3 Social process audit am Beispiel der Stadtbibliothek Wolgast. Forschungsstrategie

↓56

3.1  Fragestellung und Hypothesen vorliegender Untersuchung

↓57

Aufbauend auf dem dargestellten Forschungsstand hat die vorliegende Untersuchung das Ziel, die sozialen Wirkungen einer Bibliothek empirisch nachzuweisen und diese mit den erwünschten Wirkungen, dem Auftrag der Bibliothek, zu vergleichen. Es wird somit der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die Bibliothek für ihr Umfeld hat.

Forschungshypothesen

• Die Wirkungen einer Bibliothek sind gesellschaftlich bedeutsam.

↓58

Entscheidend für diesen Nachweis ist das methodische Vorgehen. Sowohl die philosophische Hermeneutik als auch die qualitative Heuristik sind Methodologien, die in ihrer Anwendung das Subjektive der Aussagen zum „Objektiven“ führen. Gesellschaftlich oder sozial ist das, was nach sozialwissenschaftlichem Verständnis intersubjektiv ist. Gelingt es, Wirkungen der Bibliothek als intersubjektiv nachzuweisen, sind diese auch gesellschaftlich/sozial.

• Durch ihr Angebot bewirkt die Bibliothek nicht nur vielfältigen Nutzen, sondern auch Veränderungen innerhalb der Lebensbereiche ihrer stakeholder. Diese langfristigen sozialen Wirkungen beziehen sich auf „Wissen“ und „Fähigkeiten“.

Um eine zu frühzeitige Eingrenzung und damit Einschränkung von Erkenntnissen/Entdeckungen zu vermeiden, wird ein differenziertes Bild möglicher Wirkungen erst im weiteren Verlauf des Forschungsprozesses durch Anwendung der Methodologie dargestellt.

↓59

• Wenn soziale Wirkungen durch das Angebot der Bibliothek beeinflussbar sind, dann können diese als Steuerungsinstrument der Bibliothek von strategischer Bedeutung sein.

Inwiefern soziale Wirkungen auch erwünschte soziale Wirkungen sind, ist eine Frage nach ihrer Übereinstimmung mit dem Auftrag der Bibliothek. Ein Konsens aller Interessengruppen der Bibliothek legitimiert diesen Auftrag und eröffnet die Chance, eine breite Basis für eine Akzeptanz des Angebotsprofils der Bibliothek zu schaffen.

3.2 Theoretische Begründung des Verfahrens

3.2.1  Problem der anekdotischen Evidenz. Wahrheitsproblem. Objektivität s problem

Das bereits erwähnte Problem der „anekdotischen Evidenz“ ist eine besondere Schwierigkeit der Wirkungsforschung, denn es steht im direkten Zusammenhang mit der Fragestellung nach der Gültigkeit und somit der Wahrheit einer Erkenntnis. Deshalb wendet sich der nächste Abschnitt den Fragen zu, was unter den Begriffen „wahr“ als der Wirklichkeit entsprechend und „Wahrheit“ zu verstehen ist und was aus diesen Begriffsauffassungen für das weitere empirische Vorgehen folgt.

↓60

Das Wahrheitsproblem beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten und die verschiedenen Theorien sind bis heute Gegenstand der Forschung. 81

Die Frage, was Wahrheit ist, wird in Abhängigkeit vom jeweiligen philosophischen bzw. erkenntnistheoretischen Standpunkt unterschiedlich beantwortet. Unbestritten in den Wahrheitstheorien der modernen Philosophie ist die Differenzierung in Wahrheitsdefinition und Wahrheitskriterium.82

Dabei wird davon ausgegangen, dass Wahrheit, Objektivität, Richtigkeit nicht direkt zu erfassen sind, sondern nur mit Hilfe von Kriterien.83 Die zu den pragmatischen Wahrheitstheorien zählende Konsenstheorie geht davon aus, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn sie in einem bestimmten Diskurs von allen Diskursteilnehmern für gültig bestimmt wird. Wahrheit ergibt sich also hier aus der Übereinstimmung nach einer Argumentation. Dieser Konsens und somit eine wahre Aussage gelingt meistens nur unter idealen Kommunikationsbedingungen. Konkret hieße das demzufolge, dass die unterschiedlichen Positionen der stakeholder durch vernünftige Argumente im Diskurs geprüft und gerechtfertigt werden müssen, eher eine geltende wahre Aussage entsteht. Hier ist es wichtig zu nennen, dass pragmatische Wahrheitstheorien die praktikable Umsetzbarkeit und den praktikablen Erfolg (Nutzen) in der realen Lebenswelt als allgemeine Kriterien für Wahrheit und Gültigkeit von Aussagen verfolgen.

↓61

Die ebenfalls zu den pragmatischen Wahrheitstheorien zählende Evidenztheorie sieht in der Evidenz, d.h. in dem, was klar und deutlich ersichtlich ist, ein Wahrheitskriterium.

Im Unterschied zur Konsenstheorie ist Wahrheit hier nicht vermittelt, nicht diskursiv, sondern intuitiv.84 Außerdem beschränkt sich der Handlungszusammenhang auf das einzelne Individuum, während bei der Konsenstheorie die Wahrheit der Aussagen von allen Diskursteilnehmern im Handlungszusammenhang begründet wird. Die Evidenztheorie ist also kritisch zu betrachten, weil sie eine sehr subjektive Herangehensweise an die Wahrheitsfindung darstellt.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die soziale Wirklichkeit so „vollständig“ wie möglich zu erfassen und zu wahren Erkenntnissen zu kommen, die ein Abbild der Wirklichkeit sind.

↓62

Eine dieser Arbeit zugrunde liegende wahrheitstheoretische Position geht deshalb davon aus, dass Tatsachen im Diskurs erkannt werden und wahr ist, worüber ein begründeter Konsens erzielt wurde. Ist der begründete Konsens und nicht die Evidenz das Wahrheitskriterium, ist es möglich, einen höheren Grad an Objektivität zu erreichen.

Ein weiteres Kriterium für Objektivität im Sinn von Intersubjektivität ist die Immanenz.

↓63

„Die Immanenz zum Kriterium der Objektivität zu machen, ist die Vorg e hensweise einer heuristischen Sozialforschung. „Objektiv“ ist dann nicht e i ne Frage der Subjektivität der Forschungspersonen oder des Wisse n schaftlergremiums – oder deren Fähigkeit, ihre Subjektivität zurückzustellen, sie zu kontrollieren – sondern eine Frage der Daten selbst, besser: der Date n analyse. 85

Durch dieses Kriterium, das die qualitative Heuristik anwendet, entschärft sich ein Problem der Konsenstheorie. Dieses besteht in der in der wissenschaftlichen Literatur anzutreffenden gegenteiligen Auffassung, dass Konsens kein Wahrheitskriterium sein kann, denn er ist in der Anwendung kaum erreichbar.86 Im Diskurs ist es oftmals schwierig, einen Konsens zu erreichen, weil der eine Positionsentwurf dem anderen gegenübersteht und die Interessen, die dahinter stehen, nur unzureichend transparent gemacht werden. Wäre dies der Fall, würde sich aus den Nutzenvorstellungen mehrerer Parteien, hier stakeholder, ein gemeinsamer Positionsentwurf (Konsens) ergeben. Da meistens jedoch jede Partei ihre Ziele verfolgt und an ihren Positionen festhält, obwohl die Interessen vielleicht auch auf anderem Wege zufrieden gestellt werden könnten, greift man auf das Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners zurück. Dieser ist jedoch auf keinen Fall der eigentliche Konsens. Konsens ist nur dann erreicht, wenn alle Interessen der stakeholder befriedigt sind und ein gemeinsamer Positionsentwurf erstellt wurde.

Ansatzpunkt heuristischer Forschung ist deshalb nicht die im Dialog geschaffene Gleichheit, sondern das heuristische Dialogprinzip und die Umsetzung der heuristischen Regeln, basierend auf einem heuristischen Objektivitätsbegriff.Dieser Objektivitätsbegriff geht im Kern davon aus, dass die Subjekt-Objekt-Differenz, d.h. die Spaltung von Forschungsperson und Forschungsgegenstand in der neueren Wissenschaft durch die Bewegung, im Sinn von Veränderung/Entwicklung, vom Subjekt zum Objekt mittels Heuristik überwunden werden kann.87

↓64

Nachfolgend wird deshalb die heuristische Methodologie in ihren Eckpunkten Dialogverfahren und heuristische Regeln vorgestellt.

