3 Methoden

↓23

3.1  Patienten- und Kontrollgruppe

3.1.1  Patienten mit gastrointestinalen Tumoren

↓24

In unserer Studie wurden 100 Patienten mit gastrointestinalen Tumoren untersucht. Diese Tumorpatienten (TP) waren zum Zeitpunkt der Untersuchung in stationärer Behandlung der Station II der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Charité/Mitte, der Tagesklinik der Medizinischen Klinik oder der onkologischen Chirurgie der Robert Rössle Klinik, Charité/Campus Buch. Die Patienten der Chirurgie wurden nach stationärer Aufnahme zum Restaging oder vor Erhalt der Chemotherapie befragt. Patienten, die nach Vorstellung der Studie die Befragung und Untersuchung ablehnten, die sich nicht mitteleuropäisch ernährten, die sich kurz vor oder bis zu 2 Monaten nach operativer Therapie befanden oder die sich nicht mehr in ausreichendem Maße oral ernährten, wurden von der Studie ausgeschlossen.

3.1.2 Kontrollgruppe

Die Kontrollgruppe wurde aus Patienten einer allgemeinmedizinischen Praxis gebildet. Diese Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, wenn sie an keinen akuten Erkrankungen litten, Malignome ausgeschlossen waren und in den letzten 3 Monaten nicht operiert worden waren und sich zur Teilnahme bereit erklärten.

3.2 Fragebogen

Mit allen Teilnehmern der Studie wurde ein Fragebogen (FB) bearbeitet. Dieser gliederte sich in vier Teile: ein allgemeiner Teil zu Ernährungsgewohnheiten, ein Teil zu Verzehrhäufigkeiten, ein Teil zu Geschmackspräferenzen und ein Teil für den Interviewer zum Notieren von Personalien, Diagnose und Begleiterkrankungen.

3.2.1  Allgemeiner Teil des Fragebogens

↓25

Im ersten Teil des FB wurden TP und KP nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Einen Auszug aus dem allgemeinen Teil des Fragebogens siehe Abbildung 3-1. Der komplette Fragebogen ist im Kapitel 3.2.5 einzusehen.

Die Untersuchten sollten Anzahl und Art der täglichen, regelmäßigen Mahlzeiten, verwendete Gartechniken, Portionsgrößen, bevorzugten oder abgelehnten Lebensmittel, bemerkten Veränderungen der Präferenz bzw. Geschmackssinns, Beschwerden beim Essen, Vorhandensein einer Zahnprothese, regelmäßiger Zahnarztbesuch, leiden unter Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Mundtrockenheit und starkem Speichelfluß, Sattheit nach wenigen Bissen, Hunger zwischen den Mahlzeiten und dem Verwenden von Zusatznahrung notieren. Dabei bestand die Möglichkeit, vorgegebene Antwortmöglichkeiten anzukreuzen oder selbständig Antworten anzugeben.

Abbildung 3-1: Ausschnitt aus dem Fragebogen zur Erhebung der Ernährungsgewohnheiten

3.2.2 Verzehrhäufigkeiten

↓26

Von 66 vorgegebenen Lebensmitteln und 10 vorgegebenen Getränken sollten die Studienteilnehmer die Verzehrhäufigkeiten angeben. Dabei konnte zwischen den vorgegebenen Möglichkeiten HÄUFIG (jeden Tag oder häufiger als einmal in der Woche), SELTEN (einmal in der Woche bis einmal im Monat) oder NIE (seltener als einmal im Monat) für den Zeitraum der letzten drei vorausgegangenen Monate gewählt werden. Die Teilnehmer hatten dann die Möglichkeit, in der jeweiligen Spalte eine Markierung z. B. in Form eines Kreuzes zu setzen. Die Auswahl der Lebensmittel erfolgte dabei nach den Daten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und waren repräsentativ für eine normale, ausgewogene mitteleuropäische Kost. Einen Ausschnitt aus diesem Teil des Fragebogens präsentiert die folgende Abbildung; der komplette Fragebogen ist im Kapitel 3.2.5 einzusehen.

