4 Ergebnisse

↓48

4.1  Störungsspezifische Defizite bei OCD- und MD-Patienten

4.1.1  Vergleich der neuropsychologischen Leistungen von OCD-Patienten, MD-Patienten und gesunden Kontrollpersonen auf der Ebene kognitiver Domänen 

In Tabelle 4-1 sind die Gruppenmittel der drei Untersuchungsgruppen in den sieben kognitiven Domänen aufgeführt.

↓49

Tabelle 4-1: Kognitive Leistungen in sieben kognitiven Domänen bei gesunder Kontrollgruppe, OCD-Patienten und MD-Patienten (z-standardisierte Mittelwerte, Standardabweichungen)

Kon
(n = 40)

OCD-Patienten (n = 40)

MD-Patienten
(n = 20)

M

SD

M

SD

M

SD

Alter

35,20

11,10

33,00

8,87

39,10

7,68

Verbales Gedächtnis

0,00

0,87

-0,18

0,89

-0,46

1,08

Visuelle Organisation

0,00

0,62

-0,55

1,16

-0,09

0,75

Visuelles Gedächtnis

0,00

1,00

-0,50

1,14

-0,40

0,90

Verzögerter räumlicher Abruf

0,00

0,85

-0,49

0,97

-0,55

0,70

Problemlösen/Arbeitsgedächtnis

0,00

1,00

-0,62

1,42

0,04

1,00

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

0,00

0,85

-0,40

1,08

-0,32

0,88

Verbale Flüssigkeit

0,00

0,92

-0,54

0,98

-0,73

0,92

Erläuterungen: 
Kon : Kontrollgruppe; OCD: zwangserkrankte Patienten; MD: Patienten mit unipolarer Depression

Die Kovarianzanalyse mit Messwiederholung zur Überprüfung globaler Gruppenunterschiede bei Kontrolle für die Variable Alter ergab einen signifikanten Domänenfaktor sowie einen signifikanten Gruppenfaktor (Tabelle 4-2). Die Einzelkontraste über den Gruppenfaktor verdeutlichen, dass sich die Gruppe der OCD-Patienten bedeutsam von der Kontrollgruppe unterschied, während der Gruppenunterschied der MD-Patienten gegenüber der Kontrollgruppe das Signifikanzniveau knapp überschritt. Die beiden Patientengruppen unterschieden sich in ihrem Leistungsniveau bedeutsam voneinander. Die Interaktion Gruppe x Domäne erwies sich nicht als signifikant. Somit bestehen keine Unterschiede in den kognitiven Leistungsprofilen, wenn man die drei Gruppen insgesamt betrachtet. Werden allerdings nur die beiden Patientengruppen (OCD vs. MD) in einer ANCOVA einander gegenüber gestellt, ergibt sich neben einem bedeutsamen Gruppeneffekt (F = 2,708; df = 6; p = 0,014) auch eine signifikante Interaktion (F = 2,522; df = 6; p = 0,021). Dies bedeutet, dass sich die Profilverläufe von OCD und MD-Patienten über die untersuchten Domänen hinweg bedeutsam unterschieden.

Tabelle 4-2: Ergebnisse der ANCOVA mit Messwiederholungen über Leistungen in sieben kognitiven Domänen von Kontrollgruppe, OCD-Gesamtgruppe und MD-Patientengruppe (Korrektur für Alter)

F

df

p

Domäne (siebenstufiger Faktor)

2,633

6

0,016*

Gruppe (dreistufiger Faktor)

11,982

2

0,000**

Kon vs OCD

0,000**

Kon vs. MD

0,078

OCD vs. MD

0,033*

Interaktion Domäne x Gruppe

1,273

12

0,170

Erläuterungen: 
*: p ≤ ,05, **: p ≤ ,01

↓50

Die ANCOVAs über die sieben kognitiven Domänen mit Alter als Kovariate (Tabelle 43) ergaben bedeutsame Gruppeneffekte für alle Domänen mit Ausnahme der Domäne Verbales Gedächtnis.

Tabelle 4-3: Ergebnisse der Kovarianzanalysen und Paarkontraste über die sieben kognitiven Domänen mit Alter als Kovariate

ANCOVA

Paarvergleiche

OCD vs. Kon

MD vs. Kon

OCD vs. MD

F

df

p

p

d

p

d

p

d

Verbales Gedächtnis

1,249

2

0,291

0,266

0,20

0,147

0,53

0,585

-0,42

Visuelle Organisation

5,589

2

0,005**

0,003**

0,89

0,979

0,14

0,015*

0,74

Visuelles Gedächtnis

3,305

2

0,038*

0,011*

0,50

0,359

0,40

0,359

0,10

Verzögerter räumlicher Abruf

4,309

2

0,016*

0,007**

0,57

0,054

0,64

0,763

-0,07

Problemlösen/

Arbeitsgedächtnis

5,346

2

0,006**

0,008**

0,62

0,550

-0,04

0,007**

0,66

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

4,254

2

0,017*

0,006**

0,47

0,634

0,37

0,075

0,10

Verbale Flüssigkeit

4,678

2

0,012*

0,011*

0,54

0,014*

0,73

0,695

-0,21

Erläuterungen: Kon: Kontrollgruppe; OCD: zwangserkrankte Patienten; MD: Patienten mit unipolarer Depression; * : p ≤ 0,05;
**: p ≤ 0,01; d: Effektmaß (standardisiert an SD der gesunden Kontrollstichprobe)

