2 Patienten und Methoden

↓33

2.1  Patienten und Gruppen

2.1.1  Patienten

In dieser Studie wurden die Appendices von 28 appendektomierten Patienten histologisch aufgearbeitet. Diese waren zum Zeitpunkt der Appendektomie im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren.

↓34

Die Patienten wurden im Routineverfahren in der Kinderchirurgischen Klinik der Charité Campus Virchowklinikum appendektomiert. Die histologische Aufarbeitung der Appendices fand im Paidopathologischen Institut der Charité, Campus Virchowklinikum statt.

In Rahmen unseres universitären Forschungsprojektes „Untersuchungen zur Ätiologie der Appendizitis im Kindesalter“ wurden retrospektiv 360 Fälle intensiv und genau nach klinischen Parametern und histologischen Analysen aufwendig aufgearbeitet. Die Patienten wurden aus einer chronologischen Liste ausgewählt. Die Reihenfolge dieser Liste entsprach der Reihenfolge, wie sie in der Klinik operiert wurden.

Aus dieser Population konnten nur 28 Fälle ausgewählt werden, die den zugrundegelegten Auswahlkriterien ohne Ausnahme und Abweichungen entsprachen. Die immunhistochemische Untersuchung zu den ICC war kostenaufwändig und zum Zeitpunkt der Studie nur in Brüssel durchführbar. Diese Gründe bedingten die Anzahl von 28 Fällen.

↓35

Aufgrund der geringen Fallzahl wurde mit Unterstützung aus dem Institut für Biometrie der Humboldt Universität zu Berlin ein spezielles und sehr sensitives Analyseverfahren angewendet, um ausreichend aussagekräftige Daten zu erhalten.

2.1.2 Gruppen

Die Patienten wurden anhand ihrer präoperativen Symptomatik und der postoperativen pathologischen Analyse in die vier Gruppen A-D eingeteilt (Siehe Tabelle 1, Gruppencharakterisierung).

Die klinischen Parameter wurden den Epikrisen und den OP-Berichten entnommen. Die pathologischen Diagnosen wurden im Routineverfahren des Paidopathologischen Institutes der Charité gestellt.

↓36

Es wurden zwei Normalgruppen A und B gebildet. Die Appendices beider Normalgruppen waren in der pathologischen Diagnostik unauffällig. Die Patienten der Gruppe A hatten präoperativ keine klinischen Hinweise auf eine Appendizitis. Bei den Patienten der Gruppe B bestand der klinische Verdacht einer Appendizits.

Desweiteren wurde eine Gruppe C mit akuten und eine Gruppe D mit chronisch-rezidivierenden Appendizitiden gebildet.

Tabelle 1: Gruppencharakterisierung

Gruppe (n= Anzahl)

Präoperative Symptomatik

Pathologischer Befund

A (n= 9)

Negativ

Normalbefund

B (n= 7)

Positiv

Normalbefund

C (n= 6)

Positiv

Akute Appendizitis (Primäraffekt)

D (n= 6)

Positiv

Chronisch-Rezidivierende Appendizitis

Die Gruppe A und B waren Normalgruppen. Die Gruppe C enthielt Patienten mit einer akuten Appendizitis. Die Gruppe D wurde aus Patienten mit chronisch rezidivierenden Appendizitiden gebildet.

Gruppe A

↓37

Die Gruppe A war eine Normalgruppe mit Patienten ohne klinischen Hinweis auf eine Appendizitis und mit einer pathologisch unauffälligen Appendix vermiformis.

Sie bestand aus Patienten, die bei anderen Grunderkrankungen laparotomiert und aus prophylaktischen Gründen appendektomiert wurden. Diese Patienten boten keine spezifische Klinik einer Appendizitis und wurden aus anderen Gründen laparotomiert. Andere Gründe waren z.B. eine Mekoniumzyste oder ein Ovarialtumor.

In der pathologischen Analyse war diese Gruppe A unauffällig. Es fanden sich keine Zeichen einer akuten Entzündung, keine Periappendizitis, keine Perforation, keine Fibrose und keine Zeichen einer chronischer Entzündung

Gruppe B

↓38

Die Gruppe B war ebenfalls eine Normalgruppe. Deren Patienten hatten aber im Unterschied zur Gruppe A eine positive Symptomatik. Der pathologischanatomische Befund war ebenfalls unauffällig.

