8. Intervention der Technikübergänge

8.1. Diagnostik von Technikübergängen

Die Intervulation beschäftigt sich nach der vorrangigen Optimierung einzelner Techniken mit der Optimierung der Technikübergänge, dem Kernstück des Projektes. Aus den Erfahrungen der Intervention und den Ergebnissen der formativen Evaluation können für die Intervulation der


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Technikübergänge konkrete Empfehlungen gegeben werden. Aus den Phasen I und II werden alle Verbesserungen für die Diagnostik, die Rückmeldung, das Training und die kurz- und langfristigen Leistungskontrollen übernommen, dem Technikübergangstraining angepasst und umgesetzt. Dies betrifft vor allem die im Protokoll der Moderatorensitzung festgelegte Verkürzung der Diagnostik und damit schnellere Rückmeldung, die Veränderung des Ist-Soll-Wert-Videos und die Umsetzung der generierten Übungen für das Technikwechseltraining. Die TTLT-Diagnostik des Prätests wurde benutzt (vgl. Kapitel 2), um die entsprechenden Rückmeldungen und Interventionsschritte zu planen.

8.2. Rückmeldung von Technikübergängen

Für die Technikübergänge sind Informationen über die Abweichung einer geradlinigen Bewegungsbahn unter den einzelnen Bedingungen rückzumelden. Bei der Rückmeldung einer individuell optimierten Bewegungsbahn helfen die Streuungsinformationen und die Gesamtbewegungslänge in Relation zur Trefferleistung. Die Daten werden graphisch veranschaulicht und eine Vorauswahl mit den Trainern für die jeweilige Rückmeldung an den Spieler getroffen. Die folgende Tabelle zeigt die relevanten Informationen.

Tabelle 23 fasst die Fehler beim Technikwechsel nach den Vorgaben der Bundestrainer (vgl. Kapitel 2) und Personen, für die dies besonders relevant ist, zusammen.

Tabelle 23. Fehler beim Technikwechsel für die einzelnen Personen und Fehler

Technikwechselfehler

Spieler

Das Absinken des Armes nach dem Schlag ist zu tief

Hermann, Katrin und Sarah

Die Bewegung von einer Technik zur anderen wird durch zusätzliche Bewegungen (Knick) zu spät realisiert

Maren und Kathrin

Wie in Tabelle 23 dargestellt, sind insgesamt zwei zentrale Fehler bei dem Technikwechsel als veränderungsbedürftig empfunden worden. Für die Rückmeldung und das Training müssen entsprechend individualisierte Gestaltungen gefunden werden, die diese Fehler korrigieren.

8.3. Training von Technikübergängen

Das Training der Technikübergänge orientiert sich nach den Ergebnissen der Delphi-Technik (vgl. Kapitel 4.2) am Moderationsgespräch und wird die Übungen beinhalten, auf die sich die Trainer einigen konnten.

Abbildung 55 zeigt die sechs Übungen mit der höchsten Übereinstimmung.


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Abbildung 55: Sechs Übungen zum Training von Technikübergängen nach ihrer Reihung im Training geordnet

Die Übungen entsprechen den klassischen Prinzipien der Aufschaltung von Handlungs­alternativen und der Komplexität der Aufgabenanforderungen. Die Übungen im Technik­training werden von den Trainern individuell angepasst und von den Evaluatoren einmal in der Woche kontrolliert sowie von den Spielern in der Trainingsdokumentation erfasst.

8.4. Diagnostik nach den Interventionen

Die Diagnostik und Rückmeldung der Technikübergänge wird wie in der Phase I im exemplarischen Einzelfall und für ausgewählte Spielerpaare vorgenommen. Hermann wird erneut


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als Einzelfall herangezogen, um dann gegebenenfalls Vergleiche zwischen Prä- und Post-Test ziehen zu können. Als Spielerpaar wird das Paar Hermann-Kathrin dargestellt.

Inhaltliche Veränderungen

Um den Zeitaufwand zu minimieren und um den Ergebnissen der Evaluation Rechnung zu tragen, wird der TTLT in verkürzter Form als Posttest durchgeführt.

Die in Kapitel 2 dargestellten Ergebnisse zeigen partiell signifikante Unterschiede zwischen den Sequenzen, sodass es sinnvoll scheint, statt der vorherigen vier Sequenzen nur noch die zwei Sequenzen 2 und 3 spielen zu lassen. Geschwindigkeit und Vorinformation über den nächsten Ball werden als Manipulationen beibehalten. Bei der unbekannten Bedingung werden wiederum alle vier Sequenzen ohne vorherige Ansage gespielt. Ausgewertet werden jedoch nur die beiden vorher bestimmten Sequenzen. Jede Sequenz wird unter jeder Bedingung, anstatt fünf nur noch drei Mal wiederholt. Bei unbekannter Bedingung wird solange gespielt, bis die Sequenzen 2 und 3 je drei Mal wiederholt worden sind.

Die Instruktion bleibt unverändert: Ziel ist, die Vorhandbälle mit Topspin, die Rückhandbälle mit Konter zu beantworten und jeden Ball in das aufgeklebte Zielfeld auf der gegnerischen Vorhandseite zu schlagen. Das Zielfeld wird beibehalten.

Diese Veränderungen ergeben im Durchschnitt einen Zeitbedarf von etwa dreißig Minuten pro Versuchsperson, die Spieler schlagen nach einer kurzen Einspielphase maximal 120 Bälle.

Technische Veränderungen

Für die Bewegungsanalyse in “Simi-Motion” ist vor allem notwendig, die Lichtverhält­nisse zu verbessern. Die Scheinwerfer wurden so eingestellt, dass die aufgeklebten Marker auf den Gelenkpunkten reflektieren. Gleichzeitig wurde gewährleistet, dass der Spieler nicht geblendet wird und den zuspielenden Trainer und damit die Bälle rechtzeitig erkennen kann. Vermieden werden soll außerdem, dass durch zu starke Strahler Lichtflecken entstehen, die auf der Benutzeroberfläche von “Simi-Motion” die Auswertung behindern. Es hat sich als günstig erwiesen, mehrere Strahler einzusetzen und etwas diffuseres Licht von der Seite zu erzeugen. Insgesamt ist der Raum etwas heller erleuchtet als bei der ersten Aufnahme, was sich auch auf die Gesamtaufnahmen positiv auswirkt, mit denen die Trainer anschließend für die Korrekturen in der Halle arbeiten können.

Die Kamerapositionen werden beibehalten. Die beiden Kameras für die Aufzeichnung der Bewegung stehen in einem Winkel von etwa 90°. Es wurde darauf geachtet, dass in der frontalen Perspektive der Spieler nicht durch den einspielenden Trainer verdeckt wird. Bei der lateralen Perspektive wurde die Einstellung dahingehend verändert, dass nun der ganze Spieler bis zu den Füßen im Bild ist.

8.5. Leistungsverbesserungen der Technikoptimierung

Wie bereits bei der Intervention werden im Folgenden Veränderungen bei den Trefferleistungen und den Bewegungsanalysen für den exemplarischen Einzelfall sowie über Mittelwertvergleiche für die gesamte Stichprobe dargestellt.

8.5.1. Zentrale Tendenzen bei den Trefferleistungen

Die Darstellung der Trefferleistungen im TTLT erfolgt als individuelle Leistungs­verbesserungen. In einer einfaktoriellen Varianzanalyse sind zuerst die Leistungs­verbesserungen der zehn Sportler inferenzstatistisch nachzuweisen.

Tabelle 24 zeigt die Effekte für die Sequenzen, die sowohl im Prätest als auch im Posttest gespielt worden sind.


