Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Sozialwissenschaften

Dissertation

Doppelpunkt hinter der Geschichte:
Die Prager Deutschlandpolitik 1990 - 1997

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades doctor philosophiae (Dr. phil.)
Eingereicht an der Philosophischen Fakultät III der Humboldt-Universität zu Berlin

von
Maria Cornelia Raue ,
Master of Science,
geboren am 29. Februar 1968
Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

An den

Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Jürgen Mlynek,

und den

Dekan: der Philosophischen Fakultät III, Prof. Dr. Hartmut Böhme.

Gutachter:
1. Prof. Dr. Gert-Joachim Glaeßner, Humboldt-Universität zu Berlin
2. Prof. Dr. Michál Reiman, Karls-Universität Prag

Eingereicht: 12. September 2000

Datum der Promotion: 29. Januar 2001


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Zusammenfassung

Die tschechisch-deutschen Beziehungen wurden nach den vielversprechenden Gesten der Versöhnung, die der tschechoslowakische Präsident Václav Havel unmittelbar nach seinem Amtsantritt Ende 1989 den sudetendeutschen Vertriebenen entgegenbrachte, schnell von ihrer konfliktreichen Nachbarschaftsgeschichte eingeholt. Eine der wesentlichen Aufgaben der Prager Außenpolitik der neunziger Jahre - insbesondere im Lichte des angestrebten EU-Beitritts - war daher die Klärung der offenen rechtlichen, moralischen und politischen Fragen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Tschechen und Deutschen unbeantwortet geblieben waren. Erst 1997, mit der tschechisch-deutschen Deklaration, sollte es gelingen, einen Schlußstrich unter die virulentesten Fragen zu ziehen, um damit ein von Rechtsansprüchen ungestörtes Verhältnis zwischen beiden Ländern zu ermöglichen.

Wie dieser Erfolg tschechischer Außenpolitik herbeigeführt werden konnte, welche innen- und außenpolitischen Hürden im Laufe dieses Annäherungsprozesses genommen werden mußten und welche Faktoren schließlich ausschlaggebend wurden, sind die Fragen, die in dieser Arbeit beantwortet werden.

Ausgehend von vergleichbaren Versöhnungsprozessen der jüngeren Geschichte und den spezifischen Transformationsbedingungen wird in dieser Arbeit die These geprüft, inwieweit politische Akteure generell eine initiatorische Rolle in der Versöhnungspolitik übernehmen und diese durch ihre politisch-moralischen Überzeugungen nachhaltig prägen. Zugespitzt wird die Frage gestellt, ob nun die dissidentisch geprägte Elite der Anfangsphase oder die pragmatische Funktionselite, die Mitte der neunziger Jahre die Außenpolitik Tschechiens bestimmte, dem deutsch-tschechischen Verhältnis zum Durchbruch verhalf.

Abstract

The book traces the rapprochement policy of the Czecho-Slowak Republic respective Czech Republic towards its German neighbour during the 90s of the 20th century. The promising gestures of reconciliation by the freshly appointed President Václav Havel towards the formerly expelled Sudeten Germans were not answered. More over, Czech-German relations became trapped by their difficult common history already at the beginning of 1990. Thus, one of the main tasks of Prague foreign policy was to settle the open juridical, moral and political questions that date back to the World War II and to which an answer was not found during the Cold War. Only in 1997, the Czech-German Declaration succeeded in settling the most urgent political and juridical problems. The declaration opened up the possibility for a dialogue between Czech and Germans beyond the fear of mutual claims arising from the dreadful past.

How is this successful rapprochement policy to be explained? What kind of domestic and international conditions have fostered these process? Which factors are most powerful in accounting for this fortunate reconciliation politics? These are the questions, the book aims to answer.

Examples from the past as well the specific context of the transition from authoritarian to democratic rule suggest, that political actors and their belief systems have an great impact on processes of reconciliation. Therefore the question is posed, whether the former dissidents, i.e. the political elite of the early 90s, or the later pragmatic elite are the main actors in Czech reconciliation policy.


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Eigene Schlagworte: deutsch-tschechische Beziehungen, Versöhnungspolitik, Tschechien, Vergangenheitsbewältigung, Mittel- und Osteuropa, Außendimension der Transformationsbeziehungen, Nachbarschaftsbeziehungen, Tschechisch-deutsche Deklaration, Politische Akteure, Wechselwirkung von Innen- und Außenpolitik

Keywords: Czech-German relations, Policy of reconciliation, Czech Republik, Rapprochement policy, Central Europe, External Dimension of transition, Czech-German declaration, Political actors, Interaction of domestic and foreign policy


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Widmung:

für Christine Neubert

Inhaltsverzeichnis

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04.08.2004