Batteux, Martina: Die französische Synonymie im Spannungsfeld zwischen Paradigmatik und Syntagmatik

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Ausgehend von dem am Anfang dieser Arbeit vorgenommenen historischen Abriss der Entwicklung der Synonymiediskussion kann festgestellt werden, dass die Sprachtheoretiker bereits im 17. und 18. Jahrhundert von partieller Synonymie ausgingen und die totale bzw. absolute Synonymie in Zweifel gezogen haben. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde Synonymie eher als Bedeutungsähnlichkeit verstanden, die sich auf der Sememebene manifestiert. Die Feststellung, dass es sich bei der Synonymie um ein partiell bedingtes sprachliches Phänomen handelt, welches auf Bedeutungsähnlichkeit beruht, ist demzufolge keine Erkenntnis der Linguisten des 20. Jahrhunderts, sondern ist auf die theoretischen Überlegungen der Sprachwissenschaftler besonders des 17. und 18. Jahrhunderts, in Ansätzen auch des 19. Jahrhunderts, zurückzuführen. Es ist zu beachten, dass Differenzen zwischen den damals benutzten Begriffen und der heutigen sprachwissen-schaftlichen Terminologie existieren.

Das 1718 von Girard veröffentlichte Synonymwörterbuch La justesse de la langue françoise stellt den lexikographischen Ausgangspunkt der Synonymie-diskussion dar.

Im Gegensatz zu aktuellen, synchron ausgerichteten Synonymie-untersuchungen stützten sich die Betrachtungen im 17. und 18. Jahrhundert oftmals auf die diachronische Ebene, was auch die derzeit noch häufig praktizierte etymologische Synonymendifferenzierung erklärt. So unterscheidet beispielsweise Lafaye grammatische und etymologische Synonyme. Im Gegen-satz zur heutigen Synonymiebetrachtung dominierte die Distinktivität die Arbeit der zeitgenössischen Lexikographen.

Es gibt jedoch auch Übereinstimmungen zwischen den vor drei bzw. vier Jahrhunderten entstanden Ansätzen und heutigen Auffassungen: Der Zusammenhang von Synonymie und Stil wurde bereits von Vaugelas 1647 und von Nicole und Arnauld 1662 festgestellt. Am Ende des 18. Jahrhunderts unterstrich Roubaud die Möglichkeit der durch die Polysemie bedingten bedeu-tungsähnlichen Beziehungen eines Worts zu Wörtern verschiedener seman-tischer Felder.

Noch vage Überlegungen bzgl. eines Zusammenhangs von Synonymie und Fachwortschatz oder zur Problematik der Integration der Hyperonymie - Hyponymie in die Synonymiedebatte sind zu diesem Zeitpunkt auffallend. Bedeutsam ist auch, dass Lafaye keimhaft die Integration von Kollokationen, Phraseolexemen und Proverbien bedenkt.

Unserer Untersuchung des aktuellen Forschungstands auf dem Gebiet der Synonymie sowie diesen Bereich tangierender Aspekte - wie die Konnotations-, Kollokations- und Kontextproblematik, varietätenlinguistische Faktoren, Wortfeld-aspekte sowie lexikalische Mehrdeutigkeiten - folgten Probandenbefragungen in Form von Substitutionstests. Hierin wurden die französischen Probanden aufge-fordert, die Lücken in verschiedenen Sätzen mit einem von mehreren zur Disposition stehenden, bedeutungsähnlichen Wörtern zu füllen. Die


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Ergebnischarakterisierung in der Analyse der Prä-, Haupt- und Ergänzungstests wurde entsprechend der von der Gesamtheit der Probanden angegebenen Anzahl der angegebenen Wörter von /synonymen/ über /höchstwahrscheinlich/ und /wahrscheinlich synonymen/ bis zu /schwach dominanten/, /dominanten/, /stark dominanten/ und /eindeutigen/ Resultaten vorgenommen.

