1 Einführung und Problemstellung

1.1  Einführung

↓1

„Ein Fischer sitzt mit seiner Frau an einem friedvollen Sonntagabend beim Sonne n untergang vor seiner rohrgedeckten Kate. Beide schauen auf das stille Wasser hi n aus.

Nach langem Schweigen sagt die Frau: ’Wie scheun is dat hüt’[Wie schön ist es heute].

Nach einer Stunde antwortet der Fischer:’ Dat markt man ook , ohne tau sn a cken ’[Das merkt man auch, ohne zu erzählen].“ 1

↓2

Dies ist eine Anekdote, die durch ihre Nähe zur Realität das typisch Wortkarge dieser Menschen belegen möchte und gleichzeitig die Schwierigkeit einer Gesprächsführung darstellt. Die Frage nach der Art ein Gespräch zu führen, ist eine wesentliche für eine Forschungsarbeit, die sich mit dem Sozialen beschäftigt, denn das Gespräch ist eine grundlegende Form der Erkenntnisgewinnung. Dieser Arbeit liegen viele Alltagsgeschichten zugrunde, und sie ist doch eine wissenschaftliche. Sie beschäftigt sich mit einem zentralen Problem der Wirkungsforschung für Bibliotheken: der anekdotischen Evidenz wirkungsbeschreibender Aussagen. Dies erfolgt, indem sie einen Lösungsansatz bietet, subjektive Aussagen im Rahmen dieses Ansatzes zu „objektivieren“. Die Arbeit befasst sich mit dem vielschichtigen Problem, Tätigkeitszusammenhänge zu untersuchen, die bedeutsame Veränderungen hervorrufen, und fragt damit nach Ursache-Wirkungsbeziehungen. Diese stehen im Kontext der Leistungsbeurteilung einer Bibliothek, deren Zweck darin besteht, für Menschen zu wirken. Allein die Frage nach Ursachen und ihren Wirkungen beinhaltet eine grundlegende Schwierigkeit. Sie besteht darin, dass Handlungszusammenhänge hochkomplex sind, das heißt, dass alles „Tätigsein“ vielschichtige Ursachen hat. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, kann eine einzige Ursache Vielfältiges und sogar Unterschiedliches bewirken. Dies hängt bezogen auf das menschliche Leben damit zusammen, dass Menschen in vielgestaltigen sozialen Bezügen existieren, in denen sie so geworden sind, wie sie zur Zeit gerade sind. In der am Anfang des Kapitels erzählten Anekdote zum Beispiel ist der Fischer so wortkarg geworden, weil das Fischen im Meer kaum ein Reden zulässt. Wer bei Sturm reden möchte, wird schnell lernen, sich jedes unnötige Wort zu sparen. Dies ist zumindest eine Deutung des Autors, der diese Geschichte aufgeschrieben hat. Unschwer denkbar wären aber auch noch viele andere Ursachen. Wollte man dieser Frage unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nachgehen, ist es somit notwendig zu akzeptieren, dass monokausale Begründungen, bezogen auf gesellschaftliche Zusammenhänge nicht möglich sind. Auch die Frage nach den vielfältigen Ursachen einer Entwicklung muss dahingehend spezifiziert werden, dass sie sich auf Ursachen und Wirkungen bezieht, die einen relativen Aussagewert haben. Deshalb können Kausalbeziehungen im Bereich der Sozialwissenschaften nur nach dem Grundmuster: „Wenn A auftritt, tritt B mit hoher Wahrscheinlichkeit auf“ formuliert werden.2

