allerdings in der Freilandhaltung z.T. schwierig sein.

Laut Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen (1991) sind folgende Schweineseuchen anzeigepflichtig: Afrikanische Schweinepest, Ansteckende Schweinelähmung, Aujeszkysche Krankheit, Brucellose, Schweinepest, Seuchenhafter Spätabort, Tollwut und Vesikuläre Schweinekrankheit. Meldepflichtig laut Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten (1983) sind beim Schwein folgende Krankheiten: Leptospirose, Schnüffelkrankheit, Säugerpocken und TGE.

Die Schweinepestverordnung (1994) verlangt in ihrer Neuauflage vom 21. Oktober 1994 zwar bei klassischer oder europäischer Schweinepest nur noch eine Absonderung der verdächtigen und gefährdeten Schweine "in ihren Ställen oder an ihren sonstigen Standorten", bei Ausbruch oder Verdacht auf Ausbruch der afrikanischen Schweinepest müssen aber sowohl im betroffenen Betrieb als auch im Sperrbezirk (mind. 5 km Radius) "sämtliche Schweine in geschlossenen Ställen" abgesondert werden. Wer dies nicht tut, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 76 des


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Tierseuchengesetzes. Nach § 17 Abs. 1 der Schweinepestverordnung müssen im Falle des Ausbruchs oder des Verdachtes auf Ausbruch der afrikanischen Schweinepest Weideflächen und Ausläufe, auf denen Schweine innerhalb von 40 Tagen vor Feststellung der Seuche gehalten worden sind umgepflügt oder für die Dauer von sechs Monaten so abgesperrt werden, daß eine Benutzung durch Haustiere und Wildschweine nicht möglich ist.

Des weiteren sind die Verordnung zum Schutz gegen die Aujeszkysche Krankheit vom 28. Oktober 1993, sowie die Verordnung zum Schutz gegen Vesikuläre Schweinekrankheit zu beachten.

Art und Umfang der Außenzäune, welche u.a. vor Kontakt mit Wildschweinen schützen sollen, sowie sonstige Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen werden derzeit meist vom zuständigen Amtstierarzt entsprechend dem Gefährdungsgrad in der Umgebung festgelegt.

Eine neue Hygieneverordnung für Schweinehaltungen soll noch 1998 erlassen werden. Im Entwurf waren für die Freilandhaltung eine doppelte Einzäunung des Geländes (1,50 m hoch und im Abstand von 2 m) sowie für den Seuchenfall Unterbringungsmöglichkeiten in Ställen gefordert worden (RICHTER,1998), wobei letztere Forderung aber stark umstritten ist.

2.1.3. Umweltschutz

2.1.3.1. Wasserschutz

Weidebewirtschaftung und Dungausbringung werden im Wasserhaushaltsgesetz vom 12.11.1996 nicht direkt angesprochen, anzuwenden ist aber der allgemeine Grundsatz, daß Oberflächengewässer und Grundwasser vor Verunreinigungen durch schädliche Stoffe zu schützen sind. Nach § 19 Abs. 1 können aber, soweit "es das Wohl der Allgemeinheit erfordert, das Abschwemmen und den Eintrag von Bodenbestandteilen, Dünge- oder Pflanzenbehandlungsmitteln in Gewässer zu verhüten," Wasserschutzgebiete festgesetzt werden. In diesen können die Eigentümer und Nutzungsberechtigten von Grundstücken zur Duldung von Maßnahmen zur Beobachtung des Gewässers und des Bodens verpflichtet werden. Auch eine Einschränkung der ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung ist hier möglich.

Eine Entnahme von Grundwasser für den landwirtschaftlichen Hofbetrieb und für das Tränken von Vieh außerhalb des Hofbetriebes bedarf nach § 33 des WHG keiner Erlaubnis.

2.1.3.2. Immissionsschutz

Seit dem 1.2.1997 sind Anlagen zur Haltung von Schweinen erst ab 750 Sauenplätzen einschließlich dazugehöriger Ferkelaufzuchtplätze genehmigungspflichtig im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes (1990).

Aber die Betreiber nicht genehmigungsbedürftiger Anlagen unterliegen trotzdem den öffentlich-rechtlichen Anordnungen nach dem Immissionsschutzrecht, sowie den zivilrechtlichen Ansprüchen ihrer Nachbarn (HÖTZEL, 1986). Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen sind nach § 22 des BImSchG so zu betreiben, daß "...nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden und...die beim Betrieb der Anlage entstehenden Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden...".

2.1.3.3. Bodenschutz

Laut § 8 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes vom 27. September 1994 können für die Aufbringung von Wirtschaftsdünger im Sinne des § 1 des Düngemittelgesetzes auf


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landwirtschaftlich genutzte Böden "1. Verbote oder Beschränkungen nach Maßgabe von Merkmalen wie Art und Beschaffenheit des Bodens, Ausbringungsort und -zeit und natürliche Standortverhältnisse sowie 2. Untersuchungen der Abfälle oder Wirtschaftsdünger oder des Bodens, ... bestimmt werden. Dies gilt für Wirtschaftsdünger insoweit, als das Maß der guten fachlichen Praxis im Sinne des § 1a des Düngemittelgesetzes überschritten wird."

Richtungsweisend für die maximal erlaubten Dungeinträge sind die in der neuen Düngeverordnung festgelegten Obergrenzen für den Gesamtstickstoffeintrag, welche seit dem 1.7.1997 gültig sind.

2.1.3.4. Naturschutz

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz vom 12. März 1987 ist die im Sinne dieses Gesetzes ordnungsgemäße land- forst- fischereiwirtschaftliche Bodennutzung nicht als Eingriff in Natur und Landschaft anzusehen. Ordnungsgemäß im Sinne des BNatSchG heißt u.a., daß der Boden zu erhalten ist, Gewässer vor Verunreinigungen zu schützen sind und die Luftverunreinigungen gering zu halten ist. Allerdings sind Einschränkungen der Flächennutzung zum Schutz gefährdeter Pflanzen und Tiere möglich.

Die Strafbarkeit bei Verstößen gegen den Umweltschutz wird in den §§ 324-330 des Strafgesetzbuches geregelt.

2.1.4. Baurecht

Nach den Bauordnungen der Länder benötigen Gebäude bis 4 m Höhe und maximal 70 qm Grundfläche (in Mecklenburg-Vorpommern 4,50 m und 250 qm), die einem landwirtschaftlichen Betrieb dienen und nur zum vorübergehenden Schutz von Pflanzen,Tieren oder Ernteerzeugnissen dienen, keine Baugenehmigung. Zu berücksichtigen sind allerdings auch die örtlichen Bauvorschriften oder Einschränkungen der Gemeinden.


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2.2. Entwicklung und Verbreitung

2.2.1. Wiederentdeckung der Freilandhaltung

Wegen des zunehmenden Fleischbedarfs wurde die Schweinehaltung seit Beginn der industriellen Revolution mehr und mehr intensiviert und letztendlich fast gänzlich in Ställe verlagert, wobei der Platz für die Schweine immer weiter verringert, die Mechanisierung aber immer aufwendiger wurde. Probleme mit der Tiergesundheit und ein Mangel an nutzbaren Ställen führten in den 50-iger bis 70-iger Jahren z.B. in der DDR zu Versuchen mit der Freilandhaltung (Waldschweinemast), welche jedoch wegen extrem hoher Besatzdichten und zu langen Besatzzeiten aus hygienischer und umweltpolitischer Sicht auf Dauer nicht erfolgreich waren (SONNEFELD,1976; BENNEWITZ u.a., 1982).

In kleineren Betrieben gab und gibt es die verschiedensten Formen der Freilandhaltung, Schweineweiden, saisonale Freilandhaltung im Sommer, Nutzung befestigter und unbefestigter Ausläufe u.a..

Jedoch nur das 1952 von Richard Roadnight in England entwickelte System der ganzjährigen Freilandhaltung mit Nutzung transportabler Hütten und einer Eingliederung der Sauen in die Fruchtfolge bewährte sich arbeits- und betriebswirtschaftlich so gut, daß es auch für größere Bestände geeignet war. Auf Grund steigender Kosten für Ställe, Ausrüstung und Energie konnte es sich in den 70-iger Jahren zunächst in Großbritannien und schließlich in allen klimatisch geeigneten Gegenden Mitteleuropas und Nordamerikas ausbreiten.

2.2.2. Hauptverbreitungsgebiete der ganzjährigen Freilandhaltung

2.2.2.1. Großbritannien

Den entscheidenden Antrieb erhielt die Freilandhaltung zu Beginn der 70-iger Jahre durch den sprunghaften Anstieg der

Kosten für Arbeit und Energie sowie hohe Zinssätze von 12-20 %. Zwischen 1975 und 1985 stieg die Hälfte aller Landwirte aus der Schweinezucht aus. Gleichzeitig stieg die Anzahl der kontrollierten Freilandbetriebe von 30 mit ca. 360 Sauen/ Herde (1978) auf 65 mit durchschnittlich über 500 Sauen / Herde (1986) . Das entspricht ca. 6-7 % des Gesamtsauenbestandes, in den südostenglischen Grafschaften Berkshire, Oxfordshire und Hampshire sind es sogar über 25 % (BRIARD, EGGERSGLÜSS, 1988).

1993 wurden in England ca. 17 % aller Sauen im Freiland gehalten (HÖRNING,1993), STENTOR (1992) erwartete für 1995 einen Anstieg auf 25 %. Laut GOSS (1997) sind diese 25 % derzeit mit einer Anzahl von ca. 160000 im Freiland gehaltenen Sauen erreicht. Die durchschnittliche Herdengröße liegt bei 400 Sauen.

2.2.2.2. Frankreich

1982 begann der erste französische Landwirt Sauen nach dem englischen Modell im Freiland zu halten. Ab 1984 wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes jährlich die Freilandbetriebe erfaßt. 1984 gab es bereits 209 Herden mit 9270 Sauen (ca. 44 Sauen/ Herde) und 1986 dann 860 Herden mit 41343 Sauen (ca. 48 Sauen/ Herde), das waren ca. 4 % des Gesamtsauenbestandes Frankreichs. 1993 wurden 1630 Herden mit 108000 Sauen (ca. 66 Sauen/ Herde) gezählt. Der Anteil der Freilandsauen am Gesamtsauenbestand war bis 1994 auf 10 % angewachsen (DENMAT; DAGORN; AUMAÎTRE; VAUDELET, 1994).


