1 Einleitung

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Bei etwa 170 Patienten von einer Million Einwohner Deutschlands wird jährlich eine chronische Niereninsuffizienz neu diagnostiziert [3]. Unter Niereninsuffizienz versteht man eine nicht ausreichende oder völlig ausgefallene Nierenfunktion. Es handelt sich dabei um einen meist langsam fortschreitenden Verlust von funktionsfähigem Nierengewebe, der in der Folge zu einer Abnahme des Glomerulumfiltrates führt und in der Regel als Folgeschaden verschiedener zugrunde liegender chronischer Krankheiten auftritt:

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(Diagnoseverteilung bei Inzidenz und Aufnahme in eine Nierenersatztherapie 2002 [3] )

Im fortgeschrittenen Stadium der Niereninsuffizienz kommt es zu einer Hypertonie und aufgrund der mangelnden Flüssigkeitsausscheidung zu Lungenödemen, Pleura- bzw. Perikardergüssen sowie zur Neigung zu peripheren Ödemen. Als Folge verminderter Hormonfreisetzung treten Knochenveränderungen und Blutbildveränderungen wie die sogenannte renale Anämie auf. Durch die Ansammlung von nicht ausgeschiedenen harnpflichtigen Substanzen im Blut werden Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe sowie weitere typische Symptome wie Juckreiz, Wadenkrämpfe und der Geruch der Betroffenen nach Urin, der sogenannte Foetor uraemicus, hervorgerufen. Es kann auch zu neurologischen Symptomen wie Sensibilitätsstörungen, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit und zum urämischen Koma kommen. Bei einem vollständigen Funktionsausfall der Nierenglomeruli spricht man von terminalem Nierenversagen, das ohne Maßnahmen innerhalb relativ kurzer Zeit zum Tod führt. Lebensrettend ist dann lediglich die Dialyse oder die Transplantation einer Spenderniere.

Bei dem in Deutschland überwiegend praktizierten Hämodialyseverfahren wird das Blut des Patienten drei-viermal wöchentlich für vier bis acht Stunden über einen Katheter von harnpflichtigen Substanzen gereinigt. Daneben gibt es noch die Möglichkeit der meist täglichen Peritonealdialyse, bei der die harnpflichtigen Substanzen über das als semipermeable Membran genutzte Peritoneum in eine in den Bauchraum geleitete Dialyselösung diffundieren. Neben dem enormen Zeitaufwand beklagen Dialysepatienten vor allem die körperliche Anstrengung und Einschränkung. Eine Nierentransplantation führt dagegen zu einer wesentlich besseren Lebensqualität.

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Die erste Nierentransplantation am Menschen wurde im November 1911 in Philadelphia, USA durchgeführt. Allerdings nahm das Transplantat seine Funktion nicht auf. Neben technischen Problemen verhinderte vor allem das Unwissen über immunologische Zusammenhänge den Erfolg der Transplantation. Erst im Jahre 1947 gelang der Durchbruch, als einer Patientin mit akutem Nierenversagen eine Niere extrakorporal am Arm transplantiert wurde. Die Niere arbeitete einige Tage - die Patientin überlebte [4].

In Deutschland wurden seit 1963 fast 50000 Nierentransplantationen durchgeführt, 2346 davon allein im Jahr 2001. Dabei wurde durch kontinuierliche Verbesserung immunsuppressiver Medikamente, die das transplantierte Organ vor immunologischen Angriffen des Organempfängers schützen sollen, eine stetige Verlängerung des Transplantatüberlebens erreicht. Während in den 60er Jahren 80 % der Lebendspenden und nur 50 % der Kadaverspenden ein Jahr nach Transplantation noch ausreichende Funktion zeigten [4], lag die 1-Jahres-Transplantatüberlebensrate bei Patienten, die im Jahr 2002 in Deutschland transplantiert wurden für Lebendspenden bei 94 % und für Kadaverspenden bei 82 % [5]. Dies wurde einerseits durch besseres perioperatives Management, andererseits vor allem durch die Einführung von Ciclosporin A in den 80er Jahren erreicht, aber auch durch weitere Substanzen wie Antilymphozyten-Antikörper (OKT3, ATG), Tacrolimus, IL2-Rezeptorantagonisten, Mycophenolat Mofetil, oder Sirolimus, die Eingang in die immunsuppressive Therapie fanden. Heutzutage werden mehrere Substanzen miteinander kombiniert, um den immunsuppressiven Effekt optimal und die Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen minimal zu gestalten, wobei meist eine Kombination aus Kortikosteroiden mit einem Calcineurininhibitor (Ciclosporin A oder Tacrolimus) in Verbindung mit einer oder mehreren weiteren Substanzen bevorzugt wird. Andere Kombinationen oder neue immunsuppressive Medikamente wie FTY720 [6] oder Campath 1H [7] werden derzeit in Studien getestet.

Trotz der Erfolge, die in den letzten Jahren vor allem kurzfristig zu verzeichnen sind, sind die Langzeitresultate der Nierentransplantation nach wie vor unbefriedigend. Nach zehn Jahren arbeiten nur noch etwa 55 % der Lebendspenden und nicht mal 40 % der Kadaverspenden [8].

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Im besonderen Blickpunkt des Interesses stehen daher unter anderem folgende Faktoren, die wesentlich für den eingeschränkten Erfolg der Nierentransplantation sein können:


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13.07.2007