Abbildung 3-2: Auszug aus dem Abschnitt "Verzehrhäufigkeiten" des Fragebogens

3.2.3 Lebensmittelpräferenzen

Die Studienteilnehmer wurden gebeten, von 41 Lebensmitteln und 7 Getränken die jeweilige Präferenz anzugeben. Dazu wurde ihnen eine Skalierung nach dem Linearen Self Assessment Score (LASA) vorgestellt. Mit diesem Score ist es möglich, subjektive Empfindungen von Probanden zu vergleichen. Häufig wird diese Art eines Fragebogens zur Erfassung von Lebensqualität, Stimmungen und Gefühlen genutzt. Die Validität und Reproduzierbarkeit des LASA wurde z. B. von Bernhard et al. belegt 2 , 10 , 11 , 21 , 48 .

↓27

In dem in der vorliegenden Sutdien verwandten LASA sollte auf einer 10 cm langen Linie eine Markierung gesetzt werden. Ein Auschnitt dieses Teils des Fragebogen ist in Abbildung 3-3. Der vollständige Fragebogen ist im Kapitel 3.2.5. einzusehen. Dabei entsprach eine Markierung nahe dem Linienbeginn einer Präferenz, eine Markierung nahe dem Linienende eher einer Ablehnung. Zur Verdeutlichung der Aussage war am Zeilenbeginn „esse ich gern“ und am Zeilenende „vertrage ich nicht“ angegeben.

Abbildung 3-3: Ausschnitt aus dem Teil zur Erfassung der Lebensmittelpräferenzen des Fragebogens

Durch Ausmessen der Strecke von Linienbeginn bis zur Markierung wurde ein Zahlenwert bestimmt. Sinngemäß entsprach eine geringer Zahlenwert einer Präferenz und eine höherer Wert einer Ablehnung (siehe Abbildung 3-4). Abbildung 3-4 zeigt ein Beispiel der erhobenen Daten (Pat. Nr. 13, CRC- Gruppe, männlich, 67 Jahre). Die Markierung für Joghurt/Quark befindet sich bei 9,5 cm und entspricht damit einer Ablehnung. Für Käse wurde die Markierung bei 1 cm ab Skalenbeginn gesetzt. Dieser Wert entspricht damit einer Bevorzugung. Jede Linie wurde vermessen und die Werte auf 0,5 cm genau für jeden Studienteilnehmer in einer Tabelle notiert.

↓28

Abbildung 3-4: Beispiel aus dem Fragebogen des Patienten Nr. 13 der Tumorpatientengruppe (männlich, 67 Jahre): für Joghurt/Quark wurde mit der Markierung bei 9,5 cm eine Ablehnung und für Käse mit einer Markierung bei 1 cm eine Bevorzugung dieser Lebensmittel gekennzeichnet.

3.2.4 Patientendaten und Diagnosen

Auf einem Zusatzblatt wurden nach der Befragung Alter, Geschlecht, Körpergröße und –gewicht, Tumorstadium, Therapieart, Gewichtsverlauf im letzten halben Jahr, zusätzliche Ernährungsproblem wie Diabetes mellitus, Gicht oder Nahrungsmittellallergien, aktuelle Krankenhauskost und verwendete Zusatznahrung vermerkt. Außerdem wurden hier die aus dem Krankenblatt entnommenen Werte von Albumin und der PChE notiert. Im Kapitel 3.2.5 ist dieser Bogen dargestellt.

3.2.5 Fragebogen

In diesem Kapitel ist der vollständige Fragebogen dargestellt.

↓29

↓30

Tabelle 3-1: Wie häufig verzehren Sie die folgenden Lebensmittel?

Welche Spalte trifft am ehesten Ihre Verzehrsgewohnheiten?
Bitte kreuzen Sie an!

