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3.  Einzelfallintervention: „Best-Practice-Modell” für die Technik­optimierung

Der „Best-Practice“-Ansatz orientiert sich an den klassischen Systematiken von der Trainingsplanung bis zur Trainingsauswertung (vgl. Martin, Carl & Lehnertz, 1991; Starischka, 1988). Es wird davon ausgegangen, dass sich das Modell (vgl. Abbildung 42), das sich bislang am besten in der Praxis durchgesetzt hat, als Grundlage für weitere Optimierungsschritte eignet. Vor allem ist festzuhalten, dass die Bundes- und Stützpunkttrainer bereits Erfahrungen mit spezifischen Methoden bei den einzelnen Sportlern gemacht haben, und diese Erfahrungen in die Gestaltung der Intervention ebenso wie individuelle Vorlieben für spezifische Methoden im Techniktraining einfließen. Auf der Grundlage der individuellen diagnostischen Daten kann dieser Vorgang optimiert werden, da spezifische Probleme mit spezifischen Übungen angegangen werden können. Besondere Aspekte der Leistungssteuerung im Kindes- und Jugendalter werden berücksichtigt (vgl. Grosser, Brüggemann & Zintl, 1986; Martin, Nicolaus, Ostrowski & Rost, 1999).

Abbildung 42: Zwischenschritte im Rahmen der Trainingsgestaltung

Bei der Planung für ein systematisches Leistungstraining werden die Inhalte des Trainings festgelegt (vgl. Sleamaker, 1991). Diese orientieren sich am Rahmentrainingsplan. Martin (1980) empfiehlt die folgende Vorgehensweise zu dessen Erstellung:

  1. Analyse des gegenwärtigen Leistungsstandes und entsprechende Bedingungen, wie er zustande kam, also die Ist-Zustandsanalyse und die Auswertung der Trainings­dokumentation,
  2. Formulierung der Ziele,[Seite 86↓]
  3. Entwurf eines Jahrestrainingsplans,
  4. Ableitung der Wochentrainingspläne.

Um die Ist-Zustandsanalyse durchführen zu können, bedarf es einer geeigneten Diagnostik, die mit dem TTLT entwickelt und oben dargestellt worden ist. Die Ergebnisse dieser Diagnostik müssen Spielern und Trainern in unterschiedlicher Form gemeldet werden (vgl. Perl, Boguschewsky & Meiberth, 1994). Wie dies für den TTLT geschehen ist, wird nachfolgend erläutert.

Die Einzelfallintervention wird von zwei Säulen getragen: erstens der eigens für die TTLT-Diagnostik entwickelten Videorückmeldung. Diese Intervention wurde besonders umfangreich entwickelt, da junge Spieler oft mit Raum-Zeitverläufen überfordert sind. Dementsprechend wurden Ist- und Soll-Wertvorstellungen visualisiert. Zweitens dem Hallentraining, das sich vom bisherigen Training darin unterscheidet, dass die Übungsauswahl auf der Grundlage der Rückmeldung aus der TTLT-Diagnostik erfolgt.

3.1. Videorückmeldung

Die Spieler erhalten eine Woche nach der Diagnostik ein Videoband, das ihnen eine Rückmeldung über die eigene Vorhand-Topspin- und die Rückhand-Konter-Technik gibt. Als Technikleitbild wurden Aufzeichnungen der Schlagtechniken von den deutschen Spitzenspielern Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner genutzt.

Das Videoband enthält für die jeweilige Technik einen Soll- und einen Ist-Wert und dient der systematisch-strukturierten Rückmeldung (vgl. Grosser & Neumaier, 1988). Die Gesamtbewegung wird ohne Aufmerksamkeitslenkung vorangestellt, um dem Spieler die Möglichkeit zu geben, die Bewegung holistisch zu erfassen (vgl. Daugs, Blischke, Marschall & Müller, 1990; Fehres, 1992). So kann der Spieler seinen Fehler sehen und seine eigene Bewegung anschließend mit dem Soll-Bild vergleichen (vgl. Korpa, 1987). Die Korrektur erfolgt durch den Trainer beim Anschauen der Videos.

In der folgenden Tabelle ist das „Drehbuch“ für die Videorückmeldung beschrieben.


