3 Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung

Zentrale Aufgabe der nachhaltigen Entwicklung in den Industrieländern ist es, Wirtschafts- und Lebensweise mit den natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen. Das heißt vor allem, dass wir unsere ressourcenintensive und umweltbelastende Lebensweise an die enger werdenden Spielräume bei der Belastung des Naturhaushalts anpassen müssen.

Stefan Summerer, Leiter Fachgebiet „Globale Umweltfragen, Umwelt und Entwicklung" im Umweltbundesamt Berlin

Im Folgenden soll ausgeführt werden, was unter einer nachhaltigen Entwicklung zu verstehen ist und welche Diskussionsrichtungen es gibt. Dem vorgestellten Verfahrensschema entsprechend, ist dies der erste Schritt der Vorbereitungsphase auf dem Weg zu einer Strategie der Nachhaltigkeit. Dieser Schritt ist wichtig, um ein in sich konsistentes Verfahren durchzuführen.

Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ist seit den frühen 90er Jahren zum Schlagwort für Lösungsansätze auf allen räumlichen Ebenen und für zahlreiche Institutionen und Handlungsfelder geworden. Darüber, was sich hinter dem Leitbild tatsächlich verbirgt, herrscht allerdings weder unter den Wissenschaftlern noch unter den Politikern und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen Einigkeit.

Nachhaltige Entwicklung verlangt - in kürzester Form – die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Generationen zu befriedigen und nicht auf Kosten nachfolgender Generationen zu leben. Dieser Grundsatz hat unmittelbare ökologische, ökonomische und soziale Implikationen. In allen drei Bereichen gibt es zahlreiche Beispiele von Belastungen für zukünftige Ge[Seite 24↓]nerationen, gleichzeitig bestehen enge Zusammenhänge zwischen den Bereichen. Die wichtigste Frage bezieht sich auf gangbare Wege in Richtung zu mehr Nachhaltigkeit; diese liegen im Spannungsfeld zwischen Bestandswahrung und Erneuerung bei grundsätzlicher Offenheit der Suchprozesse.1 Die vorliegende Arbeit soll zur Klärung dieser Frage einen Beitrag am Beispiel des Berliner Stadtverkehrs leisten.2 Sie baut auf den Grundlagen des Nachhaltigkeitskonzepts auf. Hierfür wird der Stand des Wissens in der Nachhaltigkeitsforschung aufgearbeitet und um eigene weiterführende Aspekte ergänzt.3

Zur Veranschaulichung des Nachhaltigkeitsbegriffs und seiner Entwicklung und zur Abgrenzung von Leitbildelementen sollen zunächst die in der Literatur immer wieder erwähnten und wenig strittigen Aspekte und Prinzipien der Nachhaltigkeit unter der Überschrift „Konsensuale Konzeptelemente“ schlagwortartig zusammengefasst werden. Es wird deutlich, dass das Konzept der nachhaltigen Entwicklung zwar verschiedene Zukünfte und Zukunftsstrategien zulässt, nicht jedoch beliebige.4 Die Ausführungen werden dann um Gesichtspunkte ergänzt, die besonders engagiert diskutiert werden und für die noch keine einheitliche Meinung gefunden wurde („Kontroverse bzw. unausgereifte Konzeptelemente“). Diese werden bewertet und durch eine eigene Position ergänzt. Die Begriffsanalyse basiert somit auf einer subjektiven Vorgehensweise, die sich bemüht, aufbauend auf einem umfangreichen Literaturstudium die Hauptaspekte der Nachhaltigkeit und die aktuellen Diskussionsströmungen strukturiert zusammenzufassen und eigene Auffassungen zu kontroversen Sachverhalten darzulegen.

Zum besseren Verständnis der historischen Entwicklung der Nachhaltigkeitsidee werden in einem zweiten Schritt die Begriffe der „ersten“ und „zweiten Nachhaltigkeit“ im Rahmen der Arbeit neu in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt und mit ihren jeweiligen Merkmalen [Seite 25↓]vorgestellt.

Die Art der gewählten Darstellung soll einen raschen und gleichzeitig übersichtlichen Zugang zum Nachhaltigkeitsbegriff und zur Nachhaltigkeitsforschung ermöglichen; sie hilft eine Orientierung am Leitbild der nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung herzustellen. Die herausgearbeiteten Prinzipien und Konzeptelemente werden im siebten Kapitel wieder aufgegriffen, wenn es darum geht, für ausgewählte Nachhaltigkeitsindikatoren unter dem Stichwort „Nachhaltigkeitsrelevanz“ den Bezug zu einer nachhaltigen Entwicklung sicherzustellen.

Die an Kapitel 3.2 anschließende Tab. 2 gibt einen Überblick über die im Folgenden herausgearbeiteten konsensualen und kontroversen Konzeptelemente. Diese sind weiter nach Schwerpunkten gegliedert. Unter der Überschrift „Theoretisch-wissenschaftlicher Bereich“ werden Konzeptelemente aufgeführt, die den theoretischen Unterbau des Nachhaltigkeitskonzepts berühren oder explizit die Rolle der Wissenschaft und Methoden der Nachhaltigkeitsforschung ansprechen. Der „Ethisch-normative Bereich“ vereinigt Prinzipien der Nachhaltigkeit, die auf den Verantwortungs- und Wertebegriffen der Nachhaltigkeit aufbauen. Aspekte, die politische und gesellschaftliche Prozesse berühren und Fragen der Entscheidungsfindung thematisieren, sind dem „Politisch-gesellschaftlichen Bereich“ zugeordnet. Wirtschaftliche Aspekte bzw. Fragen, die von wirtschaftswissenschaftlicher Seite behandelt werden, sind dem „Ökonomischen Bereich“ zugeordnet. Zwischen diesen Schwerpunkten gibt es Überschneidungen; einzelne Aspekte können mehreren Bereichen zugeordnet werden. Die erarbeitete Einteilung ist nicht als endgültig aufzufassen, die Konzeptelemente sollten permanent überprüft, weiterentwickelt und ergänzt werden.

3.1 Konsensuale Konzeptelemente

Die breite Auswertung der Literatur zum Thema Nachhaltigkeit hat eine große Übereinstimmung und Akzeptanz im Hinblick auf die folgenden Aspekte des Nachhaltigkeitskonzepts ergeben. Sie werden im Rahmen der Arbeit zu den konsensualen Konzeptelementen zusammengeführt. Damit soll gleichzeitig verdeutlicht werden, dass der Begriff der Nachhaltigkeit keine Leerformel ist, die jedermann mit seiner eigenen Vorstellung belegen kann. Eine derartige Analyse ist wichtig, da die zu beobachtende wahllose Begriffsanwendung in den unterschiedlichsten Kontexten dazu führen kann, dass sich der Begriff ins Beliebige verflüchtigt.


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Theoretisch-wissenschaftlicher Bereich

Hier werden Konzeptelemente genannt, die sich schwerpunktmäßig auf das theoretische Fundament des Nachhaltigkeitsbegriffs beziehen, sowie Elemente, die die Bedeutung wissenschaftlicher Ansätze im Nachhaltigkeitsdiskurs und Methoden der Nachhaltigkeitsforschung berühren.

Forstwirtschaft als begrifflicher Ursprung des Konzepts . Historisch hat der Begriff der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft seinen Ursprung. Er bezieht sich auf eine wirtschaftlich langfristige Nutzung des Waldes im Sinne eines dauerhaften Holzertrags. So darf einem Wald nicht mehr Holz entnommen werden, als durch Neuanpflanzungen an Bäumen nachwachsen kann.5

Thermodynamische Gesetzmäßigkeiten . Die Betrachtung und das Management von Stoffströmen sind für das Nachhaltigkeitskonzept konstitutiv (vgl. „ökologische Handlungsgrundsätze“). Hier wird häufig der Zusammenhang zu den thermodynamischen Gesetzen erwähnt.

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik (Massen- und Energieerhaltungssatz) besagt, dass Materie/Energie weder neu erschaffen noch verloren gehen kann. Dementsprechend führt die Stoffentnahme aus der Natur und die Umwandlung der Stoffe im wirtschaftlichen Prozess an anderer Stelle zu einem Stoffeintrag, z. B. in Form von Luftschadstoff-Immissionen. Mit der damit verbundenen „Entwertung von Stoffen und Energie“ befasst sich der zweite thermodynamische Hauptsatz und der Entropiebegriff: Die so genannte Entropie bezeichnet eine thermodynamische Zustandsgröße, die ein Maß für die „Unordnung“ darstellt. Bei Zufuhr von Wärme und bei irreversiblen Vorgängen wird die Entropie erhöht.6 Durch den (verschwenderisch) wirtschaftenden Menschen steigt die Entropie stark an, Emissionen werden akkumuliert, Risiken aufgebaut und Produktionsgrundlagen für künftige Generationen in kurzer Zeit aufgebraucht (vgl. „Prinzip Vorsorge“ und „Prinzip intergenerative Gerechtigkeit“). Die Ver[Seite 27↓]wendung erneuerbarer Ressourcen, die ihre Energie aus der konstant zuströmenden Sonnenenergie speisen, und eine abnehmende und effizientere Nutzung fossiler Ressourcen können im Sinne der Nachhaltigkeit den rasanten Anstieg der Entropie und der Emissionen vermindern helfen.7

Prinzip Ganzheitlichkeit . Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung verbindet Umweltaspekte mit sozioökonomischen Entwicklungsfragen und weitet so die ökologische Diskussion zu einem gesellschaftspolitischen Diskurs aus. Soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung sind derartig eng verzahnt, dass in keinem dieser Bereiche eine dauerhaft befriedigende Entwicklung erreicht werden kann, wenn dies nicht auch in den anderen Bereichen gewährleistet ist. Bezüglich des Umweltschutzes wird damit eine Trendwende vom additiven (Schutz einzelner Umweltmedien) zum integrativen Umweltschutz (Betrachtung und Förderung aller drei Dimensionen gleichermaßen) vollzogen.

Prinzip „global denken – lokal handeln“ . Das Nachhaltigkeitsleitbild ist global orientiert. Das ist sowohl in seiner Entstehungsgeschichte im Rahmen der UN-Kommissionen und Konferenzen als auch in grundsätzlichen ökologischen Wirkungsgesetzmäßigkeiten begründet (Klimaveränderung). Viele globale Ziele können jedoch nur durch lokales Handeln erreicht werden („think global – act local“).8 Es kommt also darauf an, lokales Handeln in einen globalen Kontext zu stellen.