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2.2.2.3. Dänemark

In Dänemark stieg der Anteil der im Freiland gehaltenen Sauen bis 1994 auf 1,5 % des Gesamtbestandes an, das waren insgesamt 60 Herden mit ca 15000 Sauen bei einer durchschnittlichen Herdengröße von 77-261 Sauen. Der im Vergleich zu Südengland und Frankreich relativ geringe Umfang der Freilandhaltung resultiert hauptsächlich aus den ungünstigeren klimatischen Bedingungen Dänemarks, mit langen Regenperioden, starken Winden und kurzer Tageslichtdauer im Winter (THE NATIONAL COMMITTE FOR PIG BREEDING DENMARK, 1994).

2.2.2.4. Niederlande

In den Niederlanden wird seit 1986 eine modifizierte Form der Freilandhaltung hauptsächlich im Rahmen der "Scharrelschweinehaltung" praktiziert.

1988 gab es 162 Scharrelschweinehalter. Der Marktanteil des Fleisches von Scharrelschweinen beträgt knapp 0,5% des Gesamtschweinefleischverbrauchs in den Niederlanden (BRIARD, 1988).

2.2.2.5. USA

Eine ganzjährige Outdoorhaltung nach englischem Vorbild entstand hier erst in den letzten Jahren (PIG IMPROVEMENT COMPANY, 1989). Absolut gesehen werden in den USA weltweit die meisten Sauen unter Freilandbedingungen gehalten, prozentual ist aber ihr Anteil am Gesamtsauenbestand wesentlich geringer

als in England (THORNTON, 1988). Das liegt unter anderem daran, daß sich die Hauptstandorte der amerikanischen Schweineproduktion in den Maisanbaugebieten befinden, welche sich aber auf Grund ihres extremen Kontinentalklimas für die Freilandhaltung nicht eignen.

2.2.2.6. Deutschland

Seit Ende der 80-iger Jahre begannen einige deutsche Landwirte, angeregt durch Erfahrungen aus England, Schweine im Freiland zu halten. Besonders in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entstanden größere Freilandhaltungen mit Herden von über 200 Sauen, welche System und Ausrüstungen direkt aus England bezogen haben. Ansonsten sind es vielfach kleinere Betriebe mit nur wenigen Sauen, welche dieses System individuell an die Bedingungen ihres Betriebes anpaßten.

Nach WILLEKE wurden 1994 in Deutschland ca. 1500 Sauen im Freiland gehalten (WILLEKE, WALDECK, DURST, 1994). HÖRNING (1993) waren 10 deutsche Betriebe bekannt, welche die Freilandhaltung seit mindestens zwei Jahren praktizieren.

Nach einer Erhebung der PIG, stieg die Anzahl der im Freiland gehaltenen Sauen von 370 im Jahr 1992 auf 9140 im Jahr 1997. Das sind ca. 0,36 % des Gesamtsauenbestandes in Deutschland. Diese Sauen verteilen sich auf 44 Betriebe, wodurch sich eine durchschnittliche Herdengröße von ca. 200 Sauen ergibt. Die in dieser Erhebung erfaßten Betriebe befinden sich hauptsächlich in Schleswig-Holstein sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg. Alternativ wirtschaftende und kleinere Betriebe, welche sich vereinzelt auch in den anderen Bundesländern befinden, wurden allerdings nicht mit erfaßt.

Bei der Gründung des Vereins "Freilandhaltung von Schweinen e.V." im Juli 1997 waren 33 Betriebe beteiligt.


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2.3. Standortanforderungen

Für das Gelingen der Freilandhaltung ist die Wahl eines möglichst optimalen Standortes eine Grundvoraussetzung. Ein ungünstiger Standort stellt wesentlich höhere Anforderungen an das Management, verursacht einen höheren Arbeitsaufwand und höhere Kosten bei unter Umständen trotzdem niedrigeren Leistungen. Letztendlich kann dies zum Scheitern der Freilandhaltung führen.

2.3.1. Klima

2.3.1.1. Temperaturen

Von den Temperaturanforderungen her ist die Freilandhaltung theoretisch fast ausnahmslos im gesamten europäischen und nordamerikanischen Raum möglich, sofern den Schweinen die Möglichkeit gegeben wird, ihre artspezifischen Verhaltensweisen zur Temperaturregulation auszuüben. Kälte bereitet den Schweinen wesentlich weniger Probleme als Hitze. Nach VAN PUTTEN (1993) spielt die Kälteempfindlichkeit nur bei Ferkeln und kranken Tieren eine Rolle. Bei ausreichender Einstreu der Hütten treten auch bei längeren Frostperioden keine erhöhten Ferkelverluste auf, die Wärmeproduktion der Sau ist ausreichend, um auch bei Temperaturen von -10° C die isolierten Hütten auf 25° C aufzuheizen (DURST/ WILLEKE,

1994). Von ALGERS und JENSEN (1990) wurden in einem Freilandversuch bei Außentemperaturen von -17° C bis + 7° C Nesttemperaturen von durchschnittlich 20,3° C gemessen, wobei keine Korrelation zwischen Außen- und Nesttemperatur gefunden wurde. Ein Problem bei Frost ohne Schnee besteht darin, daß der durch die Wühltätigkeit sehr unebene und nun hartgefrorenen Boden sowohl beim Laufen Schwierigkeiten bereitet, als auch beim Ausrutschen zu Prellungen und anderen Verletzungen führen kann.

Hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung verursachen auf Grund der Kreislauflabilität und der hellen Haut der meisten Rassen wesentlich größere Probleme, da es sowohl zu Sonnenbränden, erheblichen Fruchtbarkeitsproblemen und sogar zu Todesfällen durch Hitzschlag kommen kann. Als optimal für die Freilandhaltung werden Temperaturen zwischen 0 bis 20° C angesehen, welche vor allem in maritimen Klimazonen über den größten Teil des Jahres gegeben sind.

2.3.1.2. Wind

Obwohl im Sommer die Luftbewegung durchaus positiv für das Wohlbefinden der Schweine ist, sind windgeschützte Standorte aus mehreren Gründen zu bevorzugen. Zum einen ist es dann weniger wahrscheinlich, daß Regen und Schnee in die Hütten geblasen werden, zum anderen besteht nicht die Gefahr, daß leichtere Hütten vom Wind umgekippt werden (DURST/ WILLEKE, 1994). Ein Windschutz durch Bäume und Hecken bietet gleichzeitig auch Schattenflächen an den Gehegerändern. Entsprechend der Hauptwindrichtung sollten die Hütten so ausgerichtet werden, daß sie nach Möglichkeit im Sommer Kühlung und im Winter Windschutz bieten.

2.3.1.3. Niederschläge

Während nach THORNTON (1988) eine Niederschlagsmenge von ca. 535 mm nicht überschritten sein sollte, sind nach WHEELER (1986) auch bei fast 1000 mm Niederschlag noch gute Leistungen möglich. Die PIG IMPROVEMENT COMPANY (1992) sieht als Obergrenze 750-


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800 mm Niederschlag für eine gut funktionierende Freilandhaltung an. Eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge über das ganze Jahr wird allgemein als am günstigsten angesehen. Schnee bedeutet nach WHEELER (1986) relativ wenig Probleme, sofern er nicht den Zugang zu den Gehegen erschwert. Nach Aussagen der Praktiker bereiten lange Regenperioden bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt die größten Probleme, da dann die Feuchtigkeit in die Hütten getragen wird und dort zusammen mit den niedrigen Temperaturen zu erhöhten Ferkelverlusten führt.

2.3.2. Boden

2.3.2.1. Bodenart

Wie hoch die Niederschläge sein dürfen, ohne zur Verschlammung der Gehege und Fahrwege und damit zu erheblichen arbeitswirtschaftlichen und auch gesundheitlichen Problemen führen können, hängt u.a. entscheidend vom jeweiligen Boden ab. Leichte, sandige Böden leiten anfallende Niederschlagsmengen wesentlich schneller ab, während tonhaltige, lehmige Böden

leicht zur Verschlammung neigen. Sand- und Kiesböden werden daher allgemein als am besten geeignet empfohlen. Bei steinigen Böden ist aber darauf zu achten, daß nicht zu viele spitze und scharfkantige Steine vorhanden sind, da dies zu ernsthaften Klauen- und Gliedmaßenverletzung führen kann (THORNTON, 1988).

Aus Sicht des Umweltschutzes ist hierbei allerdings anzumerken, daß in Sandböden auch eine wesentlich schnellere Verlagerung der mit Kot und Harn eingetragenen Nährstoffe erfolgt. So wird z.B. bei 60 mm Niederschlag im Frühjahr das Nitrat im Sandboden um 40-60 cm und im Lehmboden nur um 30-40 cm tiefer verlagert (WEHRMANN/ SCHARPF, 1987).

2.3.2.2. Gelände

Ungeeignet für die Freilandhaltung ist stark hügeliges Gelände. Es gibt Probleme bei der Hüttenaufstellung, da diese möglichst gerade und vor einfließendem Regenwasser geschützt stehen sollten, was an Hängen oder auch in Senken nicht gegeben ist (DURST/ WILLEKE, 1994).

Flächen mit sehr hohem Grundwasserstand sind auf Grund der stärkeren Verschlammungsneigung ungeeignet.

2.3.3. Sonstige

Geeignet für die Freilandhaltung sind Gebiete, welche nicht direkt an größere Straßen oder Ortschaften grenzen, da hier durch den starken Publikumsverkehr eine größere Gefahr der Krankheitseinschleppung und auch des Diebstahls besteht. Die Gehege müssen sich aber auf jeden Fall in der Nähe des Hofes oder anderer Wirtschaftsgebäude befinden, um die Strom- und Wasserversorgung sicherstellen, die Kontrolle erleichtern und die Wege- und Transportzeiten möglichst kurz halten zu können. Auf Grund des Seuchenschutzes ist es von Vorteil, wenn die Wildscheinepopulation der Umgebung gering und frei von Wildschweinepest ist, und sich im Umkreis von 3 km, besser 10 km (Sperr- bzw. Beobachtungsbezirk bei Seuchenausbruch) keine größere Schweineanlage befindet.


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2.4. Verfahrenstechnik der Freilandschweinehaltung

Bei ganzjähriger Freilandhaltung größerer Herden ist ein effektives Arbeiten nur nach einem System möglich.

Es gibt zwei übliche Systeme, das Radial- und das Dezentralgehegesystem. Die Wahl, ob eines davon oder eine Verknüpfung der beiden Systeme für den Betrieb am besten geeignet ist, richtet sich nach Herdengröße, Flächengröße und -form, Absetzrhythmus und persönlicher Neigung des Betriebsleiters (GESELLSCHAFT FÜR NATÜRLICHE SCHWEINEHALTUNG MBH, 1993).

2.4.1. Dezentralgehege

Dezentralgehege bestehen aus meist rechteckigen Parzellen, welche entlang eines Betreuungsweges angeordnet sind. Wenn möglich, sollten alle Gehege von zwei Seiten zugänglich sein.