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Tabelle 16: Ablauf des individuellen Videobandes „Technik„ für die Spieler

Dauer

Video-Szene

Instruktion

Audio

10 sec

TTLT Titel

Gesprochener Text: Beim TTLT werden unter anderem die Techniken von Vorhand-Topspin und Rückhand-Konter überprüft.

Unterschiedliche Sequenzen ...

Musik „Australia“ (Sydney 2000)

40 sec

Spielszene

... werden in verschiedener Reihenfolge und Geschwindigkeit vom Trainer eingespielt; alle Bälle werden in ein Zielfeld geschlagen.

Musik

6 sec

das Wort „TTLT“ aus Bällen und Schlägern auf TT-Tisch

 

Musik

7 sec

Einblendung:

Name des Spielers,

Datum der Aufnahme

Gesprochener Text: Dieses Video soll dir deutlich machen, inwieweit du deine Technik noch verbessern kannst

 

60 sec

normale und bekannte Sequenzen

Einblendung: Achte auf deinen Vorhand-Topspin.

O-Töne (Ballgeräusche)

30 sec

Technikleitbild

Jörg Roßkopf, Steffen Fetzner

Vorhand-Topspin

Einblendung: So sieht der Vorhand-Topspin aus.

 

180 sec

unterschiedliche Sequenzen und Perspektiven

Einblendung: Lass dich nun von deinem Trainer korrigieren.

 

60 sec

normale und bekannte Sequenzen

Einblendung: Achte auf deinen Rückhand-Konter.

O-Töne (Ball)

26 sec

Technikleitbild

Jörg Roßkopf, Steffen Fetzner

Rückhand-Konter

Einblendung: So sieht der Rh-Konter aus.

 

180 sec

unterschiedliche Sequenzen und Perspektiven

Einblendung: Lass dich nun von deinem Trainer korrigieren.

 

Die Trainer erhalten als Rückmeldung eine Zusammenstellung einiger typischer Spielszenen der einzelnen Spieler zusammen mit den graphischen Rückmeldungen über die Technikausführungen der Vor- und Rückhand (vgl. Kapitel 2.5.2).

3.2. Techniktraining in der Halle

Die Durchführung des Trainings obliegt den Bundes-, Stützpunkt- und Heimtrainern. Die Leistungsentwicklung und der aktuelle Leistungszustand des Spielers verlangen entsprechende Modifikationen des Trainings. Deshalb werden Trainingskontrollen und ‑dokumentationen durchgeführt, um spätere Erfolge den entsprechenden Übungs­gestal­tungen zuordnen zu können.

Nach der diagnostizierten Leistung werden in der Trainingsplanung zwei verschiedene Ziele formuliert, die durch die folgenden Phasen beim Techniktraining in der Halle erreicht werden sollen:

Die erste Phase – genannt „Technikoptimierung“ – hat zum Ziel, die beiden Techniken Rückhand-Konter und Vorhand-Topspin zu optimieren (vgl. Martin, Carl & Lehnertz, 1991; Neumaier, 1997). Das geschieht auf der Basis der diagnostizierten Leistung im TTLT, der Fehlerkorrektur durch die Trainer und der Rückmeldung in Form des individuellen Videobandes. Die Dauer beträgt fünf Wochen (vgl. Kapitel 3 Überblick über die Interventionen).

In der zweiten Phase – dem „Technikwechsel“ –, die sich unter anderem auf die Ergebnisse der kinematischen Analyse stützt, werden die Übergänge zwischen den einzelnen Techniken [Seite 88↓]optimiert. Diese Phase dauert auch fünf Wochen. Anschließend werden die Leistungen im Wettkampf evaluiert.

Da die Spieler nur einmal pro Woche als Auswahlteam am Bundesleistungszentrum gemeinsam und an den übrigen Tagen in den Heimatvereinen, Landesleistungszentren oder ähnlichen Übungsstätten trainieren, werden in Zusammenarbeit mit den beiden Trainern Lehmann und Schmidt sechs verschiedene Übungen für das Techniktraining zusammengestellt, die an allen Orten gespielt werden können. Als Hilfe für die Korrektur dient das individuelle Videoband.

