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Vorwort

Wer jemals mit dreidimensionalen Bewegungsanalysen gearbeitet hat, weiß, dass die Datenflut nicht alleine bewältigt werden kann. Dies gilt auch für diese Arbeit. Ich bin deshalb allen am Projekt beteiligten Personen sehr dankbar für ihre Mitarbeit, die zu diesem Endprodukt geführt hat. Daraus folgt, dass in diesem Buch von „Wir“ gesprochen wird. Ich möchte mich daher explizit bei allen Trainern (Inventoren), Evaluatoren (wissenschaftlichen Beratern) und Teilnehmern der Untersuchungen bedanken. Mein erster Dank geht an die jungen talentierten Tischtennisspielerinnen und Tischtennisspieler und deren Eltern in den Vereinen, Landesstützpunkten und dem Bundesleistungszentrum in Heidelberg. Durch ihre Mitwirkung wurde dieses Projekt erst ermöglicht. Ich bedanke mich auch bei den Trainern und Funktionären des Deutschen Tischtennis Bundes und des Bundesstützpunktes in Heidelberg, die direkt oder indirekt diesem Projekt zum Erfolg verholfen haben. Insbesondere haben die Nationaltrainerin Eva Jeler und ihre Kollegen Schmidt und Lehmann allergrößten Respekt für ihren aufwendigen und nimmermüden Einsatz für ihre Schützlinge und die Durchführung des Projektes verdient. Ohne den Forschungsauftrag vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft 2000 und 2001 wäre dieses Projekt wohl kaum zustande gekommen. Wir danken dem Institut für sein Vertrauen und hoffen, dass dieses Projekt über die Zielsetzung hinaus Wirkungen vor allem in der Praxis zeigt. Weiterhin ist den Mitarbeitern des Centers of Adaptive Behavior and Cognition des Max-Planck Instituts für Bildungsforschung für die Möglichkeit zu danken, einige der Ideen zu diskutieren und mir die Zeit zu geben, dieses Buch zu schreiben. Im besonderen bin ich Prof. Tidow und Prof. Strang für ihr Engagement dankbar, die das Buch mehrfach durch ihre Anmerkungen verbessert und die Abwicklung einer Dissertation an der Humboldt Universität ermöglicht haben. Den Korrekturlesern Christian Gröschner, Bartosz Gula, Jutta Miller, Maren Leifke, Erdmute Raab und Marei Raab danke ich für die vielen Anregungen zum besseren Textverständnis.

[Seite 8↓]Einleitung

Der deutsche Tischtennissport hat in den letzten Jahrzehnten hervorragende Leistungen erbracht. Spieler wie Jörg Rosskopf, Steffen Fetzner (Speedy) oder Olga Nemes sind selbst nicht Tischtennis Interessierten ein Begriff. Nun steht ein Generationswechsel bevor; jüngere Spieler wie Timo Boll zeigen erste internationale Erfolge. Zum Generationswechsel kommen Änderungen der internationalen Regeln, wie beispielsweise größere Bälle und kürzere Sätze. Kürzere Sätze und größere Bälle erfordern technische und taktische Präzision von Anfang an. Diesen Veränderungen steht eine unzureichende wissenschaftliche Betreuung gegenüber. Diese Arbeit soll helfen, die Lücke zu schließen.

Ausgangspunkt dieser prozessbegleitenden Trainings- und Wettkampfforschung ist ein Praxisproblem. Bundestrainer im Leistungszentrum Heidelberg und dem angeschlossenen Internat rekrutieren die besten Nachwuchsspieler aus verschiedenen Bundesländern. Die Landes-, Stützpunkt- und Heimtrainer akzentuieren in ihrer Technikvermittlung unterschiedliche Auffassungen vom optimalen Technikleitbild. Die Unterschiede sind besonders gravierend bei den Technikübergängen, also den Bewegungsabschnitten zwischen zwei Schlägen, zu denen es zwei Auffassungen, die eines direkten und die eines indirekten Übergangs, gibt. Die Bundestrainer bekommen Spieler mit diesen Übergangstechniken und müssen entscheiden, ob sie umlernen lassen oder eine Optimierung innerhalb der existierenden Technik realisieren. Diese Entscheidung ist nicht nur deswegen schwierig, weil eine systematische Kosten-Nutzen-Analyse für langfristige Erfolge von vielen Faktoren abhängt, sondern weil kein Wissen für eine optimale Technikübergangssteuerung existiert. Die Analyse der Effekte und die Beschreibung der Technikübergänge sowie die Entwicklung einer Interventionsstrategie zur Optimierung der individuellen Ausprägungen der Techniken sowie des Technikübergangs sind die Ziele dieser Arbeit.