3.2.2  Heuristisches Dialogprinzip. Regeln. Entdeckungsstrategien

Durch Verwissenschaftlichen einer Interaktion kann es gelingen, von einer subjektiven Aussage zu einer objektiveren Erkenntnis zu gelangen. Dabei wird Objektivität als Intersubjektivität begriffen, die sowohl historisch als auch gesellschaftlich gebunden und begrenzt ist.88

Durch ein alltägliches Gespräch zum Beispiel vollzieht sich eine Interaktion zwischen mindestens zwei Menschen. Dabei wird ein Gegenstand von zwei Seiten aus betrachtet. Die in einem Gespräch ausgetauschten Meinungen sind jedoch für sich betrachtet subjektiv. Von einer subjektiven Aussage zu einer objektiveren gelangt man, indem man die Antworten auf Gemeinsamkeiten analysiert. Das Ergebnis kann weiter objektiviert werden, indem man die Perspektiven auf den Gegenstand variiert, d.h. weitere Sichten auf den Gegenstand berücksichtigt und diese wiederum auf Gemeinsamkeiten untersucht.

↓65

Intersubjektivität wird somit im Wesentlichen erzielt durch die Analyse auf Gemeinsamkeiten und die Variation der Perspektiven.

Ein alltagsweltlicher Dialog wird dann ein wissenschaftliches Entdeckungsverfahren, wenn die Regeln der qualitativ-heuristischen Sozialforschung angewandt werden.

Diese sind nach Gerhard Kleining Bestandteil des Dialogprinzips.

↓66

„Regel 1: Offenheit der Forschungsperson/des Subjektes. Die Fo r schungsperson soll dem Gegenstand gegenüber ‚offen’ sein und ihr Vo r verständnis ändern, wenn die Daten ihm entgegenstehen.

↓67

Regel 2: Offenheit des Forschungsgegenstandes/des Objektes. Die Kenntnis vom Gegenstand und seine Bestimmungen sind vorläufig und so lange der Änderung unterworfen, bis der Gegenstand ‚ganz’ entdeckt ist.

Regel 3: Maximale strukturelle Variation der Perspektiven. Der Gegen s tand soll von maximal verschiedenen Seiten erfasst werden. Dies geschieht durch Variation aller Bedingungen der Forschung, die von Einfluss auf die Abbildung des Gegenstandes sind oder sein könnten. Die Variation sucht strukturelle, d. h. dem Gegenstand eigene Aspekte, die aus den verschi e denen Pe r spektiven erkennbar werden.

↓68

Regel 4: Analyse auf Gemeinsamkeiten. Die verschiedenen Seiten oder Bilder des Gegenstandes werden auf ihren Zusammenhang hin untersucht, oder: das Verfahren entdeckt das Gemeinsame in den Verschiede n heiten. " 89

Für die praktische Anwendung bedeutet die Regel eins, dass unbedingt auch das eigene Selbstverständnis der Forschungsperson zur Disposition steht und dass alle Daten anzuerkennen sind.

↓69

Die Regel zwei führt dazu, dass der Gegenstand zunächst nicht genau definiert wird, denn er soll entdeckt werden. Er kann auch deshalb nicht vor Beginn der empirischen Arbeit definiert werden, weil er einen zeitlichen und räumlichen Bezug hat, sich ständig verändert und somit nicht in für alle Zeit gültige Definitionen zu fassen ist. Deshalb geht heuristische Forschung von Ideen über den Gegenstand aus, dem Vorverständnis.Infolgedessen wurden die Forschungshypothesen im Kapitel zwei so weit wie möglich gefasst.

Ausgehend von diesem Vorverständnis der Forschungsperson ist es nach Regel drei für die Entdeckung des Gegenstandes von entscheidender Wichtigkeit, möglichst viele verschiedene Sichtweisen auf den Gegenstand zu erfassen. Dabei geht es um solche Sichtweisen, die den Gegenstand beeinflussen, mit ihm im Zusammenhang stehen, z.B. die Sicht der stakeholder einer Bibliothek. Der Samplestruktur kommt damit eine wesentliche Bedeutung für die Gültigkeit der Untersuchung zu.Deshalb wurden im empirischen Teil dieser Arbeit zunächst die Interessengruppen bestimmt.

Variiert werden auch die die Forschungsergebnisse beeinflussenden Faktoren, wie Zeitpunkte der Untersuchung, in jedem Fall aber die Methoden und bei Befragungen die Fragen.90

↓70

Nach Regel vier abstrahierte Gemeinsamkeiten, die dann den Begriff des Gegenstandes bilden, sind ermittelbar, indem zuerst die verschiedenen Daten verglichen werden, dann nach Ähnlichkeiten gruppiert werden und diese Gruppen mit Begriffen beschrieben werden. Auch diese Gruppen werden im Weiteren auf Gemeinsamkeiten untersucht. Das Analyseverfahren ist vollständig angewandt, wenn durch Negationen die Gemeinsamkeiten bestätigt werden. 91

Diese vier Regeln führen nach Gerhard Kleining das heuristische Dialogverfahren im engeren Sinn. Im weiteren Sinn wird dieses bestimmt durch Entdeckungsstrategien.

↓71

„Sie lauten: Maximierung bzw. Minimierung der methodologischen Mö g lichkeiten im Umgang mit dem Gegenstand, Testen der Grenzen des G e genstandes und Anpassung der Gedanken an den Gegenstand durch den Forschungsprozess, also Überführung des ursprünglichen, subjektiven Vo r verständnisses vom Gegenstand an die gegenstandseigene Struktur und se i ne ihm eigene Dynamik.“ 92

Die erste Strategie zielt auf eine Beachtung der Forschungsumstände und einer daraus entstehenden Variation der Handlung, zum Beispiel kann es notwendig sein, sich selbst zurückzunehmen, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Die zweite Strategie betrachtet die zum Forschungsgegenstand gehörenden Bedingungen und Ort/Zeit-Bereiche als Grenzen, die zu erforschen sind, und liefert damit eine Aussage über die Reichweite der Untersuchungsergebnisse. Die dritte Strategie beinhaltet die Bewegung des Subjektes zum Objekt und somit die Veränderung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses.93

3.2.3  Validität. Reliabilität. Geltungsbereich

Wenn Wirklichkeit sich nicht an der Annahme vom Wirklichen, sondern an dem Objekt selbst entscheidet, dann sollten Entdeckungs- und nicht Deutungsverfahren angewandt werden, um den Gegenstand zu erkennen. Das Schaffen eines Konsenses kann je nach erkenntnistheoretischer Auffassung ein oder kein Kriterium für wissenschaftliche Gültigkeit sein. Mit der Anwendung der heuristischen Methodologie kann es, wie gezeigt wurde, gelingen, Subjektivität zu überwinden, indem die Datenanalyse zum intersubjektiven Kern der Daten führt. Ein Hauptproblem der Wirkungsforschung, die scheinbare anekdotische Evidenz der Daten, ist somit gelöst. Dies führt dazu, dass vorliegende Arbeit gültige Erkenntnisse beinhaltet. Dabei sind die Prüfverfahren Bestandteil der hier dargestellten Methodologie, weil sie sich durch das Anwenden des Verfahrens von selbst ergeben.

↓72

Die heuristische Methodologie führt in ihrer Anwendung zur Überwindung der Subjekt- Objekt-Spaltung, also zum Erkennen des Gegenstandes. Validität entsteht durch die Variation der Perspektiven. Reliabilität wird erreicht durch Bewegung des Subjektes auf das Objekt und die Analyse auf Gemeinsamkeiten. Der Geltungsbereich wird durch die Anwendung der Regel „ Testen der Grenzen“ erforscht und ist nicht vorherbestimmt.94

3.3 Empirische Basis

3.3.1  Stakeholder der Stadtbibliothek Wolgast - mögliche Interessen und Positi o nen

Die empirische Basis vorliegender Untersuchung gliedert sich in drei Bereiche: Daten im Kontext der Zielfindung, Daten im Zusammenhang der zielrelevanten quantitativen Kapazitäten der Bibliothek und Daten hinsichtlich der gesellschaftlichen Wirkungszusammenhänge. Im ersten und dritten Gebiet sind Sichtweisen der jeweiligen stakeholder von Relevanz, die sich in Positionen ausdrücken, die auf bestimmten Interessen beruhen.