Dezentralgehege können überall unabhängig von Flächenform und -größe eingerichtet werden und sind für jede Herdengröße geeignet (DURST/ WILLEKE, 1994).

Der Arbeitszeitaufwand ist allerdings bedingt durch die längeren Wegezeiten wesentlich größer als im Radialsystem. Auch der Umtrieb der Sauen ist schwieriger, meist müssen sie auf einem Hänger in die neuen Gehege gebracht werden.

2.4.2. Radialsystem

Dieses System wurde Anfang der 80-iger Jahre von einem Farmer in Oxfordshire entwickelt. Bei einer Besatzdichte von ca. 15 Sauen je Hektar wird dafür eine möglichst quadratische Fläche von ca. 14-16 ha benötigt (THORNTON, 1988). Der Aufbau des Radialsystems ist also nicht auf jedem Feld möglich. Es eignet sich am besten für Herdengrößen von 200 bis 250 Sauen, welche hier bei optimalen Bedingungen von nur einer Arbeitskraft und einer gelegentlichen Hilfskraft betreut werden können (THORNTON, 1988). Wenn wesentlich mehr Sauen gehalten werden sollen, sollte die Herde zur Wahrung der Übersichtlichkeit auf zwei Radialsysteme aufgeteilt werden.

Im Radialsystem erfolgt die Anordnung der Gehege für tragende Sauen Tortenstücken ähnlich rund um ein durch stabile Tore mit allen Gehegen verbundenes Zentrum (Rondell) herum. Dieses Rondell sollte von mindestens zwei Seiten über Zufahrtswege erreichbar sein. Ein Großteil der Kontroll- und Betreuungsarbeiten sowie Tierbehandlungen kann so sehr zeitsparend von einer Stelle aus erledigt werden, was einen wesentlichen Vorteil dieses Systems ausmacht. Auch der Umtrieb von Sauen erfolgt über das Rondell, was den Einsatz eines Transporthängers unnötig macht.

Die Fütterung erfolgt über den Außenring. Die Tränken können sowohl im Innenring installiert werden, was wegen des geringeren Bedarfs an Schläuchen und Arbeitsaufwand für die Installation günstig ist, oder am Außenring, was bezüglich der Tritt- und Dungbelastung des engen Innenringes besser ist.

Die Gruppenabferkelgehege werden auch bei Nutzung des Radialsystems häufig in rechteckiger Form eingerichtet, da in dieser die Fläche effizienter genutzt wird, denn die Abferkelhütten müssen nach jedem Durchgang umgesetzt werden.


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Abb. 1 : Darstellung eines Dezentralgeheges (Quelle: THORNTON, 1988)

Abb. 2 : Bild eines Radialsystems (Quelle: THORNTON, 1988)


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2.4.3. Allgemeine Organisation

Die allgemeine Organisation der Ferkelerzeugung im Freiland unterscheidet sich im wesentlichen nicht von der Stallhaltung. In größeren Beständen wird meist nach einem festen wöchentlichen Rhythmus gearbeitet, um die Hütten gleichmäßig auslasten, einheitliche Ferkelgruppen verkaufen und die Arbeiten für Behandlungen und Umtriebe rationell gestalten zu können.

Die tragenden Sauen werden grundsätzlich in Gruppen gehalten.

Gehege von über einem Hektar Fläche sind aus arbeitswirtschaftlicher Sicht ungünstig. Daher ergibt sich je nach Besatzdichte eine maximale Gruppengröße von 15 bis 18 Sauen (DURST/ WILLEKE, 1994).

Die künstliche Besamung erfolgt in einigen Betrieben auf dem Feld, in anderen in einem Deckzentrum auf dem Hof. In den Gruppen der frisch gedeckten Sauen läuft in den ersten Wochen ein Eber mit, um eventuelle Umrauscher zu decken.

In einigen Betrieben wird auch der natürliche Deckakt genutzt. Um die Sauengruppen nicht teilen zu müssen werden hierfür Ebergruppen gehalten, welche, um schwerwiegende Rangkämpfe zu vermeiden, gemeinsam aufgezogen wurden. Für 3-4 Sauen ist jeweils ein Eber nötig. In England ist auch das System der

"Fließenden Gruppen" verbreitet, wobei alle 4-5 Tage 2-3 Sauen in ein Großgehege gebracht werden, auf welchem eine Ebergruppe das Decken übernimmt. Je nach Trächtigkeitsstadium werden die Sauen dann zu Abferkelgruppen zusammengestellt.

Die Haltung der säugenden Sauen kann sowohl in Einzelgehegen als auch in Gruppengehegen erfolgen. Einzelgehege sind zwar arbeitswirtschaftlich wesentlich aufwendiger, ermöglichen aber eine bessere Kontrolle und individuelle Tierbetreuung (DURST/ WILLEKE, 1994).

In Gruppengehegen kommt es besonders bei Jungsauen im Winter z.T. zur Doppelbelegung einer Hütte, welche im ungünstigsten Fall zum Totalverlust eines Wurfes führen kann (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995).

In Gruppenabferkelgehegen werden die Hütten meist mit kleinen Ferkelausläufen (sogenannten Fendern) komplettiert, welche von der Sau überstiegen werden können (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995). Diese können die Ferkel bis zum Alter von ca. zwei Wochen nicht übersteigen, was die Ferkelkontrolle wesentlich erleichtert und laut Aussage von Anwendern zu besseren Zunahmen führt. In Betrieben mit Einzelhaltung säugender Sauen werden die Ferkel häufig nur in der ersten Lebenswoche durch eine herausnehmbare Blechschwelle am Verlassen der Hütte gehindert.

An für die Sauen unzugänglichen Stellen kann den Ferkeln Beifutter und Wasser angeboten werden.

Die durchgeführten Ferkelbehandlungsmaßnahmen richten sich nach dem Gesundheitsstatus der Herde und den Anforderungen des Mastbetriebes. Dementsprechend werden die Ferkel geimpft, in den meisten Betrieben erhalten sie auch eine einmalige Eisengabe. Auf das Zähneabkneifen wird in fast allen Betrieben verzichtet, da es sich auf Grund der guten Milchleistung der Freilandsauen als überflüssig erweist, die Schwänze werden dann kupiert, wenn der Mastbetrieb dies erforderlich macht. Die Kastration erfolgt innerhalb der ersten 6 Lebenstage, da sich die Ferkel dann auf jeden Fall noch in der Hütte aufhalten und die Kastration zu diesem Zeitpunkt noch von einer Person allein durchgeführt werden kann.

2.4.4. Ausrüstung

Die Freilandhaltung bietet viel Spielraum für eigene Ideen und Eigenleistung sowie Möglichkeiten zur Improvisation. Inzwischen gibt es auch in Deutschland verschiedene Anbieter, welche die
komplette, zum größten Teil in England entwickelte und erprobte, Ausrüstung für die Freilandhaltung vertreiben.


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2.4.4.1. Hütten

Zum Schutz vor Witterungseinflüssen werden als wichtigste Grundausrüstung Hütten für die unterschiedlichen Haltungsstufen, also Abferkelhütten, Gruppenhütten für güste und tragende Sauen und Läuferhütten benötigt.

Diese Hütten werden von spezialisierten Herstellern in den verschiedensten Ausführungen angeboten und können aus Holz, Polyethylen, Glasfiber oder verzinktem Blech bestehen. In einigen Betrieben werden auch Hütten im Selbstbau hergestellt.

Für das deutsche Klima werden für abferkelnde Sauen und Läufer isolierte Hütten empfohlen (DURST/ WILLEKE, 1994). Wichtig ist auch neben der Tür eine zweite Hüttenöffnung, um die Innentemperatur im Sommer etwas regulieren zu können.

Einige Hütten sind mit Holzfußböden versehen, was den Vorteil hat, daß sie gezogen werden können und die Sau in der Hütte keine Grube ausheben kann, welche für die Ferkel zur Erdrückungsfalle werden könnte. Andererseits findet in dem nicht desinfizierbaren Hüttenboden allmählich eine Keimanreicherung statt. Für die Temperatur in der Hütte spielt der Fußboden bei entsprechender Einstreu keine Rolle. Inzwischen werden überwiegend Hütten ohne Fußböden eingesetzt (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995). Um das Wühlen der Sau in der Hütte zu verhindern, werden z.T. Metall- oder Kunststoffgitter genutzt, welche unter die Hütte gelegt werden.

2.4.4.2. Tränksystem

Das Tränken der Freilandsauen erfolgt im allgemeinen über ein oberirdisch verlegtes Schlauchsystem, welches mit Schwimmern versehene Tränkbecken mit Wasser versorgt (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995).

In die Läuferhütten ist ein Wasserfaß eingebaut, welches ebenfalls über das Schlauchsystem befüllt werden kann. Inzwischen wurde auch eine neue Abferkelhütte entwickelt, in welche ein Wasserfaß integriert ist, was das Einfrieren der Tränken zumindest erschwert.

Je nach Witterung muß damit gerechnet werden, daß das Schlauchsystem für 3-4 Monate im Jahr zufriert und dann das Tränken manuell mit Hilfe eines isolierten Tankwagens (Abb. 7) erfolgen muß (DEUTER, 1997).

2.4.4.3. Fütterungstechnik

Für die Fütterung gibt es viele Varianten, welche die geeignetste ist, hängt von der Herdengröße, der Haltungsvariante und den finanziellen Möglichkeiten ab.

Eine Fütterung der tragenden Sauen über Freßfanggitter (Abb. 14) ermöglicht eine individuelle Futterzuteilung und bietet gleichzeitig den Vorteil, daß Tierbehandlungen auf der Weide relativ problemlos durchführbar sind. Andererseits bedeuten sie einen zusätzlichen Investitionsaufwand und es besteht die Gefahr, daß die Standorte der Gitter sehr stark verschlammen, was nur durch häufigeren Standortwechsel vermieden werden kann.

Bei der relativ weit verbreiteten Bodenfütterung ist es günstig, soweit als möglich sehr große, fest gepreßte Pellets (sogenannte Cobs) zu verwenden, um Futterverluste auch bei feuchtem Wetter gering zu halten (FRANKE/ SPITSCHAK, 1995).

Ab einer gewissen Herdengröße lohnt es sich, einen Futterwagen (Abb.6) zu nutzen, welcher die Cobs über ein Gebläse großflächig im Gehege verteilt, was den Arbeitszeitaufwand wesentlich verringert (GES. F. NAT. SCHWEINEHALTG., 1995)


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Die Fütterung der ferkelführenden Sauen erfolgt bei Gruppenhaltung über Futterautomaten, welche speziell für die Freilandhaltung witterungs- und (relativ) rattensicher gebaut werden. Bei Abferkelung in Einzelgehegen erfolgt eine individuelle Fütterung per Hand, welche zwar wesentlich arbeitsaufwendiger, aber bezüglich der Tierkontrolle und als Ablenkung bei Ferkelbehandlungsmaßnahmen von Vorteil ist.