Die Patienten der Gruppe B wurden laparotomiert wegen des Verdachts auf Appendizitis. Folgende klinische Hinweise stützten die präoperative Diagnose der Appendizitis: Fieber, erhöhtes CRP, Leukozytose und typische Schmerzzeichen.

In der Analyse war die Gruppe B unauffällig. Es fanden sich keine Zeichen einer akuten Entzündung, keine Periappendizitis, keine Perforation, keine Fibrose und keine Zeichen einer chronischen Entzündung.

Gruppe C

↓39

Die Gruppe C bestand aus Patienten mit positiver Symptomatik und der Diagnose der akuten Appendizits.

Die Patienten der Gruppe C wurden wie die der Gruppe B laparotomiert wegen des Verdachts auf eine akute Appendizitis. Folgende klinische Hinweise stützten die präoperative Diagnose der Appendizitis: Fieber, erhöhtes CRP, Leukozytose und typische Schmerzzeichen.

Die Analyse ergab die Diagnose der akuten Appendizitis mit Primäraffekt (Siehe Definition unten). Folgende Kriterien stützten diese Diagnose: mikroskopische Zeichen akuter Entzündung, keine Fibrose und keine Zeichen chronischer Entzündung.

Gruppe D

↓40

Die Gruppe D bestand aus Patienten mit positiver rezidivierender Symptomatik und der Diagnose der chronisch-rezidivierenden Appendizitis.

Es wurde laparotomiert wegen des Verdachts auf Appendizitis mit folgenden Hinweisen: Fieber, erhöhtes CRP, Leukozytose, typischer Schmerz und rezidivierender Bauchschmerz.

Die histologischen Diagnosen lauteten chronisch-rezidivierende Appendizits. Es fanden sich mikroskopische Zeichen akuter Entzündung, Fibrose und Zeichen chronischer Entzündung.

Definitionen

↓41

Folgende klinische und pathologische Definitionen wurden den zuvor beschriebenen Kriterien zugrundegelegt:

Positive Symptomatik

  1. Leichte Erhöhung der Körpertemperatur, rechtsseitiger Unterbauchschmerz, gespannte Bauchdecken, Schmerzwanderung von periumbilikal in den rechten unteren Quadranten; diese Merkmale besitzen die höchste Sensitivität und Spezifität 73
  2. Erhöhte Leukozyten und erhöhtes CRP 27,31

↓42

Pathologische Begutachtung

  1. Mikroskopische Zeichen akuter Entzündung: appendizitischer Primäraffekt nach Aschoff mit keilförmigen und granulozytären Infiltraten mit der Basis in den tiefen Wandschichten und Erosionen der Mukosa; Periappendizitis: Entzündung der Serosa und des Mesenteriolums; Perforation: Durchbruch der Ulzeration durch die Serosa; Fibrose: Ersatz des funktionellen Gewebes durch Bindegewebe;
  2. Zeichen chronischer rezidivierender Entzündung: vermehrte lymphozytäre Infiltration, vermehrte Plasmazellen in der Submukosa („Sternenhimmel“) und Fibrose mit Bindegewebsnarben anstelle der Lymphfollikeln.12,56

Bei der akut entzündeten Appendix wurde das frühe Stadium des appendizitischen Primäraffektes gewählt. Die Analyse von weiter fortgeschrittenen Entzündungsstadien der Appendix würde eine Verfälschung in der Quantifizierung der Cajalzellen durch das Wandödem mit sich bringen.

2.2 Ausschlusskriterien

↓43

Die Patienten aus der chronologischen Liste wurden von der Studie ausgeschlossen, wenn mindestens eines der folgenden Ausschlusskriterien bekannt war.

Bei diesen Krankheiten bestand der Verdacht, dass die ICC in ihrer Anzahl oder ihrer Verteilung verändert sind. Dadurch wären die Ergebnisse dieser Studie verfälscht worden.

