|
| [Seite 54↓] |
Die Ergebnisse zur Lebenssituation MS-Betroffener aus der bundesweiten Erhebung sind generell Selbstauskünfte und keine objektiven Daten oder Fremdeinschätzungen. Alle Ergebnisse werden mit der Krankheitsdauer als MS-bedingtem Faktor in Beziehung gesetzt. Somit sind erste Rückschlüsse auf potenzielle Einflussfaktoren für das subjektive Erleben wie Zunahme der MS-bedingten Einschränkungen, psychischer Adaptation und Erfahrungszuwachs möglich. Welcher der benannten Aspekte sich auswirkt oder ob Veränderungen multifaktoriell bedingt sind, kann aus dem Zusammenhang zur Krankheitsdauer nicht direkt abgeleitet werden.
Partnerschaft und MS
Die Partnerschaft wird häufig durch die MS beeinflusst: Über die Hälfte der Befragten hat positive oder negative Auswirkungen auf die Partnerschaft erlebt. Lediglich bei 22,7% blieben Folgen für die Partnerschaft aus.
| Abb. 12: MS und Partnerschaft in Bezug zur Krankheitsdauer | ||
| Legende: Angaben in % von Auswirkungen n = 1125 (fehlende zu 100% keine Angabe zutreffend); Trennung: n = 1133 (fehlende zu 100% keine Trennung) |
|
| [Seite 55↓] |
Die Auswirkungen sind bereits zu Beginn der Erkrankung für Betroffene spürbar. Während aber Neubetroffene34 häufiger positive Auswirkungen in Form der Intensivierung der Partnerschaft erleben, nimmt diese im Verlauf deutlich zu Gunsten der Belastung durch die MS ab. Bis zu zehn Jahren nach Krankheitsbeginn steigt auch die Zahl der bereits erlebten Trennungen, danach nimmt die Zahl wieder ab, ist aber trotzdem höher als im Durchschnitt.
Zwischen der Partnerreaktion und der erlebten Auswirkung der MS besteht ein signifikanter Zusammenhang. Insgesamt erleben von 1067 Befragten 47,6% positive Reaktionen der Partner, 41,7% gemischte Reaktionen und 10,7% negative Reaktionen. Bei positiver Reaktion hat die MS gleichzeitig häufiger keinen Einfluss auf die Beziehung oder trägt zu einer Intensivierung bei. Gemischte und negative Reaktionen sind häufig mit einer belasteten Beziehung assoziiert.
| Abb. 13: Auswirkungen der MS auf die Partnerschaft und Partnerreaktion | ||
| Legende: Prozentangaben in Bezug auf die gültigen Angaben zur jeweiligen Auswirkung (n = 1062) |
Auch die Partnerreaktion wird in Abhängigkeit von der Krankheitsdauer unterschiedlich erlebt: Bis zu zehn Jahren nach Krankheitsbeginn überwiegen positive Reaktionen und bei einer Krankheitsdauer über zehn Jahren schildern immerhin noch über 40% die Reaktion positiv. Dennoch nehmen positive Reaktionen bei zunehmender Krankheitsdauer ab und gleichzeitig gemischte bzw. negative Reaktionen zu. Dieser Zusammenhang zwischen Krankheitsdauer und Partnerreaktion ist aber sehr schwach (r = 0,108***).
[Seite 56↓]Freundschaften und MS
Auch Freundschaften werden durch die MS beeinflusst. Über die Hälfte der Befragten gibt Auswirkungen der MS auf Freundschaften an (672 Befragte von 1204 gültigen Antworten). Relativ selten sind engere Beziehungen in Folge der MS, überwiegend werden die Freundschaften distanzierter oder es kommt zu unterschiedlichen Änderungen. In Abhängigkeit von der Krankheitsdauer unterscheiden sich die MS-bedingten Auswirkungen auf Freundschaften signifikant: Zwar schildern ebenso wie im Bezug auf die Partnerschaft bereits Neubetroffene Veränderungen, aber der Anteil, der Auswirkungen erlebt, nimmt im Krankheitsverlauf deutlich zu. Je länger die Erkrankung andauert desto häufiger sind distanziertere Freundschaften während engere Beziehungen abnehmen.
| Abb. 14: Freundschaften und MS in Bezug zur Krankheitsdauer | ||
| Legende: Angaben in %; Veränderungen von Freundschaften n = 672 (keine Veränderung n = 532); Art der Veränderung Angaben bezogen auf n = 658, fehlende zu 100% ‚teils/teils’ |
Die Reaktionen im Freundeskreis werden ähnlich erlebt wie die Partnerreaktionen: von 1177 Befragten geben 7,6% negative Reaktionen im Freundeskreis an, während 46,7% gemischte Reaktionen erlebt haben und 45,7% durchgängig positive Reaktionen schildern. Die Reaktionen der Freunde werden in Abhängigkeit von Krankheitsdauer ähnlich geschildert wie die Partnerreaktion: Mit zunehmender Krankheitsdauer werden häufiger negative Reaktionen als zu Beginn der Erkrankung erlebt, aber insgesamt sind negative Reaktionen selten.
|
| [Seite 57↓] |
Der Anteil der verrenteten Befragten liegt bei 40,9%35: Fast alle Befragten wurden wegen der MS verrentet (95,2%). Zwischen dem Zeitpunkt der Verrentung und der Krankheitsdauer besteht ein mittelstarker Zusammenhang (r = 0,645***).
Auch Veränderungen bei fortdauernder Erwerbstätigkeit werden durch die MS notwendig bzw. als notwendig empfunden: Knapp 30% der Befragten haben ihre Arbeitszeit wegen der MS reduziert und 14,1% den Beruf gewechselt. Die Erfahrungen mit einem Berufswechsel stehen nicht im Zusammenhang mit der Krankheitsdauer, dagegen besteht ein sehr schwacher Zusammenhang zur Reduzierung der Arbeitszeit36. Berufliche Auswirkungen werden schon zu Beginn der Erkrankung deutlich. Besonders häufig sind Erfahrungen mit einer Reduzierung der Arbeitszeit bei Befragten mit einer Krankheitsdauer bis zu fünf Jahren nach Erkrankungsbeginn, danach ähnelt die Häufigkeit dem durchschnittlichen Niveau der Stichprobe.
Die Art der letzten Tätigkeit und die durchschnittliche Arbeitszeit der Befragten steht in einem signifikantem Zusammenhang: Je höher die berufliche Qualifikation desto größer ist der Anteil der Voll- oder Teilzeitbeschäftigten in der Gruppe. Je niedriger die Qualifikation desto eher gehen die Befragten einer geringfügigen oder keiner Beschäftigung nach.
Tab. 27: Erwerbstätigkeit und Art der (letzten) Tätigkeit
|
Arbeitszeit Tätigkeit |
35 h |
15 – 34 h |
Ausbildung Umschulung |
< 15 h/ nicht erwerbstätig |
Gesamt |
|
Un-/Angelernt |
20,0 |
8,6 |
0 |
71,5 |
35 (2,9%) |
|
Angestellte/Beamte – Ebene der Tätigkeit |
|||||
|
Einfach |
8,8 |
9,4 |
1,2 |
80,7 |
171 (14,1%) |
|
Mittel |
30,0 |
13,8 |
1,3 |
54,9 |
637 (52,4%) |
|
Höher/Selbständig |
34,9 |
14,5 |
0 |
50,6 |
241 (19,8%) |
|
Sonstiges |
27,0 |
12,7 |
7,9 |
52,4 |
63 (5,2%) |
|
| [Seite 58↓] |
Im Alltag erleben die Befragten die MS überwiegend als Belastung oder mindestens als teilweise Belastung: Belastend schätzen 44,5% von 1208 Befragten die MS ein, 46,8% empfinden sie als teilweise belastend und nur 8,8% fühlen sich subjektiv im Alltag durch die MS nicht belastet. Diese Einschätzung verändert sich im Krankheitsverlauf: Neubetroffene erleben die MS sehr häufig in Teilbereichen des Alltags als Belastung. Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt das allgemeine Belastungserleben zu und gleichzeitig wird die MS seltener als teilweise oder nicht belastend empfunden.
Tab. 28: Alltagsbelastung und Krankheitsdauer
|
Krankheitsdauer |
Alltagsbelastung |
|||
|
n |
Ja |
Teilweise |
nein |
|
|
Gesamt |
1197 |
44,4 |
46,7 |
8,9 |
|
bis 12 Monate |
123 |
28,5 |
58,5 |
13,0 |
|
bis 5 Jahre |
417 |
39,3 |
48,4 |
12,2 |
|
bis 10 Jahre |
299 |
45,8 |
48,8 |
5,4 |
|
über 10 Jahre |
358 |
54,7 |
38,8 |
6,4 |
Kennzeichen für die objektive Behinderung durch die MS sind Hilfsmittelabhängigkeit und Pflegebedürftigkeit: 38,5% der Befragten benötigen mindestens ein Hilfsmittel, 20,3% geben Pflegebedarf an. Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt der Bedarf in beiden Bereichen zu, der objektive Behinderungsgrad steigt. Dieser Zusammenhang ist aber nur schwach ausgeprägt (r Pflegebedarf = 0,423***, r Hilfsmittelbedarf = 0,461***).
Durch die MS werden unterschiedliche Funktionsbereiche (vgl. Tab. 22, S. 47) eingeschränkt. Fast 80% der Befragten sind in mindestens vier Funktionsbereichen beeinträchtigt. Sehr selten sind keinerlei Einschränkungen (1,4%) oder nur ein betroffener Funktionsbereich (2,4%). Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt die Zahl der betroffenen Funktionsbereiche zu. Relativ stabil ist der Anteil Befragter mit vier eingeschränkten Funktionssystemen.
|
| [Seite 59↓] |
| Abb. 15: Einschränkungen in Bezug zur Krankheitsdauer | ||
| Legende: n = 1154; Angaben i. % (der Krankheitsdauer), (chi² Test p = 0,000; r = 0,251***) |
Die Auswirkung der Einzelsymptome auf die Alltagsbewältigung wird unterschiedlich wahrgenommen37: Die stärkste Einschränkung erleben Betroffene durch begrenzte Mobilität und Fatigue. Im Vergleich eher schwachen Einfluss haben Sprach- und Sehstörungen, Gefühlsstörungen der Hände/Finger und Spastik der oberen Extremität.
Tab. 29: Vorhandene Einzelsymptome und ihre Auswirkung auf den Alltag
|
Störung von/ Symptom |
Median Alltagsbelastung |
|||||
|
- 1J. |
- 5 J. |
- 10 J. |
>10 J. |
Alle |
r |
|
|
Mobilität |
||||||
|
Gleichgewicht (n = 932)* |
2,05 |
2,06 |
2,18 |
2,31 |
2,18 |
0,120*** |
|
Spastik unt. Extremität (621)* |
1,89 |
2,18 |
2,23 |
2,36 |
2,25 |
0,123** |
|
Gangunsicherheit (937)* |
2,09 |
2,23 |
2,35 |
2,57 |
2,37 |
0,206*** |
|
Gehstrecke (887)* |
2,41 |
2,41 |
2,67 |
2,66 |
2,57 |
0,154*** |
|
Arm-/Handfunktion |
||||||
|
Spastik ob. Extremität (372) |
2,17 |
1,94 |
1,88 |
1,98 |
1,96 |
-0,016 |
|
Gefühl Hände/Finger (799)* |
2,04 |
1,78 |
1,89 |
1,98 |
1,90 |
0,057 |
|
Feinmotorik Hände (742)* |
1,97 |
1,99 |
2,08 |
2,23 |
2,11 |
0,128** |
|
Kognitiv |
||||||
|
Konzentration (880) |
2,03 |
2,16 |
2,11 |
2,02 |
2,09 |
-0,044 |
|
Ermüdung (1076)* |
2,31 |
2,44 |
2,37 |
2,28 |
2,36 |
-0,061* |
|
Vegetativ |
||||||
|
Sexualität (558) |
2,08 |
2,13 |
2,24 |
2,26 |
2,21 |
0,067 |
|
Blase/Darm (763)* |
2,06 |
2,06 |
2,30 |
2,45 |
2,29 |
0,206*** |
|
Sprache (334) |
1,52 |
1,69 |
1,77 |
1,71 |
1,71 |
0,055 |
|
Sehen (649)* |
2,17 |
1,91 |
2,06 |
1,79 |
1,93 |
-0,089* |
|
Schmerzen (560) |
2,05 |
2,06 |
2,14 |
2,15 |
2,11 |
0,049 |
|
| [Seite 60↓] |
Die Krankheitsdauer wirkt sich unterschiedlich auf die subjektiv empfundene Alltagseinschränkung durch einzelne Symptome aus.