Wie bereits dargestellt, wird bei der Trainingsplanung zwischen verschiedenen Planungstypen unterschieden. Da die Spieler zusätzlich individuell verschieden trainieren und das Techniktraining nur eine Komponente des Gesamttrainings ausmacht, sind die folgenden Übungen nur ein Teil eines mehrwöchigen Gruppenplans.

Die Übungen der ersten Phase „Technikoptimierung“ im einzelnen (Vh = Vorhand, Rh = Rückhand, VHT = Vorhand-Topspin, VHB = Vorhand-Block, VHK = Vorhand-Konter, RHK = Rückhand-Konter, RHT = Rückhand-Topspin. Eine gewellte Linie steht für den Topspin, eine gerade Linie für den Konter. Trainer und Spieler sind mit dieser Art der Notation vertraut):

Übungen für die Verbesserung des Vh-Topspins:

1. Vh-Topspin aus Vh auf Vh-Block (diagonal)

Einfache regelmäßige Übung: Der Vh-Topspin wird aus gleichbleibender Ausgangs­position mit gleichbleibendem Ziel geübt. Es handelt sich um die einfachste Mög­lich­keit, da der Schlag über die Diagonale ausgeführt wird und der Spieler somit – bedingt durch die Verlängerung des Ballweges – für die Bewegungsausführung mehr Zeit hat.

2. Vh-Topspin aus Vh und Mitte auf Vh-Block

Kombiniert regelmäßige Übung: Die Ausgangsstellung wird variiert, das Ziel bleibt gleich. Zwar wird die längere Weglänge beibehalten, aber durch die sogenannte „Kleine Beinarbeit“ ist der Spieler gezwungen, den Topspin aus der Bewegung heraus zu spielen.


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3. Vh-Topspin aus Vh auf Rh-Block (parallel)

Kombiniert regelmäßige Übung: Der Topspin wird mit variierender Ausgangsstellung aber gleichbleibendem Ziel geübt. Die Weglänge des Balles wird verkürzt, wodurch das Spiel schneller wird.

Übungen für die Verbesserung des Rh-Konters:

Der Rh-Konter wird von den modernen vorhandorientierten Spielern nur aus der Rh-Seite gespielt. Bälle in Tischmitte werden mit der stärkeren Vorhand beantwortet. Aus diesem Grund wird der Rh-Konter auch nur aus der Rh-Seite trainiert.

4. Rh-Konter aus Rh auf Rh-Konter aus Rh und Vh-Konter aus Mitte

Kombiniert regelmäßige Übung: Bei gleichbleibender Ausgangsstellung wird das Ziel variiert. Der Ball wird über die Diagonale gespielt, um dem Übenden mehr Zeit zu geben (siehe oben). Der Mitspieler wird mehr gefordert, da er zwischen Rh- und Vh-Konter wechseln muss. Dies geschieht aber noch ohne besondere Beanspruchung der Beinarbeit.

5. Rh-Konter auf Vh-Konter aus Vh und Mitte

Kombiniert regelmäßige Übung: Bei gleichbleibender Ausgangsstellung wird das Ziel variiert, der Schlag wird parallel geübt, wodurch die Weglänge des Balles verkürzt und damit das Spiel schneller wird. Der Rückschläger beantwortet alle Bälle mit Vh-Konter, wird aber durch die „Kleine Beinarbeit“ zwischen weiter Vh und Mitte beansprucht.

6. 2x Rh-Konter auf Rh-Konter aus Rh, 1x Rh-Konter auf Vh-Konter aus Vh


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Kombiniert regelmäßige Übung: Der Übende spielt nach einem parallelen Rh-Konter zwei diagonale Rh-Konter, die mit Vh- bzw. Rh-Konter beantwortet werden. Der Übende muss von der großen Distanz der gesamten Tischdiagonale zum kurzen parallelen Konterschlag „umschalten“. Dieser Wechsel ist im Spiel häufig Ursache von Fehlern. Der Rückschläger wird hier stärker belastet, da er die „Große Beinarbeit“ über den ganzen Tisch zum Einsatz bringen muss.

