Lange , Gloria: Bilanzrecht und Ökonomische Theorie des Rechts - Ansatzpunkte und Überlegungen zum § 249 HGB -

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Kapitel 4. Die Eignung der neueren (interdisziplinären) Ansätze zur Rechtfertigung bilanzieller Regelungen

4.1. Entscheidungsorientierte Ansätze

Die entscheidungsorientierten Ansätze gehen davon aus, daß der Bilanzadressat entscheidungsrelevante Informationen in einer bestimmten Entscheidungssituation benötigt. Beispielsweise sind Eigen- und Fremdkapitalgeber des Unternehmens interessiert an Informationen, die ihnen Prognosen über die künftige Liquidität, Gewinnausschüttungen und Kursentwicklungen, sowie die Risiken eines Engagements erlauben.

Mit Aufkommen der Kapitalmarkt- und Finanzierungstheorien wird es als primärer Zweck der Rechnungslegung angesehen, Informationen für Kapital- und Kreditmärkte zu liefern.<279> Für die Akteure auf den Kapital- und Kreditmärkten sind zukunftsorientierte Informationen von Interesse, denn sie stellen der Unternehmung als Eigentümer oder Gläubiger finanzielle Mittel zur Verfügung, ohne unmittelbaren Einblick in die Geschäftsführung und ihre Ergebnisse zu haben. Ist ein Akteur bereits als Eigentümer oder Gläubiger an einem Unternehmen beteiligt oder erwägt er eine künftige Beteiligung, so muß er Entscheidungen darüber treffen, wie Art und Umfang der Beteiligung in der Zukunft aussehen sollen.<280> Dafür ist es auch hier erforderlich Vorstellungen darüber zu entwickeln, wie sich der künftige Zahlungsstrom aus dem Unternehmen wahrscheinlich entwickeln wird, und zwar bezüglich der Höhe, des Zeitpunkts und des Risikos dieses Zahlungsstroms. Die Erwartungen an diesen Zahlungsstrom können dann mit anderen Alternativen oder den ursprünglichen Erwartungen verglichen werden. Der einzelne Akteur kann sein Handeln an die erwartete Situation anpassen, indem er z.B. die Zusammenstellung seines Portfolios ändert, Rechte aus der Beteiligung ausübt oder den Kreditvertrag kündigt.<281>

Die Ansätze der Vermögensgegenstände und Schulden in der Bilanz sollen als Grundlage für diese Prognosen dienen, werden jedoch wegen ihres Vergangenheitsbezugs zur Abbildung künftiger Zahlungsströme überwiegend<282> als ungeeignet angesehen, denn zur Abschätzung künftiger Zahlungsströme müßten die Vermögensgegenstände und Schulden ihre Ertragswertbeiträge erkennen lassen.

4.1.1. Ansätze zur Ergänzung oder zum Ersatz der Bilanz

Die Forderung nach der Bereitstellung von Ertragswerten zwecks Abschätzung künftiger Zahlungsströme stellt den Bezug zum ökonomischen Gewinn her. Es geht letztendlich darum zu bestimmen, wieviel Geld der Unternehmung zugunsten der Bilanzadressaten entzogen werden kann. Da mit Hilfe des Jahresabschlusses weder künftige Zahlungsströme noch der maximal entziehbare Gewinn ermittelt werden kann, sondern nur Hilfsindikatoren zur Verfügung gestellt werden, die im Einzelfall mangels besserer Informationsinstrumente herangezogen werden können, wird im deutschen Schrifttum gefordert, die Bilanz durch andere Instrumente zu ersetzen oder durch Nebenrechnungen zu ergänzen. Damit stellt sich


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die Frage, wie derartige Instrumente aussehen müßten, um dem Adressaten einen Nutzen in einer Entscheidungssituation zu bringen.<283>

4.1.1.1. Der Ansatz von Moxter

Moxter<284> vertritt die Auffassung, daß eine zweckmäßige Bilanztheorie Regeln bieten muß, die zum einen das Ziel der Rechnungslegung nicht aus den Augen verlieren, und zum anderen helfen die praktischen Schwierigkeiten bei der Erreichung dieses Ziels zu überwinden. Daher fordert er relativ stark objektivierte und damit leicht überprüfbare Bilanzierungsregeln. Solche Regeln können jedoch mangels eines Ermessensspielraums für den Bilanzierenden nicht die tatsächlichen Einkommenserwartungen wiedergeben. Diese müssen daher auf andere Weise an die Akteure übermittelt werden.

Angesichts der Unmöglichkeit, mit Hilfe des Jahresabschlusses den ökonomischen (ausschüttungsfähigen) Gewinn zu ermitteln und die Grundlage für entscheidungsorientierte zukunftsbezogene Fragestellungen der Adressaten zu bilden, schlägt Moxter vor, die Bilanz durch ein finanzplanorientiertes Tableau zu ersetzen.<285> Das Tableau zeigt den an der Unternehmung finanziell interessierten Akteuren die zeitliche und sachliche Aufgliederung der künftigen Ein- und Auszahlungen. Die Akteure können dann Dispositionen treffen, um den an sie fließenden Zahlungsstrom zu optimieren.<286>

Das Tableau soll in der Vertikalen in zehn Klassen von Zahlungen nach den Gruppen aufgeteilt werden, die Zahlungen an das Unternehmen leisten bzw. Zahlungen vom Unternehmen erhalten. Als finanziell interessierte und damit in das Tableau aufzunehmende Gruppen werden genannt: Eigentümer, Arbeitnehmer, Management, Geldgläubiger, Lieferanten als Warengläubiger, Staat, Kunden, Beteiligungsunternehmen und Mitgliedschaftsrechte, Dienstleistungen u.ä., Geldschuldner und liquide Mittel. Die vertikale Aufgliederung der Einzahlungen und Auszahlungen soll dann darüber informieren, inwieweit die einzelnen Gruppen zu den Einzahlungen beitragen und wieviel ihn von den Auszahlungen zusteht.<287>

Wie Moxter selbst bemerkt hat, ist das vorgeschlagene finanzplanorientierte Tableau nicht in der Lage den ausschüttungsfähigen Betrag oder den Periodengewinn zu ermitteln, wodurch es zwangsläufig auch nicht die Kapitalerhaltung sicherstellen kann. Dies hält Moxter jedoch für unbeachtlich, weil er meint, daß eine zur Kapitalerhaltung erforderliche Ausschüttungssperre auf andere Weise und dazu wirksamer als in der Rechnungslegung realisiert werden kann,<288> indem Ausschüttungssperrvorschriften konzipiert werden, die sich nur am Liquiditätsaspekt orientieren.<289>


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4.1.1.2. Der Ansatz von Busse von Colbe

Auch Busse von Colbe vertritt die Auffassung, daß der Periodengewinn als Maßgröße den Informationsbedürfnissen der Bilanzadressaten nicht genügen kann.<290> Er schlägt vor, ”neben oder anstelle der sehr komprimierten und unscharf definierten Maßgröße Gewinn mit Hilfe der Kapitalflußrechnung mehrere Maßgrößen zu definieren, die den Informationsbedürfnissen auch im Hinblick auf die Unsicherheit, die allen künftigen für die Entscheidungen relevanten Daten anhaftet, besser entsprechen.“<291>

Die Kapitalflußrechnung zeigt nicht die Bestände an Vermögen und Kapital am Bilanzstichtag, sondern die Veränderungen dieser Bestände, die aus den Zugängen und Abgängen der Periode resultieren. Die Kapitalflußrechnung ist frei von Bewertungsproblemen, wenn sie auf Einnahmen und Ausgaben bei den Güterbewegungen und leistungsfreien Transaktionen, wie beispielsweise den Steuern beruht und auf Ein- und Auszahlungen der Periode aufbaut. Eine diesen Anforderungen genügende retrospektive Kapitalflußrechnung kann leicht überprüft werden. Bei Bedarf kann sie um eine prospektive Kapitalflußrechnung ergänzt werden, die auf der Grundlage erwarteter künftiger Einnahmen und Ausgaben sowie Ein- und Auszahlungen erstellt wird.<292>

Busse von Colbe<293> nennt als wichtigste Informationsgrößen, welche die Kapitalflußrechnung neben dem Jahresabschluß liefern kann:

  1. Überschuß der Umsatzerlöse über Ausgaben, insbesondere für Personal, Material, Fremdleistungen und Abgaben (betriebliche Nettoeinnahmen).
  2. Ausgaben für Finanz- und Sachanlageinvestitionen sowie für immaterielle Investitionen.
  3. Finanzbedarf als Saldo des Überschusses der Investitionsausgaben über die betrieblichen Nettoeinnahmen.
  4. Außenfinanzierung durch Eigen- und Fremdkapital.
  5. Veränderungen der liquiden Mittel, ggf. abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  6. Ausschüttungen an die Gesellschafter.

Busse von Colbe unterteilt die retrospektive Kapitalflußrechnung in vier Bereiche. Von diesen stehen sich Umsatzbereich und Anlagenbereich auf der einen und der Kapitalbereich und der Geldbereich auf der anderen Seite gegenüber: Im Umsatzbereich werden die betrieblichen Nettoeinnahmen durch Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen (Umsatzerlöse und sonstige Erträge) und der Betriebsausgaben zuzüglich der gewinnabhängigen Steuern ermittelt. Die betrieblichen Nettoeinnahmen werden den Nettoanlageinvestitionen des Anlagenbereichs gegenübergestellt. Die Nettoanlageinvestitionen ergeben sich aus der Differenz zwischen Kauf und Verkauf von Anlagen. Der Saldo aus Nettoanlageinvestitionen und betrieblichen Nettoeinnahmen ergibt den Finanzbedarf der Unternehmung.<294>

Geldbereich und Kapitalbereich zeigen, wie der Finanzbedarf gedeckt wird. Im Kapitalbereich werden Einzahlungen und Auszahlungen gegenübergestellt, die sich aufgrund der Einlage von Eigen- und Fremdkapital und der Rückzahlung von Kapital, einschließlich Aus-


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schüttungen, ergeben. Dadurch wird die Außenfinanzierung ermittelt. Der Saldo von Außenfinanzierung und Finanzbedarf entspricht der Änderung der liquiden Mittel im Geldbereich.

4.1.1.3. Die ergänzte Mehrzweckbilanz von Heinen und die disaggregierte Informationsübertragung

Im deutschsprachigen Schrifttum unterbreitet Heinen<295> den Vorschlag, eine ergänzte Mehrzweckbilanz zu entwickeln. Der Ansatz verfolgt das Ziel, ein bilanzielles Grundmodell zu entwickeln, das den verschiedenen Informationsanforderungen unterschiedlicher Bilanzinteressenten gerecht wird. Das Grundmodell soll durch relativ geringfügige Ergänzungen bzw. Modifikationen weitere Informationen liefern können, die auf die jeweilige Entscheidungssituation der Informationsempfänger abgestimmt sind. Heinen deutet an, der handelsrechtliche Jahresabschluß könne das Grundmodell der ergänzten Mehrzweckbilanz darstellen, da er sich aufgrund der Intention des Gesetzgebers mehrere Bilanzzwecke für verschiedene Bilanzadressaten zu erfüllen, dazu anbietet. Für den Fall, daß die handelsrechtliche Bilanz ohne Änderungen nicht geeignet sein sollte als Grundmodell zu dienen, wird von Heinen<296> folgendes vorgeschlagen:

Heinen hofft, mit Hilfe einer ergänzten Mehrzweckbilanz könnten ”die engen Grenzen der Bilanztheorie zugunsten einer umfassenden Theorie der Kommunikationsbeziehungen in der Unternehmung und mit ihrer Umwelt“ überwunden werden.<297>

In den USA wird zur Überwindung der Informationsdefizite des aggregiert ermittelten Gewinns und der Unkenntnis der Bilanzadressaten und ihrer Entscheidungssituationen vereinzelt gefordert, daß disaggregierte Daten übertragen werden sollen.<298> Weil nicht bestimmt werden kann, welche Informationen der Bilanzadressat benötigt, und wie der Gewinn richtig zu ermitteln ist, wird es als zweckmäßig angesehen, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen. Der Ansatz ist - ebenso wie der von Heinen - bisher auf keine große Resonanz gestoßen. Der Grund wird bei der Übertragung disaggregierter Daten darin vermutet, daß es schwer ist zu sagen, welche Ereignisse aussagekräftig sind. Außerdem wird vorgetragen, es sei sowieso notwendig, den Gewinn und andere Größen zu berechnen.<299>


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4.1.2. Informationsökonomische Arbeiten zur Ordnung von Informationssystemen

Ausgehend von der Erkenntnis, daß die existierenden Mittel zur Informationsübermittlung nicht ausreichen, um die Informationsbedürfnisse aller Akteure zu befriedigen und unter der Annahme, daß ein solches Informationsinstrument auch nicht existiert, fragen die informationsökonomischen Arbeiten<300> danach, was für ein Informationssystem die Akteure als Grundlage für ihre Entscheidungen bevorzugen würden.

Die informationsökonomischen Arbeiten haben zu der Feststellung geführt, daß bei kostenlosen Informationssystemen feinere Informationssysteme den gröberen vorgezogen werden. Die Bevorzugung feinerer Informationssysteme gegenüber den gröberen ist aber bereits dann nicht mehr zwingend, wenn die Informationssysteme nicht mehr kostenlos sind. In den Arbeiten von Demski<301> und Marshall<302> wird außerdem gezeigt, daß es bereits für einen einzigen Akteur, der seinen Erwartungsnutzen maximieren möchte, nicht möglich ist, kostenlose Informationssysteme nach seinem Erwartungsnutzen zu ordnen, weil sich nicht alle Informationssysteme in ihrem Verhältnis zueinander als gröber oder feiner hinsichtlich des Informationsnutzens des Akteurs einteilen lassen. Wenn es nun schon einem Akteur nicht gelingt, für sich die unterschiedlichen Informationssysteme als gröber oder feiner einzuteilen, kann dies bei der Existenz mehrerer Akteure mit unterschiedlichen Erwartungsnutzen erst recht nicht gelingen. Das bedeutet, kostenlose Informationssysteme, die sich nicht in die Kategorien feiner oder gröber einordnen lassen, können im Abstimmungsprozeß nicht mehr in eine Reihenfolge, die einstimmig präferiert wird, eingeordnet werden.<303>

Daraus wird für die Rechnungslegungsvorschriften abgeleitet, daß diese aus Adressatensicht nur rein zufällig uneingeschränkte Zustimmung erfahren würden.<304> Aus informationsökonomischer Sicht läßt sich nicht feststellen, welche konkreten Rechnungslegungsregeln die Akteure präferieren würden, weil sich die Rechnungslegungsvorschriften nicht anhand der Kriterien gröber und feiner in eine Reihenfolge einordnen lassen.

Die Arbeiten von Demski und Marshall implizieren, daß mehr Information stets weniger Information vorgezogen wird. Gegen diese Implikation sprechen die Ergebnisse der Arbeiten von Hirshleifer<305> und Marshall.<306> Sie belegen, daß im Marktkontext nicht immer das feinere Informationsinstrument dem gröberen in dem Sinne vorgezogen wird, daß mehr Informationen gegenüber weniger Informationen präferiert werden.<307> Es wird ausgehend vom Modell einer reinen Tauschökonomie, in der die Produktionsentscheidungen gefällt sind, und in der individuelle Portfolioentscheidungen von risikoscheuen Anlegern so getroffen werden, daß ihr jeweiliger Konsumstrom optimiert wird, gezeigt, daß zusätzliche Informationen zu neuen Risiken führen können. Besteht keine Möglichkeit der Absicherung gegen diese Risiken, kann das zur Folge haben, daß alle Marktteilnehmer für die Unterdrückung dieser Information stimmen.<308> Das Informationsablehnungstheorem gilt dann, wenn die Information vor dem Erreichen eines Marktgleichgewichts eintrifft und bei den Marktteilnehmern solche Revi-


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sionen der Erwartungen bewirkt, daß die daraus resultierenden Änderungen des Gleichgewichtspreises allerseits zu Nutzeneinbußen führen.<309> Damit entsteht die These vom gesellschaftlichen Unwert der zusätzlichen öffentlich verfügbaren Information.