Es soll an dieser Stelle zunächst eine Gegenüberstellung der formulierten Arbeitsgrundlagen und der Analyseergebnisse der Substitutionstests erfolgen. Es ist zu zeigen, inwieweit die theoretischen Annahmen durch die praktischen Resultate verifiziert bzw. falsifiziert werden.

Die Ablehnung totaler bzw. absoluter Synonymie führte dazu, Synonymie nicht als Bedeutungsidentität sondern als Bedeutungsähnlichkeit zu inter-pretieren, die sich an Hand gleicher bzw. ähnlicher semantischer Merkmale manifestiert. Zwei Lexeme weisen in den seltensten Fällen eine Übereinstimmung aller Sememe auf; sie sind sich mindestens in einem bzw. mehreren, jedoch nicht in allen Sememen ähnlich. Die Bedeutungsähnlichkeit ist sowohl auf der Ebene der parole als auch auf der Ebene der langue vorzufinden.

Die Verlagerung der Synonymieproblematik auf die Sememebene konnte in zweifacher Hinsicht in den praktischen Untersuchungen verifiziert werden. Bereits die Analyse der Substitutionstests macht deutlich, dass durch den Ko(n)text der den Probanden vorgelegten Sätze bzw. Minitexte jeweils unterschiedliche Sememe der Wörter aktiviert wurden, was in der Mehrheit der Beispielsätze zu schwach dominanten bis eindeutigen Optionsverhalten der Testteilnehmer führte. Hierbei wurde ersichtlich, dass die einzelnen Sememe polysemer Lexeme jeweils unterschiedlichen semantischen Feldern angehören können. Weiterhin verdeutlichte die im Anschluss durchgeführte Untersuchung der Querverweise, die im Petit Robert innerhalb der Mikrostruktur der Wörter vorgenommen werden, dass die zu einer Gruppe gehörenden Wörter einerseits semantische Merkmale teilen, andererseits eindeutig durch die ihnen jeweils eigenen Sememe voneinander abgegrenzt werden können. Auch das unterstreicht zunächst, dass die Sememebene als Untersuchungsgrundlage der Synonymie verifiziert werden konnte und begründet ebenfalls die quantitativ hohe Anzahl der Beispielsätze mit schwach dominanten bis eindeutigen Ergebnissen.

Die angenommene Notwendigkeit der Textorientierung innerhalb der Synonymiediskussion konnte durch die Analysen der Prä-, Haupt- und Ergänzungstests bestätigt werden. Mit geringfügigen Einschränkungen konnte die desambiguierende Funktion des Kontexts gezeigt werden. Hierzu erfolgte eine Auflistung der Ergebnisse bzgl. des untersuchten Worts, die die Relation von eindeutig bis schwach dominanten und wahrscheinlich synonymen bis synonymen Resultaten verdeutlichte. In der Mehrzahl der untersuchten Wörter dominierte quantitativ die zuerst genannten Ergebnisreihe (eindeutig bis schwach dominant), was zu der Schlussfolgerung führt, dass der Kontext desambiguierend bei der Entscheidung der Probanden wirkt.

Demzufolge erfolgt aufgrund der Kontexteinbettung die Aktivierung jeweils unterschiedlicher Sememe der vorgegebenen lexikalischer Einheiten. Das führte


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dazu, dass die Mehrzahl der Beispielsätze schwach dominante bis eindeutige Wahlergebnisse aufwies, obwohl mehrere bedeutungsähnliche Lexeme eines semantischen Feldes zur Option standen. Syntagmatische (a) als auch paradigmatische (b) Aspekte beeinflussten dabei die Analyseresultate:

(a) Folgende Beispielsätze veranschaulichen die Beeinflussung des Wahlverhaltens der Probanden durch syntagmatische Aspekte:

I/8/1240 La solidarité s'exerce donc massivement, mais toujours à sens unique: uniquement en faveur de ceux qui ont d'empêcher les autres de travailler. ________, aussi, d'empêcher que ces vérités deviennent des évidences largement connues. Et________ d'interdire que puisse s'ouvrir le débat sur la légitimité de leur maintien.

