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1.  Einleitung

1.1. Mobile radiologische Diagnostik

Die diagnostische Radiologie verwendet sehr verschiedene Instrumente (z.B. Sonographie, Röntgenröhren), denen ebenso unterschiedliche technisch-physikalische Prinzipien (Schallwellen, Gammastrahlung) zugrunde liegen. Die Gemeinsamkeit dieser Instrumente liegt in der bildlichen Darstellung von anatomischen Gegebenheiten beim Patienten. Viele der eingesetzten Geräte gibt es sowohl für die ortsfeste Anwendung in der radiologischen Abteilung, als auch für den Einsatz am Patientenbett. Auf der Intensivstation werden häufig konventionelle Röntgenaufnahmen benötigt, aber auch im Operationssaal (OP), beispielsweise, wenn komplizierte Frakturen reponiert werden müssen. Für diese Aufgaben stehen fahrbare Röntgenröhren zur Verfügung, die ohne großen technischen Aufwand mobil zu betreiben sind. Die interventionelle Durchleuchtung wird ebenfalls je nach Indikation stationär oder mobil durchgeführt. Beispielsweise leistet die mobile digitale Subtraktionsangiographie (DSA) im OP bei gefäßchirurgischen Eingriffen gute Dienste[1]. Für die Isotopen gestützte Diagnostik außerhalb der nuklearmedizinischen Abteilung stehen mobile Gamma-Kameras zur Verfügung. Bei Verdacht auf Lungenembolie können damit Szintigramme des pulmonalen Gefäßsystems von instabilen Patienten auf der Intensivstation erstellt werden[2]. Sonographiegeräte werden aufgrund der kompakten Bauweise seit ihrer klinischen Einführung mobil verwendet. Im Gegensatz dazu wurden Computertomographen wegen der zugrundeliegenden technischen Prinzipien und der baulichen Komplexität bis vor kurzem nur als stationäre Geräte konzipiert. Jedoch gibt es seit neuerem mobil einsetzbare Computertomographen wie den Tomoscan M (Philips, Utrecht, Niederlande), wodurch CT-Untersuchungen vor Ort auf der Station oder im OP möglich geworden sind.

1.2. Mobile Computertomographie

1.2.1. Mobiler Computertomograph Tomscan M

Die mobile Computertomographie (mCT) verfügt grundsätzlich über die gleichen Fähigkeiten und Eigenschaften wie ein herkömmliches, ortsfestes Gerät. Mit ihm lassen sich sowohl axiale Einzelschicht-, als auch Spiralaufnahmen durchführen. Zur Realisierung der mobilen Einsatzfähigkeit wurde das Gerät modular konzipiert. Es [Seite 8↓]besteht aus den drei Komponenten Gantry, Untersuchungstisch und Computerkonsole, die auf Rollen gelagert sind und getrennt voneinander transportiert werden können.

1.3. Einsatzmöglichkeiten des mobilen Computertomographen

1.3.1. Einsatzorte und zu beachtende Richtlinien

Vielfältige Einsatzorte und –möglichkeiten sind bei der mCT denkbar, wie die Intensivstation oder der Operationssaal. In unserem Klinikum wurden die Genehmigungen für die einzelnen Einsatzorte wie Interventionsraum, Notaufnahme, Angiographie, oder Patientenzimmer auf Grundlage der Röntgenverordnung erteilt. Dabei mussten besondere Auflagen des Landesamtes für Arbeitsschutz (LAGetSi), Gesundheitsschutz und technische Sicherheit in Berlin erfüllt werden, wie sie aus 3.10 im Teil Material und Methoden dieser Arbeit ersichtlich werden.

1. Intensivstation

Aus der Literatur ist ersichtlich, dass insbesondere Patienten von Intensivstationen profitieren könnten, die für einen Transport in die radiologische Abteilung aufgrund des schlechten Gesundheitszustands nicht geeignet sind. Aber gerade für dieses Patientengut ist die sensitive computertomographische Diagnostik besonders wichtig [2-5]. Der Transport und die Untersuchung außerhalb der Intensivstation können aufgrund des kritischen Gesundheitszustands ein unkalkulierbares Risiko darstellen[6, 7]. Aus der ärztlichen und pflegerischen Sicht heraus, könnte sich die CT-Untersuchung auf der Station zudem als Erleichterung bei der Bewältigung der klinischen Routine erweisen. Diese wird durch den hohen logistischen Aufwand für den Transport und den Aufenthalt eines kritisch Kranken außerhalb der sicheren intensivmedizinischen Umgebung eher negativ beeinflusst. Aus der ärztlichen und pflegerischen Sicht heraus, könnte die CT-Untersuchung auf der Station zudem eine Erleichterung bei der Bewältigung der klinischen Routine sein. Diese wird bisher durch den hohen logistischen Aufwand für den Transport und den Aufenthalt eines kritisch Kranken außerhalb der sicheren intensivmedizinischen Umgebung eher negativ beeinflusst. Arbeiten über den Einsatz der mCT in der Intensivmedizin stellen in den bis zum jetzigen Zeitpunkt vergleichsweise wenig vorhandenen Erfahrungsberichten in der Literatur einen Schwerpunkt dar[8, 9].