2.4.4.4. Weidezäune

Neben der Gewährleistung der Hütesicherheit muß durch die Zäune aus seuchenhygienischer Sicht auch das Eindringen von Wildschweinen sicher verhindert werden. Hierfür wird eine Kombination aus festem Wildschutzzaun und durchdachten Elektrozaunsystemen empfohlen (GES. F. NAT. SCHWEINEHALTG, 1995).

Am besten geeignet sind Hochspannungssysteme mit 3000 bis 10000 Volt und kurzen Impulsen (DURST/ WILLEKE, 1994).

Für die Einzäunung der Sauengehege kann einfache Metallitze oder die breitere Kunststofflitze mit eingearbeiteten Kupferdrähten, welche für die Schweine besser zu sehen ist, verwendet werden (Abb. 13). Im Außenbereich und für Abferkelgehege werden meist zwei Drähte mit 30 cm Zwischenraum gespannt, während ansonsten ein Draht in ca. 35 cm Höhe ausreichend ist (DURST/ WILLEKE, 1994).

Für Ferkelgehege oder als Außenzaun finden derzeit z.T. auch noch elektrische Knotengitter für Schafe Verwendung.

Zukünftig sind Art und Umfang der Außenzäune genauer geregelt (siehe 2.1.2.).

2.4.4.5. Komfort

Schweine sind die Nutztiere mit dem schlechtesten physiologischen Temperaturregulationsvermögen. Gegen Hitze sind Schweine, da sie lediglich über die Rüsselscheibe schwitzen können, und außerdem durch die Züchtung relativ kreislauflabil geworden sind, wesentlich empfindlicher als gegen Kälte. Im Sommer muß daher den Schweinen die Möglichkeit gegeben werden, ihre charakteristischen Verhaltensweisen zur Thermoregulation auszuführen, d.h. ihnen sind Schattenplätze und/ oder Suhlen anzubieten. Da auf den genutzten Felder meist keine Schatten spendenden Bäume stehen, gibt es spezielle Schattennetze zu kaufen. Bei säugenden Sauen besteht aber die Gefahr, daß sie sich an heißen Tagen häufiger unter dem Schattendach als in ihrer Hütte aufhalten, was bei noch in der Hütte eingeschlossenen kleinen Ferkeln zu mangelnder Milchversorgung führen kann.

Desweiteren gibt es bei den Ausrüstungsanbietern große schwimmerbefüllte Wasserwannen, welche gern als Suhle genutzt werden. Am einfachsten ist es jedoch, mit einem Schlauch oder Sprenkeler eine Suhle anzulegen.

Im Winter bieten die isolierten Hütten bei ausreichender und trockener Einstreu selbst frischgeborenen Ferkeln ausreichend Wärme.


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Abb. 3: Die Hütten (hier Holz mit Kunststoffoberfläche) dienen außer dem Schutz der Schweine vor Kälte und Nässe auch zum Aussperren der Sau bei Ferkelbehandlungen, als Schattenspender und Scheuermöglichkeit.

Abb. 4: Das Innere der Hütte sollte soviel Platz bieten, daß auch größere Sauen sich noch umdrehen können. Abweisstangen sind nicht unbedingt notwendig.


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Abb. 5: Grundlage für alle Arbeiten ist ein verläßlicher Traktor, welcher nicht nur als Zugmaschine dient, sondern auch zum Hüttentransport und mit guter Beleuchtung versehen sein sollte, um notfalls auch nach dem Einsetzen der Dämmerung weiterarbeiten zu können

Abb. 6: Der Futterverteilwagen bietet auch Platz, um einige kleine Strohbunde oder sperrige Arbeitsgeräte zu transportieren


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Abb. 7: Bei starkem Frost muß gelegentlich das Eis aus den Tränkbecken herausgehackt werden um Platz für frisches Wasser zu schaffen. Auch ein Kanister mit heißem Wasser sollte mitgenommen werden, um eingefrorene Tränknippel bei den Läufern aufzutauen.

Abb. 8: Günstig ist, wenn der Tiertransportanhänger ein zusätzliches Absperrgitter und damit praktisch zwei Abteile hat, so daß bereits gefangene Tiere den Hänger nicht wieder verlassen können


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Abb. 9: Die im Sommer unerläßliche Suhle dient nicht nur dem Wohlbefinden der Tiere sondern hilft auch bei hohen Temperaturen gute Leistungen zu erzielen und besonders die Auswirkungen der Sommerunfruchtbarkeit zu mindern.

Abb. 10: Die Suhle wird zwar gelegentlich auch als Tränke genutzt, es wurde jedoch nicht festgestellt, daß sich daraus gesundheitliche Probleme ergeben hätten.


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Abb. 11: In den letzten Jahren wurden die Abferkelhütten immer weiter verbessert (hier eine der neuesten Entwicklungen mit zwei Eingängen), was allerdings auch zu erheblichen Preissteigerungen geführt hat. Im Hintergrund unisolierte Blechhütten für tragende Sauen.

Abb. 12: Die kleinen Ausläufe der Läufer sind mit stabilen Gittern eingezäunt. Das ist besonders bei frisch abgesetzten Ferkeln sicherer und erleichtert das Einfangen und Aufladen zum Transport.


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Abb. 13: Zwischen den Gehegen reicht meist das Spannen eines einzelnen Elektrodrahtes, am besten ein mit mehreren Leitern durchsetztes für die Tiere gut sichtbares Breitband. Ferkel können sich zwischen den Gehegen frei bewegen und kennenlernen, was später den Absetzstreß mildert.

Abb. 14: Mit einem aufgesetzten Schwimmerbecken versehen dienen die Freßfanggitter gleichzeitig als Tränke.


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Tierbehandlungen und -transporte

Bei größeren Herden empfiehlt sich die Anschaffung eines hydraulisch absenkbaren Viehanhängers, welcher von den Tieren ohne Streß betreten wird (Abb. 8).

Im Dezentralsystem, in welchem kein Rondell zu Verfügung steht, ist dieser Hänger auch für Tierbehandlungen gut geeignet. Auch in sehr kleinen Betrieben sollte für Tierbehandlungen ein Zwangsstand oder ein stabiler kleiner Pferch vorgesehen werden (DURST/ WILLEKE, 1994). In einigen Betrieben hat sich auch die Nutzung transportabler Freßfanggitter bewährt.

2.4.4.6. Reinigung / Hygiene

Eine Desinfektion von Hütten und Ausrüstung erfolgt normalerweise nicht, die Keimverdünnung wird durch einfache Reinigung, Flächenwechsel und natürliche UV- Strahlung erreicht.

Eine Flächennutzung von mehr als einem Jahr ist nicht empfehlenswert, da es sonst häufig zu gesundheitlichen Problemen, vor allem durch Parasitenanreicherung kommt (DURST/ WILLEKE, 1994). Vor der nächsten Belegung derselben Fläche ist deshalb eine Karenzzeit von mindestens zwei Jahren einzuplanen.


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2.5. Vor- und Nachteile

Bei der Zusammenstellung der Aussagen über Vor- und Nachteile der Freilandschweinehaltung zeigt sich, wie subjektiv geprägt die Urteile darüber z.T. sind, da sich je nach Betriebssituation, speziellen Erfahrungen, Zielen und Möglichkeiten des Betriebsleiters, ganz unterschiedliche Einschätzungen ergeben. So können z.B. Arbeitszeitbedarf und Arbeitsplatzqualität je nach Vergleichsbasis, Arbeitsweise und persönlichen Vorlieben des Halters sowohl positiv als auch negativ beurteilt werden. Je nach Standort müssen Pachtkosten oder Verletzungsgefahr nicht höher sein als in anderen Systemen und bei entsprechender Organisation und Ausrüstung sind auch Tierbehandlungen und Bestandsübersicht kein Problem. Andererseits wird die Umweltverträglichkeit nicht immer positiv eingeschätzt, Reparaturen und Futteraufwand sind nicht zwingend geringer und höhere Ferkelpreise sind nicht überall zu erzielen.

Tab. 1 : Einschätzung der Freilandschweinehaltung im Vergleich zur Stallhaltung

Faktor/ Merkmal

Vorteile

Nachteile

Kosten

Investitionen

Reparaturen

Flexibilität (Baukastensystem)

Energie, Tierarztkosten

Futteraufwand bei Aufwuchsnutzung

Eber

Futteraufwand

Stroh

Pacht

Arbeit

Arbeitszeit

Arbeitsplatzqualität, ganztägig, Übersicht/ Know-how

Arbeitszeit

Hygiene

Luftzusammensetzung/ Staub

geringerer Keimdruck durch Flächenwechsel, Frischluft und UV-Strahlung

Endo-, Ektoparasiten

Seucheneinschleppung

toxische Pflanzen/Stoffe

keine Desinfektionsarbeiten

Klima

Licht, Sonne (Vit D)

Training

(zu) große Jahreszeiteffekte

- Sommerinfertilität

- Wintereffekte (Ferkel)

Gesundheit

Konstitutionspflege

- Bewegung/ Atmung

- Geburt/ Laktation

- Abwehrkraft

längere Nutzungsdauer

Verletzungsgefahr

- Fundament

- Haut (Sonnenbrand)

Einzelbehandlung/ Kontrolle

Verhalten

Sinneswahrnehmung

Individualität/ Platzbedarf

Sozial-, Erkundungs-,

Komfortverhalten

Mutter- Kindbeziehung (Nestbau)

Sozial- (Kämpfe), Ernährungsverhalten (Wühlen)

Verschmutzung

Sonstiges

Image: - naturnah + verhaltensgerecht

- umweltfreundlich

Marktpreise

Düngung der Flächen

Nutzung in Fruchtfolge

wenig Erfahrungen,

spezielle Ausbildung/ Kurse

Risiken bei Fehlern standortgebunden

Tiertransporte

Quelle: Zusammenstellung von verschiedenen Autoren: Oldigs und Ernst (1991); Hörning (1993)


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2.5.1. Kosten

Einer der entscheidendsten und unbestreitbaren Vorteile der Freilandhaltung und damit der Hauptgrund für ihre Ausbreitung besteht darin, daß die Investitionskosten pro Sauenplatz im Freien nur ca. ein Fünftel der Kosten für einen Stallplatz betragen.