3.3. Trainingskontrolle

Während der fünfwöchigen Trainingsphase wurde durch regelmäßige Besuche der Evaluatoren sichergestellt, dass die geplanten Inhalte auch umgesetzt wurden. Die Umsetzung wurde dadurch gewährleistet, dass während der Besuche die geplanten Inhalte mit den real stattgefundenen Inhalten verglichen sowie die Trainingstagebücher der Spieler am Ende der Trainingseinheit angeschaut wurden. Die Besuche garantierten zudem den regelmäßigen Kontakt zu Inventoren (Trainern) und Spielern (vgl. Kapitel 1). Die Trainingskontrolle, bei der sich routinemäßig Evaluatoren und Inventoren trafen, erfolgte mittwochs beim Stützpunkttraining. Aufgrund örtlicher Gegebenheiten wurden auch außerhalb dieser Treffen Informationen ausgetauscht, zum Beispiel in Heidelberg beim Mittagessen, da das Tischtennisleistungszentrum und das Institut für Sport und Sportwissenschaft dieselbe Kantine benutzten.

3.3.1. Trainingsdokumentation

Die Trainingsdokumentation leistet einen entscheidenden Beitrag zur optimalen Steuerung des Trainings. Die Aufzeichnung der Trainingsinhalte und -umfänge ermöglicht es, Leistungsverbesserungen teilweise auf spezifische Trainingsinhalte zurückzuführen. Die Trainingsplanung ist so durch die aus der Trainingsdokumentation gewonnenen Erfahrungen ständigen Veränderungen und Verbesserungen unterworfen.

Trainingsdaten müssen nach einem bestimmten Konzept festgehalten werden, um aussagekräftige und relevante Ergebnisse zu erzielen. Über Kategorien werden die einzelnen Trainingsinhalte in Klassen eingeteilt, über die Quantifizierung wird die geleistete Arbeit in Zahlen ausgedrückt, was eine statistische Beobachtung und Analyse des Trainings ermöglicht. Quantifiziert werden der Zeitpunkt des Trainings, der Belastungsumfang und die Belastungsintensität (vgl. Martin, 1980, S. 204-206).

Um an diese Trainingsdaten zu gelangen, werden Trainingsprotokolle durch die Trainer erstellt und Trainingstagebücher geführt, in die die Sportler ihr Training nach bestimmten Kategorien eintragen.

Wie bereits erwähnt, trainiert die Gruppe nur drei Stunden pro Woche gemeinsam im DTTZ Heidelberg, doch auch an anderen Trainingstagen stehen die Spieler unter der Obhut der beiden kooperierenden Trainer, sodass ein Umsetzen der geplanten Trainingsinhalte garantiert ist. In der


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übrigen Zeit wird auf die Kooperation der jeweiligen Vereinstrainer gesetzt. Wegen der unterschiedlichen Trainingsgewohnheiten, die in Tabelle 5 (vgl. Stichprobe) deutlich werden, scheint die Möglichkeit der Trainings­dokumentation über Tagebücher angebracht.

Der Heimtrainer wird brieflich oder persönlich gebeten, die angegebenen Übungen im Training so oft wie möglich durchzuführen, beim Eintragen in die Trainingstagebücher zu helfen, das individuelle Videoband zur Technikkorrektur zu nutzen und die Anteile des Techniktrainings am Gesamttraining zu dokumentieren. Auf diese Weise kann die Phase des Techniktrainings optimiert werden.

Für das Training mit dem individuellen Videoband wird dem Spieler empfohlen, es zweimal pro Woche gemeinsam mit dem Trainer anzuschauen. Er erhält zu Beginn der Trainingsphase ein kleines gelbes Buch als Trainingstagebuch. Hier wird dokumentiert, wann der Spieler das Videoband angeschaut hat, wie viel Zeit er sich dafür genommen hat, und ob der Trainer dabei war oder nicht. Der folgende Ausschnitt zeigt, wie diese Dokumentation erfolgt.


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Übungen am Tisch

Bitte trage in die Tabelle neben der Übung ein, wie oft du sie in der jeweiligen Woche gespielt hast: ein senkrechter Strich = ca. 5 min. Du bist der oben stehende Spieler.

Die Kategorien stellen hier die sechs verschiedenen Übungen dar. Erfasst werden die Häufigkeit und die Dauer der jeweils gespielten Übung.