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Tabelle 24: Varianztabelle für die Sequenzen zwei und drei für normale und hohe Geschwindigkeit bei bekannten und unbekannten Sequenzen (*p < .05; **p < .01). In Klammern hinter dem F-Wert die Verbesserung im Mittel der Stichprobe. Ein Wert von 1 entspricht der Verbesserung um ein Kästchen (20 cm, 40 cm, 60 cm Ränder) im Trefferfeld

Messwiederholung

Quelle der Varianz

 

df

F-Wert

Sequenz 2, Geschwindigkeit 1

Bekannt

9

.15 (.10)

Sequenz 3, Geschwindigkeit 1

Bekannt

9

2.85 (.70)

Sequenz 2, Geschwindigkeit 2

Bekannt

9

13.62** (2.1)

Sequenz 3, Geschwindigkeit 2

Unbekannt

9

6.60* (.74)

Sequenz 2, Geschwindigkeit 1

Unbekannt

9

15.83** (2.4)

Sequenz 3, Geschwindigkeit 1

Unbekannt

9

10.31** (.90)

Sequenz 2, Geschwindigkeit 2

Unbekannt

9

6.39* (.80)

Sequenz 3, Geschwindigkeit 2

Unbekannt

9

9.05* (1.2)

Die beiden Sequenzen bei normaler Geschwindigkeit und bekannter Struktur wurden vom Prä- zum Posttest hinsichtlich der Trefferleistungen nicht signifikant verbessert. Dafür kommen zwei mögliche Interpretationen in Frage. Erstens: Der Test zeigt für diese Sequenzen bereits im Prätest gute Leistungen, und die Leistungen können deshalb kaum verbessert werden. Zweitens: Durch die reduzierte TTLT-Diagnostik im Posttest wird die Sequenz 2 an den Anfang der Diagnose gestellt, was möglicherweise zu Sequenzeffekten führt, wodurch schlechtere Leistungen zu erwarten sind. Die zweite Argumentation ist nachvollziehbar, wenn man sich deskriptiv die leichten Verschlechterungen in der Sequenz 2 von Prä- zum Posttest vergegenwärtigt. Sämtliche Werte bei hohen Geschwindigkeiten und unbekannten Sequenzen führen zu signifikanten Leistungsverbesserungen. Interessant für den Vergleich mit den Bewegungsdaten sind vor allem die individuellen Verbesserungen. Von den in der Technikoptimierung vorgestellten vier Einzelfällen konnte Sarah am letzten TTLT-Diagnostiktermin nicht teilnehmen, deshalb werden nur noch Hermann, Maike und Kathrin dargestellt. Wegen der Übersichtlichkeit wird auf die Darstellung der bereits bei der Technikoptimierung nur zusammengefassten weiteren Stichprobe verzichtet, um im Detail Verbesserungen und ihre Zusammenhänge zeigen zu können.

8.5.1.1. Einzelfall Hermann

Hermann zeigt deutliche Verbesserungen in allen Sequenzen mit der Ausnahme von der Sequenz 2 bei normaler Geschwindigkeit und bekannter Reihenfolge der Schläge. Eine ANOVA mit Messwiederholung über alle Sequenzen ergibt eine signifikante Verbesserung (F(1, 58) = 4.20, p < .05, η2 = .07).


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Abbildung 56: Einzelfall Hermann: Prä-Post-Vergleich für die bekannten Sequenzen 2 und 3 bei normaler und hoher Geschwindigkeit. Weniger Punkte bedeuten bessere Leistung.

Wie aber verändern sich die Leistungen, wenn die Reihenfolge der Schläge nicht bekannt ist? Abbildung 57 zeigt die Veränderungen bei unbekannten Sequenzen.


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Dass Hermann bei unbekannter Reihenfolge von Schlägen höhere Leistungsverbesse­rungen als bei bekannter Reihenfolge erzielt (F(1, 56) = 22.04, p < .01, η2 = .31), lässt sich auf das Training der Technikübergänge zurückführen. Der Unterschied von Hermanns Mittelwert im Vergleich zur Evaluationsstichprobe (vgl. Kapitel 2.5.1.2, Abbildung 9) bestätigt diesen Eindruck. Der Effekt der Leistungsentwicklung ist für die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in etwa gleich.

8.5.1.2. Einzelfall Kathrin

Die Analyse von Kathrin ist von besonderer Bedeutung, da sich bei Kathrin die größte Varianz zwischen den einzelnen Sequenzen und den Geschwindigkeiten in den Bewegungsanalysen gezeigt hat. Es ist deshalb zu prüfen, inwieweit das allgemeine Übergangstraining Effekte auf alle Geschwindigkeiten und Sequenzen in bekannter und unbekannter Reihenfolge der Schläge zeigt. Wie bei Hermann werden zuerst die Trefferleistungen bei bekannten Sequenzen dargestellt.

Abbildung 58: Einzelfall Kathrin: Prä-Post-Vergleich für die bekannten Sequenzen 2 und 3 bei normaler (v1) und hoher (v2) Geschwindigkeit. Weniger Punkte bedeuten bessere Leistung.

Kathrin zeigt ebenso wie Hermann im allgemeinen Leistungsverbesserungen (F(1, 58) = 40.24, p < .01, η2 = .41). Sie sind bei Sequenz 3 etwas stärker als bei Sequenz 2. Da Sequenz 3 mehr Übergänge besitzt und sich bei der Bewegungsanalyse besonders bei dieser Sequenz bei hoher Geschwindigkeit Schwächen gezeigt haben, sind diese Entwicklungen als gewünscht anzusehen. Ob diese auf Veränderungen der Techniken selbst und/oder auf die Übergänge zurückzuführen sind, kann im Vergleich zu den Trefferleistungen bei unbekannter Sequenz abgeschätzt werden.

Bei den unbekannten Sequenzen zeigen sich für alle Bedingungen Verbesserungen (F(1, 43) = 25.22, p < .01, η2 = .35). Die größten Zuwächse sind für die Sequenz 2 bei hoher Geschwindigkeit zu verzeichnen. Das war bei der Videoanalyse auch der Bereich, in dem die größten nicht funktionalen Bewegungsvarianzen festzustellen waren. Auch hier kann man aufgrund der starken Verbesserungen davon ausgehen, dass das Übergangstraining seine Funktion erfüllt hat.


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Abbildung 59: Einzelfall Kathrin: Prä-Post-Vergleich für die unbekannten Sequenzen 2 und 3 bei normaler und hoher Geschwindigkeit. Weniger Punkte bedeuten bessere Leistung

Fasst man die Einzelfallanalysen zusammen und berücksichtigt man auch die signifikanten Leistungsverbesserungen (vgl. Tabelle 24) im Mittel der Trainingsgruppe, so ist das nicht besonders erstaunlich. Natürlich sollten Sportler ihr Spiel durch das Training verbessern. Doch diese Spieler verfügen über lange Trainingserfahrungen und über ein relativ hohes Leistungsvermögen. Leistungen auf solch einem Niveau unter Berücksichtigung der Trainingslänge zu vollbringen, ist nicht selbstverständlich.

Der Unterschied zwischen den Trefferleistungen von bekannten und unbekannten Sequenzen hat sich verringert, und bei allen Spielern wurden bemerkenswerte signifikante Verbesserungen, vor allem in hohen Geschwindigkeiten, erreicht. Das kann zum Teil auf die Verbesserungen im Technikwechsel zurückgeführt werden. Eine Schätzung, wie groß diese Verbesserungen relativ zu der Entwicklung sind, wenn die Spieler ihr normales Training durchgeführt hätten, kann durch die Kontrollgruppe erfolgen, die Übungen im selben Umfang, nur ohne Schwerpunkt auf die Technikübergänge, wie die Trainingsgruppe absolviert hat.

Zunächst sind die Bewegungsanalysen und die Veränderungen der Bewegungen darzustellen, die als wichtigster Faktor für die verbesserten Trainingsleistungen gelten und auch langfristig Leistungsverbesserungen unterstützen sollen.

8.5.2. Zentrale Tendenzen bei den Bewegungsanalysen

Die Bewegungsanalysen beziehen sich in einem ersten Schritt auf die Komponenten­analysen, wie sie ausführlich bei den Ergebnissen der Prätestanalyse beschrieben wurden.

Die Komponentenanalyse (vgl. Kapitel 2 für die Prätestdaten) für die Technikoptimierung von Prä- und Posttest wird nur tabellarisch in einer Zusammenfassung gezeigt, da die Hauptzielstellung die Verbesserung der Technikübergänge ist. Tabelle 25 zeigt für die einzelnen Stufen der unabhängigen Variablen des TTLT die Anzahl der Komponenten und ihre Struktur bei 98 % und mehr aufgeklärter Varianz.