Prinzip Interdisziplinarität . Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen sollen dazu beitragen, verbindliche Maßstäbe für den richtigen Umgang mit der natürlichen Umwelt zu entwerfen und damit das Konzept der Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.9 Dabei liefern die Naturwissenschaften in erster Linie Informationen über die Grenzen der Belastung der natürlichen Grundlagen, durchleuchten Wirkungsketten und analysieren die Eingriffe in die Natur. Die Ökonomie behandelt die Voraussetzungen für wirtschaftlich effizientes Handeln und stellt Instrumente zur Beeinflussung der wirtschaftlichen Aktivität - hin zu mehr Nachhaltigkeit - bereit. Die Disziplinen der Soziologie und Psychologie analysieren die Kluft zwischen Denken und Handeln, entwerfen Anreizsysteme für umweltgerechtes Verhalten und tragen zur Konsensfindung bei der Erarbeitung gemeinsamer Handlungsstrategien bei. Die (vergleichende) Politikwissenschaft analysiert die Bedingungen für den Erfolg von Strategien der Nachhaltigkeit. Die Geographie als die Wissenschaft von der Beziehung des Menschen zum Raum bzw. zu seiner natürlichen und kulturell geprägten Umwelt (Mensch-Umwelt-Verhältnis) ist dafür prädestiniert, im konkreten Raum die moderne Umweltkrise mit ihren [Seite 28↓]vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen den Systemen zu analysieren und nachhaltige Alternativen und strategische Nachhaltigkeitspläne zu entwickeln.10

Fortwährende Operationalisierung . Der Begriff der Nachhaltigkeit kann nicht abschließend und allgemeingültig definiert werden. Um eine Interpretation und Operationalisierung muss immer gerungen werden. Zurzeit ist nicht abzusehen, ob und wann sich eine für alle verbindliche Definition herausschält.11 Nachhaltige Entwicklung ist ein langwieriger und iterativer Prozess, der – konsequent zu Ende gedacht – nie abgeschlossen sein wird.12

Nachhaltigkeit kann – ähnlich wie die positiven und offenen Begriffe Freiheit oder Gerechtigkeit - als „regulative Idee“ verstanden werden, für die es nur vorläufige und hypothetische Zwischenbestimmungen geben kann. Gesellschaftliche Vorstellungen von nachhaltiger Entwicklung sind sowohl zeit- und situations- als auch kultur- und wissensabhängig.13

Nachhaltigkeit als Such- und Lernprozess . Unser Wissens- und Erfahrungsstand bezüglich nachhaltiger Entwicklung ist noch relativ gering. Nachhaltige Entwicklung ist ein gesellschaftlicher Lern-, Such- und Erfahrungsprozess, der durch Offenheit und Unsicherheit gekennzeichnet ist und der sich aus vielen Bausteinen zusammensetzt.14 Nachhaltige Entwicklung ist Ziel und Prozess zugleich, und ist insofern ganz wesentlich eine prozessuale Gestaltungsaufgabe.

Ethisch-normativer Bereich

Hier geht es um die Frage nach dem richtigen Handeln, um die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt und um die Frage der Einstellung gegenüber den nachfolgenden Generationen. Viele ethisch relevante Aspekte lassen sich als Prinzipien formulieren.


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Nachhaltigkeit als normative Idee . Wird nachhaltige Entwicklung – also im engen Sinne, die Gleichbehandlung der Bedürfnisse der heutigen und zukünftigen Generationen – als gesellschaftliches Ziel definiert, so ist dies eine normative Entscheidung, die sich letztlich nicht wissenschaftlich, sondern nur ethisch begründen lässt.

Ökologische Handlungsgrundsätze . Der Umgang mit natürlichen Ressourcen soll nach den Handlungsgrundsätzen der Nachhaltigkeit erfolgen: 1. Die Nutzung von Naturgütern orientiert sich an deren Regenerationsrate, 2. Stoffeinträge in den Naturhaushalt orientieren sich an dessen Assimilationsfähigkeit, 3. Risiken für Mensch und Umwelt sind zu vermeiden, 4. Zeitmaße, die die Umwelt zur selbst stabilisierenden Reaktion benötigt, sind bei anthropogenen Eingriffen zu berücksichtigen.15 Hier bestehen enge Bezüge zum Vorsorgeprinzip.

Schwerpunkt Umwelt in den Industrieländern. Die größten Abweichungen von einem nachhaltigen Entwicklungspfad ergeben sich in den Industrieländern aus den umweltbelastenden und ressourcenintensiven Lebens- und Wirtschaftsweisen. Die Produktions- und Konsummuster der Industrieländer sind angesichts der natürlichen Grenzen unseres Planeten nicht auf die gesamte Menschheit übertragbar und müssen deshalb geändert werden. Darin besteht für die Industrieländer die entscheidende Herausforderung. Demgegenüber bestehen die größten Anforderungen in den Entwicklungsländern in der Überwindung von Armut und einer wirtschaftlichen Entwicklung.16

Prinzip Vorsorge . Das Vorsorgeprinzip verlangt, dass trotz Wissenslücken vorsorgend gehandelt werden muss.17 Dem Entsehen potenzieller Beeinträchtigungen der Umwelt muss möglichst an dessen Ursprung vorgebeugt werden (Aspekt Umwelt). Der Schutz der menschlichen Gesundheit ist zu gewährleisten (Aspekt Gesundheit). Risiken sind zu minimieren. Unterlassenes Handeln würde noch größere und schwerer zu bekämpfende Risiken für nachfolgende Generationen bedeuten. Zielformulierungen einer nachhaltigen Entwicklung müssen an diesem Prinzip orientiert sein.

Prinzip intergenerative Gerechtigkeit . Forderung nach Erhaltung der Potenziale, die für die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen zur Verfügung stehen müssen.18 [Seite 30↓]Künftige Generationen sollten die gleiche Lebensqualität wie wir heute haben können.19 Dem langfristigen Erhalt der Produktivität und der immateriellen Werte von Natur und Umwelt kommt somit eine zentrale Bedeutung zu. Damit geht es um das Bewusstsein, dass jede Generation durch die eigene Lebens- und Arbeitsweise die Spielräume der nachfolgenden Generation bestimmt.

Prinzip intragenerative Gerechtigkeit . Das Prinzip zielt auf die Überwindung der Benachteiligungen zwischen den Menschen der gegenwärtigen Generation. Die bisher ungleichen materiellen und immateriellen Lebensbedingungen zwischen den sozialen Gruppen und zwischen entwickelten und unterentwickelten Ländern sollen sich annähern.20

Prinzip langfristige Orientierung . Dieses Prinzip hebt explizit hervor, dass die ökologischen, sozialen und ökonomischen Grundlagen dauerhaft zu sichern sind und die Langfristperspektive nicht aus den Augen zu verlieren ist. Bezüge bestehen zum Vorsorgeprinzip und zum Grundsatz der intergenerativen Gerechtigkeit.

Politisch-gesellschaftlicher Bereich

Hier geht es um den Bezug der nachhaltigen Entwicklung zu politischen und gesellschaftlichen Prozessen und damit um umsetzungsrelevante Aspekte. Da die Implementierung von Nachhaltigkeit noch in den Anfängen steckt, wird dieser Bereich stärker kontrovers als konsensual diskutiert. Über den hohen politischen Stellenwert von Brundtland-Bericht und Rio-Konferenz als Impulse für zahlreiche Aktivitäten besteht aber einvernehmen.

Rolle des Brundtland-Berichts . Historisch fand der Begriff der Nachhaltigkeit durch die von den Vereinten Nationen eingesetzte „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ weite Beachtung21, die 1987 einen Report mit der Überschrift „Our Common Future“ vorlegte. Die hier gefundene Definition kann als weitgehend anerkannt angesehen werden und bildet eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner. Unter „nachhaltiger Entwicklung“ (Sustainable Development) wird dort eine Entwicklung beschrieben, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“22 Die Definition der Brundtland-[Seite 31↓]Kommission ist nicht im Sinne einer Fortschreibung heutiger Konsumniveaus zu verstehen, sondern als Aufforderung, die nach uns kommenden Generationen in ihren Lebensmöglichkeiten nicht einschneidend zu beschränken.23 Damit verbunden sind vielfältige ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Problemdimensionen, die ein globales, regionales, lokales und zugleich in die Zukunft gerichtetes Handeln erfordern. Der Bericht vermittelt die Erkenntnis, dass eine ökonomische und soziale Entwicklung nicht von den Umweltbedingungen abgespalten werden darf, sondern eine dauerhafte Sicherung der Umweltfunktionen gewähren muss.24

Der „Erdgipfel“ von 1992 als weltweiter Auftakt . Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED), die 1992 in Rio de Janeiro stattfand, hat die Vorstellungen einer nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) weltweit zu einem zentralen Leitbild der Umwelt und Entwicklungspolitik gemacht. Der Schwerpunkt des Leitbildes wird in der Zusammenführung von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sozialer Verantwortung und Umweltschutz gesehen, um faire Entwicklungschancen für alle Staaten zu ermöglichen und die natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen zu bewahren.25 Die Rio Konferenz gilt als Symbol eines neuen Bewusstseins für die gemeinsame Verantwortung der Weltgesellschaften zur Erhaltung der Lebensgrundlagen. Zur Umsetzung des Leitbildes wurde in Rio die Agenda 21 - ein weltweites Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert - beschlossen. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten für Industrie- und Entwicklungsländer werden hier Ziele, Maßnahmen und Instrumente zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsprinzips definiert.

Prinzip qualitative Entwicklung . Gesellschaftliche Entwicklung ist mehr als die Erhöhung des materiellen Wohlstandes. Entwicklung beinhaltet qualitative Elemente wie Verbesserung der Bildungssituation und größere Freiheitsrechte, Verbesserung der ökologischen Lebensqualität und der Ernährungs- und Gesundheitssituation.26

Tief greifender Wandel der Gesellschaft . Das menschliche Leben und Wirtschaften scheint an einem Punkt angelangt zu sein, an dem es Gefahr läuft, sich seiner natürlichen [Seite 32↓]Lebensgrundlagen zu berauben.27 Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Nachhaltigkeitsforschung. Nachhaltigkeit, so kann gefolgert werden, ist ein Konzept mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Zumeist wird der Konsument immer stärker als Verursacher erkannt, unser gegenwärtiger „way of life“ in Frage gestellt und eine tief greifende Veränderung und Modernisierung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise gefordert. Es wird argumentiert, dass eine Übertragung des Wohlstandsmodells der Industrieländer auf die armen Länder den schnellen Kollaps grundlegender ökologischer Funktionen bedeuten würde.28 Das Vorsorgeprinzip und das Prinzip der intra- und intergenerativen Gerechtigkeit verlangen, dass wir - heute beginnend – Belastungen und Kosten nicht auf andere Menschen, andere Räume und andere Zeiten verlagern.

Individuelle Komponente . Jeder einzelne Mensch ist gefragt, sein Handeln immer wieder am Leitbild der Nachhaltigkeit – und seinen handlungsfeldspezifischen Konkretisierungen – auszurichten. Nachhaltigkeit bedeutet in erster Linie eine Hinterfragung des eigenen Lebensstils, dabei geht es vor allem um den Konsum von Gütern und Dienstleistungen. Bei der Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung nimmt der private Konsum eine Schlüsselstellung ein.29

Individuelle Entfaltungsräume sind dort begrenzt, wo die Handlungsspielräume anderer Individuen in ihren Grundrechten bedroht und/oder verletzt werden oder gesellschaftliche Grundwerte bedroht sind.30

Ökonomischer Bereich

Im Hinblick auf den ökonomischen Bereich werden Fragen der Schaffung und Erhaltung der Effizienz von wirtschaftlichen Strukturen und des Umgangs mit Ressourcen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse behandelt.

Prinzip Ressourceneffizienz . Die Steigerung der Ressourceneffizienz gehört zu den zentralen Forderungen der ökonomischen Dimension. Danach muss es darum gehen, die Natur effizienter zu nutzen als es heute üblich ist, um so zu einer Entkopplung zwischen Naturverbrauch und Wohlstand zu kommen.31 Die modernen Probleme der Ökologie stehen in [Seite 33↓]einem direkten Zusammenhang mit dem Verbrauch von „Natur“, d. h. von Fläche, Energie, Wasser und festen Rohstoffen. Da Produzieren und Konsumieren auf intensiver Naturnutzung beruhen, ergibt sich ein Konflikt mit der Wirtschaft und mit den Konsumenten. Es wird zumeist als eine Aufgabe der Politik gesehen, die technisch mögliche Vervierfachung oder gar Verzehnfachung der Ressourcenproduktivität voranzutreiben und zu einem Vorteil für die Wirtschaft zu gestalten.32

Verstärke Anstrengungen sind erforderlich, um technische Konzeptänderungen z. B. im Fahrzeugbereich voranzubringen. Politisch sollte dafür gesorgt werden, dass Kraftstoffsparen für die Autofahrer lohnender wird. Dies ist gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass die Autohersteller energieeffiziente Fahrzeuge mit größerem Nachdruck entwickeln.33 Zu berücksichtigen ist aber auch, dass viele Verbesserungen der letzten Jahre im Fahrzeugbereich durch das Wachstum des Kraftfahrzeugverkehrs regelrecht „aufgefressen“ wurden (so genannte Rebound-Effekte). Auch der Trend zu immer größeren und schwereren Autos trägt hierzu bei.34 Einspareffekte durch bessere Umweltnutzung müssen höher sein als die zusätzliche Ressourceninanspruchnahme durch Wachstum von Produktion und Konsum. Solange erhöhte Ressourcenproduktivität durch zusätzliches Wachstum kompensiert wird, führt dies nicht zu einer Verbesserung der Umweltbedingungen.35

Zusammenfassend für die konsensualen Konzeptelemente kann damit festgehalten werden, dass der Nachhaltigkeitsbegriff und der Nachhaltigkeitsprozess spätestens seit der Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung eine weltweite Verbreitung erfahren haben. Es besteht Einigkeit darüber, dass im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung grundlegende ethisch begründete Prinzipien sowie Handlungsgrundsätze im Umgang mit den natürlichen Ressourcen berücksichtigt werden müssen. Dabei sind im Sinne der Vorsorge Risiken für Umwelt und Gesundheit zu minimieren und die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen aber auch aller heute lebenden Menschen zu beachten. Die Langfristperspektive und eine interdisziplinäre Problemwahrnehmung sollen für das menschliche Handeln bestimmend sein.


