[Seite 15↓]

2  Material und Methoden

2.1 Pflanzenmaterial

Für die Untersuchungen und histogenetische Erklärung der Musterbildung an variegaten Formen innerhalb der Mono- und auch der Dicotyledonen wurden verschiedene Gattungen der Araceae, Asteraceae, Ericaceae, Marantaceae und Rosaceae genutzt.

2.1.1  Araceae

2.1.1.1  Monstera deliciosaLiebm. ‘Variegata’

Etwa 50 Monstera-Arten sind im tropischen Mittel- und Südamerika verbreitet. Monstera deliciosa wurde um 1848 in Europa eingeführt. Sie ist ein kletternder Strauch mit starken, verholzenden Ästen und zahlreichen Luftwurzeln. Die Blätter sind meist zweireihig, in der Jugend herzförmig und ganzrandig. Im Alter weisen sie die typischen, unregelmäßigen Löcher oder Einschnitte auf. Monstera deliciosa ‘Variegata’ hat weißbunte Blätter (Abbildung 1). Der Blattstiel ist 30 bis 50 cm lang. Die Blattspreite ist derb ledrig, 50 bis 100 cm lang und 40 bis 70 cm breit (Bärtels, 1989; Haberer, 1990).

Abbildung 1: Monstera deliciosa ‘Variegata’


[Seite 16↓]

2.1.1.2  Syngonium podophyllumSchott ‘Variegata’

Die Gattung ist mit etwa 20 Arten von Mexiko bis Brasilien verbreitet. Syngonium podophyllum ist eine kletternde Art. Sie bildet an den Austrieben sehr leicht Luftwurzeln. Die Sorte ‘Variegata’ besitzt weiß- grün gescheckte Blätter (Abbildung 2).

Abbildung 2: Syngonium podophyllum ‘Variegata’

2.1.2  Asteraceae

Mit 20 000 Arten sind die Asteraceae (= Compositae, Korbblütler) die bei weitem arten- und individuenreichste Familie der Dikotyledonen. Die Arten der Asteraceae sind weltweit verbreitet und viele werden als Zierpflanzen kultiviert. Eine der bekannten Gattungen dieser Familie ist Dendranthema (syn. Chrysanthemum).

2.1.2.1  Dendranthema grandiflorum(Ramat.) Kitam. ‘Pirol’

Dendranthema grandiflorum ‘Pirol’ ist eine in der Regel gelbblühende Pflanze mit grünem Blattwerk. 1991 entstanden spontan auf den Blätter Blattzeichnungen mit starker Trennung heller und grüner Bereiche (Abbildung 3) (Knuth, mündliche Information).


[Seite 17↓]

Abbildung 3: Dendranthema grandiflorum ‘Pirol’

2.1.2.2  Dendranthema grandiflorum(Ramat.) Kitam. ‘Luyona’

Unter normalen grünen Stecklingen von Dendranthema grandiflorum ‘Luyona’ wurden durch Knuth im Jahr 1994 variegate Blattzeichnungen (im Muster ‘Pirol’ ähnlich) gefunden (Abbildung 4)(Knuth, mündliche Information).

Abbildung 4: Dendranthema grandiflorum ‘Luyona’


[Seite 18↓]

2.1.3  Ericaceae

2.1.3.1  Rhododendron-Hybride ‘Goldflimmer’

Rhododendren sind Holzgewächse aus der Familie der Ericaceae (Moser, 1991). Weltweit werden 800 bis 1000 Arten der Gattung Rhododendron L. unterschieden. Durch Züchtungen sind unzählige Sorten in vielen Farben entstanden (Haberer, 1990), deswegen sind die Hybriden schwierig in eine bestimmte Gruppe einzuordnen. Die Blätter sind länglich-elliptisch, ganzrandig, 3 bis 4 cm lang und immergrün. Die Blüten sind weiß, rosa oder rot (von Sengbusch, 1989).