Proband

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pouvoir

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123

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puissance

 

 

 

 

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3

3

 

 

 

force

 

 

 

 

1

 

 

 

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12

 

2

2

123

 

2

Bemerkungen der Probanden: 2 on attend aussi ici le mot possibilité

II/8/1352 Au (à la) __________de la majorité figure une armée de volontaires, qui remplacerait progressivement notre service national;...

Proband

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plan

 

 

 

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planification

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

planning

 

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+

 

 

+

 

+

 

+

 

+

 

projet

 

 

+

 

+

 

 

+

 

 

 

 

+

 

+

+

+

Schwierigkeit: Satz eingebaut, mit Element, das nicht ausdrücklich in Options-möglichkeiten des semantischen Feldes enthalten ist (programme)

Bemerkungen der Probanden:

1 programme

2 planning car avec plan ou projet on aurait ‘dans le’ et non ‘au’


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II/1/229 Lorsque le secrétaire perpétuel est ,,convaincu“ qu'une majorité existe et lorsque le mois d'octobre se profile, il convoque les académiciens le _______ jeudi _______ à 11h 30, pour passer au vote. (Le système Nobel)

Proband

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prochain

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

suivant

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+

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+

+

+

+

(b) Der folgende Beispielsatz, insbesondere die Probandenbemerkungen, verdeutlichen, dass paradigmatische Aspekte das Wahlverhalten der Test-teilnehmer beeinflussen können:

I/7/924 Dans cette hypothèse, c'est à nouveau à la Douma que l'appareil du Kremlin devra faire face. Là encore, la faiblesse de l'un fera de l'autre.

Proband

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pouvoir

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

puissance

 

 

 

 

 

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force

+

+

+

+

+

 

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

+

Bemerkungen der Probanden:

7 bezeichnet force als contraire de faiblesse

6 on parle de puissance pour une nation ou un groupe de pression et cela est différent pour un groupe ou une armée

2 force als opposé de faiblesse

Der varietätenlinguistische Ansatz zur Konnotationsbestimmung integriert die Diasysteme Diaphasik, Diastratik und Diatopik. Ohne diese Auffassung zu bestreiten, bevorzugen wir den Ansatz, der die Konnotation vom affektiven, emotional wertenden Standpunkt aus beschreibt, so wie es Petra Braselmann in Form von subkodeverweisenden Merkmalen vorschlägt, die in ihrer Aktualisierung stilistisch wirksam werden können.

Der linguistische Konnotationsansatz, der vordergründig affektiv-emotionale Bedeutungsanteile innerhalb der Wortbedeutung einschließt, konnte durch mehrere Beispielsätze der Substitutionstests belegt werden. So beeinflusste u.a., wenn nicht sogar primär, die emotionale Ebene die Probanden in ihrer Wortwahl in folgenden Beispielsätzen:


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I/4/459 Stigmatisant __ et l',,arrogance“ de l'Amérique qui l'ont rendue ,,spirituellement aveugle“, l'ancien disciple de Malcolm X a dénoncé,...le ,,véritable mal de l'Amérique“. (La ,,marche noire“ a rassemblé plus de 400 000 personnes à Washington, S.4)

Proband

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pouvoir

 

 

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puissance

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force

 

 

 

 

+

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I/4/488 M. Santer entend obtenir de Paris des informations supplémentaires sur l'impact des tirs sous-marins, y compris,...leurs éventuelles ,, _________ géologiques“. (Le comité Nobel dénonce la politique nucléaire de la France, S.5)

Proband

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effet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

conséquence

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résultat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I/8/1299 Une France inquiète en mars, lorsque seront visibles les ________ économiques des grèves.