Wenn diese Arbeit nach den gesellschaftlichen Wirkungsbezügen fragt, dann beschäftigt sie sich demzufolge mit dem Sozialen, das einer ständigen Veränderung unterworfen ist und insofern einen zeitlichen Bezug hat. Nach vielfältigen sozialen Bezügen zu fragen, bedeutet aber auch, nach dem, was die Gesellschaft, in der diese Menschen leben, ausmacht zu suchen, nach Interessen und sich daraus ergebenden Positionen zu forschen. Neben dem Zeitbezug ist somit ein Umfeld-Bezug von Wichtigkeit. Umfeld und Zeit kennzeichnen unsere soziale Realität und bestimmen unsere Wirklichkeit. Deshalb sind die Fragen, die sich diese Arbeit stellt, auf die soziale Realität, die Wirklichkeit und den Grad ihrer Erkennbarkeit bezogen. Im Alltag wird für „wirklich“ oft das angesehen, was als solches problemlos erkennbar ist. Wir glauben das, was wir sehen und sich in Übereinstimmung mit unseren Erfahrungen/unserem Wissen befindet. Dies ist „wirklich“ und somit wahr. Die Evidenz ist jedoch ein Wahrheitskriterium mit subjektiver Gültigkeit. Die vorliegende Arbeit zeigt einen Weg, wie ausgehend von subjektiven Alltagsdaten Aussagen möglich sind, die eine „objektivere“ Gültigkeit besitzen. Diese Vorgehensweise ist die der qualitativen Heuristik, die richtig, das heißt nach ihren Regeln angewandt, von den unwissenschaftlichen Geschichten zu wissenschaftlichen Aussagen führt. Dabei hängt wie in jeder wissenschaftlichen Arbeit die Wahl der Methode von der Forschungsfrage ab. Diese bezieht sich auf soziale Gegenstände, die leichter erkennbar sind, wenn Alltagsdaten mit bereits vorhandener Sinnhaftigkeit genutzt werden. Nichts scheint leichter zu sein, als zum Beispiel in einem Gespräch nach dem, was eine Bibliothek bewirkt zu fragen. Dieses Alltagsverfahren bringt jedoch vor allen Dingen zwei eingangs erwähnte Schwierigkeiten mit sich: die Schwierigkeit, Absichten zu benennen und die Schwierigkeit der Gültigkeit dieser Aussagen. Erstgenanntes Problem ist ein Kommunikationsproblem. Weil diese Arbeit das Gespräch in seiner wissenschaftlichen Form als Dialog nutzt, befasst sie sich auch mit kommunikationstheoretischen Fragen. Als ein grundlegendes Problem der Wirkungsforschung für Bibliotheken hat Roswitha Poll3 die Schwierigkeit der Befragten, ihre mit einem Bibliotheksbesuch verbundenen Absichten zu benennen, herausgestellt. Warum und in welchen Lebenszusammenhängen werden Bücher und andere informationshaltige Medien genutzt? Was resultiert aus dem Angebotsprofil einer Bibliothek? Diesen Fragen nachzugehen, ist für Bibliotheken von großer Bedeutung und sie wird in vorliegender Arbeit nicht nur im Kontext des Nutzens für den Bibliotheksbenutzer, sondern auch in Zusammenhang mit dem Auftrag der Bibliothek betrachtet. Dieser Auftrag ist ein Ergebnis des Einbeziehens aller Positionen relevanter Interessengruppen und eine Grundlage für die Zielbestimmung einer Bibliothek. Ziele und Wirkungen zum Zweck der Steuerung miteinander in Beziehung zu setzen, charakterisiert eine zweite Methodik, die in dieser Arbeit angewandt wird: social process audit. Wie später gezeigt wird, sind beide Methodiken vielfach identisch. Diese zweite Methodik wird im Rahmen dieser Arbeit benötigt, um einen Maßstab für die festgestellten Wirkungen bilden zu können. Dieser Teil der Forschungsarbeit erwies sich in seiner praktischen Umsetzung als besonders problematisch, wie in den nachfolgenden Kapiteln dargestellt wird.

Die an zweiter Stelle genannte Schwierigkeit stellt ein noch größeres Problem der aktuellen Wirkungsforschung für Bibliotheken dar. Es bezieht sich auf die scheinbare anekdotische Evidenz der Aussagen der Befragten, auf den Stellenwert solcher Aussagen, die als subjektiv und deshalb für die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung als wenig brauchbar angesehen werden. Die hier angewandte Methodik der qualitativen Heuristik ermöglicht, besonders durch das Einbeziehen verschiedenster Perspektiven und durch die Datenanalyse, intersubjektive und damit im sozialwissenschaftlichen Verständnis objektive Aussagen auf der Grundlage der subjektiven Aussagen. Durch die Analyse auf Gemeinsamkeiten führt diese Methodik zum Entdecken des „Wirklichen“ selbst. Dies unterscheidet sie von einer Interpretation, einer Deutung durch die Forschungsperson. Eine solche Deutung würde der Original-Aussage, die bereits die Wirklichkeit schon interpretiert wiedergibt, eine weitere Deutung durch die Forschungsperson hinzufügen. Diese Arbeit soll jedoch dazu führen, die Struktur der Wirkungen beschreiben zu können, die Gemeinsamkeit in der Vielgestaltigkeit sozialer Wirkungen einer Bibliothek aufzudecken. Warum ist es notwendig, nach den Wirkungen einer Bibliothek zu fragen? Antworten darauf geben der nachfolgende Abschnitt und das Kapitel zwei.

