Radspieler, Alexander: Untersuchungen zur Synthese von Diazonamid A und Phorbazol A und C

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Kapitel 8. Umsetzung von 2,2-Diarylessigsäureester mit Elektrophilen

Ausgehend von den Chrom-komplexierten 2,2-Diarylessigsäureestern 217 wurde der Aufbau von Verbindung 218 angestrebt, die ein quartäres Kohlenstoffatom enthält analog zum C10-Atom im Diazonamid. Die Darstellung sollte durch regioselektiven Angriff von Elektrophilen (RX) an die entsprechenden Esterenolate erfolgen. Die Enolate 253 sollten durch Zugabe geeigneter Basen zu Chromcarbonylkomplexen 217 leicht zugänglich sein, da durch die Komplexierung an das Übergangsmetall das benzylische Carbanion zusätzlich stabilisiert wird.

(112)

Aufgrund der abschirmenden Wirkung der Cr(CO)3-Gruppe sollte die Folgereaktion zu 216 stereoselektiv verlaufen. Geht man dann in der Totalsynthese von einem enantiomerenreinen Chromkomplex aus (als Derivat des L-Tyrosins), sollte das Stereozentrum an C10 selektiv aufgebaut werden können. Im folgenden werden die Ergebnisse der Studien an der Modellverbindung 241 dargestellt.

8.1 Versuche zur Alkylierung von Cr(CO)3-komplexierten 2,2-Diarylessigsäureester

Als kleinstes Kohlenstoff-Elektrophil wurde zunächst Methyliodid gewählt und mit dem Natriumenolat von 241 zur Reaktion gebracht werden. Dazu wurde 241 mit NaH in DMF deprotoniert. Eine Umsetzung mit dem Methylierungsmittel konnte aber auch bei Zugabe von mehreren Äquivalenten MeI nicht beobachtet werden. Statt dessen wurde zum Großteil die Ausgangsverbindung 241 wieder isoliert.


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(113)

Es ist aber bekannt, daß sich Chrom-komplexierter 2,2-Diphenylessigsäuremethylester 250 (analog 241 ohne Substituenten an den Aromaten) unter Phasentransferkatalyse methylieren läßt. 109 Dabei wurde wässrige Natronlauge als Base verwendet, CH2Cl2 als Lösemittel und Hexadecyl-trimethylammoniumbromid (CTAB) als Katalysator. Auch unter diesen Bedingungen fand bei 241 jedoch keine Methylierung statt, und der Ausgangsstoff konnte wiedergewonnen werden.

Es wurden auch mehrere Versuche mit anderen Alkylierungsmitteln durchgeführt. Insbesondere wurde versucht, Chlormethylether (ROCH2Cl) zu verwenden, die als besonders starke Alkylierungsmittel bekannt sind.

(114)

Für die Reaktion wurden unter anderem Chlormethylmethylether (MOM-Cl, 256), Chlormethyl-(trimethylsilyethyl)ether (SEM-Cl, 257) und Chlormethyl-(tert-butyl-dimethylsily)-ether (258). 110

Leider führten auch diese Untersuchungen nicht zum gewünschten Ergebnis. Es gelang in keinem Fall, Verbindungen des Typs 255 zu synthetisieren. Statt dessen wurde 241 isoliert.

Da sich Alkylierungsmittel nicht als geeignete Elektrophile gezeigt haben, sollte nachfolgend untersucht werden, ob sich das Enolat von 241 mit Acylierungsmitteln zur Reaktion bringen läßt.


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8.2 Versuche zur Acylierung des Cr(CO)3-komplexierten 2,2-Diarylessigsäureesters

Nach den Untersuchungen in Kapitel 6 zur Acylierung von Phenylcumaranon sollte dieses Reaktionsmuster auf den Chromkomplex 241 angewendet werden. Leider konnte auch mit Chlorameisensäuremethylester keine Umsetzung erreicht werden (115).