Diese These wird jedoch angezweifelt, weil zu erwarten ist, daß zusätzliche Informationen sich zwar für einige Marktteilnehmer als nachteilig erweisen, anderen Marktteilnehmers hingegen zu Vorteilen verhelfen. Damit taucht die Frage auf, wie unter diesen Umständen eine Ablehnung zusätzlichen Informationen durch alle Marktteilnehmer möglich sein kann. In der Literatur<310> kommt es zur Auseinandersetzung mit den der These zugrundeliegenden Annahmen. Dabei stellt sich heraus, daß die Modellierung des Marktprozesses und das Vorliegen von Gleichgewichts- oder Ungleichgewichtszuständen vor Eintreffen der zusätzlichen Information entscheidend sind.<311> Ewert<312> zeigt, daß bei einer gleichgewichtigen Ausgangssituation zusätzliche öffentliche Informationen kein Risiko mehr erzeugen können. Da ein Handel nicht erzwungen werden kann, halten die Marktteilnehmer im Zweifel das alte Marktgleichgewicht aufrecht. Schädigungen können nicht mehr eintreten. Es wird der Gedanke des sequentiellen Marktregimes eingeführt, bei dem in Erwartung zukünftiger Informationen spekulative Marktgleichgewichte gebildet und dann nach Informationszugang revidiert werden. Dadurch wird das Marktgeschehen, wie es bei Kapitalanlegern nach einigen empirischen Untersuchungen<313> tatsächlich zu beobachten ist, erklärt. Nicht geklärt ist jedoch die Frage unter welchen Voraussetzungen spekulative Gleichgewichte gebildet werden.<314>

Gegen das Informationsablehnungstheorem wird ferner eingewandt, es vernachlässige die private Informationsbeschaffung.<315> Berücksichtigt man diese, wird die Informationsablehnung fragwürdig. Ballwieser<316> begründet dies wie folgt: ”Informationsunterdrückung könnte zwar gesellschaftlich optimal aber individuell nachteilhaft sein, weil private Informationsbesorgung einen Vorteil verspricht. Ein Vertrag, in dem sich alle Marktteilnehmer verpflichten, die private Informationsbeschaffung zu unterlassen, ist wertlos, weil private Informationsbeschaffung nicht zu beobachten und damit auch nicht zu sanktionieren ist. Wenn man aber private Informationsbeschaffung nicht verhindern kann, mag es sinnvoll sein, daß man in der Gesellschaft die kostengünstigste Beschaffung einer gesellschaftlich an sich nutzlosen Information sucht. Das könnte durch Publizitätspflicht, die der Gesetzgeber verordnet, erfolgen.“

Ballwieser<317> meint, die informationsökonomische Betrachtung der Rechnungslegung zeige, daß die Marktwirkungen berücksichtigt werden müssen, die daraus entstehen, daß die Entscheidungsprobleme aller Anleger über Marktpreise verknüpft sind. Änderungen bei der Rechnungslegung beeinflussen den Informationsstand von Marktteilnehmern, bewirken Entscheidungs- und Marktpreisänderungen und führen bei bestimmten Markteigenschaften zu einer Umverteilung von Wohlstand. Dies muß der Gesetzgeber bei der Regulierung beachten.


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4.1.3. Informationsökonomische Arbeiten zur Informationsverarbeitung auf den Kapitalmärkten

Im Unterschied zu den vorherigen Ansätzen, die beim individuellen Bilanzadressaten und seinem Entscheidungsproblem ansetzen, und dann teilweise die Marktwirkungen in die Überlegungen einbeziehen, gehen die folgenden Ansätze von Anfang an davon aus, daß der Jahresabschluß über die Regelung von Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren hinausgeht. Der anonyme Kapitalmarkt wird deshalb bei diesen Ansätzen in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.

Die folgenden informationsökonomischen Arbeiten zur Informationsverarbeitung auf den Kapitalmärkten knüpften teilweise an der Kapitalmarkttheorie an, da diese den Vorteil bietet, nicht durch Jahresabschlüsse beeinflußte Reaktionen der Kapitalmarktteilnehmer als Referenzpunkt heranziehen zu können. Damit kommt es erstmals zu einer engen Verzahnung von Kapitalmarkttheorie und Rechnungslegung.<318> In den einzelnen Arbeiten werden unterschiedliche Forschungsschwerpunkte gesetzt, die sich jedoch gegenseitig beeinflussen. Daher bedeutet die folgende Unterteilung keine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Ansätzen. Als Forschungsschwerpunkte können im wesentlichen genannt werden: Arbeiten, die der Fragestellung nachgehen, ob und wieweit die Kapitalmarktteilnehmer bei ihren Entscheidungen tatsächlich auf Jahresabschlußdaten zurückgreifen und Arbeiten die anhand der Kapitalmarkttheorie danach fragen, ob es gerechtfertigt ist, die Informationsvermittlung durch Gesetz zu regeln. Davon lassen sich weiterreichende Arbeiten unterscheiden, die das Modell vollständiger und effizienter Kapitalmärkte verlassen und die Frage stellen, ob eine Gewinnziffer nützlich sein kann, um relevante Informationen zu liefern bzw. ob das informationsverzerrende Vorsichtsprinzip den Bilanzadressaten nützliche Informationen liefern kann. Die letztgenannten Ansätze unterscheiden sich damit durch realitätsnähere Annahmen und den Versuch als nicht optimal erkannte Regeln zu verbessern bzw. diese zu rechtfertigen von den erstgenannten informationsökonomischen Ansätzen.

4.1.3.1. Arbeiten zur Kursbildung auf Kapitalmärkten

Die Arbeiten, die sich mit der Kursbildung auf Kapitalmärkten befassen, haben sich zum Ziel gesetzt herauszufinden, ob die Kapitalmarktteilnehmer Jahresabschlußinformationen für ihre Anlageentscheidungen benötigen. Dabei lassen sich theoretische und empirische Arbeiten unterscheiden.

Unter der theoretischen Annahme eines informationseffizienten Kapitalmarkts wird nachgewiesen, daß es nicht erforderlich ist, Informationen allen Marktteilnehmern zu übermitteln, um vorteilhafte Transaktionen durchführen zu können. Auf einem informationseffizienten Kapitalmarkt wird jede bekannt gewordene relevante Information im Kurs sofort verarbeitet und nützt dem einzelnen Investor nicht mehr,<319> weil es keine Arbitragemöglichkeiten gibt, die ausnutzt werden könnten. In einem effizienten Markt verhalten sich die Kurse so, als ob jeder die Signale eines Informationssystems beobachten und rationale Schlüsse daraus ziehen würde. Schlechter informierte Aktionäre können als Trittbrettfahrer an den Informationen der besser Informierten partizipieren. Demzufolge werden Jahresabschlußinformationen nicht benötigt, damit auch die schlechter informierten Marktteilnehmer die richtigen Entscheidungen treffen.<320>


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Die Tragweite der skizzierten These ist umstritten. Betrachtet man die Prämissen, die der These von der Informationseffizienz der Kapitalmärkte zugrunde liegen, nämlich:

so wird ersichtlich, daß die zugrunde liegenden Annahmen nicht der Realität entsprechen.<321>

Gegen die der These von der Informationseffizienz der Kapitalmärkte spricht vor allem die in der Realität anzutreffende Informationsheterogenität, die darauf zurückzuführen ist, daß nicht alle Informationen den Marktteilnehmern kostenlos zur Verfügung stehen und außerdem kognitive Grenzen bei den einzelnen Marktteilnehmern wirksam werden. Unterstellt man, daß einige Marktteilnehmer aus neuen Informationen die richtigen Schlüsse ziehen, während andere nicht oder langsamer zu den richtigen Schlußfolgerungen gelangen und dementsprechend langsam reagieren, wird es nur zu verzögerten Marktanpassungen kommen, sofern die letzte Gruppe am Markt nicht von untergeordneter Bedeutung ist. Es ist unter diesen Annahmen auch nicht gewährleistet, daß der Markt aus neuen Informationen die richtigen Schlußfolgerungen zieht.<322>

Auch das sogenannte Informationsparadoxon<323> spricht gegen die These des informationseffizienten Kapitalmarkts: Wenn der Kapitalmarkt tatsächlich informationseffizient sein sollte, wäre es für die Akteure nicht sinnvoll überhaupt Informationen zu beschaffen und auszuwerten, da dies Kosten und Mühen bereiten würde, denen kein Vorteil gegenüberstünde, da keine Arbitragegewinne erzielt werden könnten. Erfolgt aber keine Informationsbeschaffung und -auswertung mehr, können auch keine Informationen in den Kurs einfließen, der Markt ist dann nicht mehr informationseffizient.

Empirische Untersuchungen<324> lassen ebenfalls keine Aussagen über die Tragweite der These zu, denn sie haben zu unterschiedlichen Ergebnissen und daraus abgeleitet unterschiedlichen Schlußfolgerungen geführt. Einigkeit besteht lediglich darüber, daß die realen Kapitalmärkte bei der Bildung von Börsenkursen Bilanzinformationen verarbeiten. Die Frage nach dem Anteil der Jahresabschlußinformationen an den insgesamt verarbeiteten Informationen und dem Individualnutzen dieser Informationen wird jedoch unterschiedlich beantwortet.

Einige Untersuchungen stellen Aktienkursschwankungen als Folge der Veröffentlichung der Jahresabschlüsse fest.<325> Hierzu wird die Ansicht vertreten: “Die Kurse als Marktsignale verhalten sich so, als ob publizierte Jahresabschlüsse für die Adressaten entscheidungsrelevante Informationen über die wertbestimmenden Eigenschaften ihrer Anteilsrechte enthalten würden. Insbesondere verhalten sich Kurse so, als ob die Jahreserfolgsziffer eine deutliche ‘permanent component‘ enthalten würde, die eine Veränderung in der erwarteten Dividen-


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denzahlungsfähigkeit signalisieren kann.“<326> Dieses Ergebnis könnte den Schluß nahelegen, daß die Kurse doch noch nicht alle Informationen verarbeitet haben, und für den einzelnen Akteur die Möglichkeit besteht, durch die Auswertung von Jahresabschlußinformationen einen Arbitragegewinn zu erzielen. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, daß die Kursausschläge auf Spekulationen zurückzuführen sind.

Andere Untersuchungen hingegen stellen fest, daß die Veröffentlichung des Jahresabschlusses wenig Einfluß auf die Kursbildung hat und folgern, daß der Anteil der Jahresabschlußinformationen an den in der Kursbildung reflektierten Informationen recht gering sei. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, daß die Akteure wegen der Objektivierung und dem damit verbundenen Defizit an Relevanz andere Informationsquellen heranziehen.<327> Die Literatur<328> erblickt in diesen Ergebnissen teilweise einen Beweis für die halbstrenge Informationseffizienz des Kapitalmarktes. Halbstrenge Informationseffizienz bedeutet, der Kurs einer Aktie spiegelt alle öffentlich zugänglichen Informationen wider. Durch Auswertung des Jahresabschlusses kann ein Akteur daher keine Vorteile gegenüber den anderen Marktteilnehmern erlangen, weil die Kurse sich derart schnell anpassen, daß ein Arbitragegewinn unmöglich wird. Nicht öffentliche Informationen lassen sich dagegen zur Erzielung eines Arbitragewinns durch einen Kapitalmarktteilnehmer ausnutzen.<329> Diese Schlüsse werden allerdings von anderen Ökonomen kritisch betrachtet.<330> Sie meinen die verhältnismäßig geringen Kursausschläge nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses könnten darauf zurückzuführen sein, daß die im Jahresabschluß offengelegten Informationen z. B. durch vorher publizierte Zwischenberichte, die dem Charakter des Jahresabschlusses entsprechen, und ihn mehr oder weniger vorwegnehmen, schon bekannt waren und in den Kurs eingeflossen sind.<331>

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß Untersuchungen zum Einfluß von Jahresabschlußinformationen auf die Börsenkurse zu konträren Ergebnissen gelangen. Dabei könnten nationale Unterschiede existieren. Untersuchungen der tatsächlichen Kapitalmärkte implizieren, daß der US-amerikanische Aktienmarkt eher informationseffizient als ineffizient ist, während es auf dem deutschen Aktienmarkt eher umgekehrt zu sein scheint.<332> Möglicherweise hängt dies mit den unterschiedlichen Rechnungslegungsregelungen und mit kulturellen Unterschieden zusammen.<333> Auf alle Fälle scheint das Bilanzrecht eine Informationsfunktion zu erfüllen; auch wenn der Anteil der Jahresabschlußinformationen an den im Kurs verarbeiteten Informationen weder qualitativ noch quantitativ bestimmt werden kann.<334>

4.1.3.2. Arbeiten über die Notwendigkeit von Bilanzierungsvorschriften zur Verhinderung von Marktversagen und zur Herstellung der Allokationseffizienz

Unter dem Einfluß der Kapitalmarkttheorie werden Versuche unternommen, die Existenz von Bilanzierungsvorschriften zur Vermeidung von Marktversagen auf dem Kapitalmarkt zu rechtfertigen. Dabei ergeben sich Berührungspunkte zu den Arbeiten, die den Zusammen-


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hang zwischen der Kursbildung auf den Kapitalmärkten und der Veröffentlichung von Jahresabschlüssen untersuchen, denn die folgenden Ansätze gehen davon aus, daß der Kapitalmarkt nicht informationseffizient ist. Denn wäre der Kapitalmarkt informationseffizient, würde sich die Frage nicht stellen, ob Bilanzierungsvorschriften erforderlich sind, um Marktversagen zu verhindern oder Allokationseffizienz zu gewährleisten.

Theoretischer Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist der neoklassische Tauschmarkt, auf dem unbeschränktes Wissen über die Chancen und Risiken der eigenen Anlagen und die Präferenzen der anderen Marktteilnehmer sowie deren Rückwirkung auf die eigene Position herrscht. Alle positiven und negativen Auswirkungen eigener Handlungen auf Dritte werden als Kosten und Nutzen internalisiert. Die Vorteile und Nachteile der Parteien werden durch Kompensationszahlungen ausgeglichen. Die Marktteilnehmer verhandeln so lange, bis alle Ressourcen ihrer erstbesten Verwendung zugeführt sind, der Markt also im Gleichgewicht ist. Er ist allokationseffizient, weil durch die Zuordnung von Ressourcen zu ihrer besten Verwendung die optimale gesellschaftliche Wertschöpfung erreicht wird. Rechtliche Regelungen werden nur benötigt, um Betrug zu sanktionieren und eingegangene Zusagen durchzusetzen.<335>

Betrachtet man den Kapitalmarkt als einen solchen neoklassischen Tauschmarkt, so werden auf diesem genau die Informationen produziert, die erforderlich sind, um das Kapital in seine beste Verwendung zu lenken. Die an den Informationen interessierten Kapitalanleger bezahlen für die erhaltenen Informationen. Das Unternehmen liefert Informationen, solange der Preis, den die Anleger dafür bezahlen, die Kosten deckt.<336> Die Informationsproduktion und -verteilung wird über den Marktmechanismus geregelt mit der Folge, daß Bilanzierungsvorschriften entbehrlich sind. Ausgehend vom Ideal des Tauschmarkts wird in der Literatur ein Eingreifen des Gesetzgebers immer dann als gerechtfertigt angesehen, wenn ohne dieses der Markt versagen würde.<337>

Der Gedanke des Marktversagens hat in bezug auf das Bilanzrecht zu unterschiedlichen Argumentationen geführt: So wird vertreten,<338> daß Jahresabschlußinformationen Eigenschaften öffentliche Güter aufweisen. Öffentliche Güter kann jeder nutzen, ohne daß damit die Nutzungsmöglichkeiten der anderen beschränkt werden. Da derjenige, der ein öffentliches Gut nachfragt, Trittbrettfahrer nicht von der Mitbenutzung ausschließen kann, wird kein Nachfrager bereit, den Preis für das Gut zu zahlen, der seinem eigenen Grenznutzen entspricht. Er wird vielmehr damit rechnen an der Nutzung des öffentlichen Guts teilhaben zu können, wenn es an einen anderen Nachfrager geliefert wird. Die Folge ist, daß von einem öffentlichen Gut weniger produziert wird, als gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Bezogen auf das Bilanzrecht wird argumentiert, daß jemand, der privat Informationen produziert oder nachfragt, andere nicht von der Nutzung dieser Informationen ausschließen könne. Da demjenigen, der Informationen produziert dann der Nutzen nicht allein zukommt, er jedoch alle Kosten zu tragen hat, kommt es zur Unterproduktion von Information, eventuell sogar zum Unterlassen der Informationsproduktion. In diesem Fall versagt der Marktmechanismus. Der Staat muß eingreifen, um dieses Marktversagen zu verhindern, Bilanzierungsvorschriften sind dann gerechtfertigt.<339>


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Dieser Ansicht wird entgegengehalten, daß der Gedanke der Unterproduktion von Informationen nur bedeute, daß der einfache Kauf von Informationen nicht der geeignete Weg sei, eine Informationsversorgung über den Markt zu erreichen. Es sollen aber andere vertragliche Abreden zwischen den Marktpartnern denkbar sein, bei denen nicht mit Marktversagen gerechnet werden muß. ”Die Interessenten an Informationen stehen zu der Unternehmung stets in irgendeiner vertraglichen oder sonstigen rechtlichen Beziehung, sei es als Gesellschafter, sei es als Gläubiger oder in irgend einem anderen Rechtsverhältnis. Bei der Begründung dieses Rechtsverhältnisses werden Vereinbarungen über zu treffende Leistungen und sonstige Konditionen getroffen. Dies ist der geeignete Anlaß, auch eine Verpflichtung zur Rechnungslegung und zur Lieferung von Informationen zu begründen. In diesem Zusammenhang werden die Beteiligten dann Überlegungen zur Kosten-Nutzen-Abwägung anstellen.“<340> Es kann dann zu einer Informationsnachfrage außerhalb des Marktmechanismus kommen.