↓3

Ausgehend von einer Problemstellung werden zunächst verschiedene Wirkungsdefinitionen im Kontext ihres theoretischen Hintergrundes vorgestellt. Dies geschieht unter dem Blickwinkel ihrer Verwertbarkeit für die Fragestellung vorliegender Arbeit. Die Problemstellung und der Vergleich verschiedener Ansätze der Leistungs- und Wirkungsmessung im Kapitel zwei begründen die Notwendigkeit einer Wirkungsmessung. Die Kapitel drei und vier stellen jeweils die Forschungsstrategie bzw. die Forschungsergebnisse vor. Die Arbeit endet mit einem Blick auf den aktuellen Stand der Forschung.

1.2 Problemstellung und Wirkungsdefinitionen

„What differences do libraries and librarians make in the lives of individuals, their families, neighborhoods, the community organizations that serve them, and the larger community?”4

Die Beachtung, die den Fragen nach dem Wert und den Wirkungen einer Bibliothek entgegengebracht wird, begründet sich aus der Notwendigkeit, die Leistungen einer Bibliothek überzeugend aufzuzeigen, ihre Bedeutung im öffentlichen und privaten Leben herauszufinden und somit die Existenzberechtigung der Bibliothek zu belegen. Die Wirkungs- und Leistungsmessung dient im Weiteren als ein Instrument, eine Bibliothek in eine anzustrebende Richtung zu steuern. Dies führte auf dem Gebiet der Leistungsmessung im Bibliothekswesen zu einer Entwicklung von der Input-Output-Statistik, über Qualitätsindikatoren bis hin zu Ansätzen, die Wirkungen einer Bibliothek direkt nachzuweisen.5

Inwieweit eine anzustrebende Wirkung auch erzielt wurde, ist jedoch aus Gründen, die im Verlauf dieser Arbeit dargestellt werden, schwer aufzuzeigen. Insbesondere die Suche nach methodischen Vorgehensweisen, die eine Beweisbarkeit der Wirkungen im Sinne von wissenschaftlicher Begründbarkeit ermöglichen, nimmt eine immer größer werdende Bedeutung innerhalb der Leistungsbeurteilung von wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken ein.

↓4

Fachbibliografien wie:

belegen dies und lassen eine intensive internationale Wirkungsforschung erkennen.

↓5

Es ist festzustellen, dass alle Leistungsbeurteilungsmethoden, auf die in nachfolgenden Kapiteln eingegangen wird, grundlegende Fragen verbinden:

Diese Fragestellungen lassen erkennen, dass es beim Betrachten des Leistungsspektrums einer Bibliothek immer darum geht, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Ressourcen, Aktivitäten, Ergebnissen7 und Wirkungen zu erforschen und diese im Kontext mit der Zielstellung der Bibliothek zu beurteilen. Daher ist es die primäre Aufgabe, die innere Struktur einer Bibliothek und die gesellschaftlichen Wirkungsbezüge in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit voneinander zu untersuchen.

↓6

In Übertragung der letzten Frage auf bundesdeutsche Gegebenheiten ist es relativ neu, diese Untersuchungen in einen Zusammenhang mit den Zielen der übergeordneten Institution zu stellen. Für eine Öffentliche Bibliothek, zum Beispiel, würde dies bedeuten, sich an dem gesellschaftlich Gewünschten zu orientieren. Dies scheint im Widerspruch zum bibliothekarischen Selbstverständnis zu stehen, dass Unabhängigkeit im Bestandsaufbau postuliert und erfordert deshalb ein generelles Überdenken bisheriger Praxis. Unter der Fragestellung nach einem gesellschaftlich relevanten Wertmaßstab sind bibliotheksinterne „Werte“ zu hinterfragen, das heißt die Bibliothek definiert sich nicht mehr aus sich selbst heraus, sondern im Kontext ihrer Interessengruppen. Die Kriterien, die anzeigen, inwieweit die Bibliothek diesen Werten entspricht sind die erzielten „Wirkungen“.

