9 Fazit und Ergebnisse

Seit der Rio-Konferenz von 1992 sind die Kommunen der Welt dazu aufgerufen, eine so genannte Lokale Agenda 21 als Richtschnur für eine nachhaltige Entwicklung aufzustellen. Bis heute liegt in Berlin keine gesamtstädtische Lokale Agenda 21 vor. Blockierend wirkt, dass keine verbindlichen Vorgaben zur Vorgehensweise bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung existieren und in jeder Kommune ein eigener lokalspezifischer Ansatz gefunden werden muss.

Aufbauend auf politikwissenschaftlichen Erkenntnissen werden in der vorliegenden Arbeit Schritte für eine strategische Nachhaltigkeitsplanung erarbeitet, die den Agenda-Prozess unterstützen. Diese Schritte sind in ein Verfahrensschema eingebunden, das die Grundlage des Forschungsprojektes bildet. Der Ansatz wird exemplarisch für das Handlungsfeld Stadtverkehr am Beispiel Berlins angewendet. Zentrale Element sind dabei die Analyse des Nachhaltigkeitskonzepts, eine systemtheoretische Auseinandersetzung mit dem Handlungsfeld Verkehr und eine schrittweise Operationalisierung von verkehrsbezogenen Nachhaltigkeitszielen. Die Zielbildung baut auf einer systematischen Untersuchung von verkehrsbezogenen Nachhaltigkeitsstudien auf. Mit Hilfe von Nachhaltigkeitsindikatoren soll die Zielerreichung überprüft werden (Monitoring). Grundgedanke hierbei ist, dass eine konsensuale Zielbildung, die auf wissenschaftlich erarbeiteten Zielvorgaben beruht und an Indikatoren ausgerichtet ist, den Vollzug der Politik erleichtert.

Die Definition von Zielen liegt auf einer anderen Ebene als die Formulierung von Maßnahmen. Die Zieldefinition sollte möglichst einer Maßnahmendiskussion vorausgehen. Im Rahmen der Arbeit werden keine konkreten Maßnahmenvorschläge entwickelt, zumal die Vorstellung, dass spezifischen Instrumenten spezifische Wirkungen zukommen, irreführend ist. Die meisten Instrumente sind bis zu einem gewissen Grad austauschbar. Im Verständnis einer strategischen Nachhaltigkeitsplanung sollten Maßnahmen deshalb flexibel und ergebnisorientiert gestaltet und der kontrollierten Zielerreichung untergeordnet werden.

Die wesentlichen Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Arbeit werden im Folgenden kurz wiedergegeben. Sie sind auch für andere Städte im Agenda-Prozess und bei der Bearbeitung weiterer Handlungsfelder relevant.


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Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Arbeiten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung sollten an systemtheoretische Konzepte anknüpfen. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird von einem endlichen ökologischen Gesamtsystem ausgegangen, in das das Subsystem der menschlichen Gesellschaft, das die Wirtschaft als Subsystem beinhaltet, eingebunden ist. Nachhaltige Entwicklung verlangt die Akzeptanz der vielfältigen Begrenzungen der ökologischen Systeme, um den dauerhaften Erhalt der lebenswichtigen Ökosystemfunktionen zu gewährleisten.

Das komplexe Verkehrssystem ist sowohl in das gesellschaftliche als auch das wirtschaftliche System eingebunden und beeinträchtigt die ökologischen Systeme auf allen räumlichen Ebenen. Es zeichnet sich durch eigendynamische Prozesse aus, welche zu Strukturen mit weiter anwachsendem Verkehr führen. So haben sich beispielsweise mit der umfassenden Prägung von Alltag und Umwelt durch das Verkehrsmittel Auto die Mobilitätswünsche auf das Auto ausgerichtet und Zwänge zur Autonutzung herausgebildet. Derartige nachhaltigkeitsrelevante Rückkopplungsschleifen sind zu identifizieren und ggf. aufzulösen.

Die Bildung der Qualitäts- und Handlungsziele erfolgt auf Basis der Empfehlungen in den Studien, diese werden mit weiteren wissenschaftlichen Empfehlungen, die auf den Grundlagen der Wirkungsforschung beruhen, abgeglichen.


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20.11.2003