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Die Uvea (Tunica vasculosa) liegt als mittlere Augenhaut zwischen der Sklera (Tunica fibrosa) und Retina (Tunica nervosa oder interna). Anatomisch kann sie in Choroidea, Corpus ciliare und Iris eingeteilt werden.
Die zweischichtigen Epithelien von Iris und Ziliarkörper sind ontogenetisch neuro-ektodermalen Ursprungs. Auch die Muskulatur der Iris und die Chromatophoren sind ektodermaler Herkunft, wobei sich letztere während der fetalen Entwicklung nach Einwanderung aus dem Neuralrohr entwickeln (Funk 1997). Indessen sind alle weiteren Anteile der Uvea mesodermalen Ursprungs.
Am Menschen erfolgt die arterielle Versorgung der Uvea über die Aa. cilliares posteriores breves et posteriores longae und Aa. ciliares anteriores. Sie werden aus der A. ophthalmica gespeist.
Der venöse Abfluss ist über zumeist 4 Vv. vorticosae gesichert. In der Nähe des Bulbusäquators durchdringen sie die Sklera und münden in die Vv. ophthalmicae superiores et inferiores (Funk et al 1997).
Die Innervation der Uvea erfolgt über die Nn. ciliares breves et longae. Die kurzen Ziliarnerven entspringen dem Ganglion ciliare und führen sensible (aus dem N. nasociliaris), sympathische (aus dem Plexus caroticus) und parasympathische Fasern (aus dem N. oculomotorius) mit sich. Die langen Ziliarnerven entspringen dem N. nasociliaris. Sie enthalten nur sensible Fasern (Funk et al 1997).
Die Iris reguliert durch ihre Fähigkeit zur Dilatation und Konstriktion den Lichteinfall auf die Retina.
Der Ziliarkörpermuskel dient der Akkomodation. Das nichtpigmentierte Epithel der Processus ciliares sezerniert das Kammerwasser, das sowohl für die Ernährung der Hornhaut, des Glaskörpers und der Linse als auch zur Aufrechterhaltung des intraokularen Drucks erforderlich ist. Durch die Pupille strömt es aus der Hinter- in die Vorderkammer und von dort fließt es über das Trabekelwerk und den Schlemm-Kanal in die venöse Blutbahn ab (Funk et al 1997).
Die gefäßreiche Choroidea ist das Haupternährungsorgan des Bulbus. Allerdings ist der Blutfluss durch die Aderhaut um ein Vielfaches stärker ausgeprägt als in anderen Geweben des Körpers wie z.B. Herz oder Nierenrinde. Es ist wahrscheinlich, dass die Choroidea zusätzlich der Temperaturregulation des Auges dient (Alm 1992, Rummelt und Naumann 1997).
Mit dem Begriff der Uveitis wird die entzündliche Erkrankung der Uvea bezeichnet. Je nach betroffenem anatomischen Korrelat wird sie in Iritis/Iridozyklitis (anteriore Uveitis), Zyklitis (intermediäre Uveitis) und Choroiditis (posteriore Uveitis) eingeteilt. Außerdem ist es möglich, dass sich die Entzündung der Iris im weiteren Verlauf auf die Choroidea ausdehnt und umgekehrt. Bei dem Befall der gesamten Uvea spricht man von Panuveitis. Sekundär sind häufig Strukturen wie Netzhaut, Glaskörper, Nervus opticus und Sklera mitbetroffen (Bloch-Michel und Nussenblatt 1987, Küchle und Naumann 1997).
Die Inzidenz der Uveitis beträgt etwa 10-20 / 100.000 Einwohner und Jahr, wobei 52-60% der Fälle einer akuten Uveitis anterior entsprechen (Darrell 1962, Smit 1993, Vadot 1992). In ungefähr 30 % der Uveitisfälle sind die Ursachen nicht klar festzustellen. Entnimmt man diesem Prozentsatz die Fälle, die klinisch eingeordnet werden können, aber ebenfalls eine unbekannte Ätiologie aufweisen (z.B. Heterochromiezyklitis Fuchs), dann erhöht sich dieser Anteil auf nahezu 50 % (Suttorp und Rothova 1996).