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3.2  Kontroverse bzw. unausgereifte Konzeptelemente

Die folgenden Punkte werden in vielen Veröffentlichungen weitaus weniger berücksichtigt, sie erfordern noch erhebliche Forschungsanstrengungen und werden meist gegensätzlich diskutiert. Im Gegensatz zu den eben angeführten „konsensualen Konzeptelementen“ sollen sie als „kontroverse Konzeptelemente“ bezeichnet werden. Um eine konsistente Argumentation zu fördern und einer nicht beabsichtigten Auslegung vorzubeugen, sollte im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung für diese Aspekte ein Standpunkt gefunden und offen gelegt werden. Wie in der Darstellung der konsensualen Konzeptelemente werden die verschiedenen Gesichtspunkte unter den Überschriften der herausgearbeiteten Bereiche vorgestellt.

Theoretisch-wissenschaftlicher Bereich

Wie im vorhergehenden Kapitel dargestellt, besteht im theoretisch-wissen­schaftlichen Bereich weit gehender Konsens im Hinblick auf den theoretischen Ursprung des Leitbildes der Nachhaltigkeit, den prozessualen Charakter einer nachhaltigen Entwicklung sowie die ganzheitliche und interdisziplinäre Perspektive. Diesem umfassenden Grundverständnis steht auf der anderen Seite ein wissenschaftlicher Diskurs über die Konkretisierung und Gewichtung der Nachhaltigkeitsdimensionen sowie über die Rolle der Wissenschaft selbst und die Formulierung von Zielgrößen für Nachhaltigkeit gegenüber. Die zentralen Argumente werden im Folgenden wiedergegeben. Die Arbeit als Ganzes ist als ein Beitrag zur handlungsfeldspezifischen Konkretisierung dieser Fragen anzusehen.

Unterschiedlicher Konkretisierungsgrad in den drei Dimensionen . Die wissenschaftlichen Grundlagen zu den ökonomischen und sozialen Bedingungen einer nachhaltigen Entwicklung sind weit weniger ausgearbeitet als zur ökologischen Dimension. Auch in den Bereichen ökonomischer und sozialer Ordnungen bestehen Grenzen der Belastungsfähigkeit, die bei Überbeanspruchung zum Zusammenbruch der Systeme führen können (z. B. in Systemen der sozialen Sicherung). Ziel der Nachhaltigkeitsforschung ist es, neben der ökologischen auch die soziale und ökonomische Leistungsfähigkeit sicherzustellen, die sich zudem wechselseitig bedingen. Zielfestlegungen hierfür sind eher qualitativer als quantitativer Art.36

Bedeutung der ökonomischen und sozialen Dimension . Dem Grundkonsens, dass im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung neben dem Schutz der ökologischen Grundlagen auch die soziale und ökonomische Komponente berücksichtigt werden muss, steht entge[Seite 35↓]gen, dass kaum Einigkeit darüber besteht, was das für die konkrete Politikgestaltung bedeutet. Vielmehr wird die Verwirklichung einer so anspruchsvoll konzipierten Nachhaltigkeitsstrategie als wenig realistisch eingestuft. Es besteht die Gefahr der Überforderung der Politik, die letztlich zu einer Entwertung des Ansatzes einer langfristigen zielorientierten Politikgestaltung führen könnte.37 Daraus wird von politikwissenschaftlicher Seite gefordert, dass eine am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ausgerichtete Strategie auf die ökologisch kritischen Effekte ausgerichtet sein sollte, insbesondere auf die bisher ungelösten „schleichenden“ Umweltprobleme und die Akkumulationen von Umweltbelastungen, deren Dringlichkeit oft nicht durch unmittelbare Erfahrungen deutlich wird (Bodenkontaminationen, Flächenverbrauch, Treibhauseffekt etc.). Das Vorsorgeprinzip und die Langfristorientierung – als zentrale konstitutive Leitbildelemente der Nachhaltigkeit – werden hier am stärksten betont. Bei dieser ökologischen Orientierung des Konzeptes müssen allerdings die ökonomischen und sozialen Implikationen – und damit alle drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung – berücksichtigt werden. Positive Auswirkungen auf andere Bereiche im Sinne von „win-win-Lösungen“ sollten herausgearbeitet werden.38

Formulierung geeigneter Zielgrößen für eine Nachhaltigkeitsstrategie . Zieldefinitionen (Qualitäts- und Handlungsziele) für relevante Kenngrößen der Nachhaltigkeit sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Sie basieren sowohl auf wissenschaftlichen Grundlagen als auch auf Werturteilen, die sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientieren. Eine zielorientierte Strategie bietet zahlreiche Vorteile: Sie hilft den gesellschaftlichen Diskussionsprozess auf dringende Themen zu lenken, langfristige Umweltprobleme zu vergegenwärtigen, Wirkungen der Politik zu überprüfen, Veränderungsdruck auszuüben und langfristige, kalkulierbare Rahmenbedingungen für die staatlichen und gesellschaftlichen Akteure zu schaffen.39

Berücksichtigung der Bedeutung von Zeit und Geschwindigkeit. 40 Die Zeit ist eine grundlegende Kategorie der Natur. Obwohl das Leitbild der Nachhaltigkeit explizit die zeitli[Seite 36↓]che Dimension beinhaltet, wird die Zeit und die Zeitenvielfalt im wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs bisher wenig berücksichtigt.

Die „Zeit-Ökologie“41 kommt zu dem Schluss: Je mehr Systeme, desto mehr Zeiten gibt es - je größer die Vielzahl der Zeiten, desto größer ist die Stabilität von Systemen.42 Natürliche Rhythmen und Zeitskalen sind in einem stabilisierenden Sinne vielfältig miteinander verschränkt.43 Nachhaltigkeit bedeutet, die Vielfalt der Zeiten innerhalb der ökologischen, ökonomischen und sozialen Systeme zu berücksichtigen und Entscheidungen an den spezifischen Systemzeiten zu orientieren. Dem steht die Logik der Zeitverkürzung und Zeitverdichtung unseres Wirtschaftssystems entgegen, die mit der Langsamkeit natürlicher Systeme und menschlicher Individuen nicht kompatibel ist.

Im Kontext der Verkehrsproblematik weisen einige Autoren darauf hin, dass ein maßgebliches Leitbild unseres „fossilen Zeitalters“ die Geschwindigkeit ist – mit entsprechenden Wirkungen auf die Zeit- und Raumregime. Es wird argumentiert, dass die „Beschleunigungsgesellschaft“ nur scheinbar zu Zeitersparnis führt, denn Zeitgewinne im Verkehr werden in weitere Entfernungen (Zersiedelung und Zentralisierung) und in eine höhere Dichte an Erledigungen umgesetzt. Auch ökologisch betrachtet hat die Beschleunigung von Fahrzeugen negative Konsequenzen: aufgrund von Widerstand und Reibung erhöht sich bei einem Fahrzeug der Energieumsatz (und damit die Emissionen) nicht einfach linear, sondern überproportional zum Anstieg der Geschwindigkeit. Nachhaltigkeit, so wird argumentiert, erfordert auch eine Entschleunigung sowie Geschwindigkeitsobergrenzen; damit verbunden sind kürzere Distanzen durch eine dichtere Funktionsmischung im Nahraum („Stadt der kurzen Wege“).44

Ambivalenzen der Wissenschafts- und Technologieentwicklung . Hier geht es um die Frage, ob im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung von Seiten der Wissenschaft alles gemacht werden darf was machbar ist oder genauer gesagt, wo aus ethischer Sicht wissenschaftliche Grenzen anzusetzen sind. Ein kritisches Wissenschaftsverständnis stellt vor dem [Seite 37↓]Hintergrund der Nachhaltigkeit risikoreiche Forschungs- und Entwicklungspfade mehr und mehr in Frage. Die sich abzeichnenden Risiken stehen oftmals in keinem Verhältnis zum erwartbaren Nutzen für die menschliche Zivilisation. Das Konzept der Nachhaltigkeit sieht Wissenschaft und Technik in erster Linie als Werkzeuge an, um die großen ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen zu bewältigen.45

In Bezug auf die Umwelt formuliert: Auf Dauer zahlt sich kein Fortschritt aus, der grundlegenden Bedingungen der Natur zu wider läuft, vielmehr kann als Fortschritt nur bezeichnet werden, was von den Bedingungen der Natur mitgetragen wird.46

Abwägung von Zielkonflikten . 47 Bei der Orientierung an einer nachhaltigen Entwicklung kommt es bei konkreten Planungsfragen immer wieder zu Zielkonflikten. Geht es z. B. um den Ausbau eines Flughafens, sind Zielkonflikte zwischen ökonomischen Interessen wirtschaftlicher Akteure, ökologischen Belangen und den Interessen der Anwohner nach Ruhe unvermeidlich. Derartige Konflikte können aufgrund der Gegensätzlichkeit der Interessen nicht immer nach dem Konsensprinzip gelöst werden. Dem Anspruch, ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen innerhalb eines Projektes gleichermaßen gerecht werden zu wollen, kann nicht immer entsprochen werden. Ein konstruktiver Nachhaltigkeitsdiskurs darf die Widersprüche der Interessen nicht leugnen, sondern muss die Ambivalenzen herausarbeiten und sorgfältig abwägen.

Ethisch-normativer Bereich

Als konsensualer Aspekt des ethisch-normativen Bereichs gilt, dass eine nachhaltige Entwicklung letztlich nicht wissenschaftlich, sondern ethisch begründet ist. Die sittliche Forderung der Gleichbehandlung der Bedürfnisse heutiger und künftiger Generationen ist ein Kern des Leitbilds. Wie gezeigt lassen sich aus dieser Prämisse grundlegende Prinzipien ableiten. Neben den erwähnten konsensualen ethisch-normativen Konzeptelementen gibt es auch solche, über die weniger Einvernehmen besteht, die weniger konkret ausformuliert oder weniger bekannt sind. Die ethische Diskussion bleibt nicht bei der erwähnten bedürfnisorientierten Definition stehen, sondern versucht das Handeln des Menschen im Hinblick auf Nachhaltigkeit weiter sittlich zu begründen und in die Sichtweise einer umfassenden Umweltethik zu integrieren. Auch ist in diesem Zusammenhang eine Auseinandersetzung mit der anthropozentrischen und biozentrischen Sichtweise wesentlich, weil der Standpunkt der Akteure hier[Seite 38↓]zu das Ausmaß der zulässigen menschlichen Eingriffe in den Naturhaushalt bestimmt. Diese „kontroversen“ Aspekte werden im Folgenden ausgeführt.