  1. Patienten mit Colitis ulcerosa und anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, da ultrastrukturelle Veränderungen der ICC des Kolons bei Patienten mit Colitis ulcerosa beschrieben worden sind 59
  2. Patienten mit bekannter Nahrungsmittelallergie, entzündlichen Darmerkrankungen, Peritonitis und Sepsis, da in Tierversuchen eine Veränderung der ICC durch eine Entzündung des umgebenden Gewebes beschrieben wurde 45
  3. Patienten mit folgenden Motilitätsstörungen des Gastrointestinaltraktes, da bei diesen eine Reduktion der ICC beschrieben worden ist: chronische und juvenile idiopathische intestinale Pseudoobstruktion 36,79, Achalasie 28, „Tripple A“-Syndrom, Morbus Hirschsprung sowie Hypo- und Dysganglionose, Colitis ulcerosa 78,72, juvenile Pylorusstenose 70, anorektale Malformationen 38
  4. Bei Patienten mit Chagas-Krankheit ist ein Verlust der ICC ebenfalls beschrieben 32

2.3 Studienbeschreibung

↓44

Bei dieser Studie handelte es sich um eine retrospektive und experimentelle Untersuchung mit verblindeter Auswertung.

Die Patienten wurden nach den unter „Gruppen“ genannten klinischen und pathologischen Gesichtspunkten retrospektiv und standardisiert ausgewählt. Die verwandten OP-Berichte und Epikrisen stammten aus der Kinderchirurgischen Klinik der Charité.

Die pathologischen Diagnosen wurden im Routineverfahren des Paidopathologischen Institutes der Charité gestellt. Desweiteren wurden die Präparate nachbegutachtet, um standardisierte Diagnosen zu erhalten. Die Nachbegutachtung wurde von drei verschiedenen Personen (X;Y;Z) gleichzeitig durchgeführt.

↓45

Im Archiv des Paidopathologischen Institutes der Charité lagerten die aus der Routineeinbettung stammenden Paraffinblöcke mit dem eingebetteten Resektionsgut mit Längs- und Querschnitten der Appendices. Diese Blöcke wurden von drei verschiedenen Personen hergestellt. Für die weitere Auswertung wurden nur die Längschnitte benutzt, da nur sie standardisiert gefertigt worden sind. Die Längsschnitte sind von der Apex bis zur Mitte des Corpus Appendicae standardisiert gefertigt, während die Querschnitte aus unregelmässigen Lokalisationen der basisnahen Corpushälfte entstammen.

Aus diesen Blöcken wurde von einer Person (X), an einem Tag und mit der gleichen Schneidevorrichtung der Firma Leica mit der Einstellung 7μm Schnitte auf L-Lysin beschichteten Objektträgern angefertigt.

Da die Färbung mit dem Kit-ir Antikörper im Paidopathologischen Institut der Charité aus technischen Gründen nicht durchführbar war, wurden diese Schnitte im Institut für Neurophysiologie der Freien Universität Brüssel, Belgien gefärbt. Das Institut steht unter der Leitung von Prof. S.N. Schiffmann. Der direkte Kooperationspartner im Institut war J. M. Vanderwinden, Ph. D., der über die ICC mehrere Forschungsarbeiten in renomierten Fachzeitschriften veröffentlichte.

↓46

Die L-Lysin beschichteten und hitzeempfindlichen Objektträger wurden zum Schutz vor Überhitzung in Thermoboxen verpackt und mit einem öffentlichen Versandservice zum Institut für Neurophysiologie transportiert.

In diesem Institut wurden die Präparate standardisiert mit Hife des C-Kit Horse-Antikörper gefärbt. Desweiteren sind die Präparate neu beschriftet und vermischt worden, um eine verblindete Auswertung zu gewährleisten.

In der pathologischen Abteilung des Deutschen Herzzentrums Berlin wurden freundlicherweise von Prof. Dr. med. Meyer einige technische Geräte zur Verfügung gestellt, mit denen eine digitale und computergestütze Analysemethode angewendet werden konnte. Diese technischen Geräte waren im Institut für Paidopathologie nicht vorhanden.

↓47

Die gefärbten Präparate wurden in der pathologischen Abteilung von einer Person (X) standardisiert ausgewertet. Diese Auswertung wurde blind durchgeführt, da die untersuchende Person (X) nicht wusste, zu welcher Gruppe das jeweilige Präparat gehörte. Nach der Analyse wurde die Verblindung entschlüsselt und die Präparate erneut ihren ursprünglichen Gruppen zugeordnet.