Lebensmittel

Regelmäßig

Selten

nie

ein- bis mehrmals täglich

1 x pro Woche bis 1 x im Monat

Milch- u. Milchprodukte

Milch

Joghurt

Quark

Pudding

Sahne

Hartkäse

Weichkäse

andere:

Speisefette

Butter

Margarine

Pflanzenöl

Schmalz

andere:

Suppen

Milchsuppe

Gemüsesuppen

Brühe

andere:

Fleisch, Wurst

Schweinefleisch

Rindfleisch

Kalbfleisch

Geflügel

Lamm

Wurst

andere:

Fisch

Kochfisch

Bratfisch

Fischsalate

Fischkonserven

Krabben, Muscheln

andere:

Ei

gekocht

gebraten

andere:

Beilagen

Kartoffeln

Kartoffelbrei

Pommes frites, Kroketten

Klöße

Reis

Nudeln

andere:

Brot, Getreideprodukte

Weißbrot, Toastbrot

Graubrot

Vollkornbrot

Knäckebrot

Brötchen

Haferflocken, Müsli

andere:

Honig / Marmelade

Honig / Marmelade

Gemüse

Feingemüse

Kohl

Hülsenfrüchte

Sauerkonserven

Rohkost

andere:

Obst

Zitrusfrüchte

Kernobst

Steinobst

Beeren

Trockenobst

Nüsse

Kompott

andere:

Süßspeisen

Reisbrei

Grießbrei

Eierkuchen

andere:

Fertiggerichte

Pizza

Hamburger

vorgefertigte Gerichte

andere:

Getränke

Wasser

Tee

Kaffee

Milch

Kakao

Obstsäfte

Gemüsesäfte

Kolagetränke, Brause

Bier

Wein, Sekt

andere:

Süßigkeiten

Schokolade

Kuchen

Kekse

Eis

Bonbons

andere:

Knabberwaren

Salzgebäck

Erdnüsse

Chips

andere:

3.3 Ernährungszustand und Körperzusammensetzung

Die Bestimmung des Ernährungszustandes von Patienten ist eng mit der Ermittlung ihrer Körperzusammensetzung verbunden. Zur Erhebung des Ernährungszustandes wurden alle Teilnehmer der Studie gewogen und die Körpergröße ermittelt. Für die Ermittlung der Körperzusammensetzung wurde eine anthropometrische Messung und eine bioelektrische Impedanzanalyse durchgeführt. Weiterhin wurden in der Gruppe der TP die Albumin- und PChE-Werte, die im Rahmen der stationären Behandlung bestimmt wurden, notiert.

3.3.1  Körpergewicht (KG) und Körpergröße

↓31

Grundlage für alle genutzten Methoden zur Bestimmung der Körperzusammensetzung ist eine exakte Ermittlung des aktuellen Körpergewichtes. Die TP wurden bei Aufnahme auf die Station bzw. während des stationären Aufenthaltes jeweils Mittwochs morgens in leichter Bekleidung nach Stationsgewohnheit gewogen. Dabei wurde eine Personenwaage Modell Soehnle S 10 2720 der Firma Soehnle GmbH & Co.KG, 7157 Murrhardt mit einer Wiegegenauigkeit von 0,1 kg verwendet. Die Kontrollgruppe wurde nach der Befragung in leichter Bekleidung in der Praxis Dr. Nitschkoff-Breitmann mit der dort vorhandenen Personenwaage TCJ-3 der Firma Tanita Corporation, Japan, mit einer Wiegegemauigkeit von 0,1 kg gewogen. Die Körpergröße der TP wurde aus den stationären Aufnahmebögen entnommen. In der Kontrollgruppe wurde die Körpergröße nach dem Wiegen mit Hilfe des an der Waage vorhandenen Maßes bestimmt und auf 1 cm Genauigkeit angegeben.

