Pfeiler, Ute: Ergebnisse von Untersuchungen zur Bodenbelastung bei der Freilandhaltung von Schweinen

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Kapitel 6. Abschließende Diskussion und Schlußfolgerungen

Folgende Punkte wurden als entscheidend für eine umweltverträgliche Gestaltung der Freilandhaltung betrachtet:

  1. Höhe des Dungeintrages
  2. Verteilung des Dungeintrages
  3. Vermeidung bzw. Minimierung der Auswaschung

1. N-Eintragsmengen

Obwohl bei der allmählichen Anreicherung von Dung durch die Freilandhaltung etwas andere Prozesse ablaufen, als bei einmaliger Ausbringung großer Mengen von Dung, sollten die in der neuen Düngeverordnung definierte Höchstmengen des Stickstoffeintrages von durchschnittlich 170 kg/ ha als Orientierung für die Besatzdichten dienen. Im Bewertungsrahmen für die Freilandhaltung vom Landwirtschaftsministerium Brandenburg wird eine sinngemäße Beachtung der Düngeverordnung gefordert. Auf Grünland können demzufolge maximal 210 kg N/ ha eingetragen werden, was aber für die wenigsten Betriebe zutreffen dürfte, da der Erhalt einer Grasnarbe unter Schweinen kaum möglich ist und in den meisten Betrieben eine Integration der Freilandhaltung in die Fruchtfolge erfolgt, weshalb meist gar keine geschlossene Vegetationsdecke zu Beginn der Belegung vorhanden ist.

Es steht also die Frage, welche Besatzdichten in Abhängigkeit von der Belegungsdauer gewählt werden sollten, um diese Grenzen nicht zu überschreiten.

Auf Grund der vielen Einflußfaktoren auf gasförmige Verluste, Umsetzungs- und Verlagerungsprozesse sowie der ungleichmäßigen Verteilung des Dungeintrages innerhalb der Gehege ist eine Messung des gesamten N-Eintrages in eine Gehegefläche durch Bodenproben kaum möglich.

Selbst intensive Rasterbeprobungen einer Fläche, wie von LEHMANN und SELIGER (1995) und auch eigene (siehe 5.1.3.2.) schließen diese Fehlerquellen nicht aus.

Die Berechnung eines Durchschnittswertes für den ungefähren Nmin-Gehalt der Gesamtfläche auf Basis des prozentualen Anteils der unterschiedlich stark belasteten Gehegebereiche kann daher selbst auf diesen Flächen nicht mehr als einen sehr groben Schätzwert darstellen.

Die gewonnenen Daten aus den Bodenuntersuchungen können aber als Entscheidungshilfen für die Wahl der geeigneten Besatzdichten herangezogen werden.

Aus den unter verschiedensten Bedingungen durchgeführten Messungen geht hervor, daß die derzeit in den meisten Betrieben praktizierten Belegungsdichten von im Jahresdurchschnitt 15-25 tragenden und 12-16 säugenden Sauen je Hektar zu zum Teil stark überhöhten Stickstoffeinträgen und damit zu verstärkten Auswaschungen von Nitrat führen können.

Nach einem halben Jahr Belegung war zumindest in Teilbereichen der untersuchten Gehege der nach der Düngeverordnung zulässige maximale N-Eintrag von durchschnittlich 170 kg/ ha erreicht bzw. überschritten.

Für die zur Orientierung notwendige genauere Abschätzung der Eintragsmengen ist eine Berechnung auf Basis der aus der Literatur bekannten, unter Laborbedingungen gemessenen N-Ausscheidungsmengen der Schweine verschiedener Haltungsstufen geeigneter (siehe Literaturteil 2.6.1.).

Rein rechnerisch ergibt sich bei einem Jahresanfall von 31 bzw. 33,4 kg N je Zuchtsau mit Ferkeln bei einer Belegungsdichte von 12 Sauen je Hektar, welche in den meisten Betrieben das Minimum darstellt, ein N-Eintrag von 396 kg je Jahr.

Demzufolge müßte die Belegungsdichte theoretisch im Betriebsdurchschnitt auf nur 5 bis 5,5 Sauen inklusive ihrer Nachzucht bis 25 kg oder ca. 15 Mastschweine je Hektar Ackerland oder ca. 6,5 Sauen je Hektar Grünland begrenzt werden.