Die Rohdaten der Analyse sind dann abschliessend im Biometrischen Institut der Charité Berlin unter der Mithilfe von Fr. Dr. Küchler ausgewertet worden.

2.4 Allgemeine Methoden

2.4.1  Hard- und Software

Zur computergestützten Auszählung der ICC und der Axone übertrug die am Mikroskop angeschlossene digitale Kamera die Bilder auf einen PC. Auf diesem PC konnte dann die Analyse der ICC in den erstellten Bildern beginnen.

↓48

Verwendet wurde das Mikroskop Zeiss Axioskop (Ident. Nr. SIP 44363 Zeiss, Deutschland) und die eingebaute Kamera Sony Color Video Camera 3 CCD-IRIS ( Serien-Nr.: 15607).

Die Bilder sind mit Hilfe der Imaging- und Mess-Software „Easy Measure“ von Inteq Informationstechnik GmbH, Lindenhofstrasse 33, 12623 Berlin analysiert worden.

Die Verwaltung und Bearbeitung der erhaltenen Messwerte wurde mit Microsoft EXCEL und dem Datenverarbeitungsprogramm SPSS durchgeführt.

2.4.2 Herstellung der Präparate

↓49

Die Einbettung der resektierten Appendices aus dem OP erfolgte in Paraffin Paraplast Plus „Tissue Embedding Medium“ von tyco Healthcare Group LP, Mansfield (MA 02048), USA.

Für die Herstellung der Schnitte wurden mit L-Lysin beschichtete Objektträger der Firma DAKO, Poly-Prep TM Slides (Catalog No. P0425, LOT 041K4366, Sigma Diagnostics P.Q. Box 14508 St. Louis MO 63178 USA) benutzt.

Die Schnitte sind mit der Schneidevorrichtung Leica SM 2000 R von Leica Instruments 69226 Nussloch, Deutschland und einer Einstellung von 7μm gefertigt worden.

↓50

Alle Präparate wurden 12 Stunden mit dem Maus-monoklonalem Antikörper gegen C-kit, (NCL-cKit, 57A5D8, Novocastra Laboratoires Ltd, Newcastle, Großbritanien; verdünnt 1:50 mit 0,1 mol/L PBS) inkubiert.

2.4.3 Methode der Beschreibung der ICC

Um alle Präparate zu untersuchen, wurden folgende Kriterien zur Identifizierung der ICC festgelegt:

  1. spezifische Anfärbung durch c-Kit-Antikörper, längliche und sternenförmige Form, Fortsätze in longitudinaler Achse, länglicher zentral gelegener Zellkern 22,68
  2. Abgrenzung zu Mastzellen, die ebenfalls c-kit positiv sind, aber eine größere, eher rundliche Form und einen runden Nukleus haben

↓51

Diese Untersuchung führte eine Person (X) durch. Es wurden alle Präparate in zehn verschiedenen Regionen des Längsschnittes unter einem Mikroskop in Übersicht und verschiedenen Vergrößerung untersucht.

Die ICC wurden als vorhanden gewertet, wenn mindestens in einer Region alle oben genannten Kriterien erfüllt waren. Wenn in keiner der zehn Regionen ICC gefunden worden sind, wurden die ICC als nicht vorhanden gewertet.

Ob die Analyse positiv oder negativ war, wurde in einer Tabelle vermerkt.

2.4.4 Methode der Analyse der Appendix vermiformis auf ICC-Subtypen

↓52

Bei der Analyse der Subtypen der ICC orientierte sich diese Studie an den bisher bekannten Daten.

Die Strukturen der ICC sind in der Appendix vermiformis noch nicht beschrieben worden. Sie wurden aber im Kolon des Menschen mehrfach untersucht. Aufgrund der anatomischen Verwandtschaft der Appendix zum Kolon diente die schon untersuchte Struktur der ICC im Kolon als Grundlage dieser Untersuchung.

Die IC(C)-SM bilden mit ihren Fortsätzen ein dichtes Netzwerk an der Grenzschicht der Ringmuskulatur zur Submucosa des proximalen Kolons. Eine äquivalente Grenzschicht existiert in der Appendix und konnte deshalb zur Analyse der IC(C)-SM herangezogen werden.