Die Rhododendron-Hybride ‘Goldflimmer’ wurde um 1955 von D.G. Hobbie gefunden und um 1983 von H. Hachmann eingeführt. Sie ist wuchsdicht, niedrig, bis 60 cm hoch bzw. 110 cm breit. Die Blüten sind lila mit braungelber, fleckenartiger Zeichnung (Hachmann, 1994; Moser, 1991). Bei der Sorte ‘Goldflimmer’ liegt eine variegate Form mit einem hellen Binnenfeld im Laubblatt vor (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Rhododendron-Hybride ‘Goldflimmer’

2.1.3.2  Rhododendron simsiiPlanch. ‘Andenken an Vater Hedusch’

Rhododendron simsii ‘Andenken an Vater Hedusch’ weist eine grüne Blattmitte mit schmaler weißer Randpanaschierung auf. Charakteristisch ist dabei, dass das Blatt zur Blattmitte hin dunkler und am Rand heller gefärbt ist. Der weiße Randbereich wird selten [Seite 19↓]von kleinen, normal grünen Randecken unterbrochen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Rhododendron simsii ‘Andenken an Vater Hedusch’

2.1.4  Marantaceae

2.1.4.1  Ctenanthe lubbersiana (E. Morr.) Eichel: ex O.G. Peters ‘Variegata’

Ctenanthe lubbersiana bildet einen dichten, etwa 75 cm hohen Busch. Die Stängel sind lang und die Blätter lanzettlich zugespitzt und bis 25 cm lang und 12 cm breit. Ctenanthe lubbersiana hat ein Variegationsmuster, bei dem im Inneren der Blattfläche hellgrüne bis gelblichweiße Bereiche auftreten. Die jungen Blätter haben ein hellgrünes Binnenfeld. Das hellgrüne Binnenfeld in der Mitte der Blätter dehnt sich vom Blattmittelnerv nach außen hin aus. Die Grenze zwischen Hellgrün und Grün stimmt meistens mit dem Seitennerv überein. Übergangsfarbtöne wurden beobachtet. Im Gegensatz zu den jungen Blätter haben die alten Blätter weiße Binnenfelder (Abbildung 7).


[Seite 20↓]

Abbildung 7: Ctenanthe lubbersiana ‘Variegata’.

2.1.4.2  Ctenanthe oppenheimiana (E. Morr.) K. Schum. ‘Tricolor’

Ctenanthe oppenheimiana ‘Tricolor’ ist ein kräftiger, immergrüner, perennierender Busch, der ungefähr einen Meter hoch wächst. Die Blätter sind lanzettlich, bis 30 cm lang und 12 cm breit. Auf der Blattoberseite treten drei Farben auf: weiß, graugrün und dunkelgrün, die Unterseite ist rot. Bei Ctenanthe oppenheimiana ‘Tricolor’ befindet sich um ein grünes Binnenfeld ein mehr oder weniger breiter weißer Rand. An den weißen Rand schließen sich mitunter kleine grüne Randbereiche an, die keine Verbindung zum grünen Binnenfeld aufweisen (Abbildung 8). In der Literatur wird Ctenanthe oppenheimiana ‘Tricolor’ unter anderem von Stewart und Dermen (1979) und Tilney-Bassett (1986) erwähnt.

Zum Vergleich wurde ein Normalform von Ctenanthe oppenheimiana untersucht (Abbildung 43). Sie zeigt nur die Hellgrün- Dunkelgrünmusterung des Blattes. Es fehlt der chlorophylldefekte Rand von ‘Tricolor’.


[Seite 21↓]

Abbildung 8: Ctenanthe oppenheimiana ‘Tricolor’

2.1.5  Rosaceae

2.1.5.1  Spiraea bumalda Burv. ‘Goldflame

Spiraea bumalda ‘Goldflame’ ist ein schwachwüchsiger, dichtbuschiger Strauch, der bis ungefähr 0,8 Meter hoch wächst. Die Blätter sind ca. 7 cm lang und die Farbe ist im Laufe des Jahres unterschiedlich, im Austrieb bronzeorange, später goldgelb, im Sommer grüngelb und im Herbst kupfrig-orange (Abbildung 9). Die kleinen Blüten sind karminrosa.

Abbildung 9: Spiraea bumalda ‘Goldflame’


[Seite 22↓]

2.1.5.2  Spiraea bumalda Burv. ‘Shirobana’

Spiraea bumalda ‘Shirobana’ ist ein Zwergstrauch mit aufrechten Zweigen, der ungefähr einen Meter hoch wächst. Die Blätter sind hellgrün und lanzetttlich. Die doldigen Blütenstände besitzen weiße Blüten, jedoch treten häufig auch einheitlich rote Blüten oder weiße Blüten mit roten Sektoren in den Dolden auf (Abbildung 10).