Staatliche Regulierungen der kapitalmarktbezogenen Informationen werden aber auch mit dem Argument der Überproduktion von Informationen begründet: Erhält ein Kapitalmarktteilnehmer Informationen, die es ihm ermöglichen, künftige Kursbewegungen besser als andere vorherzusehen, kann er auf Kosten der anderen Marktteilnehmer Kursgewinne erzielen. Es kommt daher nur zu einer Umverteilung des insgesamt vorhandenen Vermögens, es findet ein Nullsummenspiel statt. Daher hat eine Information keinen Nutzen für die Gesamtheit, sondern nur für den einzelnen Marktteilnehmer. Dieser ist daher bereit, einen Preis für die Information zu bezahlen. Die individuelle Nachfrage der einzelnen Kapitalmarktteilnehmer führt zu einer Überproduktion von Informationen, von der die Gesamtheit keinen Nutzen hat. Daher besteht das Marktversagen in der Überproduktion von Informationen. Staatlicher Regulierung kommt daher die Aufgabe zu, die Überproduktion von Informationen zu verhindern oder aber zumindest eine kostengünstigere Informationsproduktion sicherzustellen, indem allen Marktteilnehmern die Informationen zugänglich gemacht werden. <341>

H. Hax<342> meint, bei der Auferlegung Bilanzierungsvorschriften ginge es nicht um die Vermeidung der Informationsüberproduktion und die Verhinderung eines Nullsummenspiels. Vielmehr würden sie bewirken, daß die Manager sich um günstige Ergebnisse im Interesse der Anteilseigner bemühen und dadurch den Wert der Unternehmung erhöhen. Dies beruhe darauf, daß sie im Falle schlechter Ergebnisse um ihre eigene Stellung fürchten müssen. Ferner könne ein durch Rechnungslegung gut informierter Kapitalmarkt eine verbesserte Kapitalallokation zustande bringen, weil Unternehmungen, die gute Ergebnisse in der Zukunft erwarten lassen, leichter Kapital erhalten, während für Unternehmen, für die weniger günstige Entwicklungen prognostiziert werden, die Kapitalbeschaffung erschwert wird. Dadurch werden erfolgversprechende Investitionen gefördert, während weniger aussichtsreiche Investitionen eingeschränkt werden. Es tritt damit auf dem Kapitalmarkt eine Verbesserung der Effizienz mit der Folge einer Wohlstandserhöhung ein.

Teilweise wird auch vermutet<343>, daß es zu Marktversagen im Sinne Akerlofs<344> kommen könnte, wenn kein Informationszwang bestünde: Wenn der Kapitalmarkt nicht informationseffizient ist, und daher die am Markt zu beobachtenden Preise nur teilweise Informationen widerspiegeln, dann stellt der Markt und sein Preismechanismus keine ausreichende Sank-


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tion gegen den Anreiz zu Fehlinformationen dar. Diese mangelnde Regulierungsfunktion des Marktes wird verstärkt, ”wenn eine wichtige Gruppe von Gläubigern, die traditionell eng mit dem Management verbunden ist, privilegierten Zugang zu Informationen hat und gleichzeitig so stark am Kapitalmarkt präsent ist, daß sie einen gezielten Einfluß auf die Kursbildung ausüben kann.“<345> Außerdem wird angenommen, daß das Gesetz der steigenden Skalenerträge bei der Informationsbeschaffung gilt. Das bedeutet, die Kosten der Informationssuche nehmen pro Informationseinheit ab. Dies führt zu Monopolrenten und Monopolverhalten bei den Großnutzern von Informationen und zu Eintrittsschranken für kleinere Investoren. Dementsprechend wird die Informationssuche für kleine Investoren nicht lohnend sein, während es sich umgekehrt für die großen Anleger lohnt Informationen zu beschaffen, um damit Übermaßerträge zu realisieren.<346> Werden in derartigen Situationen nicht Informationen für alle bereitgestellt, und merken die kleinen Anleger, daß sie schlechter als die anderen informiert sind, werden sie der Kursbildung mißtrauen. Sie werden sich, um nicht übervorteilt zu werden, aus dem Markt zurückziehen oder gar nicht erst einsteigen.<347> Die Investitionsbereitschaft auf dem Kapitalmarkt wird dadurch beeinträchtigt mit der Folge, daß sich durch die verminderte Anzahl von Anlegern die Kapitalbeschaffungskosten und die Anlagevermittlungskosten (Transaktionskosten) für die verbleibenden Marktteilnehmer verteuern. Werden Bilanzierungsregeln eingeführt, bewirken diese keine Erhöhung des Wohlstands der schlechter Informierten zu Lasten der besser Informierten im Sinne eines Nullsummenspiels, sondern der gesamtwirtschaftliche Wohlstand wird verbessert, weil die schlechter Informierten ihre Abwehrhaltung gegenüber dem Markt aufgeben könnten,<348> mit der Folge einer besseren Kapitalisierung des Marktes zugunsten aller Kapitalmarktteilnehmer.

Gegen das Argument, daß ein Eingreifen des Gesetzgebers Marktversagen beheben könnte, wendet sich Leftwich.<349> Er kritisiert, daß zur Begründung der Regulierungen im Bereich der Rechnungslegung auf ein unerreichbares Ideal zurückgegriffen wird, das als Orientierungsmaßstab nicht geeignet sei. Marktversagen aufgrund einer Unterproduktion von Informationen könne nicht durch regulierende Eingriffe des Gesetzgebers geheilt werden, weil die gesellschaftlich optimale Informationsproduktion auf ein Modell zurückgreift, in dem die staatlichen Regulierungen und deren Rückwirkungen auf die Informationsproduktion nicht enthalten sind. Daher ist das angestrebte Optimum kein erreichbares Optimum. Leftwich argumentiert, scheinbar versagenden Märkten müßten andere Märkte gegenübergestellt werden, wobei die Kosten der alternativen Regelungen in den Vorteilhaftigkeitsvergleich einzubeziehen sein sollen.<350>

Folgt man trotz der Kritik Leftwichs dem Gedanken, daß es in Abwesenheit von Bilanzrecht möglicherweise zu einem Versagen des Kapitalmarkts kommen kann, läßt sich daraus zwar ein gewisser Regelungsbedarf ableiten, aber es kann nicht gesagt werden, wie die zu gewährenden Informationen aussehen sollten. Dies resultiert aus den unterschiedlichen Informationsinteressen der Beteiligten, die keine Rückschlüsse auf die gewünschten Informationen zulassen.<351> Dementsprechend werden in der Literatur die Möglichkeiten eine Kosten-Nutzen-Abwägung für jede vorzuschreibende Information, die den Nutzen des


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Adressaten dem Nachteil für den Informationsverpflichteten in Geldeinheiten ausgedrückt gegenüberstellt, skeptisch beurteilt.<352>

4.1.3.3. Weiterführende Arbeiten zur Informationsfunktion auf unvollkommenen Märkten

Es hat sich herausgestellt, daß der (ökonomische) Gewinn als im Interesse aller Eigentümer zu maximierende Größe nur unter den Annahmen der Sicherheit und des vollkommenen und volständigen Kapitalmarkts ermittelt werden kann.<353> Unter den Annahmen der Unsicherheit und bei unvollständigen oder unvollkommenen Märkten haben die Eigentümer unterschiedliche Erwartungen und unterschiedliche Präferenzen, mit der Folge, daß sich ein Gewinn, dessen Maximierung alle Eigentümer einstimmig präferieren, nicht mehr festlegen läßt.<354> Außerdem kann angesichts der unterschiedlichen Informationsinteressen der Marktteilnehmer auch nicht festgelegt werden, worüber der Jahresabschluß informieren soll. Daher wird in den USA der Frage nachgegangen, welche Eigenschaften eine Gewinnziffer aufweisen sollte, und wozu sie unter Unsicherheit und bei unvollständigen und unvollkommenen Märkten nützlich sein kann.

Es wird festgestellt, daß ein unter den Bedingungen des unvollständigen und unvollkommenen Kapitalmarkts ermittelter buchhalterischer Gewinn allenfalls ein Indikator für künftige Ausschüttungen sein kann. Er könnte die Erwartungen der Eigentümer über das künftige Ausschüttungspotential der Unternehmung beeinflussen und ein kostengünstiges Verfahren zur Übermittlung von Voraussagen (forecasts) darstellen.<355> Die Annahme, daß der Gewinn geeignet sei, Erwartungen der Marktteilnehmer zu beeinflussen, wird darauf gestützt, daß die Märkte sich so verhalten, als ob der Gewinn eine von vielen möglichen Informationsquellen sei. Die Kostengünstigkeit des Verfahrens soll davon abhängen, ob der buchhalterisch ermittelte Gewinn mehr Informationen vermittelt als Gewinnermittlungssysteme, die am Cash Flow orientiert sind, ob die buchhalterische Gewinnermittlung das effizienteste Mittel ist, um die zusätzlichen Informationen zu übermitteln und ob der Wert des zusätzlichen Informationssystems seine Kosten übersteigt.<356> Der Nachweis, daß die Informationsübertragung mittels Angabe des buchhalterisch ermittelten Gewinns kostengünstig sei, gilt als noch nicht erbracht.<357> Gegen den Ansatz wird eingewandt, daß er nur die Ermittlung des Gewinns betrachte und andere Informationsfunktionen vernachlässige,<358> und außerdem die Indikatorwirkung des Gewinns bisher nur auf organisierten Kapitalmärkten getestet werden konnte, so daß eine Verallgemeinerung fragwürdig ist.<359>

Das Nebeneinander von Überlegungen zur Gewinnermittlung, insbesondere zum Vorsichtsprinzip, und zur Wirkung des offengelegten Gewinns auf den Kapitalmärkten wird in weiteren Untersuchungen versucht zu überwinden. In der amerikanischen Literatur<360> wird nachgewiesen, daß aus informationsökonomischen Erwägungen die Anwendung des Vorsichtsprinzips nicht nachteilig sein muß, selbst wenn der Bilanzadressat dadurch verzerrte


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Informationen erhält. Demski/Sappington<361> untersuchen, ob man bei Einkommensberichten von den wahren Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten von Umweltzuständen ausgehen sollte, oder ob es ausreicht, von verzerrten Wahrscheinlichkeiten, insbesondere solchen, die schlechte Ergebnisse überschätzen, auszugehen. Kernaussage der Arbeit von Demski/Sappington ist, daß ein mit den richtigen Wahrscheinlichkeiten ermitteltes Einkommen ”fully revealing“ sein kann, aber nicht sein muß. Ist es nicht ”fully revealing“, dann kann ein mit verzerrten Wahrscheinlichkeiten ermitteltes Einkommen abhelfen. Wie das Einkommen berechnet wird bleibt bei diesem Ansatz letztlich offen, es ist nur erforderlich, daß die Summe der Einkommen über die Totalperiode betrachtet der Summe der Nettozahlungsströme entspricht und das Einkommen als Summe aus dem Nettozahlungsstrom der Periode und der Änderung des Erwartungswerts des Marktwerts der Unternehmung definiert wird. Demski/Sappington gehen in der Untersuchung daher auch nicht von einem bilanziell ermittelten Gewinn, sondern vom ökonomischen Gewinn aus und fragen, ob dieser ausreichende Informationen enthält, um zu Schätzungsverbesserungen für die Investoren bezüglich sie interessierender künftiger Umweltzustände führen zu können. In der Untersuchung geht es damit nur um die Rückschlußmöglichkeit von einer Gewinnziffer auf eine den Investor interessierende Größe. Es wird deutlich, daß ein Informationsverlust entsteht, wenn statt der tatsächlich für den Investor interessanten Größe eine aggregierte Größe berichtet wird. Auf Fragestellungen, wie Vorteilhaftigkeit der Gewinnermittlung gegenüber anderweitiger Übermittlung von Wissen über künftige Zahlungsströme wird nicht eingegangen und auch Agency-Probleme werden ausgeklammert, da von einer gegebenen Einkommensermittlung ausgegangen wird, die lediglich den oben genannten Anforderungen genügen muß. Daher läßt auch dieser Ansatz keine Antworten auf die normative Fragestellung erkennen.<362>

4.1.4. Beurteilung entscheidungsorientierter Ansätze in bezug auf die normative Rechtfertigung des Bilanzrechts

Die entscheidungsorientierten Ansätze zur Ergänzung oder zum Ersatz der Bilanz knüpfen an der Informationsfunktion des Jahresabschlusses an. Sie versuchen ein Instrumentarium zu entwickeln, mit dessen Hilfe Akteure in einer Entscheidungssituation in die Lage versetzt werden sollen, zu Einschätzungen über sie interessierende künftige Zahlungsströme zu gelangen. Hierbei wird das Bilanzrecht als gegeben hingenommen, denn Ausgangspunkt der Überlegung ist die Erkenntnis, daß der Jahresabschluß nicht geeignet ist, die von den Entscheidern benötigten Informationen bereit zu stellen. Das Bilanzrecht soll auch nicht im Hinblick auf die jeweilige Entscheidungssituation geändert werden. Es wird demzufolge keine Aussage darüber getroffen, wie der Jahresabschluß gestaltet sein müßte, um den Informationsinteressen der Akteure in einer finanziellen Entscheidungssituation entgegenzukommen. Offenbar wird angenommen, daß der Jahresabschluß aufgrund des Vergangenheitsbezugs nicht imstande sei zukunftsorientierte Daten zu liefern, und der an künftigen Zahlungsströmen interessierte Akteur mit den entwickelten Instrumentarien die ihn interessierenden Informationen erlangen könne.

Auch die informationsökonomischen Arbeiten zur Ordnung von Informationssystemen gehen von der Annahme aus, daß der Jahresabschluß nicht die von den Adressaten benötigten Informationen liefern kann. Sie versuchen ausgehend von diesem Defizit festzustellen, was für ein Informationssystem die Jahresabschlußadressaten bevorzugen würden. Der Versuch,


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Informationssysteme in einer von den Akteuren präferierten Reihenfolge zu ordnen, um dann sagen zu können wie das bevorzugte Informationssystem aussehen sollte, scheitert jedoch. Es kommt zum Streit darüber, ob mehr Informationen aus Sicht der Akteure immer weniger Informationen vorzuziehen sind. Dadurch wird der Bezug zum Markt hergestellt, auch wenn sich die gestellte Frage nicht beantworten läßt. Auch der Versuch, die Frage nach der Ausgestaltung des Informationssystems nicht aus individualistischer Sicht, sondern aus Sicht des Kapitalmarktes zu beantworten, führt zu widersprüchlichen Ergebnissen. Es kann nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden, welche Angaben welche Erwartungen der Kapitalmarktteilnehmer beeinflussen und wie sich dies im Kurs niederschlägt. Auch das Problem, wie besonders wichtige Entwicklungen im Unternehmen mit Hilfe des Jahresabschlusses so dargestellt werden können, daß sie frühzeitig in die Erwartungen und damit die Kursbildung eingehen können, ist ungelöst.<363> Selbst die Frage, ob der Gesetzgeber Regelungen zur Bilanzierung aufstellen sollte, oder ob diese Gegenstand einer freiwilligen Vereinbarung der Parteien sein sollten, wird unterschiedlich beantwortet.