Mit Hilfe der Eintragungen in das Trainingstagebuch ist es möglich, festzustellen, wie das Techniktraining der betreuten Gruppe aussieht. Wie exakt diese Dokumentation erfolgt, ist in hohem Maße davon abhängig, wie zuverlässig der Spieler die Trainingsinhalte in sein Tagebuch einträgt. Das wiederum hängt auch von der Betreuung, Hilfe und Überwachung des jeweiligen Trainers sowie den Trainingskontrollen durch die Evaluatoren ab.

3.3.2. Videodokumentation

Bitte trage in die Kästchen der jeweiligen Woche ein, wie oft, wie lange und welchen Teil des Videobandes du dir angeschaut hast. Außerdem würden wir gerne wissen, ob dir dein/e Trainer/Trainerinnen gezeigt haben, wo du dich noch verbessern kannst. In der ersten Zeile findest du ein Beispiel, wie sie ausgefüllt werden könnten. Solltest du das Video in einer Woche überhaupt nicht ansehen, dann trage in jedes Kästchen eine 0 ein.

Tabelle 17: Beispiel aus dem Heft der Videodokumentation

Woche von/bis

wie oft?

wie lange?

welcher Teil?

mit Trainer?

 

4 x

5 min

10 min

5 min

5 min

nur meine Schläge

alles

nur Vorhand-Topspin

nur Spitzenspieler

ja

nein

nein

ja

12.02. – 17.02.

    

19.02. – 25.02.

    

Hier wird also danach differenziert, welche Teile des Videos angeschaut werden und ob der Trainer dabei war oder nicht. Quantifiziert wird über die Zeit.

Für den Bereich des Trainings in der Halle dokumentiert der Spieler im Trainings­tagebuch, wie lange die jeweilige Übung pro Woche insgesamt trainiert wurde.

3.4. Trainingsauswertung

Die Anteile des Techniktrainings am Gesamttraining schätzen die Trainer im Durchschnitt auf ca. 34 %; sie variieren dabei nicht stark zwischen den Spielern der Interventions- beziehungsweise Kontrollgruppe.

Die Tagebücher finden bei den Spielern positiven Anklang und werden sorgfältig ausgefüllt. In Tabelle 18 sind die Trainingsumfänge der einzelnen Übungen im Mittel über die Stichprobe dargestellt.


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Tabelle 18: Übungsumfang der einzelnen Übungen zur Technikoptimierung

Übung

Mittelwert (Anzahl pro Woche)

Standardabweichung

1 (Vh-Topspin aus Vh auf Vh-Block diagonal)

9,83

4,83

2 (Vh-Topspin aus Vh und Mitte auf Vh-Block)

8,67

4,63

3 Vh-Topspin aus Vh auf Rh-Block, parallel)

8,50

4,55

4 (Rh-Konter aus Rh auf Rh-Konter aus Rh- und

Vh-Konter aus Mitte)

8,83

4,83

5 (Rh-Konter aud Vh-Konter aus Vh und Mitte)

7,83

3,97

6 (2x Rh-Konter aud Rh-Konter aus Rh, 1x Rh-Konter auf Vh-Konter aus Vh)

8,33

3,83

Die einzelnen Übungen wurden relativ gleich oft im Training verwendet. Die Standardabweichungen zeigen jedoch auch, dass für den Einzelfall differenzierter analysiert werden muss, mit welchen Übungen der Spieler Technikoptimierungen realisiert hat. Unser exemplarischer Einzelfall Hermann spielte beispielsweise die Übungen 3 und 4 überdurchschnittlich oft im Vergleich zur Stichprobe.

Tabelle 19 zeigt die Mittelwerte der Stichprobe zur Videodokumentation. Im Mittel wurde das Video zweimal pro Woche ohne Trainer angeschaut. Die hohen Streuungen sind beachtlich, da es einige Spieler keinmal und einige Spieler zwanzigmal angeschaut haben. Aufgrund der Streuung sind Mittelwerte kein geeignetes Maß. Die große Streuung kann jedoch dazu benutzt werden, die Leistungsentwicklungen einzelner Spieler teilweise auf die Benutzung des Videos zurückzuführen.