Formulierung einer umfassenden Sustainability-Ethik . Für eine umfassende „Sustainability-Ethik“ – die ja letztlich im Zentrum der normativen Nachhaltigkeitsidee steht und das Fundament für einen Umdenkprozess im menschlichen Handeln bildet - gibt es noch kein geschlossenes Konzept. Eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen ist aber unausweichlich. In der Literatur finden sich Grundzüge, denen ein derartiger ethischer Ansatz folgen könnte.48 Die zusammenzuführenden Schlüsselbegriffe sind „human-naturales Gesamtsystem“, „Prinzip Verantwortung“ und „Prinzip Solidarität“.

Danach sind erstens sowohl die Umweltprobleme als auch die humanen Erfordernisse gleichermaßen zu betrachten. Ob Ziele einer nachhaltigen Entwicklung erreicht werden, kann nur ganzheitlich für das „human-naturale Gesamtsystem“ beantwortet werden. Es sollte stärker erkannt werden, dass sich alles Handeln in einem vernetzten System vielfacher Abhängigkeiten und Beziehungen abspielt. Gleichzeitig ist das Verständnis dieses Systems noch unzureichend (vgl. auch „Prinzip Retinität“).

Es muss zweitens gefragt werden, welche ethischen Leitprinzipien vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung gelten sollten. Die Notwendigkeit einer neuen Ethik „für die technologische Zivilisation“ hat bereits Jonas in den frühen 80er Jahren erkannt49. Die herkömmliche Ethik, die nach Jonas eine „Gegenwartsethik“ darstellt, erfasst nicht die Dimension der Zukunft. Die langfristigen Folgen des menschlichen Handelns müssen berücksichtigt werden, und zwar „in Raum- und Zeithorizonten, die denen der Taten entsprechen“. Oder anders ausgedrückt: „Die Reichweite unserer Verantwortung muss der Reichweite unseres enormen Eingriffsvermögens in den weltweiten Naturhaushalt entsprechen.“50

Die „human-naturale“ Sichtweise und das Jonas’sche „Prinzip Verantwortung“ sollten drittens durch das „Prinzip Solidarität“ ergänzt werden. Durch die zunehmenden Spätfolgen menschlicher Handlungen werden zukünftige Generationen in heutige Entscheidungsfindungen mit einbezogen. „Generative Solidarität“ bedeutet die Verpflichtung zur Sicherung der grundlegenden ökologischen Bedingungen, um zukünftigen Generationen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Ziel muss es sein, derartige ethische Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung bewusst zu machen, damit Menschen ihr Verhalten nach den Prinzipien Verantwortung und Solidarität [Seite 39↓]ausrichten.

Prinzip Retinität („Gesamtvernetzung“) . Dieses Prinzip ist dem eben erläuterten Begriff des „human-naturalen Gesamtsystems“ ähnlich. Es beinhaltet die Forderung nach der Einbindung der menschlichen Kulturwelt – mitsamt der Dynamik der sie bestimmenden Wirtschaft - in das sie tragende Netzwerk der Natur. Zugleich ist dieses Prinzip die Forderung nach einer Hinwendung zum Modell der Entkopplung von wirtschaftlicher Entwicklung und Ressourcenverbrauch. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen sieht darin das Schlüsselprinzip einer umfassenden Umweltethik: Der Mensch als Vernunftwesen wird der Verantwortung für die Natur nur gerecht, wenn er die „Gesamtvernetzung“ all seiner zivilisatorischen Tätigkeiten und Erzeugnisse mit der ihn tragenden Natur zum Prinzip seines Handelns macht.51

Anthropozentrische kontra biozentrische Sichtweise . Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung ist nach vorherrschender Meinung anthropozentrisch geprägt, stellt also den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Die Hervorhebung der Bedürfnisse der heutigen und zukünftigen Generationen und die Sichtweise, dass die Natur allein aufgrund ihres Nutzens für den Menschen erhaltenswert ist, macht die anthropozentrische Perspektive im Nachhaltigkeitskonzept deutlich. Die Bedeutung der ökologischen Vielfalt resultiert hier aus ihrem Beitrag zur grundlegenden Ökosystemstabilität und damit der Vermeidung von zukünftigen Schäden für den Menschen.

Eine biozentrische Sichtweise hebt im Gegensatz dazu das gleiche Recht auf Lebensentfaltung aller Lebewesen hervor sowie den Eigenwert der Natur, der nicht von der Funktion abhängt, den sie aus Sicht des Menschen erfüllt. Die Belange des Menschen stehen nicht über jenen der Natur.52 Aus der biozentrischen Idee kann streng genommen gefolgert werden, dass jegliche Eingriffe in die Natur durch den Menschen zu unterlassen sind, damit die Eigenrechte der anderen Lebewesen nicht gefährdet werden. Eine extreme Deutung der anthropozentrischen Sichtweise hingegen kennt keine eigenen Ansprüche der Natur, zum Zwecke des Aufbaus seiner eigenen Zivilisation darf der Mensch die Natur ausbeuten.53

Die Übergänge zwischen den Konzeptionen sind als fließend anzusehen. Auch eine „schwache“ biozentrische Sichtweise kann die Vorrangigkeit der menschlichen Interessen anerkennen und ein „gemäßigter“ Anthropozentrismus kann sich in Bezug auf den Umgang mit der Natur der biozentrischen Sichtweise nähern. Dabei kann der Natur als Schutzobjekt vor [Seite 40↓]menschlichen Eingriffen ein vom Menschen erwünschter Existenzwert zugesprochen werden.54

Politisch-gesellschaftlicher Bereich

Politisch-gesellschaftliche Aspekte betreffen die Umsetzung des Nachhaltigkeitsleitbildes. In diesem Bereich gibt es noch viele offene Fragen, die auch Gegenstand der Forschung sind und deshalb z. T. auch der wissenschaftlichen Dimension in der vorliegenden Matrix zugeordnet werden könnten. Relevante Fragen sind die Bedeutung von Partizipation innerhalb des Nachhaltigkeitskonzepts, die Erarbeitung adäquater Politikformen für die unterschiedlichen räumlichen und thematischen Ebenen und effektive Nachhaltigkeitsstrategien und geeignete Umsetzungsinstrumente. Politisch muss auch geklärt werden, welche Prioritäten im Nachhaltigkeitsprozess gesetzt werden. Ferner sollte die Gesellschaft sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, welche Lebensqualität wirklich für erstrebenswert gehalten wird. In den folgenden Kapiteln dieser Arbeit wird an geeigneter Stelle auf die hier erläuterten Aspekte eingegangen und versucht, diese Fragen exemplarisch zu beantworten.

Partizipation . In der Diskussion um Nachhaltigkeit konnte sich die Festlegung auf eine vierte, „institutionelle Dimension“ noch nicht durchsetzen. Inhaltlich geht es in erster Linie um partizipativ angelegte Planungsverfahren, bei denen die Orts- und Alltagskompetenzen von Bürgerinnen und Bürgern einbezogen werden, um so die Problemsicht der professionellen Akteure zu ergänzen.55 Bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung muss die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger (auch im Sinne einer zukunftsfähigen Demokratie) aber in jedem Fall gewährleistet sein.

Formen der Politik auf verschiedenen Ebenen . Welche Politikformen im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung adäquat sind, ist nicht geklärt. Diese Frage muss differenziert nach räumlichen Ebenen und verschiedenen Handlungsfeldern beantwortet werden. Die für eine nachhaltige Entwicklung so relevante Frage der langfristigen, weltweiten Umweltvorsorge spielt im gegenwärtigen politischen Kalkül nur eine geringe Rolle. Gleichzeitig ist die herkömmliche Form des politischen Engagements der Betroffenen nicht zu erwarten, weil die Hauptbetroffenen noch gar nicht geboren sind und weil der geographische Ort der Verursachung nicht mit dem Ort der Schäden zusammenfällt.56


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Weiter wird angesichts der heutigen Trends von Globalisierung, Deregulierung und Digitalisierung eine Entmachtung der demokratisch legitimierten Politik befürchtet. Der globale Wettbewerb der Global Players könnte zur obersten Steuerungsinstanz werden. Das eher nachhaltige Gegenbild dazu wäre eine zivilgesellschaftlich erneuerte Demokratie, deren oberste Steuerungsinstanz die global gültigen Menschenrechte sind. Zivilgesellschaftliche Gruppen treiben hier die Agenda 21 auf allen räumlichen Ebenen voran.57

Suche nach spezifischen Nachhaltigkeitsstrategien und Instrumenten . Über die Inhalte einer gesellschaftlichen Reformstrategie wird gestritten. Auf jeder räumlichen Ebene müssen eigene strategische Vorgehensweisen und geeignete Instrumente gefunden und getestet werden. Ein umweltpolitisches Wunderinstrument gibt es nicht, ein Instrumentenmix hat dagegen Aussicht auf Erfolg. Beispiele für die nationale Ebene sind die Ökosteuer und handelbare Zertifikate für mengenmäßig beschränkte Emissionen (Prinzip „deckeln und handeln“). Beispiele, die für die nationale und kommunale Ebene gleichermaßen relevant sind, sind Nachhaltigkeitsindikatoren, Qualitäts- und Handlungsziele sowie Dialogprozesse zur Erweiterung der Partizipation.

Prioritätensetzung im Rahmen nachhaltiger Entwicklung . Über die Frage, welche Handlungsschwerpunkte und Themen im Kräftefeld Ökologie-Ökonomie-Soziales zu setzen sind, gibt es auf den verschiedenen administrativen Ebenen Kontroversen. Unterschiedliche Akteure haben unterschiedliche Interessen und Auffassungen und auf den verschiedenen räumlichen Handlungsebenen wird der Handlungsdruck unterschiedlich wahrgenommen. Es existiert keine allgemein anerkannte Methode, um eine Prioritätenliste zu entwickeln. Hier müssen demokratische Verfahren, die nachhaltigkeitsrelevante Zusammenhänge und wissenschaftliche Erkenntnisse hervorheben, eingesetzt werden.

Neue gesellschaftliche Lebensvorstellungen . Hier geht es um die Fragen, wie Menschen heute und morgen leben sollten, was ein „gutes Leben“ ist und warum Menschen an zukunftsfähigen Lebensstilen interessiert sein sollten. Auch die Frage der ökologischen Lebensqualität im Wohnumfeld wird in diesem Rahmen diskutiert. Entsprechende Leitbilder sollten sowohl kulturell einladend als auch ökologisch tragfähig sein und auf konkreten Beispielen aufbauen.58 Derartige Werte, die sich auf Grundzüge eines guten menschlichen Le[Seite 42↓]bens beziehen werden als eudämonistische Werte bezeichnet.59 Im Kontext der Nachhaltigkeitsdiskussion gewinnen eudämonistische Werte zunehmend an Bedeutung.60

Bildung für Nachhaltigkeit . Im Rahmen einer Bildung für Nachhaltigkeit wird u. a. eine konsequente Reform des herrschenden Bildungssystems gefordert, bei der praxisorientierte Lernformen (Projektunterricht) einen hohen Stellenwert bekommen. Praktische und didaktische Teilaufgaben sind hierbei nachhaltigkeitsrelevantes Komplexitätslernen (in Zusammenhängen und Wechselbeziehungen denken), Antizipationslernen (zukünftige Wechselwirkungsweisen reflektieren) und Kooperationslernen (Berücksichtigung von Sichtweisen und Lebenslagen anderer Menschen und Kulturen). Im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung sollte ein ökologisches Problembewusstsein vermittelt werden, welches für die Vernetzung der ökologischen mit den sozialen und ökonomischen Fragen sensibilisiert.61

Ökonomischer Bereich

Inwieweit sind natürliche Ressourcen, die im Wirtschaftsprozess verbraucht werden, ersetzbar und welche Bedeutung kommt dem Wirtschaftswachstum vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung zu? Welche Beziehung besteht zwischen einer nachhaltigen Entwicklung und Kostenwahrheit? Diese Fragen werden im Zusammenhang Ökonomie und Nachhaltigkeit intensiv diskutiert und hier am Beispiel der Auseinandersetzung um eine starke bzw. eine schwache Nachhaltigkeit, am Beispiel der Internalisierung externer Kosten und anhand von Argumenten im Kontext Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum erläutert.