Die entscheidungsorientierten Ansätze bestätigen somit nur, daß der Jahresabschluß nicht die von den einzelnen Akteuren in Entscheidungssituationen benötigten zukunftsorientierten zahlungsrelevanten Informationen liefern kann. Es läßt sich anhand dieser Ansätze nur feststellen, daß der Jahresabschluß eine Informationsfunktion entfaltet, von der nicht genau bekannt ist, wie sie auf die Erwartungen einzelner Akteure einwirkt, die aber trotzdem auf Kursänderungen am Kapitalmarkt hinwirkt, die im einzelnen nicht vorausberechnet werden können. Damit gelingt es den entscheidungsorientierten Ansätzen letztendlich nicht, das geltende Bilanzrecht im Hinblick auf die Wirkung einzelner Regelungen in einer Entscheidungssituation zu erklären.<364> Es ist auch keine normative Rechtfertigung einzelner Regelungen des Bilanzrechts im Rahmen des hier gewählten Modells mit Hilfe der entscheidungsorientierten Ansätze möglich.

4.2. Der Agency-Ansatz

Im Agency-Ansatz geht es um die Analyse von Auftragsbeziehungen. So definieren Jensen/Meckling<365> die Agency-Beziehung als ” a contract, under which one or more persons (the principal(s)) engage another person (the agent) to perform some service on their behalf which involves delegating some decision making authority to the agent“. Dadurch, daß der Agent über die durchzuführenden Tätigkeiten besser informiert ist als der Prinzipal, die geeignete Handlungsalternative auswählen kann,<366> und dem Menschenbild des homo oeconomicus<367> entsprechend eigennützig und auch zum Nachteil des Prinzipals handeln wird, wenn er dazu die Gelegenheit erhält, kommt es zu verschiedenen Konfliktmöglichkeiten bei Anbahnung und auch während der Dauer der Agency-Beziehung.<368> Das Konfliktpotential erhöht sich noch dadurch, daß nicht der Agent, sondern der Prinzipal die Konsequenzen der Entscheidungen des Agenten zu tragen hat.<369>


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Gäbe es die Möglichkeit der kostenlosen und vollständigen Informationsbeschaffung für alle Beteiligten, würden keine Agency-Probleme existieren. Da in der Realität jedoch Informationsasymmetrien auftreten, kann der Agent seinen Informationsvorsprung zum Nachteil des Prinzipals ausnutzen.<370> Ein Zielkonflikt tritt immer dann auf, wenn die Erreichung der eigenen Ziele des Agenten Handlungen zum Nachteil des Prinzipals voraussetzt. Entscheidet sich der Agent in diesen Fällen für die Handlung, die seinen eigenen Nutzen maximiert, erleidet der Prinzipal eine Nutzeneinbuße im Vergleich zu seinem erzielbaren optimalen Nutzen. Die dadurch auftretenden Abweichungen zum Idealzustand werden als Agency-Kosten bezeichnet. Die durch Informationsasymmetrie bedingten Agency-Kosten werden unterteilt in Überwachungs- und Kontrollkosten des Prinzipals (monitoring costs) und Signalisierungs- bzw. Garantieleistungskosten (bonding costs) des Agenten.<371> Es treten dann noch Wohlfahrtsverluste (Residualverluste) hinzu.<372>

Informationen sind nicht nur bei Vertragsabschluß wichtig, sondern spielen auch während der Dauer der Agency-Beziehung eine wichtige Rolle. Denn hat der Prinzipal erst einmal projektspezifische Investitionen getätigt und werden die ursprünglichen Vereinbarungen durchgeführt, tritt ein lock-in Effekt ein. Weiß der Agent, daß die Investitionen des Prinzipals im Falle der Auflösung der Agency-Beziehung verloren wären, und daß es für den Prinzipal an geeigneten Marktalternativen fehlt, hat er einen Anreiz zu opportunistischem Verhalten. Dieser Anreiz kann durch eine Überwachung des Agenten durch den Prinzipal gemindert werden. Die Kontrolle des Agenten erfordert die Informationsübermittlung, die daher der Senkung von Agency-Kosten dient.

Informationsprobleme für den Prinzipal können daraus resultieren, daß er die Handlungen des Agenten nicht direkt oder aber nicht kostenlos beobachten kann (hidden action).<373> Eine Verfolgung opportunistischer Ziele ist nach dem Agency-Ansatz aber auch möglich, wenn es dem Prinzipal gelingt, alle Handlungen des Agenten bzw. deren Ergebnisse zu beobachten, denn es kann dem Agenten gelingen, den Prinzipal über den Umfang seiner Handlungs- oder Entscheidungsalternativen und das mit ihnen verbundene Risiko zu täuschen, da es dem Prinzipal an Fachwissen mangelt (hidden information).<374> Der Prinzipal ist in beiden Fällen darauf angewiesen, die Ergebnisse der Handlung als Surrogat oder Maßstab für den Erfolg des Agenten heranzuziehen. Dabei handelt es sich um einen Maßstab, der nicht die gesamte Realität abbilden kann.<375> Das Problem verstärkt sich, wenn das zu beobachtende Ergebnis nicht in einem direkten Zusammenhang mit der Leistung des Agenten steht, sondern durch unvermeidbare Umwelteinflüsse beeinflußt wird.<376> In derartigen Fällen ist es möglich, daß sich der Agent darauf konzentriert, sein Verhalten so einzurichten, daß der zu beobachtende Erfolg zur Zufriedenheit des Prinzipals ausfällt, während die gewählten Handlungen nicht optimal sind. Dies kann bis zum Fall des moral hazard führen, in dem der Agent den Prinzipal bewußt täuscht.<377>

Während hidden action und hidden information erst nach Vertragsschluß relevant werden, kann vor Abschluß eines Vertrags das Problem auftreten, daß der Prinzipal unveränderbare


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bzw. nicht mehr ohne Kosten änderbare Eigenschaften des Agenten oder Eigenschaften der Leistung des Agenten nicht erkennen kann (hidden characteristics, hidden intentions). Der Agent kann daher den Prinzipal bei der Vertragsanbahnung über diese Eigenschaften täuschen. Es besteht die Gefahr, daß der Prinzipal sich den falschen - im Sinne eines unerwünschten Vertragspartners - auswählt (adverse selection).<378>

Informationsasymmetrie und Unsicherheit über Umweltbedingungen, sowie hohe Überwachungskosten seitens des Prinzipals erweitern somit den Handlungsspielraum des Agenten, den er zu seinem eigenen Vorteil und zu Lasten des Prinzipals nutzen kann.<379> Die daraus entstehenden Nachteile für den Prinzipal lassen sich nach dem Agency-Ansatz durch die Installation von Informationssystemen und Kommunikationssystemen vermindern.

4.2.1. Übersicht über bisherige Forschungsergebnisse im Bereich des externen Rechnungswesens

Das Konzept der Agency-Theorie wurde in den 70er Jahren von Jensen/Meckling<380> auf Finanzierungsbeziehungen haftungsbeschränkter Unternehmen übertragen, die von einem Manager geleitet werden, der zugleich einen Teil der Beteiligungstitel am Unternehmen hält. Dabei werden außenstehende Anteilseigner und Gläubiger der Unternehmung als Prinzipale betrachtet, der Eigentümer-Manger als Agent. Weiterführende Arbeiten beschäftigen sich mit den Interessenkonflikten zwischen den an der Finanzierungsbeziehung beteiligten Parteien hinsichtlich der Investitions- und Finanzierungspolitik der Unternehmung. Durch die Übertragung des Agency-Ansatzes auf die Finanzierungsbeziehungen der Unternehmung gelingt es, Bestimmungsgründe für die Unternehmensfinanzierung mit Eigenkapital und Fremdkapital herauszuarbeiten und eine Verbindung zwischen dem Agency-Ansatz und der Rechnungslegung der Unternehmung herzustellen. Dabei zeigt sich die gleiche Ursache des Agency-Problems in den unterschiedlichen Finanzierungsbeziehungen: die Entscheidungsträger im Unternehmen haben einerseits nicht alle negativen Konsequenzen ihrer Handlungen zu tragen, andererseits fallen ihnen auch nicht in jedem Fall alle positiven Konsequenzen zu. Die Möglichkeit zur Reichtumsverlagerung kann unter diesen Voraussetzungen dazu führen, daß - zu Lasten der Prinzipale - von den Entscheidern suboptimale Handlungen ergriffen, und optimale Handlungen unterlassen werden.<381>

Davon ausgehend wird die Frage gestellt, ob die Ausschüttungsbemessungsfunktion und die Informationsfunktion der Bilanz geeignet sind, zur Verminderung der Agency-Probleme beizutragen. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht dabei die Wirkung der Ausschüttungssperren. Nur vereinzelt gibt es Arbeiten die sich mit der Informationsfunktion des Jahresabschlusses im Hinblick auf Agency-Probleme befassen. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, daß bereits in den entscheidungsorientierten Ansätzen herausgearbeitet wird, daß der Jahresabschluß nicht die Informationen bereitstellen kann, die einen Gläubiger oder einen Eigenkapitalgeber interessieren.


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Es wird unterschieden zwischen Arbeiten, die eigenfinanzierungsbedingte Agency-Probleme, d.h. Konflikte zwischen Anteilseignern, die zugleich das Management stellen (Insidern) und außenstehenden Anteilseignern, zum Gegenstand haben und Arbeiten, die sich mit den zwischen Anteilseignern und den Gläubigern auftretenden Agency-Problemen, den fremdfinanzierungsbedingten Agency-Problemen, beschäftigen.<382> Daneben existieren Arbeiten, die den Agency-Ansatz mit der Kapitalmarkttheorie verbinden.

4.2.1.1. Ansätze zu den fremdfinanzierungsbedingten Agency-Problemen

Im deutschsprachigen Raum setzt sich vor allem Ewert<383> mit der Frage auseinander, auf welche Weise und in welcher Intensität Interessenkonflikte durch die Integration von Ausschüttungsrestriktionen in Agency-Modelle verringert werden können. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung steht die Auswirkung von Ausschüttungssperren auf die Beziehung zu den Gläubigern.<384>

Zur Untersuchung fremdfinanzierungsbedingter Agency-Probleme wird die Beziehung zwischen den Anteilseignern einer haftungsbeschränkten Unternehmung und den Gläubigern als Agency-Beziehung gedeutet, wobei der Gläubiger als Prinzipal typischerweise dem Agenten, d.h. der Unternehmung, die Verfügungsgewalt über Vermögen überläßt, dabei aber mit Maßnahmen des Agenten rechnen muß, die zu einer Reichtumsverlagerung vom Gläubiger zu den Anteilseignern führen.

Im Extremfall müssen die Gläubiger mit folgenden Handlungen der Eigentümer rechnen, die geeignet sind, den Wert des Zahlungsanspruchs der Gläubiger zugunsten des Anspruchs der Eigentümer zu mindern und damit eine Reichtumsverlagerung herbeizuführen:<385>

Liquidation des bisherigen Investitionsprogramms und Ausschüttung des Erlöses an die Eigentümer

Wird eine Desinvestition mit anschließender Auskehrung des Erlöses an die Anteilseigner vorgenommen, wird die Position eines Gläubigers, dessen Anspruch erst nach Durchführung der geplanten Investition fällig ist, vollständig ausgehöhlt. Für die Eigentümer besteht ein Anreiz zu dieser Handlung, wenn die Liquidationserlöse wertvoller sind als die Zahlungsansprüche, die ihnen verbleiben, nachdem die Investition planmäßig durchgeführt und die Gläubigeransprüche befriedigt worden sind.

Liquidation des bisherigen Investitionsprogramms und Wiederanlage des Erlöses in einem riskanteren Investitionsprogramm

Durch Liquidation des bisherigen Investitionsprogramms und Reinvestition der freigewordenen Mittel in ein risikoreicheres Investitionsprogramm können die Gläubiger ebenfalls geschädigt werden, denn es besteht die Gefahr, daß sie häufiger oder mit höheren Beträgen ausfallen. Sie tragen damit das Investitionsrisiko, während die Chancen auf einen höheren Residualgewinn den Eigentümern zugute kommen.


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Veränderung des Investitionsprogramms unmittelbar nach Fremdkapitalaufnahme

Wenn die Gläubiger vor Beginn einer Investition Mittel zur Verfügung stellen, kann die vorher beschriebene Vorgehensweise realisiert werden, indem das angekündigte Investitionsprogramm, auf dessen Basis die Gläubiger den Wert ihrer Gläubigerposition und den risikoadäquaten Zins ermittelt haben, überhaupt nicht realisiert, sondern von vornherein ein risikoreicheres Investitionsprogramm ausgewählt wird.

Vornahme fremdfinanzierter Dividendenzahlungen

Durch die Aufnahme weiteren Fremdkapitals nach Eingehung einer Kreditbeziehung und Ausschüttung des Geldes an die Anteilseigner kann die Position der alten Gläubiger zu Gunsten der Eigentümer ausgehöhlt werden. Dies setzt voraus, daß alle Gläubiger anteilig nach Maßgabe ihrer Nominalforderung befriedigt werden und zur Befriedigung der Gläubigeransprüche keine ausreichenden Geldbeträge zur Verfügung stehen. Außerdem müssen die Nominalansprüche der neuen Gläubiger sehr hoch angesetzt werden, denn dann stünden ihnen fast alle Zahlungen zu, während die alten Gläubiger auf einen großen Teil ihrer Ansprüche verzichten müßten.

Realisierung von Projekten mit Auszahlungsüberschüssen

Durch Investitionen, die bei Eintritt einiger Umweltzustände Verluste und bei Eintritt anderer Umweltzustände Gewinne entstehen lassen, können die Eigentümer ihre eigene Position zu Lasten der Gläubiger verbessern. Dies gelingt, wenn die Verluste der neuen Investitionen unter Bedingungen zu erwarten sind, unter denen die Ansprüche der Gläubiger schon unter dem bisherigen Investitionsprogramm voraussichtlich nicht voll zu befriedigen gewesen wären, während Gewinne unter solchen Umständen erwartet werden, unter denen die Gläubigeransprüche aus dem bisherigen Investitionsprogramm bereits voll zu erfüllen gewesen wären, tragen nur die Gläubiger die Nachteile der neuen Investition, in Form eines erhöhten Risikos, während den Eigentümern die Vorteile zukommen.

Unterlassen von Projekten mit positivem Kapitalwert

Die Gläubiger können dadurch Nachteile erleiden, daß aus Sicht ihres Zahlungsstroms vorteilhafte Investitionen von den Eigentümern der Unternehmung unterlassen werden, ”weil die Zahlungen aus der neuen Investition auch in Umweltzuständen anfallen, in denen die Gläubigeransprüche aus dem bisherigen Investitionsprogramm nicht hätten voll erfüllt werden können, weil also ein Teil der Zahlungen aus der neuen Investition den Gläubigern statt den Eigentümern zu Gute käme.“<386>

Da die Gläubiger bei Vornahme der geschilderten Handlungen langfristig keine Kredite mehr geben würden, um sich nicht auf Dauer schädigen zu lassen, ist es im Interesse der Eigentümer der Unternehmung Gläubigerschutzmaßnahmen anzubieten, die ihren eigenen Handlungsspielraum einschränken.