(115)

Neben Natriumhydrid wurde zur Deprotonierung auch Natrium-bis-(trimethylsily)-amid verwendet, da sich die Zugabe der Base so leichter dosieren läßt. Außerdem wurde in allen Acylierungsreaktion DMAP zugesetzt, um die Elektrophilie der Acylierungsmittel zu erhöhen.

Bei der Verwendung von Acetylchlorid konnte die erwünschte Reaktion endlich beobachtet werden. Es zeigte sich, daß man das Keton 260 in 12% Ausbeute als Ergebnis der Acetylierung des Enolats von 241 erhält. Damit konnte gezeigt werden, daß der Aufbau des quartären C-Atoms zumindest in geringer Ausbeute möglich ist. Eine diastereoselektive Lenkung des Angriffs der Acetylgruppe konnte nicht beobachtet werden. Bei vorsichtiger Aufarbeitung wurde neben dem erwünschten Produkt 260 auch das O-Acylierungsprodukt 261 isoliert. Dieses entsteht beim Angriff des Elektrophils an das Sauerstoffatom des Esterenolats. Die Verbindung 261 konnte in 63% Ausbeute isoliert werden.

(116)

Es wurde auch versucht, die Reaktion (116) durch Zugabe von Lewissäuren zu begünstigen. Der Zusatz von TiCl4 und TiCl(OiPr)3 zum mit LDA in THF gebildeten


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Enolat führte nur zu zahlreichen Zersetzungsprodukten. Bei Verwendung von ZnCl2 wurde hauptsächlich der Ausgangsstoff isoliert.

Um die O-acetylierte Verbindung 261 zu nutzen, wurde versucht, sie in die Verbindung 260 umzulagern. Analog zu Untersuchungen in der Literatur 79 wurde dazu eine katalytische Menge an DMAP zu einer Lösung von 261 in CH2Cl2 gegeben. Durch den nukleophilen Angriff der Base sollte ein reaktives Acetylierungsmittel entstehen, das bevorzugt am Kohlenstoffatom des Enolats angreift. Da man unter salzfreien Bedingungen arbeitet, wäre eine hohe Reaktivität des Enolats zu erwarten. Leider läßt sich jedoch nur die Ausgangsverbindung 241 isolieren.

(117)

Die beiden Verbindungen 260 und 261 konnten in nahezu quantitativer Ausbeute dekomplexiert werden. Dazu wurden die etherischen Lösungen jeweils unter Luftzutritt im Sonnenlicht gerührt und lieferten die Verbindungen 262 und 263.

Zusammenfassend muß festgestellt werden, daß die Versuche zur Umsetzung der Chrom-komplexierten 2,2-Diarylessigsäureester mit Elektrophilen nicht zu den erwünschten Ergebnissen geführt haben. Der Aufbau eines quartären C-Atoms war lediglich durch eine Acetylierung (116) in geringer Ausbeute möglich. Als Begründung wird die Abschirmung des Esterenolats durch die funktionellen Gruppen an den beiden Aromaten vorgeschlagen. Außerdem wird die Nukleophilie am Enolatkohlenstoff durch den elektronenziehenden Effekt der Cr(CO)3-Gruppe möglicherweise zu stark gesenkt.


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8.3 Versuche zur Acetylierung eines unkomplexierten 2,2-Diarylessigsäureesters

Um den möglicherweise deaktivierenden Einfluß der Chromcarbonyl-Funktion auf die Reaktivität der Enolate von Diarylessigestern auszuschließen, wurde versucht, die Reaktion (118) mit der unkomplexierten Verbindung 242 durchzuführen.

(118)

Leider war es auch hier nicht möglich, zur erwünschten Verbindung 264 zu gelangen. Offensichtlich ist die Abschirmung des Enolats so ungünstig, daß man beim Versuch der Acylierung, lediglich das Ausgangsmaterial zurückgewinnen kann.


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Wed Oct 18 14:57:25 2000