Hennig, Marina: Wandel von Einstellungen und Werten unter dem Aspekt des Autoritarismus deutscher Eltern im Zeitvergleich

76

Kapitel 4. Umfragedaten

Als Grundlage für die nachfolgenden empirischen Analysen wurden drei umfangreiche Datensätze zur Reanalyse herangezogen, die im Rahmen eines DFG-Projektes ”Familiäre Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Ost- und Westdeutschland - eine vergleichende Sozialstrukturanalyse der Kindheit“ aufbereitet wurden. Die den Datensätzen zugrundeliegenden Befragungen wurden zu verschiedenen Zeitpunkten mit identischen Instrumenten durchgeführt, so daß eine Vergleichbarkeit gewährleistet ist.

4.1. Beschreibung der einzelnen Datensätze:<12>

4.1.1. Familiensurvey 1988<13>

1988 wurde im Rahmen des Projektes ”Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen“, finanziert aus den Mitteln des Familienministeriums, eine Befragung zur familialen Situation der Bürger aus den alten Bundesländern durchgeführt.

Der Erhebungszeitraum umfaßte Ende August bis Mitte Dezember 1988. Dabei wurden 10.043 Interviews realisiert. Es handelte sich um eine unsystematische Zufallsstichprobe der deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 18-55 Jahren. Die Stichprobenziehung erfolgte auf der Basis


77

4.1.2. Familiensurvey Ost 1999/91<15>

1990/91 wurde im Rahmen des Projektes ”Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen“, finanziert aus den Mittel des Familienministeriums, eine ergänzende Befragung zur familialen Situation der Bürger in den neuen Bundesländern durchgeführt.

Der Erhebungszeitraum umfaßte Anfang November 1990 bis Mitte Februar 1991. Dabei wurden 1.951 Interviews realisiert. Es handelte sich um eine unsystematische Zufallsstichprobe der deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 18-55 Jahren. Die Stichprobenziehung erfolgte auf der Basis

4.1.3. Lebensführung älterer Menschen

1993 wurde im Rahmen des Projektes ”Lebensführung älterer Menschen“ “, finanziert aus den Mittel des Familienministeriums, eine ergänzende Befragung zur familialen Situation älterer Bürger durchgeführt. Der Untersuchung lag eine Quotenstichprobe von insgesamt 4.130 Alleinlebenden und Nichtalleinlebenden im Alter von 55 bis 79 Jahren zugrunde. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Mitte Februar und Mitte April 1993.

Die drei vorliegenden Befragungen sind unter unterschiedlichen Bedingungen durchgeführt worden. Der Methodenmix und die damit eventuell verbundenen Schwierigkeiten eines Vergleichs zwischen den Datensätzen wurde durch eine sorgfältige methodische Überprüfung abgesichert, die die Repräsentativität der unterschiedlichen Stichproben umfaßte (Vergleich mit der amtlichen Statistik).


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Vergleich des Familiensurvey 1988 mit der amtlichen Statistik

Repräsentativität West-Survey

20-54 jährige Personen

 

Geschlecht

 

 

 

 

amtl. Statistik

West-Survey

Differenz

männlich

50,6

45,3

-5,3

weiblich

49,4

54,7

5,3

 

 

 

 

Lebensalter

 

 

 

 

amtl. Statistik

West-Survey

Differenz

20-24

17,0

14,1

-2,9

25-29

15,6

16,8

1,2

30-34

12,9

15,9

3,0

35-39

13,9

14,3

0,4

40-44

11,6

12,1

0,5

45-49

15,8

13,6

-2,2

50-54

13,2

13,2

0,0

 

 

 

 

Familienstand

 

 

 

 

amtl. Statistik

West-Survey

Differenz

ledig

31,0

28,3

-2,7

verheiratet

62,4

63,7

1,3

geschieden

5,2

6,1

0,9

verwitwet

1,3

1,9

0,6

Quelle: Methodische Informationen zu den verwendeten Datensätzen. (1995)

In: Bertram, H.. (Hrgs.) Das Individuum und seine Familie, S.429-455

Die Tabelle zeigt außer einer leichten Überrepräsentanz von Frauen keine nennenswerten Abweichungen zur Grundpopulation.Vergleich des Ost-Survey mit der amtlichen Statistik Auf Grund des Erhebungszeitsraumes, der Ziehung der Stichprobe aus dem Zentralregister der ehemaligen DDR und der niedrigen Ausschöpfungsrate konnte eine Verzerrung der Stichprobe nicht ausgeschlossen werden, so daß eine sorgfältige Überprüfung der Repräsentativität einzelner relevanter Variablen hier besonders wichtig war.