Ewert untersucht, ob bilanzielle Ausschüttungsbeschränkungen eine derartige Gläubigerschutzmaßnahme darstellen können. Dabei geht er von einem finanzierungstheoretischen Agency-Modell aus, bei dem nur die finanziellen Zielvorstellungen relevant sind. Die Anteilseigner präferieren zu jedem Zeitpunkt und einstimmig die Unternehmenspolitik, die den Marktwert der Beteiligungstitel, bestehend aus Ausschüttungen und Marktwert der Betei-


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ligung nach der Ausschüttung, maximiert.<387> Dadurch gelingt es, von den Nutzenfunktionen der individuellen Unternehmensbeteiligten zu abstrahieren und Entscheidungen im Interesse der Anteilseigner zu definieren.<388> Es kommt nicht zu Take-overs<389> und die Neuverhandlung einmal geschlossener Kreditverträge ist ausgeschlossen. Es gibt auch keine Kompensationszahlungen unter den verschiedenen Gruppen von Kapitalgebern, so daß sich Agency-Probleme nicht im Wege der Verhandlung lösen lassen.<390>

Möchte ein Unternehmen für eine Investition einen Kredit aufnehmen, stellt sich unter der Annahme der Unsicherheit und unvollkommenen Wissens die Situation vor dem Abschluß des Kreditvertrags folgendermaßen dar: <391>Die Eigentümer wissen besser über die konkrete Unternehmenssituation, insbesondere die zu erwartenden Überschüsse aus einer Investition Bescheid als die Gläubiger. Die Gläubiger sind aufgrund ihrer fehlenden Kenntnisse über die Unternehmung und die zu tätigende Investition nicht in der Lage, den risikoadäquaten Zins für ihr eingesetztes Kapital zu fordern. Vielmehr wird der Zins aus Sicht der Eigentümer zu hoch oder zu niedrig sein. Dadurch kommt es zu Auswirkungen auf die geplante Investition: Ist das Fremdkapital teuer, weil die Gläubiger das Risiko zu hoch einschätzen, lohnt sich die Investition aus Sicht der Anteilseigner nicht. Es kommt zur Unterinvestition. Verlangen die Gläubiger dagegen aufgrund einer zu günstigen Einschätzung des Risikos einen zu niedrigen Zins, ist das Fremdkapital aus Sicht der Anteilseigner relativ billig. Es besteht die Gefahr der Überinvestitionen. Damit wird deutlich, daß auch informationsbedingte Agency-Probleme eine Rolle in der Kreditbeziehung spielen. Um günstige Konditionen zu erhalten besteht seitens der Eigentümer Interesse daran, das durch Fremdkapital zu finanzierende Investitionsprogramm so günstig wie möglich darzustellen und Informationen zu unterdrücken, aus denen die Gläubiger die Gefahr von Reichtumsverlagerung ableiten könnten.<392> Die Gläubiger antizipieren das Verhalten der Eigentümer und wissen, daß sie keine dem tatsächlichen Risiko angemessene Verzinsung erhalten.<393> Es ist daher anzunehmen, daß die Gläubiger das Risiko einer an sich vorteilhaften Investition zu hoch einschätzen, so daß die erforderliche Fremdkapitalaufnahme angesichts prohibitiv hoher Kosten unterbleibt. Aus diesen Gründen ist der Abbau des Mißtrauens der Gläubiger für die Anteilseigner wichtig.<394> Um die Gläubiger zur Kreditvergabe zu angemessenen Konditionen zu bewegen, müssen sich die Eigentümer der Unternehmung Selbstbindungen auferlegen und zusätzlich Kosten und Mühen aufwenden, um die Gläubiger von der Wirksamkeit der Selbstbindungsmaßnahmen zu überzeugen.<395>


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Eine Möglichkeit, die Gefahr gläubigerschädigenden Verhaltens zu reduzieren, besteht in der Eingehung von Verpflichtungen im Kreditvertrag, die sicherstellen, daß keine oder nur geringe Möglichkeiten zur Reichtumsverlagerung bestehen. Beispielsweise kann dem Kreditnehmer im Kreditvertrag untersagt werden, neue Gläubiger gegenüber Altgläubigern zu bevorzugen. Ferner ist es möglich einen Kontrollmechanismus zu installieren, der durch eine Vereinbarung ergänzt werden kann, die es dem Kreditgeber gestattet, bei Feststellung bestimmter Umstände Sanktionen zu verhängen, beispielsweise den Kreditvertrag fristlos zu kündigen oder Mitspracherechte auszuüben. In diesen Kontext ordnet der Agency-Ansatz die bilanziellen Ausschüttungssperren ein,<396> indem behauptet wird, daß die Parteien zur Verringerung fremdfinanzierungsbedingter Agency-Probleme Ausschüttungsrestriktionen vertraglich festlegen würden, wenn der Gesetzgeber sie nicht bereits festgelegt hätte, da bilanzielle Ausschüttungssperren fremdfinanzierte Dividendenzahlungen und Desinvestitionen mit vollständiger Auskehrung des Erlöses an die Anteilseigner verhindern können. Dies wüßten die Gläubiger und wären daher nicht bereit ohne Ausschüttungsrestriktion Geld zur Verfügung zu stellen. Dies gilt selbst dann, wenn andere Kreditsicherheiten oder Wucherzinsen angeboten würden.<397> Damit stellen Ausschüttungsbeschränkungen aus Agency-Sicht eine Restriktionsmöglichkeit innerhalb eines Bündels von gläubigerschützenden Maßnahmen dar, die teilweise frei im Kreditvertrag vereinbart werden können und teilweise dem zwingenden<398> oder dispositiven Recht entsprechen.

Die fremdfinanzierungsbedingten Agency-Probleme sind nicht für alle Unternehmen der Art und Intensität nach gleich, sondern hängen von den spezifischen Investitionsmöglichkeiten ab.<399> Daher werden auch die optimalen Restriktionen zwischen den Unternehmen differieren, optimale Ausschüttungsrestriktionen also individuell festzulegen sein.<400> Um zu optimalen Ausschüttungsrestriktionen zu gelangen, müßte demzufolge jedes Unternehmen mit seinen Gläubigern individuelle Ausschüttungsrestriktionen vereinbaren. Um die stets neue Aushandlung und Vereinbarung der Restriktionen und somit die Vertragskosten zu ersparen, kann man die Ausschüttungsrestriktionen gesetzlich festlegen. Dabei stellt sich die Frage, wie streng die Ausschüttungsrestriktionen sein sollten. Diese Frage läßt sich nur beantworten, indem man nach den Auswirkungen unterschiedlich strenger Restriktionen im Rahmen von Individualanalysen fragt. ”Im Rahmen gesetzgeberischer Maßnahmen stellt sich dabei das zusätzliche Problem der aggregierten Beurteilung gesetzlicher Regelungen bezüglich aller Unternehmen der betrachteten Volkswirtschaft.“ <401> Dieses Problem ist bisher nicht gelöst und wird wohl angesichts der Konzeption des geltenden Bilanzrechts als Kompromiß zwischen unterschiedlichen Interessen kaum lösbar sein.

Die Frage nach der Festlegung optimaler Ausschüttungssperren durch den Gesetzgeber<402> und damit die normative Fragestellung läßt sich auch aus einem anderen Grund nicht beantworten: Angekündigte Handlungen der Anteilseigner - wie die Auferlegung einer Selbstbindung - wirken auf die Einschätzung der Gläubiger und damit auf den Zinssatz ein. Der


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Zinssatz beeinflußt die Kosten für das Fremdkapital und damit auch die Investitionswünsche der Eigner. In welcher Art und Weise die gegenseitige Beeinflussung, die zudem noch durch die Informationsfunktion des Jahresabschlusses verstärkt wird, genau vor sich geht, ist letztendlich nicht vorhersehbar. Restriktionen der Ausschüttung haben daher nicht nur die Funktion die Investitionsuntergrenze zu bestimmen, sondern sie wirken z.B. auch als Finanzierungsbeschränkung mit einem bestimmten Mindestkapitalerfordernis. Ewert stellt im Ergebnis fest, daß "eine Verschärfung der Finanzierungsrestriktionen auch zur Verstärkung von Agency-Problemen führen kann, wobei eine gleichzeitige Verschlechterung der Gläubigerposition möglich ist. Dieses Ergebnis ist bei einer bilanziellen Ausschüttungsrestriktion gleichbedeutend mit dem Resultat, daß mehr Kapitalerhaltung auch zum Schaden der Gläubiger sein kann."<403>

Dieses Ergebnis gilt bereits unter der Annahme, daß die Eigentümer keine schädigenden Handlungen vornehmen, keine Desinvestitionen tätigen und auch keine weiteren Kredite aufnehmen. Hier können bilanzielle Ausschüttungssperren zwar fremdfinanzierte Dividendenzahlungen verhindern, weil neu zugeflossene Kreditbeträge erfolgsneutral gebucht werden. Die Auskehrung des Erlöses bei einer Desinvestition vor Fälligkeit der Schulden kann teilweise verhindert werden, da in Höhe der Buchwerte eine Aufwandsbuchung der Ertragsbuchung gegenübersteht und nur die Differenz ausgeschüttet werden kann. Dadurch wird das Haftungsvermögen für die Gläubiger erhalten, aber nur im Rahmen der Bewertungskonvention, durch welche die Höhe des Buchwerts beeinflußt wird. Damit sind aber nicht alle Eigner-Gläubiger-Konflikte gelöst, denn das in der Unternehmung verbleibende Geld kann dazu genutzt werden zusätzlich zu investieren oder aber auch Kredite vorzeitig zu tilgen. Werden Kredite getilgt, kann es zur Beeinträchtigung der eigenen Gläubigerstellung führen, wenn nachrangige Kredite vorzeitig getilgt werden. Die Tilgung vorrangiger Kredite beeinträchtigt hingegen die eigene Gläubigerstellung nicht.<404> Auch zusätzliche Investitionen können sich für die Gläubiger unterschiedlich auswirken: Wäre die Bedienung der Forderungen der Gläubiger ohne die Zusatzinvestitionen nicht (vollständig) möglich gewesen und fließen ihnen nun erhöhte Zahlungen zu, so hat sich ihre Situation aufgrund der Ausschüttungssperre verbessert.<405> Waren die ohne Ausschüttungssperre bestehenden Ausfallrisiken bereits durch Vereinbarung entsprechender Zinsen abgedeckt, so bedeuten die Ausschüttungssperren zusätzliche Kreditsicherheiten zu Lasten der Eigentümer.<406> Die ausschüttungsgesperrten Beträge können aber auch zu riskanten Investitionen genutzt werden, die in einigen Umweltzuständen zu Verlusten zu Lasten der Gläubiger, und in anderen Umweltzuständen Gewinne zugunsten der Eigentümer erwarten lassen.<407> Möglich sind aber auch unvorteilhafte Reinvestitionen oder Fehlinvestitionen.<408>

Die Ausschüttungsbegrenzungen, die durch die unterschiedlichen in der Literatur vertretenen Kapitalerhaltungsvarianten<409> gefordert werden, lassen sich aus Sicht der fremdfinanzierungsbedingten Agency-Probleme als unterschiedliche Investitionsuntergrenzen auffassen. Insoweit stimmt der Agency-Ansatz mit den Auffassungen überein, die davon ausgeht, daß Ausschüttungssperren vor allem der Sicherung der Haftungsmasse für die Gläubiger der Unternehmung dienen. Sofern es nur um ein generelles Einbehaltungserfordernis geht, wird


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auch aus Sicht des Agency-Ansatzes vertreten, daß Ausschüttungsrestriktionen gläubigerschützend wirken. Für erhöhte Ausschüttungssperren gilt hingegen, daß sie für den Gläubigerschutz positiv zu bewerten sein können; aber auch umgekehrt gläubigerschädigende Wirkungen möglich sind.<410> Pauschale Aussagen, daß erhöhte Ausschüttungsbeschränkungen durch einen mit Hilfe bilanzpolitischer Maßnahmen reduzierten Jahresüberschuß oder Bilanzgewinn als positiv für den Gläubigerschutz zu bewerten seien, lassen sich vom Agency-Ansatz nicht bestätigen.<411>

4.2.1.2. Eigenfinanzierungsbedingte Agency-Probleme

Eigenfinanzierungsbedingte Agency-Probleme werden anhand eines Modells<412> untersucht, bei dem es einen Unternehmer gibt, der zunächst alle Anteile am Unternehmen hält, und der das Unternehmen auch leitet. Dann wird eine Eigenkapitalfinanzierung durchgeführt, indem Anteile an externe Anteilseigner verkauft werden. Der bisherige Alleineigentümer behält dabei aber die vollständige Dispositionsbefugnis über das Unternehmensvermögen; er leitet das Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter (Manager). Es wird eine reine Eigenkapitalfinanzierung unterstellt. Der geschäftsführende Gesellschafter bezieht ein Gehalt, das unabhängig ist von Aufwendungen, die er zu seinem persönlichen Nutzen tätigt.

Der Ansatz geht davon aus, daß der geschäftsführende Gesellschafter danach strebt seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dieser Nutzen besteht aus Zahlungsmitteln (Gehalt) und dem Wert der Anteile am Unternehmen, aber auch aus nicht pekuniären Vorteilen wie z.B. eine teure Büroeinrichtung, ein großer Mitarbeiterstab, Dienstreisen usw. Nach Aufnahme von Eigenkapital durch den Verkauf von Anteilen, kann der Manager, der nun zum Agenten der Anteilseigner wird, seine Position auf Kosten der übrigen Anteilseigner verbessern, indem er nicht pekuniäre Vorteile konsumiert. Der persönliche Nutzen erhöht sich durch diese Vorgehensweise, während er die Kosten nicht mehr allein trägt. Die Kosten entfallen nur in der Höhe auf ihn, wie es seinem Anteil am Unternehmen entspricht.<413> Daher wird vermutet, daß nach der Emission von Eigenkapital ein erhöhter Konsum nicht pekuniärer Vorteile auftritt,<414> zumal der Anreiz zu derartigem Verhalten dadurch verstärkt wird, daß die anderen Anteilseigner ihre Leistung, die Zahlung des Eigenkapitals, vorab erbringen.<415>

Da potentielle Anteilseigner die Gefahr der Reichtumsverlagerung zu den geschäftsführenden Eigentümern erkennen, werden sie nicht bereit sein, für ihre Beteiligung den vollen Preis zu zahlen. Die Beteiligungstitel werden bei ihrer Emission damit von vornherein nur einen geringeren Preis am Kapitalmarkt erzielen. In Höhe der Differenz zwischen dem Emissionserlös und dem Preis, der ohne das antizipierte Verhalten des Agenten erzielt worden wäre, entsteht eine Vermögenseinbuße, deren Konsequenzen der Agent zu tragen hat. Der Mindererlös kann so hoch sein, daß die Eigenkapitalfinanzierung daran scheitert. Der Agent


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kann dieser Kostenbelastung auch nicht dadurch entgehen, daß er der Versuchung, sich nicht zu Lasten der außenstehenden Eigentümer eigennützig zu verhalten, widersteht. Ein Ausweg bietet sich nur, wenn es ihm gelingt, potentielle Anteilseigner davon zu überzeugen, daß er sich nicht opportunistisch verhalten wird. Dafür muß sich der Unternehmensgründer gewissen Handlungsbeschränkungen unterwerfen, und sich zu regelmäßiger Information zwecks Kontrolle seiner Tätigkeit verpflichten. Einen Teil dieser regelmäßigen Informationsgewährung stellt die Rechnungslegung dar, die somit dazu dienen kann, das Mißtrauen der potentiellen Anteilseigner abzubauen.

4.2.1.3. Agency-Ansatz und Markttheorie

Im Kontext der Kapitalmarktheorie stellt sich die Frage, ob es unter Berücksichtigung der Erkenntnisse des Agency-Ansatzes gesetzlicher Regelungen bedarf, um die Ressourcenallokation zu verbessern oder ob die Marktteilnehmer aus eigenem Interesse selbst auf ein effizientes Maß an Informationen und Ausschüttungsrestriktionen hinwirken. Im Lichte des Agency-Ansatzes kann erneut geprüft werden, ob gesetzliche Regelungen erforderlich sind, um einem Marktversagen vorzubeugen.