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Praktisch sind diese Zahlen aber nur begrenzt aussagefähig und können so pauschal nicht angewandt werden, da:

Sofern die ausgeschiedenen Nährstoffe nicht auf irgendeine Art und Weise auf andere Flächen des Betriebes verteilt werden können, sollte sich der Viehbesatz bei ganzjähriger Freilandhaltung direkt an den belegten Flächen orientieren und nicht wie sonst üblich an der Gesamtbetriebsfläche und muß daher je nach Haltungsstufe konkretisiert werden, was z.B. auch heißt, daß Flächen mit tragenden Sauen durchaus dichter belegt werden können.

Basierend auf den Nährstoffausscheidungsmengen, den verschiedenen Einflußmöglichkeiten auf deren Höhe und den Untersuchungsergebnissen können für die Wahl der Besatzdichten folgende Empfehlungen gegeben werden:

In der Praxis sollte bei der Wahl der Besatzdichten eine gewisse Varianz möglich sein, um den speziellen Verhältnissen des jeweiligen Betriebes Rechnung tragen zu können.

So müssen einerseits die speziellen Standortbedingungen, d.h. Bodenverhältnisse, Vorbelastung der Fläche, N-Eintrag durch den Regen und aktuelle Witterungsverhältnisse, also die konkrete Verlagerungs- und Auswaschungsgefährdung berücksichtigt werden.

Andererseits spielen betriebliche Aspekte eine Rolle, wie z.B. die Art der Fütterung (ein- oder zweiphasig), mit welchem Alter die Ferkel abgesetzt und ob sie anschließend in den Stall gebracht oder im Freiland aufgezogen werden, wie lange die Vegetationsdecke erhalten werden konnte und außerdem Nährstoffaufnahmevermögen und Ertragserwartung der Folgefrucht.

Sehr günstig wäre es, durch gelegentliche Stichproben den Nmin-Gehalt des Boden zu überprüfen und Belegungsdauer und -dichte entsprechend anzupassen. Hierbei muß die langfristige Nachlieferung an Nmin berücksichtigt werden, da, wie in den Untersuchungen zu sehen ist, erhebliche Mengen in den Wochen nach Belegungsende mineralisiert werden.

Entscheidend für den Freilandhalter sind außerdem die auf die von ihm genutzten Flächen zutreffenden Regelungen, welche neben den Landesgesetzen, z.T. weitere Einschränkungen auf Grund von Wasserschutzzonen, Naturschutzgebieten o.a. beinhalten können (z.B. ist bis in Trinkwasserschutzzone III die Freilandhaltung von Schweinen im Winter nicht erlaubt).

In der allgemeinen Diskussion über die Umweltverträglichkeit der Freilandhaltung wird z.T. sehr einseitig nur eine strikte Verringerung der Besatzdichten gefordert.

Auf einem nur mit 6 Sauen inklusive Nachzucht je Hektar belegten Gehege war aber z.B. der größte Teil der Fläche so gering mit Nmin versorgt (unter 50 kg/ ha), daß im Falle einer anschließenden ackerbaulichen Nutzung eine Nachdüngung erforderlich gewesen wäre. Auf einer ca. 4000 m2 großen Teilfläche wurden andererseits solche Mengen an N eingetragen, daß damit gerechnet werden muß, daß es zu erheblichen Auswaschungen kam. Allein niedrige Besatzdichten bieten offensichtlich keine Garantie für eine umweltschonende Freilandhaltung.


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Es erscheint also im Interesse des Boden- und Grundwasserschutzes wesentlich zu sein, der Nährstoffverteilung auf der Fläche und der Verlagerungsgeschwindigkeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

2. Verteilung des N-Eintrages

Durch die große Anzahl der in verschiedensten Gehegen entnommenen Bodenproben war es möglich, deutliche Tendenzen der Abhängigkeit der Dungeintragsverteilung von Gehegegestaltung und Bewirtschaftung zu erkennen.

Beobachtungen und eigene Ergebnisse zeigten z.T. eine partiell um das mehrfache erhöhte Nährstoffkonzentration durch das verhaltensbedingt konzentrierte Absetzen von Kot und Harn an bestimmten Stellen des Geheges. Im ungünstigsten Fall konzentrieren sich auf nur 5 % der Fläche über 50 % des Dungeintrages. So ergaben z.B. die Untersuchungen von DEUTER (1997) selbst auf einer von den Sauen in ihren Tagesaktivitäten relativ gleichmäßig genutzten Kleinfläche eine Konzentration von fast 10 % des Kotabsatzes auf nur knapp 1,5 % der Fläche, während andererseits auf über 30 % der Fläche weniger als 1 % der Gesamtkotmenge abgesetzt wurden. Im selben

Testgehege wurden später Differenzen von über 1000 kg Nmin/ ha zwischen den verschiedenen Gehegestellen gefunden.