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Tabelle 25: Komponentenstruktur Prä-/Posttest der Technikoptimierung

Faktor

Anzahl Komponenten

Struktur der Komponenten

Anzahl Komponenten

Struktur der Komponenten

 

Prätest

Posttest

Bekannte Strukturen

Sequenz 2

Geschwindigkeit 1

2

E (y)

S(y)

2

S(y,z), H(y), E(x-)

H(x),S(x),E(y-)

Sequenz 3

Geschwindigkeit 1

3

H(x),E(x),S(y)

E(y),S(z)

2

T(z-,x-)

E(y,x),S(y,z,x)

Sequenz 2

Geschwindigkeit 2

3

H(x),E(x)

S(y),E(y)

2

E(y,x),S(y,z,x)

H(y,x)

Sequenz 3

Geschwindigkeit 2

4

S(x),E(x)H(x)

E(z),S(z)

3

E(x),S(x),H(x)

E(y-),S(z-)

S(y)

Faktor

Anzahl Komponenten

Struktur der Komponenten

Anzahl Komponenten

Struktur der Komponenten

 

Prätest

Posttest

Unbekannte Strukturen

Sequenz 2

Geschwindigkeit 1

3

T(x),H(x),E(x),S(x)

S(y),T(y),E(y)

E(z),S(z),H(z)

3

(Ex-,y+),H(y+,x-)

S(z)

Sequenz 3

Geschwindigkeit 1

4

T(x),H(x),E(x),S(x)

E(z),S(z),H(z)

4

E(x),H(x),S(x,y)

H(y)

S(z),(Sy-)

Sequenz 2

Geschwindigkeit 2

5

H(x),S(x),E(x)

E(z-),H(y)

S(z),S(y)

2

E(y),H(y-)

E(x),S(x)

S(z,y-)

Sequenz 3

Geschwindigkeit 2

5

H(x),E(x)

S(z,y)

H(y+),E(y)

4

S(x),E(x),H(x,y)

S(y),E(y)

Anmerkungen: S = Schulter, E = Ellbogen, H = Handgelenk, T = Tischtennisschläger, x-Achse = links und rechts vom Spieler, y-Achse = vorne und hinten, z-Achse = oben und unten; Minuszeichen = negative hohe Ladung auf entsprechenden Faktor. Reihenfolge der Punkte und der x-, y-, z-Achsenbezeichnungen in Klammern nach Höhe der Ladung geordnet.

Zur Erinnerung sind aus dem Kapitel 2 die Prätestergebnisse noch einmal aufgeführt. Die Tabelle liest sich in zwei Richtungen und die Struktur der Komponenten ist durch die Bewegungspunkte Schulter (S), Ellbogen (E), Handgelenk (H) und Tischtennisschläger (T) vorgegeben. Die Angaben x, y oder z geben die Bewegungsrichtung an. Die erste Leserichtung ist von oben nach unten und wurde bereits für die Prätestergebnisse erläutert. Im Vergleich zu den Prätestergebnissen ist die Anzahl der Komponenten ebenfalls erhöht von bekannten zu unbekannten Strukturen sowie erhöht bei hoher im Vergleich zu normaler Geschwindigkeit. Die zweite Blickrichtung ist von links nach rechts. In fünf von acht Fällen reduziert sich die Anzahl der Komponenten vom Prätest zum Posttest. In keinem einzigen Fall erhöht sich die Anzahl der Komponenten. Dieser Befund entspricht der Analyse der Trefferleistungen für die Gesamtstichprobe. Komponentenreduktionen über einen Lernverlauf wurden auch in anderen Aufgaben als Maß für die Bewegungsveränderungen benutzt (vgl. Post, Daffertshofer & Beek, 2000). Die weitaus wichtigere Analyse liegt jedoch nicht in der Anzahl der Komponenten, sondern in der Struktur der Komponenten, die darüber Aufschluss geben kann, wie strukturelle Veränderungen auftreten. Zunächst einmal ist festzustellen, dass Bewegungskomponenten sich überwiegend aus zwei bis drei Bewegungspunkten über die Gelenke hinweg, aber in einer Ebene, konzentrieren. Es ergeben sich jedoch aus 51 Komponenten siebenmal Komponenten mit einem Bewegungspunkt und zweimal Komponenten mit vier Bewegungspunkten. Die [Seite 124↓]Komponentenstruktur zeigt zudem, dass überwiegend benachbarte Bewegungspunkte Komponenten abbilden. Zum Beispiel gibt es keine Komponenten, in denen Hand und Schulter ohne den Ellbogen eine Komponente bilden, oder Tischtennisschläger und entfernte Bewegungspunkte wie Schulter oder Ellbogen allein eine Komponente darstellen. Zudem ist bemerkenswert, dass nur einmal ein Bewegungspunkt über zwei Achsen im Prätest korreliert, während dieser Fall bereits dreizehnmal im Posttest auftaucht. Dies spricht dafür, dass eine Strategie gelernt wird, die nicht die Freiheitsgrade zwischen Bewegungspunkten kontrolliert, beispielsweise durch die Ansteuerung von Gelenkwinkeln, sondern dass Bewegungstrajektorien durch den Raum von einigen wenigen, angesteuerten Bewegungsbahnen kontrolliert werden. Dies wird in den Konsequenzen erneut im Detail aufgegriffen, außerdem wird erläutert, was das für die motorische Ansteuerung solcher Bewegungen bedeuten kann (Kapitel 9), und wie Trainer und Spieler diese Prinzipien der Ansteuerung nutzen und optimieren können (Kapitel 11).

8.5.2.1. Bewegungsmerkmale im Prä-Post-Test

Die Bewegungsanalyse bezieht sich auf zwei Aspekte. Zum einen auf die Darstellung der Bewegungsmerkmale wie im Prätest (vgl. Kapitel 2), zum anderen auf die Technikübergänge und deren Analyse. Der Vergleich zwischen Prä- und Posttestergebnissen wird dann auf der Ebene der Komponentenanalyse vorgestellt.

Die Ausholbewegung

Die Ausholbewegung sollte nach dem Leitbild auf der Höhe der Tischkante anfangen, was im Mittel über alle Spieler und Bedingungen auch umgesetzt wurde (M = -04 cm, SD = 04). Die hohen Streuungen basieren vor allem auf hohen Differenzen zwischen Bedingungen, in denen Sequenz 2 oder Sequenz 3 gespielt wurde, sowie durch hohe Streuungen zwischen Versuchspersonen, wie in den vergleichenden Einzelfallanalysen dargestellt wird. Eine ANOVA mit den y-Werten der Ausholbewegung relativ zur Tischkante ergab über alle Bedingungen hinweg keine signifikanten Unterschiede.

Der Ellbogen

Der Abstand zwischen Ellbogen und Schulter in x-Richtung der seitlichen Ausholbewegung ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bedingungen. Mit einem Mittelwert von etwa 20 cm Abstand über alle Spieler und Bedingungen sind in den einzelfallanalytischen Betrachtungen zu berechnen, inwieweit sich weite oder zu nahe Abstände auf die Trefferleistungen auswirken.

8.5.2.2. Zusammenhang zwischen Trefferleistungen und Bewegungen

Bislang wurden Trefferleistungen und Bewegungsanalysen getrennt dargestellt. Für die Trainer ist jedoch die Information, ob bestimmte Bewegungsveränderungen auch zu Trefferverbesserungen führen, besonders wichtig. Beispielsweise sagt die Reduzierung der Komponenten zwischen Prä- und Posttest sowie der Unterschied der Anzahl der Komponenten zwischen bekannten und unbekannten Sequenzen nur dann etwas über Verbesserungen aus, wenn diese mit besseren Trefferleistungen korrelieren. Deshalb wurden im Folgenden die z-transformierten Trefferleistungen und die z-transformierte Anzahl der Komponenten aufeinander bezogen für Vergleiche zwischen Prä- und Posttest als auch zwischen bekannten und unbekannten Sequenzen. Dies geschah für die Einzelfälle zur Rückmeldung separat und wird hier im Mittel dargestellt. Die Korrelation bei unbekannten Sequenzen erreicht mit r = .59 (p < .01) einen signifikanten Zusammenhang. Der Zusammenhang ist positiv, da mit größerer Anzahl von Komponenten auch größere Werte bei der Trefferdiagnostik erreicht werden. Da größere Werte bei der Diagnostik jedoch schlechtere Leistungen bedeuten, bedeutet die positive Korrelation, dass geringere Bewegungskomponenten zu besseren Trefferleistungen führen. Dies ist ein wichtiges Ergebnis, das über die Ergebnisse insgesamt als auch über Prä- und Posttest einzeln gefunden werden kann. Für die bekannten Sequenzen ist die Korrelation zwischen Treffern und Bewegungsqualität r = .34 (p > .05) nicht bedeutsam und spricht wiederum dafür, dass die Bewegungskomponenten, die an


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dem Technikwechsel beteiligt sind, stärker mit den Trefferleistungen korrelieren. Insgesamt sind der durchschnittliche Wert sowie die einzelnen Werte vom Prä- und Posttest in der vorhergesagten Richtung zu finden und mit einer Korrelation von über .30 zumindest anteilig feststellbar. Im Prätest sind die Korrelationen zwischen Treffern und Bewegungsqualität erwartungsgemäß geringer als im Posttest. Wie bereits in den Analysen der Treffer und der Bewegungen separat dargestellt, sind mehr Knotenpunkte in den unbekannten und hohen Wettkampfgeschwindigkeiten und entsprechend mehr Fehler bei diesen Bedingungen zu finden. Der interessanteste Befund ist, dass bei einer Analyse der Prätest- versus Posttestergebnisse sich die Korrelationen in den unbekannten Sequenzen am meisten erhöhen und somit für den Zusammenhang von dargestellten Veränderungen im Technikübergang und den besseren Trefferleistungen sprechen. Im Einzelfall variieren diese Zusammenhänge und können wegen ihres Umfanges hier nicht dargestellt werden. Für die Trainer war wichtig, anhand der Analyse zu sehen, dass die gefundenen Trefferleistungen bei den unbekannten Sequenzen anteilig auf das Training des Technikwechsels zurückzuführen sind. Auf Grund der schließlich im Labor entstandenen Resultate besteht die zentrale Forderung, diese Ergebnisse auch in mittelfristigen und langfristigen Leistungsverbesserungen, insbesondere im Wettkampf umsetzen zu können.