Die US-amerikanischen Bibliothekswissenschaftler John Carlo Bertot und Charles R. McClure formulierten anknüpfend an diese grundsätzlichen Fragestellungen einige wesentliche Forschungsfragen der Wirkungsbeurteilung:

↓7

Dabei ist es das zentrale Ziel aller Forschungsbemühungen, die Bedeutung der Bibliothek, den Wert ihrer Aktivitäten aufzuzeigen. Die Schwierigkeit, die damit verbunden ist, besteht in der grundsätzlichen Problematik jeder Leistungsbeurteilung von Bibliotheken, die darin begründet ist, dass der Wertbegriff einer Bibliothek gekennzeichnet ist durch Mehrdeutigkeit, Gegensätzlichkeit und Komplexität. 9 Diese Problematik entsteht, weil bestimmte Faktoren, auf die nachfolgend eingegangen wird, dazu führen. Insbesondere die Tatsachen, dass die Interessengruppen (stakeho l der) der Bibliothek einzigartig sind, die Leistungsbeurteilung umfeldbestimmt ist und die Interaktionen in dieser Umgebung weder monokausal noch absolut vorhersehbar sind, stellen wichtige Faktoren dar, die diese Problematik unterstreichen. 10

Diese Überlegungen konkretisieren zwei Beispiele:

Wenn der Wert einer Bibliothek abhängig ist von verschiedenen Interessengruppen, dann ist er auch abhängig von individuell verschiedenen Benutzerkompetenzen, die jedoch mehrdeutige und komplexe Ursachen haben, die auch außerhalb der Einflussmöglichkeiten einer Bibliothek liegen. Sie wirken sich aber letztendlich auf die Bibliothek und ihren Wert aus. So entsteht eine komplexe Wechselbeziehung zwischen Bibliothek und Nutzer.

↓8

Wenn der Wert einer Bibliothek umfeldbestimmt ist, hängt er von den verschiedenen stakeholder- Perspektiven ab. 11 Diese können gegensätzlich sein. Denkbar sind zum Beispiel gegensätzliche Perspektiven, die sich darin äußern, dass ein Einwohner einer Stadt die Bibliothek nicht braucht und dass ein Bibliotheksbenutzer sich ein möglichst umfangreiches Angebot wünscht.

Mythen, Tabus und unbestrittene Annahmen sind weitere Faktoren, die Schwierigkeiten verursachen, weil sie für die Realität gehalten werden, ohne dass sie an der Wirklichkeit geprüft worden sind. 12

Dieses Problem unterstreicht folgendes Zitat:

↓9

„We believe that libraries positively influence student achievement, contribute the corporate bottom line, fuel research, support community development, improve the quality of life, further education from cradle to grave and contribute to personal betterment. We’ve long held that one of the best investments of public funds is in libraries and that the key to personal improvement and success is a library card. But no matter how fervent our beliefs about the value of libraries, our belief system offers the weakest of responses when presented with the classic evaluation question: What difference does it make?”

Zum Beispiel ist die Bibliothek kein Wert an sich, nur weil sie besteht. Dennoch kann sie durch ihre Tätigkeiten zum Entstehen eines Wertes für die Interessengruppen, der verbunden ist mit einem Nutzen für diese stakeholder, beitragen.

↓10

Auch dies ist allerdings eine Frage der Perspektive, denn

„Something can have value but not impact on an activity or individual. Equally, something can have impact, but no value for those it has an impact on.”14

Etwas kann zwar einen Wert haben, muss aber nicht zwangsläufig mit einer Wirkung auf eine bestimmte Aktivität einhergehen und umgekehrt. Eine erzielte Wirkung oder ein Einfluss muss nicht gleichzeitig einen Wert für die Beeinflussten haben. Auch wenn die Begriffe sich voneinander abgrenzen, schließen sie sich nicht automatisch aus, wie sich in der späteren Begriffsdiskussion zeigen wird. Einfluss und Wirkung können durchaus an einen Wert gekoppelt sein. Der Wert wird quasi zu einer angestrebten Wirkung, man könnte auch sagen, die Wirkung soll gleichzeitig einen Wert herbeiführen oder die erwünschte Wirkung ist der Wert.

