18 Gesamtzusammenfassung

Die Formalerschließung hat eine sehr wechselvolle Geschichte in der bibliothekarischen Ausbildung. Heute wird die Formalerschließung oft unterbewertet und bedarf einer neuen Bedeutungsdefinition.

Fernstudien sind eine wichtige Alternative für Menschen, die nicht die Möglichkeit einer Ausbildung durch Direktstudien haben. Die bibliothekarische Ausbildung hat überwiegend Inhalte, deren Vermittlung sich für Fernstudien gut eignen. Bibliothekswissenschaft wird im Vergleich zu anderen Disziplinen häufig von Berufstätigen als Vertiefung des in der Praxis erworbenen Wissens studiert. Deshalb entsprechen Fernstudien dem Bedürfnis dieser Studierenden.

Die Notwendigkeit, dass auch universitäre Studien didaktisch geplant werden müssen und daher ein Gegenstand der Forschung sind, wird oft übersehen. Das gilt besonders für das Studium der Bibliothekswissenschaft, das heute ungerechtfertigt noch immer als „Orchideenstudium“ betrachtet wird.

Die Dissertation führt die drei Bereiche Formalerschließung – Fernstudium - Didaktik zusammen. Dabei wird als Schwerpunkt die didaktische Gestaltung von Lernprogrammen betrachtet. Nach Meinung der Verfasserin werden solche Programme für Fernstudien viel zu selten entworfen und verwendet.

Ein wichtiger Ansatz der pädagogischen und didaktischen Grundlagen sind die Lerntheorien. Die einzelnen Lerntheorien gehen jeweils von einem bestimmten Menschenbild aus und versuchen, daraus Ableitungen für die Optimierung des Lernprozesses zu ziehen. In den Anregungen, die die verschiedenen Lerntheorien geben, spiegelt sich die Spannung wider, die einerseits zwischen der Freiheit und Selbstbestimmung der Lernenden und andererseits der Notwendigkeit der Vermittlung von bereits vorhandenem Wissen besteht, das unabhängig von der Person des Lernenden seine Gültigkeit besitzt. Die einzelnen Lerntheorien geben darauf unterschiedliche Antworten. Dabei wird eine bestimmte Betrachtung des Lernenden als allein gültig gesehen. Weil dabei andere Facetten der Persönlichkeit des Lernenden und somit auch des Lernprozesses unterbewertet oder sogar negiert werden, kann der Formalerschließungsunterricht nicht nach einer einzigen Lerntheorie ausgerichtet werden. Jede der Lerntheorien kann aber nach der Meinung der Verfasserin wichtige Hinweise zur Gestaltung des Unterrichts geben und zwar :

Die Erkenntnisse der Lerntheorien müssen in die didaktische Planung umgesetzt werden. Dabei ist sowohl auf die durch den Lehrstoff und die Randbedingungen gegebenen Notwendigkeiten als auch auf die Bedürfnisse der Lernenden zu achten. Die Selbstbestimmung des Lerners muss unterstützt werden, es muss aber auch Führung vorhanden sein, damit er sich nicht allein gelassen fühlt.

Zu beachten ist vor allem die Motivierung der Lernenden. Die interessante Gestaltung des Unterrichts und seiner Komponenten sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Vor allem beim Fernunterricht dürfen die soziale Interaktion und menschliche Ansprechpartner nicht vergessen werden.

Bei der inhaltlichen Planung dürfen nicht nur Lehrinhalte angegeben werden, es müssen auch Lernziele formuliert werden. Der Schwerpunkt liegt auf kognitiven Lernzielen. Dafür kann die Lernzieltaxonomie von Bloom herangezogen werden. Sie muss aber auf höhere kognitive [Seite 231↓]Strategien, z.B. Problemlösen, erweitert werden. Daneben sind noch pragmatische und affektive Lernziele anzuführen.