Ausgangspunkt jeder weiteren Überlegung sind zunächst die Fragen: Wie werden Ziele beschrieben? und Wie werden sie begründet?. Ableitbar, etwa aus sozialen Umgebungen, scheinen Erkenntnisse über den zu erwartenden Mediengebrauch nicht zu sein.95 Deshalb muss entschieden bzw. ausgewählt werden. Begründbar sind diese Entscheidungen, wenn in der Entscheidungsfindung die stakeholder mit ihren berechtigten Interessen an der Auswahl mitwirken.96 Deshalb folgt an dieser Stelle keine Darstellung der sozialen Umgebung, ähnlich einer Gemeinwesenanalyse, sondern es wird auf mögliche Interessen und Positionen der stakeholder eingegangen.

↓73

Jedoch haben diese Interessen und Positionen eine Raum- und Zeitgebundenheit. Dies bedeutet, sie beziehen sich auf ein ausgesuchtes Beispiel. Für die vorliegende Untersuchung ist eine Öffentliche Bibliothek – ein Bibliothekstyp, der am häufigsten in der Bundesrepublik Deutschland vertreten ist – ausgewählt.97 Diese Öffentliche Bibliothek ist eine kommunale Bibliothek und befindet sich in Wolgast. Der Zeitrahmen der Untersuchung bezieht sich auf die Jahre 2001 bis 2004.

Wolgast ist eine Landstadt im Landkreis Ostvorpommern, der zum Land Mecklenburg-Vorpommern gehört. Die Region Vorpommern wird im „Raumordnungsbericht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung“ als Gebiet mit starken Entwicklungsproblemen charakterisiert. Entwicklungspotentiale werden im Bereich Qualitätstourismus und - bedingt durch Agrarbetriebe mit großen Flächen – in der Landwirtschaft gesehen. 98

Wolgast ist, so eine weitere Sicht, Bestandteil des strukturschwachen ländlichen Raumes. Die Verkehrsinfrastruktur wird als monozentral mit Schwächen in der Peripherie, die Wirtschaftsstruktur mit erheblichen Strukturschwächen und die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen als schwach und teilweise im Abstieg begriffen, beschrieben. In Abgrenzung zur Charakteristik der Stadt Wolgast wird die Stadt Greifswald – zugehörig der Raumkategorie „Stadt-Umland-Regionen/Städtenetze“ – als Stadt mit vielseitiger wirtschaftlicher Gliederung und gut ausgebauter, teilweise polyzentraler Verkehrsinfrastruktur dargestellt. Die Insel Usedom – der Raumkategorie „ländlicher Raum mit starker Wirtschaftsbasis“ zugeordnet – verfügt über eine polyzentrale, teilweise gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur. Die Wirtschaftsstruktur ist eine Monostruktur. 99

↓74

Für die Landstadt Wolgast bedeutet dies, dass sie im Kontext mit Greifswald und der Insel Usedom betrachtet, Entwicklungsdefizite aufweist. Es lässt sich deshalb vermuten, dass das vordergründige Interesse der stakeholder „Stadtvertreter und leitende Verwaltungsangestellte“ in der Stärkung der Wirtschaftskraft besteht. Wachstumsziele der Stadt bestehen unter anderem in Folgendem:

Das Stärken der Wirtschaftskraft ist wahrscheinlich auch deshalb ein zentrales Interesse der stakeholder „ Stadtvertreter und leitende Verwaltungsangestellte“, weil Wirtschafts-und Bevölkerungsentwicklung in einem direkten Zusammenhang stehen und dieser, wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich, zu starken Bevölkerungsverlusten und zu Altersstrukturverschiebungen in Richtung Bevölkerungsüberalterung führte. 101

↓75

Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung in Wolgast

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

EW ges.

17013

16608

16399

16153

15805

15512

15175

14942

14438

14117

13747

13362

13083

Bis 3 Jahre

911

747

597

432

354

319

306

326

331

357

371

366

380

4-6 Jahre

768

762

702

695

588

475

348

277

252

227

228

215

220

7-16

Jahre

2487

2473

2519

2521

2493

2410

2350

2206

1987

1835

1617

1488

1306

17-18 Jahre

407

401

403

400

436

473

480

482

456

421

447

430

437

19-28 Jahre

2546

2313

2157

2065

1937

1857

1791

1802

1772

1752

1720

1655

1640

29-60 Jahre

7601

7545

7600

7589

7458

7327

7113

6940

6638

6406

6147

5893

5712

61-65 Jahre

700

784

832

860

910

958

1001

1042

1094

1145

1133

1097

1074

Über 65 Jahre

1593

1583

1589

1591

1629

1693

1786

1867

1908

1974

2084

2218

2314

Vor dem Hintergrund der negativen Finanzentwicklung in der Region,102 ist es wahrscheinlich ein weiteres wichtiges Interesse der stakeholder „leitende Verwaltungsangestellte“ die Finanzsituation zu verbessern und daraus entsteht ihre Position, den Stellenbestand im Öffentlichen Dienst zu reduzieren. Dies bedeutet, freiwillige Leistungen, wie das Betreiben einer Stadtbibliothek werden auf den Prüfstand gestellt und ihre Existenzberechtigung hinterfragt. Deshalb ist es ein Interesse der st a keholder „Bibliotheksmitarbeiter“, die Daseinsberechtigung der Stadtbibliothek zu begründen. Dies kann erfolgen, indem über den Aufgabenkatalog der Stadtbibliothek ein Konsens mit den kommunalpolitischen Entscheidungsträgern angestrebt wird, der am leichtesten erreichbar scheint, wenn die Aufgaben der Stadtbibliothek an die Interessen der anderen stak e holder anknüpfen.103 Dabei eignet sich eine Zielbegründung im Kontext informationslogistischer Rollen in besonderem Maße, weil es auf der Grundlage dieser Rollen möglich ist, ein Angebotskonzept zu entwickeln, das sehr konkrete Vorgaben enthält. Das Ziel wird damit real umsetzbar und der Grad der Zielerreichung nachweisbar. Im Weiteren ist es durch die Rollen, die die denkbaren Aufgaben einer Bibliothek gruppieren, möglich, Prioritäten zu setzen. Die Konzentration auf Kernbereiche hat den Vorteil, mehr tiefere als breitere Angebote liefern zu können und somit qualitätvoller zu werden.104

Die Zielkontrolle erfolgt in vorliegender Untersuchung durch das Feststellen von sozialen Wirkungen und ihrem Vergleich mit dem Auftrag der Bibliothek. In diesem Bereich der empirischen Basis vertreten die Stadtvertreter nicht – wie im ersten Bereich/Zielfindung – die Einwohner, sondern diese stakeholder werden direkt einbezogen. Dieses Vorgehen resultiert aus der grundsätzlichen Auftragsstellung der Bibliothek für die Einwohner, unabhängig von ihrem momentanen Status Benutzer oder Nicht-Benutzer zu sein, tätig zu sein und demzufolge auch für sie zu wirken. Welche möglichen Interessen und Positionen der stakeholder „Einwohner“ wären denkbar? Diese sind so vielfältig wie das Leben selbst. Im Zusammenhang mit dem hier umgesetzten Vorgehen ist es jedoch von Nutzen, die allgemein bekannte Bedürfnispyramide105 einzubeziehen, denn diese Methode ist nur zu realisieren, wenn es gelingt, Menschen zu beteiligen. Dieses Interesse ist abhängig von dem Erfüllen der Grundbedürfnisse. Fehlendes Interesse an einem kooperativen Zusammenwirken kann auf mangelndes Zufriedenstellen eines Grundbedürfnisses zurückführbar sein.106