Hinsichtlich der Paarkontraste zeigten sich signifikante Gruppenunterschiede der OCD-Patienten gegenüber der gesunden Kontrollgruppe in allen Domänen außer im Bereich der Verbalen Lern- und Gedächtnisleistungen. Dies entspricht den unter 3.4.1 formulierten statistischen Vorhersagen. Die MD-Patienten erbrachten erwartungsgemäß geringere Leistungen in der Domäne Verbale Flüssigkeit und unterschieden sich, entgegen der statistischen Vorhersage in der Domäne Verzö gerter räumlicher Abruf, marginal von den Kontrollprobanden. Anders als erwartet wiesen sie keine Leistungsdefizite in den Domänen Verbales Gedächtnis, Visuelles Gedächtnis bzw. Visuomotorik/Auf merksamkeitswechsel auf. Signifikante Leistungsunterschiede zwischen OCD- und MD-Patienten ergaben sich für die Domänen Visuelle Organisation und Problemlösen/Arbeitsgedächtnis. Entgegen der Erwartungen unterschieden sich die Patientengruppen nicht hinsichtlich der Domäne Verzögerter räumlicher Abruf. Die vorhergesagte Leistungsminderung beider Patientengruppen gegenüber der Kontrollgruppe ließ sich für die Domäne Verbale Flüssigkeit, nicht aber für die Domäne Visuomotorik/Aufmerksamkeitswechsel bestätigen (siehe auch Übersicht in Tabelle 4-1, S. 67). In Abbildung 41 sind die Profilverläufe der drei Untersuchungsgruppen in Form der realen (Abbildung 41a) als auch der alterskorrigierten Domänenmittelwerte (Abbildung 41b) dargestellt. Grau unterlegt sind die Domänen, in denen die OCD-Patienten signifikante Leistungsminderungen gegenüber der gesunden Kontrollgruppe sowie den MD-Patienten, im Sinne krankheitsspezifischer Defizite, aufwiesen.

↓51

Abbildung 4-1: Profilverläufe der Untersuchungsgruppen über sieben kognitive Domänen: a) unkorrigierte Domänenmittelwerte, b) für Alter korrigierte Domänenmittelwerte

Erläuterungen: Negative z-Werte stellen schlechtere Leistungen gegenüber der Kontrollgruppe dar. BDI: Beck-Depressions-Inventar; VER-GE: „Verbales Lernen und Gedächtnis“; VIS-ORG: „Visuelle Organisation“; VIS-GED: „Visuelles Gedächtnis“; VERZ-R-ABR: „Verzögerter räumlicher Abruf“; PROB: „Problemlösen/Arbeitsgedächtnis“; VIS-MOT-AW: „Visuomotorik/Aufmerksamkeitswechsel“; VERB-FLU „Verbale Flüssigkeit“ ;
grau unterlegt: Domänen mit krankheitsspezifischem Defizit der OCD-Patienten (OCD> Kon/MD und MD = Kon bei p ≤ 0,05)

4.1.2 Vergleich von OCD-Patienten, MD-Patienten und gesunden Kontrollpersonen auf Einzeltestebene 

In Tabelle 4-4 sind die Ergebnisse der explorativ durchgeführten Kovarianzanalysen über alle Einzeltestergebnisse der sieben verwendeten Testverfahren dargestellt, darunter auch Einzeltests, die nicht in die zuvor analysierten Domänenscores eingegangen waren. Die zur Bildung der einzelnen Domänenscores verwendeten Parameter sind durch hochgestellte Ziffern gekennzeichnet. Es wurden jeweils die Leistungen von gesunder Kontrollgruppe, OCD-Gesamtgruppe sowie MD-Gruppe miteinander verglichen, wobei das Alter als Kovariate kontrolliert wurde. Neben dem Gesamtgruppeneffekt wurden jeweils drei Paarkontraste berechnet. Die Ergebnisse jedes Kontrastes werden als unabhängig voneinander betrachtet, weshalb das Signifikanzniveau pro Einzelkontrast bei p ≤ 0,05 festgelegt wurde.