79

Repräsentativität Ost-Survey

20-54 jährige Personen

 

Geschlecht

 

 

 

 

amtl. Statistik

Ost-Survey

Differenz

männlich

50,7

46,9

-3,8

weiblich

49,3

53,1

3,8

 

 

 

 

Bundesländer

 

 

 

 

amtl. Statistik

Ost-Survey

Differenz

Thüringen

16,5

17,6

1,1

Sachsen

27,7

29,6

1,9

Berlin(Ost)

9,0

7,6

-1,4

Brandenburg

16,5

13,7

-2,8

Mecklenburg-V.

12,2

12,2

0,0

Sachsen-Anhalt

18,1

19,1

1,0

 

 

 

 

Lebensalter

 

 

 

 

amtl. Statistik

Ost-Survey

Differenz

20-24

13,1

9,2

-3,9

25-29

16,1

14,5

-1,6

30-34

15,8

18,5

2,7

35-39

15,3

17,8

2,5

40-44

12,7

13,7

1,0

45-49

11,1

10,9

-0,2

50-54

15,9

15,4

-0,5

 

 

 

 

Familienstand

 

 

 

 

amtl. Statistik

Ost-Survey

Differenz

ledig

22,1

19,7

-2,4

verheiratet

68,2

70,7

1,8

geschieden

8,5

8,9

0,4

verwitwet

1,2

1,4

0,2

Quelle: Methodische Informationen zu den verwendeten Datensätzen (1995)

In: Bertram, H.(Hrgs.) Das Individuum und seine Familie, S.429-455

Eine exakte Überprüfung der Verteilungen einzelner Variablen war nicht möglich, weil zum Zeitpunkt der Erhebung keine Daten der amtlichen Statistik für diese Variablen vorlagen. Eine indirekte Prüfung für die Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht, Bundesland, Alter und Familienstand war mit der Bevölkerungsfortschreibung erst zum 31.12.1991 möglich. Die oben stehende Tabelle zeigt die Verteilungen und die


80

Abweichungen für die genannten Variablen (negative Zahlen bedeuten: unterrepräsentiert).

Ein Problem ergab sich zwischen der unterschiedlichen Altersabgrenzung der amtlichen Statistik und unserer Erhebung. Die amtliche Statistik gruppiert die Bevölkerung in fünf Jahres-Schritten (0 bis unter 5, 6 bis unter 10, usf.). In unserer Erhebung wurden jedoch die 18 - 55jährigen befragt. D.h. vergleichbar sind nur die 20 - 54jährigen aus der amtlichen Statistik und unserer Erhebung.

Als Ergebnis der Untersuchung zur Repräsentativität ist folgendes anzumerken:

Zwei Probleme, die bei Stichprobenziehungen in der DDR immer wieder bestanden, ließen sich für die vorliegende Untersuchung lösen.

  1. Bei der Verteilung der Berufsgruppen konnten die normalerweise ausgeschlossenen Angehörigen des X-Bereiches (Beschäftigte bei staatlichen Institutionen wie Volksarmee, Polizei und Zollverwaltung, Partei sowie parteieigenen Betrieben und der Wismut AG), die bei Umfragen nicht teilnehmen mußten oder nicht in die Stichprobe kamen, hier eingeschlossen werden.
  2. Die bei der Ziehungen aus dem Zentralregister normalerweise ausgeschlossenen Grenzbezirke konnten hier mit berücksichtigt werden.

Trotz der widrigen Umstände entsprechen die Verteilungen den Erwartungen und man kann von einer hinreichenden Repräsentativität ausgehen.

Vergleich der Studie ”Lebensführung älterer Menschen“ mit der amtlichen Statistik

Aufgrund der Quotierung ist es an sich nur sinnvoll, nichtquotierte Variablen in bezug auf eine mögliche Repräsentativität zu betrachten. In der Singularisierungsstudie zeigt sich aber, daß dies nicht notwendig ist, da nur die Quotierungen ”alte und neue Bundesländer“ und ”Verheiratete und Alleinstehende“ deutlich von den Erwartungszahlen abwichen. So konten hier die gleichen Variablen überprüft werden wie bei den anderen beiden Studien.

Eine Überprüfung der Randverteilungen einzelner Variablen ist mit der Bevölkerungsfortschreibung zum 31.12.1992 für die Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht, altes und neues Bundesland, Alter und Familienstand möglich. Die Tabelle


81

zeigt wiederum die Verteilungen und die Abweichungen für die genannten Variablen.