Bestehen signifikante Korrelationen zwischen Krankheitsdauer und erlebter Alltagsbelastung, dann sind diese grundsätzlich sehr schwach oder schwach.
Soziale Beziehungen werden nicht nur durch die MS beeinflusst, das nähere soziale Umfeld ist auch gleichzeitig die wesentliche Ressource für notwendige Unterstützung im Alltag (psychische oder aktive Hilfe). Professionelle Hilfe ist dagegen sehr viel geringer ausgeprägt. Die Krankheitsdauer wirkt sich überwiegend statistisch nicht signifikant aus.
Psychische Unterstützung
Psychische Unterstützung erleben die Befragten vor allem vom Partner, Freunden und anderen Familienangehörigen. Andere MS-Betroffene werden von fast 20% genannt. Professionelle psychische Unterstützung erfolgt kaum. Keine psychische Unterstützung erleben 13% der Befragten.
Aktive Hilfe
Aktive Hilfe erfolgt meist durch den Partner oder Familienangehörige. In geringerem Ausmaß sind Freunde beteiligt. Auch aktive Hilfe wird selten von Professionellen geleistet. Keinerlei Hilfe erhalten 23% der Befragten.
Pflege
Pflegerische Hilfe erfolgt überwiegend vom Partner oder anderen Familienangehörigen. Professionelle Pflegekräfte stehen erst an dritter Stelle.
|
| [Seite 61↓] |
| Abb. 16: Unterstützung: Formen und beteiligte Personen | ||
| Legende: n = 1219, keine Antwort wird als keine entsprechende Unterstützung gewertet (Abgleich mit den Daten der ‚umgebenden’ Fragen lässt diesen Rückschluss in der überwiegenden Zahl d. Fälle zu) |
Mit der Aufklärung über ihre Diagnose38 werden die meisten Betroffenen das erste Mal mit der MS konfrontiert, Ausnahme sind Angehörige medizinischer Berufe oder Befragte mit Kontakten zu Betroffenen. Vorkenntnisse haben lediglich 20% der Befragten. Die häufigste Erstreaktion ist Angst. An zweiter Stelle stehen negative Reaktionen wie Wut und Verleugnung. Allgemeine Vorurteile wie Rollstuhl oder Pflegebedarf werden ebenso häufig geschildert wie positive Reaktionen.
Tab. 30: Reaktionen auf die Diagnose39
|
Kategorie |
Beschreibung |
Ja |
Nein |
|
Angst |
Zukunftsangst, (un)spezifische Angst |
50,2 |
45,0 |
|
Negative Reaktion |
Wut, Ablehnung, Verleugnung |
37,7 |
57,5 |
|
Allgemeine Vorurteile |
Rollstuhl, Pflegebedarf |
25,4 |
69,7 |
|
Positive Reaktion/Aktivität |
Informationssuche, Ressourcen |
25,4 |
69,7 |
|
Gewissheit/Erleichterung |
Bestätigung Verdacht, nicht tödlich, kein Hypochonder, bekannt à Therapierbarkeit |
16,0 |
79,2 |
|
Depressive Reaktion |
Suizid, Trauer, Schock |
12,1 |
83,1 |
|
Sonstiges |
Keine Einordnung in die anderen Kategorien |
7,6 |
87,5 |
|
| [Seite 62↓] |
Ein Zusammenhang zwischen Vorkenntnissen und erster Reaktion auf die MS zeigt sich bei den Reaktionen Angst und Gewissheit. Ängste sind bei vorinformierten Befragten seltener, Gewissheit dagegen häufiger. Die anderen potenziellen Reaktionen bleiben unbeeinflusst von Vorkenntnissen.
Charakteristisch für eine nachfolgende aktive oder passive Reaktion sind Informationssuche (aktives Verhalten) oder Verdrängen (passives Verhalten). Überwiegend tendieren die Befragten zur Aktivität (62,6%). Der Anteil Betroffener, die zur Passivität und Verdrängen neigen ist mit 22,5% viel geringer. 14,3% konnten sich nicht für eine handlungsleitende Orientierung entscheiden, häufiger waren in diesen Fällen aber schon Vorkenntnisse vorhanden.
Der überwiegende Anteil der Befragten gibt eine Änderung der Lebenseinstellung durch die MS an (65,4%). Zumindest z.T. hat sich die Lebenseinstellung bei 24,5% geändert, nur 9,1% änderten ihre Einstellung nicht. Im Krankheitsverlauf nimmt die Änderung der Lebenseinstellung zu, um dann bei einer Krankheitsdauer über 10 Jahre wieder leicht abzunehmen. Aber durchgängig geben mehr als die Hälfte der Befragten eine Änderung an.
Die besondere Bedeutung der MS im subjektiven Erleben der Betroffenen spiegelt sich auch in der konkreten Wahrnehmung der Erkrankung wider. Charakteristisch sind der individuelle Umgang mit der MS und die subjektive Einstellung zur Krankheit:
|
Umgangsform |
Häufigkeit |
In % |
|
MS Teil des Lebens, nicht beherrschend |
615 |
50,5 |
|
MS einschätzbar |
220 |
18,0 |
|
MS bestimmend |
156 |
12,8 |
|
MS belastend |
155 |
12,7 |
|
Keine Aussage zutreffend |
60 |
4,9 |
Überwiegend wird der eigene Umgang positiv erlebt (68,5%). Lediglich ein Viertel der Befragten empfindet die MS als Belastung oder übermächtig. Ist keine Aussage zutreffend, konnten sich die Befragten meist nicht für eine [Seite 63↓]einzelne Antwort entscheiden (Angabe von mehreren bis zu allen Antworten). Der jeweilige Umgang ist von der individuellen Einstellung als handlungsleitender Orientierung geprägt:
|
Einstellung |
Häufigkeit |
In % |
|
Akzeptanz |
644 |
52,8 |
|
Keine Beschäftigung |
218 |
17,9 |
|
Angst vor der Zukunft wegen Abhängigkeit |
284 |
23,3 |
|
Keine Aussage zutreffend |
58 |
4,8 |
Es überwiegt eine positive Grundeinstellung zur MS: über die Hälfte der Befragten akzeptieren nach eigenen Aussagen ihre Erkrankung. Die Aussage, sich nicht mit der MS zu beschäftigen, kann negativ das Verdrängen beschreiben aber auch positiv, die MS nicht in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Kombination der beiden charakteristischen Merkmale für die Wahrnehmung der MS kann für tendenziell positives, tendenziell negatives und gemischtes Erleben der MS sprechen. Positive Tendenzen sind in der Stichprobe häufiger (56,5%) als negativ geprägtes Erleben. Am häufigsten ist die Akzeptanz der MS als Teil des Lebens. Dagegen ist die Kombination ausschließlich negativer Attribute seltener (12,9%).
| Abb. 17: Umgang und Einstellung zur MS | ||
| Legende: in % der Gesamtstichprobe |
Aus Umgang und Einstellung kann durch Zusammenfassen verwandter Einschätzungen ein Wahrnehmungsindex abgeleitet werden. Leitend für die Zu[Seite 64↓]ordnung ist die angenommene Grundorientierung. Hauptbedeutung bei gemischten Einschätzungen wird der negativen Orientierung beigemessen, um Verharmlosung oder Ignoranz negativer Empfindungen zu vermeiden.
|
Wahrnehmung |
Anteil in % |
Umgang |
Einstellung |
|
Positive Färbung |
|||
|
Positive Akzeptanz |
41,2 |
Akzeptanz |
Teil des Lebens |
|
Einschätzbarkeit |
|||
|
Positive Nichtbeschäftigung |
15,3 |
Keine Beschäftigung |
Teil des Lebens |
|
Einschätzbarkeit |
|||
|
Negative/Gemischte Färbung |
|||
|
Zentrale Rolle/Bedeutung der MS |
11,2 |
Akzeptanz |
Bestimmend |
|
Angst |
Bestimmend |
||
|
MS als Belastung |
11,2 |
Akzeptanz |
Belastend |
|
Angst |
Belastend |
||
|
MS als Bedrohung |
9,0 |
Angst |
Teil des Lebens |
|
Einschätzbarkeit |
|||
|
Verdrängen bei negativer Bewertung |
1,9 |
Keine Beschäftigung |
Bestimmend |
|
belastend |
|||
|
Gültige Antworten gesamt |
89,80 |
Ohne keine Aussage zutreffend |
|
Die Kombinationen von Umgang und Einstellung, die angegeben wurden, scheinen sich z.T. zu widersprechen (z.B. Angst und Einschätzbarkeit der MS). Die Einordnung der Kombinationen in charakterisierende Wahrnehmungsmuster hängt daher von den einzelnen Kombinationen ab, statt den Umgang oder die Einstellung generell als leitendes Element zu nutzen:
|
| [Seite 65↓] |
| Abb. 18: Wahrnehmungsmuster im Krankheitsverlauf | ||
| Legende: n = 1187 (chi² Test p = 0,000) |
Im Krankheitsverlauf ändert sich die Wahrnehmung der MS z.T. deutlich: Das Bedrohungspotenzial der MS nimmt im Verlauf der Erkrankung ab, während die positive Nichtbeschäftigung und das Belastungserleben im Verlauf zunehmen. Variabel ist die positive Akzeptanz als häufigstes Wahrnehmungsmuster: Nach der Orientierungsphase Neubetroffener ist sie bei einer Krankheitsdauer zwischen einem und fünf Jahren überdurchschnittlich häufig, im weiteren Verlauf wird die Akzeptanz wieder seltener. Nahezu unbeeinflusst bleibt die Wahrnehmung der MS als bestimmendes Element im Leben.
Die Reaktion auf die Diagnose und die Wahrnehmung der MS werden z.T. durch das Bedrohungspotenzial der MS bestimmt. Spezifische Merkmale der MS und potenzielle Krankheitsfolgen können Sorgen bei den Betroffenen auslösen: Besonders häufig sind Sorgen wegen des unklaren Krankheitsverlaufs (70,1%). Deutlich seltener wird die Angst wegen bestehender bzw. möglicher Abhängigkeit von Hilfe genannt (35, 2%). An dritter Stelle steht die Sorge wegen der Unheilbarkeit der MS (29,5%). Potenzielle persönliche Folgen und die unklaren Ursachen der MS wirken sich seltener aus.
Die Krankheitsdauer wirkt sich z.T. signifikant auf die Bedeutung der einzelnen Sorgen aus: Den unklaren Verlauf empfinden Betroffenen mit langjähriger MS Erfahrung (über 10 Jahre Krankheitsdauer) signifikant seltener be[Seite 66↓]ängstigend als Betroffene mit kürzerer Krankheitsgeschichte. Die Sorge wegen Abhängigkeit von Hilfe verstärkt sich mit zunehmender Krankheitsdauer. Berufliche Folgen werden je nach Krankheitsdauer unterschiedlich erlebt, bis zu fünf Jahren nach Diagnose nimmt die Sorge zu und danach ab. Die anderen Ängste und Sorgen bleiben von der Krankheitsdauer unbeeinflusst.