Je nach Lokalisation und Ätiologie der Entzündung sowie der immunologischen Situation der Erkrankten, kann die Entzündung der Uvea einen akuten, chronischen oder chronisch-rezidivierenden klinischen Verlauf zeigen.
Die Ursache für eine infektiöse Uveitis sind Bakterien (z.B. Propionibacterium acnes endophthalmitis), Viren (z.B. Herpesviren), Pilze, Protozoen (z.B. Toxoplasma gondii) oder Parasiten (z.B. Toxocara canis). Nichtinfektiöse Ursachen sind z.B. traumatische Augenverletzungen oder maligne Erkrankungen (Maskerade-Syndrome). Gleichfalls zur Gruppe der nichtinfektiösen Uveitiden wird eine primär oder sekundär mit Systemerkrankungen assoziierte Uveitis gezählt. Als Ursache vermutet man eine gleichermaßen gegen das Auge wie auch gegen weitere Organe und Gewebe gerichtete autoimmunologische Reaktion der Betroffenen. Bei einigen Uveitisformen ist die Assoziation mit speziellen Histokompatibilitätsantigenen, z.B. HLA B-27, auffällig. Experimentelle Ergebnisse sprechen für eine Kreuzreaktivität zwischen dem HLA-B27-Peptid und einem retinalen Peptid (Wildner und Thurau 1994).
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Besonders bei chronisch-rezidivierenden Uveitisformen sind eine Reihe von Komplikationen bekannt. In Betracht kommen vor allem die Cataracta complicata, das Sekundärglaukom, eine bandförmige Hornhautdegeneration, das zystoide Makulaödem und eine exsudative Netzhautablösung. Diese Sekundärerkrankungen erklären, warum Uveitiden die dritthäufigste Erblindungsursache darstellen (Suttorp und Rothova 1996).
Bei nichtinfektiösen Uveitiden ist ein direkter Nachweis ätiopathogenetischer Zusammenhänge bisher nicht möglich. Aus diesem Grund wurden in der Vergangenheit eine große Anzahl Tiermodelle für Uveitiden entwickelt. Sie sollen die Untersuchung der infektiösen (Martenet 1966, Pavan 1968), toxischen oder Mediator-induzierten Genese (Fleisher 1990, Rosenbaum 1980, Rosenbaum 1988, Samples 1993) erlauben.
Eine Hypothese für die Entstehung autoimmuner okulärer Entzündungen geht davon aus, dass eine vorausgegangene Infektion mit Bakterien, Viren oder Parasiten stattgefunden hat. Diese Infektion soll autoimmunologische Prozesse in Gang setzen, die für die Uveitis-Genese verantwortlich sind (Hammer 1990, McMenamin 1993a). Die autoimmunologische Ätiopathogenese versucht man an experimentellen Uveitiden nachzuvollziehen, die durch verschiedenste Immunogene induziert werden können. Elschnig konnte schon 1910 den antigenen Effekt uvealen Pigments nachweisen, indem er Versuchstiere mit uvealem Gewebe immunisierte (Elschnig 1910). 1949 wurde durch Collins ein weiteres Tiermodell vorgestellt, das histologisch vergleichbar mit der sympathischen Ophthalmie war und durch Immunisierung mit homologem uvealen Gewebe in Meerschweinchen auslösbar war (Collins 1949). Im Laufe der Zeit kamen weitere Antigen-induzierte Uveitis-Tiermodelle hinzu, zum Beispiel die „experimentelle autoimmune Uveitis“ (EAU) (Forrester 1990). Sie weist große Ähnlichkeit mit der Uveitis posterior auf. Die EAU kann durch Immunisation verschiedener Tierspezies mit vielfältigen Antigenen der Retina zusammen mit geeigneten Adjuvantien induziert werden. Verwendete uveitogene Substanzen sind zum Beispiel das retinale S-Antigen (S – soluble; ein an der Phototransduktion beteiligtes intrazelluläres Antigen), IRBP (Interphotoreceptor Retinoid Binding Protein; ein extrazelluläres Matrixprotein, das am Transport von Vitamin-A-Derivaten beteiligt ist), Rhodopsin, PEP-65 (ein aus RPE-Zellen aufgereinigtes Peptid) und Phosducin (McMenamin 1993b). Eine vorwiegend posteriore Uveitis manifestiert sich bei allen EAU-Modellen innerhalb von 10–14 Tagen nach der Immunisation. Die okuläre Symptomatik und histopathologischen Merkmale variieren allerdings beträchtlich, da der Typ der histopathologischen Antwort von einer Reihe von Faktoren abhängig ist: (a) von der Natur des Antigens, (b) von dessen Dosis, (c) vom Administrationsort des Antigens, (d) von der Verwendung spezieller Adjuvantien, (e) von der Tierspezies, (f) von genetisch prädisponierenden Faktoren innerhalb einer Spezies (Caspi 1999, McMenamin 1993a). Bei allen Modellen der EAU ist histologisch eine durch T-Lymphozyten vermittelte Uveitis ähnlich der humanen Uveitis nachweisbar (Forrester 1990).