Um den Formalerschließungsfernunterricht bzw. ein Lernprogramm für Formalerschließung für die zukünftigen Lernenden ausrichten zu können, ist die Erfassung der Zielgruppe notwendig. Bedacht zu nehmen ist auf das Alter, das Geschlecht, das Vorwissen, den Bildungsgrad und den bevorzugten Lernstil. Betrachtet man mehrere Gruppen von Lernenden, so werden innerhalb jeweils einer Gruppe einige Eigenschaften der Gruppenmitglieder nahezu ausschließlich vorhanden sein. Bei einer bestimmten Art der Formalerschließungsausbildung (etwa zur Bibliotheksassistentin) kann z.B. mit einem gleichmäßigen Alter und Bildungsgrad der Lernenden gerechnet werden. Dann kann der Unterricht konkret auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet werden. Andere Eigenschaften werden innerhalb der Gruppe überwiegen. So kann man z.B. damit rechnen, dass an der Formalerschließungsausbildung vorwiegend Frauen teilnehmen. Hier ist es notwendig, den Unterricht auf die Bedürfnisse dieser Gruppe abzustimmen und die anderen Lerner, z.B. das andere Geschlecht, zu unterstützen. Hinsichtlich mancher Eigenschaften (z.B. Lernstil) ist anzunehmen, dass alle unterschiedlichen Ausprägungen in der Gruppe auftreten. Es ist darauf zu achten, dass alle dieser Ausprägungen unterstützt werden. Die verschiedenen Lernstile wurden von der Verfasserin in zwei Paare von Lerntypen zusammengefasst:

Nach der Art, dem Lernstoff entgegenzutreten:

Nach dem Bedürfnis von Kommunikation mit anderen:

Die Motivation der Lernenden zu wecken und aufrecht zu erhalten ist beim Fernunterricht und bei der Verwendung von Lernprogrammen schwierig, aber notwendig. Das gilt insbesondere für die Formalerschließungsausbildung. Deshalb ist auf die Motivierung besonderes Augenmerk zu richten. Man kann dazu die ARCS-Motivationstheorie heranziehen. Ein weiterer, wesentlicher Punkt gerade bei der Ausbildung Erwachsener ist es, dem Lernenden die Freiheit zu geben, seinen Lernprozess selbst zu steuern. Die zu beachteten Kategorien sind daher:

Um alle diese Kategorien wirksam werden zu lassen, ist es erforderlich, dass die Lehrkräfte von ihrem Fach überzeugt und begeistert sind und dass sie ihr Wissen gern an andere weitergeben.

Ausgehend von den neun Instruktionsereignissen von Gagné in Verbindung mit konstruktivistischen Methoden wurden von der Verfasserin folgende elf didaktische Anweisungen erstellt, die sowohl für Lernprogramme als auch für den Fernunterricht an sich Gültigkeit haben:

  1. Neugier wecken
  2. Lernziele angeben
  3. Bedienbarkeit erleichtern
  4. Dem Lerner Freiheit geben
  5. Der Zielgruppe entsprechend gestalten
  6. Führung geben
  7. Den Lerner aktivieren
  8. Die Motivation aufrecht erhalten
  9. Unterricht interessant gestalten
  10. Persönliche Kontakte ermöglichen
  11. Evaluation bieten

Es wurde ferner untersucht, welche Art von Lernprogramm sich am besten für die Formalerschließungsausbildung eignet. Zunächst wurde der Einsatz von Computertechnologie betrachtet. Programmierter Unterricht ist auf jeden Fall veraltet. Der Einsatz von Autorensystemen ist möglich und bietet eine angenehme Möglichkeit, ohne die Kenntnisse von Programmierspachen ein Lernprogramm zu gestalten. Nachteilig sind hingegen die Starrheit, der meist hohe Preis und die Einschränkung durch die Urheberrechte. Deshalb wurde bei dem Beispiel für die Erstellung eines Lernprogramms von der Verwendung eines Autorensystems abgesehen. Vom didaktischen Standpunkt aus sind wissensbasierte Lernsysteme am besten für den Formalerschließungsunterricht geeignet. Die Nachteile dieser Systeme sind jedoch, dass sie noch nicht zufriedenstellend ausgereift sind und hohen und komplexen Programmieraufwand erfordern. Die dafür notwendigen Fachleute stehen meist nicht zur Verfügung und sind teuer. Um zu gewährleisten, dass Lernprogramme für Formalerschließung überhaupt erstellt werden, müssen sie einfach, mit geringem Aufwand und flexibel gestaltet werden können und von den Benutzern keinen großen technischen Aufwand erfordern.

