Pfeiler, Ute: Ergebnisse von Untersuchungen zur Bodenbelastung bei der Freilandhaltung von Schweinen

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Kapitel 4. Beschreibung der Untersuchungsbetriebe

Die Untersuchungen wurden in drei Betrieben mit ganzjähriger Sauenfreilandhaltung durchgeführt.

Das sollte ermöglichen, die Bodenbelastung durch die Freilandhaltung in Abhängigkeit von unterschiedlichen Standorten und Bewirtschaftungsweisen zu erfassen.

Zusätzlich wurde auf dem Gelände der Versuchsstation der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Blumberg eine kleine Sauenhaltung aufgebaut, um in speziellen Versuchsanordnungen zusätzliche Daten zu gewinnen.

4.1. Betrieb A

4.1.1. Allgemeine Betriebsbeschreibung

Seit 1991 wird auf dem Betrieb Freilandschweinehaltung als alleiniger Wirtschaftszweig betrieben.

Auf dem Betrieb wurden im Untersuchungszeitraum zwischen 160-260 Sauen mit Nachzucht (Ferkel bis ca. 25 kg) gehalten, welche von zwei Arbeitskräften und einer gelegentlichen Hilfskraft betreut wurden.

Die Bewirtschaftung erfolgte intensiv, d.h., die Sauen und Ferkel wurden mit Mischfutter versorgt, das Absetzen erfolgte nach ca. 4 Wochen. Als Muttergrundlage dienten Hybridsauen (Landrasse x Duroc), welche z.T. im Deckzentrum auf dem Hof künstlich mit Pietrainsperma besamt, z.T. über natürlichen Deckakt durch Eber der Linie L 16 gedeckt wurden.

4.1.2. Standortgegebenheiten

Der Betrieb befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 11,7 °C, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge bei 639,4 mm (Angaben der Wetterstation Travemünde und Lübeck; siehe Anhang 2/ 3).

Vorherrschende Bodenarten sind Sande bis sandige Lehme bei einer durchschnittlichen Bodenpunktzahl von 20-55. Der Ah-Horizont (humushaltiger Oberboden) geht im Schnitt bis zu einer Tiefe von 30 cm.

Der pH-Wert der Böden liegt im leicht sauren Bereich zwischen 5 und 6,5.

Das zum Untersuchungszeitpunkt genutzte Gelände war flach bis leicht wellig. Ein etwas tiefer liegender kleiner Bach war durch eine Hecke und einige Meter Entfernung von den Gehegen getrennt, so daß kein oberflächiger Nährstoffeintrag zu erwarten war.

4.1.3. Flächenbewirtschaftung

Die Schweine wurden je nach zur Verfügung stehenden Feldern auf zeitweise bis zu vier verschiedenen Flächen in ein bis drei Kilometer Entfernung zum Hof gehalten.

Als Außenzäune dienten Netzknotengitter für Schafe, die Einzelgehege wurden durch einfache Drahtlitze unterteilt.

Die Flächennutzung erfolgte durch Dezentralgehege, tragende Sauen wurden in Gruppen, abferkelnde Sauen in Einzelgehegen gehalten.

Die Fütterung der tragenden Sauen erfolgte zunächst per Hand über Freßfanggitter, später als Bodenfütterung mit Hilfe eines Futterwagens mit Gebläse. Die säugenden Sauen wurden grundsätzlich per Hand aus selbstgebauten Trögen bzw. auf den Boden gefüttert.


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Die Besatzdichten lagen zu Beginn der Untersuchungen bei 50 säugenden und durchschnittlich 20 bis 25 tragenden Sauen je Hektar, später bei durchschnittlich 7 säugenden und 16-18 tragenden Sauen je Hektar. Im Laufe der Untersuchungen erfolgten drei Flächenwechsel, wobei eine Fläche jeweils ca. acht Monate bis ein Jahr lang genutzt wurde, einzelne Gehege z.T. nur vier Monate. Im Anschluß an die Sauenbelegung wurden die Flächen mit Winterroggen bebaut. Der Betrieb arbeitete mit einem Landwirt desselben Ortes zusammen, welcher die Flächen austauschweise ackerbaulich nutzte.

4.2. Betrieb B

4.2.1. Allgemeine Betriebsbeschreibung

Betrieb B ist eine Agrargenossenschaft, welche neben dem Ackerbau eine Schweinemastanlage betreibt, und Anfang 1994 in

Partnerschaft mit zwei Junglandwirten als zusätzlichen Betriebszweig eine Freilandsauenanlage aufbaute.