3.3.2  Kommunikationstheoretische Überlegungen zur Konsensfindung

↓76

Wenn es darum geht, Ziele einer Bibliothek zu diskutieren und einen Konsens darüber zu erreichen, was sie leisten soll, ist es notwendig, Gesprächsprozesse vorzubereiten. Dies dient der Vermeidung verwickelter Gesprächsverläufe, die sich oftmals als Resultat falscher Anordnung von Gesprächsphasen und mangelnder Vorbereitung herausstellen. Häufig ist zu beobachten, dass zum Beispiel bei einem Thema die eine Gruppe sogleich ihre Argumente durchsetzen will statt die Sicht der anderen zu hören.107 Genau dasselbe passiert in Gruppengesprächen, besonders in Verhandlungen, mit der Position einer Gruppe. Diese Position ist jene grundsätzliche Auffassung, von der ungern abgewichen wird. Jede einzelne Gruppe der stak e holder will schließlich ihre Aufgaben erfüllen. Die Frage, die sich nun aus den gegensätzlichen Positionen ergibt, lautet: Was können wir tun, um einen Konsens zu erreichen? Zunächst ist es wichtig, zu erkennen, dass hinter einer bestimmten Position Interessen stehen, die diese Position erst entwerfen. Anders gesagt: Die Position beinhaltet die Frage: „Warum ist das so?“ Jede einzelne Interessengruppe sollte sich also zunächst im Klaren und einig darüber sein, was ihre Interessen sind und welche Positionen daraus resultieren. Wenn die eigenen Interessen unklar sind, können sie nicht dem Gegenüber transparent gemacht werden und eine Konsensfindung wird erschwert. Wichtig ist es, die gemeinsamen Positionen auch innerhalb einer Gruppe zu gewichten, damit später in der Verhandlung von der einen oder anderen Position abgewichen werden kann, wenn die entsprechenden Interessen anderweitig zufrieden gestellt werden. Eine weitere Vorbereitungsphase ist der gedankliche Positionswechsel. Wenn nicht bereits schon in Vorverhandlungen die Positionen der gegenüberstehenden stakeholder geklärt wurden, versucht man hier herauszufinden, welche diese sein könnten. Auch hier folgt die Frage nach dem Warum. Welche Interessen haben die anderen stakeholder? Am Ende der Vorbereitungsphase haben die stakeholder also ihren eigenen Positionsentwurf mit Gewichtung, die dahinter stehenden Interessen und den Positionswechsel mit den möglichen Interessen der anderen Gruppen.

Mit den denkbaren Gegensätzen im Bewusstsein, treffen sich die stakeholder, um die Funktionen einer Bibliothek zu diskutieren und einen Konsens zu erzielen. Am Anfang steht im Idealfall eine informelle Begrüßung, d.h. eine kurze Unterhaltung über Unstrittiges. So wird eine erste Beziehung zwischen den Interessengruppen hergestellt. Es bildet sich eine gemeinsame Basis, die die folgenden Anstrengungen der Verhandlung tragen kann.108

In Verhandlungsgesprächen ist es oft nützlich, jeder Person eine bestimmte Sprechrolle zu verleihen, um den Verhandlungsablauf inhaltlich, formell und emotional zu steuern. So kann es beispielsweise eine Person geben, die das Gespräch stets vorwärts treibt, Aufforderungen ausspricht oder zusammenfasst (dominante Rolle). Ein anderer übernimmt die Vermittlung von Fakten (rationale Rolle). Ein dritter achtet auf die Beziehung zwischen den Interessengruppen. Seine Aufgabe ist es, bei Verhärtung der Fronten, einzugreifen und wieder eine angenehme Atmosphäre zu schaffen (relationale Rolle).

↓77

Im Verhandlungsverlauf kann entweder offen oder geschlossen vorgegangen werden.109 Wichtig ist in beiden Situationen, dass die Interessen der Gruppen immer hinterfragt werden. Wenn diese Interessen befriedigt werden, ist es theoretisch kein Problem, von einer Position abzuweichen, d.h., wenn die gegenüberstehende Gruppe einen Vorschlag macht, der die Interessen der eigenen Gruppe berücksichtigt, ist zu überlegen, ob von der eigenen Position abgewichen wird, denn die Interessen sind offensichtlich auch auf anderem Wege erreichbar. Wenn dies der Fall ist, formuliert man eine gemeinsame Position. Der Konsens ist damit erreicht.

Voraussetzungen für das Schaffen eines Konsenses sind nicht nur die sorgfältige Vorbereitung des Gesprächs und die Einhaltung bestimmter Gesprächsphasen. Die aufeinander treffenden Gruppen müssen ein Interesse am Thema haben, eine Bereitschaft zu verhandeln um ein gemeinsames Ziel zu erreichen und vor allen Dingen müssen sie gleichberechtigt sein.

3.4 Forschungsdesign

3.4.1  Überblick

Nachfolgende Abbildung stellt den geplanten Forschungsablauf schematisch dar und basiert auf einem von Rebecca Linley und Bob Usherwood entworfenen Forschungsdesign.110

↓78

  1. Interviews mit den Stadtvertretern, leitenden Verwaltungsangestellten, Bibliotheksmitarbeitern
  2. Gruppendiskussionen mit Einwohnern der Stadt, strukturiert nach Altersklassen
  3. Gruppendiskussionen mit Bibliotheksbenutzern mit Wohnsitz in Wolgast, strukturiert nach Altersklassen

↓79

Dieses Forschungsdesign wurde im Verlauf der Forschung verändert. Nicht ein durch Diskussion des Zwischenberichtes zu schaffender Konsens war Gültigkeitskriterium für die Untersuchungsergebnisse.111

Gültigkeit wurde erreicht durch regelgerechtes Anwenden des heuristischen Verfahrens, wie es zuvor beschrieben worden ist. Im Vergleich zur philosophischen Hermeneutik, die den Diskurs anwendet und durch Konsens ein wahres Ergebnis erreicht, erreicht die Heuristik durch das Dialogprinzip ein wahres Ergebnis.

Nachfolgende Ausführungen beziehen sich auf die Einzelaspekte des Forschungsdesigns.

3.4.2  Rollenbestimmung als Auftrag für die Stadtbibliothek Wolgast

↓80

Drei Fragen bildeten die Grundlage jeder weiteren Entscheidung: Was können Aufgaben einer Bibliothek sein? Wer ist legitimiert, darüber zu entscheiden? Auf welchem methodischen Wege erfolgt diese Entscheidung?

Eine Möglichkeit, eine Bibliothek zu charakterisieren, bestand darin, den Ansatz der „informationslogistischen Rollen“ der American Library Association aus dem Jahr 1987 aufzugreifen.112 Dies hatte den Vorteil, dass ausgehend von einem zu erzielenden Nutzen eine deutliche Profilsetzung möglich wurde. Ein weiterer Vorteil bestand darin, dass die informationslogistischen Rollen in der amerikanischen Bibliothekslandschaft weitgehend Verbreitung gefunden haben und diese Methode, mit der ein Auftragsprofil hergestellt werden konnte, sich in amerikanischen Bibliotheken und darüber hinaus in den „Hamburger Öffentlichen Bücherhallen“ bewährt hat.113 Somit lag ein praxiserprobtes Leitungsinstrument vor, dass Dank seiner Übertragung auf die Verhältnisse im bundesdeutschen Bibliothekswesen durch Konrad Umlauf auch im deutschsprachigen Raum weitestgehend bekannt ist. 114 Nachstehende Ausführungen bauen deshalb darauf auf.

Eine Bibliothek kann bürgerschaftliches Engagement unterstützen und ein Freizeitangebot sein, und zwar, wenn sie ein kommunales Veranstaltungszentrum ist. Dann erfüllt die Bibliothek die Rolle eines kommunalen Tref f punktes (Community Activities Center / Bibliothek als kommunales Veranstaltungs- und Informationszentrum). Ein Freizeitangebot kann sie auch sein, wenn sie eine Quelle populärer Medien ist. Dann fungiert die Bibliothek in der Rolle eines Zentrums populärer Medien (Popular Materials Library / Bibliothek für vielgefragte Medien).

↓81

Sie kann in der Rolle Tor zum Lernen für Schüler (Preschooler’s Door to Learning / Öffnung der Bücherwelt für Vorschulkinder und erstes Lesealter) das Lesen und das Lernen fördern. Sie kann eine Lernunterstützung für Schüler und Auszubildende sein, wenn sie die Rolle Bildungs- und Ausbildungsunterstützung (Formal Education Support Center / Unterstützung der schulischen Ausbildung) ausübt. Sie kann das individuelle altersunabhängige Lernen fördern. Dann ist die Bibliothek ein Individue l les Bildungszentrum. (Independent Learning Center / Private Fortbildung, Lebenslanges Lernen).