Proband

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conséquence

 

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résultat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

+

 

 

+

 

 

 

Anzahl der Probanden, die mehrere Optionen angegeben haben:

2/17 effet - conséquence; conséquence - résultat

II/1/179 Longtemps ,,à l'étude“, le tête-à-tête entre Jacques Chirac et son homologue algérien Liamine Zeroual...est maintenant ___________ comme ,,probable“ dans l'entourage du chef de l'Etat français ...(A Tunis, Jacques Chirac appelle à faire front contre les islamistes)

Proband

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exposer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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présenter

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montrer

 

 

 

 

 

 

 

 

+

 

 

 

 

 

 

 

 


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Ausgehend von der Synonymiedefinition, die besagt, dass zwei Lexeme mit mindestens einem identischen Semem synonym sind, und dem Konnotations-begriff, der sich auf den emotional wertenden und affektiven Bereich beschränkt, wurde ein Zusammenhang zwischen Synonymie und Diaphasik hergestellt. Individuell unterschiedliche Konnotationen führen zu Variationen im affektiven und emotionalen Bereich, was sich in der Wahl des Registers niederschlagen kann. So sind also Registervarianten als Synonyme mit registerspezifischen Verwendungsunterschieden zu interpretieren. Synonyme können aus dem gleichen Grund stilistische Variationen aufweisen.

Die Voraussetzung für Synonymie, dass zwei Lexeme mindestens ein identisches Semem teilen, erfüllen diatopische und diastratische Elemente im Hinblick auf ihre umgangssprachlichen Äquivalente auch. Deshalb und aufgrund der existierenden Interdependenz von Diaphasik und Diastratik können diese, eher der Varietätenlinguistik zugehörigen Phänomene, nicht gänzlich aus der Synonymiedefinition eliminiert werden. Ihre Integration unterliegt jedoch Einschränkungen.

So kann die Synonymie innerhalb von Fachwortschätzen nicht selten auf die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen wissenschaftlichen Schulen zurückgeführt werden. Viele synonym scheinende Fachtermini haben ihre Daseinsberechtigung, da sie häufig minimale Bedeutungsdifferenzen aufweisen, die wiederum auf verschiedene wissenschaftliche Traditionen zurückgeführt werden können.

Die Untersuchungen bzgl. der Synonymie zwischen Elementen von Fachwortschätzen und den entsprechenden Äquivalenten der allgemeinen Umgangssprache führte zu folgenden Ergebnissen: Die Analyse des Ergänzungstests verdeutlicht, dass die diastratischen Varianten von den Testteilnehmern als solche erkannt wurden, was die Wahl der Testteilnehmer beeinflusste. Auch wenn die Fachtermini aufgrund der beruflichen Tätigkeit der Probanden nicht zu ihrem aktiven Wortschatzrepertoir gehören, so verwenden sie jene u.U. dennoch ausgehend von der vorgegebenen Kommunikationssituation und den zur Option gestellten Wörtern. Der Kontext spielt hier wiederum eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Aufgrund der Ergebnisverteilung (80%ige Konzentrierung dominanter und eindeutiger Resultate) wird der Ausschluss der Diastratik aus der Synonymie-definition empfohlen.

Die nicht selten unter bestimmten Bedingungen auftretenden Verstehensschwierigkeiten zwischen Erscheinungen der einzelnen Regiolekte, d.h. innerhalb der Nordgalloromania existierender Varianten, und den entsprech-enden Wörtern der Allgemeinsprache sprechen ebenfalls für den Ausschluss der Diatopik aus der Synonymiedefinition. Die kopräsentische Existenz von Regiolekten und Allgemeinsprache ist kaum Voraussetzung für Synonymie.

Die Untersuchung der Resultate der diatopischen Beispielsätze zeigt, dass einige regionale Varianten von den Testteilnehmern nicht erkannt und demzufolge als unbekannt charakterisiert wurden. Hierbei ist ihre unterschiedliche regionale


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Herkunft zu beachten. Dominante bzw. eindeutige Resultate bestimmen das Wahlverhalten der Probanden.

Das teilweise Erkennen des diatopischen Charakters eines Worts führte nicht automatisch zur Wahl dieser Option. Teilweise erfolgte durch die Testteilnehmer der Verweis auf den vorliegenden Kontext sowie auf gesprochene und Schriftsprache. Die Interdependenz von Diatopik und Diaphasik wird ersichtlich, wenn einige Testteilnehmer betonten, dass die regional geprägten Wörter stilistisch in den vorgegebenen Kontexten nicht zu vertreten wären.