Demzufolge kann es trotz optimaler Belegungsdichte und -dauer und bei einem durchschnittlichen N-Eintrag im Bereich des üblichen Düngeniveaus zu grundwasserqualitätsgefährdenden punktuellen Auswaschungen kommen.

Hierbei ist allerdings zu beachten, daß die an einzelnen Stellen gemessenen, z.T. bedenklich hohen Nmin-Werte den hochgerechneten Nmin-Gehalt pro Hektar angeben, sich aber tatsächlich nur auf einige Quadratmeter des Geheges, nicht auf die Gesamtfläche beziehen.

So beträgt z.B. bei Meßwerten von 900 kg Nmin / ha auf 10 % eines einen Hektar großen Geheges der Nmin-Gehalt dieser 1000 m2 absolut gesehen 90 kg.

Wenn es also auf vereinzelten Teilstellen von Freilandgehegen zu solchen Extremwerten kommt, kann damit nicht eine generelle Umweltbelastung des Systems abgeleitet werden.

Ziel muß es jedoch sein, diese extremen Konzentrationen zu vermeiden, da in größeren Freilandhaltungen bei Summierung solcher Punkte dennoch bedenkliche Mengen an Nitrat ins Grundwasser gelangen könnten und sie sich außerdem negativ auf die nachfolgende ackerbauliche Nutzung der Fläche auswirken.

Von LEHMANN und SELIGER (1995) wurde eine Untersuchungsfläche nach der Häufigkeit des Kot- und Harnabsatzes in drei Eutrophierungszonen unterteilt. Das bezog sich allerdings auf eine relativ dicht belegte und insgesamt durch die Aktivität der Tiere noch relativ gleichmäßig ausgelastete Fläche. Erfolgt keine Rasterbeprobung, was bei der Vielzahl und der Größe der untersuchten Gehege nicht möglich war, ist eine Einteilung in Eutrophierungszonen an Hand der Nmin-Werte nicht möglich.

Auf Basis der eigenen Beobachtungen und Untersuchungen wurden die Gehege nach der Häufigkeit des Aufenthaltes, welche meist mit der Häufigkeit des Dungabsatzes korreliert, in Bereiche dreier unterschiedlicher Nutzungsintensitätsstufen unterteilt. Die Bereiche gleicher Nutzungsintensität bilden je nach Gehegegestaltung nicht unbedingt zusammenhängende Flächen, sondern können durchaus auf mehrere Stellen des Geheges aufgesplittet sein.

1. Hauptsächlich bzw. stark frequentierte Stellen

Dazu gehören der Umkreis von Futter- und Tränkstelle, die dem Betreuungsgang zugewandte Seite des Geheges, an welcher die Sauen sich in Erwartung der Fütterung häufig aufhalten, die Hüttenumgebung (hauptsächlich nur Urinabsatz), die Suhlennähe (im Sommer), Behandlungsplätze, die Kontaktstellen zu anderen Sauengruppen, besonders wenn dort Eber mitlaufen, sowie die kürzesten Verbindungswege zwischen den verschiedenen attraktiven


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Punkten. Diese Stellen sind meist als erste vegetationsfrei, weisen stärkere Verdichtungen und je nach Belegungsdichte und Witterung auch Verschlammungen auf. Hier wird der Hauptanteil von Kot und Harn abgesetzt, weshalb z.T. mit einer sehr hohen Nährstoffakkumulation gerechnet werden muß.

2. Durchschnittlich bzw. normal frequentierte Bereiche

Dies sind die an die Hauptaufenthaltsbereiche angrenzenden Flächen, je nach Größe der Gehege können hierzu auch der besonders großflächig und evtl. variabel angelegte Fütterungsbereich, die Verbindungswege zwischen den Attraktivpunkten und die Gehegegrenzen ebenso wie der weitere Umkreis von Futter- und Tränkstelle und die nähere Umgebung bevorzugter Liege- und Wühlplätze gehören. Kot- und Harnabsatz finden hier je nach Verweildauer ebenfalls häufig, aber nicht so konzentriert statt.