Tab. 34: Sorgen MS-Betroffener im Krankheitsverlauf
|
Sorge |
Anzahl |
Gesamt |
- 1 Jahr |
- 5 J. |
- 10 J. |
> 10 J. |
|
Unklarer Verlauf* (p = 0,047) |
842 |
70,1 |
72,0 |
70,6 |
72,7 |
63,6 |
|
Abhängigkeit von Hilfe* (p = 0,000) |
423 |
35,2 |
24,8 |
27,3 |
37,0 |
44,4 |
|
Unheilbarkeit |
354 |
29,5 |
33,6 |
26,6 |
33,0 |
27,7 |
|
Private Folgen |
246 |
20,5 |
21,6 |
22,0 |
18,0 |
19,5 |
|
Berufliche Folgen* (p = 0,000) |
181 |
15,1 |
17,6 |
23,9 |
12,7 |
5,5 |
|
Unklare Ursachen |
164 |
13,7 |
13,6 |
12,9 |
11,3 |
15,1 |
|
Sonstiges |
29 |
2,4 |
4,0 |
2,6 |
2,3 |
1,4 |
Die Befragten erleben verschiedene Unterstützungsarten im Umgang mit der MS: psychische Unterstützung durch Gespräche und Verständnis, kognitive Unterstützung durch Information und Beratung sowie aktive Unterstützung durch aktive Hilfe. Als Mischform psychischer und kognitiver Unterstützung ist der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen zu werten.
Die Unterstützungsarten haben für die Befragten unterschiedliche Bedeutung und Wertigkeit im Umgang mit MS: Besonders groß ist die Bedeutung empathischer Unterstützung: Über 80% der Befragten empfinden sie als wesentliche Hilfe im Umgang mit der MS. Rationale Hilfe, die vor allem kognitive Verarbeitungsmuster bedient, ist für fast 2/3 der Befragten wichtig. Knapp die Hälfte nutzt den Erfahrungsaustausch. Aktive Hilfe wird nur von knapp 1/5 der Befragten als Unterstützung im Umgang mit der MS erlebt.
Zwischen der Art der Unterstützung und der Krankheitsdauer besteht z.T. ein signifikanter Zusammenhang. Die Bedeutung kognitiver Unterstützungsarten nimmt mit zunehmender Krankheitsdauer kontinuierlich ab, während aktive Hilfe deutlich an Bedeutung gewinnt. Gespräche als empathische Unterstützung verlieren im Krankheitsverlauf ebenfalls an Bedeutung. Tendenziell [Seite 67↓](nicht signifikant) ist dieser Bedeutungsverlust auch bei der empathischen Unterstützung insgesamt und dem Verständnis als empathische Unterstützungsform zu beobachten. Die Bedeutung des Erfahrungsaustausches nimmt dagegen im Krankheitsverlauf tendenziell zu.
Tab. 35: Unterstützungsformen und ihre Bedeutung (Krankheitsverlauf)
|
Art der Unterstützung |
Anteil ( i. % Stichprobe) |
- 1 Jahr |
- 5 Jahre |
- 10 Jahre |
> 10 J. |
|
Empathie – Gesamt |
989 (81,3%) |
86,4 |
82,2 |
81,3 |
78,1 |
|
Gespräche* |
733 (60,5%) |
70,4 |
64,2 |
60,7 |
52,1 |
|
Verständnis |
602 (49,4%) |
51,2 |
48,3 |
49,0 |
49,6 |
|
Kognitiv – Gesamt* |
787 (64,6%) |
79,2 |
70,1 |
66,3 |
52,1 |
|
Information* |
692 (56,8%) |
64,0 |
63,2 |
59,3 |
44,9 |
|
Beratung* |
211 (17,3%) |
26,4 |
17,9 |
16,7 |
14,0 |
|
Kognitiv-empathisch Erfahrungsaustausch |
586 (48,1%) |
44,8 |
46,4 |
49,0 |
51,0 |
|
Aktive Hilfe* |
239 (19,6%) |
8,0 |
12,0 |
18,3 |
32,9 |
Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität werden beim SF-36 acht Einzeldimensionen unterschieden, die in zwei Summenskalen (physisch, psychisch) umgerechnet werden (vgl. Bullinger/Kirchberger, 1998):
Im Vergleich mit der bundesdeutschen Normbevölkerung bewertet die Stichprobe alle Dimensionen schlechter (negative Abweichung der Werte). Folglich werden auch körperliche und psychische Summenskala schlechter bewertet. Körperliche Funktionsfähigkeit, körperliche Rollenfunktion, soziale [Seite 68↓]Funktionsfähigkeit, Vitalität und emotionale Rollenfunktion weisen große Unterschiede auf. Die geringsten Abweichungen bestehen bei psychischem Wohlbefinden und Schmerzen.
Tab. 36: Gesundheitsbezogene Lebensqualität in Teilbereichen
|
Aspekt |
KÖFU |
KÖRO |
SCHM |
AGES |
VITA |
SOFU |
EMRO |
PSYC |
|
Stichprobe AM |
48,35 |
39,52 |
68,57 |
49,23 |
41,72 |
63,75 |
60,89 |
61,49 |
|
Standardabweichung |
32,44 |
40,30 |
31,27 |
20,72 |
19,38 |
27,06 |
43,50 |
19,70 |
|
Minimum/Maximum |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
0/100 |
|
Normstichprobe AM |
85,71 |
83,70 |
79,08 |
68,05 |
63,27 |
88,76 |
90,35 |
73,88 |
|
Z-Werte (Abweichung von Normstichprobe) |
-1,69 |
-1,39 |
-0,38 |
-0,93 |
-1,17 |
-1,36 |
-1,15 |
-0,76 |
|
Gültige Antworten |
713 |
673 |
718 |
719 |
664 |
701 |
712 |
710 |
Der Mittelwert für die physische Summenskala liegt bei 38,33 (Std.abw.: 11,69; Normstichprobe 50,21) und für die psychische Summenskala bei 44,89 (Std.abw.: 11,96; Normstichprobe 51,54). Die Befragten (n = 719) bewerten ihren Gesundheitszustand verglichen mit dem Vorjahr selten als besser (20,5%). 44,4% empfinden ihn als schlechter und 35,2% als unverändert.
Die Krankheitsdauer beeinflusst die Einschätzung von körperlicher Funktionsfähigkeit, körperlicher Rollenfunktion und sozialer Funktionsfähigkeit signifikant. Auch die physische Summenskala verändert sich signifikant:
| Abb. 19: Einzelne Dimensionen des SF-36 im Bezug zur Krankheitsdauer | ||
| Legende: Angaben Arithmetische Mittelwerte, Angaben in Klammer Zahl der gültigen Antworten |
Die Qualität der körperlichen Dimensionen wird mit zunehmender Krankheitsdauer zunehmend schlechter eingeschätzt. Die soziale Funktionsfähigkeit [Seite 69↓]bewerten Betroffene mit einer Krankheitsdauer zwischen einem und fünf Jahren am besten, Neubetroffene empfinden sie schlechter und nach fünf-jähriger Krankheitsdauer verschlechtert sich die Bewertung kontinuierlich. Tendenziell werden die anderen Dimensionen mit zunehmender Krankheitsdauer negativer eingeschätzt. Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt das physische Wohlbefinden (Summenskala) signifikant ab, dagegen steigt das psychische Wohlbefinden tendenziell (nicht signifikant).
Zur Erhebung der Lebenszufriedenheit werden vier Dimensionen (aus 19 Indikatoren) und die allgemeine Zufriedenheit unterschieden. Die Dimensionen sind: Physis, Psyche, soziales Leben und Alltag.
Die allgemeine Zufriedenheit der Befragten liegt im Mittel40 bei 3,0. Die einzelnen Dimensionen werden etwas schlechter bewertet. Am geringsten ist die psychische Zufriedenheit. Zwischen den einzelnen Dimensionen und der allgemeinen Zufriedenheit besteht generell ein mittlerer Zusammenhang (rSozial = 0,566***, rAlltag = 0,580***, rPhysis = 0,645***, r Psyche= 0,654***).
Tab. 37: Bewertung der Indikatoren der Einzeldimensionen im Vergleich
|
Dimension/ Indikator |
AM |
Dimension/ Indikator |
AM |
Dimension/ Indikator |
AM |
Dimension/ Indikator |
AM |
|
Physis |
3,25 |
Psyche |
3,40 |
Soziales Leben |
3,06 |
Alltag |
3,12 |
|
Körperliche Leistungsfähigkeit |
4,33 |
Entspannungsfähigkeit |
3,49 |
Sexualleben |
3,83 |
Beruf |
4,03 |
|
Gesundheitszustand |
3,73 |
Persönliches Wohlbefinden |
3,47 |
Ehe/Partnerschaft |
3,00 |
Finanzielle Situation |
3,38 |
|
Krankheitsbewältigung |
2,88 |
Erfolg und Anerkennung |
3,43 |
Familienleben |
2,88 |
Freizeit |
3,01 |
|
Geistige Leistungsfähigkeit |
2,81 |
Selbstwertgefühl |
3,22 |
Unterstützung durch Andere |
2,88 |
Selbständigkeit im Alltag |
2,78 |
|
Medizinische Behandlung |
2,58 |
Freund-/Bekanntschaften |
2,79 |
Wohnen |
2,45 |
Innerhalb der Dimensionen differiert die Zufriedenheit mit den Indikatoren: Besonders groß sind die Unterschiede bei den Dimensionen Zufriedenheit mit der Physis und mit dem Alltag. Bei der psychischen Zufriedenheit liegen [Seite 70↓]die Einschätzungen sehr eng beieinander. Bei der sozialen Zufriedenheit weicht die relativ große Unzufriedenheit mit dem Sexualleben deutlich von den anderen Indikatoren ab. Im Vergleich aller Indikatoren ist die Zufriedenheit mit der körperlichen Leistungsfähigkeit am geringsten und mit der Wohnsituation am höchsten.
Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt die Zufriedenheit in allen Bereichen mit Ausnahme der psychischen Zufriedenheit signifikant ab. Die psychische Zufriedenheit verschlechtert sich nur tendenziell.
Tab. 38: Lebenszufriedenheit im Bezug zur Krankheitsdauer
|
Dauer |
Zufriedenheit |
|||||||||
|
Physisch |
Sozial |
Alltag |
Psyche n.s. |
Allgemein |
||||||
|
AM |
n |
AM |
n |
AM |
n |
AM |
n |
AM |
n |
|
|
Gesamt |
3,25 |
1168 |
3,06 |
1078 |
3,12 |
992 |
3,40 |
1185 |
3,00 |
1200 |
|
bis 12 Monate |
3,10 |
121 |
2,54 |
113 |
2,85 |
118 |
3,24 |
122 |
2,81 |
123 |
|
bis 5 Jahre |
3,10 |
403 |
2,87 |
383 |
2,91 |
384 |
3,32 |
413 |
2,87 |
415 |
|
bis 10 Jahre |
3,34 |
294 |
3,13 |
269 |
3,24 |
248 |
3,47 |
293 |
2,99 |
298 |
|
über 10 Jahre |
3,40 |
342 |
3,43 |
307 |
3,45 |
237 |
3,49 |
349 |
3,23 |
355 |
Zwischen allen Dimensionen sowie den Summenskalen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und allen Dimensionen der Lebenszufriedenheit sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit bestehen Zusammenhänge: Wird der jeweilige Ausschnitt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität besser empfunden, so wird generell auch der getestete Bereich der Lebenszufriedenheit besser eingeschätzt und umgekehrt. Überwiegend sind die Korrelationen aber gering, in Einzelfällen sogar sehr gering.