Strong versus Weak Sustainability .In der umweltökonomischen Diskussion über die ökologischen Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung, geht es um die Frage der Substitutionsfähigkeit von natürlichem Kapital (Gesamtheit der natürlichen Ressourcen, ohne Zutun [Seite 43↓]des Menschen vorhanden) durch künstliches Kapital (vom Menschen produzierte Vermögenswerte). Der prinzipiellen Forderung der Nachhaltigkeit nach Konstanz des Kapitalstocks insgesamt kann unterschiedlich entsprochen werden. Vertreter der Weak Sustainability unterstellen, dass nahezu alle Funktionen des natürlichen Kapitals durch andere Kapitalarten ersetzt werden können. Eine weit gehende Substitution zwischen den einzelnen Kapitalformen des Kapitalstocks wird prinzipiell für möglich gehalten. Demnach kann eine Verringerung des Naturkapitals durch einen Zugewinn an Sach- oder Humankapital ersetzt werden. Natur darf intensiv ge- und verbraucht werden, wenn gleichzeitig entsprechend künstliche Nutzenpotenziale bereitgestellt werden.62 Aus dieser Perspektive kann man im Extremfall alles auf irgendeine Weise für ersetzbar erklären.

Im Konzept der Strong Sustainability wird die Substituierbarkeit von natürlichem durch künstliches Kapital als äußerst begrenzt angesehen. Kennzeichnend ist hier die Auffassung, intergenerationelle Gerechtigkeit erfordere den vollständigen Erhalt des natürlichen Kapitals, genutzt werden soll nur, was nachwächst oder sich erneuern kann. Die Entnahme endlicher Ressourcen ist grundsätzlich nicht zulässig und müsste so schnell wie möglich beendet werden. Argumentiert wird mit den Grundannahmen, dass das natürliche Kapital essenziell für Produktions- und Konsumprozesse sei, dass der Mensch nicht alle Zusammenhänge im ökologischen System kennen und vorhersehen kann, ausgestorbene Arten unwiederbringlich verloren sind und der konstante Bestand an natürlichem Kapital wichtig ist für das Ökosystem der Erde.63

Beide Positionen bewegen sich gegenwärtig aufeinander zu.

Bedeutung von Wirtschaftswachstum . Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit wird die wirtschaftliche Wachstumsideologie vielfach infrage gestellt, da es sich dabei um eine von der Natur weit gehend unabhängige Betrachtungsweise handelt („Naturvergessenheit der Ökonomie“). Das Wachstumsparadigma führt nicht zu einer dauerhaften Steigerung des Lebensstandards, sondern langfristig zur Zerstörung der begrenzten Produktions- und Lebensgrundlagen.64 Sprachlich sollte zwischen „Wachstum“ und „Entwicklung“ unterschieden werden: Wachstum meint immer die quantitative Vergrößerung im physischen Maßstab, die Vermehrung der Produktionsergebnisse und damit der Strömungsgrößen. Entwicklung ist die qualitative Verbesserung und Entfaltung von Potenzialen.65 Bei Nachhaltigkeit des Wirtschaftens geht es nach Meinung von Busch-Lüty (1992) um die Erhaltung der Substanz der na[Seite 44↓]türlichen Potenziale in ihrem komplexen Wirkungsgefüge. Hierfür müssen Nutzungsnormen und –beschränkungen, bis hin zum Nutzungsausschluss gefunden werden. Eine Integration der externen Kosten in die Preise beispielsweise könnte – so die Autorin - die bisherige Ausblendung von Naturausbeutung und Nebenwirkungen sichtbar machen und damit zu einer „Korrektur der Wachstumsillusion“ führen.66

Die politisch-ökonomische Zielperspektive des Wirtschaftswachstums sollte nach Kreibich (2000) durch die Leitziele „Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft“ und „Lebensqualität der BürgerInnen“ ersetzt werden. Wichtige Faktoren für nachhaltiges Wirtschaften sind eine betriebliche Effizienzsteigerung, unternehmerische Innovationsfähigkeit und eine schrittweise Erhöhung der Kosten der Umweltnutzung.67 Weitere Stichworte für eine neue ökonomische Orientierung sind Entmaterialisierung, Förderung von umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Produktionsprozessen und Konsumgütern, Strategien der Entkoppelung von Wachstum und Energieverbrauch, Minimierung und Vermeidung der Rohstoffverschwendung sowie Regionalisierung (Rückführung der großräumigen, aber auch funktionalen Arbeitsteilung).

Bedeutung und Höhe externer Kosten . Externe Kosten bezeichnen in der Ökonomie negative Auswirkungen von Aktivitäten auf Dritte, die in keiner marktmäßigen Beziehung zum Agierenden stehen. Externe Kosten stellen eine Quantifizierung der Auswirkungen dar, die nicht auf den Kreis der Verursacher beschränkt bleiben, sondern der Allgemeinheit zugemutet werden. Diese Auswirkungen werden auch als externe Effekte bezeichnet und betreffen Bereiche, für die kein Markt existiert und für die folglich auch kein Preis gebildet wird, wie z. B. Luftverschmutzung, Lärm oder Flächenverbrauch.68

Eine Monetarisierung der externen Effekte ist methodisch mit Schwierigkeiten verbunden, weil z. B. kaum alle Wirkungen vollständig einbezogen werden können, potentielle Belastungen wie Klimawirkungen in ihrem Ausmaß kaum absehbar sind oder bestimmte Bereiche, wie Einbußen am individuellen Wohlbefinden, sich kaum kostenmäßig erfassen lassen.

Zur Quantifizierung der beispielsweise durch den Verkehr verursachten externen Kosten existieren etliche Untersuchungen, die allerdings eine große Bandbreite aufweisen. Unterschiede in den Kostenschätzungen sind das Resultat unterschiedlicher Abgrenzungen der berücksichtigten externen Effekte und unterschiedlicher Annahmen.69 Um dem Vorwurf, die [Seite 45↓]zu Grunde gelegten Abgrenzungen seien interessengeleitet zu entgehen, werden deshalb vielfach Untergrenzen angegeben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unterschritten werden. Hier geht es also nicht um eine vollständige, sondern um eine annähernde Internalisierung.70 Auf der anderen Seite müsste sich unter dem Aspekt der Umweltvorsorge die Kostenschätzung nicht am Minimum orientieren, sondern Kosten angeben, durch deren Internalisierung die angerichteten Schäden mit Sicherheit zu vermeiden sind.71

Hohe externe Kosten können tendenziell als ein Beleg für eine nicht nachhaltige Entwicklung gewertet werden, denn hohe externe Kosten weisen auf starke externe Effekte wie schädliche Auswirkungen durch die Luftbelastung, Treibhauseffekt, Lärmbelastung und Verkehrsunfälle hin. Diese Effekte sind mit den grundlegenden Prinzipien der Nachhaltigkeit nicht vereinbar (vgl. konsensuale Konzeptelemente):

Nachhaltigkeit verlangt eine Veränderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise im Sinne der grundlegenden Prinzipien der Nachhaltigkeit. Hohe und steigende externe Kosten weisen hingegen auf Rahmenbedingungen hin, die eine unnachhaltige Wirtschaftsweise fördern. Ohne die Notwendigkeit, externe Effekte angemessen zu berücksichtigen, werden die Akteu[Seite 46↓]re ihr Kalkül und ihr Verhalten kaum ändern. Mehr Nachhaltigkeit im Verantwortungsbereich eines jeden wird durch die Möglichkeit Kosten zu externalisieren untergraben.

Jede Externalisierung der Kosten auf andere Menschen, andere Räume und andere Zeiten ist per Definition unnachhaltig. Im Umkehrschluss kann für das Handlungsfeld Verkehr gefolgert werden: Nachhaltiger Verkehr wäre Verkehr, der keine Externalisierung zulässt.72

Internalisierungsstrategien . Kostenwahrheit wird durch „Internalisieren“ erreicht, also durch eine Übertragung der externen Kosten auf die Verursacher bzw. eine Berücksichtigung der externen Kosten in den Marktpreisen. Damit wird die Integration von Ökologie und Ökonomie gefördert. Aktivitäten, die für die Allgemeinheit schädliche Nebenwirkungen haben, werden eingeschränkt. Durch eine Internalisierung über Preiserhöhungen wird bewirkt, dass auf „unnötige“ Aktivitäten verzichtet wird. Unnötig heißt, dass der Nutzen, welche die Aktivität dem einzelnen Individuum bringt, geringer ist als die Kosten, welche dadurch für die Allgemeinheit entstehen.73 Für das Handlungsfeld Verkehr ausgedrückt ist unnötiger Verkehr der Verkehr, „der zwar real stattfindet (mit internem Nutzenüberschuss), der aber nicht stattfinden würde, wenn die externen Effekte in die Entscheidung einbezogen wären (gesamtgesellschaftlicher Kostenüberschuss), d.h. wenn die Preise im Verkehr die Wahrheit sagen würden.“74 Die derzeitigen falschen Preissignale veranlassen uns, falsche Entscheidungen zu fällen: Wir gehen zu wenig schonend mit unserer Umwelt um. Eine schrittweise Internalisierung der externen Kosten ist geeignet, Umweltbelastungen, Klimarisiken und Ineffizienzen zu verringern und damit vielfältig die Lebensqualität zu erhöhen. Die im Rahmen einer „strategischen Nachhaltigkeitsplanung“ formulierten Ziele können leichter erreicht werden (vgl. die Zielangaben in Kapitel 7). Auf der Ebene der Maßnahmen ist mehr Kostenwahrheit also eng mit einer Verringerung der Unnachhaltigkeit verbunden. Damit werden den Menschen die Folgen ihrer Entscheidungen bekannt gemacht und Verhaltensweisen entwickelt, die diese höheren Preise umgehen helfen.75

Zwei Instrumentenbündel der Internalisierung können unterschieden werden: Preisanhebungen nach Maßgabe der negativen externen Effekte (Pigou-Lösung) und handelbare Eigentumsrechte an Umweltgütern.76


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Im ersten Fall werden die externen Kosten durch staatliche Preiserhöhungen internalisiert indem z. B. Abgaben in Form von Fahrzeug-, Kraftstoff- und Nutzungsabgaben wie Straßenbenutzungsgebühren erhoben werden.77 Hauptproblem dieser Lösung ist die Festlegung des Schattenpreises für die Kompensation externer Effekte.