Fungiert die Bibliothek als Informationsquelle für alle Informationen über die Stadt, dann ist sie ein kommunales Infozentrum (Community Information Center / Zentrum für lokale Information). Die Funktion der Bibliothek kann mit der Rolle Auskünfte und Al l tagsinfo (Reference Library / Handbuch- und Nachschlagebibliothek) beschrieben werden, wenn sie eine Informationsquelle für Informationen grundlegender Art, die in der Regel in Nachschlagewerken zu finden sind, ist. 115

Diese Rollenbezeichnungen stehen mit einem bestimmten Nutzen in Beziehung und sind mit möglichen Angeboten verknüpft. Das Anwenden dieser Rollen macht es somit möglich, Ressourcen, Dienstleistungen, Funktionen der Bibliothek und Ziele der Gesellschaft in Beziehung zu setzen, und die Aufgaben und daraus resultierende Angebote einer Bibliothek klar zu differenzieren und zu definieren. Die Definition von Rollen ermöglicht demzufolge eine Abgrenzung zwischen den vielfältigen Aufgabengebieten der Bibliothek. Diese Abgrenzung schafft gleichzeitig eine Struktur und Ordnung.

↓82

Vereinzelte Rollenbezeichnungen zeichnen sich durch eine bedeutende Offenheit aus, so zum Beispiel speziell der Begriff „Bildung“ in der Rolle „Bildungs- und Ausbildungsunterstützung“. Es ist somit deutlich erkennbar, dass in der Abgrenzung durch eine Definition von Rollen gleichzeitig eine Offenheit enthalten ist. Dies ist auf Forschungsebene von erheblichem Vorteil. Offenheit ermöglicht die Entdeckung des Neuen. Die Möglichkeit, dass etwas Unerwartetes eintritt und das Zulassen von Veränderungen können zu neuen Entdeckungen und Erkenntnissen führen. Zu eng gefasste Definitionen zu Beginn eines Forschungsprojektes oder im Vorfeld vorgenommene Eingrenzungen können diese Entdeckungen einschränken. Es ist schwierig, nach einer einst vorgenommenen Eingrenzung eine Offenheit zu erzeugen.

In der Rollenbezeichnung „Bildungs- und Ausbildungsunterstützung“ wie auch in der Rollenbezeichnung „Individuelles Bildungszentrum“ ist bereits eine Richtungsweisung zu erkennen. Dies ist nützlich für die Steuerung des Forschungsablaufes und ermöglicht auf Definitionsebenen, das heißt, wenn es darum geht, eine Rolle der Bibliothek nach dem Forschungsprozess neu zu hinterfragen, eine Konkretisierung der Begriffe und der Rollenbezeichnungen vorzunehmen. Dies gilt auch für alle weiteren hier verwandten Rollenbezeichnungen. Die Abgrenzung durch Rollendefinitionen ist eine Voraussetzung für die Beantwortung der Frage: Welche Prioritäten sollten gesetzt werden?, denn keine Öffentliche Bibliothek in einer Kleinstadt kann diese Rollen in ihrer Gesamtheit ausfüllen. Dies ist nicht möglich, weil sie

↓83

erfordern.

Deshalb ist es notwendig, eine Auswahl zu treffen, sich somit auf ein schmaleres Profil zu konzentrieren und dann in der Lage zu sein, in den gewählten Bereichen den Erwartungen entsprechende Leistungen zu erbringen.

Diese Auswahl erfolgte in der vorliegenden Studie durch die Interessengruppen „Stadtvertreter“, „leitende Verwaltungsangestellte“ und „Bibliotheksmitarbeiter“. Es entsteht somit die Grundlage eines Bibliothekskonzeptes, das über ein nachfrageorientiertes Marketingkonzept hinausgeht. 116 Methodisch erfolgte dies durch zwei Schritte:

↓84

Das Arbeitsblatt ist ein vielfach angewandtes Arbeitsblatt der American Library A s sociation, das durch Zuordnung beispielhafter Merkmale zu den Rollenbezeichnungen verändert wurde, die aus der Literatur übernommen wurden um diese Rollen zu beschreiben. 117

Ziel der Auftragsbestimmung war es, festzustellen, welche Rollen in den jeweiligen Interessengruppen – Stadtvertreter, leitende Verwaltungsangestellte, Bibliotheksmitarbeiter – welchen subjektiven Stellenwert besitzen (Ist-Zustand) und welchen Stellenwert sie haben sollten (anzustrebende Zielvorstellung). Insgesamt waren je 80 Punkte zu vergeben. Die Punkteverteilung entschied über die jeweilige Priorität.

↓85

In Auswertung der Arbeitsblätter wurde zunächst die absolute Punktezahl je Rolle und je Interessengruppe ermittelt. Diese Teilergebnisse jeder Interessengruppe sollten, analog dem in den Hamburger Bücherhallen118 erprobten Weg, Grundlage für einen im Diskurs mit allen Teilnehmern zu schaffenden Konsens über die Prioritätensetzung sein. Dieser Konsens konnte nicht geschaffen werden, weil die kommunikationstheoretischen Überlegungen keine Anwendung fanden, weil nicht alle st a keholder ein Interesse am Thema hatten, weil kaum Verhandlungsbereitschaft vorhanden war und das Ziel fehlte, etwas Gemeinsames zu erreichen und weil nicht alle stakeholder gleichberechtigt waren.119 Deshalb musste für die Auftragsstellung eine Hilfskonstruktion gewählt werden, indem eine Schnittmenge aus den Zahlenwerten zum „Soll“ gebildet wurde. Um zu vermeiden, dass eine Interessengruppe aufgrund ihrer größeren personellen Stärke einen größeren Einfluss auf das Gesamtergebnis hat120, wurde diese absolute Punktzahl durch die Anzahl der jeweiligen Teilnehmer dividiert. Diese so ermittelten Punktezahlen aller Teilnehmer wurden addiert und aus dieser Schnittmenge eine Platzierung der Rollen abgeleitet. Das Gesamtergebnis bildete die Basis für eine durch die Forscherin erstellte Prioritätensetzung. Ein Problem dieser Vorgehensweise besteht allerdings darin, dass die Einschätzungen subjektiv bleiben. Dies wird auch durch das Bilden einer Schnittmenge nicht verändert. Gleichwohl haben die Ergebnisse aus dem Anwenden dieser Methode insofern ihre Bedeutung, als dass eine Aussage zum „Soll“ benötigt wird, um zu messen, ob „Soll“ und „Ist“ übereinstimmen. Ein „Soll“ hat immer einen subjektiven Status, denn es ist nicht Realität. Das „Ist“ kann objektiviert werden durch Methoden, die dies ermöglichen und in dieser Arbeit bereits vorgestellt wurden. Durch das Bilden einer Schnittmenge aus „Ist“ - Einschätzungen kann dies nicht erfolgen.

Die Ergebnisse dieser Vorgehensweise sind im Kapitel vier dieser Arbeit dargestellt. Aufbauend auf diese Funktionsbestimmung werden Ziele entwickelt, die das Angebot der Bibliothek beschreiben.

Tabelle 2: Arbeitsblatt als Grundlage des Auswahlprozesses

Arbeitsblatt Rollenwahl Stadtbibliothek Wolgast 121

Bitte verteilen Sie in den Spalten (2) und (3) jeweils 80 Punkte je nach Gewichtung, die Sie den einzelnen Bibliotheksrollen zugestehen. 20 Punkte sind bereits für allgemeine Bibliotheksaktivitäten vorbehalten. Spalte (2) enthält dann Ihre Gewichtung des Ist-Zustandes, Spalte (3) die Gewichtung der Ihrer Meinung nach anzustrebenden Zielvorstellung für die Bibliothek.