Für den Neubau eines Sauenplatzes mit dazugehörigen Aufzuchtplätzen (Rein-Raus-System, einstreulose Flüssigmistverfahren, Güllelagermöglichkeit für 6 Monate) sind je nach Ausführung mindestens DM 6000,- bis über 8000,- zu veranschlagen (KTBL, 1996/97).

Die Preise für fertig montierte Freilandsysteme zur Sauenhaltung mit Ferkelaufzucht bis 30 kg inclusive Wasseranschluß und Weidezauntechnik bis zum Feldrand werden von der GES. F. NAT. SCHWEINEHALTUNG MBH (1993) mit DM 1348,- je Sauenplatz für eine Herde von 60 Sauen bzw. mit DM 1210,- je Sauenplatz für eine Herde von 360 Sauen veranschlagt. Allgemein werden die Kosten pro Sauenplatz in der Literatur mit DM 1000,- bis 1100,- (FRANKE; SPITSCHAK, 1994) bzw. DM 1100,- bis 1324,- (DURST; WILLEKE, 1994) angegeben. Abgesehen von der Herdengröße werden diese Kosten auch entscheidend durch die Wahl der Hütten, den Anteil der Eigenleistung, die technische Ausstattung und die Lage der Gehege beeinflußt. So können bei weit entfernten oder auf verschiedene Felder verteilt liegenden Gehegen durch längere Zäune und Wasserleitungen die Investionen pro Sau um DM 100,- steigen. Für die laufenden Kosten bedeutet dies einen erheblichen Mehrverbrauch an Diesel und Arbeitszeit (FRANKE; SPITSCHAK, 1995).

Den anfallenden Mehrkosten durch den höheren Futter- (ca. 10 %) und Strohverbrauch (ca. 300 bis max. 1000 kg / Sau und Jahr) in der Freilandhaltung stehen geringere Energiekosten (um ca. DM 30,- je Sau und Jahr) durch den Wegfall von Stallklimatisierung und Beleuchtung sowie geringere Tierarztkosten (ca. 30 - 38 DM / Sau) gegenüber (WOHLMUTH, 1994; PAPENDORF, 1997).

2.5.2. Gesundheit/ Hygiene

Einen Überblick über die z.T. sehr unterschiedlich gearteten gesundheitlichen Probleme in Freiland- und Stallhaltung bietet die Erfassung der Abgangsursachen bei Sauen und Ferkeln in einer Zusammenstellung von DURST und WILLEKE (1994):

Tab. 2: Vergleich der Ursachen von Ferkelverlusten

Verlustursachen von Ferkeln

Anteil an den Gesamtverlusten in %

 

Freilandhaltung

Stallhaltung

erdrückt

50,00

47,40

Durchfall

12,00

4,10

Unterkühlung

8,00

1,60

Verschwunden

7,00

0,00

Getreten

5,00

0,00

Lebensschwach geboren

5,00

18,60

Anomalien

3,00

6,50

Verhungert

3,00

0,00

sonstiges

7,00

21,80


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Tab. 3: Vergleich der Abgangsursachen von Sauen

Abgangsursachen von Sauen

Anteil an den Gesamtverlusten in %

 

Freilandhaltung

Stallhaltung

Fruchtbarkeitsprobleme

33,40

44,80

Beinschäden

6,10

11,70

Alter

22,90

14,70

Leistung

9,40

6,30

Erkrankungen

5,50

7,50

Verendet

9,70

6,50

Sonstige

13.0

8,50

2.5.2.1. Positive Auswirkungen der Freilandhaltung

Die durch Untersuchungen an den Universitäten Exeter und Cambridge dokumentierte Verringerung der Kosten für Tierarzt und Medikamente in Freilandherden um 50 % (PIG IMPROVEMENT COMPANY, 1989) bezeugt den insgesamt besseren Gesundheitsstatus der Freilandsauen gegenüber ihren im Stall gehaltenen Artgenossen.

Als Gründe dafür werden allgemein die Bewegung, frische Luft, Sonneneinstrahlung und Klimareize angegeben, welche die Kondition der Tiere stärken. Durch die ultraviolette Strahlung werden das Bakterienwachstum und auch einige Entwicklungsstadien von Parasiten gehemmt, die Atmung intensiviert und die inneren Drüsen und der Stoffwechsel angeregt (STEPHAN, 1963), das Sonnenlicht fördert die Vitamin-D3-Synthese und Temperaturschwankungen fördern die Hautdurchblutung und machen so die Tiere robuster (SAMBRAUS, 1993). Durch die wesentlich stärkere Bewegung werden Muskulatur und Skelett gekräftigt (SAMBRAUS, 1993) und insgesamt alle Organe umfassend beansprucht, was sich auf alle Systeme des Organismus fördernd auswirkt und so die Krankheitsanfälligkeit der Tiere senkt (BARTUSSEK, 1993).

Auch Fruchtbarkeit und Geburtsverlauf werden durch Gruppenhaltung, Bewegung und intensive Lichteinstrahlung positiv beeinflußt. Bewegung und die Möglichkeit den Nestbautrieb befriedigen zu können, führt zu schnelleren Geburten, vitaleren Ferkel und wesentlich weniger Problemen mit dem MMA-Komplex (ALGERS, 1992). Aus einer Untersuchung des dänischen NATIONAL COMMITTEE FOR PIG BREEDING (1994), geht hervor, daß die Zahl der lebendgeborenen Ferkel je Wurf bei den Freilandherden mit durchschnittlich 11,4 signifikant höher war, als die der Stallherden mit 10,9 Ferkeln je Wurf. Das Auftreten des MMA-Komplexes wurde bei durchschnittlich einem Prozent der Freilandsauen, gegenüber 17 % der Stallsauen festgestellt.

Ebenso günstig wirken sich die "Keimverdünnung" und die geringere Konzentration von Schadgasen in der frische Luft aus. Es ist eine vielfach bestätigte Erfahrung, daß Atemwegserkrankungen sehr schnell heilen, wenn die Tiere aus schlecht belüfteten Ställen herausgebracht werden (BARTUSSEK, 1993).

Es gibt heute in einigen Ställen eine Mikroflora, welche mit dem sogenannten "Hospitalismus" in Krankenhäusern vergleichbar ist, d.h., es existieren dort hochresistente Bakterienstämme, welche jeder Desinfektion widerstehen (BOENCKE, 1993). Da die in der Freilandhaltung verwendeten Hütten nach einigen Jahren sowohl abgeschrieben als auch stark abgenutzt sind, können sie dann ausgesondert werden, wodurch sich zusammen mit dem ständigen Flächenwechsel und der Einhaltung ausreichender Karenzzeiten von mindestens 2-3 Jahren


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eine so gründliche Möglichkeit zur Unterbrechung der Infektionsketten bietet, wie sie bei Stallhaltung nicht praktizierbar ist.

2.5.2.2. Negative Auswirkungen der Freilandhaltung

Neben den anerkannten gesundheitlichen Vorteilen der Freilandhaltung gibt es allerdings einige in der Stallhaltung

fast unbekannte Probleme, wie z.B. Erfrieren, Sonnenbrand und Ferkelverluste durch wilde Tiere, Weglaufen oder Diebstahl.

Fruchtbarkeitsprobleme

Den Berichten über die positiven Auswirkungen der Freilandhaltung auf die Fruchtbarkeit stehen die Berichte verschiedener Autoren über Fruchtbarkeitsdepressionen im Sommer gegenüber. Nach Untersuchungen in einer Herde von 1000 Freilandsauen stellte WHEELER (1986) eine durchschnittlich um 7,5 % erhöhte Umrauschquote der Sauen bei starken Änderungen der Tageslichtlängen (Zeiten um den 21. März und 21. September) fest. STARK und MUCHIN (1989) beschreiben ein Herbstabortesyndrom, wobei ab Ende September ein Anstieg der nichtinfektiösen Aborte auf mehr als 10 % beobachtet wurde. Bestimmte Sauentypen sollen gegen die durch die Verkürzung der Tageslichtlänge bedingten Umstellungen des Stoffwechsels und damit der hormonellen Steuerung besonders empfindlich sein. Bedingt durch die Hitze sinkt die Produktion der Sexualhormone, was auch beim Eber zu nachlassender Libido führt, außerdem verringert sich auch Spermamenge und -qualität (THORNTON, 1988).

Das Problem der saisonalen Unfruchtbarkeit betrifft aber Stallhalter z.T. ebenso wie Freilandhalter, und ist nur durch gutes Management, also Schaffung von Abkühlungsmöglichkeiten, besonders intensive Gesundheitskontrolle und optimale Fütterung zu minimieren (THORNTON, 1988).

Ein weiteres im Sommer auftretendes Problem sind Sonnenbrände, welche sowohl zu Aborten bei stark betroffenen Sauen, als auch dazu führen können, daß die Sauen sich nicht decken lassen (WRATHALL, 1990).

Verlustgeschehen

Allgemein werden in der Freilandhaltung systembedingt besonders im Winter etwas höhere Ferkelverluste erwartet. Wenn eine Sau im Winter nicht in der Hütte abferkelt, oder die Hütte für lange Zeit verläßt, kann der ganze Wurf an Unterkühlung sterben. Nach ERNST u. ABRAMOWSKI (1993) können die Ergebnisse im Winterhalbjahr bis zu 1,6 Ferkel je Wurf geringer sein. Auch FRANKE u. SPITSCHAK stellten während der Monate Januar und Februar bei gleichbleibenden Wurfgrößen ca. 5 % höhere Ferkelverluste fest. Vor allem bei Jungsauen kam es in den Wintermonaten auch zu Totalverlusten durch die gleichzeitige Belegung einer Hütte von zwei Sauen. In Einzelgehegen wurden keine Totalverluste beobachtet (FRANKE, SPITSCHAK, 1995).

Parasiten

In fast allen Veröffentlichungen wird eine erhöhte Parasitengefährdung in der Freilandhaltung beschrieben, da durch den ständigen Kontakt mit dem Kot aller Gruppenmitglieder die Ansteckungsgefahr erhöht ist (SAMBRAUS, 1993), und die Suhlen und Wassertröge ideale Bedingungen für die Vermehrung der Parasiten darstellen (DURST; WILLEKE, 1994 ).

Kotprobenuntersuchungen von BUSSE (1989) zeigten, daß bei Einzelhaltung 67 % der tragenden und 50 % der säugenden Sauen verwurmt waren, während es bei Gruppenhaltung 89 % der tragenden und 75 % der säugenden Sauen betraf. Untersuchungen (auf Dauerweiden?- Anm. d. Autors) von MÖLLER (1983) ergaben, daß Sauen in Weidehaltung zu 99 % von Endoparasiten befallen waren, im Stall waren es bei Einzelhaltung 74 % und bei Gruppenhaltung 88 %.