Bei der zweiten Lösung verteilt der Staat handelbare Umwelt-Zertifikate. Wer die Umwelt in irgendeiner Weise nutzt, muss Anteilsscheine erwerben und damit auch den dafür angemessenen Preis bezahlen. Hauptproblem einer Mengensteuerung durch Zertifikate liegt in der Bestimmung der Gesamtmenge eines Umweltgutes, die dem Wirtschaftsgeschehen zugeführt wird. Diese orientiert sich meist an marktfremden Kriterien wie etwa der ökologischen Schädlichkeit.78

Zur Ermittlung des am besten geeigneten Ansatzes zur Internalisierung können Kriterien herangezogen werden wie die Abschätzung des Beitrags der Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltbelastung, die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen (Instrumente sollten die Ziele zu minimalen Kosten erreichen), eine einfache Durchsetzbarkeit (geringe staatliche Aufwendungen für Verwaltung), Flexibilität (Möglichkeit auf Veränderungen und Unwägbarkeiten reagieren zu können) und politische Akzeptanz (Annerkennung durch die involvierten Akteure).79

Im Rahmen einer Internalisierung sollte auf der einen Seite die Höhe der externen Kosten berücksichtigt werden, auf der anderen Seite ist deren genaue Bestimmung aus den genannten methodischen Problemen nicht möglich. Eine pragmatisch Vorgehensweise zielt darauf ab, die für Einzelbereiche bestimmbaren Untergrenzen für den externen Kostenüberschuss umzusetzen und damit in die richtig Richtung loszulaufen.80 Wenn die externen Kosten in den Marktprozess internalisiert werden, werden die Marktkräfte das Angebot und die Nachfrage in Richtung verbesserte ökonomische und ökologische Effizienz und weniger Umweltbelastung bewegen.81


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Zusammenfassend für die kontroversen Konzeptelemente kann festgehalten werden, dass insbesondere die Implementierung einer nachhaltigen Entwicklung noch viele Fragen aufwirft, für die auf wissenschaftlicher und politisch-gesellschaftlicher Ebene intensiv nach Antworten gesucht wird. Diese Fragen betreffen eine geeignete strategische Vorgehensweise, das Verhältnis von Ökologie, Ökonomie und Sozialem und eine nachhaltigkeitsbezogene Operationalisierung von Zielen. Wesentlich ist zudem die Ausformulierung einer tragfähigen Nachhaltigkeitsethik, auf der das normative Nachhaltigkeitskonzept begründet ist. Bei alldem muss auf der gesellschaftlichen Ebene gefragt werden, was zu einer guten Lebensqualität gehört und auch, inwieweit die Art und Weise des gegenwärtigen Wirtschaftens mit einer Einschränkung an Lebensqualität verbunden ist. Die ökonomische Diskussion zur Internalisierung der nachhaltigkeitsrelevanten externen Effekte zeigt einen Weg zur Erhöhung der Kostenwahrheit und zur Verringerung der Unnachhaltigkeit auf.

Im Fazit des Kapitels 3.4 wird nochmals hervorgehoben, warum die hier dargestellte Methodik im Rahmen der Arbeit wichtig ist und welche der erarbeiteten Aspekte grundlegend für das weitere Vorgehen sind.

Tab. 2: Konsensuale und kontroverse Konzeptelemente einer nachhaltigen Entwicklung

Leitbild nachhaltige Entwicklung

Bereich

Konsensuale Konzeptelemente

Kontroverse bzw. unausgereifte

Konzeptelemente

Theoretisch-wissenschaftlicher Bereich

  

Ethisch-normativer Bereich

 

biozentrische Sichtweise

Politisch-gesellschaftlicher Bereich

  

Ökonomischer Bereich

  

Die Konzeptelemente sollten permanent überprüft, weiterentwickelt und ergänzt werden.
(F. Reul 2002)


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3.3  „Erste“ und „zweite Nachhaltigkeit“

Ausgehend von der historischen Betrachtung sollen die Bergriffe der „ersten“ und „zweiten Nachhaltigkeit“ im Rahmen der Arbeit eingeführt werden. Die „erste Nachhaltigkeit“ ist auf die lokale bzw. regionale Kulturlandschaft bezogen. Das Bemühen des Menschen um eine dauerhafte Naturnutzung ist ein altes kulturelles Phänomen. Will der Mensch langfristig Lebensmittel produzieren, muss er sich um eine ökologisch stabile Kulturlandschaft bemühen. Hierfür ist eine permanente, aktive Verantwortung des Menschen und ein hoher Arbeitseinsatz – sowohl für die genau angepassten Bewirtschaftungsformen als auch für die zahlreichen Reparatur- und Pflegearbeiten in der Landschaft – erforderlich. Die Gesamtverantwortung hierfür liegt traditionell in den Händen der lokalen Naturnutzer. In diesem Zusammenhang spricht Bätzing von einer „an der Reproduktion orientierten Produktion“.82 Der Begriff der Reproduktion – also die ständige Wiederherstellung und Stabilisierung der Kulturlandschaft – wird von Bätzing im gleichen Sinne wie der Begriff „Nachhaltigkeit“ gebraucht. Sozio-kulturelle Strukturen und Werte der Gesellschaft im Sinne einer gemeinsamen Umweltverantwortung spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Die „zweite Nachhaltigkeit“ ist wesentlich weiter gefasst und meint eine global über Generationen hinweg aufrechterhaltbare umwelt- und gesellschaftsverträgliche Entwicklung, wie sie seit der Rio-Konferenz von 1992 diskutiert wird. Der Begriff betont die engen Beziehungen zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklung, die vorrangige Orientierung am Vorsorgeprinzip sowie die großräumige Dimension von Umweltzielen und -strategien, die national, regional und lokal konkretisiert werden müssen. Im Rahmen der Arbeit sind insbesondere die formulierten allgemeinen Prinzipien der Nachhaltigkeit von Bedeutung - nachhaltige Konzepte verlangen Konsistenz zu diesen Grundsätzen.

Im Folgenden werden die Grundzüge der entwickelten Begriffe dargestellt und im Hinblick auf die zeitliche Ebene, die dazugehörigen Handlungsprinzipien, die räumliche Ebene und die begriffliche Festschreibung erläutert. Die Tab. 3 am Ende des Kapitels stellt die „erste Nachhaltigkeit“ der „zweiten Nachhaltigkeit“ gegenüber, dadurch wird die Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs übersichtlich veranschaulicht.

Die „erste Nachhaltigkeit“ besteht in zeitlicher Hinsicht seitdem Menschen sich bewusst um eine Kontinuierlichkeit der Naturnutzung, also um ökologische Stabilität ihrer lokalen Kulturlandschaft bemühen und Nutzungsgrenzen akzeptieren. Die Waldordnungen in vielen deutschen Reichsstädten sind beispielhaft für nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der „ersten [Seite 51↓]Nachhaltigkeit“ so gibt es z. B. in der Stadt Nürnberg eine entsprechende Waldordnung aus dem Jahr 1294.83 Für den Alpenraum sind in vielen Alpengemeinden noch aus dem Mittelalter stammende Alpsatzungen zur Vermeidung von Überweidung auf den kollektiv genutzten Almen belegt.84 Und auch für den Erhalt des Bannwaldes, der dem Lawinenschutz dient, gibt es jahrhundertealte Festschreibungen. So verbietet beispielsweise der „Bannbrief von Andermatt“ aus dem Jahre 1397 unter Strafe jedwede Entnahme aus dem Bestand des Bannwaldes.85

Ein Beispiel für nicht nachhaltiges Wirtschaften ist die Abholzung der Wälder des Mittelmeerraumes in römischer Zeit.

Zu den Prinzipien der „ersten Nachhaltigkeit“ gehören:

Der Begriff mit dem Bedeutungsinhalt der „ersten Nachhaltigkeit“ geht auf den sächsischen Oberberghauptmann von Carlowitz zurück, der im Jahre 1713 in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica“ den Grundsatz der nachhaltigen Forstwirtschaft formulierte.

Der Begriff der „zweiten Nachhaltigkeit“ bezieht sich in zeitlicher Hinsicht auf die Zeit seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahre 1992 in Rio de Janeiro, wo die Gleichrangigkeit von Umwelt und Entwicklung erstmals als Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie festgeschrieben wurde.


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Die der „zweiten Nachhaltigkeit“ zuzurechnenden Prinzipien werden ausführlich in Kapitel 3.1 diskutiert. Es handelt sich um die Prinzipien Ganzheitlichkeit, global denken – lokal handeln, Vorsorge, intergenerative und intragenerative Gerechtigkeit, um eine Orientierung an Langfristigkeit und das Bemühen um Ressourceneffizienz.

In räumlicher Hinsicht wird die großräumige bzw. globalen Dimension von Umweltzielen und Umweltstrategien, die national, regional und lokal konkretisiert werden müssen, betont. Die begriffliche Festschreibung geht auf die Agenda 21, dem zentralen Dokument der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992, zurück. Die Agenda 21 ist ein Aktionsplan für einen nachhaltigen Entwicklungsweg ins 21. Jahrhundert. Der „Nach-Rio-Prozess“ hat bis heute auf allen räumlichen Ebenen zu einer Vielzahl von weiterführenden Operationalisierungen und Aktivitäten für eine nachhaltige Entwicklung durch staatliche und nichtstaatliche Akteure geführt.

Tab. 3: Zur Entwicklung eines Begriffs von Nachhaltigkeit

 

Erste Nachhaltigkeit

Zweite Nachhaltigkeit

I. Zeitliche Ebene

Seit sich Menschen um Kontinuierlichkeit der Naturnutzung bemühen

seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio (1992)

II. Prinzipien

  

III. Räumliche Ebene

lokale bzw. regionale Handlungsebene

globale Dimension mit internationaler, nationaler, regionaler und lokaler Handlungs-ebene

IV. Begriffliche Festschreibung

von Carlowitz (1713): „Sylvicultura Oeconomica“ - erstmalige Verwendung des Nachhaltigkeitsbegriffes in forstwirtschaftlichem Zusammenhang

„Agenda 21“ der Rio-Konferenz (1992):

umfassendes Arbeitsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung; Symbol eines neuen Bewusstseins für die gemeinsame Verantwortung der Weltgesellschaften

V. Beispiele

  

(Entwurf: F. Reul 2002)


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3.4  Fazit und Forschungsperspektive, Darlegung der eigenen Positionen

Im Rahmen der Arbeit soll entsprechend dem Verfahrensschema (siehe Abb. 1, Punkt 1) ne­ben der Analyse auch der eigene Standpunkt innerhalb des vielschichtigen Nachhaltigkeitskonzepts offengelegt werden.

Aufgrund der Fülle der Aspekte des Nachhaltigkeitskonzepts und der vielfältigen Interessen der unterschiedlichsten Akteure im Nachhaltigkeitsprozess ist sowohl eine Analyse des Konzepts als auch eine begründete Einordnung in die bestehenden Diskussionsrichtungen erforderlich. Dieser Schritt wird im Interesse eines nachvollziehbaren Vorgehens im Rahmen der Arbeit als wesentlich angesehen, er sollte am Anfang von Forschungsarbeiten zur Operationalisierung des Nachhaltigkeitskonzepts stehen. Es muss geklärt werden, welche Elemente für das Nachhaltigkeitskonzept konstitutiv sind, welchen Anforderungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit entsprochen werden muss und welche Aspekte prioritär behandelt werden müssen. Im Verlauf der Arbeit kann dann der Bezug zu den bestimmenden Grundelementen immer wieder überprüft werden. Unterbleibt dieser Schritt, wird ein konsistentes Verfahren erschwert und Desorientierung erzeugt.

Auf der Analyse in Kapitel 3.1 und 3.2 aufbauend werden die folgenden mit dem Konzept konsistenten Positionen im Rahmen der Arbeit vertreten:

Bei der schrittweisen Konkretisierung von Nachhaltigkeit im Verkehr (Kapitel 7) sind diese Grundlagen wesentlich. Sie helfen die Orientierung am Nachhaltigkeitskonzept sicher­zu­stellen.

Für die Arbeit ergibt sich daraus, dass für das Handlungsfeld Verkehr die Grundzüge einer dauerhaft-umweltgerechten Entwicklung erarbeitet werden sollen. Soziale und ökonomische Implikationen – und damit alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - werden dabei mitberücksichtigt, und somit nicht vernachlässigt. Auf den Schutz der menschlichen Gesundheit und die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ist zu achten (vgl. oben mit den konsensualen Aspekten „Prinzip Vorsorge“ und „Rolle des Brundtland-Berichts“). Die Möglichkeiten künftiger Generationen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, hängen aber davon ab, ob es der heutigen Generation gelingt, die Lebensmöglichkeiten der nach uns kommenden Generationen nicht einschneidend zu beschränken.89

Die dargelegten Positionen stellen die begründeten Prämissen im Rahmen der Forschungsarbeit dar. Sie sind konsistent mit den erarbeiteten Grundlagen des Nachhaltigkeitskonzepts. Andere konsistente Positionen sind denkbar.


