1 Einleitung

↓1

Die Nasenschleimhaut (Mukosa) und die Hornhaut des Auges (Kornea) stellen in ihrem morphologischen Aufbau zwei differente biologische Membranen dar. Beide besitzen sie aber die Funktion, ein Sinnesorgan gegen schädigende Einflüsse von außen zu schützen, da in beiden Fällen ein direkter Kontakt zur externen Umgebung besteht.

Die Hornhaut bietet mechanischen Widerstand durch ihren dicken, mehrschichtigen Aufbau bei gleichzeitiger Transparenz, so dass Lichtreflexe von der Netzhaut des Auges aufgenommen werden können. Wichtige Schutzfunktionen üben weiterhin der Tränenfilm, der die Hornhaut bzw. die gesamte äußere Augenoberfläche überzieht und bei Bedarf in deutlich gesteigerter Menge produziert wird, sowie die Augenlider, die reflexartig geschlossen werden können, aus.

↓2

Aufgabe der Nasenschleimhaut ist es, die Atemluft zu reinigen, zu befeuchten und anzuwärmen sowie schädigende Substanzen herauszufiltern. Bestimmte Regionen dienen zur Aufnahme von Duftstoffen. Der kontinuierlich abfließende Nasenschleim, der von der Mukosa gebildet wird, sowie eine bemerkenswert hohe Enzym-Konzentration in der Mukosa bzw. im Nasenschleim dienen dem Schutz der Nase sowie des Gesamtorganismus.

Aufgrund der Lokalisierung von Auge und Nase an der Körperoberfläche und einem direkten Kontakt der Membranen, Kornea bzw. Mukosa, zur Außenwelt, sind diese einerseits trotz der vorhandenen Schutzfunktionen eine bevorzugte Angriffsfläche für Krankheitserreger, andererseits aber auch im lokalen Krankheitsfall unkompliziert zu therapieren. Da eine einfache und schmerzlose Applikation von Arzneistoffen generell eine wünschenswerte Eigenschaft für jedes Medikament ist, insbesondere bei Mehrfachanwendung oder Dauertherapie, werden beide Membranen darüber hinaus als Applikationsorte zur Verabreichung systemisch wirkender Substanzen immer wieder in Erwägung gezogen [1 - 2, 3 4] bzw. bereits genutzt (z.B. Calcitonin/ Karil® Nasenspray, Sumatriptan/ Imigran® nasal).

Allerdings ist die systemische Verfügbarkeit okular oder nasal applizierter Wirkstoffe nicht unproblematisch, da die Kornea im Vergleich zu anderen Membranen eine sehr schlechte Permeabilität für eine Vielzahl von Substanzen aufweist, und die Nasenmukosa aufgrund ihrer hohen enzymatischen Aktivität viele Wirkstoffe vor bzw. während der Absorption inaktiviert. Durch Variierung der Formulierungsparameter oder durch Einsatz spezifischer Trägersysteme wird deshalb versucht, die Bioverfügbarkeit nach okularer oder nasaler Verabreichung zu erhöhen. Der galenisch-technologischen Entwicklung modifizierter Systeme sind jedoch deutliche Grenzen gesetzt, da beide Organe sensibel reagieren und in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden dürfen. So ist bei okularen Zubereitungen besonders auf Reizfreiheit und eine möglichst geringe Beeinträchtigung der Sicht zu achten. Nasalia sollten eine gute Verträglichkeit hinsichtlich der Zilienfunktion und nach Möglichkeit eine gute Sprühbarkeit zwecks Verabreichung als Dosierspray aufweisen.

↓3

Eine weitere Möglichkeit, die systemische Verfügbarkeit eines Arzneistoffs zu verbessern, stellt die Erhöhung seiner Löslichkeit dar. Da dies zumeist lipophile Wirkstoffe betrifft, ist ein deutlicher Anstieg der gelösten Menge primär durch ein ebenfalls lipophiles Trägermedium zu erreichen, was jedoch Nachteile, wie eine verzögerte Arzneistofffreigabe oder ein unangenehmes Empfinden beim Patienten, mit sich bringt. Darüber hinaus gelangen häufig Zusatzstoffe zum Einsatz, die die Permeabilität der Membran erhöhen sollen und als Enhancer bezeichnet werden [ 5 -6 7]. Bei Verwendung dieser Substanzen ist zu beachten, dass ihr Einfluss auf die Membran reversibel sein muss und die physiologischen Abläufe nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Für eine Vielzahl an Arzneistoffen besteht also hohes Interesse an innovativen Trägersystemen, durch die eine systemische Verfügbarkeit nach nasaler oder okularer Darreichung ermöglicht wird. Ein Vergleich der Permeabilitäten der beiden Membranen Kornea und Mukosa ist aufgrund ihrer engen anatomischen und physiologischen Verknüpfung zur Einschätzung von Wirkungen und Nebenwirkungen applizierter Substanzen sowie für eine ggf. beiderseitige Nutzbarkeit der Trägerformulierungen von Interesse.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
08.11.2005