Die experimentelle Melaninprotein-induzierte Uveitis (EMIU) zeigt durch die Beteiligung von Iris und Ziliarkörper, durch den akuten Verlauf und durch rezidivierende Entzündungsschübe Ähnlichkeiten mit der bei dem M. Behςet, M. Bechterew und dem Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom auftretenden anterioren Uveitis. Diese verhältnismäßig neue Form der experimentellen Uveitis wurde erstmals von Broekhuyse 1991 als „Experimentelle Anteriore Autoimmunuveitis“ (EAAU) beschrieben (Broekhuyse 1991). Broekhuyse injizierte Lewis-Ratten eine Emulsion aus bovinem choroidalem Melaninprotein (BMA), komplettem Freund-Adjuvans (CFA), Pertussistoxin (PTX) und PBS zu einem Teil in die Pfoten und zum anderen Teil intraperitoneal (Broekhuyse 1991, Broekhuyse und Kuhlmann 1993). Später konnte nachgewiesen werden, dass auch aus Rinderhaut gewonnenes Melaninprotein in veränderter Zusammensetzung der Emulsion uveitogen wirkt (Broekhuyse 1993a). Charakteristisch ist das Eintreten entzündlicher Veränderungen primär der Iris und des Ziliarkörpers infolge einer fern vom Auge durchgeführten Immunisation. Selten ist eine inflammatorische Beteiligung der Choroidea zu beobachten. Demgegenüber konnten retinale Läsionen bei der EMIU bisher genauso wenig nachgewiesen werden wie assoziierte Entzündungen von Zirbeldrüse, Meningen oder der Haut (Broekhuyse 1991, Broekhuyse 1992, Broekhuyse 1993b, Broekhuyse und Kuhlmann 1993). Die okuläre Manifestation der Entzündung lässt autoimmunologische Kreuzreaktivität mit dem subkutan oder intraperitoneal zugeführten Immunogen vermuten.
Iris, Ziliarkörper und Choroidea sind melaninhaltige Gewebe. Bei Lewis-Ratten (Albinos) lässt sich kein Pigment (Melanin) in den Geweben der genannten Organe nachweisen, obwohl Melanozyten vorhanden sind. Da die experimentelle autoimmune Uveitis an diesem Stamm sehr gut auslösbar ist und deproteinisiertes Melanin nicht uveitogen wirkt, muss es sich um ein in der Melanozyten[Seite 10↓]membran lokalisiertes Immunogen (Broekhuyse 1993b) handeln. Die Aufklärung des Antigens oder der antigenen Domäne des Melaninproteins steht unter anderem aus diesem Grunde im Interesse weiterer Forschung. Bisher konnten mehrere Proteinfraktionen isoliert werden, die je nach Menge bzw. verwendeten Adjuvantien vergleichbare Merkmale mit der EMIU zeigen, jedoch im zeitlichen Verlauf und in der Inzidenz von Entzündungszeichen Unterschiede aufweisen (Broekhuyse 1992, Broekhuyse 1996, Woon 1999).
Die EMIU ist eine zellvermittelte okuläre Entzündung. Mittels Adoptivtransfer aktivierter CD4+-T-Lymphozyten kann eine entsprechende Symptomatik in nichtimmunisierten Tieren erzielt werden (Broekhuyse 1992).
