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6.  Zusammenfassung

6.1. 

6.1.1. Einleitung

Mit dem mobilen Computertomographen (mCT) Tomoscan M der Firma Philips wurde die bisher nur ortsfest verwendete Technik der Computertomographie (CT) für den mobilen Einsatz realisiert. Die mCT baut auf einem modularen Konzept der CT-Einheit auf. Gantry, Untersuchungstisch und Bedienkonsole sind per Steckverbindungen miteinander gekoppelt, so dass sie unabhängig voneinander transportiert werden können.
Die mCT kann je nach Bedarf flexibel an verschiedenen Orten, wie dem OP, der In-tensivstation, oder der Notaufnahme eingesetzt werden. Auch kann sie als Ergän-zung zu den Geräten in der radiologischen Abteilung dienen.
Ziel dieser Arbeit war es, den Einsatz der mCT auf einer internistischen Intensivsta-tion zu evaluieren. Haupteinsatzort der mCT war ein speziell eingerichteter Interven-tionsraum auf der Station, jedoch wurden auch CT-Untersuchungen direkt im Patien-tenzimmer vorgenommen.

6.1.2. Methoden

Für die Evaluierung der mCT wurden die einzelnen Arbeitsschritte des Gesamtvorgangs der CT-Untersuchung herausgearbeitet und die Zeitdauer der einzelnen Schritte bestimmt. Diesbezüglich wurde die mCT mit der CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung verglichen. Das intensivmedizinische Personal wurde anhand eines anonymisierten Fragebogens evaluiert, wobei Aspekte wie Patientenbelastung oder Arbeitserleichterung von Interesse waren. Zur Abschätzung der Transportfähigkeit der mit der mCT untersuchten Patienten wurden diese mittels intensivmedizinischer Bewertungssysteme retrospektiv auf ihren Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der CT-Untersuchung analysiert. Verwendung fanden die Scoresysteme APACHE II, MODS und TISS 28, wobei das erste nur für die Patienten (n=5) ergebnisrelevant war, die am Aufnahmetag im Sinne des AUDI-Prinzips mit der mCT untersucht wurden. Weiterhin wurden die einzelnen Patientenfälle mit einem erfahrenen Intensivmediziner diskutiert, so dass eine umfassende Bewertung der Patienten zum Zeitpunkt der Aufnahme und der Untersuchung der Patienten möglich war.


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6.1.3.  Ergebnisse

Die mCT dauerte im Durchschnitt 55 (47-76) Minuten, wohingegen die Untersuchung in der radiologischen Abteilung 65 (51-84) Minuten benötigte. Erhebliche Unterschiede zwischen der mCT und der CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung ergaben sich bei den Arbeitsschritten Transfer, Erstellung des Topogramms und der Bildakquisition. Die Transferzeit stimmte bei der mCT mit der Transportzeit überein. Die Werte der Transferzeiten für die CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung übertrafen die für die mCT deutlich.
Das Personal der nephrologischen Intensivstation bewertete die mCT überwiegend positiv. 81 % der Ärzte und mehr als 50 % der Pflegekräfte empfanden die mCT als Arbeitserleichterung. Nach Ansicht von 63 % der Ärzten und 53 % der Schwestern und Pfleger war die Untersuchung mit der mCT weniger belastend im Vergleich zur CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung. Der logistische Aufwand für die mCT, den 88 % der Ärzte und 53 % der Pflegekräfte durch die mCT verringert sahen, wurde mehrheitlich positiv bewertet. Die Einbindung der mCT in die klinische Routine empfanden 69 % der Ärzte und mehr als die Hälfte des Pflegepersonals als erleichtert bzw. stark erleichtert. Beim Vergleich der CT-Untersuchungsorte votierten 66 % aller Befragten für den Interventionsraum der Intensivstation, die Alternativen Patientenzimmer bzw. radiologische Abteilung favorisierte jeweils die Hälfte der übrigen Befragten (17 %).
Es wurden 24 Patienten, die insgesamt 34 Untersuchungen mit dem mCT unterzogen wurden, retrospektiv anhand der Akten auf ihre Erkrankungsschwere untersucht. 50 % der CT-Untersuchungen fanden zu einem Zeitpunkt statt, da die Patienten einer intensivmedizinischen Maximalbetreuung (Wert > 40 Punkten) bedurften. Dabei waren 14 % der Werte größer als 50. Die Analyse der mit der mCT untersuchten Patienten nach dem MODS ergab für drei (9 %) der 34 Untersuchungstage eine Mortalitätswahrscheinlichkeit der jeweiligen Patienten von 50 %. An 10 (29 %) der 34 Untersuchungstage trugen die untersuchten Patienten ein Mortalitätsrisiko von 25 % nach MODS. Die Bewertung der Erkrankungsschwere der Patienten durch einen erfahrenen Intensivmediziner ergab für 26 der 34 (76 %) Untersuchungszeitpunkte eine uneingeschränkte Transportfähigkeit der Patienten. Bei fünf (15 %) mCT-Untersuchungen wäre eine CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung als Alternative nicht möglich gewesen. In drei Fällen wäre die radiologische Abteilung nur unter Vorbehalt eine Alternative zur mCT gewesen.


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6.1.4.  Diskussion

Die mCT hat sich als Option für die CT-Untersuchung von kritisch Kranken direkt auf der Intensivstation bewährt. Zeitlich ergibt sich ein geringer Vorteil gegenüber der Untersuchung in der radiologischen Abteilung, was vor allem auf die fehlenden Wartezeiten auf den Transportdienst zurückzuführen ist. Die kürzeren Transportwege zum Interventionsraum, die zudem noch innerhalb der schützenden Umgebung der Intensivstation stattfanden, ließen eine bessere Überwachung der Patienten zu. So konnte beispielsweise die Intensivbeatmung mit hochwertigen Beatmungsgeräten während der gesamten Dauer der CT-Untersuchung beibehalten werden. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, warum die Evaluation des Personals eine überwiegend positive Einschätzung der mCT ergab, die mehrheitlich als weniger patientenbelastend bzw. auch als Arbeitserleichterung angesehen wurde. Ein weiterer positiver Aspekt der mCT war, dass das intensivmedizinische Personal die Station nicht verlassen musste und somit auch für die Versorgung der anderen Patienten zur Verfügung stand. Die mCT ermöglichte es bei nicht transportfähigen Patienten eine CT-Untersuchung direkt im Patientenzimmer durchzuführen, wodurch frühzeitig eine bessere Planung des weiteren therapeutischen Vorgehens ermöglicht wurde. Dennoch endete die intensivmedizinische Behandlung für alle im Patientenzimmer untersuchten Patienten letal, was die Schwere der zugrunde liegenden Diagnose unterstreicht. Der Aufwand dieser Untersuchungsmethode war sowohl zeitlich, als auch personell sehr viel höher als die mCT im Interventionsraum, was ebenfalls mit den besonders schweren Krankheitsbildern der jeweiligen Patienten zusammenhing. Der Scoreanalyse (TISS 28) zufolge waren die Patienten bei 50 % der Untersuchungszeitpunkte zumindest als Risikopatienten einzustufen, da sie einer maximalen Intensivtherapie bedurften. Für diese Patientengruppe stellte die mCT eine sicherere Option der CT im Vergleich zur CT-Untersuchung in der radiologischen Abteilung dar, da der Transport von der Intensivstation zur radiologischen Abteilung mit Risiken für die Patienten verbunden ist.


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04.08.2004