Das Forschungsprojekt „Techniktraining im Tischtennis“ dient der prozessbegleitenden Trainings- und Wettkampfforschung. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft vergab dieses Projekt als Forschungsauftrag und finanzierte es unter der Kennziffer VF0408/07/02/2000-2001. Dies bedeutet, dass der Deutsche Tischtennisbund, das Bundesleistungszentrum, der Bundesstützpunkt für Tischtennis sowie das Institut für Sport und Sportwissenschaft in Heidelberg sich durch die Annahme dieser Auftragsforschung durch die Problemvorgaben der Bundestrainer leiten ließen. Dadurch ergaben sich ganz zwangsläufig besondere Maßnahmen, die nicht dem theoriegestützten Ableiten von Hypothesen und deren Überprüfung entsprachen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung, Anwendung und Überprüfung von Diagnostik- und Interventionsprogrammen für die Technikoptimierung sowie den Technikwechsel im Leistungssport Tischtennis. Im Konzept „Mit der Praxis für die Praxis“ (Raab & Bert, in Vorbereitung) werden Trainerbefragungen zu aktuellen Problemen benutzt, um geeignete Strategien einer Intervention zu entwickeln, umzusetzen und zu bewerten. Gerade die Bewertung kam in der bisherigen Interventionsforschung nur am Rande vor. Dieses Projekt wird der Intervention und der Evaluation gleiches Gewicht zumessen, um mit dem „Best-Practice-Modell“ ein prototypisches Beispiel für eine integrative Interventions- und Evaluations­studie in der Sportwissenschaft zu bieten. Drei Projektphasen entsprechen diesem Anspruch und dienen der Systematik der prozessbegleitenden Trainings- und Wettkampf­forschung (siehe Abbildung 1).


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Abbildung 1: Projektphasen der Interventions- und Evaluationsstudie im Tischtennis

In Phase I wird die Intervention dargestellt, die als prozessbegleitende Trainings- und Wettkampfforschung konzipiert ist. In ihr werden auf der Grundlage des Konzeptes „Mit der Praxis für die Praxis“, das das Praxisproblem einer optimalen Technik im Tischtennis beschreibt (vgl. Ernst, 1994; Groß, 1987; Groß & Huber, 1995, Michalis & Sklorz, 1982; Perger, 1986), inhaltliche und instrumentelle Voruntersuchungen entworfen und durch­geführt (vgl. Abbildung 1). Außerdem werden die Technikdiagnostik, die Trainingsmethoden und die Wettkampfdiagnostik bei der Optimierung der Techniken angewendet. Phase II betrifft die Evaluation. In einer gemischt formativ-summativen Bewertung durch eine Selbst- und Fremdevaluation der einzelnen Phasen und Teilgebieten des Projektes werden die Ziel- und die Umsetzung des Projektes einer kritischen Analyse unterzogen. Dies dient vor allem dazu, bereits in der wichtigen Phase III Veränderungen der Technik-, Trainings- und Wettkampfdiagnostik und -intervention umzusetzen und zu optimieren. Innovativ wird in der dritten Phase der „Intervulation“ die enge Verzahnung von Interventions- und Evaluationsschritten beim Schwerpunkt des Projektes, der Diagnostik und dem Training der Technikübergänge realisiert. Die Intervulation ist eine eigene Wort­schöpfung und bedeutet mehr als die Summe aus der Intervention und der Evaluation. Somit entspricht Intervulation nicht einfachen Kombinationen wie „Interluation“ oder „Evavention“. Vorgestellt werden die Maßnahmen zum Training sowie zur Wettkampf- und Technikdiagnostik. Die summative Evaluation bewertet die durchgeführte Diagnostik und Intervention und gibt praktische Empfehlungen für das Techniktraining im Tischtennis.


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Abbildung 2: Zeitliche Struktur der Diagnostik, Intervention und Evaluation. TTLT = Tischtennis-Technikwechsel-Leistungsdiagnostik-Test, Wo = Woche. T = Zeitpunkt in der Studie

Die Übersicht über die Diagnostik, Intervention und Evaluation entspricht in etwa der Kapitelstruktur. In Phase I werden nach den Voruntersuchungen (Kapitel 1) die Diagnostik im Allgemeinen sowie die Ergebnisse des Prätests des Tischtennis-Technikwechsel-Leistungsdiagnostik-Tests (TTLT) sowohl für die Technikmerkmale als auch für den Technikwechsel (T1 in Abbildung 2) dargestellt (Kapitel 2). Die Einzelfallintervention für die Technikmerkmale (T2 in Abbildung 2) wird in Kapitel 3 vorgestellt. Phase II beschreibt die Programmevaluation (Kapitel 4), die formative Evaluation der Technikoptimierung (Kapitel 5), die Evaluation der Programmdurch­führung (Kapitel 6) sowie die Metaevaluation (Kapitel 7) und zieht sich über den Zeitraum von T1 bis T3 der Abbildung 2 hin. In Phase III – der Intervulation – wird die Intervention der Technikübergänge mit anschließender summativer Evaluation dargestellt (Kapitel 8). Abschließend werden die Schlussfolgerungen der vorliegenden Arbeit (Kapitel 9) für den methodologischen Bereich, den theoretischen Bereich und für die Praxis diskutiert.


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19.05.2005