Abbildung 10: Spiraea bumalda ‘Shirobana’

2.2 Methoden

2.2.1 Entmischung

Zur Überprüfung der chimärischen Konstitution von Syngonium podophyllum, Spiraea bumalda und Dendranthema grandiflorum wurden verschiedene Entmischungsmethoden verwendet.

2.2.1.1 Entmischung durch BATESON-Test (Bateson, 1916)

Wurzeln sind im histogenetischen Sinne ausschließlich L3-Deszendenten (Scheel, 1965). Die Regeneration von Sprossen aus isolierten Wurzeln kann zu einer Entmischung der inneren Komponenten einer Chimäre führen und eine Pflanze hervorbringen, die dem Genotyp der dritten Scheitelschicht entspricht.


[Seite 23↓]

Zur Provokation von Sprossregeneraten aus Wurzeln von Spiraea bumalda ´Shirobana` bzw. ´Goldflame` wurden zwei Wege beschritten.

Wurzelstecklingsversuch

10 cm lange Wurzelstücke wurden in mit einem Sand-Torfgemisch von 1:1 gefüllte Tonschalen gesteckt. Die proximalen Enden ragten bis 1 cm aus dem Substrat. Danach wurden die Schalen mit einer Glasplatte bedeckt im Gewächshaus aufgestellt.

Modifizierter Wurzelfreilegungsversuch

Vier Monate alte bewurzelte Stecklinge wurden in Tonschalen eingepflanzt, die mit einem 1:1 Sand-Torfgemisch gefüllt waren. Die Sprossachsen der Pflanzen wurden mit einem Messer 10 cm tief abgestochen, alle Erde entfernt und die freien Wurzeln mit einer Rasierklinge noch mal abgeschnitten; die Tonkästen wurden mit Bechergläsern abgedeckt, um sie gegen Austrocknung zu schützen und im Gewächshaus aufgestellt.

2.2.1.2 Entmischung nach Selbstungen

Zur Überprüfung der Existenz von Mischzellen bei den Sorten ‘Pirol’ bzw. ‘Luyona’ von Dendranthema grandiflorum wurden ganze Doldenrispen von makulaten Pflanzen eingetütet, damit die Blüten nur Pollen von der selben Doldenrispen bekommen. So wurde eine erfolgreiche Selbstbestäubung erreicht. Nach der gleichen Methode wurden auch Doldenrispen von rein grünen bzw. weißen Trieben behandelt.

Reife Samen wurden auf feuchtem Filterpapier in Petrischalen zur Keimung ausgelegt. Die Petrischalen wurden im klimatisierten Kulturraum bzw. im Wachstumsraum unter Dauer-Kunstlicht und bei ca. 22°C aufgestellt. Nach der Keimung wurden die Sämlinge in Jungpflanzen-Paletten pikiert und in einem Folientunnel unter 90% Luftfeuchtigkeit weiterkultiviert.


[Seite 24↓]

2.2.1.3  Spontane Entmischung

Bei Syngonium podophyllum und Monstera deliciosa wurden Stecklinge von Pflanzen entnommen, die einen Blattbereich mit feinem Grün-Weiß-Mosaik hatten. Ausreichend große Klone dieser bunten Formen von Syngonium wurden zwei Mal und von Monstera einmal weitervermehrt und beobachtet. Die entmischten Sprosse wurden vegetativ über Stecklinge vermehrt und als neue Klone aufgebaut.

2.2.1.4 Entmischung nach Invitro-Kultur

In der Regel werden Pflanzen mit Vermehrungsschwierigkeiten durch verschiedene In-vitro-Techniken unter aseptischen Bedingungen weiter kultiviert. Damit unterschiedliche Musterungen bei chimärischen Pflanzen erhalten werden können, lassen sich diese Pflanzen nur durch Sprossspitzen und Axillarsprosse vermehren. In Gegensatz dazu führt die Kalluskultur dieser Pflanzen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Trennung der chimärischen Gewebe. Deswegen gilt dieses Verfahren als eine Nachweismethode von Chimären.