Da die meisten Bibliotheken mit einem Internetanschluss und den dazugehörigen Browsern ausgerüstet sind, bietet sich Hypermedia als die Methode der Wahl an. Wenn keine zu komplizierten Elemente in das Lernprogramm aufgenommen werden, genügen programmtechnisch HTML- und JavaScript-Kenntnisse für die Erstellung.

An Arten von Lernprogrammen sind möglich:

Dabei ist der Zusammenhang zu beachten, in dem das Lernprogramm eingesetzt werden soll. Für die Anwendung im Formalerschließungsunterricht eignen sich am besten tutorielle Programme, weil sie die Präsentation von Lernstoff mit Übungen verbinden. Die logische Struktur der Regelwerke wirkt dabei unterstützend. Die Verwendung von Hypertext durchbricht die sich nachteilig auswirkende Linearität und unterstützt die Freiheit der Lernenden.

Bei der Erstellung eines Lernprogramms bedarf es eines Konzepts für den Planungsablauf. Zunächst müssen die Rahmenbedingungen erfasst werden. Bei der Programmdefinition werden die Art des Programms, die Lernumgebung und die Lernziele definiert. Das Ergebnis ist ein Pflichtenheft. Zunächst wird das grobe Design geplant. Das Feindesign beinhaltet:


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Bei der Gestaltung der einzelnen Komponenten sind die didaktischen Forderungen entsprechend der gegebenen Anregungen umzusetzen. Sowohl während des Entwicklungsprozesses (formative Evaluation) als auch nach Fertigstellung (summative Evaluation) muss das Lernprogramm evaluiert werden. Das sollte sowohl von erfahrenen Formalerschließern bzw. Formalerschließerinnen als auch von Neulingen durchgeführt werden. Meist stehen für die Evaluierung Checklisten zur Verfügung. In der Regel werden jedoch bei diesen pädagogische und didaktische Gesichtspunkte nicht berücksichtigt. Deshalb wurde eine Checkliste zur Überprüfung der didaktischen Eignung eines Lernprogramms erstellt. Überprüft werden dabei:

Einige andere computertechnische Methoden für den Fernunterricht wurden nach den vorwiegenden Kommunikationsformen eingeteilt. Daraus ergeben sich vier Möglichkeiten, den Kontakt zwischen Lernenden und Lehrern sowie den Lernenden untereinander herzustellen. Der Lerner kann nur mit dem Lernmaterial kommunizieren (one alone), es kann persönlicher Kontakt zwischen einem Lernenden und einem Lehrer bestehen (one to one), ein Lehrer kann viele Lernende unterrichten (one to many) oder viele Lernende und viele Lehrende können miteinander in Kontakt stehen (many to many). Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

One alone:

One to one:

One to many:

Many to many:

Gesamtkonzepte: alle diese Methoden werden verwendet.

Das Ergebnis war, dass alle Methoden für den Fernunterricht geeignet sind, der jeweilige Kontext in Bezug auf Ort, Personen und Sache aber beachtet werden muss.

Sowohl die didaktischen Überlegungen als auch die computertechnischen Erkenntnisse wurden in der Folge auf den Formalerschließungsfernunterricht und die Gestaltung von Lernprogrammen für die Formalerschließung angewandt. Dazu mussten zuerst die Ziele und Inhalte der Formalerschließung und des Formalerschließungsunterrichts betrachtet werden.