3.3.2 Body Mass Index (BMI)

Aus den ermittelten Werten für Körpergröße und Gewicht wurde der Body Mass Index (BMI) berechnet. Der BMI stellt eine Beziehung zwischen Körpergröße und Körpergewicht her und bietet eine grobe Einschätzung des Ernährungszustandes in die Kategorien untergewichtig, normal gewichtig oder übergewichtig. Die Formel zur Berechnung lautet:

↓32

Für die Interpretation des BMI gilt:

Tabelle 32: Body Mass Index 31 , 95 , 120

Mangelernährt

Geringgradig mangelernährt

Normal ernährt

adipös

BMI (kg/m²)

< 18,5

18,5- 20

20,1- 24

> 24

Der Grad der Mangelernährung kann weiterhin unterschieden werden: 16 – 18,5 kg/m² als mittelschwer mangelernährt und BMI < 16 kg/m² als schwer mangelernährt 95 . Zur Dokumentation von Gewichtsabnahme und Einschätzung der Körperzusammensetzung sind Aussagen über die Veränderung der Körperzusammensetzung bzw. den Anteil des verlorenen Kompartiementes (z. B. metabolisch aktives Gewebe) notwendig. Durch Bestimmung von Körpergröße, -gewicht und BMI von lassen sich diese Aussagen nicht machen 68 . Daher wurden Untersuchungen zur Beurteilung der Körperzusammensetzung (Anthropometrie und Bioelektrische Impedanzanalyse) durchgeführt.

3.3.3 Anthropometrie

↓33

Die Anthropometrie ist eine einfache und nichtinvasive Methode zur Bestimmung von Muskel- und Fettmasse durch Messung des Armumfanges und des subcutanen Fettgewebes. Dabei werden an definierten Körperpunkten Umfangsmessungen und Hautfaltendickemessungen mit einem Caliper durchgeführt. Durch Messung der Hautfaltendicke wird das subcutane Fettgewebe miterfaßt. Grundlage für anthropometrische Messungen sind folgende Annahmen:

1. es besteht ein konstantes Verteilungsverhältnis zwischen subcutanem und visceralem Fett und

2. es besteht ein konstantes Verhältnis zwischen der Fettschichtdicke am gemessenen Körperpunkt und der subcutanen Fettschicht des Körpers 68 , 95 .

↓34

Zur Einschätzung der ermittelten Werte wurde ein Vergleich mit den Werte einer Standardpopulation, die in Tabellen veröffentlicht wurden, durchgeführt 43 . Die anthropometrische Messung wurde nach genauer Schulung nur von einer Person durchgeführt. Dadurch wurden Fehler aufgrund unterschiedlicher Durchführung durch verschiedene Untersucher vermieden. Zur Bestimmung der Körperzusammensetzung wurde die anthropometrische Messung ein Caliper (Holtain LTD, Crynych, U.K.) mit einer Meßgenauigkeit von 0,2 mm und einer Druckapplikation von 10 g/mm² verwandt. Dabei orientierten wir uns in der Durchführung dieser Messung an den Methoden von Heymsfield und Frisancho 42 , 57 :

An der nichtdominanten Körperseite wurde am locker herabhängenden unbekleideten Arm zuerst die Oberarmmitte zwischen Akromion und Olekranon mit einem Zentimetermaßband abgemessen und markiert. Danach wurde an dieser Markierung der Oberarmumfang abgemessen und notiert. An dieser markierten Oberarmmitte wurde mit dem Caliper an Trizeps- und an Bizepsseite jeweils drei Werte am locker herabhängenden Arm bestimmt und notiert. Zur Bestimmung der Verteilung des Körperfettes wurden dann außerdem subscapulär und suprailiacal an der nicht dominanten Körperseite wieder jeweils drei Werte bestimmt und notiert. Für die Berechnung der Arm- Muskel- Fläche (AMA) und Arm- Fett- Fläche (AFA) wurden die gemessenen Werte (Oberarmumfang, Hautfaltendicke an der Bizeps- und Trizepsseite des nichtdominanten Armes, subscapuläre und suprailiacale Hautfaltendicke der nichtdominanten Körperseite) in einer Excel 97®-Tabelle notiert und AMA und AFA nach folgenden Gleichungen berechnet 57 :

