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Die medizinische Versorgung wird in den letzten Jahren zunehmend durch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst und z.T. geprägt:
Durch diese Faktoren werden Entwicklungen in der medizinischen Versorgung angestoßen, die nicht nur struktureller bzw. organisatorischer Natur sind, sondern auch in veränderten Versorgungsphilosophien deutlich werden:
Nicht nur die medizinische Versorgung sondern auch die beteiligten Akteure1 stehen im Spannungsfeld dieser Entwicklungen und Veränderungen.
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Chronisch Kranke sind von diesen Entwicklungen im besonderen Maß betroffen. Einerseits rücken ihre Bedürfnisse in den Vordergrund und finden stärkere Beachtung. Andererseits wird durch veränderte Rahmenbedingungen (finanzielle Ressourcen) ihre medizinische Versorgung2 stärker hinterfragt und Maßnahmen hinsichtlich ihrer Effektivität sowie Effizienz kritisch evaluiert.
Multiple Sklerose (MS) ist als häufigste entzündliche demyelinisierende Erkrankung (vgl. Kuhlmann/Brück, 2001 S. 11) und als häufigste neurologische Erkrankung des jungen Erwachsenenalters (vgl. Gold/Rieckmann, 2000) eine der wichtigsten neurologischen chronischen Erkrankungen. Über 120.000 Menschen sind in Deutschland an MS erkrankt. Die Erkrankung kann für die Betroffenen nicht nur zu physischen Beeinträchtigungen sondern auch zu psychischen, sozialen und finanziellen Einschränkungen führen.
Aufgrund der Entwicklungen in der medizinischen Versorgung sind für die Betreuung und Therapie MS-Betroffener neue Aspekte zu berücksichtigen. Patientenorientierte medizinische Versorgung chronisch Kranker verlangt von den beteiligten Akteuren die Kenntnis der spezifischen Lebenssituation und der speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Patientengruppe. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, die Patienten in den therapeutischen Prozess einzubinden. Patienten als Laien in der Medizin müssen dazu befähigt werden, ihre Rechte und Pflichten selbstverantwortlich wahrzunehmen. Informations-, Unterstützungs- und Beratungsangebote müssen daher nicht nur den Anforderungen wissenschaftlich korrekter Darstellung genügen, sondern vor allem auch den Patientenbedürfnissen entsprechen. Wesentliche Aspekte medizinischer Versorgung sind neben Unterstützungsangeboten die Arzt-Patient-Beziehung und die gemeinsame Therapieentscheidung. Patientenbedürfnisse werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst: Die allgemeine Lebenssituation, die Bewältigung des Alltags mit einer chronischen Erkrankung, die Krankheitsbewältigung und den Umgang mit der Erkrankung.
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| Abb. 1: Problemnetz patientenorientierter medizinischer Versorgung | ||
Die Komplexität patientenorientierter Versorgung spiegelt sich in der Abbildung wider. Zwischen den Faktoren bestehen wechselseitige Einflüsse und Abhängigkeiten. Zur Lebenssituation und den konkreten Bedürfnissen MS-Betroffener in Bezug auf die medizinische Versorgung fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse. Aus pflegepädagogischer Sicht genügen Erfahrungswerte oder das Benennen von Implikationen eines Konstruktes wie der Patientenorientierung nicht, um Angebote bedürfnisgerecht zu gestalten. Außerdem wird Patientenorientierung vielfach verwendet, ohne theoretisch begründet zu sein und daher variieren die möglichen Implikationen je nach Betrachter.
Ein neues Angebot für MS-Betroffene ist das ACT Programm3 der Schering AG. Dieses Programm soll alle benannten Bereiche medizinischer Versorgung MS-Betroffener verbessern bzw. unterstützen und damit einen Beitrag zur Compliance leisten. Eine Überprüfung des Programms fehlt bislang.
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Ziel dieser Arbeit ist, durch genauere Kenntnis der Bedürfnisse MS-Betroffener, patientenorientierte Versorgung zu ermöglichen. Angestrebt werden:
Um diese Ziele zu erreichen, sind folgende Fragestellungen zu beantworten:
Aufgrund der komplexen Zielstellung ist ein mehrstufiges Untersuchungsdesign mit methodischer Triangulation notwendig (detailliert siehe Kap. 3).
1. Untersuchungsphase – Exploration des Untersuchungsfeldes
Die erste Untersuchungsphase dient der vertiefenden Exploration des Untersuchungsfeldes mittels problemzentrierter Interviews und Literaturanalyse.
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2. Untersuchungsphase - Instrumententwicklung
In der zweiten Phase wird ein adäquates Untersuchungsinstrument entwickelt und einer Überprüfung unterzogen.
3. Untersuchungsphase – bundesweite Erhebung
In der Hauptphase wird eine bundesweite Befragung MS-Betroffener und behandelnder Ärzte mit standardisierten Instrumenten durchgeführt.
| Abb. 2: Zusammenfassung der konzeptionellen Anlage | ||
1 Im Text wird grundsätzlich die männliche Form verwendet, dies dient der besseren Lesbarkeit und stellt keine Abwertung des weiblichen Geschlechts dar.
2 Versorgung wird in dieser Arbeit als Überbegriff für Betreuung und Therapie verwendet.
3 ACT Programm = ‚Activ im Umgang mit Multiple Sklerose Programm’
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