Repräsentativität Altenstudie

53-79 jährige Personen

 

Geschlecht

Altes Bundesländer

Neue Bundesländer

 

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

männlich

44,8

39,7

-5,1

42,5

40,2

-2,3

weiblich

56,2

60,3

4,1

57,5

59,8

2,3

 

 

 

 

 

 

 

Lebensalter

 

 

 

 

 

 

 

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

53-54

10,9

1,9

-9,0

12,4

1,6

-10,0

55-59

24,6

22,8

-1,8

26,1

23,4

-2,7

60-64

20,6

24,7

4,1

21,5

24,6

3,1

65-59

18,5

21,5

3,0

17,0

21,3

4,3

70-74

15,0

16,1

1,1

13,9

16,8

2,9

75-79

10,4

13,0

2,6

9,2

12,2

3,0

 

 

 

 

 

 

 

Familienstand

 

 

 

 

 

 

 

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

amtl.Statistik

Altenstudie

Differenz

ledig

6,6

11,1

4,5

4,9

9,2

4,3

verheiratet

69,7

38,2

-31,5

69,1

36,5

-32,6

geschieden

5,4

9,6

4,2

7,0

14,0

7,0

verwitwet

19,3

41,1

21,8

19,1

40,3

21,2

Quelle: Methodische Informationen zu den verwendeten Datensätzen (1995) In: Bertram, H. (Hrgs.) Das Individuum und seine Familie, S.429-45

Da die Differenzierung in Altersklassen und Familienstand nicht vorgegeben war, kann sie als Hinweis für die Repräsentativität der Stichprobe verstanden werden. Abgesehen von den gezielten Verzerrungen zwischen Ost und West sowie Verheirateten und Alleinlebenden finden sich bei den gezeigten und anderen Variablen, über die Informationen aus der amtlichen Statistik vorliegen, keine gravierenden Verzerrungen.

Bei der Aufbereitung der Datensätze gingen wir von der These aus, daß die Einstellungen und Werte der Eltern in bezug auf die Erziehung ihrer Kinder auch von der Anzahl der Kinder beeinflußt werden könnten. Um einen solchen Kontexthintergrund für die befragten Eltern herzustellen, waren umfangreiche methodische Reorganisationsarbeiten an den erhobenen Daten notwendig.


82

In allen drei Befragungen wurden zunächst diejenigen Personen selektiert, die angaben, selbst Kinder zu haben. Dazu gehören die leiblichen Kinder des Befragten, aber auch Pflege- und Adoptivkinder sowie Stiefkinder aus einer Ehe oder Partnerschaft, die mit dem Befragten in einer Haushaltsgemeinschaft leben. Damit wurden all jene Befragten ausgeschlossen, die entweder angaben keine Kinder zu haben, oder wenn weder ein rechtliches noch ein haushaltsgemeinschaftliches Verhältnis existierte, z.B. bei Patenkindern oder Kindern des Ehepartners aus dessen früherer Beziehung, die bei dem anderen leiblichen Elternteil verblieben sind. Anschließend wurde für jedes genannte Kind ein Datensatz erstellt, der die Angaben, die die Eltern zu diesem Kind gemacht haben, enthielt. Bei Familien mit mehr als fünf Kindern wurde immer nur das jüngste Kind als fünftes Kind erfaßt, so daß je nach Anzahl der Kinder maximal 5 Datensätze für eine Familie vorliegen.

Auf diese Art wurde für die jeweilige Befragung ein Datensatz erstellt, bei dem nun das jeweilige Kind, und nicht der dazugehörige erwachsene Elternteil die Analyseeinheit darstellt, wohingegen das befragte Elternteil mit seinen Einstellungen und Werten ebenso einen sozialen Kontext darstellt, wie mögliche weitere Geschwister und die gesamte miterhobene Familiensituation. Je nach der gegebenen Kinderzahl kann dabei dasselbe Elternteil sozialer Kontext mehrerer in die Analyse einbezogener Kinder sein: Mehrkindfamilien werden somit entsprechend ihrer quantitativen Bedeutung bei der Bereitstellung von Sozialisationsbedingungen gewichtet. Diese Datensätze erfüllen die Repräsentativitätskriterien in gleicher Weise wie die Erhebungsstichprobe.

Aus diesen Datensätzen haben wir für die jeweilige Altersgruppe wieder einen Datensatz erstellt, so daß für die Analyse fünf nach der Anzahl der Kinder gewichtete Datensätze vorlagen. (vgl. Abb.)


83


Fußnoten:

<12>

Die Beschreibung der Datensätze wurde aus dem Kapitel Methodische Informationen zu den verwendeten Datensätzen. In: Bertram, H. (Hrgs.) (1995) Das Individuum und seine Familie, S.429-455, Opladen, entnommen.

<13>

Referenzliteratur: Methodenbericht zur Haupterhebung 1988, Infratest München 1989,

Stichprobe und Repräsentativität. Alt, Chr. in Bertram (1991) S. 497-530.

<14>

Auf der Basis des Arbeitskreises Deutscher Marktforschungsunternehmen - Stichprobensystem.

<15>

Referenzliteratur: Methodenbericht zur Datenerhebung 1990/91, Leipziger Institut für empirische Forschung, Leipzig 1991.


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