6 Schlußfolgerungen

↓62

Die Polyurie und eine leichte Proteinurie wiesen auf einen erhöhten transglomerulären Filtrationsgradienten und somit auf eine funktionelle glomeruläre Störung während des kardiopulmonalen Bypasses hin. Zusätzlich könnte die erhöhte renale Natriumausscheidung und die erhöhte Enzymaktivität der N-Acetyl-β-D-Glucosaminidase im Urin als leichte ischämische tubuläre Schädigung, verursacht durch die extrakorporale Zirkulation, angesehen werden.

Die Beeinträchtigung der Nierenfunktion wurde von der Körperkerntemperatur und der Blutviskosität beeinflußt. Diese Studie führt zu der Hypothese, daß es im Gegensatz zur Normothermie in der hypothermen Periode des kardiopulmonalen Bypasses einen bemerkenswert starken Einfluß der Plasmaviskosität auf die Blutviskosität gibt. Deshalb ist es notwendig und wünschenswert anhand einer prospektiven Interventionsstudie den Einfluß der Blut- und Plasmaviskosität auf die postoperative Nierenfunktion zu untersuchen, um möglicherweise herauszufinden, ob die hypothermen Flußeigenschaften durch eine verbesserte Zusammensetzung des plasmatischen Anteils im Kreislauf der Herz-Lungen-Maschine optimiert werden könnten. Somit könnte ein weiterer Schutz der Niere erreicht werden.

↓63

Der Grad des beobachteten Ischämie-Perfusions-Schadens nach tiefem hypothermem Kreislaufstillstand war übereinstimmend mit früheren Studien [76, 138] vergleichsweise mild. Trotzdem konnten wir nachweisen, daß es ohne Anwendung des tiefen hypothermen Kreislaufstillstandes zu einer geringeren intraoperativen Nierenschädigung kommt. Unsere Daten können trotz des gewünschten Schutzes der Niere nicht als Basis für den generellen Verzicht des tiefen hypothermen Kreislaufstillstandes bei Säuglingen angesehen werden, wenn ein besseres Operationsergebnis unter tiefem hypothermem Kreislaufstillstand verglichen mit dem kardiopulmonalen Bypass unter Full-Flow zu erwarten ist. Vielmehr sollte das Potential einer Nierenschädigung durch den Kreislaufstillstand Beachtung finden, wenn das chirurgische Prozedere für Patienten mit angeborenen Herzfehlern und einem zusätzlichem Risiko eines akuten Nierenversagens geplant wird.


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20.04.2006