Bei den infektiösen Uveitisformen kann eine spezifische medikamentöse Therapie gezielt eingeleitet werden. Zum Beispiel werden Ganciclovir und Foscarnet zur antiviralen Therapie der Zytomegalie-Chorioretinitis angewandt.
Die Ursachen der nichtinfektiösen Uveitis sind, wie oben erwähnt, in den meisten Fällen unbekannt. Um schwerwiegende Entzündungsfolgen möglichst gering zu halten, muss mit einer unspezifischen antiinflammatorischen Therapie begonnen werden. Im Allgemeinen wird lokal oder systemisch mit antientzündlichen und immunsupprimierenden Substanzen therapiert. Man mindert dadurch die akute Symptomatik und kann der fortschreitenden Visusminderung und anderen sekundären Komplikationen Einhalt gebieten.
Lokale und systemische Kortikosteroide sind bei den meisten nichtinfektiösen Uveitisformen initial Mittel der Wahl. Bei längerer Anwendung von Kortikoiden ist allerdings mit einer großen Anzahl von Nebenwirkungen zu rechnen, wodurch die Applikation von „steroidsparenden“ Substanzen an Bedeutung gewinnt. Dazu gehören Alkylanzien (Cyclophosphamid; Chlorambucil), Antimetabolite (Methotrexat) und Nukleosidanaloga (Azathioprin), wie auch die Substanzgruppe der Cyclophiline (Cyclosporin; FK506 – Takrolimus; Rapamycin - Sirolimus). Allerdings weisen auch diese Medikamente eine nicht unerhebliche Toxizität und entsprechende Nebenwirkungen auf (Van Geldern und Kaplan 1999).
Es ist Aufgabe der Grundlagenforschung, die Ätiologie der verschiedenen Uveitisformen zu ergründen. Erst dann wird eine spezifische Therapie möglich. Durch das bisherige Verständnis der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen ergeben sich verschiedene experimentelle Lösungsansätze, die es ermöglichen in einzelne Schritte des Krankheitsprozesses einzugreifen:
-Die Induktion der oralen Toleranz zielt auf die Generation einer spezifisch supprimierenden T-Helfer-Antwort (Nussenblatt 1990, Trentham 1993, Weiner 1993).
-Die Blockade von Adhäsionsmolekülen auf Leukozyten und Endothel wird durch experimentelle Gabe von monoklonalen Antikörpern gegen Adhäsionsmoleküle erreicht. Damit wird die Migration und Transmigration von Leukozyten in entsprechende Zielgewebe verhindert (Whitcup 1997).
-Durch Blockade von Zytokinrezeptoren auf Leukozyten kann die direkt destruktive Wirkung der Entzündungszellen während einer Entzündungsreaktion verhindert werden (Dick 1996).
-Die intravitreale Immunmodulation könnte eine weitere Möglichkeit sein. Jaffe et al. implantierten z.B. ein Cyclosporin-Pellet als Wirkstoffdepot in den Glaskörper von Kaninchen (Jaffe 1998). Nach Meinung der Autoren soll der Wirkstoff aus dem Implantat über nahezu 10 Jahre kontinuierlich freigesetzt werden. Die Übertragung dieser experimentellen Ergebnisse auf den klinischen Gebrauch steht bisher aus.
-Mit dem Gentransfer durch geeignete Vektoren sind weitere zukunftsträchtige Therapien denkbar. Bisher werden virale und liposomale Vektoren geprüft. Virale Vektoren sind aufgrund der möglichen Induktion einer Immunantwort nicht unbedenklich, obwohl sie bisher eine größere Transfektionsrate und Effizienz der Genexpression zeigen als liposomale Vektoren (Chan 1998, Csaky und Nussenblatt 1999). Ausgereifte klinische Anwendungsmöglichkeiten des Gentransfers existieren bisher noch nicht.
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In Iris und Ziliarkörper existiert ein hochentwickeltes Netzwerk aus ortsständigen dendritischen Zellen und Makrophagen (Forrester 1993, McMenamin 1994, McMenamin 1999).