Tabelle 4-4: Statistische Gruppenvergleiche über Einzeltestergebnisse von gesunder Kontrollgruppe, OCD-Gesamtgruppe und MD-Gruppe

 

Kontrollgruppe
(n = 40)

OCD
(n = 40)

MD
(n = 20)

COVA

Einzelvergleiche

OCD vs. Kon

MD vs. Kon

OCD vs. MD

 

M

SD

M

SD

M

SD

F

p

p

P

p

VLMT

Korrekte Wörter 1.- 5. Lerndurchgang 1)

61,23

5,47

58,98

7,21

58,30

7,34

1,778

0,174

0,081

0,197

0,895

Korrekte Wörter nach Interferenzliste 1)

13,05

1,92

12,42

2,02

11,80

2,31

2,293

0,106

0,124

0,052

0,488

Korrekte Wörter mittelfristiger Abruf 1)

12,90

2,01

12,82

2,00

12,35

2,08

0,236

0,791

0,711

0,501

0,713

Korrekte Wörter Wiedererkennen 1) 

14,23

1,17

14,30

1,07

13,80

1,70

0,538

0,586

0,943

0,357

0,334

Korrekte Wörter Interferenzliste

8,63

1,86

7,43

2,19

7,30

1,59

4,801

0,010**

0,007**

0,019*

0,875

VOT (Hooper):

Rohwerte 2)

25,18

2,63

23,96

3,39

25,38

3,59

3,527

0,033*

0,036*

0,523

0,022*

RCFT

Kopie Rohwert 2)

34,98

1,05

34,32

2,08

35,03

1,30

3,328

0,040*

0,035*

0,624

0,030*

Kopie Organisationspunkte 2)

4,40

1,75

3,41

2,17

3,70

1,72

2,823

0,064

0,021*

0,223

0,504

Kopie Bearbeitungszeit (s)

158,12

60,28

198,20

73,72

190,81

77,81

3,896

0,024*

0,007**

0,160

0,405

Verzögerter Abruf Rohwert 3)

21,64

5,83

18,74

6,76

19,33

5,26

3,353

0,039*

0,011*

0,359

0,248

Verzögerte Reaktionsaufgabe

Median der Distanzen bei 5-s-Distraktion (in Pixel )4)

43,23

20,83

54,97

22,27

58,42

19,92

5,132

0,008**

0,004**

0,027*

0,837

Median der Distanzen bei 15-s-Distraktion (in Pixel )4)

57,45

21,43

66,26

27,40

65,20

17,06

2,517

0,086

0,029*

0,547

0,227

Median Reaktionszeit bei 5-s-Distraktion (s)

1327

410

1326

410

1701

434

5,750

0,004**

0,640

0,005**

0,002**

Median Reaktionszeit bei 15-s-Distraktion (s)

1325

410

1325

410

1784

507

8,707

0,000**

0,324

0,001**

0,000**

“Tower-of-London”-Aufgabe:

Anzahl korrekter Lösungen

(max. 12)

9,93

1,69

8,85

2,44

10,15

1,76

4,550

0,013*

0,015*

0,547

0,010**

Mittlere Bearbeitungszeit

über 12 Durchgänge

15,47

11,41

19,96

18,89

16,30

9,97

2,262

0,110

0,075

0,736

0,079

Effizienz (E-Index) 5)

0,00

1,68

1,03

2,38

-0,06

1,68

5,346

0,006**

0,008**

0,550

0,007**

Impulsivität (I-Index)

0,00

1,09

0,24

2,01

-0,21

0,94

0,261

0,771

0,582

0,831

0,515

TMT

TMT-A (s) 6)

24,83

7,75

27,44

10,23

26,16

9,16

2,423

0,094

0,054

0,851

0,084

TMT-B (s) 6)

58,02

22,28

68,84

24,34

68,32

23,51

3,718

0,028*

0,008**

0,305

0,247

 

Kontrollgruppe
(n = 40)

OCD
(n = 40)

MD
(n = 20)

COVA

Einzelvergleiche

OCD vs. Kon

MD vs. Kon

OCD vs. MD

 

M

SD

M

SD

M

SD

F

p

p

P

p

RWT

Wörter mit "S" á 2 min 7)

26,90

6,97

22,88

6,32

22,42

6,75

4,782

0,010**

0,008**

0,015*

0,803

Wörter mit "A" á 2 min 7)

20,88

6,09

17,75

5,56

17,58

4,63

3,888

0,024*

0,014*

0,034*

0,911

Wörter mit "N" á 2 min 7)

17,90

5,59

16,43

5,35

14,11

4,74

3,419

0,037*

0,217

0,011*

0,114

Wörter mit "S", "A", "N" á 2 min

65,68

15,89

57,08

15,76

54,10

15,10

4,563

0,013*

0,013*

0,014*

0,662

Wörter mit "S", "A", "N" 1. Minute

41,15

8,89

36,38

9,97

34,74

9,13

3,913

0,023*

0,019*

0,026*

0,724

Wörter mit "S", "A", "N" 2. Minute

24,53

8,21

20,69

7,28

19,37

7,20

3,793

0,026*

0,021*

0,029*

0,733

Wörter mit "G" und "R" im Wechsel á 2 min

24,33

5,16

22,40

6,67

23,44

5,83

1,267

0,286

0,119

0,694

0,386

Erläuterungen:Kon : Kontrollgruppe , OCD zwangserkrankte Patienten insgesamt; MD: Patienten mit unipolarer Depression; BDI: Beck-Depressions-Inventar; VLMT: Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest; RCFT: Rey Complex Figure Test; VOT: Visueller Organisationstest (Hooper); TMT: Trail-Making-Test; RWT: Regensburger Wortflüssigkeitstest; 1) Domäne „Verbales und Gedächtnis“; 2) Domäne „Visuelle Organisation“; 3) Domäne „Visuelles Gedächtnis“; 4) Domäne „Verzögerter räumlicher Abruf“; 5) Domäne „Problemlösen/Arbeitsgedächtnis“; 6) Domäne „Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel“; 7) Domäne„Verbale Flüssigkeit“; * : p ≤ 0,05; **: p ≤ 0,01