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Fußnoten und Endnoten

1 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung. Abschlußbericht der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt – Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltigen zukunftsverträglichen Entwicklung“ des 13. Deutschen Bundestages. Bonn 1998, S. 43 ff.

2 Die Diffusion des Leitbildes der Nachhaltigkeit in den Mobilitätsdiskurs erfolgte Mitte der 90er Jahre. Dabei wurde zunächst die weltweite Übertragbarkeit des Zivilisationsmodells des Nordens und mit ihm die Rolle des Automobils in Frage gestellt. Vgl. Petersen, R., Wilke, G.: Wie kann Stadtverkehr ökologischer werden? In: Jahrbuch Ökologie 2000. München 1999.

3  In zahlreichen Arbeiten, die sich auf das Nachhaltigkeitskonzept beziehen, erfolgt eine nur oberflächliche Analyse des Konzepts. Eine begründete Einordnung in die bestehenden Diskussionsrichtungen der Nachhaltigkeitsforschung fehlt oft ganz, eigene Positionen und Werturteile werden nicht ausreichend dargelegt. Wird von nur allgemeinen Grundpositionen ausgegangen, entstehen oft Widersprüche und Desorientierung. Dies kann zu einer Abwertung der Strategie einer nachhaltigen Entwicklung führen.

4 Vgl. Kreibich, R.: Sustainable City - Chancen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung. Handout zum IZT-Kongress „Sustainable City - Städte und Regionen im Prozess der nachhaltigen Entwicklung” am 18. Februar 1997 in Berlin, Berlin 1997a, S. 14. Vgl. hierzu auch Bossel, der diesen Aspekt wie folgt ausdrückt: „... the decision for sustainable development narrows the choice of ethical reference considerably. The necessary concern for future generations and for the natural environment on which human society depends, for example, is not compatible with unrestrained selfishness or anthropocentrism.” (Bossel, H.: Indicators for Sustainable Development: Theory, Method, Applications. A Report to the Balaton Group. Winnipeg 1999, S. 53. <http://www.iisd.org/pdf/­balatonreport.pdf>

5 

Der Begriff geht auf den sächsischen Oberberghauptmann von Carlowitz zurück, der im Jahre 1713 in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica“ den Grundsatz der nachhaltigen Forstwirtschaft formulierte (vgl. Renn, Knaus, Kastenholz: Wege in eine nachhaltige Zukunft. In: Breuel, B. (Hrsg.): Agenda 21. Vision: Nachhaltige Entwicklung. Frankfurt/Main 1999).

Entsprechende festgeschriebene Prinzipien zur Kontinuierlichkeit der Holzversorgung existieren aber bereits sehr viel länger. So wurden seit dem späten 13. Jahrhundert unter dem Druck der raschen Bevölkerungszunahme in verschiedenen Reichsstädten Deutschlands Waldordnungen erlassen, die festlegten, dass nicht mehr Holz eingeschlagen werden darf, als nachwachsen kann (z. B. Nürnberger Waldordnung von 1294) (vgl. Ömer, B.: Ökologische Leitplanken einer nachhaltigen Entwicklung. Umsetzungsorientierte Modellbildung zur Transformation ökologischer Lebensprinzipien in gesellschaftliche Werte. Endbericht. Wien 2000.).

Auch im Alpenraum existieren frühe Zeugnisse des Waldschutzes. Hier stand aber weniger die ökonomische Ressource Holz im Mittelpunkt als vielmehr ein ökologisches Problem: der als Lawinenschutz stehengebliebene „Bannwald“ ist von existentieller Bedeutung für die Siedlungen der Talstufe (z. B. „Bannbrief von Andermatt“ aus dem Jahre 1397, der jedwede Entnahme aus dem Bestand unter Strafe verbietet) (vgl. Bätzing, W.: Die Alpen. Entstehung und Gefährdung einer europäischen Kulturlandschaft. München 1991).

6 Nur in einem abgeschlossenen System, in dem nur reversible Vorgänge ablaufen, bleibt die Entropie konstant.

7 Vgl. Ömer (2000), S. 51 f.

8 Vgl. Ackermann, P., Fierment, G. (Hrsg.): Gestaltung nachhaltig zukunftsverträglicher Entwicklung und Agenda 21-Prozesse. Brandenburgische Umwelt Berichte 5, Potsdam, Neuruppin 1999.

9 Vgl. Renn, Knaus, Kastenholz (1999), S. 21 ff.

10 Hier soll gleichzeitig für integrative Ansätze auch innerhalb von Fachwissenschaften plädiert werden. Die Geographie mit ihrer Doppelsicht auf physio- und anthropogeographische Sachverhalte (wobei der Raum der gemeinsame Bezug ist) kann als beispielhaft für integratives Vorgehen angesehen werden. „Spezialisten für das Ganze“ sind für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung unverzichtbar. In anderen Disziplinen wie z. B. der Ökonomie werden derartige integrative Sichtweisen eher als Außenseiterperspektiven marginalisiert. Die Einführung des Leitbildes der Nachhaltigkeit ist mit einem Paradigmenwechsel in den meisten Wissenschaftsdisziplinen verbunden. Die damit verbundenen Brüche betreffen das unterliegende Weltbild und philosophische Vorverständnis sowie Inhalte, Methodik und Fragestellungen, also das, was für wissenswert gehalten wird. (Vgl. Busch-Lüty, C.: Nachhaltige Entwicklung als Leitmodell einer Ökologischen Ökonomie. In: Fritz, P., Huber, J., Levi, H. W.: Nachhaltigkeit in naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Stuttgart 1995, S. 119 f.)

11 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1998), S. 27.

12 Vgl. Kreibich, R. (1997a), S. 15.

13 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1998), S. 28.

14 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1998), S. 28 und 33.

15 Umweltbundesamt: Nachhaltiges Deutschland. Wege zu einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung. Berlin 1997, S. 12 sowie Deutscher Bundestag (Hrsg.), 1998, S. 46 und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.): Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Entwurf eines umweltpolitischen Schwerpunktprogramms. Bonn 1998, S. 9.

16 Vgl. Schuster, B.: Strategien nachhaltiger Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Jänicke, M., Jörgens, H. (Hrsg.) (2000), S. 153.

17 Die „Carrying Capacities“, also die Tragfähigkeiten der hochkomplexen natürlichen Systeme, sind unbestimmbar. Nachhaltigkeitstheoretiker sehen die Umweltzerstörung auch als eine Folge der Negation unseres Nichtwissens über die Komplexität der Welt, in der wir leben. Es kommt darauf an, die Erkenntnis unseres Nichtwissens anzuerkennen und daraus einen klugen Umgang (im Sinne des Vorsorgeprinzips) abzuleiten (vgl. z. B. Busch-Lüty (1995), S. 124).

18 Wie diese Potenziale im Einzelnen aussehen sollen und welche Elemente der natürlichen und künstlichen Umwelt erhaltenswürdig sind, ist allerdings eine heftig unter Wissenschaftlern, Politikern und Interessenvertretern umstrittene Frage (vgl. Strong versus Weak Sustainability).

19 Vgl. Renn, O., León, C. D.: Der Statusbericht 2000 „Nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg“. In: TA-Informationen 2, 2001, S. 4.

20 Vgl. z. B. SRU (1994), S. 83.

21 Die so genannte Brundtland-Kommission, benannt nach der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, die den Vorsitz der aus Politikern und Wissenschaftlern aus aller Welt bestehenden Kommission hatte.

22 Aus: Hauff, V. (Hrsg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven 1987.

23 Vgl. UBA (1997), S. 5.

24 Der Brundtland-Bericht enthält durchaus nicht nur konsensuale Leitbildelemente. Insbesondere die Forderung nach weiterem wirtschaftlichem Wachstum zur Erlangung von Nachhaltigkeit ist stark umstritten. Die Größenordnung des von der Kommission befürworteten industriellen Wachstums steht im Widerspruch zu dem Ziel einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung, da höchst wahrscheinlich irreversible Umweltzerstörungen und ein beschleunigter Ressourcenabbau damit verbunden sind. Außerdem, so die Kritik, wird der Überkonsum in den Industriestaaten zu wenig thematisiert. (Vgl. Kreibich, R. (Hrsg.): Nachhaltige Entwicklung. Leitbild für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft. Weinheim und Basel 1996, S. 27.)

25 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (1998), S. 8.

26 SRU (1994), S. 83.

27 Vgl. UBA (1997), S. 5.

28 Ebenda, S. 2 ff.

29 Vgl. Renn, O.: Agenda 21 – Unterwegs in eine nachhaltige Zukunft. In: Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg (Hrsg.): Umwelt und Verkehr. Anstöße vor Ort. Filderstadt 2001.

30 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1998), S. 40.

31 Ressourceneinsparung und industrielle Entwicklung sind nach Meinung des Wuppertal Instituts kein Gegensatz. Im Gegenteil, es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die gegenüber einer trendgemäßen Entwicklung zu geringeren Kosten führen (so genannte „no regret“-Maßnahmen, deren Umsetzung unabhängig von ihrem Beitrag zum Umweltschutz volkswirtschaftlich sinnvoll ist). <http://www2.wupperinst.org/Publikationen/­Presse/­20001/02_2001.html>

32 Von Weizsäcker schlägt in diesem Zusammenhang den Abbau umweltschädlicher Subventionen und die Einführung einer ökologischen Steuerreform - zur Verlagerung der Abgabelasten vom Faktor Arbeit auf den Faktor Natur - vor. Vgl. von Weizsäcker, E. U.: Ökologie, Ökonomie und Politik. In: Jahrbuch Ökologie 2000. München 1999, S. 38-42.

33 Vgl. Petersen, R., Diaz-Bone, H.: Das Drei-Liter-Auto. Berlin 1998, S. 201.

34 Ebenda, S. 13.

35 Vgl. Renn, Knaus, Kastenholz (1999), S. 22 f.

36 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) (1998), S. 30 ff.

37 Vgl. Jänicke, M., Jörgens, H., Koll, C.: Elemente einer deutschen Nachhaltigkeitsstrategie – Einige Schlussfolgerungen aus dem internationalen Vergleich. In: Jänicke, M., Jörgens, H. (2000), S. 223.

38 

Vgl. Jänicke, M., Jörgens, H., Koll, C. (2000), S. 221 ff.

Die zu starke Betonung der ökonomischen Dimension erhöht nach Meinung von Jänicke oftmals die Konfusion und kommt eher einer Verhinderungsstrategie gleich. Dabei wird meist unterstellt, dass nur das gegenwärtige Wirtschaftssystem Wohlstand und Arbeitsplätze sichern kann. Die wirtschaftlichen Vorteile einer langfristigen, ökologisch orientierten Strategie werden übersehen. So kann eine wachsende Umweltnachfrage vor dem Hintergrund einer global wachsenden Bevölkerung und Güterproduktion, bei prinzipiell begrenzten Aufnahmekapazitäten für Umweltbelastungen, als kalkulierbare, sichere Präferenz gelten. Langfristig unvermeidbare Umweltschutzmaßnahmen können mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden werden (vgl. Jänicke, M., 2000, S. 5 ff).

39 Vgl. Jänicke, M., Jörgens, H., Koll, C., 2000, S. 224 ff. In Kapitel 7 werden aufbauend auf einer Analyse wissenschaftlicher Grundlagen Zielempfehlungen für das Handlungsfeld Verkehr erarbeitet.

40 Im Themenheft „Von der Zeitnot zum Zeitwohlstand. Auf der Suche nach den rechten Zeitmaßen" der „Politischen Ökologie“, Heft 57/58, 1999, werden in zahlreichen Beiträgen unterschiedliche Aspekte von nachhaltigen Zeiten und Zeitenvielfalt behandelt.