↓35

Nach Berechnungder AMA und AFA wurden die Werte nach Altersgruppen geordnet und Perzentilen zugeteilt, die im United States Health Examination Survey genutzt werden 43 . Dadurch wurden Aussagen über eine bestehende Normalverteilung der ermittelten Werte möglich.

3.3.4 Bioelektrische Impedanz Analyse

Die bioeletrische Impedanz Analyse ist eine Widerstandsmessung am organischen Körper 39 . Im menschlichen Körper werden Widerstände durch extra- und intrazelluläre Flüssigkeitskompartimente gebildet. Zellmembranen wirken als Kondensatoren und verzögern den Stromfluß 39 , 40 .

↓36

Über zwei Elektroden, die auf der Haut befestigt werden, wird der Körper einem Wechselstrom, appliziert mit einer geringen Stromstärke, ausgesetzt. Gemessen wird über ebenfalls an der Haut befestigten Elektroden der Ohmsche Gesamtwiderstand des biologischen Körpers im Wechselstromfeld bei konstanter Stromstärke. Dieser Gesamtwiderstand wird als Impedanz Z bezeichnet.

Definitionsgemäß ist die Impedanz Z der frequenzabhängige Widerstand eines Leiters im Wechselstromfeld. Die Impedanz setzt sich aus der Resistanz R und der Reaktanz Xc zusammen 77 . Dabei ist die Resistanz R der elektrische Widerstand eines Leiters gegenüber Wechselstrom; eine andere Beschreibung für den Ohmschen Widerstand. Nach dem Ohmschen Gesetz wird R aus der Spannung und der Stomstärke berechnet:

↓37

Der Widerstand entsteht durch die elektrischen Leiteigenschaften der extrazellulären Flüssigkeiten.

Die zweite Einflußgröße ist die Reaktanz Xc. Die Reaktanz Xc ist Ausdruck der Kapazität, der Fähigkeit, Spannung zu für kurze Zeit in einem Kondensator zu speichern. Im menschlichen Körper besitzen Zellmembranen und Gewebeoberflächen kondensatorische Eigenschaften. Die Reaktanz Xc ist daher abhängig von der Zellanzahl.

Die Impedanz Z läßt sich aus Resistanz R und Reaktanz Xc berechnen 93 :

↓38

Durch phasensensitive Elektronik kann im Wechselstromkreis eine zeitliche Verschiebung zwischen Strom- und Spannungsmaximum aufgezeichnet werden. Dieses Phänomen wird als Phasenverschiebung bezeichnet und ist Ausdruck der Interaktion des Stromflusses mit Zellen und Gewebe. Die Phasenverschiebung wird als Winkel φ bestimmt 93 :

↓39

Impedanz, Resistanz, Reaktanz und Phasenwinkel sind von der Frequenz des applizierten Wechselstromes abhängig:

-bei niedrigen Frequenzen ist die Impedanz der Zellmembranen zu hoch, um den Strom durch die Zellen zu leiten. Der Strom wird nur durch den extrazellulären Raum und das Gefäßsystem geleitet. Es finden keine Wechselwirkungen auf zellulärer Ebene statt. Die Impedanz entspricht annähernd der Resistanz; die Reaktanz hat fast keinen Einfluß auf die Impedanz.

-bei steigenden Frequenzen penetriert der Strom die Zellmembranen. Dadurch sinkt die Resistanz, die Reaktanz nimmt zu, der Phasenwinkel steigt ebenfalls. Der Einfluß der Reaktanz auf die Impedanz steigt.