3. Wenig bis kaum frequentierte Bereiche

Dies sind die von allen wichtigen oder für die Tiere in irgendeiner Hinsicht interessanten Anlaufpunkten weit entfernten und daher kaum aufgesuchten und dementsprechend selten zum Koten oder Harnen genutzten Flächen. Die Vegetation bleibt meist erhalten und es findet maximal eine geringe Nährstoffanreicherung statt.

Es wurde festgestellt, daß die Nährstoffeintragsdifferenzen auf sehr großen Flächen (ein Hektar und größer) noch stärker ausgeprägt sind, besonders wenn sich hier aus arbeitswirtschaftlichen Gründen alle häufig frequentierten Punkte an einer Stelle des Geheges konzentrieren. Laktierende Sauen und frisch abgesetzte Ferkel haben einen eingeschränkteren Aktionsradius, weshalb in diesen Haltungsstufen bei größeren Gehegen ebenfalls mit stärkerer punktueller Konzentration der Nährstoffeinträge gerechnet werden muß.

In kleineren Gehegen überschneiden sich die Aktionskreise um die verschiedenen attraktiven Punkte meist, daher sind hier Zonen mit nur geringer Nährstoffanreicherung kaum bzw. garnicht zu finden.

Auf Basis der in den verschiedenen Untersuchungen festgestellten bevorzugten Nutzung bestimmter Stellen zum Kot-und Harnabsatz und deren Beeinflußbarkeit können folgende Empfehlungen zur Erreichung eines gleichmäßigeren N-Eintrages gegeben werden:

Das zwingt die Tiere auch im Winter, bei eingeschränktem Bewegungsbedürfnis, das gesamte Gehege auszunutzen, wodurch sich der Kot- und Harnabsatz gleichmäßiger verteilt.

Als gute Lösung erwies sich bei den Dezentralgehegen die Umstellung von der auf wenige Quadratmeter beschränkten Fütterung in Freßfanggittern auf eine großflächige Bodenfütterung abwechselnd von beiden Seiten des Geheges, welche beim ohnehin empfehlenswerten Vorhandensein von Betreuungswegen an mindestens zwei Seiten des Geheges auch keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet.

Dies kann arbeitswirtschaftlich und bei hohem Arbeits- und Kostenaufwand für den Außenzaun problematisch werden. Als Alternative wäre eine Portionierung der Großflächen, mit einfachen Litzenbändern möglich. Sichtbar stark belastete Stellen sollten zur Erholung eine Zeitlang abgesperrt werden, wobei zwischenzeitlich die Erneuerung eines N-bindenden Aufwuchses günstig ist.


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Abgesehen davon ist zu beachten, daß der Boden im vegetationsfreien Schweinegehege besonders erosionsgefährdet ist, mit dem Mutterboden wird auch der abgesetzte Dung in evtl. vorhandene Senken gespült, was dort zu überhöhten Nährstoffkonzentrationen führen kann.

Auch aus diesem Grund sollten ebene Flächen bevorzugt werden.

3. Auswaschungsgefahr

Beobachtungen nach dem Auftrieb von Schweinen auf eine langjährige Grünfläche zeigten, daß auch bei geringer Belegungsdichte ein vollständiger Erhalt des Aufwuchses kaum möglich ist. So wurden z.B. Einzelgehege von ca. 300 m2 von tragenden Sauen innerhalb von zwei Wochen nahezu vollständig umgegraben.

Es muß realistischerweise davon ausgegangen werden, daß bei der üblichen Form der Freilandhaltung die Gehege spätestens einige Wochen nach Belegungsbeginn nahezu vegetationsfrei sind.

Von diesem Zeitpunkt an steht dem Nährstoffeintrag durch Kot und Harn kein nennenswerter Nährstoffentzug gegenüber, wie dies z.B. auf Rinderweiden der Fall ist.

Der eingebrachte Stickstoff, abzüglich der gasförmigen N-Verluste und zuzüglich des N-Eintrages durch den Regen unterliegt den Umsetzungsprozessen im Boden und damit zunächst der Mineralisierung zu Nitrat und Ammonium. Abgesehen von den N-Verlusten durch Denitrifikation und der Immobilisierung des Ammoniums werden bei nicht stattfindendem N-Entzug sowohl das Nitrat und etwas langsamer auch das Ammonium allmählich in tiefere Bodenschichten verlagert, wo dann die Gefahr der Auswaschung besteht.