Tab. 39: Korrelationen der MLDL mit dem SF-3641
|
MLDL |
SF-36 |
|||||||||
|
Skala Körper |
Skala Psyche |
AGES |
VITA |
SOFU |
PSYC |
KÖRO |
KÖFU |
SCHM |
EMRO |
|
|
Allgemein |
-0,211 |
-0,473 |
-0,403 |
-0,440 |
-0,488 |
-0,583 |
-0,268 |
-0,219 |
-0,243 |
-0,271 |
|
Körper |
-0,484 |
-0,407 |
-0,558 |
-0,600 |
-0,504 |
-0,493 |
-0,476 |
-0,437 |
-0,343 |
-0,354 |
|
Psyche |
-0,172 |
-0,603 |
-0,421 |
-0,549 |
-0,502 |
-0,683 |
-0,274 |
-0,182 |
-0,260 |
-0,377 |
|
Sozial |
-0,166 |
-0,357 |
-0,179 |
-0,286 |
-0,422 |
-0,424 |
-0,228 |
-0,206 |
-0,177 |
-0,248 |
|
Alltag |
-0,452 |
-0,345 |
-0,403 |
-0,444 |
-0,47 |
-0,426 |
-0,489 |
-0,493 |
-0,279 |
-0,323 |
|
| [Seite 71↓] |
Die Angaben zur Versorgungssituation sind ebenso wie die Ergebnisse zur Lebenssituation Selbstauskünfte, objektive Grundlagen wie Patientenakten konnten nicht herangezogen werden. Die erhobenen Daten werden ebenfalls mit der Krankheitsdauer in Beziehung gesetzt.
Von 1213 Befragten waren 90,5% (1098) zum Zeitpunkt der Befragung wegen der MS regelmäßig in ärztlicher Behandlung. Diese Befragten werden überwiegend von einem Neurologen betreut (90,6%)42. 37,7% werden ausschließlich oder ergänzend vom Allgemeinarzt (Hausarzt) behandelt. MS-Ambulanz (14,8%) und Heilpraktiker bzw. Homöopathen (10,6%) werden im Vergleich relativ selten genannt. In der Betreuung mehrerer Ärzte sind 48% der Befragten, die in regelmäßiger Behandlung sind. 52% werden nur von einem Arzt wegen der MS regelmäßig betreut. Der Anteil Befragter, der sich nur homöopathisch betreuen lässt, ist sehr gering. Die Kombination schulmedizinischer und homöopathischer Behandlung nutzen dagegen immerhin 10%. Die Arztwahl wird durch die Krankheitsdauer nicht beeinflusst.
Tab. 40: Behandelnde Ärzte - Kombinationen
|
Kombination |
Häufigkeit |
Anteil (in %) |
|
Schulmedizin+Homöopathie |
110 |
10,2 |
|
mehrere Schulmediziner |
408 |
37,8 |
|
Neurologe (ausschließlich) |
502 |
46,6 |
|
Hausarzt (ausschließlich) |
31 |
2,9 |
|
MS – Ambulanz (ausschließlich) |
20 |
1,9 |
|
Homöopathie (ausschließlich) |
6 |
0,6 |
Im Schnitt haben alle Befragten 1,06-mal den Arzt (Std.abw. 1,37) gewechselt. Die Angaben variieren zwischen keinem und neun Wechseln im Krankheitsverlauf. Mit zunehmender Krankheitsdauer nimmt die Zahl der Arztwechsel zu, aber der Zusammenhang ist sehr gering (r = 0,164***).
|
| [Seite 72↓] |
Die Arzt-Patient-Beziehung kann durch verschiedene Faktoren sowie Ebenen und ihre Ausprägung im ärztlichen Verhalten charakterisiert werden:
Die Betroffenen schätzen alle Indikatoren eher positiv ein, was die Zufriedenheit mit der medizinischen Behandlung (zweitbeste Bewertung, siehe Tab. 37, S. 69) unterstreicht. Im Vergleich wird die ‚umfassende Information der Patienten’ am schlechtesten eingeschätzt. Am positivsten bewerten die Betroffenen die Möglichkeit zur Mitentscheidung. Innerhalb der fachlichen Ebene und innerhalb der sozial-kommunikativen Ebene korrelieren die Einschätzungen der Indikatoren stärker miteinander (überwiegend mittelstark oder stark) als mit den Indikatoren der anderen Ebenen (Signifikanzniveau 0,001).
Tab. 41: Einschätzung der Arzt-Patient-Beziehung
|
Indikator (Ebene/Faktor) |
Median (n) |
Zutreffend |
Teils/teils |
Trifft nicht zu |
|
Mitentscheidung (1) |
1,22 (1183) |
78,7 |
17,4 |
3,9 |
|
Offenheit für Probleme (2) |
1,28 (1198) |
74,0 |
20,2 |
5,8 |
|
Offenheit für Vorschläge/Fragen (2) |
1,34 (1189) |
67,4 |
27,8 |
4,9 |
|
Ernst nehmen (2) |
1,24 (1195) |
76,8 |
18,7 |
4,5 |
|
Verständnis zeigen (2) |
1,36 (1189) |
66,1 |
28,3 |
5,6 |
|
Informiertheit über MS (3) |
1,26 (1200) |
75,2 |
21,3 |
3,5 |
|
Umfassende Patienteninfo (3) |
1,44 (1194) |
60,0 |
31,6 |
8,5 |
|
Zeit (4) |
1,35 (1203) |
67,2 |
26,8 |
6,1 |
Die Krankheitsdauer beeinflusst nur die Einschätzungen der ‚Informiertheit des Arztes’ und der ‚Offenheit für Vorschläge’ signifikant. Die Informiertheit bewerten Betroffene mit einer Krankheitsdauer zwischen einem und zehn Jahren besser als die anderen Befragten. Die Offenheit wird von Befragten mit einer Krankheitsdauer über fünf Jahren besser eingeschätzt.
|
| [Seite 73↓] |
Die Erwartungen Betroffener an die Arzt-Patient-Beziehung wurden mit denselben Indikatoren erhoben, die bei der Situationseinschätzung angewendet wurden.
Bei der Einschätzung der Wertigkeit der einzelnen Indikatoren zeigt sich ein starker Deckeneffekt: Alle Indikatoren werden von über 70% der Befragten als ‚sehr wichtig’ benannt. In der Auswahl des wichtigsten Faktors zeigen sich aber z.T. deutliche Unterschiede: Am wichtigsten ist den Befragten ein gut informierter Arzt. An zweiter Stelle steht die Möglichkeit zur Mitentscheidung bei der Therapiewahl. Vergleichsweise gering ist die Bedeutung von Offenheit für Vorschläge und Fragen der Patienten sowie das Verständnis für den Patienten. Die fachliche Ebene (Fachkompetenz des Arztes) ist mit 34,7% der Nennungen wichtigster Faktor. An zweiter Stelle steht mit geringem Abstand die sozial-emotionale Kompetenz mit 32%. Auch die Patientenführung in Form der Mitbeteiligung an der Therapieentscheidung messen die Betroffenen relativ große Bedeutung bei (21,2%). Dagegen ist der äußere Faktor Zeit relativ unbedeutend (11,9%).
Tab. 42: Bedeutung der einzelnen Indikatoren vs. Krankheitsdauer
|
Indikator |
Median (n) |
Gesamt |
- 1 Jahr |
- 5 Jahre |
- 10 Jahre |
> 10 Jahre |
|
Informiert |
1,16 (1206) |
24,3 |
1 |
1 |
2 |
2 |
|
Mitentscheidung n.s. |
1,24 (1202) |
21,2 |
2 |
2 |
1 |
1 |
|
Ernst |
1,20 (1202) |
13,2 |
4 |
3 |
3 |
3 |
|
Zeit |
1,23 (1216) |
11,9 |
2 |
4 |
4 |
4 |
|
Umfassende Info n.s. |
1,25 (1199) |
10,3 |
5 |
6 |
5 |
5 |
|
Offenheit Probleme n.s. |
1,21 (1211) |
10,2 |
5 |
5 |
6 |
6 |
|
Verständnis |
1,32 (1196) |
5,1 |
7 |
7 |
7 |
7 |
|
Offenheit Vorschläge |
1,30 (1199) |
3,7 |
8 |
8 |
8 |
8 |
Die Krankheitsdauer wirkt sich z.T. signifikant auf das Anforderungsprofil an den behandelnden Arzt aus. Zu allen Zeitpunkten sind Patientenführung und Fachkompetenz in Form der Informiertheit des Arztes für die Befragten am wichtigsten. Befragte mit einer Krankheitsdauer bis zu fünf Jahren empfinden die Informiertheit als wichtigste Eigenschaft, danach wird der Mitbeteiligung [Seite 74↓]die größte Bedeutung beigemessen. Für Neubetroffene ist die zur Verfügung stehende Zeit als äußerer Faktor ebenso wichtig (2. Stelle der Rangfolge), wie die Beteiligung an der Therapieentscheidung. Betroffene mit längerer Krankheitsdauer setzen ihre Priorität dagegen stärker auf die persönliche Achtung (‚Ernst genommen werden’, 3. Stelle) und messen der Zeit eine geringere Bedeutung bei (4. Stelle).
Die Anwendung medikamentöser und nicht medikamentöser Verfahren zur symptomatischen Therapie bzw. Verlaufsbeeinflussung ist heterogen und Unterschiede in der Anwendung je nach Krankheitsdauer sind signifikant.
Tab. 43: Therapieverfahren im Bezug auf die Krankheitsdauer
|
Verfahren |
Aktuelle Anwendung |
Erfahrungen | ||||||
|
Gesamt |
- 1 Jahr |
- 5 J. |
-10 J. |
> 10 J. |
Früher |
keine |
K. A. |
|
|
Schubprophylaxe |
56,9 |
74,6 |
73,8 |
63,0 |
42,9 |
16,2 |
19,9 |
8,7 |
|
Symptomatisch |
29,8 |
23,9 |
26,6 |
39,8 |
53,4 |
15,0 |
32,3 |
22,9 |
|
And. Medikation |
45,0 |
44,4 |
58,9 |
51,2 |
60,1 |
16,2 |
19,3 |
19,5 |
|
Naturheilkunde |
17,6 |
13,7 |
26,3 |
20,7 |
26 |
13,4 |
44,1 |
24,9 |
|
Diät |
10,9 |
17,3 |
20,3 |
10,9 |
11,2 |
9,4 |
50,9 |
28,8 |
|
Physiotherapie |
56,0 |
34,9 |
46,6 |
62,9 |
77,1 |
19,4 |
19,1 |
5,5 |
|
Massage |
18,0 |
17,5 |
18,2 |
29,6 |
25,7 |
22,8 |
36,8 |
22,4 |
|
Ergotherapie |
8,7 |
6,9 |
6,7 |
10,9 |
19,5 |
18,1 |
47,7 |
32,1 |
|
Logopädie |
1,2 |
2 |
3,4 |
2,3 |
3,7 |
3,9 |
62,8 |
32,1 |
|
Psychotherapie |
14,4 |
15,5 |
19,9 |
22,9 |
16,1 |
14,5 |
45,9 |
24,8 |
Medikamente zur Schubprophylaxe werden in der Stichprobe am häufigsten angewendet. Mindestens einmal wechselten 38,2% der Befragten (mit Erfahrungen) das Medikament, bei 58,7% war dies bis zum Zeitpunkt der Befragung nicht notwendig. Nichtverschreibungspflichtige Zusatzstoffe wie Vitamine werden von fast der Hälfte der Befragten angewendet. Medikamente zur symptomatischen Therapie werden seltener genutzt. Erfahrungen (Anwendung zum Zeitpunkt der Befragung oder in der Vergangenheit) mit allen medikamentösen Therapieverfahren haben über 1/5 der Befragten (22,6%).
|
| [Seite 75↓] |
Nichtmedikamentöse symptomatische Therapien bzw. Verfahren, die zur Behandlung von Begleiterscheinungen (z.B. psychischen Probleme) eingesetzt werden, werden unterschiedlich genutzt. Krankengymnastische Behandlung ist am häufigsten. Andere Verfahren, die der symptomatischen Therapie dienen, sind dagegen sehr viel seltener und häufig stammen die Erfahrungen aus Rehabilitationsmaßnahmen43. Die Psychotherapie zur Behandlung psychischer Begleiterscheinungen wird nur von 14,4% der Befragten genutzt. Naturheilkundliche Verfahren wenden dagegen 17,4% an und weitere 13,4% haben Erfahrungen aus der Vergangenheit. Auch mit Diäten haben 1/5 der Befragten Erfahrungen (zum Zeitpunkt der Befragung oder früher).