41 Die Forschungsrichtung der „Ökologie der Zeit“ sieht in der Vernachlässigung der Zeitdimension eine Wurzel der sozial-ökologischen Krise. Die systematische Einbeziehung der Zeit in alle ökologisch relevanten Zusammenhänge ist ein wesentlicher Schritt, um der Krise zu begegnen. „Zeitökologie“ ist die Suche nach kulturellen Zeitmaßen, die an die Rhythmen anderer Systeme zeitlich angepasst sind. Die Abstimmung der menschlichen mit der vielfältigen natürlichen Dynamik und das Erkennen, dass menschliches Leben an die Einhaltung von Maßverhältnissen gebunden ist, die menschlicher Verfügungsgewalt entzogen sind, spielen für das Erlangen von Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle. Siehe ausführlicher hierzu: Politische Ökologie, Heft 57/58, 1999.

42 Vgl. Kümmerer, K.: Rettet die Zeitvielfalt. In: Politische Ökologie, Heft 57/58, 1999, S. 32-35.

43 Beispielsweise führen die Begradigung der Flüsse und das Vernichten der vielfältigen Auenlandschaft, die als Rückstaufläche für eine Entzerrung von Niederschlägen sorgt, zur Zerstörung zeitlicher Pufferkapazitäten. Die Häufigkeit von Hochwasserereignissen nimmt zu.

44 Vgl. Bund/Misereor (Hrsg.): Zukunftsfähiges Deutschland. Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung. Basel 1996, S. 153 ff. und Knoflacher, H.: Stehzeuge. Der Stau ist kein Verkehrsproblem. Wien 2001, S. 34 ff.

45 Vgl. hierzu Kreibich, R.: Wir können auch anders. Wirtschaft und Gesellschaft zwischen Dekadenz und Zukunftsfähigkeit. In: Politische Ökologie, Heft 65, 2000, S. 44-47.

46 SRU (1994), S. 12.

47 Hier wird ein Aspekt herausgearbeitet, der bei der Veranstaltung „Nachhaltige Entwicklung als Ideologie“ im Berliner Abgeordnetenhaus am 25.01.2001 intensiv diskutiert wurde.

48 Vgl. Ömer, B.: Ökologische Leitplanken einer nachhaltigen Entwicklung. Umsetzungsorientierte Modellbildung zur Transformation ökologischer Lebensprinzipien in gesellschaftliche Werte. Endbericht. Wien 2000.

49 Jonas, H.: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Berlin 1984.

50 Umweltbundesamt (1997), S. 22.

51 Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU): Umweltgutachten 1994. Für eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung. Wiesbaden 1994, S. 5 und 19.

52 Vgl. Spillmann, W. et al.: Nachhaltigkeit: Kriterien im Verkehr. Berichte des NFP 41 “Verkehr und Umwelt”, Bericht C5. Bern 1998.

53 Vgl. Knaus, A., Renn, O.: Den Gipfel vor Augen. Unterwegs in eine nachhaltige Zukunft. Marburg 1998, S. 33.

54 Vgl. Knaus, A., Renn, O. (1998), S. 34.

55 Vgl. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie: Definition von Handlungszielen für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilitätsgestaltung in Nordrhein-Westfalen. Wuppertal 1999, S. 28.

56 Vgl. von Weizsäcker, E. U. (1999), S. 40.

57 Vgl. Kreibich, R.: Wir können auch anders. Wirtschaft und Gesellschaft zwischen Dekadenz und Zukunftsfähigkeit. In: Politische Ökologie, Heft 65 (2000), S. 44-47.

58 

Auf den Internetseiten des Wuppertal Instituts gibt es die ständig aktualisierte Rubrik „Bilder eines guten Lebens“ der „Arbeitsgruppe neue Wohlstandsmodelle". Die „Bilder eines guten Lebens" sollen anschaulich machen, dass Beispiele für zukunftsfähiges Leben nicht erdacht werden müssen, sondern bereits praktiziert werden. Interessierte sind aufgerufen, Anregungen, Beispiele und Literaturhinweise einzubringen. <http://www.wupper­inst.org/­Gutes_Leben/index1.html>

Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ des Wuppertal Instituts enthält ein ausführliches Kapitel zu gesellschaftlichen Leitbildern. Sie betreffen z. B. das rechte Maß für Zeit und Raum, Perspektiven der Städte und des ländlichen Raums sowie eine globale Nachbarschaft mit den Ländern des Südens. Beinahe schon zum geflügelten Wort ist das Leitbild „gut leben statt viel haben“ geworden (vgl. Bund/Misereor (Hrsg.), 1996).

Im Hinblick auf das Themenfeld „Verkehr und Lebensstile“ soll auf zwei Initiativen hingewiesen werden. Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS) hat auf seinen Internetseiten ein Informationsnetzwerk für autoarme Stadtquartiere eingerichtet. „Autoarmes Wohnen“ (bzw. „autofreies“ oder auch „autoreduziertes Wohnen“) bezeichnet ein Wohnangebot, das sich an Haushalte ohne (eigenes) Auto richtet, mit dem Ziel, für diese Vorteile zu schaffen wie z. B. die hohen Nutzungsqualitäten der öffentlichen und privaten Freibereiche. <http://www.ils.nrw.de/netz/autoarm>

Der Verein „autofrei leben! e.V.“ hat das Lesebuch „Über Leben ohne Auto“ (2001) publiziert, in dem Familien und Einzelpersonen über ihren Alltag ohne Auto berichten. Weitere Informationen im Internet: <http://www.autofrei.de>

59 Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU): Sondergutachten 2002. Für eine Stärkung und Neuorientierung des Naturschutzes. Berlin 2002 (noch unveröffentlicht), S. 12.

60 Das so genannte Differenz-Argument ist ein Beispiel für die eudämonistische Argumentation. Es besagt, dass das Natürliche einen unverzichtbaren Gegensatz zur Welt der Artefakte und zu einer urbanen Technosphäre bildet, von der die meisten Menschen in ihrem Alltag umgeben sind. Die Andersartigkeit des Natürlichen gegenüber dem von Menschen Gemachten stellt eine wesentliche Quelle menschlicher Erfahrung und Kontemplation dar. (Vgl. SRU (2002), S. 13 f.)

61 Vgl. Umweltbundesamt (1997), S. 316 f.

62 Vgl. Ömer (2000), S. 57.

63 Vgl. Ömer (2000), S. 58.

64 Nach diesem Verständnis macht auch der oft gebrauchte Begriff des „nachhaltigen Wachstums“ keinen Sinn, es handelt sich dabei vielmehr um einen nicht aufzulösenden Widerspruch.

65 Vgl. Busch-Lüty, C.: Nachhaltigkeit als Leitbild des Wirtschaftens. In: Politische Ökologie, Sonderheft 4, September 1992, S. 6-12.

66 Vgl. Busch-Lüty (1992), S. 11.

67 Vgl. Kreibich (2000).

68 Umweltbundesamt (Hrsg.): Mobilität um jeden Preis? Expertenworkshop zu externen Kosten des Verkehrs und den Möglichkeiten, sie zu verringern. UBA Texte 66/96. Berlin 1996, S. 4.

69 Es hat sich aber auch gezeigt, dass sich die Differenzen der Schätzungen erheblich verringern, wenn eine einheitliche Abgrenzung und Datenbasis (Bezugsjahr und –gebiet, Emissionsfaktoren, Schadensgrenzwerte) zu Grunde gelegt werden. (Vgl. Umweltbundesamt (Hrsg.) (1996), S. 11.)

70 

Umweltbundesamt (Hrsg.) (1996), S. 10 ff.

Aktuellere Angaben für die vom Verkehr erzeugten externen Kosten liegen bei 100 Mrd. DM pro Jahr (vgl. Becker, U., Zimmermann, F.: Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Verkehr. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden, Plädoyer für die Nachhaltigkeit, 49 (2000), S. 20.)

71 Umweltbundesamt (Hrsg.) (1996), S. 47.

72 Becker, U., Rau, A.: Anforderungen an nachhaltige Mobilitätssysteme. In: UVP-report 2/2000, S. 64.

73 Infras, Econcept, Prognos: Die vergessenen Milliarden. Externe Kosten im Energie- und Verkehrsbereich. Bern 1996, S. 36.

74 Vgl. Becker, U.: Unnötiger Verkehr: Was ist das? In: Internationales Verkehrswesen (52) 9/2000, S. 396.

75 Vgl. Becker, U.: Nachhaltige Verkehrsentwicklung. Mehr als nur eine Phrase in der verkehrspolitischen Diskussion? In: Der Nahverkehr, 1-2/2002, S. 15.

76 Renn, O.: Externe Kosten und nachhaltige Entwicklung. In: VDI Berichte 1250. Externe Kosten von Energieversorgung und Verkehr, Düsseldorf 1996, S. 28 ff.

77 Eine Erhöhung der Kraftstoffabgabe (Mineralölsteuer) kommt der ökologischen Zielsetzung der Nachhaltigkeit insofern entgegen, als dass ein höheres Kostenbewusstsein der Verbraucher erreicht wird welches sich im Verkehrsbereich auf Reiseentscheidungen und das Fahr- und Käuferverhalten auswirken. Diese Abgabe kann alle externen Effekte beeinflussen, die mit dem Kraftstoffverbrauch korrelieren. Über den Preis wird ein ökonomischer Anreiz vermittelt, die Emissionen zu reduzieren, Verbraucher behalten gleichzeitig die Möglichkeit in marktwirtschaftlicher Weise zu reagieren. (Vgl. hierzu: Rothengatter, W.: Mineralölsteuererhöhung: Geldquelle, Beitrag zur Kostenwahrheit im Verkehr oder effizientes umweltpolitisches Lenkungsinstrument? In: Umweltbundesamt (1996), S. 91 ff.

78 Renn, O. (1996), S. 30und Infras: Internalisierung externer Kosten. Instrumente. Strategiepapier 01/1999, S. 26 ff

79 Infras (1999), S. 12 f.

80 Vgl. Becker, U.(2000), S. 369.

81 Vgl. Mauch, S.P., Iten, R.: Internalisierung der externer Kosten im Verkehr: Resultate einer internationalen Studie. In: Umweltbundesamt (1996), S. 57.

82 Bätzing, W.: Die Alpen. Entstehung und Gefährdung einer europäischen Kulturlandschaft. München 1991.

83 Vgl. Ömer (2000), S. 47.

84 Zu den festgelegten Bestimmungen für die „richtige“ Beweidung der Almen gehören z. B. die Zahl der Tiere oder der Beginn des Weidegangs. (Vgl. Bätzing (1991), S. 69.)

85 Vgl. Bätzing (1991), S. 58.

86 Vgl. Kreibich (1997a).

87 

Vgl. SRU (1996), Hesse et al. (1997), Jänicke/Jörgens/Koll (2000), Schuster (2000), Renn (2001).

Das Umweltbundesamt formuliert in dem Bericht „Nachhaltiges Deutschland. Wege zu einer dauerhaft-umwelt­gerech­ten Entwicklung“: „Alles Wirtschaften und auch die Wohlfahrt im klassischen Sinne stehen unter dem Vorbehalt der ökologischen Nachhaltigkeit. Nur in dem Maße, in dem die Natur als Lebensgrundlage nicht gefährdet wird, ist Entwicklung und damit auch Wohlfahrt möglich (...). Wenn die Politik Nachhaltigkeit gezielt gestalten will, dann muss sie die Tragekapazität der Umwelt als letzte, unüberwindliche Schranke für alle menschliche Aktivität zur Kenntnis nehmen.“ (Vgl. UBA (1997), S. 6).

88 Renn (2001), S. 47.

89 Vgl. UBA (1997), S. 5.

90 Vgl. Jänicke,Jörgens (2000).

91 Vgl. hierzu auch Jänicke, M., Jörgens, H., Koll, C. (2000).

92 Renn (2001), S. 47 f.

93 Vgl. Kreibich (2000).

94 Vgl. Knaus,Renn (1998), S. 50.

95 Knaus, Renn (1998), S. 34.



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20.11.2003