In-vitro-Kultur ist eine indirekte Form, um die Existenz von Mischzellen (Zellen mit unterschiedlichem Chlorophyllgehalt) zu beweisen. Mittels dieser Technik wird jenen Zellen eine Gelegenheit zur Entwicklung gegeben, die sich im allgemeinen unter Gewächshausbedingungen oder im Freiland nicht entwickeln können.

In-vitro-Kultur bei Spiraea bumalda

Die erfolgreiche In-vitro-Vermehrung von Spiraea bumalda ist bei den Sorten ´Anthony Waterer` und ´Froebelii` durch Sprossmeristemkultur (Lane, 1979 und Norton, 1982) und bei der Sorte ´Froebelii` durch Sprosskultur (Norton, 1986) nachgewiesen worden. Coffin et al.(1976) fanden heraus, dass es bei Explantaten von Spiraea vohouttei (Briot.) Zab. (S. cantoniensis x S. trilobata) auf Murashige und Skoog (1962) Nährmedien (MS Medium) mit 0,25 mg/l 2,4-D und 0,2 mg/l Kinetin zu einer Kallusbildung kam, aber keine [Seite 25↓]Sprossbildung stattfand. Bei Spiraea bumalda ist bist jetzt keine erfolgreiche In-vitro-Vermehrung durch Kalluskultur bekannt.

Nährmedium

Das Grundmedium bei Spross-, Kallus- und Internodienkultur war ein MS-Medium (1962). Für die Wurzelinduktion wurde die halbe Konzentration der Makrosalze verwendet. Dem Grundmedium wurden je nach Versuch und Pflanze bzw. Sorte folgende Phytohormone und Zusätze hinzugefügt: 6-Benzylaminopurin (BAP), 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D), a-Naphtylessigsäure (NAA), Indol-3-Essigsäure (IAA), Kinetin, 1-Phenyl-3-(1,2,3-Thiadiazol-5-yl)Urea (TDZ) und Silbernitrat (AgNO3). Die Konzentration der Phytohormone variierte je nach Versuch und Pflanze.

Der Zuckergehalt betrug 0,3% bis 0,6%. Der pH-Wert der Medien wurde vor dem Autoklavieren mit 1N NaOH oder 1N HCl auf 5,8 eingestellt. Das Medium wurde verfestigt mit 0,8 % Agar (Sigma). Die mit Nährmedium gefüllten und mit Aluminiumfolie verschlossenen Kulturgefäße (Petrischalen Fisterröhrchen, Erlenmeyerkolben) wurden 20 Minuten bei 121°C und 1,2 at autoklaviert.

In den ersten Versuchen, bei denen Kallus aus aseptischen Blättern von Spiraea bumalda‘Shirobana’ induziert werden sollte, wurden die Wirkung und Interaktion von verschiedenen Konzentrationen von IES und BAP bzw. 2,4-D und BAP geprüft. Jeder Versuch bestand aus 16 Varianten mit 6 Wiederholungen pro Phytohormonbehandlung. Dabei wurde jedes Explantat wie eine Wiederholung bewertet. Die Phytohormonkonzentrationen und
-kombinationen für die Kallusinduktionsmedien sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Tabelle 2: Konzentrationen und Phytohormonkombinationen für den Kallusinduktionsversuch an Blättern von Spiraea bumalda ‘Shirobana’.1998.

 

Auxin (mg/l)

Zytokinin (mg/l)

0

1

2

5

0

0:0

0:1

0:2

0:5

0,5

0,5:0

0,5:1

0,5:2

0,5:5

1

1:0

1:1

1:2

1:5

2

2:0

2:1

2:2

2:5


[Seite 26↓]

Aufgrund positiver Ergebnisse mit 2,4-D und BAP wurden weitere Kallusinduktionsversuche bei Spiraea bumalda‘Shirobana’ bzw. ‘Goldflame’ durchgeführt. Jeder Versuch bestand aus 10 Behandlungen mit 10 Wiederholungen pro Phytohormonbehandlung bei ´Shirobana` bzw. 20 bei ´Goldflame`. Erneut wurde jedes Explantat wie eine Wiederholung bewertet. Dem Kallusinduktionsmedium wurden folgende Phytohormone zugesetzt (Tabelle 3):

Tabelle 3: Konzentrationen und Kombinationen von 2,4-D und BAP für den Kallusinduktionsversuch an Blättern von Spiraea bumalda ‘Shirobana’ und ‘Goldflame’.1998-1999.