4.2 Einfluss der Depressivität auf die kognitiven Leistungen der OCD-Patienten 

4.2.1  Vergleich kognitiver Leistungen von hoch- und niedrigdepressiven OCD-Patienten auf der Ebene kognitiver Domänen

↓52

Die ANOVA mit Messwiederholung über die kognitiven Leistungen der nach Mediansplit hochdepressiven (BDI > 15) und niedrigdepressiven OCD-Subgruppen (BDI ≤ 15) ergab weder einen signifikanten Haupteffekt, noch eine bedeutsame Interaktion (Tabelle 4-5).

Tabelle 4-5: Ergebnisse der ANOVA mit Messwiederholungen über Leistungen in sieben kognitiven Domänen von hochdepressiven OCD-Patienten (BDI>15) und niedrigdepressiven OCD-Patienten (BDI≤15)

 Varianzquelle

F

df

p

Domäne (siebenstufiger Faktor) 1

0,963

6

0,451

Gruppe (zweistufiger Faktor) 2

0,016

1

0,902

Interaktion Domäne x Gruppe

0,632

6

0,705

Tabelle 4-6: Kognitive Leistungen in sieben kognitiven Domänen bei hoch depressiven und niedrigdepressiven OCD-Patienten (z-standardisierte Mittelwerte, Standardabweichungen)

OCD-Patienten

(n = 40)

OCD/BDI-h BDI

(n = 20)

OCD/BDI-n

(n = 20)

OCD/BDI-h vs. OCD/BDI-n

M

SD

M

SD

M

SD

t

p

BDI

15,0

8,4

22,0

4,6

7,9

4,4

-10,03

0,000**

Verbales Gedächtnis

-0,18

0,89

-0,26

0,98

-0,09

0,80

-0,609

0,546

Visuelle Organisation

-0,55

1,16

-0,44

1,06

-0,66

1,28

-0,615

0,542

Visuelles Gedächtnis

-0,50

1,14

-0,45

1,14

-0,55

1,18

-0,264

0,793

Verzögerter räumlicher Abruf

-0,49

0,97

-0,41

1,11

-0,67

0,78

1,179

0,246

Problemlösen/

Arbeitsgedächtnis

-0,62

1,42

-0,78

1,58

-0,45

1,25

-0,736

0,466

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

-0,40

1,08

-0,40

1,20

-0,40

0,98

0,001

0,999

Verbale Flüssigkeit

-0,54

0,98

-0,53

1,12

-0,55

0,85

-0,47

0,963

Erläuterungen: 
BDI: Beck-Depressions-Inventar; Kon: Kontrollgruppe; OCD/BDI-h: zwangserkrankte Patienten mit BDI > 15; OCD/BDI-n: zwangserkrankte Patienten mit BDI ≤ 15; ** p ≤ ,01

↓53

Auf Ebene der einzelnen Domänen waren geringere Gruppenmittel in der hochdepressiven Gruppe in den Bereichen Verbales Gedächtnis, Visuomotorik/Aufmerksamkeitswechsel sowie Verbale Flüssigkeit erwartet worden, jedoch ließen sich diese Vorhersagen nicht bestätigen. In keiner Domäne zeigten sich bedeutsame Gruppenunterschiede (s. Tabelle 4-6).

Abbildung 4-2: Kognitive Leistungen von hochdepressiven und niedrigdepressiven OCD-Patienten in sieben Domänen

Erläuterungen:Negative z-Werte stellen schlechtere Leistungen gegenüber der Kontrollgruppe dar. BDI: Beck-Depressions-Inventar; VER-GED: „Verbales Lernen und Gedächtnis“; VIS-ORG: „Visuelle Organisation“; VIS-GED: „Visuelles Gedächtnis“; VERZ-R-ABR: „Verzögerter räumlicher Abruf“; PROB-AGED: „Problemlösen/Arbeitsgedächtnis“; VIS-MOT-AW: „Visuomotorik /Aufmerksamkeitswechsel“; VERB-FLU „Verbale Flüssigkeit“

4.2.2 Vergleich kognitiver Leistungen von hoch- und niedrigdepressiven OCD-Patienten auf Einzeltestebene

In Tabelle 4-7 sind die Ergebnisse der hoch- und niedrigdepressiven OCD-Patienten im Vergleich dargestellt. Bis auf die Reaktionszeit in der Verzögerten Reaktionsaufgabe unterschieden sich die Gruppen in keinem der analysierten Einzeltestparameter.