8.5.2.3. Prä-Post-Vergleich der Technikwechsel

Der Vergleich der Veränderungen der Technikwechsel und deren Zusammenhang mit den Trefferleistungen kann wie beim Prätest (vgl. Kapitel 2) durch die Hypothesen zur Neutralstellung (Tiefe des Absinkens des Handgelenks nach Ballkontakt und vor erneuter Ausholbewegung) und zur Streckenlänge der Übergangsbewegung (Knick) bewertet werden. Für die Hypothese 3a wurde entsprechend dem Verfahren aus den Prätestanalysen die mittleren minimalen y-Achsen-Werte mit den Trefferleistungen korreliert. Im Vergleich zum Prätest (in etwa 30 cm) wurde das Absinken des Handgelenks im Mittel über alle Spieler und Bedingungen nur noch 18.5 cm nach dem Ballkontakt und vor dem Initiieren der Ausholbewegung realisiert. Wie im Prätest wird das Handgelenk nach Ballkontakten und anschließendem Technikwechsel stärker bei bekannter Reihenfolge von Sequenzen (im Mittel 13,88 cm) im Vergleich zu unbekannter Reihenfolge von Sequenzen (im Mittel 20,5 cm) abgesenkt. Innerhalb der Geschwindigkeiten ist ebenfalls geringeres Absinken bei normaler Geschwindigkeit gegenüber der hohen Geschwindigkeit festzustellen (bekannte Strukturen: normale Geschwindigkeit 12,5 cm, hohe Geschwindigkeit 15,25 cm; unbekannte Strukturen: normale Geschwindigkeit 15,3 cm, hohe Geschwindigkeit 25,7 cm). Die Korrelation zwischen mittlerem Absinken in den einzelnen Bedingungen im Mittel über alle Spieler und den entsprechenden Trefferleistungen ergab eine erwartete mittlere negative Korrelation, die allerdings nicht signifikant wurde (r = -.46, p > .05). Im Vergleich zum Prätest mit einer negativen Korrelation von r = -.25 ist der negative Zusammenhang zwischen Treffern und Neutralstellung größer geworden.

Für die Hypothese 3b sind die Streckenlängen und Trefferleistungen im Posttest zu berechnen und mit den Korrelationen aus dem Prätest zu vergleichen. Hypothese 3b: Je größer die Streckenlänge nach Ballkontakt und Start der nächsten Ausholbewegung bei Technikwechseln ist, desto geringere Trefferleistungen werden erzielt. Dazu werden im Mittel über alle drei Dimensionen (x-, y-, z-Achse) die Streckenlängen (vgl. Kapitel 2) über die Bedingungen verglichen. Dies geschieht wie bei der Hypothese 3a nur über die Übergänge zwischen zwei Schlägen, in denen die Technik gewechselt wird. Wie erwartet sind im Mittel über alle Spieler die Streckenlängen für die bekannten Reihenfolgen von Sequenzen kürzer als für die unbekannten Reihenfolgen. Im Mittel sind die Bewegungen über alle drei Dimensionen des Handgelenks um 15,25 cm kürzer. Auch innerhalb der Geschwindigkeiten finden sich höhere Streckenlängen für die bekannte Reihenfolge der Sequenzen bei höheren Geschwindigkeiten von im Mittel 9,5 cm, allerdings nicht für die


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unbekannten Reihenfolgen von Sequenzen, in denen in etwa die gleichen Streckenlängen bei normaler und hoher Geschwindigkeit in den Technikwechseln zurückgelegt werden. Berechnet man die Korrelation zwischen Streckenlänge und Treffern über alle Spieler und Bedingungen, so ist eine hohe positive Korrelation (r = .65, p = .078) zu verzeichnen, die knapp das Signifikanzniveau verpasst. Größere Streckenlängen hängen mit höheren Punkten bei den Fehlerwerten zusammen, sodass besser getroffen wird, wenn geringere Technikwechselbewegungstrajektorien vorliegen. Im Vergleich zum Prätest (geringe positive Korrelation von r = .13) ist der Zusammenhang zumindest im Mittel gestiegen. Inwieweit die geringeren Streckenlängen und, damit zusammenhängend, die besseren Trefferleistungen nur auf die Optimierung der Technikwechsel zurückzuführen sind, kann nur im Vergleich mit den Verbesserungen in den Bewegungsmerkmalen sowie den Expertenratings der Trainer in den Trainings- und Wettkampfanalysen abgeschätzt werden.

8.5.3. Exemplarische Einzelfälle für Veränderungen der Bewegungsmerkmale

Wie in der Intervention wird an einem Einzelfall die Analyse demonstriert, und anschließend werden in einer vergleichenden Einzelfallanalyse die Veränderungen der Technikübergänge beschrieben.

In der Abbildung 60 werden Hermanns Bewegungen betrachtet, wenn er keine Vorinformation über die Platzierung des Balls hat. Er weiß auch nicht, dass die Sequenzen erneut gespielt werden. Die Reihenfolge der eingespielten Sequenzen erfolgte ebenfalls zufällig, wird hier aber geordnet dargestellt. Die Abbildung zeigt die Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 und 3 ohne Vorinformation und bei normaler Geschwindigkeit.

Abbildung 60: Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 und 3 mit Vorinformation und normaler Geschwindigkeit. Es sind jeweils die mittleren fünf Schläge dargestellt. V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Es ist deutlich zu erkennen, dass die Kurve nur vereinzelt und relativ wenig unter der eingezeichneten Horizontalen (Tischkante) verläuft. Hermanns Fehler des Ausholens unter Tischniveau tritt im Vergleich zum ersten Diagnostiktermin mit einem Mittelwert von 3 cm (SD = 2 cm) in der Sequenz 2 und einem Mittelwert von –2 cm (SD = 4 cm) vermindert um 20 cm auf. Die angezielte Technikoptimierung aus der Intervention kann über alle Sequenzen in dieser Bedingung gerechnet als erfolgreich gewertet werden (F(1, 985) = 118.73, p < .01, η2= .89). Zudem zeigen die Trefferleistungen, dass die Verbesse­rungen der Treffgenauigkeiten aus den Veränderungen der Bewegungen resultieren.


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Bei höherem Tempo ergeben sich Kurven, wie sie exemplarisch in Abbildung 61 dargestellt sind.

Abbildung 61: Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 und 3 mit Vorinformation und hoher Wettkampfgeschwindigkeit. Es sind jeweils die mittleren fünf Schläge dargestellt. V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Hermanns Ausholfehler zeigt sich etwas deutlicher im Vergleich zu der normalen Geschwindigkeit (Sequenz 2: M = -6,8 cm, SD = 12 cm; Sequenz 3: M = -3,4 cm, SD = 18 cm) und bedarf deshalb weiterer Optimierungen, wenn sich dieser Fehler als leistungslimitierend in den Wettkampfanalysen feststellen lässt. Im Vergleich zum Prätest können aber ebenfalls Ausholbewegungsdifferenzen diagnostiziert werden, die von ca. 22 cm (Mittel von Sequenz 2 und Sequenz 3 aus dem Prätest) auf 5,1 cm (im Mittel über Sequenz 2 und 3 im Posttest) reduziert werden konnten (F(1, 726) = 165.77, p < .01, η2= .91).

In der Abbildung 62 werden Hermanns Bewegungen betrachtet, wenn er keine Vorinformation über die Platzierung des Balls hat. Er weiß auch nicht, dass die Sequenzen erneut gespielt werden. Die Reihenfolge der eingespielten Sequenzen erfolgt ebenfalls zufällig, wird hier aber geordnet dargestellt. Die Abbildung zeigt die Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 (links) und 3 (rechts) ohne Vorinformation und bei normaler Geschwindigkeit.