 

Auxin (mg/l)

Zytokinin (mg/l)

1

2

3

4

5

0,5

0,5:1

0,5:2

0,5:3

0,5:4

0,5:5

1

1:1

1:2

1:3

1:4

1:5

Um eine Differenzierung des Kallus zu induzieren, wurden die Wirkung der Zytokinine BAP bzw. TDZ und der Auxine IES bzw. NAA jeweils geprüft. In jedem Versuch wurden 18 Behandlungen mit 6 Wiederholungen pro Phytohormonbehandlung durchgeführt. Wiederum galt jedes Explantat als eine Wiederholung (Tabelle 4).

Tabelle 4: Konzentrationen und Kombinationen der Zytokinine (BAP bzw. TDZ) und Auxine (IES bzw. NAA) zur Adventivsprossinduktion aus Kallus von Spiraea bumalda ‘Shirobana’ und ‘Goldflame’. 1998.

 

Auxine (mg/l)

Zytokinine (mg/l)

0

0,1

0,3

0

0:0

0:0,1

0:0,3

0,5

0,5:0

0,5:0,1

0,5:0,3

1

1:0

1:0,1

1:0,3

1,5

1,5:0

1,5:0,1

1,5:0,3

2

2:0

2:0,1

2:0,3

5

5:0

5:0,1

5:0,3


[Seite 27↓]

Aufgrund positiver Ergebnisse mit NAA und TDZ wurden weitere Sprossinduktionsversuche bei Spiraea bumalda´Shirobana` bzw. ´Goldflame` durchgeführt (Tabelle 5). In jedem Versuch wurden 15 Behandlungen mit 22 Wiederholungen pro Phytohormonbehandlung bei ´Shirobana` bzw. 17 bei ´Goldflame` durchgeführt. Wiederum galt jedes Explantat als eine Wiederholung

Tabelle 5: Konzentrationen und Kombinationen von NAA und TDZ zur Sprossinduktion aus Kallus von Spiraea bumalda ‘Shirobana’ und ‘Goldflame’. 1999 - 2000.

 

NAA (mg/l)

TDZ (mg/l)

0

0,1

0,3

0

0:0

0:0,1

0:0,3

1

1:0

1:0,1

1:0,3

2

2:0

2:0,1

2:0,3

3

3:0

3:0,1

3:0,3

5

5:0

5:0,1

5:0,3

In-vitro-Kultur bei Dendranthema grandiflorum

Zum Zwecke des Mischzellennachweises bei Dendranthema grandiflorum wurde die Segregation mittels In-vitro-Versuche angestrebt. In den Direktregenerationsversuchen wurde das Nährmedium mit Wachstumsregulatoren nach Xiaohan et al. (1995) ergänzt.

Ein erstes Experiment wurde mit dem Ziel der Bestimmung des besten NAA und AgNO3 -Niveaus (bei 0,2 mg/l BAP) durchgeführt sowie zur Überprüfung der Musterbildung bei der In-vitro-Induktion von Adventivsprossen. (Tabelle 6). Nach der Entfernung aller Achselknospen wurden die Internodienstücke, die 50% Variegationen aufwiesen, auf MS Nährmedium mit verschiedenen Konzentrationen von Wachtumsregulatoren und AgNO3 gesetzt.


[Seite 28↓]

Tabelle 6: Konzentration und Kombination von NAA und AgNO3 zur Adventivsprossinduktion aus Internodien von Dendranthema grandiflorum. 1999.

 

AgNO3 (mg/l)

Zytokinin (mg/l)

0

1,7

3,4

0,5

0,5:0

0,5: 1,7

0,5: 3,4

1

1:0

1: 1,7

1:3,4

2

2:0

2: 1,7

2: 3,4

Aufgrund positiver Ergebnisse aus dem ersten Experiment und um eine mögliche Beziehung zwischen dem Explantattyp und der Konstitution der neuen Adventivsprosse zu finden, wurde ein zweites Experiment durchgeführt. Auch hier wurden nach der Entfernung aller Achselknospen nur Internodien, die 50% Variegationen oder die 95% Weißanteil aufwiesen, auf das MS Nährmedium mit 0,2 mg/l NAA und 1 mg/l BAP gesetzt.