N-Verluste, Mineralisations- und Verlagerungsprozesse sind stark abhängig von Temperaturen, Niederschlag und Bodenverhältnissen.

Vom Spätherbst bis zum zeitigen Frühjahr ist die Auswaschungsgefahr wegen der höheren Bodenfeuchtigkeit und des geringen Nährstoffentzugs besonders hoch, vor allem in milden, feuchten Wintern, wenn die Mineralisierungsprozesse nicht durch Frost verlangsamt werden, und die Auswaschung durch viele Niederschläge beschleunigt wird. Außerdem sind bei solcher Witterung die gasförmigen N-Verluste niedriger als sonst.

Die untersuchten Betriebe hatten als Böden lehmige Sande bis sandige Lehme. Eine sichtbare Verlagerung des Nmin begann unter günstigen Witterungsverhältnissen (feucht und mild) schon nach ca. 3-4 Monaten. Nach ca. 1-1,5 Jahren durchgängiger Belegung oder zu langem Abstand zwischen Abtrieb der Schweine und dem Anbau einer zehrenden Folgefrucht war der größte Teil des Nmin entweder verloren oder tiefer als 90 cm verlagert und damit nur noch bedingt pflanzenverfügbar.

In allen Betrieben, in welchen einige Flächen im Anschluß an die Belegung noch bis ins nächste Frühjahr hinein beprobt wurden, waren, abgesehen von den offensichtlich noch zu hohen Besatzdichten, eindeutig nicht die richtigen Maßnahmen getroffen worden, um die durch die Sauen eingetragenen Nährstoffe pflanzenbaulich zu nutzen.

Abgesehen von dem entgangenen Nutzen für den nachfolgenden Ackerbau birgt bei solcher Bewirtschaftung die Freilandhaltung von Schweinen tatsächlich ein Gefährdungspotential für die Qualität des Grundwassers.

Die sicherste Methode Auswaschungen von Nährstoffen zu verhindern besteht sicherlich darin, die Ausläufe bzw. besonders belastete Teile der Ausläufe zu befestigen. Dies ist allerdings eine höchstens in kleinen Betrieben mögliche Variante und bei der eigentlichen Freilandhaltung arbeitswirtschaftlich und vom Materialaufwand her nicht umsetzbar.

Zur Vermeidung bzw. Verminderung der Nährstoffauswaschung können folgende Empfehlungen gegeben werden:


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Eine Belegungsdauer von über einem Jahr führt auf jeden Fall zu Auswaschungen, es sei denn, es findet ein Nährstoffentzug statt.

Auf Grund des großen Aufwandes für die Errichtung des Außenzaunes - spätestens nach Inkrafttreten der neuen Hygieneverordnung sind die bisher z.T. verwendeten Einfachlösungen nicht mehr zulässig - sollte die gesamte eingezäunte Fläche wenigstens ein Jahr lang genutzt werden können. Innerhalb dieser sollte aber die Belegung der einzelnen Gehege ca. drei Monate bis ein halbes Jahr (in von Abhängigkeit anstehenden Umtriebterminen und vom günstigsten Anbauzeitpunkt) dauern und anschließend beim Grubbern gleich eine N-zehrende Saat eingebracht werden.

Diese Variante ist für große Flächen ungeeignet, bietet aber z.B. für die kleinen Ausläufe der Läufer auch in größeren Betrieben eine durchaus praktikable und z.T. schon bewährte Lösung.

Der Mist wird anschließend auf anderen Flächen verteilt. Der Übergang zu diesem Verfahren bringt zwar durch das tägliche Einstreuen etwas Mehrarbeit, dies wird aber ausgeglichen, da die belegten Hütten nun nicht mehr ein- zweimal wöchentlich vorsichtig weitergezogen, sondern erst nach jedem Durchgang, also ca. alle 3-4 Wochen, versetzt werden müssen.

Da eine Auswaschungsgefahr in der Hauptsache auf vegetationsfreien Flächen besteht, ist eine andere Möglichkeit sie zu vermindern die Erhaltung eines N-aufnahmefähigen Bewuchses auf der Gehegefläche, was auch den zusätzlichen Vorteil hat, daß über den Aufwuchs ein Teil des Nährstoffbedarfes der Tiere gedeckt werden kann.