(1) Rolle und beispielhafte Merkmale

(2) Ist-Zustand

(3) Anzustrebende Zielvorstellung

Kommunaler Treffpunkt

  • Kulturveranstaltungen
  • Veranstaltungen der Erwachsenbildung
  • Bürgergruppenveranstaltungen
  • Ausstellungen
  • Zum Aufenthalt einladende Räume, z.B. Lesecafé

Kommunales Infozentrum

  • Bürgerinformation über die Stadt
  • Blätter örtlicher Vereine, Kirchen, Initiativen, Behörden
  • Verbraucherinformation
  • Jobbörse
  • Broschürensammlung
  • Lokalzeitungen
  • Zeitschriften zum Zeitgeschehen
  • Zusammenarbeit mit Behörden, Bürgerberatung
  • Sprechstunden der Stadtverordneten

Bildungs-, Ausbildungsunterstützung

  • Schülerliteratur
  • Studienliteratur

Individuelles Bildungszentrum

  • Literatur zur beruflichen Fortbildung
  • Medienangebote für intellektuelle Freizeitbetätigungen
  • Medienangebote für Selbstbildung

Zentrum populärer Medien

  • Unterhaltungsromane
  • Populäre Sachbücher
  • Hobbybücher
  • Populäre Zeitschriften
  • Musiktonträger, Videos

Tor zum Lernen für Schüler

  • Unterhaltende Kinderbücher
  • Kindermedien
  • Maßnahmen zur Leseförderung

Auskünfte und Alltagsinfo

  • Ratgeberliteratur
  • Auskunftsdienst
  • Nachschlagewerke

Verschiedene allgemeine Bibliothekarbeiten

20

20

Insgesamt

100

100

3.4.3  Angebotsprofilierung als Zielstellung für die Stadtbibliothek Wolgast

↓86

Unter der Annahme, dass die das Angebotsprofil in Wolgast bestimmenden Rollen primär durch das Medienangebot charakterisiert sind, wurden die Medien und die mit ihnen erreichten Entleihungen den Rollen zugeordnet.Die Zuordnung erfolgte im Vergleich der vorhandenen Mediengattungen in der Sachgruppe der Klassifikation für Allgemeinbibliotheken (KAB) mit der medialen Funktion der Bestandsgruppe122 und ist in den Anlagen dieser Arbeit dargestellt.123 Der Bestand der Sachgruppe ging jeweils zur Hälfte an die beiden relevanten Rollen, wenn entsprechende Mediengattungen vorhanden waren. Eine erste, grobe Zuordnung ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. Durch diese Zuordnung der Bestandsgruppen zu den informationslogistischen Rollen erfolgte eine Einschätzung der Rollen anhand des vorhandenen Bestandes. Die Grundlage dieser Charakterisierung des Bestandes durch die Forschungsperson war die „mediale Funktion der Bestandsgruppe“. Die Einschätzung der Rollen durch die stakeholder erfolgte im Kern auf inhaltsgleicher Basis. Dies wurde erreicht, indem im Arbeitsblatt zur Rollenbestimmung die Rollen durch entsprechende beispielhafte Merkmale charakterisiert wurden.

Zum Beispiel wurde die Rolle „Bildungs- und Ausbildungsunterstützung“ im Arbeitsblatt durch die Merkmale „Schülerliteratur, Studienliteratur“ und in der Bestandseinschätzung durch die mediale Funktion der Bestandsgruppe „Lernen und Ausbildung“ beschrieben. Die Rolle „Zentrum populärer Medien“ wurde durch die Merkmale „Unterhaltungsliteratur, populäre Sachbücher, Hobbybücher“ und durch die mediale Funktion der Bestandsgruppe „Unterhaltung“ bestimmt. Die Rolle „Tor zum Lernen für Schüler“ wurde durch die Merkmale „unterhaltende Kinderbücher, Kindermedien“ und durch die mediale Funktion der Bestandsgruppe „Unterhaltung“ beschrieben. Die Rolle „Individuelles Bildungszentrum“ charakterisierte das Merkmal „Literatur zur beruflichen Fortbildung“ und die mediale Funktion der Bestandsgruppe „Job, Wissenspopularisierung“. 124

Tabelle 3: Bestandsblöcke/Rollen125

Bestand s block

mögliche Mediengattung

mediale Funktion der Bestandsgru p pe

Informationslogist i sche Rolle

Sachliteratur

Lehr-, Lern- und Übungsmaterialien

Lernen und Ausbildung

Bildungs- und Ausbildungs-Unterstützung

Sachliteratur

Fachbuch

populäres Sachbuch

Job

Wissenspopularisierung

Individuelles Bildungszentrum

Sachliteratur

Ratgeber, Anleitung

Reiseführer

Hobby

Freizeitreisen

Zentrum populärer Medien

AV-Medien

MC-Kinderprogramm

Unterhaltung

Tor zum Lernen für Schüler

AV-Medien

CD-ROM Lehr-, Lern und Übungsmaterialien

Lernen und Ausbildung

Bildungs- und Ausbildungsunterstützung

AV-Medien

CD-Musik

Unterhaltung

Zentrum populärer Medien

AV-Medien

CD-ROM Fakten

Wissenspopularisierung

Individuelles Bildungszentrum

Kinder- u. Jugendliteratur

Lehr-, Lern- und Übungsmaterialien für Schüler bis zur 4. Klasse

Lernen und Ausbildung

Tor zum Lernen für Schüler

Kinder- u. Jugendliteratur

Lehr-, Lern- und Übungsmaterialien für Schüler ab der 5. Klasse

Lernen und Ausbildung

Bildungs- und Ausbildungs-Unterstützung

Kinder- u. Jugendliteratur

Bilderbuch

Unterhaltung

Urteilsbildung

Wissenspopularisierung

Tor zum Lernen für Schüler

Kinder- u. Jugendliteratur

Kindersachbuch

bis Klasse 4

Urteilsbildung

Wissenspopularisierung

Tor zum Lernen für Schüler

Kinder- u. Jugendliteratur

Kindererzählung bis Klasse 4

Unterhaltung

Tor zum Lernen für Schüler

Kinder- u. Jugendliteratur

Jugenderzählung ab der 5. Klasse

Unterhaltung

Zentrum populärer Medien

Kinder- u. Jugendliteratur

Jugendsachbuch

ab der 5. Klasse

Urteilsbildung

Wissenspopularisierung

Individuelles Bildungszentrum

Belletristik

Roman und alle weiteren in der Gruppe Belletristik der KAB systematisierten Mediengattungen

Unterhaltung

Zentrum populärer Medien

↓87

Die ermittelte Bestandszusammensetzung wurde im Kontext des Auftrages interpretiert und ist im Kapitel 4.2 dargelegt.

Aus diesen Ergebnissen leitete sich eine Zielstellung für die Stadtbibliothek Wolgast (Bestandsprofilierung) ab. Diese Zielstellung hat eine quantitative und eine qualitative Seite, denn der quantitative Ausbau der Bestandskapazitäten setzt qualitative Auswahlkriterien voraus. Die qualitative Seite findet ihren Ausdruck in der medialen Funktion der Bestandsgruppe. Die Frage: Ist durch einen Bestand, der „Lernen und Ausbildung“ unterstützen sollte, auch eine Lernunterstützung erreicht worden?, ist eine Frage nach dem qualitativen Zielerreichungsgrad. Dieser qualitative Zielerreichungsgrad wurde durch das Entdecken der Wirkungen geprüft. Dazu wurden alle Interessengruppen befragt.

3.4.4  Samplezusammensetzung und Entwurf der Befragungspläne

Ziel war es, möglichst viele verschiedene Perspektiven von Relevanz zu erfassen. Deshalb kommt der Samplezusammensetzung eine besondere Bedeutung zu. Perspektiven von Relevanz sind die Sichtweisen aller Interessengruppen. Deshalb wurde von der Frage: Wer gehört zu den Interessengruppen der Bibliothek? ausgegangen und im Weiteren auf die bereits dargestellte Strukturierung der stakeholder von Jennifer Cram zurückgegriffen. Die relevanten Interessengruppen sind dann die Stadtvertreter/leitenden Verwaltungsangestellten als normative Gruppen, die Bibliotheksmitarbeiter als funktionale Gruppe, die Bibliotheksbenutzer mit Wohnsitz in Wolgast126 als Benutzergruppen und die Einwohner der Stadt Wolgast als weitläufig gefasste Gruppe.

↓88

Im Folgenden war über die jeweilige Sample-Größe zu entscheiden. Für die relativ kleinen Gruppen der Stadtvertreter, leitenden Verwaltungsangestellten und Bibliotheksmitarbeiter war ein Ansatz möglich, der eine vollständige Befragung dieser Personengruppen vorsah. 127

Für die Gruppen der Bibliotheksbenutzer und Einwohner musste eine Auswahl getroffen werden. Mittels Zufallsauswahl durch Losverfahren (Gruppe der Bibliotheksbenutzer) oder Intervallverfahren (Gruppe der Einwohner) fand diese innerhalb vorab gebildeter Altersklassen statt.128 Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass jeder potentielle Teilnehmer an der Untersuchung die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, ausgewählt zu werden. Mit der Strukturierung dieser beiden Gruppen nach Altersklassen sollte erreicht werden, dass das Sample der typischen Altersstruktur der Gruppe, d.h. der Altersstruktur der Benutzer bzw. der Altersstruktur der Einwohner der Stadt, entspricht.