Dendritische Zellen gelangen als undifferenzierte Vorstufen aus dem Knochenmark über die Blutzirkulation in okuläres Gewebe. Dort entwickeln sich die Vorläuferzellen über Zellreifungsprozesse zu einer eigenständigen ortsgebundenen Zellpopulation mit antigenpräsentierendem Charakter. Vorläuferzellen dendritischer Zellen besiedeln weitere nicht-lymphatische Gewebe, wie die Epidermis der Haut (Langerhans-Zellen)(Breathnach 1988), die Lunge (Havenith 1992) und das Herz. Neben diesen nicht-lymphatischen Geweben verteilen sich die Vorstufen dendritischer Zellen in den für T-Lymphozyten spezifischen Arealen (T-Regionen) der lymphatischen Organe Milz, Lymphknoten und Thymus. Ein anderer Teil verbleibt in der Blutzirkulation.
In Iris und Ziliarkörper von Ratten konnten dendritische Zellen in einer hohen Dichte von 400 bis 600 Zellen pro mm2 nachgewiesen werden (McMenamin 1997a). Dendritische Zellen haben entweder die Möglichkeit Antigene lokal immunkompetenten T-Lymphozyten zu präsentieren oder sie migrieren nach Antigenkontakt über Blut und Lymphe zu den T-Regionen lymphatischer Organe. Das Potential eine Immunantwort zu induzieren, ist bei dendritischen Zellen um ein Vielfaches höher als das von Makrophagen, B-Lymphozyten oder Endothelzellen (McMenamin 1992, Steptoe 1995): Ähnlich wie Makrophagen können sich dendritische Zellen aktiv bewegen. Zudem ermöglichen lange Zellfortsätze den Kontakt mit Zellen in einem größeren Umfeld. Dendritische Zellen exprimieren außerdem konstitutionell eine Vielzahl verschiedener Moleküle und Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche (MHC-I- und MHC-II-Moleküle; die Adhäsionsmoleküle LFA-1, LFA-3, ICAM-1/-2 und andere) (Hart und Prickett 1993a, Hart und Prickett 1993b). Diese Moleküle können einerseits einen stärkeren Kontakt zu T-Lymphozyten herstellen, andererseits direkt als Signalmoleküle wirken. Auch Zytokine werden von dendritischen Zellen sezerniert (Avice 1999, Calder 1993, de-Saint 1998, Demeure 2000, Vezzio 1996, Yokota 1996).
Makrophagen stellen eine morphologisch und funktionell heterogene Zellpopulation dar. Als Antigenpräsentierende Zellen, Regulator-Zellen oder Effektor-Zellen sind Makrophagen für die Immunabwehr essentiell (Unanue und Allen 1987).
Die hauptsächliche Aufgabe von Makrophagen ist die Phago- und Pinozytose von Zelltrümmern, Mikroorganismen, Tumorzellen und anderen als „fremd“ erkannten Antigenen. Nach Antigenprozessierung können Fragmente dieser Antigene gegenüber CD4+-T-Lymphozyten in Assoziation mit dem MHC-II-Peptid präsentiert und eine entsprechende Immunantwort eingeleitet werden.
Ferner synthetisieren Makrophagen Zytokine wie TNF-α IL-1, IL-6 sowie zytotoxische Substanzen wie Sauerstoffradikale und Nitritoxid wenn sie zuvor durch IFN-γ, IL-2, LPS oder MDP stimuliert wurden (van de Loosdrecht 1992). In diesem Zusammenhang wurde gezeigt, dass Makrophagen selektiv Tumorzellen abtöten können (Keller 1990, van de Loosdrecht 1993).
Makrophagen sind neben ihrer Effektor-Funktion im Rahmen der Immunabwehr in nahezu alle Entzündungsstadien eingebunden. Als Antwort auf eine Infektion produzieren Makrophagen Substanzen wie IL-1 und TNF-α, die proinflammatorisch wirken (Dinarello 1989b). Nach Abklingen der Entzündungsreaktion unterstützen Makrophagen Wundheilungsprozesse, wie beispielsweise durch die Sekretion von TGF-β (Pierce 1989), das die Kollagensynthese von Fibroblasten fördert.