Die Krankheitsdauer wirkt sich unterschiedlich auf die Anwendung der Therapieverfahren aus: Je kürzer die Krankheitsdauer desto häufiger die immunmodulatorische Stufentherapie. Umgekehrt verhält es sich mit der symptomatischen Therapie. Andere Medikamente werden von Neubetroffenen seltener angewendet als von Betroffenen mit einer längeren Krankheitsdauer. Nichtmedikamentöse Verfahren zur symptomatischen Behandlung werden ebenfalls tendenziell häufiger mit zunehmender Krankheitsdauer angewendet. Neubetroffene nutzen Diäten oder naturheilkundliche Verfahren signifikant seltener als Betroffene mit einer Krankheitsdauer bis zu fünf Jahren. Diäten werden nach fünf-jähriger Krankheitsdauer signifikant seltener angewendet, während naturheilkundliche Verfahren auch weiterhin mindestens 1/5 der Befragten nutzen. Psychotherapeutische Verfahren werden mit zunehmender Krankheitsdauer häufiger genutzt.
Die Entscheidung für die Behandlung (oder Nichtbehandlung) zum Zeitpunkt der Befragung wurde meist gemeinsam von Ärzten und Betroffenen getroffen (54,6%). Mit 27,6% ist die von den Betroffenen selbstverantwortete Entscheidung häufiger als die fremdverantwortete Entscheidung durch den behandelnden Arzt (16,4%). Die Krankheitsdauer spielt für die Übernahme der Entscheidungsverantwortung keine signifikante Rolle.
|
| [Seite 76↓] |
Der Bedarf zur Mitbeteiligung an der Therapieentscheidung ist bei den Befragten sehr hoch: fast 95% der Befragten haben die Erwartung an den behandelnden Arzt, an der Entscheidung beteiligt zu werden (siehe vorher). Die Therapieentscheidung wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die im Umkehrschluss die Bedürfnisse der Befragten verdeutlichen:
Abhängig machen Betroffene ihre Entscheidung in erster Linie von der vorhandenen Symptomatik. Ebenfalls große Bedeutung haben wissenschaftliche Erkenntnisse und mögliche Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente. Die Therapieentscheidung basiert folglich auf einer Kosten-Nutzen-Abwägung: Wissenschaftliche Erkenntnisse und auch die vorhandene Symptomatik stehen direkt bzw. indirekt für den möglichen Nutzen, während Nebenwirkungen als persönlich wirksame ‚Kosten’ verstanden werden können. Die Beeinflussung der eigenen Lebensweise ist zwar insgesamt wichtig, aber weniger bedeutsam als die anderen genannten Faktoren. Noch stärker ist der Abstand zur Art der Verabreichung und den tatsächlichen monetären Auswirkungen, die beide für die Befragten eher unwichtig sind.
Tab. 44: Einflussfaktoren für die Therapieentscheidung
|
Faktor |
Median (n) |
Wichtig |
Teils/teils |
Unwichtig |
|
Symptomatik |
1,45 (1156) |
86,5% |
9,6% |
3,9% |
|
Wissenschaftliche Erkenntnisse |
1,60 (1190) |
81,2% |
14,1% |
4,7% |
|
Nebenwirkungen |
1,72 (1198) |
69,9% |
20,2% |
7,9% |
|
Beeinflussung der Lebensweise |
2,25 (1188) |
56,7% |
25,2% |
18,2% |
|
Art der Verabreichung |
3,10 (1177) |
39,2% |
17,2% |
43,6% |
|
Kosten |
3,65 (1182) |
21,8% |
23,4% |
54,8% |
Signifikante Unterschiede im Bezug auf die Krankheitsdauer bestehen bei wissenschaftlichen Erkenntnissen und entstehenden Kosten: Die Bedeutung nimmt in beiden Fällen bis zu zehn Jahre nach Erkrankungsbeginn ab und dann wieder zu.
|
| [Seite 77↓] |
34,5% der Befragten (421) lehnen Medikamente zur Schubprophylaxe ab und begründen ihre Ablehnung: 76,7% dieser Befragten verfügen nicht über Erfahrungen mit entsprechenden Medikamenten, 5,7% wenden trotz Ablehnung diese Medikamente an. 17,6% haben Ablehnungsgründe benannt, machten aber keine Aussage zu ihren Erfahrungen mit der Schubprophylaxe. Die Aussage ‚keine Angabe zutreffend’ wird am häufigsten angegeben. Von den faktischen Gründen ist die fehlende Notwendigkeit wegen eines günstigen Erkrankungsverlaufs Hauptgrund für die Ablehnung. Dies entspricht der besonderen Bedeutung der Symptomatik bei den handlungsleitenden Faktoren der Therapieentscheidung. Medikamenten-Unverträglichkeit steht an zweiter Stelle, ist aber deutlich seltener. Die Ablehnung der Therapieverfahren und mangelnde Wirksamkeit (bezogen auf die eigene Person) werden gleich häufig genannt. Die Ablehnungsgründe werden durch die Krankheitsdauer nicht signifikant beeinflusst.
Tab. 45: Ablehnungsgründe in der Gesamtstichprobe
|
Ablehnungsgrund |
Häufigkeit |
In % (Antworten) |
|
Keine Notwendigkeit wegen günstigem Verlauf |
125 |
29,7 |
|
Unverträglichkeit |
63 |
15,0 |
|
Allgemeine Ablehnung vorhandene Medikamente |
48 |
11,4 |
|
Keine Wirksamkeit der Medikamente |
48 |
11,4 |
|
Keine Angabe zutreffend |
137 |
32,5 |
|
Gesamt |
421 |
34,5% (von 1219) |
Besonders wichtige Informationsressourcen bei der Therapieentscheidung sind der behandelnde Arzt und Erfahrungswissen (eigene Erfahrungen und Erfahrungen anderer Betroffener). Fachliteratur und Studienergebnisse nutzen dagegen nur knapp 1/3 der Befragten und Informationen aus Ratgebern knapp 1/4 der Teilnehmer. Eher unwichtig für die Therapieentscheidung sind Medienberichte, die nur 6,6% der Befragten in die Entscheidung einbeziehen. Meist werden mehrere Quellen genutzt, auf eine einzige Quelle verlassen sich 15,8% der Befragten, (überwiegend behandelnder Arzt oder eigene Erfahrungen). Im Krankheitsverlauf ändern sich die Informationsgewohnheiten der Betroffenen:
|
|
Tab. 46: Informationsquellen (Therapieentscheidung) und Krankheitsdauer
|
Informationsquelle |
Gesamt (n) |
- 1 Jahr |
- 5 Jahre |
-10 Jahre |
> 10 Jahre |
p Chi² T |
|
Arzt |
72,9 (1208) |
77,6 |
72,5 |
79,0 |
66,9 |
0,003 |
|
Studien |
32,0 (1208) |
31,2 |
35,9 |
35,7 |
24,9 |
0,004 |
|
eigene Erfahrungen |
48,1 (1207) |
27,2 |
45,7 |
50,7 |
55,8 |
0,000 |
|
and. Betroffene n.s. |
46,0 (1207) |
51,2 |
44,7 |
45,3 |
46,2 |
0,640 |
|
Ratgeber |
24,1 (1187) |
38,2 |
25,3 |
22,0 |
19,8 |
0,000 |
|
Medien n.s. |
6,5 (1208) |
4,0 |
6,0 |
7,3 |
7,4 |
0,516 |
Von Informationen aus Ratgebern wird die Therapieentscheidung im Krankheitsverlauf im Vergleich zunehmend seltener abhängig gemacht, während Neubetroffene sich deutlich häufiger auf diese Informationen stützen als der Durchschnitt. Ärztlichen Rat bei der Therapieentscheidung nehmen überdurchschnittlich Neubetroffene und Betroffene mit einer Krankheitsdauer zwischen fünf und zehn Jahren in Anspruch. Dagegen verlassen sich Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über fünf Jahren deutlich stärker auf eigene Erfahrungen als Betroffene mit kürzerer Krankheitsdauer. Studienergebnisse nutzen Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über zehn Jahren signifikant seltener. Die Bedeutung von Erfahrungen anderer Betroffener und Medien für die Therapieentscheidung ist von der Krankheitsdauer unabhängig.
Die Befragten informieren sich überwiegend regelmäßig über die MS (67,2%). Unregelmäßig suchen 29,5% Informationen und lediglich 35 (2,9%) Befragte informieren sich nicht über die MS oder MS-spezifische Themen. Die Krankheitsdauer beeinflusst das allgemeine Informationsverhalten nicht.
Die Informationsquellen werden in personengebundene und mediale bzw. in erfahrungsorientierte und medizinisch-fachliche Ressourcen untergliedert. MS-Betroffene werden als personengebundene und mediale Informationsquellen benannt, da Erfahrungsorientierung nicht an spezifische Medien gebunden ist. Das nahe Umfeld wird als erfahrungsorientierte Ressource bewertet, medizinisch-fachliches Wissen ist nur in seltenen Fällen zu erwarten.
|
|
Tab. 47: Informationsressourcen für MS-Betroffene
|
Art der Ressource |
Fachlich |
Erfahrungsorientiert |
Nicht einzuordnen |
|
Medial |
Ratgeber Fachliteratur (Studien) Informationen NPO |
MS-Betroffene Erfahrungsberichte |
Internet Massenmedien |
|
Personengebunden |
Arzt Apotheker Mitarbeiter NPO |
MS-Betroffene Familie/Freunde/Bekannte |
Bei der Nutzung medialer Ressourcen zeigen sich deutliche Präferenzen der Befragten: Hauptinformationsquellen sind Materialien von NPOs, das Internet und andere Betroffene (vgl. Abb. 19). Fachliteratur und Medien werden deutlich seltener genutzt und nur knapp 1/5 der Befragten bezieht die Informationen aus der Ratgeberliteratur.
Die Nutzung medialer Ressourcen wird überwiegend von der Krankheitsdauer beeinflusst: Das Internet wird deutlich stärker von Betroffenen mit einer Krankheitsdauer bis zu zehn Jahren genutzt, bei längerer Krankheitsdauer ist die Nutzung begrenzt. Umgekehrt werden Informationen von NPOs mit zunehmender Krankheitsdauer deutlich wichtiger, bei einer Krankheitsdauer über fünf Jahren sind diese Informationen am wichtigsten für die Befragten. Ratgeber sind für Neubetroffene wichtig und verlieren dann an Bedeutung.
| Abb. 20: Nutzung und Empfehlung von medialen Informationsressourcen | ||
| Legende: n.s.: Krankheitsdauer beeinflusst Nutzung nicht signifikant; chi² Test alle anderen p = 0,000 Ausnahme Fachliteratur p = 0,007 |
|
| [Seite 80↓] |
Die Empfehlung medialer Ressourcen als Informationsquellen für Neubetroffene unterscheidet sich z.T. deutlich vom eigenen Nutzungsverhalten: Während Ratgeberliteratur als erste Informationsquelle sehr viel häufiger empfohlen wird, als sie Betroffene selbst nutzen, wird das Internet seltener empfohlen als es zur eigenen Informationsbeschaffung herangezogen wird. Besonders empfehlenswert sind aus Sicht der Befragten wiederum Informationsmaterialien der NPOs und andere Betroffene.