Die mehrheitlich schwach dominanten bis eindeutigen Ergebnisse in den Prä-, Haupt- und Ergänzungstests konnten bereits auf den mit Einschränkungen vorliegenden desambiguierend fungierenden Kontext zurückgeführt werden. Die vorliegenden Resultate ließen die Vermutung aufkommen, dass jene möglicherweise auch durch die Einbettung der zur Option stehenden Wörter in Kollokationen bedingt sein können.

Unter Kollokationen werden innerhalb der Satzgrenze angesiedelte, syntagmatische Mehrwortlexeme verstanden, die aufgrund des sich gefestigten Sprachgebrauchs häufig benutzt werden. Die syntaktische Restriktion der Elemente beeinflusst die semantische Ebene und wird z.T. durch diese bedingt. Eine Interaktion von Syntax und Semantik liegt vor. Die primär syntaktische Definition der Kollokation führt zu einer paradigmatischen Selektion bei den Probandenentscheidungen.

Auf der Grundlage der in verschiedenen konsultierten Wörterbüchern aufgeführten Kollokationen der in diesen Substitutionstests untersuchten Wörter erfolgte eine Auflistung und Gegenüberstellung der kollokationalen Verbin-dungen, die die Wörter eines semantischen Feldes eingehen können. Diese Untersuchung des Kollokationsverhaltens der in den Probandenumfragen vorgegebenen Wörter machte einerseits deutlich, dass die zur Disposition stehenden Lexeme eines semantischen Feldes oftmals ein auffallend ähnliches Kollokationsverhalten aufweisen. Andererseits konnten auch für die jeweiligen Wörter spezifische Kollokationen dokumentiert werden. Diese Erhebungen konnten einige Entscheidungen der Probanden eindeutig erklären, da Wörter, die nachweislich synonyme Sememe aufweisen, aufgrund von Kollokationen nicht immer als synonyme Wörter identifiziert werden konnten. D.h. die Probanden entschieden sich aufgrund der Einbettung in eine Kollokation automatisch für eine bestimmte Option, obwohl diese offensichtlich synonyme Sememe mit einem anderen zur Disposition stehenden Wort teilt. Ferner wurde ersichtlich, dass in einigen Sätzen aufgrund des sich ähnelnden Kollokationsverhaltens der zu einem semantischen Feld gehörenden Wörter keine syntaktischen Beschränkungen das Wahlverhalten der Probanden begrenzt haben kann. Die Syntax allein stellt demzufolge kein ausschließliches Differenzierungskriterium bei der Synonymen-wahl dar.

Als zusätzlicher Unterscheidungsfaktor ist die semantische Komponente anzusehen. Aus diesem Grund erfolgte die Untersuchung der Querverweise der im Petit Robert dokumentierten Lemmata von ausgewählten Wörtern der


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behandelten semantischen Felder. Die exemplarisch vorgenommene Analyse der Querverweise unter den zu einem Wortfeld gehörenden Lexemen macht sowohl synonyme als auch jeweils spezifische Sememe, die als Differenzierungskriterium bei der Synonymenwahl durch die Probanden interpretiert werden können, deutlich. Hier sind Gründe für synonyme bis eindeutige Resultate in den Substitutionstests zu finden.

Das Zusammenspiel syntagmatischer und paradigmatischer Aspekte beeinflusst demzufolge die Wahl der Probanden bei mehreren zur Disposition stehenden bedeutungsählichen Wörtern.

Der Zusammenhang zwischen Synonymie und Euphemismus sowie der Problematik des unter Einschränkungen vorgenommenen Ausschlusses von Archaismen aus der Synonymiediskussion konnte aufgrund der Korpus-konzipierung nicht behandelt werden. Gleiches gilt für die im theoretischen Vorfeld thematisierten Aspekte der Homonymie - Polysemie und Hyperonymie - Hyponymie.


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