Bei der intensiven Wühltätigkeit der Schweine ist die Erhaltung einer intakten Grasnarbe aber selbst bei geringer Belegungsdichte nur möglich, wenn die Fläche lediglich stundenweise als Weide genutzt wird oder den Tieren Nasenringe bzw. Krampen eingezogen werden. Diese Nasenringe können allerdings, wenn sie ordentlich eingezogen wurden, d.h. die Wunde gut verheilt ist, auch nicht hundertprozentig die Wühltätigkeit unterbinden. Da sie aus tierschützerischer Sicht sehr

umstritten sind, und für die Freilandhaltung gerade ihr Image als tiergerechte Haltungsvariante eine große Rolle spielt, sollte ihr Einsatz nur dann erfolgen, wenn es unbedingt erforderlich ist, z.B. auf Dauergrünland, welches nicht ackerbaulich genutzt werden kann, oder auf extrem auswaschungsgefährdeten grundwassernahen Sandböden. Letzte sollten allerdings wenn möglich von vornherein nicht für eine ganzjährige Freilandhaltung mit den üblichen Besatzdichten vorgesehen werden.

Wenn Belegungszeiten von mehr als 6 Monaten geplant sind, ist es in jedem Fall empfehlenswert, die Tiere nicht auf bereits vegetationsfreie Flächen (z.B.Stoppelfelder) aufzutreiben, sondern vorher für eine geeignete Untersaat zu sorgen.

Eine ausreichende Stroheinstreu in den Hütten und, wenn möglich, das Angebot von zusätzlichem Grobfutter beschäftigen die Tiere länger und intensiver als die kleinen Mischfutterportionen und können daher ebenfalls helfen, den Aufwuchs etwas zu schonen.

Die Auswahl eines geeigneten Standortes spielt auch bei der Vermeidung von Nährstoffverlusten eine entscheidende Rolle. Der Standort sollte möglichst grundwasserfern sein. Da besonders bei leicht abschüssigem, hügeligem Gelände auch eine oberflächige Abschwemmung der Nährstoffe stattfinden könnte ist ebenes Gelände zu bevorzugen und zu Oberflächengewässern sollte ein ausreichender Abstand bestehen. Bereits ein 1 m breiter Grasstreifen zwischen Ufer und Gehegen ist nach VOSS (1977) in der Lage, den Oberflächenabfluß um 70 % zu reduzieren.

Zwar wird in fast allen Veröffentlichungen leichter Sandboden als optimale Voraussetzung für eine Freilandhaltung empfohlen. Für Bewirtschaftung und Tiergesundheit ist ein guter Wasserabfluß auch zwingend erforderlich. Andererseits ist aber reiner Sandboden besonders


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auswaschungsgefährdet. So wird z.B. Nitrat bei 60 mm Niederschlag im Frühjahr in sandigen Lehmböden 30-40 cm, in reinen Sandböden dagegen 40-60 cm tiefer verlagert. (WEHRMANN und SCHARPF, 1987)

Bei der Bodenart sollte also ein Kompromiß zwischen einem reinen Sandboden und einem staunässegefährdeten Lehmboden gefunden werden. Günstig ist eine etwas tiefer gelegene Lehmschicht in ca. 70-100 cm Tiefe, welche die Auswaschung verlangsamt, aber die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens nicht wesentlich vermindert.

Belegungsdichte und -dauer sollten der aktuellen Auswaschungsgefahr bzw. dem Flächenzustand entsprechend variabel angepaßt werden.

Um der Tatsache der schnelleren Nährstoffverlagerung auf Brachflächen über das Winterhalbjahr zu begegnen, könnte eine Beschränkung der Freilandhaltung auf die Vegetationszeit oder eine Verringerung der Besatzdichten im Winter erwogen werden, was allerdings nur in Ausnahmefällen sinnvoll und möglich ist.

Bei der untersuchten und in größeren Betrieben allgemein praktizierten Form der Freilandhaltung als Bestandteil der Fruchtfolge, ist zur Vermeidung von Auswaschungsverlusten die möglichst optimale Abstimmung der Belegungszeiten mit

ackerbaulichen Maßnahmen entscheidend. D.h., die Flächenwechsel sollten im Herbst und/oder im Frühjahr stattfinden, wenn danach sofort der Anbau der Folgefrucht möglich ist. Hierbei ist in Abhängigkeit von Bodenart, Jahreszeit und aktuellem N- Gehalt des Bodens die geeignetste Folgefrucht zu finden.