Tab. 48: Hilfreiche personengebundene Informationsquellen
|
Ressource |
Nennung |
In % der Stichprobe |
In % der Antworten |
|
Fachlich-medizinisch |
1023 |
83,9 |
56,5 |
|
Behandelnde Ärzte |
870 |
71,4 |
39,0 |
|
Mitarbeiter von NPOs |
411 |
33,7 |
18,4 |
|
Apotheker |
46 |
3,8 |
2,1 |
|
Erfahrungswissen |
787 |
64,7 |
43,5 |
|
Andere Betroffene |
529 |
43,4 |
23,7 |
|
Familie, Freunde, Bekannte |
374 |
30,7 |
16,8 |
Behandelnde Ärzte sind die wichtigste personengebundene hilfreiche Informationsquelle (71,4% der Befragten). Immerhin noch 43,4% der Befragten nennen andere Betroffene. Mitarbeiter von NPOs werden im Gegensatz zu deren schriftlichen Informationsmaterialien nur von einem Drittel der Befragten als hilfreiche Ressource bewertet. Fast ebenso häufig wird das nahe persönliche Umfeld als hilfreiche Informationsquelle genannt. Lediglich die Bewertung des Erfahrungswissens anderer Betroffener wird signifikant durch die Krankheitsdauer beeinflusst (zunehmende Bedeutung).
Überwiegend haben die Befragten frühzeitig begonnen, sich zu informieren: direkt nach der Diagnosestellung (42,2%) bzw. beim ersten MS-Verdacht (18,1%). Rund ein Viertel der Befragten benötigte nach der Diagnose einige Wochen bis Monate bis zur Informationssuche (24,7%). Lediglich 13,1% warteten noch länger bis zur Informationsbeschaffung. Nur 0,5% hatten zum Zeitpunkt der Befragung noch kein Interesse an Informationen (keine Neubetroffenen).
|
| [Seite 81↓] |
Die Diagnosestellung ist nicht der einzige Informationsanlass. Die Befragten, die sich nur unregelmäßig informieren (360 = 29,5%), geben als wichtigsten Anlass an, von neuen Erkenntnissen erfahren zu haben (42,8%). An zweiter Stelle stehen körperliche Verschlechterungen (28,3%). Schübe bzw. Verlaufsänderungen (11,9%) oder persönliche Veränderungen (privat oder beruflich) (11,4%) spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. 5,6% geben keinen speziellen Anlass an.
Die Komplexität der MS spiegelt sich in den möglichen Informationsinhalten wider. Generell zeigen die Befragten größeres Interesse an medizinischen Themen als an sozialmedizinischen Inhalten, die aber dennoch für über die Hälfte der Befragten große Bedeutung haben. Das Hauptinteresse im medizinischen Bereich richtet sich auf Therapiemöglichkeiten. Sozialmedizinisch stehen Unterstützungsmöglichkeiten im Vordergrund, aber sie werden seltener genannt als alternative Methoden oder die Ursachen der MS.
Tab. 49: Informationsinteresse der Befragten
|
Themengebiet/Thema |
Gesamt |
- 1 Jahr |
- 5 Jahre |
-10 Jahre |
> 10 Jahre |
p chi² T |
|
Medizinisch |
94,8 |
96,0 |
95,2 |
95,3 |
93,4 |
n.s. |
|
Therapie schulmedizinisch |
72,4 |
63,2 |
71,1 |
78,3 |
72,1 |
0,012 |
|
Alternative Therapie |
39,5 |
32,8 |
41,4 |
39 |
39,7 |
n.s. |
|
Ursachen |
37,9 |
32,8 |
36,4 |
39,3 |
39,7 |
n.s. |
|
Verlauf |
24,4 |
42,4 |
27,8 |
21,3 |
17,0 |
0,000 |
|
Symptome |
14,3 |
24,8 |
13,6 |
13,0 |
12,1 |
0,004 |
|
Sozialmedizinisch |
56,2 |
60,8 |
57,4 |
54,7 |
55,6 |
n.s. |
|
Unterstützung |
33,1 |
26,4 |
30,4 |
32,3 |
39,7 |
0,011 |
|
Zukunft privat |
20,8 |
26,4 |
21,8 |
20,0 |
19,2 |
n.s. |
|
Zukunft beruflich |
18,4 |
30,4 |
26,6 |
15,7 |
7,7 |
0,000 |
Im Krankheitsverlauf ändert sich die Priorität der Themen: Unabhängig von der Krankheitsdauer stehen schulmedizinische Therapieverfahren im Vordergrund des Interesses. Neubetroffene interessieren sich zusätzlich besonders für den Verlauf der MS, während dieser für Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr im Vergleich zu alternativen Therapieverfahren, Ursachen und Unterstützungsmöglichkeiten unwichtiger ist. Die Bedeutung von Informationen über die berufliche Zukunft nimmt mit zunehmender Krankheitsdauer deutlich ab.
|
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Akzeptanz von Seiten der MS-Betroffenen
Der Bekanntheitsgrad des ACT Programms ist bei den befragten MS-Betroffenen nicht hoch: nur 11,6% kennen es. 6,8% haben den Fragebogen zum Programm ausgefüllt. Die Akzeptanz des Programms kann an zwei verschiedenen Aussagen festgemacht werden: 3,2% aller Befragten geben an, das Programm zu nutzen. Gleichzeitig werden 4,3% den Selbstbeobachtungsbogen als Hauptbestandteil wieder ausfüllen, was für die Akzeptanz von ACT spricht. Ist das Programm Betroffenen bekannt, so ist die Akzeptanz folglich relativ gut.
Tab. 50: Akzeptanz des Programms
|
Bezugsgröße |
Anzahl absolut |
Bekanntheit |
Nutzung |
Selbstbeobachtungsbogen |
|
|
Mindestens 1-x |
Wiederholung |
||||
|
Gesamtstichprobe |
1219 |
11,6 |
3,2 |
6,2 |
4,3 |
|
ACT bekannt |
142 |
Entfällt |
27,5 |
70,4 |
37,3 |
|
ACT Fragebogen ausgefüllt |
83 |
Entfällt |
47,0 |
91,6 |
63,9 |
Akzeptanz von behandelnden Ärzten
Von 195 befragten behandelnden Ärzten aus dem neurologischen Bereich kennen 31,8% das ACT Programm. 10,3% aller befragten Ärzte geben das Programm an MS-Betroffene weiter, dies entspricht 32,3% der Ärzte, die ACT kennen. Die anderen Ärzte, denen das Programm bekannt ist, lehnen die Weitergabe aus unterschiedlichen Gründen ab:
Am häufigsten werden Gestaltung und Inhalt des Programms selbst kritisiert. An zweiter Stelle steht das Vorhandensein eigener Konzepte, die mit dem Programm nicht vereinbar sind. Unvereinbare Rahmenbedingungen und die Störung der eigenen Routine werden ebenfalls relativ häufig bemängelt, dagegen sind fehlender Nutzen für den ärztlichen Arbeitsalltag oder patientenbezogene Gründe eher selten.
|
|
Tab. 51: Ablehnungsgründe und übergeordnete Kategorien
|
Kategorie/Grund |
Nennungen |
||
|
absolut |
In % (Antworten: 193) |
In % (40 Fälle) |
|
|
PROGRAMM (Fälle) |
37 |
92,5 |
|
|
keine Einarbeitung |
28 |
14,5 |
70,0 |
|
gezieltes Auswählen der Infos nicht mgl. |
11 |
5,7 |
27,5 |
|
Zu viele Infos |
3 |
1,6 |
7,5 |
|
detaillierte Erklärung |
8 |
4,2 |
20,0 |
|
nicht neutral |
3 |
1,6 |
7,5 |
|
Pharmafirma |
6 |
3,1 |
15,0 |
|
negative Inhalte |
2 |
1,0 |
5,0 |
|
EIGENE KONZEPTE (Fälle) |
27 |
67,5 |
|
|
Gespräche besser |
15 |
7,8 |
37,5 |
|
Individuelles Arbeiten |
25 |
13,0 |
62,5 |
|
eigene Konzepte |
9 |
4,7 |
22,5 |
|
RAHMENBEDINGUNGEN (Fälle) |
23 |
57,5 |
|
|
Zeitaufwand |
18 |
9,3 |
45,0 |
|
psychosoziale Betreuung nicht mgl. |
9 |
4,7 |
22,5 |
|
EIGENE ROUTINE (Fälle) |
20 |
50 |
|
|
Störung Arbeitsablauf |
9 |
4,7 |
22,5 |
|
andere Arbeitsroutine |
15 |
7,8 |
37,5 |
|
andere Vorstellungen vom Umgang |
5 |
2,6 |
12,5 |
|
EIGENER NUTZEN (Fälle) |
12 |
30 |
|
|
Nutzen der Infos nicht mgl. |
4 |
2,1 |
10,0 |
|
eigener Nutzen |
11 |
5,7 |
27,5 |
|
PATIENT (Fälle) |
8 |
20 |
|
|
Ablehnung Patient |
4 |
2,1 |
10,0 |
|
Patientennutzen |
5 |
2,6 |
12,5 |
|
Unpassend für Patienten |
3 |
1,6 |
7,5 |
In der theoriebasierten formalen Analyse des ACT Programms werden folgende Problemfelder deutlich:
Tab. 52: Theoriebasierte formale Analyse
|
Kategorie |
Indikator |
Beschreibung |
Einschätzung |
|
Handhabung |
|||
|
Format |
DinA4 |
Adäquat |
|
|
Heftung |
Gesamt: Ordner Anteile: unterschiedlich (Klammerbindung, Falzung, Einzelblatt) |
z.T. nicht adäquat |
|
|
Äußere Gestaltung |
|||
|
Allgemein |
Konsistenz |
Farbgestaltung gleich Design der Anteile unterschiedlich |
Nicht konsistent |
|
Lesbarkeit |
Schriftgröße |
Minimum 11pt. |
Grenzwertig |
|
Zeilenabstand |
z.T. kleiner 2pt. |
z.T. nicht adäquat |
|
|
Kontrast/ Hintergrund |
Schrift dunkel, Hintergrund hell Ausnahme Karte ‚Therapiemöglichkeiten’ |
Adäquat mit Ausnahme Karte |
|
|
Äußere Gliederung |
Inhaltsverzeichnis |
Gesamt: Ordnereinteilung, kein Verzeichnis Anteile: fehlt mit Ausnahme Broschüre ‚Freude am Leben’ |
Nicht adäquat |
|
Stichwortverzeichnis |
Fehlt |
Nicht adäquat |
|
|
Überschriften |
Vorhanden |
Gliederungsebenen besser hervorheben |
|
|
Hervorhebungen |
Vorhanden |
Adäquat |
|
|
Abbildungen |
Sehr komplex |
Fragliche Anwenderorientierung |
|
|
Verständlichkeit |
|||
|
Textverständlichkeit |
Reading Ease Score |
Werte: Therapieleitfaden: 35 Freude am Leben: 69 |
Nicht adäquat bei medizinischen Informationen |
|
Fach-/Fremdwörter |
Nur z.T. erklärt |
Nicht adäquat |
|
|
Glossar |
Nur z.T. vorhanden |
Nicht ausreichend |
|
|
Inhaltliche Gliederung |
Einleitung |
Vorhanden |
Ziele nicht deutlich |
|
Innere Logik |
Vorhanden, für Anwender aber nicht deutlich |
Nicht anwenderorientiert |
|
|
| [Seite 85↓] |
Äußere Gestaltung
Das Ordnerformat wird von den befragten Betroffenen insgesamt positiv bewertet, aber verglichen mit der Beurteilung von Aufmachung und Einteilung sind negative Einschätzungen häufiger. Die Aufmachung des Ordners wird von den Befragten positiv beurteilt und ansprechend empfunden, kein Befragter schätzt sie negativ ein. Aus Sicht der befragten Betroffenen ist das Programm gleichzeitig übersichtlich gestaltet: Die Ordnereinteilung wird ansprechend empfunden und die medizinischen Informationsanteile werden überwiegend bewertet.