In-vitro-Kultur bei Syngonium podophyllum

Als weiterer Beweis für die Mischzellenentmischung bei Syngonium podophyllum wurden verschiedene Regenerationsversuche in vitro durchgeführt. In den ersten Versuchen, bei denen Kallus oder Adventivsprosse aus aseptischen Blatt- und Internodienstücke induziert werden sollten, wurden die Wirkung und Interaktion von verschiedenen Konzentrationen von NAA und Kinetin bzw. 2,4-D und Kinetin geprüft. Jeder Versuch bestand aus 17 Varianten mit 7 Wiederholungen pro Phytohormonbehandlung. Jedes Explantat wurde wie eine Wiederholung bewertet. Die Phytohormonkonzentrationen und -kombinationen sind in Tabelle 7 und Tabelle 8aufgeführt.


[Seite 29↓]

Tabelle 7: Konzentrationen und Kombinationen von NAA bzw. 2,4-D und Kinetin für den Kallusinduktionsversuch an Blättern von Syngonium podophyllum ´Variegata` 1998-1999.

 

Auxin (mg/l)

Zytokinin (mg/l)

0

1

3

5

10

0

0:0

0:1

0:3

0:5

0:10

0,25

0,25:0

0,25:1

0,25:3

0,25:5

0,25:10

0,5

0,5:0

0,5:1

0,5:3

0,5:5

0,5:10

Aufgrund negativer Ergebnisse bei den ersten Versuchen wurde erneut eine Adventivsprossinduktion mit Syngonium podophyllumdurchgeführt. Als Explantate wurden nach der Entfernung aller Achselknospen nur Internodien, die 50% Variegation aufwiesen oder die 100% weiß bzw. grün waren, auf das MS Nährmedium mit TDZ und AgNO3 gesetzt.In diesem Versuch wurden 12 Behandlungen mit verschiedener Wiederholungsanzahl der Phytohormonbehandlung pro Internodientyp durchgeführt. (5 für variegate und 2 für weiße bzw. grüne Internodien). Wiederum galt jedes Explantat als eine Wiederholung. (Tabelle 8).

Tabelle 8: Konzentrationen und Kombinationen von TDZ und AgNO3 mit 0,3 mg/l NAA für den Adventivsprossinduktionsversuch an Internodien von Syngonium podophyllum ‘Variegata’ 1999-2000.

 

TDZ (mg/l)

AgNO3 (mg/l)

0

1

2

5

0

0:0

0:1

0:2

0:5

1,7

1,7:0

1,7:1

1,7:2

1,7:5

3,4

3,4:0

3,4:1

3,4:2

3,4:5

2.2.2 Doppelte Markierung

Um Sprossvariationen in Blatt- bzw. Blütenfarbe auf Chimärenentmischung zurückführen zu können, wurden verschiedene Kolchizinierungsversuche zur Induktion von Ploidiechimären bei beiden Spiraea-Sorten durchgeführt. So können einzelne Schichten zusätzlich neben der Farbmarkierung im Sprossscheitel mit unterschiedlichen Ploidiestufen markiert werden.


[Seite 30↓]

Um eine doppelte Markierung bei Spiraea bumalda zu erreichen, wurden vier verschiedene Kolchizinbehandlungsmethoden benutzt. Für alle Methoden wurden 0,1 oder 0,2 %ige Kolchizinlösungen verwendet (Olbricht, 1998).

Auflegen von mit Kolchizin getränkter Watte auf die Achselknospen

Bei dieser Methode wurde ein mit Kolchizin getränkter Wattebausch auf die Achselknospen aufgelegt und für 24 Stunden dort belassen.

Veränderung der Methode des Auflegens von mit Kolchizin getränkter Watte auf die Achselknospen

Die Apikalmeristeme von den verschiedenen Sprossen wurden abgeschnitten, um die Apikaldominanz zu hemmen und das Wachstum von Axillarknospen zu fördern. Auf die Achselknospen wurde mit Kolchizin getränkte Watte aufgelegt und für 48 Stunden dort belassen.

Spritzmethode

Wieder wurden die Apikalmeristeme der Sprosse entfernt. Dann wurde mittels einer Spritze Kolchizin in die Achselknospen appliziert und zusätzlich mit Kolchizin getränkte Watte aufgelegt (48 Stunden).