In okulärem Gewebe - insbesondere in Ziliarkörper und Iris - ist neben dendritischen Zellen das perivaskuläre Vorkommen ortsständiger Makrophagen in relativ gleichmäßiger Dichte von ca. 600 – 800 Zellen pro mm2 auffällig (McMenamin 1997a).
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Seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Akkumulation von Leukozyten in entzündlichem Gewebe in einem speziellen Interaktionsmuster zwischen Leukozyten und Endothel erfolgt (Carlos und Harlan 1994, Harlan 1985, Springer 1994). Zirkulierende Leukozyten müssen die Blutgefäße verlassen, um zum Entzündungsort zu gelangen. Die transendotheliale Migration von Leukozyten läßt intravitalmikroskopisch mehrere, sich teils überschneidende Stadien der Adhäsion erkennen.
Intravitalmikroskopisch nachweisbare Adhärenzphänomene (Abb.1, A)
Als erster Schritt kann nach zufälligem Kontakt zwischen Leukozyten und Endothel ein „Rollen“ der Leukozyten entlang der inneren Gefäßwand von Venolen beobachtet werden. Das Rollen von Leukozyten am Gefäßendothel setzt einen physiologischen Blutstrom voraus. Das Phänomen des Rollens ist das Resultat von auf Leukozyten wirkenden Scherkräften des Blutstroms und der durch Adhäsionsmoleküle vermittelten Adhärenz zwischen Leukozyten und Endothel. Als passiver Vorgang kann das Rollen entsprechend bei intravasaler Blutstase nicht beobachtet werden. Das Rollen von Leukozyten entlang der luminalen Gefäßwand kann sowohl als Reaktion auf Gewebstraumata und Entzündungen als auch unter physiologischen Bedingungen beobachtet werden (Baatz 1995, Mayrovitz 1992).
Als weitere Reaktion auf Traumata oder Entzündungsreize beginnt ein Teil der rollenden Leukozyten fest am Gefäßendothel zu adhärieren. Zusammen mit anderen Leukozyten können sich regelrechte Zellaggregate ausbilden. Bei weiterbestehendem Reiz durchwandern Leukozyten das Gefäßendothel und migrieren aus dem subendothelialen Raum zum Entzündungsort.
Die mikroskopisch sichtbaren Stadien der Leukozyten-Endothel-Interaktion werden auf molekularer Ebene durch verschiedene Adhäsionsmoleküle auf Endothelzellen und Leukozyten vermittelt. Ferner haben Zytokine, Chemokine etc. unterschiedlichen Ursprungs einen aktivierenden Einfluß.
Molekulare Mechanismen (Abb.1, B)
Das kurzzeitige Haften von Leukozyten (für Millisekunden) und das „Rollen“ der Leukozyten an der inneren Gefäßwand wird durch Adhäsionsmoleküle der Selectin-Familie vermittelt (Konstantopoulos und McIntire 1997, Lawrence und Springer 1991, Ley 1991, Mayadas 1993, von Andrian 1993). L-Selectin ist auf fast allen zirkulierenden Leukozyten nachweisbar (Carlos und Harlan 1994). P-Selectin, das in Granula der Weibel-Palade-Körper von Endothelzellen und in α-Granula von Thrombozyten gespeichert wird, kann als Antwort auf inflammatorische Stimuli (Thrombin, Histamin) rasch in die Zellmembran verlagert werden (Carlos und Harlan 1994). Die Expression von E-Selectin auf Endothelzellen wird durch die von Zytokinen (IL-1 oder TNF) induzierte de novo mRNA- und Protein-Synthese ermöglicht (Carlos und Harlan 1994). Selectine erkennen Karbohydratdeterminanten (Sialyl Lewis X; Sialyl Lewis A) und glykosylierte muzinähnliche Moleküle (GlyCAM-1; CD34; ESL-1; PSGL-1; MAdCAM-1) (Baumheter 1993, Berg 1993, Lasky 1992, Moore 1992) als Komplementärrezeptoren.