↓11

Deshalb ist es zum einen erforderlich, eine mehrdimensionale Perspektive einzunehmen, die die Bibliothek, das Umfeld der Bibliothek, ihre stakeholder und eine Kontrolle des Bewertungsprozesses einbezieht.15 Es genügt demzufolge nicht, nur eine Bibliotheksbenutzersicht zu übernehmen.

Zum anderen ist es notwendig, Wirkungen und Wert begrifflich zu differenzieren. In der Wirkungsforschung werden die Begriffe impact (Wirkung, Einfluss), outcome (Ergebnis, Resultat) und value (Wert im philosophischen oder volkswirtschaftlichen Verständnis) teilweise synonym, teilweise in überlappender, aber auch unterschiedlicher Bedeutung verwandt, und deshalb gilt eine terminologische Abgrenzung als kompliziert.16 Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, auf eine einheitliche Definition zurückzugreifen. Ein durchgeführter Vergleich verschiedener Definitionen zeigt jedoch wesentliche Merkmale des Wirkungsbegriffs.

Der erste Ansatz betrachtet die Wirkung als sozialen Wert, im zweiten Ansatz wird Wirkung als ökonomischer Wert begriffen. Der dritte Ansatz betrachtet den Einfluss der Bibliotheksbenutzung auf Fähigkeiten und Kenntnisse der Benutzer als Wirkung einer Bibliothek.

↓12

Im erstgenannten Ansatz wird deutlich, dass die Wirkungen einer Bibliothek persönliche und gesellschaftliche Bezugspunkte haben.

Dies belegen folgende Beispiele:

“Outcomes are benefits or changes for individuals or populations during or after participating in program activities.”17

↓13

„Outcomes – how things changed for the community. “18

↓14

„Outcomes can be seen as the eventual result of using library services, the influence the use had, and its significance to the user. The line between outcomes and impacts tends to be vague. Many writers adopt one term or the other. They can, on occasion, be regarded as being synonymous. Impacts are the highest and most important level yet, ipso facto, the least developed area.”19

„Outcomes, as viewed by the task force are the ways which library users are changed as a result of their contact with the library’s resources and programs. Satisfaction on the part of a user is an outcome. So is dissatisfaction.”20

↓15

Diese Aussagen lassen vermuten, dass es möglich ist, mit bestimmten Angeboten und Dienstleistungen einen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben auszuüben. Komplexe Wirkungszusammenhänge bestimmen diesen Einfluss.

Im zweiten Ansatz ist der Begriff „ökonomischer Wert“ definiert durch den finanziellen Wert, den die Bibliotheksnutzung für ihre Interessengruppen hat bzw. den Marktwert als shadow prices.21

In Beziehung mit der Fragestellung nach dem Einfluss der Bibliotheksbenutzung auf die Kompetenzen der Benutzer bezieht sich der Wirkungsbegriff im dritten Ansatz auf Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen. Dies zeigt folgendes beispielhafte Zitat:

↓16

„Outcomes are benefits for participants during or after their involvement with a program. Outcomes may relate to knowledge, skills, attitudes, values, behavior, condition, or status.”22

Im Weiteren stehen Wirkungen im Zusammenhang mit dem Ziel der Bibliothek, wie auch mit anderen Größen der Leistungsmessung.

↓17

Auch hierzu ein Beispiel:

„An outcome is a clearly identified result or end product that occurs as a consequence of individual or combined activities from units at the institution. It is a preferred or desired state and ideally clarifies specific expectations of what should be products from the institution.”23

↓18

Die Wirkung stellt sich hier als ein im Vorfeld geklärtes SOLL dar, dass aus Vorzügen und Wünschen besteht. Aus diesen erwünschten und angestrebten Wirkungen ergeben sich vielschichtige Leistungen. Die Australierin Jennifer Cram sieht nachstehend abgebildete Verbindung zwischen den einzelnen Elementen des Leistungsspektrums:

Abbildung 1: Leistungsspektrum24

Die Darstellung zeigt eine Differenzierung in direkte Wirkungen (impact) und Langzeitwirkungen ( value ) unddient dem Unterscheiden zwischen operationaler, taktischer und strategischer Vorgehensweise. Dadurch werden Einflussbereiche der Bibliothek sichtbar. Dieses Modell dient also neben der Wirkungsmessung und Wertbestimmung auch als Steuerungsinstrument für diese verschiedenen Einflussbereiche.