Infiltrationsmethode

Die Apikalmeristeme von Stecklingen von Spiraea, die bis ca. 3 cm lang waren und Wurzeln ausgebildet hatten, wurden in Kolchizinlösung eingetaucht und anschließend mit Hilfe einer Pumpe eine Minute mit der Lösung infiltriert.


[Seite 31↓]

2.2.3  Herstellung von Frischpräparaten

Zur Analyse der Merkmale der verschiedenen Blattmuster an den ausgewählten Objekten wurden Querschnittspräparate von Laubblättern angefertigt. Für die Anfertigung der Querschnitte wurden Ausschnitte aus frischem Blattmaterial in Holundermark, Gurken- oder Zucchinistücke geklemmt und mit einer Rasierklinge Schnitte von Hand ausgeführt. Nach dem Schneiden wurden die Präparate mittels eine Wasserstrahlpumpe entlüftet. Die Untersuchungen von Epidermis und Stomata (zur indirekten Bestimmung des Ploidiegrades oder der Bestimmung des Chlorophyllgehaltes) erfolgten an Epidermisabzügen der Blattunterseite. Die Entlüftung der Epidermisabzüge war bei diesen Präparaten ebenfalls notwendig. Messungen der Stomata erfolgten mittels Okularmikrometer.

Um die Ploidiestufe und Farbstoffverteilung im Blütenblatt zu bestimmen, wurden ganze Blüten mit 10%iger KNO3–Lösung entlüftet und von den Petalen Querschnitte und Epidermisabzüge angefertigt.

2.2.4 Herstellung von Dauerpräparaten

Für histologische Untersuchungen wurden Sprossscheitel und Blätter in Paraffin und Kunststoff eingebettet. Prinzipiell sind beide Methoden erfolgversprechend. Zur besseren Übersicht sind die verwendeten Präparierungsmethoden nachfolgend in Tabellenform vergleichend dargestellt (Tabelle 9).

Die Präparate wurden mit 5 bis 8 μm Schnittdicke an einem Mikrotom der Marke Leica RM 2155 geschnitten. Alle in Paraffin eingebetteten Präparate wurden mit Hämalaun und Eosin angefärbt und unter Verwendung von Kanadabalsam und Deckgläsern eingedeckelt. In Kunststoff eingebettete Präparate wurden mit Toluidinblau oder Hämatoxylin (nach Delafield) gefärbt und mit PDX Montant for histology eingedeckelt.


[Seite 32↓]

Tabelle 9: Einbettungsverfahren zur Herstellung von Dauerpräparaten

 

Einbettungsverfahren

Arbeitsschritt

Kunststoff

Stunden

Paraffin

Stunden

Fixierlösung/ Entlüften

Carnoy*

24

Carnoy*

48

Entwässerung

Ethylenglycolmonoethylen

24

70% Alkohol

48

 

96% Alkohol

24

96% Alkohol

48

 

Propanol

24

Propanol

48

 

Butanol

24

Propanol/Eosin (1:1)

48

   

Xylol

48

Einbetten

Vorbereitunglösung (VL = 100 ml Technovit 7100 + 1g Härter I)

24

Xylol/Paraffin (1:1) 60o C

48

 

20 ml VL+ 2 ml Härter II (Polymerisation)

24

Xylol/Paraffin (1:1)

Verdunsten lassen

48

   

Neues Paraffin in Formen eingießen, Präparate einbetten

 

Einblocken

Trägerblöcke befestigen Technovit 3040 (Lösung und Pulver)

1

  

*6 Teile: 96% Alkohol; 1 Teil: Eisessig; 3 Teile: Chloroform

2.2.5 Lichtmikroskopische Betrachtung und Dokumentation

Die Untersuchungen an Dauer- und Frischpräparaten wurden an den Durchlichtmikroskopen JENAVAL-contrast und LABOVAL-2 durchgeführt. Ergebnisse wurden mit dem mikrofotografischen Aufsetzkamerasystem mf-AKS und Kleinbildfilmen der Marke Agfa dokumentiert. Fotoaufnahmen der Pflanzen bzw. Pflanzenteile entstanden mit Apparaten der Marke Praktica unter Verwendung von Kleinbildfilmen der Marke Agfa.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
13.12.2004