Im Untersuchungszeitraum wurden auf dem Betrieb zwischen 200 und 500 Sauen gehalten, welche von zwei Arbeitskräften und einer Teilzeitkraft betreut wurden.

Die Bewirtschaftung erfolgte intensiv, die Tiere wurden mit handelsüblichem Mischfutter versorgt, abgesetzt wurde nach ca. 3 Wochen. Die Hybridsauen englischer Herkunft wurden auf der Weide künstlich besamt.

Im September 1994 mußten alle Tiere auf Grund Aujezkischer Krankheit getötet werden. Im November desselben Jahres wurde erneut mit der Sauenhaltung begonnen. Im September 1995 mußten wiederum alle Tiere, diesmal wegen Schweinepest getötet werden.

4.2.2. Standortgegebenheiten

Der Betrieb befindet sich in Brandenburg.

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt ca. 580 mm, bei einer relativ gleichmäßigen Verteilung über das ganze Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,2° C (siehe Anhang 4).

Der Boden besteht zum überwiegenden Teil aus lehmigen Sanden bei einer Bodenpunktzahl von durchschnittlich 34. Der Ah-Horizont geht bis zu einer Tiefe von 25-35 cm.

Der pH-Wert der Böden liegt im leicht sauren Bereich zwischen 5 und 6,5.

Das Gelände ist eben, Oberflächengewässer sind nicht in der Nähe.

4.2.3. Flächenbewirtschaftung

Die Haltung der tragenden Sauen erfolgte in einem Radialsystem, die säugenden Sauen wurden in rechteckigen Gruppengehegen gehalten.

Die Anlage war von einem stabilen Außenzaun umgeben. Die Gehege im Inneren wurden durch einfache Drahtlitze unterteilt.

Bei den tragenden Sauen erfolgte eine Bodenfütterung über einen Futterwagen mit Gebläse, die säugenden Sauen wurden durch Futterautomaten versorgt.

Die Besatzdichten lagen bei durchschnittlich 15-16 tragenden und 12 säugenden Sauen je Hektar. Ursprünglich sollten die zuvor z.T. ackerbaulich und z.T. als Grünland genutzten Flächen über einen Zeitraum von zwei Jahren genutzt werden. Die erste untersuchte Fläche wurde über den Zeitraum eines halben Jahres genutzt und anschließend mit Roggen bebaut. Die zweite zur Sauenhaltung genutzte Fläche wurde über einen Zeitraum von 11 Monaten genutzt. Die durchschnittlichen Besatzdichten lagen bei 15-18 tragenden und 12 säugenden Sauen je Hektar.


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4.3. Betrieb C

4.3.1. Allgemeine Betriebsbeschreibung

Betrieb C ist ein ökologisch wirtschaftender Betrieb, welcher neben Ackerbau, Rinder-, Schaf- und Geflügelhaltung auch Schweinehaltung im geschlossenen System mit Direktfleischvermarktung betreibt.

Ein Teil der Schweine wurde zwischen 1992 und 1994 im Freiland gehalten.

Die Bewirtschaftung erfolgte extensiv, die Schweine wurden in der Hauptsache mit wirtschafteigenem Futter versorgt und die Säugezeit betrug mindestens 7 Wochen. Es wurden Tiere der Rasse Angler Sattelschwein gehalten, welche durch einen betriebseigenen Eber gedeckt wurden.

Seit August 1994 mußten die Tiere auf Anordnung des Amtstierarztes bis zur Erstellung eines wildschweinesicheren Zaunes im Stall gehalten werden.

4.3.2. Standortgegebenheiten

Der Betrieb befindet sich in Brandenburg in einem Landschaftsschutzgebiet.

Der Boden setzt sich aus lehmigen Sanden und sandigen Lehmen zusammen. Im B-Horizont befinden sich häufig schmale Lehmbänder. In der Senke erstreckt sich der Ah-Horizont, welcher im Durchschnitt 30 - 40 cm dick ist, bis in 90 cm Tiefe.

Der pH-Wert der Böden liegt im neutralen bis leicht sauren Bereich zwischen 6 und 7.