Tab. 53: Äußere Gestaltung des Programms
|
Aufmachung |
Format |
Einteilung |
Therapieleitfaden |
Therapiemöglichkeiten |
|
|
Gültige Antworten |
82 |
74 |
74 |
74 |
70 |
|
Positiv |
73 (89,0%) |
60 (81,1%) |
71 (96,0%) |
55 (74,3%) |
56 (80,0%) |
|
Negativ |
0 |
14 (18,9%) |
3 (4,0%) |
2 (2,7%) |
2 (2,9%) |
|
Mittel |
9 (11,0%) |
n.z. |
n.z. |
17 (23,0%) |
12 (17,1%) |
Textverständlichkeit
Differenziert beurteilen die Betroffenen die sprachliche Verständlichkeit der einzelnen Anteile für Neubetroffene44:
Therapieleitfaden (n = 73)
61,4% bewerten den Therapieleitfaden als verständlich, Einschränkungen sehen 35,6% und lediglich 2,7% halten ihn für unverständlich.
Karte ‚Therapiemöglichkeiten’ (n = 70)
64,3% halten die Karte für verständlich, 25,7% sehen Einschränkungen und 10% empfinden sie als unverständlich.
Freude am Leben (n = 66)
87,9% empfinden die Broschüre verständlich, 10,6% teilweise verständlich und nur ein Befragter (1,5%) hält sie für unverständlich.
|
| [Seite 86↓] |
Bedeutung der angestrebten Ziele
Die Bedeutung der Zielsetzungen des Programms wird von Betroffenen und behandelnden Ärzten generell sehr hoch eingeschätzt. Die Unterschiede zwischen der Bewertung von Ärzten und Betroffenen sind nicht signifikant. Aber tendenziell schätzen die Betroffenen die Ziele überwiegend wichtiger ein als die Ärzte (Ausnahme Krankheitsverständnis vs. aktiver Umgang).
Tab. 54: Bedeutung der Zielsetzungen von ACT
|
Ziel |
Betroffene |
Ärzte |
||
|
Gültig |
Median |
Gültig |
Median |
|
|
Information |
71 |
1,30 |
25 |
1,39 |
|
Alltagsbewältigung |
73 |
1,52 |
24 |
1,71 |
|
Krankheitsverständnis/ aktiver Umgang mit MS |
75 |
1,52 |
25 |
1,28 |
|
Krankheitsbewältigung |
74 |
1,50 |
25 |
1,52 |
|
Arzt-Patient-Beziehung |
72 |
1,52 |
25 |
1,59 |
|
Therapieentscheidung |
73 |
1,50 |
24 |
1,67 |
Für die befragten Betroffenen steht das Ziel der Information an erster Stelle (signifikanter Unterschied zu allen anderen Zielen). Für die Ärzte ist die Förderung des aktiven Umgangs mit der MS am wichtigsten (Medianvergleiche zulässig – Ausnahmen: ‚Unterstützung der Krankheitsbewältigung’ und ‚Information’).
Erreichbarkeit der Ziele durch das ACT Programm
Die Erreichbarkeit der Ziele durch das Programm bzw. die einzelnen Programmanteile wird von Betroffenen und Ärzten unterschiedlich eingeschätzt:
Aus Sicht der befragten Ärzte werden die Ziele mit Hilfe von ACT zwar prinzipiell erreicht, aber bei den meisten Zielen ist diese Einschätzung eher begrenzt positiv. Die größte Zuversicht betrifft den aktiven Umgang mit der MS. Am niedrigsten ist das Vertrauen in die Verbesserung der Arzt-Patient-Beziehung. Aus Sicht der Betroffenen werden die Ziele nur bedingt erreicht: überwiegend liegen die Mediane im Mittelfeld, lediglich der Beitrag einzelner Anteile zur Alltagsbewältigung und Information wird z.T. besser eingeschätzt.
|
|
Tab. 55: Erreichbarkeit der Ziele mit dem ACT Programm
|
Ziel |
Betroffene |
Ärzte |
|||
|
Therapieleitfaden |
Therapiemöglichkeiten |
Freude am Leben |
Selbstbeobachtung |
ACT gesamt |
|
|
Information |
2,44 (72) |
2,97 (64) |
(24) 2,20 |
||
|
Alltagsbewältigung |
2,76 (65) |
2,38/2,97 (74) |
(23) 2,27 |
||
|
Therapieentscheidung |
3,07 (71) |
2,97 (73) |
(23) 2,40 |
||
|
Krankheitsbewältigung |
3,00 (75) |
(23) 2,21 |
|||
|
Positiver Umgang |
3,11 (71) |
3,03 (74) |
(23) 1,68 |
||
|
Arzt-Patient-Beziehung |
3,36 (70) |
3,35 (69) |
(24) 2,44 |
||
|
Lebensqualität |
3,45 (73) | ||||
Theoriegeleitete inhaltliche Analyse
Die Ziele des ACT Programms stehen in engem Zusammenhang mit der Patientenorientierung: Das Programm ist ganzheitlich ausgerichtet: soziale, emotionale und physische Dimensionen werden gekoppelt. Die Autonomie wie auch das Expertentum MS-Betroffener sollen durch ACT gestärkt werden. Im Selbstbeobachtungsbogen, auf dem die theoriegeleitete Analyse basiert, wird die Ganzheitlichkeit zusätzlich an einzelnen Fragestellungen deutlich. Die Stärkung von Autonomie und Expertentum beruht dagegen stärker auf den Informationsanteilen und den Hinweisen zur Nutzung des Programms im Arzt-Patient-Kontakt.
Die Ressourcenorientierung wird mit der Selbstbeobachtung nur z.T. verwirklicht, die Art der Fragen ist z.T. deutlich defizitorientiert. Auch die Kernkomponenten der Salutogenese werden durch die Selbstbeobachtung nur z.T. erfasst bzw. gestärkt: Der Sense of comprehensibility kann durch die häufigen Verweise auf Informationen gefördert werden. Indirekt lassen einzelne Fragen auch Rückschlüsse auf den Grad der Informiertheit der Betroffenen zu. Der Sense of manageability wird indirekt erfragt und es existieren direkte Bezüge bei Fragen zum persönlichen Umgang mit einzelnen Erkrankungsaspekten. Die Hinweise zur Lebensplanung können sich stärkend auswirken. Zum Sense of meaningfulness bestehen die geringsten Bezüge.
|
|
Tab. 56: Theoriegeleitete Analyse des Selbstbeobachtungsbogens
|
Kategorie/Indikator |
Beispiele |
Einschätzung |
|
Patientenorientierung |
||
|
Ganzheitlichkeit Selbstbestimmung Expertenschaft |
Intention des gesamten Programms |
|
|
Ressourcenorientierung |
Negative Auswirkungen S. 11 Fragen zu Problemen S. 7 |
defizitorientiert |
|
Familie als Ressource S. 21 Information als Ressource, S. 2, S. 7 |
ressourcenorientiert |
|
|
Salutogenese |
||
|
Verstehbarkeit |
Information als Ressource, S. 2, S. 7 Direkte Informationen S. 11/12/13/23/28/29 Möglichkeit Informationen abzurufen S. 6 Gezielte Fragestellungen S. 13 |
Stärkung |
|
Kenntnisse Therapie S. 16 – 18/3/5/7 |
Indirekt Rückschlüsse |
|
|
Handhabbarkeit |
Auswirkungen/Belastungen durch MS S. 7 Abmildern von Beschwerden S. 15 Langzeittherapie S. 16, S. 17, S. 18 |
Indirekt Rückschlüsse |
|
Umgang mit MS-Therapie, Symptomen, Problemen S. 13/14/24/25 Lebensplanung S. 21, S. 22 |
Direkter Bezug |
|
|
Sinnhaftigkeit |
Lebensqualität/Wohlbefinden, S. 26/27 |
Indirekt eventuell |
Einschätzung der Inhalte aus Nutzersicht
Das gesamte ACT Programm wird von den befragten Betroffenen positiv bewertet. Besonders gut schätzen die Befragten die medizinischen Informationsanteile des Programms ein. Tendenziell schlechter werden Selbstbeobachtung, Merkzettel, Jahresübersicht und die Broschüre Freude am Leben beurteilt. Die Einschätzung des Gesamtprogramms korreliert unterschiedlich mit der Bewertung der einzelnen Anteile: besonders eng ist der Zusammenhang zu den Einschätzungen des Therapieleitfaden und der Broschüre Freude am Leben. Im Bezug auf die anderen Anteile bestehen grundsätzlich mittlere Korrelationen.
Die befragten Ärzte bewerten das Programm und seine Anteile ebenfalls positiv. Die Einschätzung der einzelnen Anteile unterscheidet sich aber von der Beurteilung der Betroffenen: Besonders positiv sind aus ärztlicher Sicht Therapieleitfaden, Jahresübersicht und Selbstbeobachtung. Schlechter eingeschätzt werden die Karte mit den Therapiemöglichkeiten, der Merkzettel und [Seite 89↓]die Broschüre Freude am Leben. Der Zusammenhang der Einschätzung der einzelnen Anteile und des Gesamtprogramms ist geringer ausgeprägt als bei den befragten MS-Betroffenen: lediglich zur Einschätzung des Therapieleitfadens besteht ein mittlerer Zusammenhang (0,506*). Die anderen Zusammenhänge sind schwach.
Tab. 57: Bewertung des Programms und seiner Anteile
|
Anteil |
Betroffene |
Ärzte |
||||
|
Gültig |
Median* |
Korrelation** |
Gültig |
Median* |
Korrelation** |
|
|
Therapieleitfaden |
68 |
1,94 |
0,709*** |
23 |
2,00 |
0,506* |
|
Therapiemöglichkeiten |
68 |
1,91 |
0,503*** |
21 |
2,38 |
0,261 |
|
Selbstbeobachtung |
69 |
2,16 |
0,583*** |
22 |
2,06 |
0,462* |
|
Merkzettel |
64 |
2,19 |
0,480*** |
21 |
2,16 |
0,436* |
|
Jahresübersicht |
59 |
2,19 |
0,408** |
20 |
2,00 |
0,301 |
|
Freude am Leben |
60 |
2,27 |
0,715*** |
19 |
2,25 |
0,240 |
|
Gesamtprogramm |
65 |
1,98 |
XXX |
24 |
2,14 |
XXX |
Die Informationsinhalte werden von den befragten Betroffenen überwiegend als umfassend eingeschätzt: 11,3% der Befragten (62 gültige Antworten) vermissen bei der Broschüre Freude am Leben Inhalte, 30,1% (73 gültige Antworten) halten den Therapieleitfaden für ergänzenswert. Vermisst werden überwiegend Informationen zu alternativen Therapien und therapeutischen Interventionen wie Krankengymnastik oder Psychotherapie.
Die befragten Ärzte geben das ACT Programm an Neubetroffene (80%) und an Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr (72%) ab. An Neubetroffene wird das Programm vor allem bei großem Informationsinteresse bzw. der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Erkrankung abgegeben. Zur Unterstützung der Alltagsbewältigung wird es z.T. genutzt. Betroffene mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr erhalten das Programm ebenfalls bei großem Informationsinteresse oder der Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Aber auch bei Problemen mit der Alltags- und Krankheitsbewältigung wird es eingesetzt. Z.T. wird es bei Verlust der Gehfähigkeit oder [Seite 90↓]anhaltender Krankheitsaktivität trotz Prophylaxe abgegeben. Therapeutisch motivierte Gründe (u.a. keine Beteiligung am therapeutischen Prozess oder an der Therapieentscheidung) sprechen aus Sicht der Ärzte ebenso wenig für den Einsatz wie psychische und private Probleme, fehlendes Krankheitsverständnis oder Zurückhaltung der Patienten in Arzt-Patient-Gesprächen.