↓54

Tabelle 4-7: Statistische Gruppenvergleiche (zweiseitige t-Tests) über Einzeltestergebnisse von hochdepressiven und niedrigdepressiven OCD-Patienten (Mediansplit bei BDI = 15,5)

Kontrollgruppe
n = 40

OCD
n = 40

OCD / 
BDI-h

n = 20

OCD / 
BDI-n

n = 20

OCD/BDI-h vs.
OCD/BDI-n

 

M

SD

M

SD

M

SD

M

SD

t

p

VLMT

Korrekte Wörter 1.- 5. Lerndurchgang 1)

61,23

5,47

58,98

7,21

58,30

7,80

59,65

6,70

-0,59

0,561

Korrekte Wörter nach Interferenzliste 1)

13,05

1,92

12,42

2,02

12,25

2,17

12,60

1,90

-0,54

0,591

Korrekte Wörter mittelfristiger Abruf 1)

12,90

2,01

12,82

2,00

12,65

2,03

13,00

2,00

-0,55

0,586

Korrekte Wörter Wiedererkennen 1) 

14,23

1,17

14,30

1,07

14,25

1,16

14,35

0,99

-0,29

0,771

Korrekte Wörter Interferenzliste

8,63

1,86

7,43

2,19

7,15

2,28

7,70

2,13

-0,79

0,435

VOT (Hooper):

Rohwerte 2)

25,18

2,63

23,96

3,39

23,67

3,09

24,25

3,73

-0,53

0,599

RCFT

Kopie Rohwert 2)

34,98

1,05

34,32

2,08

34,50

2,19

34,15

2,00

0,52

0,605

Kopie Organisationspunkte 2)

4,40

1,75

3,41

2,17

3,95

1,90

2,90

2,33

1,53

0,134

Kopie Bearbeitungszeit (s)

158,12

60,28

198,20

73,72

195,68

76,54

200,60

72,85

-0,21

0,838

Verzögerter Abruf Rohwert 4)

21,64

5,83

18,74

6,76

19,05

6,80

18,45

6,89

0,27

0,785

Verzögerte Reaktionsaufgabe

Median der Distanzen bei 5-s-Distraktion (in Pixel )4)

43,23

20,83

54,97

22,27

52,29

24,72

57,66

19,79

0,09

0,928

Median der Distanzen bei 15-s-Distraktion (in Pixel )4)

57,45

21,43

66,26

27,40

61,33

32,50

71,19

20,88

-0,39

0,702

Median Reaktionszeit bei 5-s-Distraktion (s ))

1327

410

1326

410

1493

298

1309

232

2,15

0,038*

Median Reaktionszeit bei 15-s-Distraktion (s )

1325

410

1325

410

1488

286

1311

249

2,05

0,048*

“Tower-of-London”-Aufgabe

Anzahl korrekter Lösungen

(max. 12)

9,93

1,69

8,85

2,44

8,70

2,68

9,00

2,25

-0,38

0,703

Mittlere Bearbeitungszeit über 12 Durchgänge

15,47

11,41

19,96

18,89

22,12

22,56

17,80

14,63

0,72

0,477

Effizienz (E-Index) 5)

0,00

1,68

1,03

2,38

1,31

2,66

0,75

2,09

0,74

0,466

Impulsivität (I-Index)

0,00

1,09

0,24

2,01

0,14

2,41

0,34

1,57

-0,31

0,758

TMT

TMT-A (s) 6)

24,83

7,75

27,44

10,23

27,13

10,37

27,76

10,35

-0,19

0,849

TMT-B (s) 6)

58,02

22,28

68,84

24,34

69,38

27,92

67,60

20,85

0,23

0,821

RWT

Wörter mit "S" á 2 min 7)

26,90

6,97

22,88

6,32

23,00

6,58

22,75

6,22

0,12

0,902

Wörter mit "A" á 2 min 7)

20,88

6,09

17,75

5,56

17,50

6,17

18,00

5,02

-0,28

0,780

 

M

SD

M

SD

M

SD

M

SD

t

p

Wörter mit "N" á 2 min 7)

17,90

5,59

16,43

5,35

16,65

6,32

16,20

4,34

-0,28

0,780

Wörter mit "S", "A", "N" á 2 min

65,68

15,89

57,08

15,76

57,21

18,22

56,95

13,50

0,14

0,892

Wörter mit "S", "A", "N" 1. min

41,15

8,89

36,38

9,97

35,84

11,34

36,90

8,74

-0,33

0,745

Wörter mit "S", "A", "N"

2. min 

24,53

8,21

20,69

7,28

21,37

8,56

20,05

5,99

0,56

0,579

Wörter mit "G" und "R" im Wechsel á 2 min

24,33

5,16

22,40

6,67

21,35

6,18

23,45

7,13

0,99

0,326

Erläuterungen:Kon : Kontrollgruppe; OCD: zwangserkrankte Patienten insgesamt; OCD/BDI-h: zwangserkrankte Patienten mit BDI > 15; OCD/BDI-n: zwangserkrankte Patienten mit BDI ≤ 15; BDI: Beck-Depressions-Inventar; VLMT: Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest; VOT: Visueller Organisationstest (Hooper); RCFT: Rey Complex Figure Test; TMT: Trail Making Test; RWT: Regensburger Wortflüssigkeitstest; 1) Domäne „Verbales Gedächtnis“; 2) Domäne „Visuelle Organisation“; 3) Domäne „Visuelles Gedächtnis“; 4) Domäne „Verzögerter räumlicher Abruf“; 5) Domäne „Problemlösen/Arbeitsgedächtnis“; 6) Domäne „Visuomotorik/Aufmerksamkeitswechsel“ , 7) Domäne „Verbale Flüssigkeit“; * : p ≤ 0,05; **: p ≤ 0,01