Bezüglich der fremdfinanzierungsbedingten Agency-Probleme stellt Schildbach<416> den Zusammenhang zwischen dem Agency-Ansatz und dem neoklassischen Marktmodell her, indem er fragt, ob es zweckmäßig sei, wenn der Gesetzgeber mit den bilanziellen Ausschüttungssperren ein zwingendes Mittel zum Schutz der Gläubiger vorschreibt, nur weil Ausschüttungssperren zwei Eigner-Gläubiger-Konflikte vermindern könnten. Er untersucht, ob es einfachere bzw. wirksamere Instrumente geben gibt, um das Mißtrauen der Gläubiger abzubauen und dadurch zu günstigen Kreditkonditionen zu gelangen, ohne gleichzeitig daran gehindert zu werden, Investitionen mit einem positiven Kapitalwert zu tätigen.<417> Schildbach gelangt zu der Schlußfolgerung, daß bei tatsächlich bestehendem Sicherungsbedarf der Gläubiger und mangelnden gesetzlichen Regelungen Ausschüttungsbeschränkungen im Rahmen einer Marktlösung vertraglich vereinbart würden. Die Marktlösung wäre mit jedoch mit Kosten verbunden, die durch eine gesetzliche Regelung verringert werden können.<418>

Da die Ausschüttungssperren nur einen Teil des Eigner-Gläubiger-Konflikts beseitigen, der restliche Konflikt aber nur schwer generell beseitigt werden kann, sieht es Schildbach als unverzichtbar für die Gläubiger an, zusätzlich Vorsorge in Form individueller Vereinbarungen mit den Schuldnern zu treffen. Diese Vorsorge kann Informationen über das Unternehmen, Risikozuschläge zum Zins, Bestellung von Sicherheiten, das Recht bei Eintritt bestimmter Bedingungen Sicherheit oder Befriedigung zu verlangen, oder Mitspracherechte umfassen. Bei diesen Vorsorgemaßnahmen ist der Gläubiger darauf angewiesen, Informationen über das Unternehmen zu erlangen. Art und Umfang der Informationsrechte der Gläubiger und bestimmte Informationspflichten der Unternehmung ließen sich zwar ebenfalls grundsätzlich individuell vereinbaren, jedoch treten dabei erhebliche Probleme auf. Daher ist auch unter dem Informationsaspekt eine gesetzliche Regelung sinnvoll, da der Gläubiger standardisierte Mindestinformationen über den Jahresabschluß erhalten kann.<419>


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Aus der Zweckmäßigkeit des Jahresabschlusses im Marktkontext werden in der Literatur unterschiedliche Schlußfolgerungen gezogen: Walz<420> hält es trotz des Eigeninteresses der Kreditnehmer an einer Senkung der Kreditkosten durch Selbstbindung in Form von Informationen, Kontrollen, Ausschüttungssperren und persönlicher Haftungsübernahme für erforderlich, im Verhältnis zwischen den Eigenkapital- und den Fremdkapitalgebern rechtlich sanktionierte Informationspflichten festzulegen. Er fürchtet, daß es ohne zwingendes Recht nicht zu einem fairen Spiel käme bzw. die Kreditbeziehung nicht auf Dauer Bestand hätte. Daher soll es auch ex ante nicht möglich sein, auf ein gewisses Mindestmaß an Schutzregeln zu verzichten. Die Abbildungs-, Meß- und Informationsverteilungsregeln des Bilanzrechts stellen notwendige Ergänzungen des Kredit- und Insolvenzrechts und insbesondere des Gesellschaftsrechts dar.<421>

Im Zusammenhang mit den eigenfinanzierungsbedingten Agency-Problemen hält Walz<422> den Agency-Ansatz für geeignet zu zeigen, daß ein unregulierter Markt mit Interessengegensätzen und unterschiedlichen Handlungsanreizen von Gründungsgesellschaftern und außenstehenden Anteilseignern unter bestimmten Voraussetzungen genau die Informationen zur Verfügung stellt, die gesamtwirtschaftlich effizient sind. Er zweifelt aber offenbar an, daß diese Voraussetzungen gegeben sind, da er gesetzliche Regelungen unter Hinweis auf die rationale Apathie des kleinen Aktionärs und das Auftreten des Trittbrettfahrerproblems für gerechtfertigt hält.<423>

Im Gegensatz dazu vertritt Hax<424>, mit Hinweis auf die Agency-Theorie, daß Rechnungslegungsvorschriften auch ohne staatliche Vorschriften zustande kämen, und es daher einer zwingenden gesetzlichen Regelung nicht bedarf. Allerdings sind die existierenden Regelungen nicht überflüssig, denn sie bieten den Vorteil der Normierung, durch die das unzweckmäßige und kostspielige Ausformulieren von Vorschriften für jeden einzelnen Vertrag entfällt. Auch die Auswertung von Jahresabschlüssen wäre ohne gesetzliche Regelungen erschwert, weil man sich immer erst informieren müßte, welche Bewertungs- und Gliederungsregeln dem Rechenwerk zugrunde liegen. Der Vergleich von Abschlüssen verschiedener Unternehmungen wäre ebenfalls ausgeschlossen. Hax meint, die Normierung der Rechnungslegung sei somit nützlich, müsse aber nicht zwangsläufig durch staatliche Vorschriften erfolgen.<425> Auch wenn die Normierung durch staatliche Vorschriften erfolgt, muß sie nicht unbedingt zur Vereinheitlichung führen, sondern kann Wahlmöglichkeiten bieten. Wenn den Unternehmungen die Wahl zwischen unterschiedlichen normierten Formen der Rechnungslegung gelassen wird, werden sie sich für die Rechnungslegung entscheiden, die ihrer Lage angepaßt ist und die Agency-Kosten verringert.<426> Hax weist darauf hin, daß Rechnungslegung kein Selbstzweck ist, sondern ein Instrument, mit dessen Hilfe Unternehmungen ihre Beziehungen zum Markt gestalten. Wie dieses Instrument zu benutzen ist, braucht den Unternehmungen nicht von Staat vorgeschrieben zu werden.<427> Eine gesetzliche Regelung, die den Unternehmen in gewissen Grenzen die Wahl zwischen verschiedenen normierten Formen der Rechnungslegung läßt, ist nach Hax<428> denkbar.


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Vom Agency-Ansatz wird auch eine Verbindung hergestellt zur Theorie des Marktversagens von Akerlof,<429> weil sich der Agency-Ansatz mit Informationsasymmetrien - der Ursache für Marktversagen - beschäftigt und deren Existenz im Hinblick auf die Kapitalmärkte bestätigt. Informations- und Publizitätspflichten sollen daher unter Berücksichtigung der Erkenntnisse des Agency-Ansatzes ökonomisch gerechtfertigt sein, denn sie ermöglichen die zumindest teilweise Beseitigung der Informationsasymmetrie und können damit dem Marktversagen vorbeugen, das entstehen könnte, wenn sich minder gut informierte Akteure, die wissen, daß sie in der schlechteren Position gegenüber den besser informierten Akteuren sind, vom Markt zurückziehen.<430> Einfache Mitteilungen sollen diesem Zweck nicht genügen, da es ihnen an Nachprüfbarkeit mangelt und auch die Anreize zur Fehlinformation stark sind.<431> Ähnlich argumentiert R. Schmidt, der feststellt, daß das Marktversagen bei asymmetrischer Informationsverteilung die Heterogenität der am Markt angebotenen Güter voraussetzt. Seiner Ansicht nach resultieren institutionelle Regelungen für reale Märkte, wie z.B. Börsenzulassungsregelungen und die Vorschriften zum Schutz der Kapitalgeber aus dem Bestreben, die Heterogenität der Güter auf den einzelnen Märkten zu reduzieren, um so die Funktionsfähigkeit der Märkte zu schützen.<432>

4.2.2. Beurteilung des Agency-Ansatzes als Instrument zur normativen Rechtfertigung einzelner Regelungen des Bilanzrechts

Der Agency-Ansatz erkennt an, daß der Jahresabschluß eine Ausschüttungsbemessungs- und einer Informationsfunktion hat. Sieht man von den Arbeiten ab, die den Zusammenhang zwischen Agency-Problemen und dem Versagen des Marktes herstellen, und konzentriert sich auf die Arbeiten, die wie das hier zugrunde gelegte Modell bei den einzelnen Akteuren ansetzen, stellt sich heraus, daß vor allem die Ausschüttungsbemessungsfunktion untersucht wird. Im wesentlichen wird ein Element der Ausschüttungsbemessungsfunktion, die Ausschüttungssperre, hinsichtlich ihrer Wirkung im Verhältnis der Unternehmung zu ihren Gläubigern betrachtet. Die Kreditbeziehung wird als Auftragsbeziehung angesehen. Es wird unterstellt, daß das Management ausschließlich im Interesse der Eigentümer der Unternehmung handelt. Die Gläubiger werden damit zu Prinzipalen und die Eigentümer der Unternehmung zu Agenten. Damit erfolgt eine Reduzierung der Betrachtung auf einen Eigner-Gläubiger-Konflikt. Vor diesem Hintergrund wird die Wirkung von Ausschüttungssperren untersucht und festgestellt, daß Ausschüttungssperren geeignet sind, die Gläubiger vor einigen Risiken zu schützen, während sie in anderen Situationen sogar zur Schädigung der Gläubiger führen können. Daraus wird abgeleitet, daß der Zweck bilanzieller Ausschüttungssperren grundsätzlich in der Beseitigung fremdfinanzierungsbedingter Agency-Probleme liegt,<433> jedoch keine Vorschläge unterbreitet werden können, wie der Gesetzgeber das Bilanzrecht gestalten sollte, um zu optimalen Ausschüttungssperren zu gelangen, weil die Annahme, daß eine möglichst hohe Ausschüttungsbeschränkung gleichbedeutend mit einem vermehrten Gläubigerschutz sei, nicht mehr haltbar ist. Wenn schon nicht gesagt werden kann, wie die Ausschüttungssperren an sich zielführend zu gestalten sind, erübrigt sich auch der Versuch der normativen Fundierung einzelner Regelungen des geltenden Bilanzrechts.


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Hinsichtlich der Informationsfunktion wird bestätigt, daß die Informationsgewährung zum Überwindung des Mißtrauens der Kreditgeber beitragen kann.

Ob der Agency-Ansatz künftig zu normativen Aussagen darüber gelangen kann, wie einzelne Regelungen im Hinblick auf die Ausschüttungsbemessungsfunktion in einer Kreditbeziehung vom Gesetzgeber konzipiert werden sollten, erscheint zweifelhaft. Diese Zweifel resultieren aus mehreren Gründen: Zunächst wird bei der Untersuchung des Verhältnisses zwischen der Unternehmung und den Kreditgebern die Rolle der Informationsfunktion nicht hinreichend berücksichtigt. Die Art und der Umfang der Informationsgewährung haben auf die Risiken, die ein Kreditgeber eingeht, erheblichen Einfluß. Die Risiken für die Gläubiger können sich erhöhen oder aber auch vermindern. Welche Interdependenzen zwischen einer veränderten Informationsgewährung und der Höhe der Ausschüttungssperren bestehen, ist ungeklärt.

Auch die Annahme, daß das Management ausschließlich im Interesse der Eigentümer der Unternehmung handelt, erweckt Zweifel daran, ob die Aussagen des Agency-Ansatzes verallgemeinert werden können.<434> Eine konsequente Gleichrichtung der Eigentümer- und Managerinteressen kann nur dann unterstellt werden, wenn die Manager zugleich am Unternehmen beteiligt sind,<435> oder falls dies nicht der Fall ist, ein Entlohnungssystem gefunden wird, das eine Interessengleichrichtung gewährleistet. Selbst wenn ein derartiges Entlohnungssystem existiert,<436> ist eine völlige Interessenangleichung von Managern und Eigentümern nur dann möglich, wenn der Manager nicht befürchten muß aufgrund seines am Nutzen der Eigentümer ausgerichteten Verhaltens nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen Gehaltseinbußen zu erleiden. Gehaltseinbußen sind denkbar, wenn der Manager an den Interesse der Eigentümer orientiert handelt, dadurch die Maximierung des gesamten Unternehmenswerts vernachlässigt bzw. eine Gefahr für den Bestand des Unternehmens herbeiführt und die Beschäftigungsmöglichkeiten für Manager davon abhängen, wie sie Unternehmen in der Vergangenheit geführt haben.<437> Nur wenn die Anreize zur Interessengleichrichtung so stark sind, daß der Nutzen aus einem am Interesse der Eigentümer orientierten Verhalten die möglichen Nachteile überwiegt, wird der Manager eine derartige Vorgehensweise auswählen. Ist es hingegen im Interesse des Managers den Unternehmenswert zu maximieren, ist eine Reichtumsverlagerung von den Gläubigern zu den Eigentümern nicht mehr so wahrscheinlich.<438> Für die Annahme, daß der Eigentümer-Gläubiger Konflikt aufgrund des Handelns des Managements für die Eigentümer nicht so ausgeprägt ist, wie im Agency-Ansatz unterstellt wird, spricht auch, daß bei den meisten Unternehmungen das Management aus mehreren Personen besteht, die jeweils andere Präferenzen haben und andere eigene Interessen verfolgen. Dadurch könnte eine gegenseitige Beeinflussung erfolgen, die einer vollständigen Interessengleichrichtung mit den Eigentümern entgegenwirken könnte. Trotzdem wird der Eigner-Gläubiger-Konflikt - wenn auch nicht in Reinform - existieren. Wäre es nicht so, hätten Gläubiger weniger Veranlassung sich zu schützen. Da jedoch in der Realität umfangreiche Absicherungsmaßnahmen


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der Gläubiger in Form von Kreditsicherheiten zu beobachten sind, spricht dies dafür, daß sich die Gläubiger nicht nur für den Fall unvorhersehbarer Umweltzustände, sondern auch gegen opportunistisches Verhalten der Eigentümer zu schützen versuchen.

Die Untersuchung eigenfinanzierungsbedingter Agency-Probleme wird reduziert auf die Konflikte zwischen Gesellschaftern, die das Management bilden (Insidern) und Gesellschaftern, die als reine Kapitalgeber auftreten (außenstehende Gesellschafter). Das Problem der Eigenfinanzierung wird damit in einen Manager-Eigentümer-Konflikt umformuliert, der daraus resultiert, daß die Insider die außenstehenden Gesellschafter ausbeuten können. Diese Sichtweise greift zu kurz, denn gegenwärtige und potentielle Anteilseigner haben, wie die entscheidungstheoretischen Ansätze bestätigen, ein Interesse an Informationen aus denen sie künftige Zahlungsströme ableiten können. Diese Zahlungsströme können zwar durch den Konsum nicht pekuniärer Vorteile durch Insider verkürzt werden, jedoch ist unter Berücksichtigung des anonymen Kapitalmarkts zu vermuten, daß Ausbeutungsprobleme eine eher untergeordnete Rolle spielen. Außerdem bleibt bei den Untersuchungen zu den eigenfinanzierungsbedingten Agency-Problemen die Ausschüttungsbemessungsfunktion der Bilanz unberücksichtigt. Die Rolle des Bilanzrechts in der Beziehung zwischen den gegenwärtigen Anteilseignern und der Unternehmung und der Beziehung zwischen Unternehmung und potentiellen Anteilseignern kann daher mit Hilfe des Agency-Ansatzes nicht hinreichend erklärt werden. Aufgrund der engen Annahmen des Ansatzes lassen sich auch keine normativen Aussagen aufstellen.

Als Fazit im Hinblick auf das zugrunde gelegte Modell bleibt festzuhalten, daß die Agency-Ansätze, die bei den einzelnen Akteuren ansetzen, keine normative Rechtfertigung des geltenden Bilanzrechts in seiner Grundstruktur und erst recht nicht der Regelung des § 249 HGB ermöglichen. Sie können nicht einmal zu allgemeinen Aussagen darüber gelangen, ob die Zwangsrückstellungen und die Ausübung von Rückstellungswahlrechten, die zur erhöhten Ausschüttungsrestriktion führen, als Selbstbindung zielführend im Rahmen eines Kreditvertrags sind. Denn ob Ausschüttungssperren als zusätzliche Kreditsicherheiten wirken, hängt von der Verwendung der gesperrten Mittel ab. Es lassen sich auch keine Aussagen darüber treffen, wie diese Regelungen im Hinblick auf die Informationsfunktion im Agency-Verhältnis zu bewerten sind, und wie sich die von den Regelungen ausgehende Ausschüttungssperre auf das Verhältnis zwischen den gegenwärtigen und potentiellen Anteilseignern auswirkt. Die Einschätzung, daß die Aufstellung von Sollensvorschriften angesichts der vielschichtigen Aufgaben der Bilanz selbst bei Betrachtung nur einer Beziehung nicht möglich erscheint, wird von den Vertretern der Agency-Ansätze geteilt, die dies darauf zurückzuführen, daß Interdependenzanalysen bisher nicht vorgenommen werden.<439>

Ein Verdienst des Agency-Ansatzes ist es, daß die verhaltenskanalisierenden Wirkungen von Ausschüttungssperren differenzierter betrachtet werden, denn die verschiedenen Möglichkeiten der Verwendung der einbehaltenen Mittel und die daraus resultierenden Konsequenzen werden gezeigt. Aus der Sicht des Agency-Ansatzes kann außerdem bestätigt werden, daß die Selbstbindung der Unternehmung ein geeignetes Mittel sein kann, um Mißtrauen eines Vertragspartners zu überwinden und durch Abbau von Informationsasymmetrie zur Verhinderung von Markfunktionsstörungen beizutragen. Es wird auch gezeigt, daß durch die Gewährung von Informationen in standardisierter Form eine Senkung der Transaktionskosten herbeigeführt werden kann.