26

Für die Entwurmung stehen dem Landwirt zahlreiche hochverträgliche und gut wirksame Medikamente zur Verfügung (BUSSE, 1992). Eine gezielte Entwurmung nach Kotprobenuntersuchungen oder eine Entwurmung bei Umstellung in den Abferkelbereich ist nach SAMBRAUS (1993) sinnvoller, als routinemäßige Bekämpfungsmaßnahmen auf der Weide.

Nach THORNTON (1988) besteht die beste Parasitenbekämpfung darin, parasitenfreie Tiere zuzukaufen und auf die Weide zu stellen. Bei ausreichend häufigem Flächenwechsel dürfte es dann kaum zu einer starken Verwurmung der Herde kommen. Viele ältere Freilandherden in England haben aber Probleme mit Schweineläusen.

In der Praxis führen die meisten Freilandhalter in Deutschland ebensolche prophylaktischen Wurmkuren durch, wie Stallhalter auch.

Nach BOEHNCKE (1993) müßte die Forschung eigentlich der Frage nachgehen, welcher Grad von Parasitenbefall noch hinnehmbar ist, da die Tiere bis zu einem gewissen Grad auch eine Immunität gegen Parasiten erwerben, also nicht jeder Befall auch zu Schäden führt. Die routinemäßige Entwurmung hat zum Teil schon zur Entwicklung resistenter Wurmstämme geführt.

2.5.3. Tiergerechtheit

Wenn man von der Erkenntnis ausgeht, daß derjenige Lebensraum für eine Tierart der beste sein muß, in dem sie entstanden ist, könnte man daraus ableiten, daß eine richtig betriebene Freilandhaltung die Krönung der naturgemäßen, also artgerechten Viehwirtschaft sein müßte (BARTUSSEK, 1993).

Von verwilderten Hausschweinen ist bekannt, daß diese sehr schnell wieder zur ursprünglichen Lebensweise der Wildschweine übergehen, und keine Mühe haben, in freier Wildbahn zu überleben und sich fortzupflanzen (BARRETT, 1978). STOLBA (1984) konnte bei der Beobachtung der in einem Freigehege ausgesetzten Hausschweine bereits nach wenigen Tagen insgesamt 103 Verhaltenselemente unterscheiden, welche alle auch aus dem Verhalten von Wildschweinen bekannt sind. Wenn also eine Jahrtausende währende Domestikation und eine jahrhundertelange Züchtung die Verhaltensweisen der Schweine kaum verändert haben, können sich auch ihre Bedürfnisse nicht derartig minimert haben, um sich in einer modernen Intensivhaltung wohlzufühlen. Diese Haltungssysteme sind entsprechend den ökonomischen Bedingungen und den Bedürfnissen des Menschen entwickelt worden, ohne das natürliche Verhalten der Tiere in Betracht zu ziehen (STOLBA, 1984). Natürlich ist es in solchen Systemen leichter, eine ausreichende Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser, eine trockene Unterkunft, eine ständige Gesundheitskontrolle und schnelle Behandlung im Krankheitsfalle zu garantieren. Daher erfordert die Freilandhaltung vom Betreuer eine wesentlich größere Verantwortung und Einsatzbereitschaft.

Nach Meinung von PUTZ (1995) ist die Freilandhaltung ab dem Moment, in dem die Vegetation der Flächen völlig zerstört ist, weniger tierfreundlich als jedes gut strukturierte Stallhaltungsverfahren. Allerdings bietet für das "Nasentier" Schwein allein die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum

feinster Geruchskomponenten der freien Atmosphäre über den Jahreslauf einen Erlebniswert, der durch nichts anderes ersetzt werden kann. Vom Standpunkt des Tierverhaltens gibt es keinen Zweifel daran, daß eine gute, d.h. in entsprechend großen und ausreichend vielseitig gestalteten Gehegen durchgeführte, Freilandhaltung ein Maximum an naturgemäßem Verhalten ermöglicht (BARTUSSEK, 1993).


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2.5.4. Geeignete Rassen

STOLBA (1984) wies in seinen Untersuchungen nach, daß auch die hochgezüchteten und in Intensivhaltungen aufgezogene Sauen in der Lage sind, in einem naturnahen Freigehege ihre Ferkel aufzuziehen.

Um gute Leistungen zu erzielen und die Arbeit nicht unnötig zu erschweren sollte aber auf die Auswahl der am besten für eine Freilandhaltung geeigneten Rassen geachtet werden.

Wichtig ist hierbei vor allem, daß die Sauen gute Muttereigenschaften haben, aber trotzdem nicht agressiv sind, eine hohe Milchleistung und möglichst eine leichte Pigmentierung haben. Letztere ist natürlich ebenso für im Freiland gehaltene Eber günstig, um die Sonnenbrandanfälligkeit zu senken. Tiere mit geringer Streßanfälligkeit und stabilen Fundamenten sind zu bevorzugen.

Inzwischen bieten viele Zuchtunternehmen spezielle Hybridsauen für die Freilandhaltung an, z.B. F 105 von JSR oder Camborough-12 von PIG. Alle diese Hybridsauen haben einen Durocanteil von mindestens 25, z.T. 50 %, da diese Rasse auf Grund ihrer Robustheit, guten Muttereigenschaften und der braunen Färbung, welche auch bei den meist weißen Hybridsauen noch zu einer etwas stärkeren Hautpigmentierung führt, für die Freilandhaltung sehr gut geeignet ist.

Ebenso gibt es speziell für die Freilandhaltung gezüchtete Eber, wie z.B. die Linie 16 (Hampshire*Pietrain*Pietrain) von PIG, welche laut Werbeprospekten bei allen Witterungsbedingungen Deckbereitschaft zeigen.

Für kleinere oder alternativ wirtschaftende Betriebe sind außerdem alle alten Robustrassen, von Wollschwein bis Sattelschwein, sehr gut geeignet.

2.5.5. Leistungen

Über die Leistungen in der Freilandhaltung gibt es ebenso viele variierende Aussagen, wie in der Stallhaltung. Während ERNST u. ABRAMOWSKI (1993) auf die Umweltabhängigkeit der Zuchtleistungen verweisen, welche besonders im Winter die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen kann, bestätigen DURST u. WILLEKE (1994) sowie zahlreiche Ergebnisse aus englischen, französischen und dänischen Betrieben, überdurchschnittliche Leistungen der Freilandsauen. Diese werden hauptsächlich als das Resultat des sehr guten Gesundheits- und Konditionszustandes der Sauen, als auch des besonderen Engagements der überwiegend jungen und sehr motivierten Betreuer angesehen.

Wie entscheidend das Management die Leistungen beeinflußt, beweist die Erfahrung von MARWICK (1995), welcher durch die Einrichtung eines überdachten Bedeckungszentrums die hitzebedingten Befruchtungsstörungen soweit mindern konnte, daß die Trächtigkeitsrate von 70 auf 82 % gesteigert und die Anzahl lebend geborener Ferkel pro Wurf erhöht werden konnte.

Insgesamt wird bestätigt, daß die Leistung durch sehr viele andere Faktoren wesentlich stärker beeinflußt werden kann, als durch das Haltungssystem, in der Freilandhaltung aber auf jeden Fall gleiche Sauenleistungen erreicht werden können, wie bei Stallhaltung.

Dagegen liegen die Mastleistungen im Freiland, bedingt durch die schwankenden Außentemperaturen z.T. deutlich niedriger als im Stall. Während durchaus ähnliche Zunahmen erreicht werden, sind Futterverbrauch und Rückenspeckdicke meist erheblich höher. Da bei der Mast die Unterschiede bei den Investitionskosten nicht so ausgeprägt sind wie bei der Sauenhaltung, gibt es nur wenige Betriebe, welche auch im Freiland mästen.


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Tab. 4: Vergleich von Sauenleistungen in Stall- und Freilandhaltung

 

Freilandhaltung

versch. Betriebe

in GB, FR u. DE

Ferkelerzeuger in Bayern

dänische Ferkelerzeuger (1994)

 

 

beste 25 %

Durchschnitt

beste 25 %

Durchschnitt

Würfe/Sau u. Jahr

2,15 - 2,5

2,16

1,96

2,36

2,27

g.g. F./ Sau u. Jahr

23,3 - 24,3

22,3

19,3

 

 

aufg. F./ Sau u. Jahr

17 - 24

20,7

17,7

24,20

21,60

Ferkelverluste

10,6 - 25

7,5

8,2

8,60

11,00

Quellen: Katzenberger u. Durst, 1993; Annual Report, 1995; Mortensen u.a., 1994; Franke u. Spitschak, 1994

Tab. 5: Vergleich von Mastergebnissen in Stall- und Freilandhaltung

 

Freilandhaltung

Stallhaltung

 

England

(1990)

Frankreich

(1989)

Dänemark

(1994)

Dänemark ('94)

beste 25 %

England ('90)

bestes Drittel

tägliche Zunahmen in g

592

778,00

728-802

795,00

588,00

Futterverwertung

kg Futter/ kg Zunahme

2,28

3,19

 

2,72

2,16

Magerfleischanteil in %

 

 

51,3-56,4

59,80

 

Quellen: Jensen u.a., 1994; Annual Report, 1995; Morrison, 1990; Hörning, 1993

2.5.6. Arbeitszeitbedarf und Arbeitsbedingungen in der Freilandhaltung

Auf Grund der in Europa allgemein sehr hohen Kosten für Arbeit ist der Arbeitszeitbedarf eines der wichtigsten wirtschaftlichen Kriterien eines Haltungssystems.

In der Literatur gibt es sowohl für die Stall- als auch für die Freilandhaltung die verschiedensten Angaben über den Arbeitszeitbedarf je Zuchtsau und Jahr.

Tab. 6: Vergleich des Arbeitszeitbedarfes

Quelle/ Autoren

Jahr

Anzahl

Sauen

Freilandhaltung

Akh/ Sau u. Jahr

Stallhaltung

Akh/ Sau u. Jahr

 

 

 

 

Festmist

Flüssigmist

Berichte aus Verden

1990

über 40

 

29-36

23-28

KTBL

1992

ca. 100

 

18-20

dlz

1991

60,00

 

34

23

dlz

1991

120,00

 

20

17

Thornton

1990

ca. 107

 

25

Thornton

1990

130-140

18-20

 

 

Durst/ Willeke

1994

60,00

22,3

 

 

Durst/ Willeke

1994

105,00

19,5

 

 

Oldigs/ Ernst

1991

 

20

 

 


29

Ebenso wie in der Stallhaltung ist der Arbeitsaufwand auch in der Freilandhaltung neben der Herdengröße stark von Management und speziellem Haltungssystem abhängig, was zu großen Variationen zwischen den Betrieben führen kann. In der Freilandhaltung beeinflussen im wesentlichen folgende Faktoren den Arbeitszeitbedarf:

In der Freilandhaltung fallen z.T. Arbeiten an, welche in der Stallhaltung nicht nötig sind, z.B.