4.3 Ergebnisse der weiteren explorativen Analysen

4.3.1  Anteil beeinträchtigter OCD-Patienten

In Tabelle 4-8 ist für die sieben kognitiven Domänen der Anteil der OCD-Patienten dargestellt, deren individuelle Domänenscores mehr als eine Standardabweichung unter dem Mittelwert der gesunden Kontrollgruppe lagen. Bei einer Normalverteilung der Leistungen ist davon auszugehen, dass auch die Ergebnisse von ca. 15% der Kontrollprobanden in diesem als beeinträchtigt definierten Bereich liegen.

Bezogen auf die OCD-Patienten insgesamt zeigte sich mit 20% die geringste Rate beeinträchtigter Probanden in der Domäne Verbales Gedächtnis. Maximal waren 30% der OCD-Gesamtgruppe in den drei Domänen Visuelle Organisation, Verzögerter räumlicher Abruf und Verbale Flüssig keit beeinträchtigt. In den Bereichen Verbales Gedächtnis (30%) und Verbale Flüssigkeit (40%) war die Anzahl der beeinträchtigten Patienten in der hochdepressiven OCD-Gruppe deutlich höher als in der niedrigdepressiven OCD-Gruppe, in der die Werte mit 10 bzw. 20% ungefähr der zu erwartenden Rate einer gesunden Kontrollgruppe entsprachen. Insgesamt sind die Defizite der OCD-Patienten als mild einzustufen.

↓55

Tabelle 4-8: Prozentualer Anteil der Patienten mit neuropsychologischen Defiziten (definiert als Normabweichungen >1 SD in Bezug auf die Kontrollgruppe)

Anteil der OCD-Patienten
mit Abweichung > -1 SD von Kon (n = 40)

OCD
Anzahl (%)

n = 40

OCD/BDI-h
Anzahl (%)

n = 20

OCD/BDI-n
Anzahl (%)

n = 20

Verbales Gedächtnis

 8 (20,0)

6 (30,0)

2 (10,0)

Visuelle Organisation

12 (30,0)

5 (25,0)

7 (35,0)

Visuelles Gedächtnis

11 (27,5)

4 (20,0)

6 (30,0)

Verzögerter räumlicher Abruf

12 (30,0)

6 (30,0)

6 (30,0)

Problemlösen/Arbeitsgedächtnis

10 (25,0)

6 (30,0)

4 (20,0)

Visuomotorik/Aufmerksamkeitswechsel

10 (25,0)

4 (20,0)

6 (30,0)

Verbale Flüssigkeit

12 (30,0)

8 (40,0)

4 (20,0)

Erläuterungen: 
BDI: Beck-Depressions-Inventar; OCD: OCD-Gesamtstichprobe; OCD/BDI-h: zwangserkrankte Patienten mit BDI > 15; OCD/BDI-n: zwangserkrankte Patienten mit BDI ≤ 15

4.3.2 Zusammenhang zwischen Schwere der Zwangssymptomatik sowie Depressivität und kognitiven Leistungen in den Patientengruppen 

Die Zusammenhangsanalyse der kognitiven Parameter mit der aktuellen Schwere der Zwangssymptomatik (Y-BOCS) in der OCD-Gesamtgruppe (Tabelle 4-9) ergab eine bedeutsame Korrelation für die Domäne Visuelle Organisation sowie einen grenzwertig signifikanten Wert für die Domäne Visuelles Gedächtnis: Je stärker die Zwangshandlungen, desto schwächer ausgeprägt waren die Leistungen in diesen Bereichen. Weder in der OCD-Gesamtgruppe noch der MD-Gruppe zeigten sich signifikante Korrelationen zwischen neuropsychologischen Leistungen und BDI. Der BDI korrelierte signifikant mit der Stärke der Zwangsgedanken, aber nicht der Zwangshandlungen.