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2.  Operationssaal

Ein weiterer Schwerpunkt der Studien über den Tomoscan M ist sein Einsatz im Operationssaal[10, 11]. Auch in diesem Bereich scheint eine besondere Indikation für eine unverzügliche computertomographische Diagnostik gegeben zu sein. Denkbar ist dies vor allem bei polytraumatisierten Patienten, die notfallmäßig und umfassend chirurgisch versorgt werden müssen [12]]. Hierbei könnte in der unmittelbaren, intraoperativen computertomographischen Kontrolle der Operationsergebnisse ein wesentlicher Vorteil liegen, da postoperative Komplikationen, die besonders als Blutungen in Erscheinung treten[13], frühzeitig erkannt und behandelt werden können[14]. Die über den chirurgischen Aspekt der CT-Diagnostik vorliegenden Erfahrungsberichte widmen sich vor allem dem Einsatz im neurochirurgischen Operationssaal. Mit letzterem steht die Neuronavigation in einem unmittelbaren Zusammenhang, da die Computertomographie durch ihre hochauflösende Bildgebung die anatomischen Verhältnisse genau widerzugeben vermag. Somit könnten bessere Resektionsergebnisse bei zerebralen Tumoren erreicht werden. Aufgrund der engen Platzverhältnisse und der sensiblen anatomischen Strukturen, deren Lageverhältnisse sich innerhalb weniger Stunden ändern können, ist hier ein gezielteres operatives Vorgehen angezeigt. Darüber hinaus hat die CT-Diagnostik auch bei Eingriffen in anderen Körpersystemen ihre Berechtigung. Dies trifft auch auf interventionelle Maßnahmen zu[11, 15]. Bei perkutanen Eingriffen kann mittels einer CT-Aufnahme das Zielgebiet für die Katheterisierung exakt aufgesucht werden [16].

3. Sondereinsätze

Isolierpatienten, die entweder besonders infektionsgefährdet oder –gefährdend sind könnten mit geringerem hygienischen und infektionspräventivem Aufwand computertomographisch untersucht werden. Beispielsweise könnte dadurch die für pulmonale Läsionen weniger sensitive, konventionelle Röntgendiagnostik bei immunsupprimierten Patienten ersetzt werden[17], welche zudem erst nach einer größeren Latenzzeit verglichen mit der CT positiv wird.
Auch sind außergewöhnliche Verwendungen der mobil einsetzbaren CT denkbar. So könnte ein solches Gerät in Katastrophengebieten betrieben werden, in dem das gesundheitliche Versorgungssystem überfordert (oder zerstört) ist und daher viele Schwerverletzte erst spät adäquat behandelt werden können. Ebenso könnte die mobile CT im Rahmen von militärischen Missionen flexibel im jeweiligen Krisenherd die Diagnostik bei verwundeten Soldaten vor Ort verbessern und sicherstellen.


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1.3.2.  Die erweiterte und unverzügliche radiologische Diagnostik in der Frühphase von Erkrankungen

Der Einsatz des Tomoscan M im Sinne des AUDI-Prinzips schließt den Bogen zu der eingangs erwähnten Verwendung bei kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation. AUDI steht als Abkürzung für Advanced Use of Diagnostic Imaging. Die Realisierung dieses Prinzips bedeutet, dass Patienten schon im Rahmen der Aufnahme entweder in der Rettungsstelle oder auf der Intensivstation computertomographisch untersucht werden[4, 18]. Dadurch soll eine frühzeitige Diagnosesicherung erreicht werden, die eine unverzügliche, adäquate Behandlung des Patienten sicherstellt. Möglicherweise ließe sich so letztlich die Aufenthaltsdauer der Patienten im Krankenhaus verringern, was in Zeiten wachsender Kosten ein wichtiger Aspekt ist.


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04.08.2004