2 Das Forschungsvorhaben im Überblick: Ein Verfahrensschema zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung

The problems we have today cannot be solved by thinking the way we thought when we created them.

Albert Einstein

Obwohl das Konzept der nachhaltigen Entwicklung mindestens seit der Rio-Konferenz von 1992 ein wichtiger Aspekt in der Zukunftsdiskussion geworden ist, steht eine genaue Operationalisierung in Politik und Planung noch in den Anfängen. Insbesondere die Frage nach einem strategischen Vorgehen1 für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung auf der lokalen Ebene muss geklärt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es hierfür keine einheitliche Methodik oder spezifischen Empfehlungen seitens des Bundes oder der Länder. Die Politikwissenschaft hat jedoch herausgearbeitet, welche Aspekte eine strategische Nachhaltigkeitsplanung aufweisen sollte.2 Diese sind:

  1. Setzen von Prioritäten: Dabei sollen die Handlungsfelder in den Vordergrund treten, in denen bislang befriedigende Lösungen fehlen (z. B. im Verkehr).
  2. Zielbildung: Es soll eine wissenschaftlich begründete Zielbildung erfolgen, die an Indikatoren ausgerichtet ist. Die festgelegten Ziele können schließlich mit frei zu wählenden Maßnahmen umgesetzt werden.3
  3. Partizipation: Angestrebt wird eine breite Beteiligung der verschiedenen Akteure.
  4. Monitoring: Überprüfung der Ziele durch regelmäßige Berichterstattung.

Für das Verfahren der Zielbildung hat die Enquetekommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ (1998)4 eine prototypische Vorgehensweise aufgezeigt. Außerdem hat der [Seite 21↓]Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU 1994 und 19985) ein Verfahren zur Ableitung, Formulierung und Festlegung von Umwelthandlungszielen für die nationale Ebene empfohlen, das in den Grundzügen auf die lokale Ebene übertragbar ist. Abb. 1 zeigt das auf diesen Grundlagen entwickelte Verfahrensschema für die handlungsfeld- und lokalspezifische Anwendung. Die Aspekte der strategischen Nachhaltigkeitsplanung werden hierbei mit einbezogen. Dieses Verfahren bildet den „Fahrplan“ für die Arbeit; die Kapitel, in denen die einzelnen Schritte bearbeitet werden, sind eingetragen.

Die Erarbeitung eines hierarchisierten Zielkonzepts und Methoden der Erfolgskontrolle bilden ein zentrales Element der vorliegenden Arbeit. Klare Zielvorgaben sind eine unerlässliche Voraussetzung für eine wirksame Nachhaltigkeitspolitik im Handlungsfeld Verkehr. Konkrete und gut begründete Ziele

Nach Angaben des Deutschen Instituts für Urbanistik ist in der überwiegenden Zahl der Kommunen ein derartig ausgerichtetes Instrument noch nicht eingeführt worden.7 Für die Entwicklung und Stabilisierung von lokalen Agenda- und Nachhaltigkeits-Prozessen ist eine konsistente Vorgehensweise, die konkreten Zielebenen und ein effizientes Prozessmanagement mit Monitoringbausteinen beinhaltet, unbedingt erforderlich.

Die in der Arbeit entwickelten Nachhaltigkeitsziele für den Berliner Stadtverkehr sind als exemplarische Zielvorgaben zu verstehen, die auf einer umfassenden Analyse aufbauen und lokalspezifisch konkretisiert sind. Sie wurden nicht unter den Gesichtspunkten einer politi[Seite 22↓]schen Umsetzung formuliert, sondern sollen in einem zweistufigen Prozess, bei dem die wissenschaftliche Zielbildung einer politischen, partizipativen Zielbildung vorausgeht, eine Grundlage für die Diskussions- und Entscheidungsphase sein. Nachhaltigkeitsindikatorenbilden dann den Stand der Zielerreichung ab.

Abb. 1: Verfahrensschema: Schritte einer strategischen Nachhaltigkeitsplanung im Handlungsfeld Verkehr, „Fahrplan“ für die Arbeit


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Allgemeine theoretische Grundlagen: Nachhaltigkeit – Verkehr – Indikatoren

In Kapitel 3, 4 und 5 erfolgt eine Auseinandersetzung mit den für die Arbeit relevanten theoretischen Grundlagen. Dabei geht es um den Nachhaltigkeitsbegriff und seine Entwicklung, um das System Verkehr und wie es im Rahmen der Arbeit verstanden und operationalisiert wird und um die Bedeutung von Indikatoren im Prozess der nachhaltigen Entwicklung.


Fußnoten und Endnoten

1 Ursprünglich wurde der Begriff „Strategie“ nur militärisch genutzt, ist aber inzwischen auch zentraler Baustein einer politischen und unternehmerischen Konzeption. Gemeint ist ein geplantes und abgestimmtes Vorgehen zur Erreichung präzise definierter Ziele unter Bedingungen des optimalen und koordinierten Einsatzes der verfügbaren Ressourcen. Vgl. Der Regierende Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei (Hrsg.): Die BerlinStudie. Strategien für die Stadt. Berlin 2000, S. 28.

2 Vgl. Jänicke, M.: Strategien der Nachhaltigkeit– Eine Einführung, S. 2. In: Jänicke, M., Jörgens, H. (Hrsg.): Umweltplanung im internationalen Vergleich. Strategien der Nachhaltigkeit. Heidelberg 2000.

3 Im Rahmen der Arbeit werden bewusst keine konkreten Maßnahmenvorschläge entwickelt. Die hier diskutierten Ebenen einer Nachhaltigkeitsstrategie sollen nicht durch eine Maßnahmendiskussion (mit all ihren Wirkungsfehleinschätzungen und widerstreitenden Akteursinteressen) verengt werden; die aus der vorgestellten Strategie resultierende Vielzahl möglicher Maßnahmen zur Erreichung von mehr Nachhaltigkeit im Verkehr ist für den Umsetzungsprozess vorteilhaft und soll hier nicht vorweggenommen werden.

4 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung. Abschlußbericht der Enquetekommission „Schutz des Menschen und der Umwelt – Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltigen zukunftsverträglichen Entwicklung“ des 13. Deutschen Bundestages. Bonn 1998, S. 78 ff.

5 Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU): Umweltgutachten 1994. Für eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung. Wiesbaden 1994, S. 110 ff. und Umweltgutachten 1998. Umweltschutz: Erreichtes sichern – neue Wege gehen. Wiesbaden 1998, S. 50 ff. und S. 120 ff. Detaillierte Ausführungen finden sich in Kapitel 7.

6 Siehe hierzu auch SRU (2002), S. 30.

7 Libbe, J., Hänisch, D.: Stellungnahme des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) für die Anhörung der Berliner Enquete-Kommission „Lokale Agenda 21/Zukunftsfähiges Berlin“. Berlin, 12. Oktober 2000, Kommissionsdrucksache des Abgeordnetenhauses von Berlin 14/16.



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20.11.2003