Die Sequenzen wurden unregelmäßig eingespielt, werden hier aber in geordneter Reihenfolge dargestellt. Bei normaler Geschwindigkeit, aber unbekannter Reihenfolge der Schläge, finden wir ein verändertes Bewegungsmuster im Vergleich zu den Anfangsdaten. Im Prätest holte Hermann mit -2 cm (Sequenz 2) und -31 cm (Sequenz 3) im Mittel 16,5 cm unter dem Tischniveau aus. Die Mittelwerte liegen bei dem Posttest bei -6,9 cm (SD = 2,9 cm, Sequenz 2) und -1,7 cm (SD = 2 cm, Sequenz 3) im Mittel mit –4,3 cm nahe an der Tischkante, die keinen signifikanten Unterschied ergaben (Prä- Posttestvergleich: F(1, 583) = 2.08, p > .05, η2= .17).


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Abbildung 62: Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 und 3 ohne Vorinformation und normale Geschwindigkeit. V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Die Rückhandamplituden sind jetzt deutlich erhöht, ohne dass dies zu Verlusten der Treffgenauigkeit führt, dafür aber bei zu schnell gespielten Bällen (vgl. Kapitel 2). Doch wie verändert sich das Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten? Bei hoher Wettkampfgeschwindigkeit ergeben sich Kurvenverläufe, wie sie exemplarisch in Abbildung 63 dargestellt sind.


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Abbildung 63: Vertikalbewegung des Handgelenks bei den Sequenzen 2 und 3 ohne Vorinformation und hohe Wettkampfgeschwindigkeit. V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Bei der hohen Wettkampfgeschwindigkeit sind die Übergänge zwischen den Bewegungen im Vergleich zum Anfangstest viel direkter und zeigen weiterhin hohe Amplituden für die Rückhandbewegung. Beim Anfangstest wurden für die Sequenz 2 (M = -34 cm) und die Sequenz 3 (M = 13 cm) im Mittel 23,5 cm unter dem Tischniveau ausgeholt. Im Posttest verringerte sich die Ausholbewegung unter dem Tisch auf ein Mittel von -7,6 cm (Sequenz 2: M = 12 cm, SD = 4,5 cm; Sequenz 3: M = 3,2 cm, SD = 5,9 cm). Zusammenfassend sind die angestrebten Bewegungsparameter erreicht worden, die knapp die Signifikanzgrenze verfehlen F(1, 219) = 6.01, p = .07, η2= .60). Da die Bewegungsveränderungen mit schneller gespielten Bällen zusammenhängen und mehr Treffer (vgl. Kapitel 2) erzielt werden, ist die Entwicklung als positiv zu bewerten.


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8.6.  Leistungsverbesserungen bei dem Technikwechsel

8.6.1. Trefferleistungen

Für die Diagnostik der Technikübergänge müssen nur die Hypothesen (vgl. Kapitel 2) benutzt werden, die sich auf die Effekte von Technikwechseln beziehen. Das ist zum einen der Sequenzunterschied aufgrund der Anzahl verschiedener Technikwechsel in der Sequenz und die Position der Technikwechsel innerhalb der Sequenz. Eine ANOVA mit Sequenz als Faktor für die Trefferleistungen ergab signifikant schlechtere Trefferleistungen in Sequenzen, in denen mehr Technikwechsel vorkamen, im Vergleich zu Sequenzen, in denen wenig Technikwechsel vorkamen (F(7, 27) = 3.05, p < .01, η2 = .25). Dies ist mit den Ergebnissen aus der Diagnostik vor der ersten Intervention identisch. Die Position der Technikwechsel hat keinen Effekt auf die Trefferleistung (F(7, 27) = .94, p > .05). Bei den Einzelanalysen werden Mittelwerte der Gruppe in den Trefferleistungen und Einzelfälle gegenübergestellt, sodass hier auf eine Darstellung verzichtet werden kann.

8.6.2. Vergleichende Einzelfallanalyse für die Technikübergänge

Die vergleichende Einzelfallanalyse ist entsprechend dem Vorgehen aus der Intervention strukturiert. Hermann und Kathrin dienen der Veranschaulichung. Die Analyse bezieht sich auf die Bewegungstrajektorie des Übergangs.

Beispiel Hermann und Kathrin

In den folgenden Abbildungen ist die Sequenz 2 dargestellt. Es werden jeweils die mittleren fünf Schläge dargestellt. Abbildung 64 zeigt die Vertikalbewegung des Handgelenks bei Sequenz 2 von Hermann und Kathrin im Vergleich.


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Abbildung 64: Vertikalbewegung des Handgelenks bei der Sequenz 2 mit Vorinformation und normaler (oben) und hoher Wettkampfgeschwindigkeit (unten). V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Der Unterschied zwischen Hermann und Kathrin ist besonders bei hohen Geschwindigkeiten bedeutsam. Während Hermann regelmäßige Bewegungstrajektorien zeigt, sind bei Kathrin in einigen Mustern deutliche Variationen zu finden, die mit ihrer Trefferleistung verglichen werden müssen. Dies ist besonders relevant, wenn die Reihenfolge der Schläge unbekannt ist (vgl. Abbildung 65).


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Abbildung 65: Vertikalbewegung des Handgelenks bei der Sequenz 2 ohne Vorinformation und normaler (oben) und hoher Wettkampfgeschwindigkeit (unten). V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Es fällt in der Abbildung 65 auf, dass die Verzögerung zwischen den Bewegungen durch eine kleine Auf- und Abbewegung realisiert wird. Gerade bei hoher Wettkampf­geschwindigkeit ist diese Struktur präsent. Auch bei einer vergleichenden Analyse der Sequenz 3 zwischen Hermann und Kathrin fallen die gleichen Unterschiede auf, wenn auch nicht so stark (vgl. Abbildung 66 und Abbildung 67).


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Abbildung 66: Vertikalbewegung des Handgelenks bei der Sequenz 3 mit Vorinformation und normaler (oben) und hoher Wettkampfgeschwindigkeit (unten). V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

In der Abbildung ist gut zu erkennen, wie Kathrin bei Sequenz 3 besonders bei hoher Geschwindigkeit Ausholbewegungen weit über dem Tischniveau produziert und Unterschiede zwischen den Amplituden von Vorhand- und Rückhandschlägen reduziert.


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Abbildung 67: Vertikalbewegung des Handgelenks bei der Sequenz 3 ohne Vorinformation und normaler (oben) und hoher Wettkampfgeschwindigkeit (unten). V = Vorhand, R = Rückhand (x-Achse Zeit in Sekunden, y-Achse Bewegung in Meter)

Bei Sequenz 3 lässt sich ein ähnliches Verhaltensmuster feststellen. Während Hermann zwischen den Geschwindigkeits- und Sequenzmanipulationen wenig variiert, sind bei Kathrin deutliche Veränderungen feststellbar. Kathrin reduziert die Ausholbewegung bei hoher Geschwindigkeit, produziert Auf- und Abbewegungen bei den Übergängen und gleicht Rückhand- und Vorhandamplituden an.

Die Analyse der Bewegungen Hermanns und Kathrins zeigen, dass die Übergänge, die in der Intervulation Schwerpunkt sein sollen, verbessert werden müssen. Dazu sind im Gegensatz zur alleinigen Verbesserung der Schläge in der Intervention jetzt eine gezielte Rückmeldung über die Technikübergänge notwendig und aufgrund der Evaluation eine Technikoptimierung, die die Verbesserung der Technikübergänge priorisiert. Besonders Kathrins Übergänge bei hohen Geschwindigkeiten und unbekannter Reihenfolge der Schläge zeigten starke Bewegungsveränderungen. Dem muss durch weitere geeignete Trainingsmaßnahmen entgegengewirkt werden.


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8.7.  Interventionskontrolle

Die Interventionskontrolle umfasst die Analyse kurz- und langfristiger Effekte, wie sie in den Fragestellungen am Anfang des Kapitels 1 formuliert worden sind. Für die Frage, ob kurzfristige Effekte nach einer Intervention nachweisbar sind, wurden in der ersten Phase Wettkampfkontrollen nach einem fünfwöchigen Technikoptimierungstraining realisiert. Für die Optimierung der Technikwechsel wurden nach der fünfwöchigen Intervention zum Technikwechsel erneut die Technikwechseltechniken im TTLT aufgenommen. Eine Analyse der Prä- und Posttestergebnisse zeigt die kurzfristigen Effekte auf. Die langfristigen Effekte werden durch die Wettkampfanalysen ausgewählter Spieler bei Wettkämpfen vor Ort oder bei nationalen und internationalen Wettkämpfen realisiert.