Tabelle 4-9: Korrelationen zwischen neuropsychologischen Leistungen und Schwere der Zwangssymptomatik sowie der Depressivität in den Patientengruppen

OCD
(n = 38)

MD
(n = 20)

Y-BOCS Gesamtscore

Y-BOCS Zwangs gedanken

Y-BOCS
Z
wangs handlungen

BDI-Score

BDI-Score

r

p

r

p

r

p

r

p

r

p

BDI-Score

0,407

0,011 *

0,490

0,002 **

0,255

0,123

-

-

Verbales Gedächtnis

-0,043

0,798

-0,152

0,462

0,061

0,717

-0,021

0,899

0,042

0,860

Visuelle Organisation

-0,276

0,094

-0,265

0,108

-0,324

0,047 *

0,085

0,600

0,102

0,669

Visuelles Gedächtnis

-0,287

0,081

-0,218

0,189

-0,308

0,060

0,145

0,373

-0,152

0,523

Verzögerter räumlicher Abruf

-0,074

0,657

-0,031

0,853

-0,022

0,897

0,200

0,217

-0,202

0,392

Problemlösen/ Arbeitsgedächtnis

-0,061

0,716

-0,115

0,492

-0,031

0,854

-0,026

0,871

0,141

0,553

Visuomotorik/ Aufm.-wechsel

-0,094

0,575

-0,077

0,645

-0,132

0,428

0,067

0,682

0,300

0,198

Verbale Flüssigkeit

-0,079

0,637

-0,079

0,636

-0,135

0,420

-0,123

0,448

0,049

0,836

Erläuterungen :
r: Spearman-Rang-Korrelationen; BDI: Beck-Depressions-Inventar; OCD: zwangserkrankte Patienten; MD: Patienten mit unipolarer Depression; fett: p≤ ,10; *: p ≤ ,05, **: p ≤ ,01 

4.3.3 Zusammenhang zwischen Ersterkrankungsalter und kognitiven Leistungen in der Gruppe der OCD-Patienten

↓56

Zusammenhangsanalysen ergaben, dass in der OCD-Gesamtgruppe das Lebensalter in bedeutsamem Maße mit dem Alter beim Auftreten erster OCD-Symptome korrelierte: die jüngeren Patienten unserer Stichprobe hatten einen früheren Krankheitsbeginn als die älteren. Dies ist vermutlich damit zu erklären, dass sich Patienten mit spätem Beginn auch später in Behandlung begaben und demzufolge auch erst zu diesem Zeitpunkt als StudienteilnehmerInnen in Frage kamen. Nach Kontrolle der Variable Alter fanden sich in keiner Domäne signifikante positive Korrelationen zwischen Ersterkrankungsalter und kognitiven Leistungen, die sich im Sinne stärkerer kognitiver Beeinträchtigungen bei frühem Erkrankungsbeginn interpretieren ließen (Tabelle 4-10). Vielmehr war ein später Krankheitsbeginn eher mit schlechteren kognitiven Leistungen in den Domänen Visuelle Organisation, Verzögerter räumlicher Abruf und Visuomotorik/Aufmerk samkeitswechsel assoziiert, wobei sich lediglich in letztgenannter die Korrelation als signifikant (p = ≤ 0,05) erwies.

Tabelle 4-10: Korrelationen zwischen neuropsychologischen Leistungen in sieben Domänen und Alter beim Auftreten erster OCD-Symptome in der Gruppe der OCD-Patienten (n = 38)

Alter

Alter bei Beginn erster OCD-Symptome

Alter bei Beginn erster OCD-Symptome bei Kontrolle für Alter

r

p

r

p

r

p

Alter bei Beginn erster OCD-Symptome

0,360

0,026*

-

-

Verbales Gedächtnis

-0,426

0,006**

-0,097

0,562

0,067

0,693

Visuelle Organisation

-0,426

0,006**

-0,396

0,014*

-0,276

0,099

Visuelles Gedächtnis

-0,564

0,000**

-0,252

0,126

-0,062

0,714

Verzögerter räumlicher Abruf

-0,346

0,029*

-0,372

0,021*

-0,281

0,092

Problemlösen/
Arbeitsgedächtnis

-0,417

0,007**

-0,260

0,115

-0,130

0,444

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

-0,674

0,000**

-0,557

0,000**

-0,455

0,005**

Verbale Flüssigkeit

-0,053

0,746

-0,044

0,791

0,021

0,903

Erläuterungen :
r: Pearson-Koeffizienten und Partialkorrelationen; BDI: Beck-Depressions-Inventar, *: p ≤ ,05; **: p ≤ ,01

4.3.4 Interkorrelationen kognitiver Leistungsparameter 

Durch die Berechnung der Interkorrelationen zwischen den sieben kognitiven Domänen (Tabelle 4-11) sollte zum einen überprüft werden, ob die Domänen tatsächlich voneinander unabhängige Leistungsbereiche darstellen. Zum anderen erlauben Interkorrelationsmuster bei Patientengruppen, die von denen der Gesunden abweichen, Hypothesen darüber, wie kognitive Defizite miteinander in Zusammenhang stehen könnten.

↓57

Zunächst wird deutlich, dass in allen Untersuchungsgruppen die Domänen Visuelle Organisa tion und Visuelles Gedächtnis miteinander assoziiert waren. Wie die Interkorrelationsmatrix der Kontrollgruppe zeigt, korrelierten dort die beiden Gedächtnisdomänen miteinander. Ansonsten erwiesen sich die Domänen als weitgehend unabhängig voneinander. Dies gilt auch für die MD-Gruppe. In der OCD-Gruppe zeigten sich dagegen deutlich mehr bedeutsame Zusammenhänge, insbesondere zwischen den Domänen, die nichtsprachliche Funktionen überprüfen. Die Domäne Visuelle Organisation war nicht nur mit dem Visuellen Gedächtnis assoziiert, sondern auch mit dem Verzögerten räumlichen Abruf, dem Problemlösen und dem visuomotorischen Bereich.