Tab. 58: Gründe für Programmabgabe
|
Grund |
Neubetroffene |
Krankheitsdauer > 1J. |
||
|
Median |
Gültig |
Median |
Gültig |
|
|
Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit MS |
1,14 |
23 |
1,00 |
22 |
|
Informationsinteresse |
1,14 |
23 |
1,09 |
22 |
|
Unterstützung Alltagsbewältigung notwendig |
1,56 |
21 |
1,41 |
21 |
|
Keine/wenig gezielte Fragen im Gespräch |
2,38 |
21 |
2,50 |
21 |
|
Kein Verständnis für MS |
2,59 |
21 |
2,59 |
21 |
|
Keine Beteiligung am therapeutischen Prozess |
2,74 |
21 |
2,68 |
21 |
|
Keine Beteiligung an Therapieentscheidung |
2,72 |
21 | ||
|
Anhaltende Probleme Krankheitsbewältigung |
1,32 |
22 |
||
|
Verlust der Gehfähigkeit |
1,86 |
21 |
||
|
Änderung der Verlaufsform |
2,00 |
21 |
||
|
Ablehnung Schubprophylaxe trotz Bedarf |
2,27 |
21 |
||
|
Krankheitsaktivität trotz Prophylaxe |
2,44 |
21 |
||
|
Private Probleme |
2,59 |
21 |
||
|
Psychische Krise |
2,61 |
22 |
||
Aus ärztlicher Sicht ist die Programmweitergabe nicht nur an ein spezifisches Patientenverhalten gekoppelt sondern auch an persönliche Voraussetzungen der MS-Betroffenen: Entscheidend sind Reflexionsfähigkeit (Median 1,17 (n = 24)) und Offenheit (Median 1,45 (n = 25)). Psychische Stabilität ist dagegen nur für einen Teil der Ärzte entscheidend (Median 2,45 (n = 23))45.
Um das ACT Programm im Arbeitsalltag einzusetzen, ist eine Einarbeitung erforderlich. Der Zeitaufwand für diese Einarbeitung wird von den befragten Ärzten unterschiedlich geschildert: Überwiegend benötigten die befragten Ärzte maximal eine Stunde (19 Befragte), fünf Befragte haben sich länger als 60 Minuten mit dem Programm auseinandergesetzt.
|
| [Seite 91↓] |
Eine Unterstützung der Einarbeitung ist aus Sicht von über der Hälfte der Befragten (14 = 58,3% der gültigen Antworten) wünschenswert. Inhaltlich sind aus ärztlicher Sicht unbedingt die Programmziele, Hinweise zur Handhabung durch Betroffene und die Programminhalte in eine Einführung zu integrieren. Ebenfalls als interessant aber als weniger wichtig werden Hinweise zur Handhabung durch den Arzt, Erfahrungen anderer Nutzer, mögliche Zielgruppen sowie Nutzen für Patienten und Ärzte empfunden. Eher unwichtig sind Informationen zum theoretischen Hintergrund des Programms bewertet.
Tab. 59: Wesentliche Inhalte einer Einführung in das Programm
|
Inhalt |
Gültig |
Median |
Inhalt ja |
teils/teils |
Inhalt nein |
|
Ziele von ACT |
24 |
1,35 |
20 |
1 |
3 |
|
Handhabung Patient |
23 |
1,42 |
19 |
1 |
3 |
|
Inhalte von ACT |
23 |
1,50 |
18 |
3 |
2 |
|
Handhabung Arzt |
22 |
1,59 |
17 |
3 |
2 |
|
Erfahrungswerte |
22 |
1,75 |
16 |
3 |
3 |
|
Zielgruppen |
22 |
1,75 |
16 |
1 |
5 |
|
Nutzen Patient |
22 |
1,80 |
15 |
3 |
4 |
|
Nutzen Arzt |
22 |
2,00 |
14 |
3 |
5 |
|
Theoretischer Hintergrund |
22 |
3,13 |
10 |
1 |
11 |
Im Arbeitsalltag benötigen die befragten Ärzte für die Weitergabe des Programms an MS-Betroffene und zusätzliche Hinweise durchschnittlich 18 Minuten (die Angaben variieren zwischen 2 und 60 Minuten). Im weiteren Verlauf gehen die befragten Ärzte unterschiedlich mit dem ACT Programm um: knapp zwei Drittel der befragten Ärzte vermerken die Programmabgabe in der Patientenakte und knapp 80% gehen im Patientengespräch beim nachfolgenden Termin auf das Programm ein.
Das Programm unterstützt nach Einschätzung der befragten Ärzte ihre Tätigkeit nur bedingt (Median 3,06). Überwiegend empfinden die Befragten nur eine teilweise Unterstützung (56%), als sehr unterstützend erlebt das Programm keiner der befragten Ärzte. Am ehesten werden die Verbesserung der Kommunikation, die Information und der Beitrag zur Alltagsbewältigung unterstützend eingeschätzt. Zeitersparnis durch den Einsatz empfinden die befragten Ärzte überwiegend nicht.
|
|
Tab. 60: Unterstützung durch das ACT Programm
|
Wirkung |
Gültig |
Median |
Ja |
Nein |
|
Allgemein |
25 |
3,06 |
5* |
6 |
|
Verbesserung der Kommunikation |
23 |
2,00 |
16 |
2 |
|
Information |
24 |
2,07 |
16 |
2 |
|
Alltagsbewältigung |
22 |
2,07 |
15 |
2 |
|
Verbesserung Coping |
23 |
2,16 |
17 |
1 |
|
Förderung der Compliance |
23 |
2,31 |
14 |
3 |
|
Psychische Unterstützung |
23 |
2,33 |
14 |
4 |
|
Steigerung Patientenzufriedenheit |
22 |
2,42 |
13 |
2 |
|
Erleichterung Therapieentscheidung |
23 |
2,71 |
10 |
6 |
|
Zeitersparnis |
23 |
3,69 |
3 |
12 |
Für die Selbstbeobachtung benötigen die befragten Betroffenen durchschnittlich 51 Minuten (zwischen 5 Minuten und 3 Stunden). Zwei Betroffene gaben an, einen bzw. mehrere Tage damit zugebracht zu haben. 35 Befragte (42%) konnten sich nicht mehr an den Zeitaufwand erinnern. Die Hälfte der Nutzer hat die Bearbeitung des Bogens mindestens einmal unterbrochen.
Die Wiederholung der Selbstbeobachtung halten nicht alle Befragten für notwendig, 30,3% lehnen sie für sich selbst grundsätzlich ab. Sinnvoll ist aus Sicht der Befragten die Wiederholung vor allem bei Veränderungen der MS (Schub bzw. Änderung der Verlaufsform) (72,6%). Sehr viel seltener werden Änderungen der Lebenssituation (31,5%), Arzttermine (20,5%) oder regelmäßiges Ausfüllen alle drei Monate (20,3%) angegeben. Die befragten Betroffenen nutzen das Programm meist auch nicht zur Vorbereitung eines Arzttermins (63,5%).
Die befragten Betroffenen erwarten spezifische Hinweise zur Einführung in das ACT Programm und gezielte Gespräche im Anschluss an ihre Bearbeitung des Programms durch den behandelnden Arzt. In der Einführung sollen aus Sicht Betroffener Ziele und Handhabung des Programms erläutert werden. Nachfolgend ist es den Betroffenen besonders wichtig, aufgetretene [Seite 93↓]Fragen anzusprechen (69,4%). Fast die Hälfte hat das Bedürfnis, Probleme zu erörtern (48,6%) und 43,1% der Befragten möchte die Selbstbeobachtung genauer nach besprechen. Eigene Therapievorschläge (22,2%) oder die enthaltenen Informationen (20,8%) sind in einem Nachfolgegespräch dagegen aus Betroffenensicht eher unwesentlich.
Aus ärztlicher Sicht ist es notwendig, den Therapieleitfaden und die Selbstbeobachtung detaillierter zu erläutern als das gesamte Programm und die anderen Anteile, die eher allgemein beschrieben werden. Die Nachbesprechung erfolgt nach ärztlicher Aussage ebenfalls relativ allgemein bzw. in Abhängigkeit von den Themen, die Betroffene benennen.
Tab. 61: Einführung in das Programm
|
Ärzte - Genauigkeit der Hinweise |
Median |
Gültig |
Erwünscht von den MS-Betroffenen |
Ja |
Gültig |
|
Gesamtes Programm |
3,38 |
25 |
Inhalte des Programms |
25,7% |
74 |
|
Umgang |
51,4% |
74 |
|||
|
Ziele |
74,3% |
74 |
|||
|
Therapieleitfaden |
2,89 |
22 |
Konkrete Infos |
13,5% |
74 |
|
Therapiemöglichkeiten |
3,44 |
23 |
|||
|
Freude am Leben |
3,92 |
22 |
|||
|
Selbstbeobachtung |
2,92 |
23 |
Selbstbeobachtung |
35,1% |
74 |
|
Merkzettel |
3,60 |
23 |
Merkzettel |
17,6% |
74 |
|
Jahresübersicht |
3,67 |
23 | |||
34 Neubetroffene nachfolgend: Betroffene mit einer Krankheitsdauer bis maximal 12 Monate.
35 Der Unterschied zum Anteil der Betroffenen, die aus Gründen der Verrentung nicht mehr erwerbstätig bzw. nur noch geringfügig beschäftigt sind, erklärt sich durch die Möglichkeit der teilweisen Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit.
36 Zu berücksichtigen ist, dass nicht der Zeitpunkt der beruflichen Veränderungen erhoben wurde. Daher handelt es sich um Erfahrungswerte zum Zeitpunkt der Befragung und die Angaben zur Krankheitsdauer beziehen sich nicht auf den tatsächlichen Zeitpunkt der Veränderung.
37 Unberücksichtigt bleibt der objektive Schweregrad der Symptome (z.B. Länge der Gehstrecke).
38 keine Unterscheidung in Verdachtsdiagnose oder tatsächliche Diagnose
39 Die Reaktionen auf die Diagnose wurden in einer offenen Frage (maximal drei Aussagen) ermittelt. Die Antworten wurden in einem mehrstufigen qualitativen Verfahren zusammengefasst. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, wurden die gebildeten Kategorien mit den Einzelantworten verglichen.
40 Wie bei der MLDL werden arithmetische Mittelwerte berechnet (vgl. v.Steinbüchel et al., 1999), obwohl dies nicht dem Skalenniveau entspricht.
41 Grund für die negativen Korrelationen: höhere Werte beim SF-36 entsprechen höherer Lebensqualität und gleichzeitig ist bei der MLDL größere Zufriedenheit durch niedrigere Werte charakterisiert.
42 Es wurden keine Fachärzte abgefragt, die wegen ms-bedingter Symptome auch MS-Betroffene behandeln (z.B. Urologen).
43 Durch Zusatzangaben Befragter ist dieser Rückschluss möglich.
44 Fragestellung nach der Verständlichkeit für Neubetroffene und nicht allgemein, um die Hauptzielgruppe von ACT zu berücksichtigen und zu vermeiden, dass die Befragten das Gefühl haben, ihre Intelligenz soll überprüft werden und nicht die Qualität von ACT.
45 Alle Mediane beziehen sich auf Likert Skalen: Antwortmöglichkeiten 1 sehr wichtig bis 5 unwichtig.
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