In der zweiten Phase der Leukozytenrekrutierung („sticking“) werden bei Überwiegen proadhäsiver Faktoren Leukozytenintegrine (z.B. LFA-1 und Mac-1) aktiviert und endotheliale Adhäsionsmoleküle der Immunglobulin-Superfamilie (z.B. ICAM´s) exprimiert. Integrine sind eine Klasse von Adhäsionsmolekülen auf Leukozyten, die in aktivierter Form die stabile Adhäsion an endothelialen Adhäsionsmolekülen (z.B. ICAM-1 und VCAM-1) ermöglichen (Carlos und Harlan 1994). Die de novo Synthese endothelialer Adhäsionsmoleküle wird durch Zytokine wie z.B. TNF-α, IL-1, IFN-γ, IL-4 induziert (Carlos und Harlan 1994). Es sind mehrere Mechanismen der Aktivierung von Leukozytenintegrinen bekannt. Sie haben Konformationsänderungen der Integrinstruktur zur Folge (Carlos und Harlan 1994), woraus eine gesteigerte Affinität der Integrine zu den entsprechenden Liganden des Endothels resultiert: Die Bindung von Chemokinen (z.B. IL-8, MCP-1, MIP-1β, Zytokinen (z.B. GM-CSF, IL-5) oder Chemoatractanten (z.B. C5a, FMLP) an Rezeptoren der Leukozyten ist ein die Adhäsion verstärkendes Signal. Diese aktivierenden Substanzen entstammen entweder dem entzündeten Gewebe oder werden von infiltrierenden Leukozyten, Mikroorganismen und dem Endothel selbst sezerniert. Darüber hinaus werden Leukozytenintegrine (z.B. LFA-1, MAC-1) durch Kontakt mit Komplementärstrukturen (z.B. CD2, CD3, CD43, CD44) auf der Oberfläche anderer Leukozyten aktiviert. Weiterhin wirkt die Bindung von Leukozyten an endotheliale Adhäsionsmoleküle aktivitäts- und affinitätsfördernd.
Im weiteren Verlauf der Leukozyten-Endothel-Interaktion verlassen Leukozyten durch Interzellularspalten des vaskulären Endothels das Gefäßlumen und dringen in das subendotheliale Gewebe ein. Viele in vitro und in vivo durchgeführte Studien untersuchten das Phänomen der leukozytären Transmigration. Zur Anwendung kamen einzelne oder miteinander kombinierte monoklonale Antikörper, um selektiv Adhäsionsmoleküle auf Endothel und Leukozyten zu blockieren. Es zeigte sich, dass die selektive Blockade leukozytärer und/oder endothelialer Adhäsionsmoleküle eine Inhibition der Transmigration bzw. die Rekrutierung leukozytärer Subpopulationen (Lymphozyten, Neutro[Seite 13↓]phile, Monozyten etc.) zur Folge hat. Daneben wurde der Einfluss von Zytokinen, Chemokinen, Chemoatractanten etc. auf die Transmigration überprüft. Diese Substanzen haben, wie erwähnt, eine vielfältige Wirkung auf die Aktivierung bzw. Expression von Adhäsionsmolekülen auf Leukozyten und Endothel. Als Konsequenz ist eine selektive Rekrutierung leukozytärer Subtypen möglich (Springer 1994).