Das für die Schweinehaltung genutzte Gelände ist leicht hügelig, ein Oberflächengewässer befindet sich nicht in der Nähe.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt, bei relativ gleichmäßiger Verteilung über das ganze Jahr, 532 mm. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 12,6 °C (Werte der Wetterstation Angermünde; siehe Anhang 5).

4.3.3. Bewirtschaftung

Die 20 Muttersauen des Betriebes mit ihrer Nachzucht wurden seit 1992 auf einer fest eingezäunte Fläche von 3,5 Hektar Größe gehalten, was einer Besatzdichte von ungefähr 6 Sauen je Hektar entspricht. Diese Fläche wurde bis zum August 1994 genutzt.

Das Gehege war mit einem festen Außenzaun aus Holz und Maschendraht umgeben, ein Elektrozaun wurde nicht genutzt.

Futter- und Wasserversorgung erfolgte über Großtröge, welche täglich manuell befüllt wurden.

Nach einjähriger Nutzung wurde die Futterstelle an einen anderen Platz verlegt.

Im Anschluß an die Schweinehaltung wurde die Fläche gegrubbert und gelegentlich zur Schafhaltung genutzt. Während des gesamten Zeitraums war ein lichter Wildaufwuchs vorhanden.


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4.4. Versuchsstation in Blumberg

4.4.1. Allgemeine Versuchsanordnung

Der Intensivversuch in Blumberg diente dazu, Erfahrungen über praktische Probleme einer Freilandhaltung zu gewinnen, sowie einige detailliertere Untersuchungen durchzuführen, welche in den Praxisbetrieben nicht möglich gewesen wären.

Vom März 1994 an wurden auf der Station 3 Sauen mit Nachzucht gehalten, seit März 1995 wurde der Bestand auf 10 Sauen und 2 Eber erhöht. Die Haltung erfolgte in Dezentralgehegen.

Die Ferkel wurden entsprechend den laufenden Untersuchungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgesetzt und anschließend entweder verkauft oder im Freiland gemästet.

Gefüttert wurde mit handelsüblichem Mischfutter.

4.4.2. Standortgegebenheiten

Die Versuchsstation befindet sich in Brandenburg, nordöstlich von Berlin.

Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 572,4 mm, bei relativ gleichmäßiger Verteilung über das Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt im langjährigen Mittel 8,5 °C (Angaben der Wetterstation Blumberg; siehe Anhang 6/ 7).

Der Boden besteht aus lehmigen Sanden bis sandigen Lehmen, größtenteils ist hier Salmtieflehm-Fahlerde, z.T. auch Sand-Braunerde zu finden. Die Bodenpunktzahl liegt zwischen 26 und 30.

Der Ah- Horizont ist im Durchschnitt 30 cm dick.

Der ph-Wert des Bodens liegt im leicht sauren Bereich zwischen 4,5 und 6,5.

4.4.3. Flächennutzung

Für die Schweinehaltung wurde eine ca. 4 Hektar große Grünlandfläche gewählt.

Die Sauen wurden in Gehegen mit einer durchschnittlichen Besatzdichte von 12 Sauen je Hektar und Jahr gehalten. Die Gehegeflächen wurden im Schnitt jedes halbe Jahr gewechselt und im Anschluß an die Belegung auf unterschiedliche Art ackerbaulich genutzt.

4.4.4. Verwendete Rassen

Für den Versuch wurden drei tragende Hybridsauen (Newsham, mit Durocanteilen) aus einem Freilandbetrieb zugekauft.

Vaterrasse des ersten Mastdurchganges war ein Hampshire x Pietrain-Eber der Linie L 16.

In Blumberg wurden die Sauen mit Sperma eines Durocebers künstlich besamt.

Die Mastschweine der folgenden zwei Durchgänge waren Kreuzungen mit mindestens 50 % Durocanteil.

Aus diesen beiden Durchgängen wurden insgesamt 14 Tiere zur Nachzucht ausgewählt, wovon später 9 Jungsauen und ein Jungeber zur Zucht eingesetzt wurden. Diese Nachzuchttiere haben einen mindestens 50-63 %igen Durocanteil.

Im März 1995 wurde ein Duroceber zugekauft. Ab diesem Zeitpunkt wurde der natürliche Deckakt genutzt.

Ab November 1995 wurde eine Herde von 12, später 10 Sauen in Blumberg gehalten.

Die folgenden Mastschweine hatten einen Durocanteil von mindestens 75 %.


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