↓53

Die IC(C)-MP des Kolons befinden sich in dem Raum zwischen der Längs- und Ringmuskulatur, also im Plexus myentericus. Die Ganglien der Appendix sind in den Muskelschichten eher einzeln verteiltund ein Plexus myentericus ist nicht zu finden. Die Übergangszone zwischen den Muskelschichten ist aber klar zu erkennen. In dieser Übergangszone wurden die IC(C)-MP für die Appendix untersucht.

Die IC(C)-CM und die IC(C)-LM des Kolons sind gleichmässig in den beiden Muskelschichten der Tunica muscularis verteilt und liegen parallel zu den Muskelzellen. In der Appendix konnten diese Zellen in der Längs- und Ringmuskulatur getrennt untersucht werden.

Anhand dieser Charakterisierung wurden unter dem Mikroskop, in allen 28 Präparaten, in zehn verschiedenen Regionen des Längsschnittes und in verschiedenen Vergrösserungen nach den Subtypen gesucht.

↓54

Wenn die Kriterien zur Identifizierung erfüllt waren, wurde in einer Tabelle dieser Subtyp als vorhanden eingetragen. Wenn die Kriterien in keiner der zehn Regionen erfüllt waren, wurde der Subtyp als nicht vorhanden gewertet.

2.4.5 Methode der quantitativen Analyse der ICC

In diesem Teil der Arbeit wurden die ICC und ihre Fortsätze, die das kommunizierende Netzwerk bilden, quantifiziert.

Dazu wurde die Dichte der IC(C)-CM und -LM in der Längs- und Ringmuskulatur bestimmt. Außerdem wurde die Dichte der quer angeschnittenen Fortätze in der Ringmuskulatur analysiert. Die Dichte der längs getroffenen Axone in der Längs- und Ringmuskulatur der Tunica muscularis wurde ebenfalls bestimmt.

↓55

Als erster Schritt wurde bei 100 facher Vergrößerung die Region des gewünschten Gesichtsfeldes eingestellt. Dazu wurde die Horizontale des Kamerafensters parallel zur Basalmembran ausgerichtet (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Appendix vermiformis im Längsschnitt, Muscularis propia longitudinales LM und circulares CM, Lamina submucosa SM, Kamerafenster parallel zur Basalmembran, Vergrößerung: 100fach, Färbung: Maus-monoklonaler Antikörper gegen C-kit

Im nächsten Schritt wurde bei 200facher Vergrößerung die obere Horizontale des Kamerafensters an die äußere Grenzschicht der longitudinalen Muskelschicht gelegt. Das Gesichtsfeld erstreckte sich damit von der äußeren Grenzschicht der Muscularis propia longitudinales lumenwärts.

↓56

Durch die standardisierten Abmaße des Kamerafensters erhielt man stets ein Gesichtsfeld fester Größe bei der standardisierten Vergrößerung. In diesem Gesichtsfeld waren die Muscularis propia und bei einer sehr dünnen Muscularis propria die Lamina Submucosa zu erkennen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Appendix vermiformis, Muscularis propia longitudinales LM und circulares CM, Kamerafenster parallel zur Basalmembran, standardisierte Größe, Vergrößerung: 200fach, Färbung: Maus-monoklonaler Antikörper gegen C-kit

Die Breite des Gesichtsfeldes wurde ausgemessen und für alle weiteren Messungen auf 330 μm festgelegt, da sie für jede Messung eine Konstante blieb. Dann ist die Höhe der longitudinalen Muskulatur und die Höhe der circulären Muskulatur bestimmt worden. Anhand dieser Längenmaße konnte der für die Berechnung der Dichte notwendige Flächeninhalt der Muskelschichten errechnet werden (siehe Abbildung 3).

↓57

Abbildung 3: gleiches Fenster wie Abbildung 2, Rote Linie = Breite Gesichtsfeld (327,88μm), grüne Linie= Höhe longitudinale Muskulatur LM (110.89μm), blaue Linie= Höhe circuläre Muskulatur CM (125.42μm)

In diesem Gesichtsfeld wurden folgende fünf Merkmale analysiert.