↓19

Die Versuche, Ursachen und Wirkungen in einem komplexen Kontext zu erforschen, führen dazu, eine glaubwürdige Verbindung zwischen den Kategorien aufzuzeigen. Problematisch ist, dass diese Verbindung nicht linear sein kann, weil der Kontext einer Bibliothek komplex ist. Diese Vielfältigkeit besteht in sozialen Abläufen mit unterschiedlichen Individuen, die einem sozialen Umfeld angehören und sich verschiedenartig verhalten. Dadurch bestätigen sich Erwartungen nicht zwangsläufig und es wird notwendig, einen Weg zu finden, trotz Vielfältigkeit das Gemeinsame, das heißt die Verbindung zu erforschen. Der Realität am nächsten kommt deshalb ein theoretisches Modell von Martha Kyrillidou, die sich die Verbindung als eine um eine Achse windende Linie vorstellt.

„…tries to introduce the notion of motion depicting a more dynamic and flexible model, moving users and information resources into a spiral swirl up and down into the depths of knowledge, exploration, and experience.”25

↓20

Der direkte Zusammenhang zwischen einer Bibliotheksdienstleistung und einer konkreten langfristigen Wirkung lässt sich jedoch auch nach aktuellem Forschungsstand kaum nachweisen. Die Ursachen dafür liegen in den Tatsachen, dass Wirkungen, zum Beispiel hinsichtlich bestimmter Fähigkeiten und Kenntnisse der st a keholder, schwer messbare Größen und die sie bedingenden Faktoren vielfältig sind. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, Erfolgskriterien zu finden, die gültig und zuverlässig sind.

Festzustellen bleibt zunächst, dass sich der Wirkungsbegriff in die beiden Aspekte direkte und langfristige Wirkungen strukturiert. Diese Differenzierung findet sich tendenziell auch bei weiteren Forschern.26

Während direkte Wirkungen leicht zu ermitteln sind, beziehen sich die bisher dargestellten Probleme auf die Belegbarkeit von langfristigen Wirkungen. Langfristige Wirkungen sind nach Roswitha Poll zum Beispiel „Informationskompetenz, Studienerfolg, beruflicher Erfolg, eine Veränderung des Informationsverhaltens (z.B. Häufigkeit des Lesens).“27

↓21

Diese Wirkungen sind in ihren inhaltlichen Ausprägungen vielfach identisch mit dem Zweck einer Bibliothek, der vom Ziel, Kenntnisse und Fähigkeiten zu beeinflussen, bis hin zum Anspruch, die Lebensqualität des Umfeldes zu verbessern, reicht. Das Bestreben, langfristige Wirkungen einer Bibliothek nachzuweisen, eignet sich somit, den Zielerreichungsgrad, die Leistung der Bibliothek, zu belegen. Dabei hat für die vorliegende Arbeit, die sich das Ziel stellt, langfristige soziale Wirkungen zu erforschen, der Begriff Wirkung zunächst folgende allgemeine und damit eine so weit wie möglich gefasste inhaltliche Kennzeichnung:

Die Wirkung einer Bibliothek ist die Bedeutung der Bibliothek in individueller als auch gesellschaftlicher Hinsicht, die aus dem Nutzen ihrer Tätigkeiten en t steht, wenn dieser Nutzen eine Veränderung darstellt. Dies führt zur zentralen Forschungsfrage, die diesem Abschnitt vorangestellt ist:

↓22

„What differences do libraries and librarians make in the lives of individuals, their families, neighborhoods, the community organizations that serve them, and the larger community?”28

Zusammenfassend lassen sich die vorgestellten Ansätze, die Leistung und den Einfluss von Bibliotheken aufzuzeigen, in vier Bereiche strukturieren. Sie dienen