8.7.1. Wettkampfdiagnostik von Technikmerkmalen und Technikübergängen

Ebenso wie bei der Wettkampfdiagnostik von Techniken sind die zahlreichen situationalen und personalen Bedingungen als Einflussgrößen auf die Technikübergänge schwer konstant zu halten. Die Endergebnisse lassen zudem kaum Rückschlüsse auf den Anteil der Technikverbesserungen zu. Für die Technikübergänge erschwert sich das Problem auch noch dadurch, dass trotz der Analyse einzelner Punkte die technische Ursache von anderen taktischen, physischen oder psychischen Ursachen schwer zu trennen ist. Innerhalb der Bewegung ist auch schlecht zu erkennen, ob der Technikübergang oder die Schlagbewegung selbst den Fehler oder Erfolg besonders beeinflusst haben. Um die Bedingungen konstant zu halten, wurden dieselben Spielpaare aus der Intervention in derselben Halle unter denselben Wettkampfbedingungen getestet und die Ursachen für Punktgewinn oder Punktverlust wieder durch Expertenratings ermittelt.

8.7.1.1. Mittelfristige Effekte des Techniktrainings im Trainingswettkampf

Wie bei der Diagnostik der Techniken wird auch bei der Wettkampfdiagnostik die Turnierform gewählt (vgl. Kapitel 3.5). Die Turniere wurden, wie nach der Intervention der Technikoptimierung, so organisiert, dass Paare aus der Interventions- und Evaluationsgruppe gegeneinander spielen und die Trainer die Spieler einzeln bewerten. Die Trainer bewerten auf einer Skala zwischen 1 und 6 die Verbesserungen der Vorhand-Topspin- und der Rückhand-Konter-Techniken sowie den Bereich der Beinarbeit und der Technikübergänge. Eine sehr gute Leistungssteigerung wird mit 1, keine Leistungssteigerung mit 6 bewertet. Die folgenden Abbildungen zeigen die Ergebnisse der Wettkampfdiagnostik nach dem Technikwechsel-Treatment und vergleichen die Ergebnisse der Evaluationsstichprobe, die nur an dem normalen Training teilgenommen hat, mit der Treatmentgruppe.


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Abbildung 68: Wettkampfanalyse im Vergleich Intervulationsstichprobe (schwarz) mit Evaluationsstichprobe (weiß). Geringere Werte entsprechen einer besseren Leistung

Die Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen der Intervulationsstichprobe im Vergleich zur trainierenden Evaluationsstichprobe. Die Effekte sind für alle vier Bewertungen signifikant (Vorhand: F(1, 18) = 16.10, p < .05; Rückhand: F(1, 18) = 24.42, p < .01; Beine: F(1, 18) = 19.69, p < .01; Technikwechsel: F(1, 18) = 34.69, p < .01). Die größten F-Werte sind bei den Übergängen zu verzeichnen, dem Hauptinhalt der Intervention. Da Wettkampfeinschätzungen der Trainer auch anteilig erwünscht sein können, wird bei der Rückmeldung nur auf die einzelnen Fälle eingegangen und werden die Bewegungs- und Trefferdatenveränderungen als Hauptinterpretationsquelle berücksichtigt. Beispielsweise erreicht Maike aus der Intervulationsstichprobe mit einem Wert von drei nur eine durchschnittliche Note für die Verbesserungen der Technikübergänge. Diese nach dem Urteil der Trainer eher geringe Leistungsverbesserung entspricht weiterhin der Fehleranalyse bei den Bewegungen oder bei der Trefferleistung und kann nicht auf bekannte Einflussfaktoren, wie geringes Hallen- oder Videotraining zurückgeführt werden. Da Leistungsdiagnostiken immer nur Punktanalysen sein können, die den natürlichen Leistungsschwankungen eines Sportlers unterliegen, können Interpretationen allein auf der Grundlage von Wettkampfergebnissen nur bedingt vorgenommen werden. Die entscheidende Analyse besteht darin, die langfristigen Leistungsverbesserungen während einer Reihe von Wettkämpfen individuell zu verfolgen und sie mit den für den Sportler systematischen Leistungsschwankungen in Beziehung zu setzen. Exemplarisch wird an unserem Einzelfall Hermann das Vorgehen gezeigt.

8.7.1.2. Langfristige Effekte des Techniktrainings im Wettkampf

Zur langfristigen Wettkampfdiagnostik wurden die Videoanalysen, die routinemäßig im Tischtennisleistungszentrum angefertigt werden, herangezogen. Hermann wurde bei verschiedenen Spielen wie Ranglistenspielen, offenen Turnieren oder Trainingsturnieren mit verschiedenen Gegnern gefilmt. Zwei unabhängige Tischtennisexperten analysierten anschließend


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seine Fehler und teilten sie in verschiedene Kategorien ein. Zum Vergleich wurde von dem Spieler Alexander, der nicht am Technikwechsel-Treatment teilgenommen hatte und von den Trainern als in etwa gleich spielstark eingeschätzt wurde, ein Fehlerprofil erstellt. Die Stichprobe der beiden Spieler beinhaltete die Videoanalyse von sechs Spielen aus internationalen Wettkämpfen und Trainingsspielen. Für jeden Spieler wurden maximal 139 Bälle ausgewertet. Vor der Darstellung der Ergebnisse wurde noch einmal der exemplarische Charakter dieses Vergleiches unterstrichen: die geringe Zahl von sechs Spielen, die Abhängigkeit der Leistung von spezifischen Gegnern und die Zuordnung von Fehlern als Technikwechselfehler. Auch die Definition des Übergangsfehlers wurde von den Experten vorgegeben. Demnach beging der Spieler einen Übergangsfehler, wenn er nach einem Schlag für den nächsten falsch zum Ball stand, nur eine kurze Ausholbewegung zeigte oder den Ball nicht mehr rechtzeitig traf. Die Ursache für diese Fehler sind jedoch nicht ausschließlich der Übergangstechnik zuzuschreiben. Deshalb kann auch, wie bereits in Kapitel 1 erläutert, mit solchen Beobachtungen keine Ursachenforschung betrieben werden, warum die Reaktionszeit zu lang war, ob Fehler in der Beinarbeit vorlagen, der Spieler auf Täuschungen des Gegners reagierte oder taktische Stellungsfehler beging, ist nicht zu klären. Die Punkte- und Fehlerverteilung (in Prozenten) wird demnach zunächst für die einzelnen Techniken dargestellt. Auf die Darstellung von spielspezifischen Analysen und Gesamtergebnissen wird aufgrund der in Phase II der Evaluation geführten Diskussion verzichtet.

Abbildung 69: Fehlerverteilung (Anzahl der Fehler) für die einzelnen Situationen (VH = Vorhand, RH = Rückhand)

Alexander zeigt mehr Fehler im Aufschlag und weniger Fehler in der Annahme des Aufschlages. Relevanter für unsere Fragestellung ist die Fehlerverteilung für die einzelnen Angriffstechniken. Hier zeigen sich deutlich mehr Fehler bei Alexander bei Vorhandschlägen (Flip, Topspin, Konter) und weniger Fehler bei den Rückhandschlägen (Flip, Topspin, Konter, Schupfen).

Bei der Frage, mit welcher Technik Hermann und Alexander die meisten Punkte erzielen, zeigt ein Blick auf die prozentuale Punkteverteilung in Abbildung 70, wie für Angriffsspieler dieser


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Altersgruppe üblich, recht hohe Punktzahlen (im Vergleich zum nationalen Durchschnitt in dieser Altersklasse) durch den Aufschlag und die Vorhandschläge.

Abbildung 70: Punkteverteilung (Anzahl der Punkte) für die einzelnen Situationen (VH = Vorhand, RH = Rückhand)

Nimmt man alle Fehler, die die Experten auf Technikübergänge zurückführen, aus den einzelnen Techniken heraus und stellt den Anteil an der Gesamtfehlerzahl dar, so zeigt Abbildung 71, dass Alexander in etwa doppelt so viele Übergangsfehler wie Hermann begeht.

Abbildung 71: Prozentuale Fehlerverteilung bei Technikübergängen

Aufgrund der erwähnten Einwände gegenüber solchen Analysen, sollten diese Befunde nicht überinterpretiert werden. Die exemplarischen Analysen zeigen jedoch, wie Trainer und Sportler


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mit diesen Informationen langfristige Effekte eines Technikübergangtrainings abschätzen können. Eine hier nicht dargestellte, da nur für den Individualfall geltende Analyse der Übergangsfehler kann zusätzlich aufklären, bei welchen Technikübergängen die meisten Fehler auftreten. Durch besondere Übungen können solche situations- und technikspezifischen Fehler reduziert werden.