Die Bedeutung der Formalerschließung liegt in der formalen Beschreibung von Dokumenten nach einheitlichen Standards. Das hilft den Benutzern, mit Hilfe einheitlicher Kriterien diese Dokumente zu finden. Insofern ist es nötig, die Standards den jeweils geltenden Bedingungen anzupassen und nach einer möglichst universalen Gültigkeit zu trachten. Die Unzulänglichkeit [Seite 234↓]bestimmter Standards widerspricht nicht der grundsätzlichen Notwendigkeit der Formalerschließung. Die Komplexität der Aufgabe erlaubt es auch nicht, Computer oder Nichtausgebildete für die Formalerschließung einzusetzen.

Formalerschließung ist daher weiterhin eine Kernkompetenz in der bibliothekarischen Ausbildung. Die Anforderungen an die Formalerschließungsausbildung sind jedoch durch die vor allem technischen Entwicklungen und die Ansprüche der Benutzer gestiegen. Katalogkunde und Regelwerkskunde sind nicht mehr die einzigen Lehrinhalte, obwohl sie weltweit in der Formalerschließungsausbildung den größten Raum einnehmen. Der Unterricht in der Umsetzung in die elektronische Datenverarbeitung wird schon als Selbstverständlichkeit betrachtet. Der Formalerschließung aus der Sicht der Benutzer und der Organisation der Formalerschließung sowohl vor Ort als auch weltweit werden noch zu wenig Beachtung geschenkt. Aber auch das sind Bereiche der Formalerschließungsausbildung, die in Zukunft noch wichtiger werden.

Die Untersuchung der Formalerschließungsausbildungen in den USA, Deutschland, Österreich und einigen anderen Ländern der Welt zeigte, dass es im deutschen Sprachraum nur wenige bibliothekarische Fernausbildungen gibt. Weltweit gibt es zahlreiche Beispiele für bibliothekarische Fernstudien, weil sich die Materie gut für ein Fernstudium eignet. Doch auch in den Ländern, in denen Fernstudien mit Hilfe der Computertechnologie am weitesten verbreitet ist, ist zu beobachten, dass das Fach Formalerschließung (meist in Kombination mit Sacherschließung) eher zu den Fächern gehört, die noch im Direktunterricht angeboten werden. Gerade bei Fernstudien wird die Bezeichnung „Formalerschließung“ bzw. „Katalogisierung“ sehr oft durch Begriffe wie „Informationsorganisation“ ersetzt. Die Lehrinhalte konzentrieren sich in Deutschland und Österreich in besonderer Weise auf die Anwendung der Regelwerke. Dieser Trend ist aber auch international zu beobachten. Besonders im englischsprachigen Raum sind daneben zumindest vereinzelt die anderen geforderten Lehrinhalte (Datenverarbeitung in der Formalerschließung, Suchverhalten der Benutzer, Organisation der Formalerschließung) zu finden.

Um alle notwendigen Lehrinhalte in der Formalerschließungsausbildung unterzubringen, muss sie einen entsprechenden Anteil am Gesamtcurriculum haben. Wie zu beobachten war, ist dies oft nicht der Fall. Je weiter sich Ausbildungsgänge von der „klassischen“ Bibliotheksausbildung unterscheiden, einen umso geringeren Raum nimmt die Formalerschließung ein. Das ist nach Meinung der Verfasserin ein Fehler. Aus den betrachteten Formalerschließungsausbildungen und den geforderten Lehrinhalten ergibt sich, dass der Anteil des Formalerschließungsunterrichts an der Gesamtausbildung für den mittleren Dienst etwa 12%, für den gehobenen Dienst etwa 9% und für den höheren Dienst zumindest 6% ausmachen sollte. Nur so ist es möglich, die für die jeweilige Ausbildungsstufe notwendigen Kenntnisse zu vermitteln. Das schließt nicht aus, dass in Wahlfächern weiterführende Inhalte unterrichtet werden.

Unabhängig von Berufsbezeichnungen sollte die Aufgabentrennung mittlerer – gehobener – höherer Dienst beibehalten werden. Das erlaubt ein spezifischeres Eingehen auf die beruflichen Aufgaben. Die Anteile von Theorie und Praxis an der Formalerschließungsausbildung müssen, der jeweiligen Aufgabenstellung entsprechend, ausgewogen sein. Auch der höhere Dienst bedarf der Vermittlung von Katalogisierungskenntnissen, um die damit verbundene Arbeit richtig einschätzen zu können.