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4.3. Beurteilung des Ansatzes von Ordelheide als Instrument zur normativen Rechtfertigung bilanzrechtlicher Regelungen

Ordelheide verbindet den kapitaltheoretischen Ansatz mit einigen Annahmen der Neuen Institutionenökonomie, insbesondere der unvollkommenen Information, und nutzt diese um die Bilanz zukunftsorientiert unter Berücksichtigung des Interesses der Bilanzadressaten an Zahlungsströmen zu interpretieren. Die Regeln des Bilanzrechts werden als Spielregeln interpretiert, deren zumindest partielle Kenntnis durch die Akteure zu einem Abbau der Verhaltensunsicherheit führt, und durch deren Anwendung ein möglicher Ertragswert der Unternehmung unter Unsicherheit ermittelt werden kann.<440> Darin ist ein Fortschritt zu erblicken, denn es wird über die Annahme der Sicherheit auf den Kapitalmärkten hinausgegangen, die den (gescheiterten) kapitaltheoretischen Ansätzen<441> zugrunde liegt. Zugleich wird durch die Interpretation des Bilanzrechts als Spielregel und damit als Institution explizit eine Verbindung zwischen Bilanzrecht und Neuer Institutionenökonomie hergestellt. Ordelheide leitet daraus jedoch keine normativen Aussagen ab, sondern es geht um eine positive Analyse geltenden Bilanzrechts.<442>

Ordelheide<443> erkennt an, daß die Bilanz gleichzeitig eine Ausschüttungsbemessungsfunktion und eine Informationsfunktion zu erfüllen hat, wenn er schreibt, der Gewinn, und damit eine einzige Größe kennzeichne den wahrscheinlichen Erfolg der Unternehmung insgesamt und diese eine Größe beeinflusse dann auch die Zahlungsbemessung.<444> Trotzdem werden nicht beide Funktionen im Hinblick auf die Interessen der Akteure gleichermaßen in die Betrachtung einbezogen. Ordelheides Interesse konzentriert sich mehr auf der Informationsfunktion, denn es geht um die Möglichkeit der Abschätzung künftiger Zahlungsströme aus der Sicht der Kapitalmarktteilnehmer. Für diese Schätzungen soll die Bilanz durch die Lieferung zukunftsorientierter Zahlen die Grundlage darstellen. Die Ausschüttungsbemessungsfunktion wird vernachlässigt: Das Interesse der Gläubiger an einer Ausschüttungssperre oder der potentiellen oder gegenwärtigen Anteilseigner an hohen Ausschüttungen wird in Ordelheides Ansatz nicht berücksichtigt. Der ausschüttbare Gewinn resultiert vielmehr nur aus dem Saldo der antizipierten Ein- und Auszahlungen.

Der neoinstitutionalistische Ansatz interpretiert die Werte der Bilanz zukunftsbezogen. Mit Hilfe der Behauptung, daß bei der Konzeption der Regeln der Kapitalwertermittlung die ökonomischen Konsequenzen der Verwendung der nach diesen Regeln ermittelten Werte mit bedacht werden müßten, und es nicht um die Abgabe möglichst genauer Prognosen ginge,<445> kann die Existenz von Bewertungswahlrechten - am Beispiel der Rückstellungswahlrechte - erklärt werden.<446> Eine ökonomische Erklärung der Regelungen des Bilanzrechts im Hinblick auf seine Wirkungen im Innen- und Außenverhältnis der Unternehmung ist darin jedoch nicht zu erblicken. Denn obwohl Ordelheide seinen Ansatz als neoinstitutionalistisch bezeichnet, geht dieser nicht vom methodologischen Individualismus aus und berücksichtigt folglich auch nicht die verhaltensleitenden Wirkungen des Bilanzrechts auf die einzelnen Gruppen von Akteuren. Er ist daher auch aus diesem Grund nicht geeignet, die Wirkungen der Bilanz in den hier zugrunde gelegten Verhältnissen zu erklären.


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4.4. Kritische Würdigung bisheriger interdisziplinärer Ansätze hinsichtlich der normativen Fragestellung

Während der neoinstitutionalistische Ansatz der Bilanz keine speziellen Aufgaben zuordnet, sondern sich in der Feststellung erschöpft, daß sich die Bilanzansätze als zukunftsorientierte Werte interpretieren lassen, die nach bestimmten Spielregeln aufgestellt werden, und deren Interpretation dem Bilanzadressaten überlassen bleibt, gehen die entscheidungsorientierten Ansätze und die Agency-Ansätze von den Interessen der Akteure aus. Damit wird das individuelle Verhalten in die Betrachtung einbezogen. Außerdem rücken die neueren Ansätze von der Annahme des vollständigen Wissens und der vollständigen Voraussicht zugunsten der Annahme der beschränkten Rationalität und der unvollkommenen Information ab. Das beginnt bei den entscheidungsorientierten Ansätzen, die sich mit Nebenrechnungen beschäftigen. Diese gehen davon aus, daß die Akteure an Informationen interessiert sind, die es ermöglichen, künftige Zahlungsströme abzuschätzen, um aufgrund dieser Schätzungen zu individuellen Entscheidungen, die auf ihren Präferenzen basieren, zu gelangen. Damit rückt das Interesse der Akteure an künftigen Zahlungsströmen in den Mittelpunkt der Betrachtung, ohne daß zwischen den Interessen einzelner Gruppen von Akteuren differenziert wird. Weil die Bilanz künftige Zahlungsströme nicht abbilden kann, werden Alternativen zum Jahresabschluß als Informationsinstrument entwickelt.<447>

Arbeiten, die nach der Wirkung der Informationsfunktion auf dem anonymen Kapitalmarkt fragen, lassen trotz ihrer unterschiedlichen Ergebnisse den Schluß zu, daß der Bilanz eine Informationsfunktion auf dem Kapitalmark zukommt, die zur Änderung der Kurse führt. Es kann jedoch nicht bestimmt werden, welche verhaltenskanalisierenden Wirkungen die Informationen der Bilanz auf die einzelnen Akteure am Kapitalmarkt entfalten und wie sich dies auf die Kursbildung im einzelnen auswirkt. Diese Ansätze leisten somit einen Beitrag zur Klärung einer Beziehung des Modells, nämlich der zwischen der Unternehmung und potentiellen Anteilseignern, beziehen sich jedoch nicht auf konkrete Normen des geltenden Bilanzrechts.

Bei allen entscheidungsorientierten Ansätzen wird nur die Informationsfunktion des Jahresabschlusses berücksichtigt; eine explizite Untersuchung ihrer Auswirkungen findet nur im Verhältnis zwischen Unternehmung und Kapitalmarkt statt. Die Ausschüttungsbemessungsfunktion des Jahresabschlusses einschließlich ihrer Rückwirkungen auf die Informationsfunktion (und umgekehrt) wird hingegen ausgeblendet. Gleiches gilt für die Beziehungen im Innenverhältnis der Unternehmung und die Beziehung zwischen der Unternehmung und ihren Gläubigern.

Die Annahme eigennützigen Verhaltens der Akteure wird erstmals von den Agency-Ansätzen ins Spiel gebracht, die sich mit der Rolle der Bilanz in den Beziehungen zwischen einzelnen Akteuren beschäftigen. Diese stellen auch den Zusammenhang zu anderen Institutionen wie dem Gesellschaftsrecht, dem Insolvenzrecht und Kreditverträgen her. Obwohl dies einen Fortschritt gegenüber den früheren Ansätzen darstellt, handelt sich bei den einzelnen Untersuchungen aber um vereinfachte Betrachtungen der Bilanzfunktionen im Zusammenhang mit den Finanzierungsbeziehungen der Unternehmung: Eigenfinanzierungsbedingte Agency-Probleme werden letztendlich auf Manager-Eigentümer-Konflikte reduziert und nur am Rande betrachtet. Das Forschungsinteresse gilt der Wirkung von Ausschüttungssperren


101

innerhalb einer Kreditbeziehung, die als einfacher Gläubiger-Eigner-Konflikt modelliert wird. Bereits die Berücksichtigung individueller Nutzenfunktionen stellt unüberwindliche Probleme dar. Daher wird bezüglich der Anteilseigner die Annahme getroffen, daß diese stets die Marktwertmaximierung präferieren.<448> Außerdem wird bei Untersuchungen des Eigner-Gläubiger-Konflikts unterstellt, daß die Manager ausschließlich im Interesse der Anteilseigner handeln. Untersuchungen zum Manager-Eigentümer-Konflikt geben jedoch Anlaß zum Zweifel an der Realitätsnähe dieser Annahme.<449> Durch die Annahmen wird die Problemstellung insofern vereinfacht, als nur eine einzige Beziehung in bezug auf eine Bilanzfunktion untersucht wird. Interdependenzen zwischen den verschiedenen Funktionen des Bilanzrechts und den unterschiedlichen Finanzierungsarten sowie den unterschiedlichen Interessen der Akteure werden zwar erkannt, aber nicht in die Untersuchungen einbezogen.

Damit kann zusammenfassend festgestellt werden, daß sowohl die entscheidungsorienterten Ansätze als auch die Agency-Ansätze die Aufgabenstellung und damit die Ziele der Bilanz in einem wirtschaftlichen und juristischen Kontext ansiedeln, indem sie nicht an den abstrakten Interessen der Unternehmung als black box anknüpfen, wie es bei den traditionellen betriebswirtschaftliche Ansätzen sowie beim neoinstitutionalistischen Ansatz von Ordelheide noch der Fall ist, sondern das institutionelle Umfeld berücksichtigen. Ihr Defizit aus Sicht des hier zugrunde gelegten Modells besteht aber darin, daß die einzelnen Untersuchungen jeweils nur eine isolierte Fragestellung betrachten. Damit erfolgt eine Komplexitätsreduktion, die der Vielschichtigkeit der Aufgabenstellung der Bilanz in den unterschiedlichen Beziehungen, die sie regelt, nicht gerecht wird.

Es läßt sich festhalten, daß diese Ansätze alle einen Beitrag zur Klärung der Rolle des Bilanzrechts in den unterschiedlichen Beziehungen leisten. Die Trennung zwischen der wirtschaftlichen und der juristischen Sichtweise wird aufgehoben und die dem Modell zugrunde liegenden Annahmen werden - zumindest implizit - berücksichtigt. Allerdings handelt es sich bei den einzelnen Ansätzen um partielle Erklärungen, denn kein Ansatz ist in der Lage, das Bilanzrecht mit seinen beiden Funktionen im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Rechtsverhältnissen und der rechtlich unverbindlichen Beziehung unter Berücksichtigung der Restriktionswirkungen und der verhaltenskanalisierenden Wirkungen auf die einzelnen Akteure zu erklären. Die neueren Ansätze sind der positiven Analyse des Bilanzrechts zuzuordnen<450>, eine normative Analyse ist angesichts der vereinfachenden Annahmen und der Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen nicht einmal in Hinsicht auf eine einzelne Beziehung und eine einzelne Norm wie den § 249 HGB, und erst recht nicht im Hinblick auf das gesamte Bilanzrecht möglich.


Fußnoten:

<279>

Vgl. Hax (1988), S. 190.

<280>

Vgl. Schildbach (1975), S. 23 f.

<281>

Vgl. Schildbach (1986), S. 7.

<282>

Ausnahmen stellen in der deutschsprachigen Literatur die Ansätze von Käfer und Ordelheide dar. Vgl. dazu oben S. 57-60. Überwiegend werden Marktwerte als zur Abbildung künftiger Zahlungsströme geeignet angesehen, wobei Barwerte, Wiederbeschaffungswerte und Veräußerungswerte als geeignete Marktwerte gelten. Vgl. Ballwieser (1993), S. 113, FN 24 bis 26.

<283>

In der amerikanischen Literatur wendet man sich statt dessen anderen Fragen zu. Es wird untersucht, welche Eigenschaften eine Gewinnziffer aufweisen sollte und wozu Gewinnziffern in einer Welt unsicherer Erwartungen und unvollständiger und unvollkommener Märkte nützlich sein können. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob Rechnungslegungsregeln mit Hilfe der allgemeinen Gleichgewichtstheorie bzw. informationsökonomischen Erwägungen begründet werden können. Vgl. dazu unten S. 75-85.

<284>

Moxter, Adolf (1977), S. 684.

<285>

Moxter (1966), S. 51 ff.

<286>

Moxter (1966), S. 58 und 45.

<287>

Moxter (1966), S. 51 ff.

<288>

Moxter (1966), S. 59.

<289>

Moxter (1966), S. 56 f.

<290>

Busse von Colbe (1966), S. 88 f. und 92.

<291>

Busse von Colbe (1966), S. 97.

<292>

Busse von Colbe (1966), S. 97.

<293>

Vgl. Busse von Colbe (1966), S. 98, ohne die dortigen Hervorhebungen.

<294>

Vgl. Busse von Colbe (1966), S. 99 ff.

<295>

Heinen (1986), S. 105 ff.

<296>

Zum folgenden vgl. Heinen (1986), S. 106 ff.

<297>

Heinen (1986), S. 113.

<298>

Vgl. Sorter (1969).

<299>

Ballwieser (1993), S. 118.

<300>

Ballwieser (1993), S. 121 ordnet diese und die folgenden Ansätze den Theorien über Normentwicklungsprozesse zu. Unter Theorien zu Normentwicklungsprozessen versteht man Theorien zur Ausgestaltung der Rechnungslegung durch den Gesetzgeber bzw. private Organisationen im internationalen Bereich.

<301>

Demski (1973).

<302>

Marshall (1972).

<303>

Ballwieser (1991), S. 112; Ballwieser (1982), S. 781-784 m.w.N.

<304>

Zum Problem der Reihung von Informationssystemen vgl. Bromwich (1980); Cushing (1977); Chambers (1976); Ohlson (1975); Ballwieser (1982).

<305>

Hirshleifer (1971).

<306>

Marshall (1974).

<307>

Vgl. dazu in der dt. Literatur: Ballwieser (1982), S. 788-790; Ballwieser (1985), S. 36-38; Schmidt (1982), S. 734-738; Ewert (1989); Ballwieser (1991), S. 112-114.

<308>

Marshall (1974); Hirshleifer (1971); Ballwieser (1991), S. 112; vgl. auch Schmidt (1982); kritisch: Hax (1988), S. 192-194, insbesondere S. 193.

<309>

Marshall, (1974), S. 380; Ballwieser (1991), S. 113.

<310>

Vgl. in der deutschen Literatur: Ewert (1989); Hartmann-Wendels (1991), S. 55-96.

<311>

Ballwieser (1991), S. 113 m.w.N.

<312>

Ewert (1989), S. 257-259.

<313>

Vgl. dazu unten S. 78 f.

<314>

Ballwieser (1991), S. 113.

<315>

Ewert (1989), S. 260 f. m.w.N.; Ballwieser (1991), S. 113 f.

<316>

Ballwieser (1991), S. 114.

<317>

Ballwieser (1991), S. 114 f.

<318>

Wagner (1993a), S. 7.

<319>

Wagner (1993a), S. 7, Beaver (1989), S. 142 ff.

<320>

Vgl. Walz (1993), S. 101; Brandl (1987), S. 152; Lev (1988), S. 5; Schmidt (1982).

<321>

Vgl. Schildbach (1986), S. 19 und S. 20-25.

<322>

Schildbach (1986), S. 26.

<323>

Vgl. dazu Schildbach (1986), S. 26 f. mit einer kritischen Würdigung der Lösungsversuche des Paradoxons auf S. 27-33.

<324>

In Deutschland hat vor allem Coenenberg empirische Arbeiten über die Kursbildung auf Kapitalmärkten vorgelegt. Zu einer Kurzübersicht zu den unterschiedlichen empirischen Ansätze vgl. Coenenberg (1994), S. 694 ff. und zur Methodik: Coenenberg (1994), S. 699 ff.; vgl. auch die Übersicht bei Möller (1993), insbesondere Sp. 512 und 518 ff.; vgl. auch Coenenberg (1984) und Coenenberg/Haller (1993).

<325>

Coenenberg (1994), S. 703 und 714. Coenenberg weist darauf hin, daß die Kursschwankungen bereits vor der Veröffentlichung zu beobachten sind. Er schließt daraus, daß Jahresabschlußinformationen in den Markt gesickert sein müssen, wodurch den Jahresabschlußinformationen nur noch bestätigender Charakter zukommt.

<326>

Brandl (1987), S. 160 ohne die dort zitierte Literatur.

<327>

Vgl. Brandl (1987), S. 160 m.w.N.; ähnlich auch Schmidt (1982), S. 759 f.

<328>

Vgl. Wagner (1993a) S. 7, Schildbach (1998), S. 6.

<329>

Schildbach (1986), S. 47 und 49.

<330>

Ballwieser (1993), S. 131; Schildbach (1986), S. 50-56 sowie S. 35-43 m.w.N.; Fama (1970), S. 384; Schneider (1990), S. 536-545; Möller (1985); Beaver (1989), S. 152-160; Wagner (1982); Brandl (1987), S. 161 ff. m.w.N.

<331>

Schildbach (1986), S. 38, Wagner (1982), S. 759.

<332>

Vgl. Schildbach (1986), S. 34.

<333>

Zu dieser Schlußfolgerungen gelangen Mande/Kwak (1996), S. 100 aufgrund einer Untersuchung des japanischen Marktes.