  1. Abmessung der Länge der längsgetroffenen Axone der Längsmuskulatur und anschließende Bildung der Summe
  2. Abmessung der Länge der längsgetroffenen Axone der Ringmuskulatur und anschließende Bildung der Summe
  3. Zählung der IC(C)-LM in der Längsmuskulatur
  4. Zählung der IC(C)-CM in der Ringmuskulatur
  5. Zählung der quer getroffenen Axone in der Ringmuskulatur

↓58

Im nächsten Schritt zur Erfassung der Merkmale wurden die Längen der längsgetroffenen Axone in der Längs- und Ringmuskulatur gemessen, aus denen anschließend die Summe errechnet wurde (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: gleiches Fenster wie Abbildung 2, schwarze Linien = Länge der längsgetroffenen Axone in der Längsmuskulatur, aus denen dann die Summe gebildet wurde, gelbe Linien = Länge der längsgetroffenen Axone in der Ringmuskulatur, aus denen dann die Summe gebildet wurde

Nun wurden die ICC Subtypen IC(C)-LM und -CM in der Longitudinalmuskulatur und in der Ringmuskulatur gezählt (siehe Abbildung 5).

↓59

Abbildung 5: gleiches Fenster wie Abbildung 2, grünes Kreuz= IC(C)-LM in der Längsmuskulatur, blaue Kreuze= IC(C)-CM in der Ringmuskulatur

Im letzten Schritt wurden die quer getroffenen Axone in der Ringmuskulatur ausgezählt (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: gleiches Fenster wie Abbildung 2, rote Punkte= quer getroffene Axone in der Ringmuskulatur

↓60

Diese Analyse wurde für jedes der 28 Präparate in zehn verschiedenen Gesichtsfeldern durchgeführt. So wurden für jedes der fünf Merkmale 280 Einzelmessungen durchgeführt.

Die zehn verschiedenen Gesichtsfelder wurden dem longitudinalem Verlauf der Appendix vermiformis entsprechend gewählt. Beginnend circa 5mm von der Spitze derAppendix entfernt wurde dazu ein Gesichtsfeld nach dem anderen Richtung Basis eingestellt. Der Abstand betrug eine geschätzte Gesichtsfeldbreite (siehe Abbildung 7).

Abbildung 7: Schema der Appendix vermiformis im Längsschnitt mit Gesichtsfeldern (Rechtecke) an äusserer Grenzschicht der Muscularis propria orientiert und annähernd parallel zur Basalmembran

↓61

Die erhaltenen Rohdaten der Messungen wurden in eine Microsoft EXCEL Tabelle übertragen. Die Summen konnten in EXCELdurch die Flächeninhalte dividiert werden, um relative Dichten der jeweiligen Merkmale zu erhalten.

2.5 Biometrie

Die folgenden biometrischen Angaben sind für die quantitative Analyse der ICC relevant.

In dieser Studie wurden 28 Präparate auf fünf Merkmale untersucht. Jedes Merkmal wurde durch die 10 Messwiederholungen 280 mal erfasst. Die 28 Patienten waren auf vier Gruppen verteilt. Aufgrund dieser Charakteristika sind die Daten unter Verwendung einer zweifaktoriellen Varianzanalyse ausgewertet worden, die sowohl der Analyse der Gruppen als auch der fünf Merkmale gerecht wurde.

↓62

Verwendet wurde das Modell SAS-Macro von Brunner, Modell (F1-LD-F1), Anova-type-statistic. Diese nichtparametrische Analyse von longitudinalen Daten ist nach Brunner gerade für ordinalverteilte Daten aus kleinen Fallzahlen hinreichend genau. Somit wurde dieses Verfahren der kleinen Fallzahl gerecht.15

„Longitudinal“ bezog sich in dieser Untersuchung auf die sich örtlich ändernden Messwiederholungen pro Präparat.

Da es sich um einen Vergleich unter den Gruppen handelte, ergaben sich ordinalverteilte Daten. Für ordinalverteilte Daten gilt der Median und das Konfidenzintervall.

↓63

Mit dem SAS-Makro von Brunner wurden die Daten auf Unterschiede in den Merkmalen untersucht.

Um eventuelle Gemeinsamkeiten von Merkmalen zwischen den Gruppen festzustellen, wurde eine grafische Auswertung mittels Boxplots angefertigt. Die Boxplots geben mit Hilfe des Medians, den Interquartilspannen und den Perzentilen Auskunft über die Beschaffenheit der Daten. Somit konnten Aussagen über eventuelle Gemeinsamkeiten getroffen werden.


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12.10.2006