Andererseits fallen aber auch ganze Arbeitsgänge weg, z.B. das Entmisten oder das Desinfizieren der Stallplätze.

Nach THORNTON (1988) kann unter optimalen Bedingungen im Radialsystem (spezieller Gehegeaufbau kreisförmig um ein zentrales Rondell herum, in welchem alle Tierbehandlungen und Umgruppierungen durchgeführt werden können) eine Arbeitskraft mit einer gelegentlichen Hilfskraft 250 Sauen versorgen. Der Aufbau eines durch kurze Wegezeiten sehr arbeitszeitsparenden Radialsystems ist aber nicht auf jedem Feld möglich.

Die Arbeitsbedingungen der Freilandhalter unterscheiden sich in einigen Punkten sehr stark von denen der Stallhalter. Der Freilandhalter muß auch bei ungünstigsten Witterungsverhältnissen seinen Aufgaben nachkommen. Es erfordert weit mehr Engagement und auch Improvisationsvermögen als im Stall, den Tieren zu jeder Zeit ausreichend Futter und Wasser sowie eine trockene und zugfreie Hütte und gegebenenfalls Abkühlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem ist die Qualität des Arbeitsplatzes nicht unbedingt schlechter zu beurteilen, z.B. haben Freilandhalter nicht mit solchen Gesundheitsproblemen wie ihre Kollegen im Stall zu kämpfen. So leiden z.B. annähernd 50 % aller Schweinehalter in Dänemark an Atemwegsbeschwerden, Untersuchungen aus den USA belegen noch weit höhere Zahlen (GES. F. NAT. SCHWEINEHALTUNG, 1993).

Bei der Arbeitszeitanalyse wird unterschieden zwischen täglich anfallenden Routinearbeiten wie Füttern und Tränken und den sogenannten Sonderarbeiten, d.h. allen zyklisch oder nur ab und zu anfallenden, sowie sonstigen außergewöhnlichen Tätigkeiten (HAIDN, 1992).


30

2.6. Umweltbelastung durch Freilandschweinehaltung

Richtig eingesetzt dienen alle organischen Dünger, also Gülle, Jauche und Stallmist der Verbesserung des Bodens und ermöglichen eine Einsparung von Mineraldünger.

Praktisch kann sich ihre Wirkung aber bei überhöhtem und unsachgemäßem Einsatz in das Gegenteil verkehren.

Bei der Diskussion über die Boden- und Gewässerbelastung durch überhöhten Nährstoffeintrag spielen bei der Schweinehaltung vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium eine Rolle.

Eine Umweltbelastung durch landwirtschaftliche Düngung erfolgt sowohl durch Eintrag überhöhter Nährstoffmengen in Grund- und Oberflächengewässer, als auch durch Emissionen in die Luft.

2.6.1. Nährstoffanfall in der Schweinehaltung

2.6.1.1. Phosphor und Kalium

Phosphor im Boden entstammt sowohl aus der Verwitterung von Gestein als auch aus dem Dungeintrag durch Pflanzen und Tiere. Im Oberboden ist der P-Gehalt infolge von Anreicherung höher als im Unterboden. Eine P-Verlagerung findet allgemein nur bis zu einer Bodentiefe von 40-60 cm statt, Auswaschung aus dem Wurzelraum erfolgt nur in sehr geringen Mengen. Wenn aber ein hoher P-Anteil der Bodenlösung in organischer Bindung vorliegt, wie das z.B. bei hohen Gülle- oder Abwassergaben der Fall ist, und bei hoher Sickerwassermenge, kann, besonders auf Sandböden, die Verlagerung wesentlich höher sein. P- Verluste entstehen ansonsten hauptsächlich durch oberflächigen Abtrag bei Wind- oder Wassererosion, wodurch auch der Haupteintrag in Oberflächengewässer erfolgt.

Der P-Eintrag durch tierische Ausscheidungen wurde für 1985 auf ca. 11 % der gesamten P- Einträge geschätzt, den größten Anteil hatte der P-Eintrag aus Haushalten (SCHEFFER/ SCHACHTSCHABEL, 1992). Diese Phosphatzufuhr führt zur Eutrophierung der Gewässer.

Kalium ist in Gesteinen häufig zu einem hohen Anteil enthalten und weist von allen Nährstoffen in der Regel den höchsten Gehalt in den Pflanzen auf. Der Gehalt der Ackerböden an austauschbarem und damit pflanzenverfügbarem Kalium ist entscheidend von Bodenart, Klima und K-Eintrag abhängig und schwankt daher in weiten Bereichen. Bei hoher K- Düngung kann besonders auf tonarmen Sandböden eine erhebliche Auswaschung stattfinden. Eine stark überhöhte Kaliumversorgung kann auf Grünland Magnesium- und auch Kalziummangel auslösen und wird auf sorbtionsschwächeren Standorten häufig in Verbindung mit Salzschäden genannt (VETTER/ STEFFENS, 1986). Die Ausnutzung des im organischen Dünger enthaltenen Kaliums erfolgt zu etwa 50-60 % und liegt damit ähnlich hoch wie bei Mineraldünger (FINCK, 1991).

Sowohl bei Phosphor als auch bei Kalium ist wegen der relativ hohen Schwankungen der Bodenwerte eine Bilanzierung der Gehalte im Boden nur in längeren Zeitabschnitten sinnvoll (SCHEFFER/ SCHACHTSCHABEL, 1992).

2.6.1.2. Stickstoff

Stickstoff nimmt unter den Nährstoffen eine besondere Rolle ein. Während der N-Gehalt der Ausgangsgesteine sehr gering ist, ist der N-Bedarf der Pflanzen im Vergleich zu anderen Nährstoffen am höchsten. Einerseits bestimmt Stickstoff am stärksten den Ertrag, andererseits


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ist er auch entscheidend an der Eutrophierung der Oberflächengewässer und der Verunreinigung des Grundwassers beteiligt (SCHEFFER; SCHACHTSCHABEL, 1992).

Der größte Teil des Stickstoffes in Oberböden liegt organisch gebunden vor. Anorganisch gebunden und damit pflanzenverfügbar ist der Stickstoff meist in Form von Nitrat und in geringeren Mengen in Form von Ammonium.

Zusätzlich zur landwirtschaftlichen Düngung gelangen auch über die Niederschläge teilweise erhebliche Mengen von ca. 5-30 kg N je ha und Jahr in den Boden.

N-Verluste entstehen hauptsächlich durch Wasser- und Winderosion, Ammoniakemission, Denitrifikation und Auswaschung.

Der Stickstoff unterliegt im Boden infolge von ständigen Mineralisierungs- und Immobilisierungsprozessen einem kontinuierlichen Kreislauf zwischen organischen und anorganischen N-Verbindungen.

Mineralisierung (Mobilisierung): mikrobielle Umwandlung von organisch gebundenem N in Ammonium.

Die Mineralisierung erhöht sich, wenn sich feuchte und trockene Phasen abwechseln. Nahe dem Gefrierpunkt ist sie relativ gering, steigt mit zunehmenden Temperaturen und hat ihr Optimum bei ca. 50° C und darüber (SCHEFFER; SCHACHTSCHABEL, 1992).

Nitrifikation: mikrobielle Umwandlung von Ammonium zu Nitrit und anschließend Nitrat.

Die Nitrifikation verläuft am schnellsten bei 25 - 30 ° C, findet aber verzögert auch bei 0 - 2 ° C noch statt. Da die Nitrifikation schneller verläuft als die Mineralisation, wird Ammonium in Böden der temperierten Klimate unter aeroben Verhältnissen nicht angereichert.

Wirtschaftsdünger aus der Viehhaltung enthalten praktisch kein Nitrat. Das Nitrat entsteht erst im Boden, ist sehr leicht löslich und kann daher besonders schnell ausgewaschen werden. Die Stickstoffauswaschung findet hauptsächlich in den Herbst- und Wintermonaten statt, da das im Spätherbst mineralisierte und nitrifizierte N dann kaum noch von Pflanzen aufgenommen werden kann. Je länger die Bracheperiode und je höher der N-Eintrag desto höher ist die Auswaschungsgefahr.

Abgesehen von dem Beitrag zur Eutrophierung der Gewässer sind erhöhte Nitratkonzentrationen im Trinkwasser gesundheitsgefährdend, da das Umwandlungsprodukt Nitrit bei Säuglingen Blaussucht auslösen kann und zudem im Verdacht steht, krebserregende Nitrosamine im Verdauungstrakt des Menschen zu bilden. Deshalb wurde bei der Novellierung der Trinkwasserverordnung von 1986 der Grenzwert von Nitrat im Trinkwasser von 90 mg/ l auf 50 mg/ l herabgesetzt, wobei allerdings der empfohlene Richtwert bei 25 mg/ l liegt.

Bundesweit dürften etwa 5 % des zur Trinkwassernutzung geförderten Grund- und Quellwassers diese 50 mg- Grenze überschreiten. Der Anteil der Landwirtschaft an diesen Stickstoffeinträgen in die Gewässer wird auf ca. 40-50 % geschätzt. Der rechnerische Überschuß an Stickstoff, welcher nicht mehr von den Pflanzen verwertbar ist, betrug 1989 ca. 100 kg / ha landwirtschaftlicher Nutzfläche (CONRAD, 1989).

Denitrifikation: Teile des entstehenden Nitrats werden von Bodenmikroben als Sauerstoffquelle genutzt. Als gasförmige Nebenprodukte dieser Reduktion von Nitrat entstehen nacheinander NO, N2O (Lachgas) und schließlich N2, welche in die Luft entweichen. Die biologische Denitrifikation kann bei hoher Wassersättigung der Böden ein stärkeres Ausmaß annehmen. Sie beginnt bei ca. 5 ° C und steigt mit zunehmender Temperatur (SCHEFFER; SCHACHTSCHABEL, 1992).

Ammonium-Fixierung: durch Tonminerale im Boden kann Ammonium fixiert werden und wird dann erst allmählich wieder freigesetzt

Schweinekot enthält hauptsächlich organisch gebundenen und nur 10 % wasserlöslichen N. Der überwiegende Teil des Stickstoffes wird mit dem Harn (als Harnstoff und Harnsäure, also in wasserlöslicher Form) ausgeschieden. Rund die Hälfte der tierischen N-Ausscheidungen erfolgt


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also in löslicher Form und gelangt entweder als Ammonium-N in den Boden und unterliegt dort den beschriebenen Umsetzungsprozessen, oder entweicht als Ammoniak, welcher durch mikrobielle Ureasetätigkeit sehr schnell aus den löslichen N-Verbindungen entsteht.

