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Die Experimentelle Melaninprotein induzierte Uveitis (EMIU) ist ein Modell für die akute Uveitis anterior mit nichtinfektiöser Genese. In den Krankheitsprozess sind die Iris und die Choroidea involviert, die Netzhaut wird primär ausgespart. Es ist bekannt, dass Makrophagen eine entscheidende Funktion in der Pathogenese autoimmunologischer Krankheitsprozesse ausüben.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Leukozyten-Endothelzell-Interaktion bei der EMIU in vivo zu charakterisieren und zu quantifizieren. Die Studie sollte zusätzlich klären, inwieweit Makrophagen bei der EMIU Einfluss auf die Entzündungsreaktion und die Leukozyten-Endothel-Interaktion haben. Zu diesem Zweck wurden schon vor einer Immunisation mit Melanin-assoziiertem Protein Makrophagen depletiert. Clodronat-Liposomen sind für ihre selektiv makrophagentoxische Wirkung bekannt. Nach Internalisation der Liposomen wird Clodronat freigesetzt und löst den apoptotischen Zelltod aus.
Die EMIU wurde bei Lewisratten durch eine intraperitoneale Injektion einer Emulsion aus bovinem Melanin-assoziiertem Protein, komplettem Freund-Adjuvans und Pertussistoxin induziert. Die Intravital-Fluoreszenz-Mikroskopie ist eine gut geeignete Methode, um die Entzündungsreaktion auf mikrovaskulärer Ebene zu analysieren. Während der Frühphase der EMIU ermöglichte dieses Verfahren eine Analyse des Leukozytenverhaltens am vaskulären Endothel von postkapillären Irisvenolen am 4., 6., 8. und 10. Tagen nach Immunisation (p.i.). An den Tagen -2, 1, 4, 6 bzw. 8 p.i. wurden die Tiere mit liposomalem Clodronat behandelt. In Anschluss wurde am 8. und 10. Tag p.i. die vitalmikroskopische Quantifizierung der Leukozyten-Endothel-Interaktion durchgeführt. Der Zell- und Proteingehalt des Kammerwassers, das Differentialblutbild und die Konzentrationen von TNF-α und IFN-γ im Blutplasma wurden als zusätzliche Verlaufsparameter bestimmt.
Die Methode der Intravitalmikroskopie ist bei der EMIU grundsätzlich bis zum 10.Tag p.i. anwendbar. Zu späteren Zeitpunkten wird die Bildqualität extrem durch die Exsudation von Fibrin in die Vorderkammer beeinflusst. In Spaltlampenuntersuchungen konnten keine Entzündungszeichen des Vorderabschnittes bei mit liposomalem Clodronat behandelten Tieren beobachtet werden. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei Tieren mit EMIU eine akute Entzündungssymptomatik mit Hornhautpräzipitaten und hinteren Synechien bis hin zur Ausbildung einer Iris bombata. Intravitalmikroskopisch war bei makrophagendepletierten Tieren eine Suppression der Leukozyten-Endothelzell-Interaktion nachweisbar. Die Verlaufsparameter Zellinfiltration und Proteinexsudation in das Kammerwasser waren ebenfalls stark erniedrigt.
Veränderungen der Leukozyten-Endothel-Interaktion können vor einem Anstieg von Zellen und Protein im Kammerwasser beobachtet werden. Das hier an der EMIU angewandte Behandlungschema mit liposomalem Clodronat blockierte den Einfluss von Makrophagen auf die Entzündungsreaktion sehr effizient. Die vor der Immunisation mit Melanin-assoziiertem Antigen beginnende und bis zum erwarteten Entzündungsausbruch fortgeführte Makrophageneliminierung verhindert offenbar die Induktion der EMIU. Im Gegensatz dazu zeigte die in einer anderen EMIU-Studie zu einem späten Zeitpunkt und während der Manifestation der EMIU vorgenommene Makrophagendepletion keine Auswirkung auf die Entwicklung der Entzündungssymptomatik. Daher kann angenommen werden, dass Makrophagen die Initiatoren der intraokularen Entzündung bei EMIU sind. Die vorgenommene Makrophageneliminierung hatte einen supprimierenden Effekt auf die Leukozyten-Endothel-Interaktion und verhinderte damit die Leukozytenrekrutierung in uveales Gewebe. Makrophagen präsentieren als „körperfremd“ erkannte Antigene gegenüber Mediator- und Effektorzellen und sezernieren proinflammatorische Zytokine. TNF-α zeigte am 4. Tag bei unbehandelten EMIU-Tieren vor allen anderen untersuchten Parametern ansteigende Werte. Es ist zu vermuten, dass zu diesem frühen Zeitpunkt eine Aktivierung der Makrophagen stattgefunden hat und dass Makrophagen Fragmente des Melanin-assoziierten Proteins gegenüber T-Lymphozyten präsentieren. Die entscheidende Rolle von Makrophagen in frühen Entzündungsstadien ist durch die periphere Aktivierung von T-Lymphozyten und anderen Effektorzellen sowie die Sekretion inflammatorisch wirkender Zytokine bedingt.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die bedeutende Rolle von Makrophagen für die Initiation autoimmunologischer Entzündungsprozesse.
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