8.7.2. Zusammenfassung der Effekte des Technikwechseltrainings

Die Ergebnisse der mittel- und langfristigen Wettkampfanalysen bestätigen, dass die Analysen des TTLT und der damit einhergehenden Bewegungs- und Trefferanalysen zu Leistungsentwicklungen führen können, weil sie den Technikwechsel verbessern. Einige kritische Bemerkungen sind jedoch angebracht. Die Bewertung der Trainer in den mittelfristigen Analysen ist wegen ihres Wissens um das Projektziel und der möglicherweise gewünschten Bestätigung ihrer Trainingsziele subjektiv und kann daher nur bedingt interpretiert werden. Andererseits zeigen die individuellen Analysen, dass die Trainer durchaus unterscheiden. So schreiben sie Maike nur geringe Entwicklungen zu, eine Einschätzung, die mit den Ergebnissen des TTLT übereinstimmt. Um trotz solcher kurzfristigen und subjektiven Beurteilungen eine systematische und langfristige Analyse erstellen zu können, wurden in den langfristigen Wettkampfanalysen nur Videodaten benutzt und von unabhängigen Experten beurteilt. Auch hier deckt sich das Ergebnis mit den gemessenen Entwicklungen im TTLT und kann zumindest bei aller Abhängigkeit solcher Ergebnisse von den entsprechenden Gegnern, Situationen und weiteren Faktoren zumindest teilweise als Bestätigung des durchgeführten Programms gewertet werden. Die exemplarisch im Training und im Wettkampf durchgeführten Fehleranalysen, die auf die Technik selbst oder auf die Technikübergänge zurückzuführen sind, dienten vor allem dazu, die TTLT-Ergebnisse extern zu validieren und aufzuzeigen, wie Trainer, die keine aufwendigen Analysemethoden einsetzen können, ansatzweise Verbesserungen bewerten. Eine detailliertere Betrachtung und Bewertung des gesamten Programms wird im Folgenden durchgeführt.

8.8. Summative Evaluation

Die summative Evaluation dient in diesem Projekt der Bewertung der Programmwirksamkeit im Sinne des Ergebnisses oder des Erfolgs, während die formative Evaluation den Schwerpunkt auf die Prozessevaluation legt. Summative Evaluationen können analytisch oder global (vgl. Mittag & Hager, 2000) durchgeführt werden. Die analytisch-summative Evaluation berücksichtigt die Merkmale der Inventoren und Spieler, differenziert die einzelnen Wirkungen des Programms und sucht nach weiteren Fragestellungen und Hypothesen. Die global-summative Evaluation fokussiert vor allem die globalen kurz- und langfristigen Verbesserungen und den Transfer auf Alltagsprozesse (im Sport auf die Wettkampfleistung). Im Folgenden werden auf der Grundlage der Ziele der Intervulation (vgl. Kapitel 8) nur die global-summative Evaluation und die dafür nötigen Aufgaben und Arbeitsschritte im Rahmen von Wirksamkeitsanalysen verfolgt. Aufgrund des quasi-experimentellen Charakters der Intervention wird auf die Analyse spezifischer Wirkmechanismen einzelner Interventionsschritte und -phasen verzichtet und nur über die globalen Effekte der Programmwirksamkeit und der Programmeffizienz berichtet.

8.8.1. Programmwirksamkeit

Die Programmwirksamkeit muss intendierte Programmwirkungen von Neben- und Folgewirkungen trennen sowie nicht-programmspezifische Veränderungen davon abgrenzen. Dies wird zum einen dadurch erreicht, dass eine „trainierende Kontrollgruppe“ aus der selben Stichprobe das gemeinsame Training absolviert, während für die „Interventionsgruppe“ auf der Grundlage der TTLT-Analysen spezifische Übungen zugeschnitten werden. Bei gleichem


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Übungsumfang und Trainingsziel variiert nur die individuelle Übungsgestaltung. Neben- und Folgewirkungen werden durch das Zwei-Phasen-Programm der Intervention sichtbar. Änderungen im Training der einzelnen Techniken sollten Einfluss auf die Technikwechsel haben, wie auch das Training von Technikwechseln Einfluss auf die einzelnen Techniken haben kann. Die summative Evaluation wird Aufschluss darüber geben, ob diese Neben- und Folgewirkungen positiver, negativer oder neutraler Natur sind. Die Trainingskontrolle und die Trainingsdokumentation werden zusätzlich zeigen, wann nicht-programmspezifische Veränderungen eher interventionsabhängig oder interventionsunabhängig sind. Die Programmwirksamkeit wird Schwerpunkt der summativen Evaluation sein, da im Leistungssport selbst kleine Wirkungen relevant sind (vgl. Gould et al., 1991). Dies muss jedoch unter Berücksichtigung der Kosten erfolgen, was eine Berechnung der Programmeffizienz erfordert (vgl. Kapitel 8.4.2).

Intendierte Programmwirkungen, Neben- und Folgewirkungen

Treatment- versus Evaluationsstichprobe

Die Treatmentstichprobe konnte sich kurzfristig sowohl bei den Treffern als auch in der Bewegungsanalyse bei der Technikoptimierung und den Technikübergängen verbessern. Mittel- und langfristige Effekte sind erwartungsgemäß schwächer, in den Wettkampfanalysen jedoch ebenfalls nachweisbar. Um interventionsabhängige von interventionsunabhängigen Effekten zu unterscheiden, wurde die Trainingsgruppe leistungshomogen durch die Trainerbeurteilung halbiert und das Technikwechseltraining sowie die Diagnostik der Technikwechseltechnik ebenfalls nur bei einer Hälfte der Gesamtstichprobe durchgeführt. Die Ergebnisse der Trainerbewertungen sprechen für eine deutliche Verbesserung der Treatmentgruppe gegenüber der Evaluationsstichprobe. Für die positiven Bewertungen der Trainer können jedoch eine Reihe von Gründen maßgebend sein. Beispielsweise kann allein der Glaube an die Effektivität des durchgeführten Treatments zu höheren Bewertungen führen. Ebenso können bewusst oder unbewusst höhere Zuwendung der Trainer zu den Spielern der Treatmentgruppe bessere Leistungen bewirkt haben. Der Selektionseffekt und die Zugehörigkeit zur Treatmentgruppe können auf der anderen Seite bei den Treatmentteilnehmern zu höherer Motivation geführt haben. Durch jeden dieser Faktoren, eine Kombination dieser Faktoren oder weitere interventionsunabhängige Einflüsse kann das Ergebnismuster falsch interpretiert werden. Die Faktoren sind im Rahmen solcher Intervulationsstudien auch nur zum Teil kontrollierbar. Um sich zumindest hinsichtlich möglicher Nebeneffekte während des Treatments abzusichern, wurden die in der Trainingsdokumentation gesammelten und relevanten Daten in einer stufenweisen linearen Regressionsanalyse für die Trefferleistungen berechnet. Insgesamt wurden die Anzahl der jeweils gespielten Übungen (Stufe 1), der Trainingsumfang, der Anteil des Techniktrainings am Gesamttraining (Stufe 2), die Anzahl der Video-Rückmeldungseinheiten mit und ohne Trainer (Stufe 3) und das Trainingsalter (Stufe 4) verwandt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Übung 2 sowie das Videotraining ohne Trainer zu einem signifikanten Regressionsmodell mit zwei Prädiktoren führen. Nicht verwunderlich sind also hohe Trainingsumfänge von Übungen oder von Videotraining mitverantwortlich für gute Trefferleistungen. Auch für die Erklärung des Einflusses der Trainingsgestaltung auf die Bewertung der Bewegungsverbesserungen (als Rating von den Experten) konnte der Anteil des Techniktrainings am Gesamttraining sowie wiederum das Videotraining ohne Trainer in einem Regressionsmodell (gleiches Verfahren wie bei den Treffern) gefunden werden. Der somit wichtige Anteil des Videotrainings sowohl für die Treffer- als auch Bewegungsverbesserungen ist als Signal für weitere Interventionen in der Verbreitung der Ergebnisse zu akzentuieren. Festzuhalten bleibt aber, dass sowohl in der Diagnostik als auch in den Expertenratings sowie den Wettkampfbeobachtungen ganz spezifische Effekte gefunden wurden, die auf die eingesetzten Trainingsmethoden zurückzuführen sind. Eine zentrale Forderung aus diesen Befunden bezieht sich auf die differenziertere Gestaltung von Übungen, die


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auf der Diagnostik beruhen. Ein wichtiger Punkt in der Kontrolle der interventionsunabhängigen Effekte sind die Trainingskontrollen und die Trainingsdokumentation.