Die oben genannten Aspekte der Lerntheorien ergeben Hilfen für die didaktische Gestaltung des Formalerschließungsfernunterrichts. Einige Erkenntnisse des Behaviorismus können bei der Einübung der Regelwerke helfen. Da die Lernziele in der Formalerschließungsausbildung weitgehend im kognitiven Bereich liegen und Problemlösen ein wichtiger Teil der praktischen Arbeit ist, kann besonders die kognitivistische Lerntheorie Hinweise für die didaktische Planung geben. Die Entwicklungspsychologie und die soziale Lerntheorie bieten Anregungen für die Gestaltung des Lernvorgangs (z.B. Lernen aus vorgegebenen Katalogisaten, Entdecken der Regeln) und die soziale Interaktion, die gerade im Fernunterricht wichtig ist. Konstruktivistische Methoden können das Thema interessant aufbereiten. Die Ergebnisse der Neuropsychologie bieten bei der merkgerechten Aufbereitung des Lehrstoffes Hilfe.

Mit Hilfe der angepassten Lernzieltaxonomie von Bloom konnten die kognitiven Lernziele für den Formalerschließungsfernunterricht formuliert und kategorisiert werden. Das Ergebnis waren kognitive Lernziele für die Bereiche „Katalogkunde und Regelwerke“, „Benutzerverhalten“, [Seite 235↓]„Organisation“ und „Datenverarbeitung“ in der Formalerschließung. Die pragmatischen Lernziele beschränken sich auf die Arbeit mit dem Computer. Außerdem sind die affektiven Lernziele - die positive Einstellung gegenüber dem Beruf mit seinen vielfachen Aufgabenstellungen und die bibliothekarischen Werte – wichtig. Die persönlichen Kompetenzen, die in der Formalerschließungsausbildung entwickelt werden sollten, sind vor allem Flexibilität und Promlemlösungsfähigkeiten.

Die bibliothekarischen Ausbildungen haben Erwachsene als Zielgruppe. Dabei ist zwischen der Zielgruppe für den höheren, den gehobenen und den mittleren Dienst zu unterscheiden. Der Formalerschließungsunterricht ist dementsprechend zu gestalten, wobei auf die didaktischen Spezifika für Fernstudien zu achten ist. Nachdem gerade bei Fernstudien die Motivierung besonders wichtig ist, ist die erweiterte ARCS-Motivationstheorie für das Fach Formalerschließung anzuwenden. Dabei ist auch auf die Bedienung der technischen Geräte Rücksicht zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Lehrverhalten. Die Lehrenden brauchen

Es ist von Vorteil, wenn die Lehrenden sowohl praktische Erfahrungen in Bibliotheken (möglichst in der Formalerschließung) haben, als auch im (universitären) Lehrbetrieb integriert sind. Daneben ist ständige Weiterbildung erforderlich.

Durch die Anwendung der erarbeiteten elf didaktische Anweisungen ergaben sich die wichtigsten didaktischen Regeln, die im Formalerschließungsfernunterricht zu beachten sind.

Prinzipiell können eine große Anzahl von Unterrichtswerkzeugen für den Formalerschließungsfernunterricht eingesetzt werden, sowohl konventionelle als auch Methoden der Informationstechnologie. Wie die Praxis zeigt, werden sie es auch. Wenn die technischen Voraussetzungen zur Verfügung stehen, eignet sich am besten eine Kombination aus einem Studienführer und Material im Internet, Videokonferenz, eMail, Lernprogrammen, Testsystemen von Bibliothekssystemen für praktische Übungen und gemeinsamen Projekten. Daneben ist der gelegentliche persönliche Kontakt der Studenten untereinander und mit den Dozenten notwendig. Auch an den Praktika in Bibliotheken oder IuD-Stellen ist festzuhalten.