Folgende Altersklassen wurden gebildet:

↓89

Gruppe der Bibliotheksbenutzer:

Klasse 0: 18 Jahre / 49 Personen

Klasse 1: 19 – 28 Jahre / 93 Personen

↓90

Klasse 2: 29 – 60 Jahre / 277 Personen

Klasse 3: 61 Jahre und älter / 144 Personen

Die Anteilswerte der Klassen betragen:

↓91

Klasse 0: 8,7%

Klasse 1: 16,5%

Klasse 2: 49,2%

↓92

Klasse 3: 25,6%

Daraus ergibt sich bei der Befragung von insgesamt 202 Personen folgende Fehlerquote:129

Klasse 0: 10% bei 18 Personen

↓93

Klasse 1: 10% bei 33 Personen

Klasse 2: 10% bei 100 Personen

Klasse 3: 10% bei 51 Personen.

↓94

Diese Untersuchung fand 2004 auf der Basis der Jahresergebnisse des Jahres 2003 statt. Die Samplezusammensetzung befindet sich in den Anlagen.

Gruppe der Einwohner:

Klasse 1:19 – 28 Jahre /1655 Personen

↓95

Klasse 2: 29 – 60 Jahre /5893 Personen

Klasse 3: 61 Jahre und älter /3315 Personen

Die Anteilswerte der Klassen betragen:

↓96

Klasse 1:15,23%

Klasse 2: 54,25%

Klasse 3: 30,52%

↓97

Bei einer Befragung von insgesamt 219 Personen ergibt sich folgende Fehlerquote:130

Klasse 1:10% bei 33 Personen

Klasse 2:10% bei 120 Personen

↓98

Klasse 3:10% bei 66 Personen.

Entsprechend der Bevölkerungsstruktur sollte der Anteil der Männer und Frauen jeweils 50% betragen.131

Diese Untersuchung bezieht sich auf das Jahr 2001 und wurde im Jahr 2003 durchgeführt. Die Samplezusammensetzung befindet sich in den Anlagen.

↓99

Als Erhebungsmethode wurde entsprechend der Methodik des social process audit die Gruppendiskussion oder das Interview auf der Basis eines Leitfadens gewählt. Aus Gründen mangelnder Beteiligung konnten jedoch nur Einzel- bzw. Gruppeninterviews durchgeführt werden. Die Leitfadenkonstruktion hat den Vorteil, die Themenaspekte zu umreißen und dem offenen Charakter des Interviews besser zu entsprechen als ein umfangreicher Fragenkatalog, der zum „Abarbeiten“ zwingt. Es wird leichter, eine Vertrauenssituation herzustellen. Der Leitfaden für die Befragung der Benutzer beinhaltete folgende Fragen:

Aus welchen Gründen kommen Sie in die Bibliothek? Warum brauchen Sie die Bi b liothek und ihre Mitarbeiter? Hat die Bibliothek einen Einfluss auf

↓100

Welchen Nutzen hat für Sie die Bibliothek?

Haben Sie durch die Bibliothek etwas erreichen können, was Sie sonst nicht erreicht hätten?

Nachstehend aufgeführte Fragen bildeten den Leitfaden für die Untersuchung mit den Stadtvertretern, leitenden Verwaltungsangestellten, Bibliotheksmitarbeitern und Einwohnern.

↓101

Wenn es die Bibliothek nicht gäbe, würde den Wolgastern etwas fehlen? Aus we l chen Gründen soll es die Bibliothek geben? Für wen? Kennen Sie Menschen, die gesagt haben, dass sich durch die Bibliothek in ihrem Leben e t was positiv verändert hat? Hat die Bibliothek einen entscheidenden Stellenwert im Leben, d.h. war es möglich, etwas zu erreichen, was ohne die Bibliothek nicht möglich gewesen wäre? Was leistet die Bibliothek, was sonst ke i ner leistet? Haben Sie durch die Bibliothek etwas erreichen können, was Sie sonst nicht erreicht hätten?

Das Interviewverfahren sollte durch eine Gradwanderung zwischen „den Teilnehmer möglichst viel ohne Unterbrechung reden lassen“ und „Wirkungen erfassen“ (Ziel des Gesprächs) bestimmt sein. Es konnte mit Erfolg umgesetzt werden, weil

↓102

Die Einzel- bzw. Gruppeninterviews wurden zunächst in der Aufbereitungsphase transkribiert. Die im Anhang vorliegenden Aufzeichnungen sind nicht sprachbereinigt. Dies wurde so gehandhabt, um die Ursprünglichkeit der Interviews zu dokumentieren.132 In einer ersten Aufbereitungsphase wurden die themenrelevanten Aussagen paraphrasiert. Unter der Fragestellung: „Was sind Wirkungen der Stadtbibliothek Wolgast?“ wurde unterschieden in „allgemeine Äußerungen zum Stellenwert der Bibliothek, die im Kontext mit dem derzeitig angebotenen Leistungsspektrum der Bibliothek stehen und einen Bezug zur Stadt bzw. einen persönlichen Bezug zu den Einwohnern der Stadt“ haben, Äußerungen zu „erwünschten Wirkungen“ und zu „erzielten Wirkungen“. 133 Durch das Erstellen der Paraphrasen zu themenrelevanten Kernaussagen wird es möglich, mit den Aussagen weiter zu arbeiten, weil sie an Übersichtlichkeit gewinnen. Jede Paraphrase wurde nochmals unter dem Aspekt geprüft, dass sie der Gesamtheit der gemachten Äußerungen des Interviewten nicht widerspricht. Die so gewonnenen Daten bildeten die Basis für die im Kapitel vier dargelegte Analyse.

Nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über den gesamten Datenbedarf.

Tabelle 4: : Datenbedarf

Datenbedarf

Zweck

absol u te Au s gang s zahlen

Sa m plegr ö ße

erreichte Tei l nehme r zahl

Bestandszahlen, strukturiert nach informationslogistischen Rollen, basierend auf dem

Jahresergebnis 2003

quantitativen Voraussetzungen

Vgl. Anlagen

-

-

Entleihungszahlen, strukturiert nach informationslogistischen Rollen, basierend auf dem

Jahresergebnis 2003

quantitativen Voraussetzungen

Vgl. Anlagen

-

-

Arbeitsblatt Rollenbestimmung

ltd. Verwaltungsangestellte

Stadtvertreter

Mitarbeiter

Funktionsbestimmung für die Stadtbibliothek Wolgast als Grundlage für die Angebotsprofilierung als Zielstellung

6

24

3

(2002)

-

5/6

20/21

3/3

Einzel- und Gruppeninterviews

Einwohner von Wolgast

Altersklasse 1

Altersklasse 2

Altersklasse 3

Wirkungen

1655

5893

3315

(per 31.12.2001)

33

120

66

1

8

5

Einzel- und Gruppeninterviews

Benutzer mit Wohnsitz in Wolgast

Altersklasse 0

Altersklasse 1

Altersklasse 2

Altersklasse 3

Wirkungen

49

93

277

144

(per 31.12.2003)

18

33

100

51

3

4

12

20

Einzel- und Gruppeninterviews

Stadtvertreter

ltd. Verwaltungsangestellte

Bibliothekmitarbeiter

Wirkungen

24

6

3

(per 2002)

24

6

3

13

4

2

Workshop mit den Teilnehmern am Rollenbestimmungsprozess

Stadtvertreter

ltd. Verwaltungsangestellte

Bibliotheksmitarbeiter

Konsensfindung zur

Funktionsbestimmung

24

6

3

(2003)

-

5

1


Fußnoten und Endnoten

81  Vgl. Puntel, L.B., Wahrheitstheorien, 1993, S.7.

82  Vgl. Franzen, W., Wahrheit, 1982, S.19.

83  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 286.

84  Vgl. Philosophie,2004, S.91.

85  Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 295.

86  Vgl. Eberhard, K., Wissenschaftstheorie, 1987, S. 34. Kleining, G., Heuristik, 1995, S.287.

87  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 326.

88  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 78.

89  Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 228.

90  Die Anlagen dieser Arbeit zeigen eine Variation der Zeiten, nachfolgende Ausführungen in diesem Kapitel eine Variation der Fragen.

91  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S.227-249.

92  Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 229.

93  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 263-266.