Trainingskontrollen und Trainingsdokumentation

Durch die Trainingskontrollen einmal in der Woche im Bundesleistungszentrum konnten die geplanten Programme mit den durchgeführten Programmen verglichen werden. Um die Spieler beim täglichen Training zu kontrollieren, wurde zusätzlich eine Trainingsdokumentation durch das Trainingstagebuch realisiert. Einzelne Leistungsverbesserungen können somit auf ein besonderes Training zurückgeführt werden. An dem exemplarischen Einzelfall Hermann sei dies erläutert. Im Mittel hat die Treatmentgruppe beim Technikwechseltraining die Technikwechselübung Nummer 2 genau 13,33-mal während des Treatments gespielt, Hermann dagegen 22-mal und erreichte damit für diese Übung den höchsten Wert (vgl. Kapitel 3.5 für den varianzaufklärenden Anteil der Übung an den Trefferleistungen). Übung Nummer 2 und Übung Nummer 8 gehörten aber auch zu den Übungen, die er am häufigsten trainierte. Die höchste Standardabweichung von Übung 2 im Vergleich zu den anderen Übungen in Höhe von 8.08 kann unter anderem mit solchen individuellen Leistungsvariationen erklärt werden. Reine Treatmentmittelwertaussagen sind also nicht repräsentativ für den Einzelfall. Die Rückführung einzelner Leistungsverbesserungen bei den Treffern und der Bewegung sowie im Wettkampf konnte mit diesen Daten verglichen werden und zu plausiblen Erklärungen führen. Dies gilt auch für das Videotraining, das als Prädiktor in der Regressionsanalyse einen Anteil zur Aufklärung von Trefferleistungsdifferenzen beiträgt. Die Generalisierung über den Einzelfall wird in diesem Kapitel angestrebt und dient der Zusammenstellung aller Effekte der Diagnostik und Intervention auf allgemein methodischer Ebene und der Ebene der Übungsauswahl.

Zusammenfassung der Programmwirksamkeit

Die Programmwirksamkeit wurde nur auf den Erfolg hinsichtlich der Technikoptimierung beurteilt. Die Treatmentwirksamkeit wurde im Hinblick auf eine auf gleichem Leistungsniveau trainierende Trainingsgruppe als vorteilhaft befunden und hebt sich damit von früheren Untersuchungen ab, die nicht trainierende Kontrollgruppen benutzten (vgl. Kapitel 4). Positive Wirkungen wurden vor allem für die Trainingsdokumentation und die Trainingskontrollen festgestellt. Es ist zu wünschen, dass sich über das Projekt hinaus langfristig weitere Abnehmer im Tischtennis finden werden. Die Bedeutung der Befunde über den Tischtennissport hinaus wird zudem abschließend dargestellt.

8.8.2. Programmeffizienz

Die Programmeffizienz erfordert die Trennung in Kosten-Nutzen- und Kosten-Effektivitäts-Analysen. Sie ist nicht leicht zu bestimmen, da in diesem Projekt einerseits Pionierarbeit zur Diagnostik und zum Training von Technikwechseln geleistet wird und damit der Aufwand vergleichsweise sehr hoch liegt und andererseits das Projekt durch die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen mit eigenen Ressourcen nur schwer kalkulierbar ist, auch wenn die offizielle Zuweisung des BISp von rund 14.000 Euro als Referenzgröße genommen werden kann.

Die Arbeitsschritte im Rahmen der Kosten-Effizienz-Analysen sind dementsprechend schwer in Geldwerte zu übertragen. Dazu gehören die Erfassung aller Programmkosten und Programmwirkungen, die Bestimmung der Gesamtkosten in Geldeinheiten, die Bestimmung des Gesamtnutzens in Geldeinheiten (Kosten-Nutzen-Analyse) und die Bestimmung der Gesamtwirkung in Geldeinheiten (Kosten-Effektivitäts-Analysen). Die verschiedenen Bestimmungen der Programmeffizienz wurden einer ausführlichen Nützlichkeitsprüfung für die Zielsetzung des Projektes unterzogen (vgl. Amelang & Zielinsky, 1997, für einen Überblick). Die geforderten Schätzungen zur Berechnung des Nutzens für den einzelnen Probanden sind deshalb schwer zu erarbeiten. Die Streuung der erwarteten Nutzenwerte und die Korrelation zwischen


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Prädiktor und Kriterium sind aus einer Grundgesamtheit vor der Testanwendung ebenfalls aufgrund der Anlage des Projektes nicht realisierbar. Auch Testtrennwerte und Selektionsraten sowie a-priori-Nutzen-Kalküle sind nur schwer zu entwickeln. Bislang sind der Nettonutzen für den einzelnen Spieler und für das Projekt sowie die Kosten pro erfolgreich behandeltem Spieler die Variablen, nach denen die Analysen durchgeführt werden sollen. Der Netto-Nutzen kann nach Cronbach und Gleser (1965) berechnet werden. Er kann für die im Leistungssport geforderten Leistungsverbesserungen unter den durchgeführten Bedingungen auch als gerechtfertigt angesehen werden. Eine Entscheidung darüber, ob dieses Treatment einer Kosten-Effektivitätsanalyse betriebswirtschaftlicher Standards standhält, ist nur schwer möglich und steht außerhalb der Forschungsfragen des Projektes.

Zentral im Interesse des Anwendungsschwerpunktes dieses Projektes sind die individuellen Leistungsprognosen. Sie wurden auf der Grundlage der geplanten Veränderungen im Technikwechsel gegeben und mit den langfristigen Leistungsverbesserungen im Wettkampf verglichen (vgl. Schlicht, 1988; Wendland, 1986). Wie exemplarisch bei Hermann dargestellt, ist die alleinige Rückführung auf die Effekte der Diagnostik und des daraus resultierenden Treatments nur bedingt möglich.

Für die weitere Diagnostik bleibt abzuwarten, inwiefern die Ergebnisse der kinematischen Analyse mit „Simi-Motion” überhaupt einen Beitrag zum Problem des Trainings für Technikübergänge leisten können. Nach jetzigem Stand ist ein sehr hoher Zeitaufwand erforderlich, um an Informationen über die Bewegungen zu gelangen, die über diejenigen, die man durch reine Beobachtung (zum Beispiel per Video in Zeitlupe) erhält, hinausgehen. Bei der erneuten Durchführung des TTLT bieten sich eine verkürzte Form und eine reduzierte Auswertung an.

Der Zeitaufwand für die Durchführung (circa 60 Minuten pro Spieler) ist in den Stützpunkten unter Umständen zu leisten. Zu bedenken ist aber auch, dass es eines erfahrenen Trainers zum Einspielen der Bälle bedarf.

Die Auswertung (8 Stunden pro Spieler für die Trefferleistungen, etwa 100 Stunden pro Spieler für eine komplette Auswertung aller 16 Sequenzen in “Simi-Motion”) ist jedoch viel zu zeitaufwendig. Die Verbesserung der technischen Möglichkeiten von “Simi-Motion” oder anderer Bilddigitalisierungssoftware im Bereich der Digitalisierung würde diesen Aufwand um ein Vielfaches reduzieren. Damit stünden die hervorragenden Möglichkeiten der Diagnostik in einem sehr viel besseren Verhältnis zur Auswertung. Im Vergleich zum üblichen Videoeinsatz gelingt eine deutliche Verbesserung der Auswertung, wenn eine höhere Aufnahmefrequenz benutzt wird. Beispielsweise werden Empfehlungen in Kapitel 9.2 zur motorischen Kontrolle bei Tischtennisbewegungen exemplarisch an Aufnahmen diskutiert, die mit 250Hz durchgeführt wurden (vgl. Raab & Bert, in Vorbereitung).

Im letzten Kapitel sollen die Erfahrungen des Projektes genutzt werden, um die Ergebnisse für andere Anwendungsgruppen in und außerhalb des DTTB nutzbar zu machen. Eine Generalisierung der Konsequenzen und eine Reduzierung der diagnostischen Empfehlungen ist unvermeidlich, ermöglicht jedoch, dass die Erfahrungen auf Lehrpläne, Trainerfortbildungen und die Praxis außerhalb von Bundesleistungszentren übertragbar sind.

Im Kapitel zur Evaluation wurde gefordert, dass nach dem Ende der Durchführung eines Programms die Ergebnisse bekannt gegeben werden sollen. Für die Sportwissenschaft sind uns keine Richtlinien über die Vorgehensweise bekannt. Dieser auch Dissimilation genannte Schritt wird deshalb, wie auch in anderen Bereichen üblich, über Veröffentlichungen realisiert. So werden dem Teilnehmer, den Trainern und dem DTTB-Lehrausschuss schriftliche Kurzfassungen des Abschlussberichtes zugeschickt, außerdem wird dem DTTB angeboten, Ergebnisse des Programms in die Trainerausbildung, den Lehrplan oder weitere Informationsverteiler des DTTB einfließen zu lassen. Um die nationale und internationale Öffentlichkeit auf die Ergebnisse


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aufmerksam zu machen, werden über die deutsche Sportwissenschaft-Mailingliste Informationen verschickt und bei den entsprechenden nationalen und internationalen Zeitschriften Artikel eingereicht.

Die folgenden Kapitel zeigen die Konsequenzen aus dem Forschungsprogramm für den theoretischen, methodologischen und praktischen Bereich.


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19.05.2005