↓23

Diesen verschiedenen Ansätzen der Leistungs- und Wirkungsmessung wendet sich das nächste Kapitel zu. Dabei ergibt sich die Reihenfolge, in der die unterschiedlichen Methoden betrachtet werden, im Wesentlichen aus der Geschichte ihrer Entstehung. Die Schwierigkeiten, die bei den Vorgehensweisen erkennbar werden, sind von Roswitha Poll zusammenfassend benannt:

Diese Probleme sind darauf zurückzuführen, dass sich die zu untersuchenden Wirkungszusammenhänge auf soziale Handlungen beziehen, auf so genannte soziale Gegenstände, die naturgemäß einem ständigen Wandel unterliegen, jedoch mit unterschiedlichsten Methoden erforscht werden können.


Fußnoten und Endnoten

1  Heymann, H., Usedom, 1986, S.35. Die in Klammern gesetzte Übersetzung aus dem Plattdeutschen erfolgte durch die Verfasserin vorliegender Arbeit.

2  Vgl. Rossi, P.H./ Freemann, H. E./ Hoffmann, G., Programm-Evaluation, 1988, S.93.

3  Vgl. Poll, R., Projekte, 2003, S.360-361. Dieses Problem ist in seiner Verallgemeinerung auch Gegenstand der Sozialwissenschaften. Vgl. Sozialforschung, 1993, S.68.

4  Durrance, J.C./Fisher, K. E., help, 2003, S. 306-307.

5  Vgl. Poll, R., Projekte, 2003, S.357-369. Vgl. Kyrillidou, M., input, 2002, S. 42-46. Vgl. Marshall, J.G., outcomes, 2002, S.7. Vgl. Hernon, P., Outcomes, 2002, S. 54 -55.

6  Vgl. Bertot, J.C./McClure, C.R., Assessment, 2003, S. 590-591.

7  Ergebnisse hier als output verstanden.

8  Vgl. Bertot, J.C./McClure, C.R., Assessment, 2003, S. 591-592.

9  Vgl. Cram, J., approach, 2000, S. 1, 4. Vgl. Stewart, J./Walsh, K.,performance, 1994, S.45-49.

10  Vgl. Cram, J., approach, 2000, S.1.

11  Nach J. Cram haben Bibliotheken vier relevante Interessengruppen (stakeholder): Normative Gruppen, wie die übergeordnete Institution/ funktionale Gruppen, wie die Mitarbeiter / Benutzergruppen/ weitläufig gefasste Gruppen, wie Einwohner.

12  Vgl. Cram, J., approach, 2000, S.1.

14  Cram, J., approach, 2000, S. 2.

15  Vgl. Dugan, R./Hernon, P., Outcomes, S.376-380.Vgl. Cram, J., approach, 2000, S. 5-8. Vgl. King, D.W./Boyce, P.B./Hansen Montgomery, C. /Tenopir, C., Library, 2003, S.377-400.

16  Vgl. Poll, R., Projekte, 2003, S.359-360. Vgl. Saracevic, T./Kantor, P.B., Studying, 1997, S. 527-542. Vgl. Fett, O., Literaturbericht, 2004, S. 19-25. Vgl. Bertot, J.C./McClure, C.R., Assessment, 2003, S. 594.

17  Evaluation, 2000, S. 20.

18  Zweizig, D./Johnson, D./Robbins, J., Tell, 1994, S. 104.

19  Revill, D., Performance, 1990, S. 316.

20  Hernon, P. / Dugan, R. E., action plan, 2002, S. 30.

21  Vgl. Poll, R., Projekte, 2003, S. 361.

22  Measuring, 1996, S. xv.

23  Fraser, B.T. / McClure, C.R., Framework, 2002, S. 2-3.

24  Cram, J., approach, 2000, S.3.

25  Kyrillidou, M., input, 2002, S. 45.

26  Vgl. Workbook, 2000, S. 19. Vgl. Poll, R., Projekte, 2003, S. 360. Vgl. Abend, J./McClure, C.R., Views, 1999, S.7-10.

27  Poll, R., Projekte, 2003, S.360.

28  Durrance, J.C./Fisher, K. E., help, 2003, S. 306-307.

29  Poll, R., Projekte, 2003, S.360-361.



© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
09.07.2007