Lernprogramme können vor allem zur Vermittlung der Regelwerke und ihrer praktischen Anwendung eingesetzt werden. Am geeignetsten dafür sind tutorielle Lernprogramme, die Vermittlung von Lehrstoff mit praktischen Übungen verbinden. Die Erstellung von Lernprogrammen für die Formalerschließung ist zunächst von anderen als didaktischen Faktoren bestimmt. Die Rahmenbedingungen ergeben sich aus den Vorgaben, die von außen gemacht werden und dem Umfeld, in dem das Programm eingesetzt werden soll. Meist stellen vor allem die zur Verfügung stehenden Ressourcen einen limitierenden Faktor dar. Für die Entwicklung eines Lernprogramms für Formalerschließung sollte ein Team von zumindest einer Formalerschließerin, einer Computerfachfrau und einer Pädagogin sowie einem Neuling zur Evaluierung zur Verfügung stehen. Es gibt wenige Lernprogramme für Formalerschließung, obwohl sich das Erlernen und Einüben der Grundkenntnisse besonders gut für Lernprogramme eignet. Der Grund für die geringe Anzahl liegt vermutlich im Mangel an geeigneten Entwicklungsressourcen.

Auch für die didaktische Gestaltung von Lernprogrammen für die Formalerschließung sind mehrere Lerntheorien heranzuziehen. Durch eine Zusammenschau der Theorien werden mehrere Facetten des Wesens von Lernenden eingebracht. So erreicht man, dass mit dem Lernprogramm verschiedene Eigenschaften der Lernenden angesprochen werden. Gefördert werden hauptsächlich kognitive Lernziele, vor allem diejenigen, die den ersten drei Kategorien der Bloomschen Lernzieltaxonomie entsprechen. Daneben dürfen die pragmatischen und, ganz wesentlich, die affektiven Lernziele nicht vergessen werden. Es reicht nicht, den Lernenden kognitive Kenntnisse über die Anwendung der Regelwerke zu vermitteln, es ist auch wichtig, die Freude an dieser Tätigkeit zu wecken.

Die Zielgruppe für Formalerschließungslernprogramme sind Erwachsene, meist ab 18 Jahren, vorwiegend Frauen, mit Matura (Abitur) oder höherer Ausbildung. Bibliothekarisches Vorwissen [Seite 236↓]und Lernstile sind unterschiedlich. Das bedeutet, dass Lernprogramme dieser Art den Lernbedürfnissen von Erwachsenen mit Maturaniveau entsprechen müssen, weitgehend auf weibliche Bedürfnisse abgestimmt sein müssen, aber mit Hilfen, die auch Männer fördern. Das geforderte bibliothekarische Vorwissen sollte gering sein, alle Lernstile sind zu unterstützen.

Ein besonderes Augenmerk ist auch bei Lernprogrammen auf die Motivierung der Lernenden zu legen. Dafür kann die von der Verfasserin um den Punkt „Freiheit“ erweiterte ARCS-Motivationstheorie herangezogen werden. Die Anwendung der elf didaktischen Anweisungen ergab Richtlinien für die Gestaltung von Lernprogrammen für die Formalerschließung.

Die ersten beiden Module eines Lernprogramms „Umsetzung der RAK-WB in ALEPH500“ sind ein Beispiel dafür, wie man mit einfachen Mitteln didaktische Grundsätze in ein Lernprogramm für Formalerschließung einbringen kann. Das Lernprogramm kann in der Aus- und Weiterbildung und in der täglichen Arbeit eingesetzt werden. Die kognitiven Lernziele liegen vor allem im Bereich des Wissens, des Verstehens und des Anwendens, daneben gibt es einige Lernziele im Bereich der Analyse, der Synthese und der Bewertung. An affektiven Lernzielen ist vor allem das Wecken des Interesses an Formalerschließung wichtig. Die Zielgruppe entspricht der oben genannten Zielgruppe für Formalerschließungslernprogramme, der Einsatzbereich beschänkt sich auf Deutschland und Österreich. Beim Design wurde beispielhaft die Realisierung der einzelnen Komponenten aufgezeigt.


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12.08.2004