<334>

So auch: Schildbach (1986), S. 48.

<335>

Auch dies ist fraglich, denn in einer Welt in der alle alles wissen, wären auch Betrug und Durchsetzungsprobleme im voraus bekannt.

<336>

Hax (1988), S. 191.

<337>

Vgl. oben S. 15.

<338>

Walz (1993), S. 102 ff.; Schmidt (1982), S. 739.

<339>

Demsetz (1970), ihm folgend Brandl (1987), insbesondere S. 144-150 m.w.N.

<340>

Hax (1988), S. 194.

<341>

Hax (1988), S. 192 m.w.N.

<342>

Hax (1988), S. 192 f.

<343>

Walz (1993), S. 103.

<344>

Vgl. Akerlof (1970).

<345>

Walz (1993), S. 103.

<346>

Walz (1993), S. 103.

<347>

Vgl. Schildbach (1986), S. 15 m.w.N.

<348>

Walz (1993), S. 103 f.

<349>

Leftwich (1980).

<350>

Leftwich (1980), S. 198.

<351>

Hier kommt wieder der Gedanke ins Spiel, daß sich selbst kostenlose Informationssysteme bei nur einem Entscheider nicht in einer präferierten Reihenfolge ordnen lassen.

<352>

Walz (1993), S. 104.

<353>

Außerdem hat sich herausgestellt, daß unter diesen Annahmen die bilanzielle Gewinnermittlung überflüssig ist. Vgl. oben S. 56, dort FN 48.

<354>

Ballwieser (1993), S. 114; Beaver/Demski (1979); Ordelheide (1990), S. 224.

<355>

Ballwieser (1993), S. 114 f.; Beaver (1989), S. 98 und Ballwieser (1982), S. 788.

<356>

Beaver/Demski (1979), S. 43.

<357>

Ballwieser (1993), S. 115.

<358>

Schmidt (1982), S. 747 f.

<359>

Ballwieser (1993), S. 115.

<360>

Vgl. Demski/Patell/Wolfson (1984); Demski/Sappington (1990); Ballwieser (1993), S. 116, FN 38 meint der Beitrag von Demski, Patell und Wolfson könnte den Anschein erwecken, daß Wahlrechte als positiv einzustufen sind, und wendet sich dagegen in Ballwieser (1985), S. 35 f.

<361>

Demski/Sappington (1990).

<362>

Vgl. Ballwieser (1993), S. 117 f.

<363>

Vgl. Schildbach (1986), S. 50, er nennt als Beispiel die Insolvenz.

<364>

Ebenso: Schildbach (1986), S. 5 ff.; Schildbach (1992), S. 54.

<365>

Jensen/Meckling (1976), S. 308.

<366>

Vgl. Elschen (1994) S. 486; Elschen (1991), S. 1004 f.

<367>

Es handelt sich jedoch nicht um ein Menschenbild im eigentlichen Sinne, sondern um ein theoretisches Konstrukt, das als nützliche Fiktion angesehen werden kann, um ökonomische Fragestellungen zu präzisieren und bei deren Beantwortung zu helfen. Vgl. zur Auseinandersetzung mit der Kritik am Modell des homo oeconomicus: Brennan/Buchanan (1985), S. 46-66 und Pies (1993), S.141-155.

<368>

So auch: Hartmann-Wendels (1994), S. 562 f.

<369>

Ewert (1986), S. 1.

<370>

Dietl (1993), S. 135; Dietl/Picot (1993), S. 319.

<371>

Vgl. statt vieler Newton (1992), S. 97-113, S. 98. Die ”monitoring costs“ werden auch als ”policing costs“ bezeichnet. So z.B. bei Duska (1992), S. 152.

<372>

Schmidt (1988), S. 260; Dietl (1993), S. 135; Dietl/Picot (1993), S. 320.

<373>

Hartmann-Wendels (1992), S. 413; Ogden (1993), S. 181; Dietl (1993), S. 138 mit zahlreichen weiteren Nachweisen und dem Hinweis, daß die Begriffe hidden action und hidden information unterschiedlich definiert werden.

<374>

Mitnick (1992), S. 79; Hartmann-Wendels (1992), S. 413.

<375>

Mitnick (1992), S. 79 spricht von “imperfect surrogate measures“.

<376>

Ogden (1993), S. 181; Mitnick (1992), S. 79.

<377>

Mitnick (1992), S. 79; und auch Ogden (1993), S. 181 f.

<378>

Dietl (1993), S. 137 f.; Picot (1991), S. 152. Dieses Problem kann beispielsweise bei einer Kreditbeziehung auftreten, denn der Kreditnehmer hat mehr Informationen über seine Bonität als der potentielle Kreditgeber; vgl. Dietl/Picot (1993), S.321. Ein anderes Beispiel wäre der Eintritt eines Gesellschafters in ein Unternehmen, denn hier kann die Unternehmensleitung das Unternehmen besser bewerten als ein außenstehender potentieller Gesellschafter; vgl. Hartmann-Wendels (1994), S. 563. Vgl. auch oben S. 22 f. und 27 f.

<379>

Ogden (1993), S. 182; Dietl (1993), S. 139 f. stellt die Plastizität der dem Agenten überlassenen Mittel als Mitursache für moral hazard Probleme heraus, wobei eine hohe Ressourcenplastizität, d.h. die Möglichkeit, eine Ressource vielfältig zu verwenden, die Gefahr des moral hazard tendenziell erhöht.

<380>

Jensen/Meckling (1976).

<381>

Ewert (1986), S. 19 f.

<382>

Ewert (1986), S. 2.

<383>

Ewert (1986). Die Untersuchung von Ewert wird von Leuz (1995) erweitert, indem Ausschüttungssperren im mehrperiodigen Kontext untersucht werden. Leuz geht es - wie Ewert - um die Frage, wie eine optimale Ausschüttungssperre aussehen könnte. Da es nicht um eine normative Begründung des geltenden Rechts geht, wird der Ansatz von Leuz hier nicht weiter verfolgt.

<384>

Für eine einfache Darstellung des fremdfinanzierungsbedingten Agency-Problems vgl. Schildbach (1992), S. 32-39 und Hartmann-Wendels (1992).

<385>

Vgl. Ewert (1986), S. 14 ff.; Schildbach (1986), S. 61 ff.; Schmidt (1988), S. 258.

<386>

Schildbach (1986), S. 63.

<387>

Ewert (1986), S. 36. Die Marktwertmaximierung wird in vielen finanzierungstheoretischen Arbeiten als gültig unterstellt. Teilweise wird sie damit begründet, daß ein Manager, der im Interesse der Eigentümer handeln will, er dieses Interesse erst einmal kennen müsse. Der Manager kennt jedoch die individuellen Nutzenfunktionen und subjektiven Risikopräferenzen nicht, muß aber zur Folgerung gelangen, daß diese individuellen Präferenzen sehr unterschiedlich sein werden. Als Ausweg aus dieser Situation bietet es sich an, den Marktwert der Unternehmung zu maximieren, da von einer Mehrung des Reichtums auf alle Fälle jeder Anteilseigner profitiert. Vgl. Ewert (1986), S. 37 f. Damit wird in den finanzierungstheoretischen Arbeiten zugleich die Grundlage zu der weiteren Unterstellung, daß die Manager ausschließlich zum Nutzen der Anteilseigner handeln, gelegt. Vgl. Schildbach (1986), S. 61 f. Es gibt aber Untersuchungen zu der Frage unter welchen Bedingungen individuelle Anteilseigner tatsächlich den Marktwert der Unternehmung maximieren würden. Vgl. dazu die umfangreichen Nachweise bei Ewert (1986), S. 38, dort FN 51 sowie die skizierte Darstellung der Ergebnisse dieser Arbeiten auf S. 39-42. Auch zu der Frage, unter welchen Bedingungen die Manager tatsächlich den Nutzen der Eigentümer maximieren, gibt es Untersuchungen. Vgl. dazu unten S. 97.

<388>

Ewert (1986), S. 37.

<389>

Ewert (1986), S. 42 f, insbesondere FN 61 in der Ewert darauf hinweist, daß in der Literatur in der Regel vertreten wird, es gäbe bei drohenden Take-overs keine Agency-Probleme.

<390>

Ewert (1986), S. 48.

<391>

Vgl. Ewert (1986), S. 376 ff; Hartmann-Wendels (1992), S. 414 f; Schildbach (1992), S. 33.

<392>

Das Interesse an einer Unterdrückung von Informationen entfiele nur dann, wenn die Gläubiger von einer den tatsächlichen Umfang bei weitem übersteigenden Reichtumsverlagerung ausgehen würden.

<393>

Ewert (1986), S. 21 unter Hinweis darauf, daß dieser Gedankengang dem neo-institutionalistischen Ansatz der Finanzierungstheorie entstammt, in welchem die aus der Informationsasymmetrie resultierenden Probleme neben den eigen- und fremdfinanzierungsbedingten Agency-Problemen ausdrücklich untersucht werden, um die Kapitalmarktinstitutionen zu erklären. Vgl. auch: Schmidt (1981).

<394>

Ewert (1986), S. 22.

<395>

Schildbach (1986), S. 64; Ewert (1986), S. 64 ff, insbesondere S. 66.

<396>

Kalay (1982); Leftwich (1983); Ewert (1986), S. 49-51 und S. 64-67.

<397>

Ewert (1986), S. 67 f. Ewert weist zur Stützung dieser Aussage darauf hin, daß seit 1620 privat vereinbarte Ausschüttungsbeschränkungen nachweisbar seien. Vgl. Ewert (1986), S. 67 m.w.N.

<398>

Dem zwingenden Recht ist z.B. die Entziehung der Dispositionsbefugnis der Eigentümern über das Unternehmensvermögen durch das Insolvenzrecht bei Eintritt bestimmter Ereignisse zuzurechnen.

<399>

Ewert (1986), S. 68 und S. 69.

<400>

Ewert (1986), S. 69 unter Hinweis auf Watts (1977), S. 59 und Watts/Zimmerman (1979), S. 277, die feststellen, daß in der freien Wirtschaft eine Vielzahl individueller Restriktionen auftreten und dies anhand von historischen Daten belegen, die Zeiten entstammen, in denen keine weitgehenden gesetzlichen Eingriffe in die Rechnungslegung vorgenommen wurden. Watts (1977) und Watts/Zimmerman (1979) geht es dabei jedoch nicht um den Nachweis und die Bestimmung optimaler Ausschüttungssperren wie Ewert, sondern um Normentwicklungsprozesse. Vgl. oben S. 10.

<401>

Vgl. zum folgenden: Ewert (1986), S. 70.

<402>

Ewert (1986), S. 378 f.; vgl. zur Problematik auch Myers/Majluf (1984).

<403>

Ewert (1986), S. 386, Unterstreichungen wie im Original; vgl. auch Ewert (1987), S. 304.

<404>

Eichinger (1993), S. 168.

<405>

Eichinger (1993), S. 168.

<406>

Dazu: Hartmann-Wendels (1991), S. 309 und Eichinger (1993), S. 168 f.

<407>

Eichinger (1993), S. 169, dazu auch: Hartmann-Wendels (1991), S. 284.

<408>

Schildbach (1986), S. 64 f.

<409>

Vgl. dazu oben S. 52.

<410>

Vgl. Eichinger (1993), S. 166 f. m.w.N. Das nicht am Acency-Ansatz orientierte Schrifttum wertet dagegen die Ausschüttungssperren des HGB wohl eher als positiv hinsichtlich des Schutzes der Gläubiger. Kritisch betrachtet wird allerdings die Verminderung der Informationen der Bilanz, da sich die gebildeten stillen Reserven in schlechten Zeiten auch still wieder auflösen lassen und eine Verlustsituation verschleiert werden könnte. Zu den Kritikern der Ausschüttungssperre im Hinblick auf den Gläubigerschutz zählt Leffson (1987), S. 87 f. m.w.N. Zu einer ausführlichen Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile der stillen Reserven aus Sicht des herkömmlichen Schrifttums vgl. Gail (1978), S. 9-21.

<411>

Eichinger (1993), S. 169 mit Hinweis auf die spätere Umkehrwirkung von hohen Ausschüttungssperren, die einen allenfalls temporären Gläubigerschutz bewirkt. So auch Hartmann-Wendels (1991), S. 326.

<412>

Zur formalen Darstellung des Problems: Hax (1988), S. 194-197.

<413>

Solange der Manager Alleineigentümer der Unternehmung ist, muß er die Kosten selbst tragen, die der Konsum nicht pekuniärer Vorteile dadurch verursacht, daß er zu Aufwendungen führt, die den Gewinn schmälern.

<414>

Ewert (1986), S. 11.

<415>

Walz (1993), S. 93

<416>

Vgl. Schildbach (1986).

<417>

Zu einer Auseinandersetzung mit der Eignung diverser Instrumente zur Vermeidung der Benachteiligung der Gläubiger vgl. Schildbach (1986), S. 65 ff.

<418>

Vgl. Schildbach (1986), S. 69 weist jedoch ausdrücklich darauf hin, daß aus der grundsätzlichen Überlegung zur Rechtfertigung zwingender Ausschüttungsbeschränkungen nicht abgeleitet werden kann, wie der Jahresabschluß und die aus ihm abgeleitete Ausschüttungs-beschränkung im Detail aussehen müßte.

<419>

Schildbach (1986), S. 69 f.

<420>

Walz (1993), S. 93.

<421>

Walz (1993), S. 97.

<422>

Walz (1993), S. 93.

<423>

Walz (1993), S. 98 f.

<424>

Vgl. Hax (1988).

<425>

Hax (1988), S. 198; vgl. auch Kaplan (1980).

<426>

Hax (1988), S. 198.

<427>

Hax (1988), S. 200.

<428>

Vgl. Hax (1988), S. 198 f.

<429>

Vgl. oben S. 15.

<430>

Walz (1993), S. 98.

<431>

Vgl. Schmidt (1988), S. 252.

<432>

Vgl. Schmidt (1988), S. 252 f.

<433>

Vgl. Eichinger (1993), S. 172.

<434>

Selbst Ewert (1986), S. 367, teilt diese Zweifel. Er beschränkt das Ergebnis seiner Untersuchung ausdrücklich auf die eine von ihm untersuchte Finanzierungsbeziehung und warnt vor Verallgemeinerungen, weil sich bei Berücksichtigung des Eigeninteresses des Management andere Resultate ergeben könnten.

<435>

Diese Beteiligung müßte streng genommen 100% betragen, denn ansonsten kann das Management seinen Nutzen durch den Konsum nicht pekuniärer Vorteile erhöhen.

<436>

An der Existenz eines solchen Systems bestehen Zweifel, denn ein großer Teil der Agency-Theorie befaßt sich mit der optimalen Gestaltung von Verträgen, insbesondere den Verträgen von angestellten Managern, wobei versucht wird, die Frage zu beantworten, wie ein Anreizsystem aussehen muß, das den Agenten motiviert, zum Nutzen des Prinzipals zu handeln. Vgl. Ogden (1993), S. 182.

<437>

Ein nach diesem Mechanismus funktionierender Managermarkt wird in der Untersuchung von Ewert (1986), S. 27 f. ausdrücklich ausgeschlossen, da er sich auf die Konflikte zwischen Gläubigern und Anteilseignern konzentriert.

<438>

Ewert (1986), S. 374 m.w.N.

<439>

Ewert (1986), S. 196.

<440>

Ordelheide (1988b), S. 297.

<441>

Vgl. oben S. 56 und S. 70.

<442>

Ordelheide (1988b), S. 299.

<443>

Zur Darstellung des Ansatzes vgl. oben S. 58-60.

<444>

Ordelheide (1988a), S. 287.

<445>

Ordelheide (1988a), S. 282.

<446>

Vgl. oben S. 60 f.

<447>

Die entscheidungsorientierten Ansätze, die sich mit Nebenrechnungen befassen, haben jedoch letztendlich zur Verbesserung der Jahresabschlußinformationen beigetragen, denn heute fügen viele Unternehmen, die am Kapitalmarkt vertreten sind oder dort eine Notierung anstreben, freiwillig ein Cash-Flow Statement dem zwingenden Teil des Jahresabschlusses hinzu.

<448>

Vgl. Ewert (1986), S. 37.

<449>

Vgl. oben S. 97.

<450>

Dies gilt nicht uneingeschränkt für die entscheidungsorientierten Ansätze, die sich mit Nebenrechnungen befassen, weil diese konkrete Vorschläge zur Ergänzung oder zum Ersatz der Bilanz unterbreiten und insofern eine normative Ausrichtung haben.


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