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5  Zusammenfassung

Die Experimentelle Melaninprotein induzierte Uveitis (EMIU) ist ein Modell für die akute Uveitis anterior mit nichtinfektiöser Genese. In den Krankheitsprozess sind die Iris und die Choroidea invol­viert, die Netz­haut wird primär ausgespart. Es ist bekannt, dass Makrophagen eine entscheidende Funktion in der Pathogenese autoimmuno­logischer Krankheitsprozesse ausüben.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Leukozyten-Endothelzell-Interaktion bei der EMIU in vivo zu charakterisieren und zu quantifizieren. Die Studie sollte zusätzlich klären, inwieweit Makro­phagen bei der EMIU Einfluss auf die Entzündungsreaktion und die Leukozyten-Endothel-Inter­aktion haben. Zu diesem Zweck wurden schon vor einer Immunisation mit Melanin-assoziiertem Protein Makrophagen depletiert. Clodronat-Liposomen sind für ihre selektiv makrophagentoxische Wirkung bekannt. Nach Internalisation der Liposomen wird Clodronat frei­gesetzt und löst den apoptotischen Zelltod aus.

Die EMIU wurde bei Lewisratten durch eine intraperitoneale Injektion einer Emulsion aus bovinem Mela­nin-assoziiertem Protein, komplettem Freund-Adjuvans und Pertussistoxin induziert. Die Intravital-Fluo­reszenz-Mikroskopie ist eine gut geeignete Methode, um die Entzündungs­reaktion auf mikrovaskulärer Ebene zu analysieren. Während der Frühphase der EMIU ermöglichte dieses Verfahren eine Analyse des Leukozytenverhaltens am vaskulären Endothel von postkapillären Iris­venolen am 4., 6., 8. und 10. Tagen nach Immunisation (p.i.). An den Tagen -2, 1, 4, 6 bzw. 8 p.i. wurden die Tiere mit lipo­somalem Clodronat behandelt. In Anschluss wurde am 8. und 10. Tag p.i. die vitalmikroskopische Quanti­fizierung der Leukozyten-Endothel-Interaktion durchgeführt. Der Zell- und Protein­gehalt des Kammerwassers, das Differentialblutbild und die Konzentrationen von TNF-α und IFN-γ im Blutplasma wurden als zusätzliche Verlaufsparameter bestimmt.

Die Methode der Intravitalmikroskopie ist bei der EMIU grundsätzlich bis zum 10.Tag p.i. anwend­bar. Zu späteren Zeitpunkten wird die Bildqualität extrem durch die Ex­sudation von Fibrin in die Vorderkammer beeinflusst. In Spaltlampenuntersuchungen konnten keine Entzündungszeichen des Vorderabschnittes bei mit liposomalem Clodronat behandelten Tieren beobachtet werden. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei Tieren mit EMIU eine akute Entzündungssymptomatik mit Horn­hautpräzipitaten und hinteren Synechien bis hin zur Ausbildung einer Iris bombata. Intravitalmikro­skopisch war bei makro­phagendepletierten Tieren eine Suppression der Leukozyten-Endothelzell-Interaktion nachweisbar. Die Verlaufs­parameter Zellinfiltration und Proteinexsudation in das Kam­merwasser waren ebenfalls stark erniedrigt.

Ver­änderungen der Leukozyten-Endothel-Interaktion können vor einem Anstieg von Zellen und Protein im Kammerwasser beobachtet werden. Das hier an der EMIU an­gewandte Behandlungs­chema mit liposo­malem Clodronat blockierte den Einfluss von Makrophagen auf die Entzündungs­reaktion sehr effizient. Die vor der Immunisation mit Melanin-assoziiertem Antigen beginnende und bis zum erwarteten Entzün­dungs­ausbruch fortgeführte Makrophageneliminierung verhindert offen­bar die Induktion der EMIU. Im Gegensatz dazu zeigte die in einer anderen EMIU-Studie zu einem späten Zeit­punkt und während der Manifestation der EMIU vorgenommene Makro­phagendeple­tion keine Auswirkung auf die Entwicklung der Entzündungs­symptomatik. Daher kann angenommen werden, dass Makrophagen die Initiatoren der intraokularen Ent­zündung bei EMIU sind. Die vor­genommene Makrophagen­eliminierung hatte einen supprimierenden Effekt auf die Leukozyten-Endothel-Interaktion und verhinderte damit die Leukozyten­rekrutierung in uveales Gewebe. Makrophagen präsentieren als „körperfremd“ erkannte Antigene gegen­über Mediator- und Ef­fektorzellen und sezernieren proinflammatorische Zytokine. TNF-α zeigte am 4. Tag bei unbehan­delten EMIU-Tieren vor allen anderen untersuchten Parametern ansteigende Werte. Es ist zu ver­muten, dass zu diesem frühen Zeitpunkt eine Aktivierung der Makrophagen statt­gefunden hat und dass Makrophagen Fragmente des Melanin-assoziierten Proteins gegenüber T-Lymphozyten prä­sentieren. Die ent­scheidende Rolle von Makrophagen in frühen Entzündungsstadien ist durch die periphere Aktivierung von T-Lymphozyten und anderen Effektorzellen sowie die Sekretion inflam­matorisch wirkender Zytokine bedingt.

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die bedeutende Rolle von Makrophagen für die Initia­tion autoimmunologischer Entzündungsprozesse.


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24.06.2005