Tabelle 4-11: Korrelationen (Pearson-Koeffizienten) zwischen den sieben kognitiven Domänen in der OCD-Gesamtgruppe der MD-Gruppe sowie der gesunden Kontrollgruppe

Visuelles Gedächtnis

Visuelle
Organisation

Verzögerter räumlicher Abruf

Probleml./

Arbeits gedächtnis

Visuomot./ Aufmerk samkeits wechsel

Verbale Flüssigkeit

OCD-Patienten

Verbales Gedächtnis

0,463**

0,247

0,062

0,293

0,376**

0,053

Visuelles Gedächtnis

0,644**

0,272

0,415**

0,460**

0,100

Visuelle Organisation

0,374*

0,491**

0,483**

-0,033

Verzögerter räumlicher Abruf

0,350*

0,273

0,076

Problemlösen/

Arbeitsgedächtnis

0,398*

0,154

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

0,207

MD-Patienten

Verbales Gedächtnis

-0,090

0,408

0,116

-0,319

0,499*

0,348

Visuelles Gedächtnis

0,547*

-0,149

0,033

-0,002

-0,046

Visuelle Organisation

-0,041

0,084

0,360

0,154

Verzögerter räumlicher Abruf

0,141

0,255

0,110

Problemlösen/

Arbeitsgedächtnis

-0,094

-0,115

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

0,524*

Kontrollgruppe

Verbales Gedächtnis

0,368*

0,388*

-0,145

-0,056

0,036

0,174

Visuelles Gedächtnis

0,511**

-0,177

0,253

0,227

0,457**

Visuelle Organisation

-0,187

-0,022

0,105

0,332*

Verzögerter räumlicher Abruf

0,101

0,213

-0,252

Problemlösen/

Arbeitsgedächtnis

0,304

0,060

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

0,204

Erläuterungen :
*: p ≤ ,05, **: p ≤ ,01

Hinsichtlich des RCFT wurden zusätzlich die Korrelationen zwischen Organisationsstrategie und Abrufleistung in jeder Gruppe berechnet. Es ergaben sich signifikante Zusammenhangsmaße in der OCD-Gesamtgruppe (n = 40; r = 0,450; p = 0,004) und der Kontrollgruppe (n = 40; r = 0,440; p = 0,006), nicht aber der MD-Gruppe (n = 20; r = -0,441; p = 0,154). In der OCD-Gruppe war auch die Kopieleistung bedeutsam mit dem Abruf korreliert (n = 40; r = 0,444; p = 0,004). Desweiteren ergaben sich in allen Untersuchungsgruppen signifikante Korrelationen zwischen VOT-Wert und dem Abruf im RCFT (OCD: n = 40; r = 0,646; p = 0,000; MD: n = 20; r = 0,462; p = 0,040; Kon: n = 40; r = 0,496, p = 0,011).

4.3.5   Einfluss der familiären Belastung auf die kognitiven Leistungen von OCD-Patienten

↓58

Die explorative Analyse der kognitiven Leistungen von familiär belasteten in Abgrenzung zu familiär nicht belasteten OCD-Patienten (Tabelle 4-12) zeigte, dass sich die Gruppenmittel der Patienten mit Angehörigen ersten Grades, die ebenfalls OCD-Symptome zeigten, in keiner der untersuchten Domänen von denen der Patienten ohne Sekundärfälle in der Familie unterschieden.

Tabelle 4-12: Vergleich der kognitiven Leistungen in sieben kognitiven Domänen von OCD-Patienten mit und ohne Sekundärfälle von OCD-Symptomatik unter Angehörigen ersten Grades (zweiseitige t-Tests)

OCD-unbelastet

OCD-belastet

 

(n = 25)

(n = 15)

OCD-unbelastet vs.

OCD-belastet

M

SD

M

SD

t

p

Verbales Gedächtnis

-0,21

0,85

-0,12

0,98

-0,29

0,771

Visuelle Organisation

-0,55

1,29

-0,55

0,96

-0,01

0,995

Visuelles Gedächtnis

-0,43

1,22

-0,61

1,05

0,46

0,649

Verzögerter räumlicher Abruf

-0,46

1,11

-0,54

0,71

0,27

0,790

Problemlösen/Arbeitsgedächtnis

-0,68

1,39

-0,52

1,50

-0,34

0,734

Visuomotorik/ Aufmerksamkeitswechsel

-0,62

1,14

-0,04

0,89

-1,78

0,084

Verbale Flüssigkeit

-0,50

1,10

-0,61

0,77

0,32

0,752

Erläuterungen: 
OCD-unbelastet: OCD-Patienten ohne Sekundärfälle bzw. unzureichende Information über familiäre Belastung; OCD-belastet: OCD -Patienten mit Sekundärfällen von OCD-Symptomatik unter Angehörigen ersten Grades


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21.01.2008