| Abbildung 1: Schematische Darstellung der Leukozyten-Endothel-Interaktion. [A] Mit Intravitalmikroskopie nachweisbare Adhärenzphänomene der Leukozyten am vaskulären Endothel. [B] Molekulare Grundlagen der Adhäsion und Transmigration von Leukozyten in perivaskuläres Gewebe - Adhäsionsmoleküle und Chemokine. | ||
| Abkürzungen: MAdCAM - mucosal addressin cell adhesion molecule; ICAM - intercellular adhesion molecule; Mac-1 - macrophage-1-antigen; LFA - lymphocyte function-associated antigen; VCAM - vascular cell adhesion molecule; PECAM - platelet-endothelial cell adhesion molecule; LTB4 - Leukotrien B4; PAF - platelet activating factor |
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Eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden zur Beobachtung physiologischer und pathophysiologischer Vorgänge in der Endstrombahn stellt die Intravitalmikroskopie dar (Menger und Lehr 1993). Lange Zeit beschränkten sich Untersuchungen der Mikrozirkulation auf das Mesenterium, die Hamsterbackentasche oder auf das Kaninchenohr (Illig und Conraths 1958). Morphologische Untersuchungen des Auges fanden nur mit Hilfe von Spaltlampe oder Ophthalmoskop statt. 1960 gelang es Bensley erstmalig vitalmikroskopische Beobachtungen speziell am albinotischen Mäuseauge mittels Quarzstabilluminator durchzuführen (Bensley 1960). Die von Bensley beschriebene Methode hatte allerdings eine Verlagerung des Mäuseauges in Exophthalmusstellung zur Voraussetzung, was unphysiologische Veränderungen der Mikrozirkulation am Auge mit sich führt. Ende der sechziger Jahre führte Castenholz vitalmikroskopische Untersuchungen am vorderen Bulbusabschnitt albinotischer Nager mit verbesserter mikroskopischer Apparatur und im Auflicht durch (Castenholz 1966). Aufgrund der Pigmentlosigkeit der Augenhäute albinotischer Nager liegen günstige Voraussetzungen für mikroskopische Untersuchungen in vivo vor. Ein Vorteil der durch Castenholz etablierten Methode besteht darin, dass unter völlig physiologischen Voraussetzungen durch das Hornhautfenster hindurch die Mikrostrombahn im vorderen Augenabschnitt beobachtet werden kann. Traumatische Läsionen durch Präparation, unphysiologische kolloidosmotische Faktoren oder Temperaturveränderungen werden vermieden. Ein weiterer Vorzug der erwähnten Methode ist durch die fast beliebige Wiederholbarkeit gegeben. Somit können Langzeituntersuchungen an interessierenden Gefäßabschnitten durchgeführt werden. Mit dem Fortschreiten technologischer Möglichkeiten, die eine Verbesserung der Bildqualität, Bildverarbeitung und -analyse mit sich brachten, gewann diese Methode weiter an Bedeutung. Zusätzlich fanden Fluorochrome Anwendung, die spezifisch Leukozyten beziehungsweise Erythrozyten anfärben, womit weiter differenzierende Untersuchungen der Mikrostrombahn mittels Fluoreszenzintravitalmikroskopie möglich wurden. Damit konnten bei experimenteller intraokulärer Entzündung Adhärenzphänomene von Leukozyten am Gefäßendothel und die Transmigration von Leukozyten in perivaskuläres Gewebe beobachtet und quantifiziert werden (Baatz 1995).
Clodronat (Ostac®, Bonefos®) gehört zu einer Medikamentengruppe, den Bisphosphonaten, die in den letzten 25 Jahren vorrangig für diagnostische und therapeutische Zwecke bei verschiedenen Knochen- und Kalziumstoffwechselkrankheiten entwickelt wurden (Fleisch 1988, Fleisch 1997). Als erster Vertreter wurde die Etidronsäure hergestellt und mit Erfolg bei der Behandlung des M. Paget eingesetzt. Erst die Entwicklung neuerer, potenterer und vor allem intravenös applizierbarer Bisphosphonate ermöglichte eine breite Anwendung dieser Substanzgruppe. Heute werden Biphosphonate therapeutisch bei dem M. Paget des Knochens, bei Knochenmetastasen (Mamma-, Prostatakarzinom) und bei dem Multiplen Myelom eingesetzt (Bartl und Williams 1997, Hurst und Noble 1999, Pelger 1998).
Für weitere Forschungsgebiete erscheint aus der Substanzgruppe der Biphosphonate insbesondere das Clodronat interessant. Zur Modulation der Immunantwort durch Makrophagendepletion wird Clodronat experimentell auf dem Gebiet der Herz-, Lungen- und Hornhauttransplantation angewandt (Shane 1998, Torres 1999, van der Veen 1994, van Rooijen 1989a). In Liposomen verkapselt wird Clodronat von Makrophagen aufgenommen und daraufhin die Apoptose dieser Zellen eingeleitet. Die genauen Mechanismen sind derzeit noch unklar. Andere phagozytierende Zellen, wie T-Zellen, Neutrophile und Endothelzellen, sind gegenüber dem zytotoxischen Effekt des Clodronats unempfindlich (Schmidt-Weber 1996).
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