94  Vgl. Kleining, G., Heuristik, 1995, S. 275-280.

95  Vgl. Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S. 357-358.

96  Ein berechtigtes Interesse haben der Unterhaltsträger und die Gruppe, für die Bibliothek eingerichtet worden ist.

97  Vgl. Seefeldt, J./Syre, L., Portale, 2003, S.51.

98  Vgl. Raumentwicklung, 2001, S.23.

99  Vgl. Klüter, H./Heinz, M., Strukturreform, 2003, S. 41.

100  Wirtschaft, 2002, S.14-15.

101  Vgl. Stadtstatistiken, 2002, o.S.

102  Vgl. Verwaltungsreform, 2003, S.10.

103  Vgl. Umlauf, K., Leistungsmessung, 2003, S.10. Vgl. Myrdal, G., Value, 1958, S.2. Vgl. Matarasso, F., leadership, 2000, S. 41.

104  Vgl. Schneider, R., Abschied 1, 1996, S. 759-764; Vgl. Schneider, R., Abschied 2, 1996, S.831-838; Vgl. Boese, E., Romane, 1997, S. 6-8.

105  Inhalte sind in verkürzter Wiedergabe: Nahrung, Sicherheit, Zugehörigkeit, Achtung, Selbstverwirklichung.

106  Vgl. Baumert, A., Recherchegespräche, 1999, S. 9-13.

107  Vgl. Sprechwissenschaft, 2004, S.127-129.

108  Vgl. Sprechwissenschaft, 2004, S.128.

109  „Offen“ im Sinn von sofortiger Offenlegung der Positionen und „geschlossen“ im Sinn von vorläufiger Zurückhaltung der Positionen am Anfang und auch im weiteren Gesprächsverlauf.

110  Vgl. Linley, R./Usherwood, B., Measures, 1998, S.11.

111  Dieser war, wie im Weiteren dargestellt, nicht herstellbar.

112  Vgl. Role, 1988, S.28-39.

113  Vgl. VanHouse, N./Childers, T., roles, 1994. Vgl. Bischoff-Kümmel, Rollenbestimmung, 1995, S.168.

114  Die in dieser Arbeit verwandten Rollenbezeichnungen für die deutsche Sprache sind etablierte Begriffe und wurden deshalb aus der Literatur übernommen; Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S.72-74.

115  Vgl. Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S.72-74; Vgl. Role, 1988, S.28 –39; Vgl. Bischoff-Kümmel, Rollenbestimmung, 1995, S.142-191.

116  Vgl. Schneider, R., Abschied 2, 1996, S.832.

117  Vgl. Role, 1988, S.28 –39; Vgl. Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S.72-74.

118  Vgl. Bischoff-Kümmel, Rollenbestimmung, 1995, S.142-191.

119  Zum Versuch einer Konsenserzielung: Entsprechend der Methodik des social process audit wurden alle Stadtvertreter und alle leitenden Verwaltungsangestellten zu einer Diskussionsrunde zum Thema: „Entwicklung der Bibliothek zu einer Bibliothek mit Profil“ eingeladen. Dieser Workshop fand am 10.07.03 mit fünf von sechs leitenden Verwaltungsangestellten statt. Ziel war es, einen Konsens zum Auftrag der Stadtbibliothek Wolgast zu erreichen, der im Kontext zu den Zielen der Stadt steht. Ausgangspunkt sollten hier die Positionen der einzelnen Gruppen sein, die durch das Arbeitsblatt ermittelt worden waren. Im Weiteren sollte ein erster Zwischenbericht, der in Auswertung der Interviews mit den Stadtvertretern, leitenden Verwaltungsangestellten, Bibliotheksmitarbeitern und Einwohnern erstellt worden war, diskutiert werden. Den Aussagen der Forscherin, dass das Profil bestimmt wird durch einen Konsens der Interessengruppen, standen folgende Kernaussagen der leitenden Verwaltungsangestellten gegenüber: Die Stadtbibliothek soll sich am Markt orientieren und marktwirtschaftliche Gesichtspunkte unter dem Aspekt der Refinanzierbarkeit berücksichtigen. Die Beurteilung der Leistung der Stadtbibliothek wird von ihrer Behauptung am Markt abhängig gemacht. Die Profilbildung erfolgt nach den Marktgesetzen und nicht nach politischen Zielsetzungen, d.h. nicht politische Entscheidungsträger, sondern die Anforderungen der Kunden entscheiden über das Bibliotheksprofil. Die leitenden Verwaltungsangestellten betonten nochmals die aus ihrer Sicht zentrale Bedeutung der Rolle „Zentrum populärer Medien“.

120  Im Fall eines Diskurses zur Konsensfindung würde jede Interessengruppe auch nur mit „einer Stimme“ sprechen. Nur wenn alle stakeholder- Gruppen gleichberechtigt zusammenwirken können, ist ein Zusammentreffen in Bezug auf eine Konsensfindung/eine gemeinsame Lösung eines Problems sinnvoll.

121  Vgl. Bischoff-Kümmel, Rollenbestimmung, 1995, S. 191; Vgl. Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S.72-74; Vgl. Role, 1988, S.95.

122  Besteht zum Beispiel die Gruppe W 2 hauptsächlich aus Ratgebern für den Kleingärtner oder die Gruppe W 3 aus Ratgebern für den Haustierfreund, dann wurde die gesamte Gruppe der Rolle „Zentrum populärer Medien“ zugeordnet. Dies wurde so gehandhabt, weil die Mediengattung „Ratgeber“ zeigt, dass die mediale Funktion der Bestandgruppe mit dem Ausdruck „Hobby“ beschrieben werden kann und damit der informationslogistischen Rolle „Zentrum populärer Medien“ entspricht.

123  Sie bezieht sich auf die Jahresbestandszahl und Jahresentleihungszahl 2003 ohne Zeitschriftenbestand und Zeitschriftenentleihungen.

124  Die Rolle „Zentrum populärer Medien“ kennzeichnet das beispielhafte Merkmal „populäre Sachbücher“. Die Rolle „Individuelles Bildungszentrum“ charakterisiert die mediale Funktion der Bestandsgruppe „Wissenspopularisierung“. Diese mediale Funktion findet, wie in Abbildung fünf ersichtlich, auch ihren Ausdruck in der Mediengattung „populäres Sachbuch“. Der Unterschied zu den populären Sachbüchern, die die Rolle „Zentrum populärer Medien“ beschreiben, besteht darin, dass hier die Sachbücher, die vordergründig praktischer Anwendung dienen, gemeint sind. Populäre Sachbücher ohne diesen Bezug charakterisieren die Rolle „Individuelles Bildungszentrum“.

125  Vgl. Umlauf, K., Bestandsaufbau, 1997, S.75-76.

126  Nur diese Bibliotheksbenutzer haben ein berechtigtes Interesse. Die Berechtigung eines Interesses entsteht aus der Tatsache, dass diese Bibliothek für diese Personengruppen geschaffen worden ist. Die Auswahl der stakeholder ergibt sich auch daraus, das der Maßstab für die erzielten Wirkungen die erwünschten Wirkungen sind. Sie sind deshalb ein Maßstab, weil sie ein Konsens validieren sollte. Damit gilt dieser Maßstab nur im Einflussbereich der Teilnehmer, die den Konsens für sich ausgehandelt haben.

127  Diese Befragungen fanden im Jahr 2002 statt. Vgl. Anlagen.

128  Das Losverfahren fand in der Stadtbibliothek statt und das Intervallverfahren wurde durch das Einwohnermeldeamt der Stadt Wolgast mit dem Programm MESO durchgeführt.

129  Vgl. Stachnik, I., Besucherbefragung, 1995, S.45.

130  Vgl. Stachnik, I., Besucherbefragung, 1995, S.45.

131  Der Anteil der weiblichen Bevölkerung an der Gesamtzahl der Einwohner betrug im Jahr 2001 51,28%, der Anteil der männlichen Bevölkerung 48,72%.

132  Selbst Sätze, deren Sinn kaum erfassbar ist, wurden so, wie sie ausgesprochen wurden, in Schriftform übertragen. In wenigen Ausnahmefällen wurden aus Gründen der Verständlichkeit Wörter hinzugefügt. Diese stehen in eckigen Klammern. Die Wörter des Interviewers sind nicht transkribiert worden. Falls zur Verständlichkeit erforderlich, sind die angesprochenen Themen kursiv gekennzeichnet.

133  Zwecks besserer Übersichtlichkeit sind die Äußerungen farbig markiert. Wiederholt sich der Interviewte, sind diese Statements nicht in jedem Fall nochmals gekennzeichnet.



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09.07.2007