↓40

Als Modell kann ein einfacher Stromkreis zugrunde gelegt werden. Dieses Modell bildet den Stromfluß durch die Zellen und den extrazellulären Weg ab:

RE stellt den Stromfluß niederer Frequenzen dar; er fließt ausschließlich durch den extrazellularen Raum. Eine Wechselwirkung mit den Zellen findet nicht statt. Der ermittelte Wert entspricht der Resistanz und bei niedrigen Frequenzen auch der Impedanz Z. Ein Rückschluß auf den Anteil an Extrazellularer Masse wie Körperwasser ist damit möglich.

RI stellt den Weg des Stromes im Körper bei höheren Frequenzen dar. Neben dem Fluß durch den extrazellularen Raum penetriert er auch die Zellemembranen und kann so auch intrazellular weitergeleitet werden. Als Folge davon wird die Phasenverschiebung gemessen und es lassen sich Rückschlüsse auf den Anteil an Körperzellen am Körpergewicht ziehen.

↓41

Abbildung 3-5: intra- und extrazellulärer Stromfluß im Körper

Durch die selektive Messung von Resistanz und Reaktanz lassen sich die Körperkompartimente Ganzkörperwasser (TBW-total body water) und Körperzellmasse (BCM-body cell mass) berechnen. Die Fettmasse (FM) wird nicht direkt gemessen sondern aus der Differenz zum Körpergewicht berechnet.

Nach der Bearbeitung des Fragebogens wurde bei jedem, der damit einverstanden war, eine Bioelektrische Impedanz Analyse durchgeführt. Wir benutzten zur Messung den Multifrequenzanalysator BIA 2000 M DATA Input GmbH, Hofheim Deutschland. In der Durchführung richteten wir uns nach den Empfehlungen der National Institutes of Health Technology Assessment Conference 93 , 82 :

↓42

Die Patienten wurden mindestens 15 Minuten vor der Messung ins Bett bzw. auf die Untersuchungsliege gelegt. Waren die Patienten nicht in der Lage, die Beine effektiv zu separieren, so wurden die Oberschenkel durch ein isolierendes Medium (z.B. Bettdecke) separiert. Die Arme sollten ohne Kontakt locker neben dem Körper liegen. Ebenso wurde darauf geachtet, daß kein Kontakt zu leitendem Material wie Metallbettrahmen bestand. Nach Desinfizierung der Haut mit dem stationsüblichen Hautdesinfektionsspray wurden die Elektroden in einer tetrapolaren Anordnung plaziert:

An der linken Körperseite wurden am dorsalen Hand- und Fußrücken die stromführenden Signalelektroden unterhalb der Metakarpal- bzw. Metatarsalgelenke der Digi II und III aufgeklebt. Mit mindestens 5 cm Abstand nach proximal wurden die Meßelektroden auf dem mittleren Handrücken in Höhe des Ulnaköpfchens sowie zwischen medialem und lateralem Knöchel am Fußgelenk befestigt.

Wir führten eine Analyse bei 50 kHz durch. Bei dieser Frequenz wurden die Werte von Z, R, Xc und Phasenwinkel gemessen. Die Werte wurden in eine Excel 97® Tabelle aufgenommen und nach folgenden Gleichungen wurden BCM, FFM, TBW und FM berechnet 82 , 93

↓43

1.

2.

3.

↓44

4.

Die errechneten Ergebnisse wurden im Statistikprogramm SPSS Version 11.0 für Windows® auf mögliche Unterschiede in der Körperzusammensetzung untersucht. Dabei erfolgte ein Vergleich zwischen der Tumorpatientengruppe und der Kontrollgruppe, zwischen den Untergruppen CRC, HCC, CCC, MÖP und der Kontrollgruppe sowie ein Vergleich der Körperzusammensetzung der Patienten, die eine Chemotherapie erhielten mit denen, die keine Chemotherapie erhielten.