Tabelle 19: Dokumentation des Videotrainings mit und ohne Trainer

Video

Mittelwert

Standardabweichung

Mit Trainer

2,20

4,38

Ohne Trainer

8,20

8,44

Zusammenfassend ist der selbstständige Umgang mit den Videoinformationen besonders hervorzuheben. Aufgrund der hohen Streuungen muss allerdings auch davon ausgegangen werden, dass nicht alle Spieler das selbstständige Videotraining durchführen. Mit Hilfe der Dokumentation kann das kontrolliert werden und entsprechend können die Videositzungen mit und ohne Trainer an das Verhalten des Spielers individuell angepasst werden.

3.5. Leistungskontrolle im Wettkampf

Zum Schluss der Trainingsphase „Technikoptimierung“ wird ein Turnier veranstaltet, bei dem die Fortschritte der einzelnen Spieler durch die Trainer überprüft werden. Die Wettkampfdiagnostik (vgl. Hohmann, 1999) dient der Leistungsstrukturanalyse und trennt die Leistungen der einzelnen Techniken (Grosser & Neumaier, 1988) von den Technikübergängen. Die Trainer bewerten die Verbesserungen bei den beiden Techniken und im Bereich der Beinarbeit auf einer Skala zwischen 1 und 6. Eine sehr gute Leitungssteigerung wird mit 1, keine Leistungssteigerung mit 6 bewertet. Wie in Kapitel 2.3 beschrieben, dient eine Trainingsgruppenhälfte als quasi-experimentelle Kontrollgruppe, die am wöchentlichen Training teilnimmt. Der Unterschied zwischen der Kontrollgruppe und der Interventionsgruppe besteht lediglich darin, dass die Interventionsgruppe durch die Leistungsdiagnostik eine individuell zugeschnittene Übungsgestaltung sowie die Videobänder erhielt. Der Gesamtumfang des Trainings und der Anteil des Techniktrainings waren bei beiden Gruppen gleich. Die Interventionsgruppe hatte durch die Diagnostiktermine keinen Vorteil, weil die Diagnostik während des üblichen Trainings in einem anderen Raum durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse der Leistungskontrolle sind in der folgenden Abbildung dargestellt.


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Abbildung 43: Leistungsverbesserungen der Interventions- (weißer Balken) vs. Kontrollgruppe (gestrichelter Balken) in der Wettkampfanalyse. Bewertung nach Schulnoten, das heißt weniger Punkte = bessere Leistung

Die Abbildung zeigt, dass die Leistungsverbesserungen der Treatmentgruppe deutlich höher bewertet werden als die der Kontrollgruppe. In ANOVAs mit den Gruppen als Faktor und der Bewertung der Trainer für Vorhand (F(1,18) = 56.07, p < .01), Rückhand (F(1,18) = 31.05, p < .01) und Beinarbeit (F(1,18) = 78.85, p < .01) gab es bessere Bewertungen für die Interventionsgruppe. Die Ergebnisse sollten mit Vorsicht behandelt werden, da es sich um subjektive Einschätzungen der Trainer handelt und nicht klar ist, inwieweit mögliche Verzerrungen in den Urteilen zu diesem Ergebnis geführt haben.

3.6. Diskussion

Die Phase I der Intervention beinhaltet zwei zentrale Schritte. Das Konzept „Mit der Praxis für die Praxis“ und das „Best-practice-Modell“ für die einzelfallorientierte Technikoptimierung. Mit dem Konzept „Mit der Praxis für die Praxis“ wurden relevante Fragestellungen entwickelt und in ein überprüfbares Forschungsdesign transportiert. Dieses Vorgehen wurde am Problem der Technikoptimierung realisiert. Besonders die Entwicklung einer Leistungsdiagnostik war ein entscheidender Schritt zur Erfassung von individuellen Technikmerkmalen, die bei schnellen Vorhand- und Rückhandschlägen schwer zu entdecken sind. Der zweite Schritt, das „Best-practice-Modell“, wurde für jeden einzelnen Spieler entworfen. Es enthielt individuelle Rückmeldungen aus der Leistungsdiagnostik, ein individuell konzipiertes Videotraining und ein individuelles Hallentraining zur Technikoptimierung von Vorhand- und Rückhandschlägen. Jeder Schritt der Vorgehensweise muss im Folgenden einer Evaluation unterzogen werden, bevor die beiden Verfahren beim Kernproblem, der Optimierung von Technikwechseln, angewendet werden können.

Phase II: Evaluation


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19.05.2005