Ammoniak ist leicht flüchtig, wird in der Luft bis zu 100 km weit verweht und gelangt über den Niederschlag in den Boden. Im Boden führt dieser N-Eintrag zu einer verstärkten Nitrifikation von NHx und die dabei freigesetzten H+-Ionen tragen zur Versauerung des Bodens bei (FRICK, 1994).

Nach FRICK (1994) sind die N-Verluste durch Ammoniakverflüchtigung deutlich größer, als jene durch Nitratauswaschung. Über 80 % der Ammoniakemissionen in die Atmosphäre stammen aus der Landwirtschaft. Bei der Ausbringung wirtschaftseigener Dünger können je nach Witterung und Ausbringungsart 30-90 % des ausgebrachten Ammonium-N verlorengehen. Besonders hohe Verluste entstehen bei heißer, windiger Witterung, wenn der Dung auf Böden mit schlechtem Einsickerungsvermögen aufgebracht und nicht sofort eingearbeitet wird.

Die Düngeverordnung vom 26.1.1996 setzt die EG- Nitratrichtlinie im Bereich der Düngung um und schafft die Voraussetzungen für eine bundeseinheitliche Düngeregelung.

Generell gelten seit dem 1.7.1997 für die Ausbringung jeglicher Art von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft im Betriebsdurchschnitt folgende Obergrenzen an Gesamt-Stickstoff je Jahr: auf Grünland 210 kg/ ha und auf Ackerland 170 kg/ ha.

Abb. 15: N-Kreislauf unter Freilandhaltung (frei nach: Bundesmin. f. Land- u. Forstwirtsch. Wien, 1991)


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Tab. 7: Menge an Kot-Harn-Gemisch je Tier und Tag

 

Quelle

Kottrocken-

masse in %

Anfall in kg

je Tier u. Tg.

Anfall in t (m3)

je Tier u. Jahr

Saugferkel 1-7 kg

Franz/ Tack

9,40

0,70

0,26

Absetzferkel bis 35 kg

Franz/ Tack

7,80

2,60

0,95

Ferkel

Boxberger u.a.

10,00

 

0,70

tragende Sauen

Franz/ Tack

9,30

7,60

2,77

Zuchtsau

Boxberger u.a.

10,00

 

2,50

säugende Sauen u. Eber

Franz/ Tack

9,40

9,80

3,58

Zuchtsau mit 19 Ferkeln

Boxberger u.a.

10,00

 

4,70

Mastschwein 35-120 kg

Boxberger u.a.

10,00

 

1,80

Mastschweine bis 120 kg

Franz/ Tack

9,50

5,60

2,04

Tab. 8: Nährstoffanfall (Gülle, 10 % TS) bei der Schweinehaltung

Mengenanfall

Nährstoffgehalte

in kg / m3

Durchschn. Anfall

in kg je Tier u. Jahr

 

 

N ges

P2O2

K2O

N ges

P2O2

K2O

Zuchtsauen (incl. Ferkel)

4 m3 /Sau /Jahr

7,50

4,50

4,00

31,00

23,00

21,00

Mastschweine

(Getreidemast)

0,55 m3/ MS u. Mast-

periode (120 Tage)

8,00

5,00

4,00

11,00

7,00

6,00

Quelle: Steffens u. Vetter, (1990); Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft Wien (1991)

Nach VERSTEGEN (1993) fallen pro Sau mit 19,6 (bis zu einem Gewicht von 25 kg aufgezogenen) Ferkeln 33,4 kg Stickstoff und 7,9 kg Phosphor jährlich an. Nur auf tragende Sauen bezogen würden rein rechnerisch bei einem Mengenanfall an Kot-Harn-Gemisch von ca. 2,77 t (bzw. m3) mit 10 % TS je Sau und Jahr und einem ungefähren N-Gehalt von Sauengülle von 7,5 kg N / m3, eine N-Menge von ca. 20-22 kg anfallen.

Von den mit den Futterpflanzen aufgenommenen Nährstoffen gelangt der überwiegende Teil mit den Ausscheidungen wieder in den Boden. Während des Wachstums setzen Schweine nicht mehr als 30 % des aufgenommenen Futterstickstoffes in Fleisch um, ca. 70-80 % werden über Kot und Harn wieder ausgeschieden (VETTER/ STEFFENS, 1986).

Bei Phosphat beträgt die Ausscheidungsrate ca. 80 %, bei Kali ca. 90 bis 95 % (GISIGER, 1966). Während Kali überwiegend im Harn enthalten ist, wird Phosphat fast zu 100 % mit dem Kot ausgeschieden (VETTER/ STEFFENS, 1986). Schweinedung ist besonders phosphatreich, während eine Anreicherung von Kali im Boden eher bei überhöhten Rindergüllegaben zu erwarten ist.

Die Höhe des Nährstoffanfalles kann jedoch über die Fütterung beeinflußt werden. Durch folgende Maßnahmen kann der Nährstoffgehalt des Dunges entscheidend minimiert werden:


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2.6.2. Einbindung der Freilandhaltung in die Fruchtfolge

2.6.2.1. Besonderheiten der Freilandhaltung von Schweinen

Üblicherweise erfolgt die Freilandhaltung landwirtschaftlicher Nutztiere auf Weideflächen, wobei der Aufwuchs als Futter genutzt wird.

Auch einige Schweinehalter nutzen Weiden als Auslaufflächen besonders für tragende Sauen, welche dann auch einen Teil ihres Nährstoffbedarfes durch Grünfutter decken.

Bei der üblichen Form der ganzjährigen Freilandhaltung ist jedoch eine Aufwuchsnutzung nicht eingeplant. Ohne spezielle Vorkehrungen - wie z.B. nur stundenweise Nutzung, extrem niedrige Belegungsdichte oder das Einziehen von Rüsselringen - fällt jeder Bewuchs innerhalb weniger Wochen der Wühltätigkeit der Schweine zum Opfer.

Damit wirft die Freilandhaltung von Schweinen ein spezielles Problem auf - während üblicherweise der anfallende Dung von einer dichten Grasnarbe aufgenommen und verwertet wird, fehlt in Schweinegehegen im allgemeinen der Aufwuchs und damit der Nährstoffentzug. Eine Nutzung des während der Belegungszeit angefallenen Dungs erfolgt erst durch die in den meisten Freilandhaltungsbetrieben übliche Einbindung der Schweine in die Fruchtfolge. Typisch ist eine Fruchtfolgeeinbindung mit

einem Nutzungsabstand der Flächen von drei bis fünf Jahren (OLDIGS und ERNST, 1991). Nach einer Belegungsdauer von ein bis zwei Jahren wird die Fläche in England dann zunächst mit Winterweizen oder Kartoffeln, (THORNTON,1988) in Deutschland häufig auch mit Winterroggen bebaut. Ein Vorteil dieser Fruchtfolge besteht u.a. in der Mineraldüngerersparnis (THORNTON, 1988), und zum anderen in der Unterbrechung der Infektionskette mit Parasiten. Landwirte, welche dieses System anwenden, meinen, daß die nachfolgende Ernte besser sei, als nach Einsatz von mineralischem Dünger (ROACH, 1981).

Allerdings ist eine bedarfsgerechte Düngung durch wirtschaftseigene Dünger an sich schon sehr schwierig. Auf Grund der starken Abhängigkeit der Höhe der N-Verluste und des Mineralisierungsprozesses von Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen ist die Wirksamkeit des Wirtschaftsdüngerstickstoffes nach SCHERER u.a. (1988) im allgemeinen geringer und der Wirkungsverlauf anders als bei mineralischem Stickstoff.

Die Nährstoffausnutzung unterliegt starken Schwankungen und liegt im Durchschnitt bei nur 50 %, weshalb für eine größere Sicherheit empfohlen wird, mindestens 30 % des N über Mineraldüngung zuzusetzen (STURM u.a., 1994).

Umso komplizierter dürfte es demzufolge sein, durch den über einen langen Zeitraum unregelmäßig auf der Fläche abgesetzten Dung bei Freilandhaltung eine optimale Düngung zu erzielen.

2.6.2.2. Abkotverhalten von Schweinen

Einen entscheidenden Faktor für die möglichst vollständige Nutzung der eingetragenen Nährstoffe durch nachfolgenden Ackerfruchtanbau stellt die Verteilung des Dungs auf der Fläche dar. Günstig wäre eine gleichmäßige Verteilung der Nährstoffe, das Dungabsatzverhalten von Schweinen kann jedoch zu einer sehr ungleichmäßigen Verteilung führen.

Schweine empfinden eine angeborene Geruchs- und Berührungsabneigung gegen ihre Exkremente (WALTER u.a., 1994). Sofern ihnen die Gelegenheit hierzu gegeben wird, halten Schweine daher bereits als Ferkel eine strikte Trennung von Mist- und Liegeplätzen ein. Hierbei scheint es tendentiell wichtiger zu sein, außerhalb des Liegeplatzes zu koten, als dafür einen speziellen Platz aufzusuchen. Der Kotplatz der Sau wird von den Ferkeln übernommen


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(HÖRNING, 1993). Wildschweine koten normalerweise unmittelbar nach Verlassen der Ruhelager in deren Nähe auf bestimmten Plätzen.

Auch die Hausschweine im Freigehege begaben sich nach dem Aufstehen direkt zu in der Nähe der Nester gelegenen Kotplätzen zum Koten und Harnen. Der Abstand zu den Schlafnestern betrug im Durchschnitt 5 - 10 m, mindestens jedoch 3 m (STOLBA u. WOOD-GUSH, 1989). Nach dem morgendlichen Koten und Harnen verteilten sich die Schweine zur Nahrungssuche. Während der Freßperioden wurde auch Harnen beobachtet. Insgesamt koteten die Tiere tagsüber gern auf Wechseln, breiten Korridoren zwischen Gebüschen und am Waldrand (STOLBA u. WOOD-GUSH, 1989).

Über die Tatsache, ob Schweine ihre Reviergrenzen mit Kot markieren gibt es widersprüchliche Aussagen (HÖRNING, 1993).

Ein Erregungskoten und -harnen findet bei sozialen Ausseinandersetzungen und Streßsituationen statt.

Das Überschreiten einer einmal angelegten Kotstelle löst bei Wildschweinen immer wieder den Reiz zum Koten und Harnen aus (MEYNHARDT, 1982).

Abb. 16: Nach Aussage von Sambraus (1993) koten Schweine nie in die Suhle. Es gibt jedoch offensichtlich Ausnahmen.


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