Roggen- oder Stoppelrübenansaat o.ä. erfüllen diesen Zweck im Herbst nicht ausreichend, da sie vor und während des Winters nicht genug Stickstoff verwerten und daher, wie bei den Untersuchungen häufig festgestellt, der größte Teil der Nährstoffe ausgewaschen wird.

Solche Früchte sind besser für die Ansaat nach Flächenwechsel im Frühjahr geeignet.

Im Herbst ist der Anbau von schnellwüchsigen, tiefwurzelnden und möglichst relativ winterharten, wie z.B. Senf, zu empfehlen, welche noch vor dem Winter größere Mengen von Nährstoffen aus den Bodenschichten bis 1 m Tiefe aufnehmen können, und so vor der Auswaschung bewahren.

Der Flächenwechsel im Herbst ist in der Praxis schon weit verbreitet, es wird auf abgeerntete Felder aufgetrieben und auf Stillegungsflächen ist ab diesem Zeitpunkt eine Nutzung erlaubt.

4. Modellbeispiel für eine Flächennutzung in einem Betrieb mit ca. 250 Sauen

Optimal, aber nicht in jedem Betrieb möglich, wäre die Einzäunung der gesamten für mehrere Jahre Freilandhaltung benötigten Fläche, innerhalb derer dann die Rotation stattfinden kann. Dazu muß allerdings eine ausreichend große zusammenhängende Fläche vorhanden sein und es bedeutet einen erheblichen einmaligen Material- und Arbeitsaufwand bei entsprechend hohen Kosten. Trotzdem dürfte dieser sich lohnen, da dafür in den ganzen Jahren der Nutzung der Fläche der Umzugsaufwand nur geringfügig ist und außerdem auf solch einer Fläche eine größere Sicherheit vor Krankheitseinschleppung besteht. So kann ein für mehrere Jahre errichteter Zaun wesentlich stabiler errichtet werden und es besteht nicht die Gefahr, daß sich auf einer jedes Jahr neu einzuzäunenden Fläche noch frischer Wildschweinekot, Kadaver oder ähnliches befinden, wodurch eine Erregerübertragung möglich ist.

Für eine Herde mit 250 Sauen (inklusive Läufer bis 25 kg) würde bei einer durchschnittlichen Belegungsdichte von 10 Sauen je Hektar und Jahr eine Fläche von ca. 63 Hektar benötigt werden. Dann stehen 5 Teilflächen mit je 12,5 Hektar zur Verfügung, von denen jeweils eine ein halbes Jahr lang belegt ist, während die restlichen ca. 50 Hektar ackerbaulich genutzt werden


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und so eine wenigstens zwei Jahre dauernde Pause zwischen den Belegungen eingehalten werden kann.

Der Umzug findet dann je nach betrieblichen Gegebenheiten im August bis September bzw. im Februar bis März statt.

Unter die letzte Frucht vor Belegungsbeginn sollte dann auf der entsprechenden Teilfläche eine Untersaat eingebracht werden, so daß nach der Ernte eine geschlossenen Vegetationsdecke vorhanden ist.

Direkt im Anschluß an die Belegung ist dann je nach Jahreszeit die passende schnellwüchsige und stark N-zehrende Folgefrucht anzubauen, in den dazwischen liegenden eineinhalb Jahren wird dann die Fruchtfolge in Abhängigkeit von Standortbedingungen und Bedarf gestaltet.

Meist werden Teile der Fläche bereits innerhalb des halben Jahres wieder frei, wie z.B. bei den Läuferhütten, welche immer weiter gezogen werden und durch den zyklusbedingten Umtrieb der Sauen von den Abferkelgehegen auf die Flächen für tragende Sauen und umgekehrt, wofür immer einige freie Gehege vorhanden sind. Bei günstiger Planung der Gehegenutzung und wenn alle Gehege in derselben Richtung weitergezogen werden, entstehen nach einigen Monaten größere zusammenhängende Freiflächen, welche vor dem großen Umzug nicht mehr benötigt werden (siehe Abb. 47). Auf diesen kann z.B. im späten Frühling schon etwas angebaut bzw. beim Grubbern bis Ende Oktober noch eine geeignete Zwischenfrucht eingesät werden. Diese bindet dann vor dem Abfrieren noch einen Teil der Nährstoffe und bewahrt ihn so bis zum Hauptfruchtanbau im Frühjahr vor der Auswaschung.

Abb. 47: Modell einer Flächennutzung


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