3.3.5 Laborwerte

Zur Einschätzung der Synthesefunktion der Leber verglichen wir bei den Tumorpatienten die Serumkonzentrationen von Albumin (Alb) und Pseudocholinesterase (PChe) 94 , die im Rahmen der Stationsroutine gemessen wurden. Dabei galten folgende konventionelle Normalwertbereiche des Labors des Charité:

↓45

Tabelle 3-3: Normalwerttabelle von Albumin und PChE

Parameter

Normalwert

Albumin (Alb)

3,5 bis 5,5 g/dl

Pseudocholinesterase (PChE)

3000 bis 8000 U/l (= 3 bis 8 kU/l)

3.4 Statistik

Alle erhobenen Werte wurden Excel 97® Tabellen aufgenommen. Es wurde für jede Untergruppe eine Tabelle erstellt. In dieser wurden Alter, Geschlecht, Tumorart/Zugehörigkeit zur Kontrollgruppe inklusive Nebendiagnosen wie arterieller Hypertonus oder Diabetes mellitus, die Ernährungsgewohnheiten, die Lebensmittelpräferenzwerte, die durch Ausmessen des Markierungsabstandes vom Skalenbeginn an ermittelt worden waren, die Verzehrhäufigkeiten und die Ergebnisse der Untersuchung der Körperzusammensetzung (Größe, Gewicht, BMI, AMA, AFA, BCM, FFM, FM, Phasenwinkel φ) notiert. Die erhobenen Ernährungsgewohnheiten wurden in Zahlwerten kodiert. Ebenso wurden die Verzehrhäufigkeiten (häufig = 2, selten = 1,
nie = 0) kodiert. Der LASA Score der Lebensmittelpräferenzen entspricht einer ordinalen Skalierung. In der statistischen Auswertung wurden für jedes Lebensmittel die Rangsummen der angegebenen Präferenzwerte gebildet. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Statistikprogramm SPSS Version 11.0 für Windows®. In der deskritptiven Staistik wurden Mittelwerte/Standardabweichungen für numerisches Variablen wie Alter, Körpergröße/-gewicht und Parameter der Körperzusammensetzung sowie Medianwerte und Rangsummen der Ordinalskalen (Ernährungsgewonheiten, Präferenzwerte und Verzehrhäufigkeiten) berechnet.

Die untersuchten Gruppen erfüllten die Kriterien von unabhängigen Gruppen und die ermittelten Daten konnten mit Hilfe nichtparametrischer statistischer Teste verglichen werden. Alter, Größe, Gewicht, Parameter der Körperzusammensetzung und Laborwerte wurden im Mann-Whitney-U Test auf bestehende Unterschiede verglichen. Die Angaben zu den Veränderungen des Körpergewichtes (Gewichtsverläufe) wurden in Kreuztabellen aufgenommen und mit dem Chi-Quadrattest hinsichtlich bestehender Unterschiede untersucht. Daten der Ordinalskalen wurden in Rangwerte deskriptiv zusammengefaßt und im Kruskal-Wallis-Test auf bestehende Unterschiede evaluiert. Wurden mehr als zwei Gruppen miteinander verglichen, mußte mittels der Bonferroni-Holm Korrektur das Signifikanzniveau angepaßt werden.

↓46

Ein statistisch relevanter Unterschied wurde angenommen, wenn

1. bei einem Vergleich zwischen 2 Gruppen (Tumorpatienten vs. Kontrollgruppe, Patienten mit Chemotherapie vs. Patienten mit anderer Therapieform oder Staginguntersuchungen) eine Signifikanz von p < 0,05 ermittelt wurde

oder

↓47

2. bei Vergleich zwischen den Patienten gruppiert nach Diagnose (CRC, HCC, CCC, MÖP) und der Kontrollgruppe nach durchgeführter Bonferroni-Holm-Korrektur eine Signifikanz von p < 0,001 ermittelt wurde.


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02.01.2007